Kapitel 26

Während Hermine in ihrem Zimmer auf Bilbo wartete, beschloss sie, selbst einen Fluchtweg vorzuschlagen, falls der Hobbit bisher noch keinen Erfolg gehabt hatte. Auch wenn sie gerne Frieden mit den Elben schließen und sich gar mit ihnen anfreunden würde, wie es mit Elladan und Elrohir der Fall gewesen war, hatte der Aufenthalt in Thranduils Palast zu viele negative Auswirkungen. Außerdem hatten sie noch einen Weg von ihr unbekannter Länge vor sich, ehe sie den Berg erreichen würden, und die Blätter des Waldes waren schon rot gefärbt gewesen, ehe sie gefangen genommen worden waren. Der Herbst hatte also schon begonnen, auch wenn sie seinen Anfang nicht auf einen Tag festlegen könnte, da der Kalender Mittelerdes ihr fremd war. Der Durins Tag jedoch war einer der letzten Tage des Herbstes, sodass sie wirklich nicht mehr Zeit vertrödeln sollten, wenn sie Zeit haben wollten, nach der Tür zu suchen.

Lange musste sie nicht darauf warten, dass die Tür sich wie von Geisterhand öffnete und wieder schloss und Bilbos leicht genervte Stimme ertönte. "Ich hatte schon befürchtet, ich würde gar nicht mehr herein kommen. Hast du etwas auffälliges gemacht, oder steht der Elb tatsächlich gerne vor deiner Tür um darauf zu warten, ob du heraus kommst?" Es war dem Hobbit wie eine Ewigkeit vorgekommen, die er im Gang hatte warten müssen, ehe der Elb, der gerade in dem Moment vor der Tür anhielt, als er selbst den Gang betrat, endlich wieder seiner Wege ging und er es riskieren konnte, die Tür zu öffnen. Hermine schüttelte verneinend den Kopf, ihre Unterhaltung mit Thorin konnte den Elben schließlich egal sein und wenn sie tatsächlich nach dem Gespräch mit Dwalin Verdacht geschöpft haben sollten, wäre sie schon längst ebenfalls eingesperrt und von ihren Sachen getrennt worden.

Sie konnte sehen, wie Bilbo sich auf das Bett setzte und seine Tasche abstellte, die sichtbar wurde, sobald sie von ihm getrennt wurde. Es war seltsam, zu beobachten, wie die Tasche sich von selbst öffnete, und kurz darauf konnte sie hören, wie Bilbo in etwas hartes Biss, das dem Geräusch nach eine Karotte sein könnte. Sie wartete ab, bis die Kaugeräusche verstummten, und wollte den Hobbit befragen, der ihr zuvor kam und von sich aus zu reden begann.

"Ich denke, ich habe einen Weg gefunden, wie wir den Palast unbemerkt verlassen können. Der Weinkeller befindet sich direkt über dem Fluss und hat eine Falltür, durch die die Weinfässer hinein und hinaus gelangen und es hält sich nur jemand dort auf, wenn eine Lieferung erwartet wird. Zumindest habe ich bei meinen Besuchen dort bisher nur einmal einen Elben dort angetroffen. Wenn wir es schaffen, unbemerkt mit den Zwergen und unseren Sachen dorthin zu kommen, können wir durch die Falltür springen und entkommen. Wobei..." Bilbo hielt inne und Hermine unterbrach ihn nicht, sondern setzte sich langsam neben ihn, damit er Zeit hatte, falls nötig seine Hand aus dem Weg zu ziehen.

"Ich will eigentlich nicht nass werden und der Fluss sah auch nicht sehr ruhig aus. Aber vielleicht sind genug leere Fässer vorhanden, damit wir sie als Transportmittel nehmen können", schloss er schließlich und Hermine konnte spüren, wie er sich bei dem Gedanken an diese Reisemethode schüttelte. Er würde ihr daher sicher gerne helfen, sich eine bessere Transportmöglichkeit zu überlegen, da sie genauso wenig Wert auf eine Reise in einem Fass legte.

"Gibt es vielleicht irgendetwas anderes aus Holz, das wir nutzen können? Bretter, die wir zusammenbinden und zu einem Floß machen können? Wenn möglich, würde ich auf eine Fassreise gerne verzichten."

"Vielleicht, wenn wir genügend Zeit haben... in dem Raum ist ein recht großer Tisch und die Weinfässer werden in einem Regal gelagert. Kannst du Bretter einfach so aneinander zaubern? Wir haben keine Seile und ich glaube nicht, dass die Elben uns den Gefallen tun, uns viel Zeit zu lassen." Bilbo ging in seiner Aufgabe geradezu auf und es freute Hermine, wie selbstsicher er seine Meinung über ihre Lage kundtat, basierend auf dem, was er selbst beobachtet hatte oder erwartete.

"Ich werde mir etwas einfallen lassen. Und wenn es nicht funktioniert, müssen wir doch auf die Fässer zurück kommen." Sie verbrachen den Rest des Tages damit, ihr Vorgehen zu koordinieren, um möglichst lange von den Elben unbemerkt zu bleiben, machten sich jedoch keine Hoffnungen, dass sie nicht verfolgt werden würden. Gänzlich unbemerkt zu entkommen, ohne Spuren, die schnell bemerkt werden würden, erwarteten sie nicht, aber sie wollten versuchen, einen so großen Vorsprung wie möglich zu erlangen, damit die Elben sie entweder aus den Augen verlieren würden, oder aber beschlossen, sie entkommen zu lassen, da sich die Verfolgung nicht lohnen würde. Sie versuchten, sich auf jede Situation vorzubereiten, und trotzdem verfielen sie am nächsten Tag beinahe in Panik, als es schließlich so weit war.

Auf ihrem Weg in den Kerker lief Hermine, mit dem unsichtbaren Bilbo dicht auf den Fersen, an dem Raum vorbei, in dem das Gepäck der Zwerge gelagert wurde. Bevor der Elb die Gelegenheit hatte, sich darüber zu wundern oder gar misstrauisch zu werden, warum sie dort hin gekommen war, verließ ein roter Blitz Hermines im Ärmel verborgenen Zauberstab und der Elb sackte, vom Stupor getroffen, zu Boden. Sie überließ es Bilbo, den Schlüssel für die Tür zu finden und machte sich stattdessen auf den Weg zu den Zwergen.

Ursprünglich hatte sie vorgesehen, nur so wenige Elben wie möglich zu betäuben, um sie nicht mehr zu verärgern, als die Flucht es sowieso tun würde, und um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber als ihr ein Elb entgegenkam, der unweigerlich über den schon betäuben Elben stolpern würde und Bilbos Aufgabe damit schwer, wenn nicht gar unmöglich machen würde, verwarf sie diesen Plan. Sie wollte nicht herausfinden, wie weit die Elben gehen würde, wenn sie wütend waren, ob sie so weit gehen würden, sie zu töten. Sie war überzeugt davon, dass die Bruchtalelben etwas derartiges niemals tun würden, aber die Waldelben erschienen deutlich härter und erbarmungsloser Außenseitern gegenüber zu sein. Und so betäubte sie jeden Elben, den sie auf ihrem Weg traf, bis sie schließlich im Kerker die zwei Wachen und Tauriel traf. Die Wachen konnte sie ausschalten, bevor sie bemerkten, was sie tat, was Tauriel aber genug Zeit gab, Hermines Absichten zu erkennen.

Als Hermine sich der Elbin gegenüber sah, die ihren Bogen gespannt hatte und nur darauf zu warten schien, dass sie eine falsche Bewegung machte, um den Pfeil loszulassen, rasten ihre Gedanken. Sollte es das gewesen sein? Hatte sie die Chance der Zwerge durch ihre Anwesenheit verspielt? Hätte sie es ganz und gar Bilbo überlassen müssen? Aber wie hätte sie ihm erklären sollen, warum sie ihm nicht half, ohne ihm die Erinnerung an ihre Unterhaltung unter dem Nebelgebirge wieder zu geben? Die Zwerge waren erstarrt, als Hermine in den Kerker gelaufen kam und trauten sich nun nicht, Tauriel abzulenken, in der Angst, damit stattdessen Hermine abzulenken und ihr Schicksal zu besiegeln.

Es war Kili, der sie retten sollte. Frustriert hatte er die Hände in die Taschen seiner Jacke gesteckt und dabei den Runenstein berührt, den ihm die Elben nicht abgenommen hatten, da sie ihn weder als wertvoll noch als Waffe ansahen. Er zog den Runenstein aus seiner Tasche und sah kurz auf ihn herab, bevor er an die Gittertür trat, ausholte und warf. Der Stein traf Tauriel im Rücken, wodurch ihre Aufmerksamkeit von Hermine abgelenkt wurde, die ihre Chance sofort ergriff und auch Tauriel mit dem Stupor betäubte. Schnell durchsuchte sie die Elbin daraufhin nach einem Schlüssel für die Zellen und wurde fündig, wobei sie auch den Runenstein fand und mitnahm, um ihn Kili zurück zu geben, nachdem sie seine und Filis Zelle geöffnet hatte. Sobald Tauriel gefallen war, wurden die Zwerge lauter, weshalb Hermine sie anfauchte.

"Wollt ihr, dass die Elben unsere Flucht sofort bemerken? Seid still oder ich gehe ohne euch wieder!" Ihre Nerven waren schon bis zum Zerreißen gespannt, da brauchte sie nicht auch noch eine Horde lauter Zwerge, die wieder einmal nicht nachdachten. Sie hatte Erfolg mit ihren Worten, da die Zwerge verstummten, aber als Thorin sie in seine Arme ziehen wollte, nachdem alle befreit waren, musste sie erkennen, dass die Zwerge nicht verstanden, wie sehr sie die Situation unter Druck setzte. "Nicht jetzt, bitte." Sie wollte nichts mehr, als sich in seine Arme zu flüchten und den Stress zu vergessen, und das Flehen in ihrer Stimme und ihr gehetzter Blick vermittelten den Zwergen schließlich, was ihre Worte nicht konnten.

Einen nach dem anderen belegte sie die Zwerge und schließlich auch sich selbst mit dem Desillusionierungszauber, bevor sie eilig den Kerker verließen. Schon bald stießen sie auf den ersten betäubten Elben, der von einem anderen Elben entdeckt worden war, welcher dem ersten nur Augenblicke später Gesellschaft am Boden leistete.

Auf diese Weise gelangte die Gruppe bis in den Weinkeller, in dem schon ein Berg an Taschen und ein unsichtbarer Hobbit auf sie wartete, der sie begrüßte, sobald Hermine die Zauber auf ihnen allen beendet hatte. Erst danach, als sie sich sicher sein konnte, dass wirklich alle Zwerge auf der richtigen Seite der Tür waren, versiegelte sie diese und schirmte den Raum zusätzlich gegen Lauscher ab, damit die Elben, falls sie sie so schnell fanden, nicht erfuhren, was sie besprachen und ob sie überhaupt noch im Keller waren. Dann sah sie sich den Tisch an, den Bilbo erwähnt hatte und von dem er schon alle Gegenstände entfernt hatte. Die Größe des Tisches und die Zwergengruppe abschätzend, nahm sie an, dass die Hälfte ihrer Gruppe darauf Platz finden könnte, ohne zu riskieren, sich gegenseitig hinunterzustoßen.

"Dwalin, kannst du die Beine des Tischs abschlagen, ohne die Tischplatte zu beschädigen?" Da er zwei Äxte hatte und der stärkste der Gruppe war, übertrug Hermine ihm diese Aufgabe. "Und ihr räumt bitte zwei Regalbretter frei und legt sie nebeneinander auf den Boden", wies sie die übrigen Zwerge an. Diese sahen von Hermine zu Bilbo zu der Falltür, die der Hobbit schon geöffnet hatte, und man konnte ihnen genau ansehen, wie sie begannen zu begreifen, was sie beiden geplant hatten, und dass sie es für vollkommen wahnsinnig hielten. Auch Thorin war ebenso wenig begeistert, erkannte aber auch, dass Bilbo und Hermine die Idee genausowenig für eine gute Idee hielten, aber es die beste oder einzige Möglichkeit war, die ihnen eingefallen war.

"Tut was sie sagt. Wenn es einen besseren Weg gäbe, hätten sie sicherlich nicht diesen gewählt. Und wenn wir nass werden müssen, um endlich diesen Wald zu verlassen, dann sei es so", befahl er den noch immer zögernden Zwergen.

Schnell machten die Zwerge sich an die Arbeit und schon bald war das erste Floß - die Tischplatte - durch die Falltür hinabgelassen worden und wurde dort von Hermine mithilfe des Levitationszaubers an Ort und Stelle gehalten, während die ersten Zwerge hinunter sprangen. Kili, Fili, Oin, Gloin, Bifur, Bofur und Bombur fanden darauf Platz, ehe ihnen die anderen eine gute Reise wünschten und Hermine das Floß entließ. Aus den Tischbeinen hatten sie behelfsmäßige Ruder gebaut, die mehr dazu dienten, das Floß von den steilen Flußufern fernzuhalten. Danach wurden die magisch miteinander befestigten Regalbretter hinabgelassen. Bilbo meldete sich freiwillig, zuerst hinab zu springen um zu testen, ob die Bretter hielten, und als die positive Meldung über das Rauschen des Flusses erfolgte, sprangen die übrigen Zwerge und Hermine hinunter. Auf den Wogen des Flusses lag der Palast des Waldelbenkönigs bald hinter ihnen, und solange sie nicht gegen Felsspitzen fuhren, verlief die Reise nicht so unangenehm, wie sie alle erwartet hatten.

Dies war zumindest solange der Fall, wie sie ungehindert den Fluss hinab schwimmen konnten. Sie befanden sich noch immer im Wald, der jedoch immer lichter wurde und dadurch von einem Ende der Baumlandschaft kündete, als sie an ein befestigtes Tor kamen, das von zwei Elben bewacht wurde. Die Elben schenkten den Ankömmlingen jedoch gar keine Aufmerksamkeit, da diese von einer Gruppe Orks beansprucht wurde. Es war unklar, ob die Orks der Elben oder der Zwerge wegen hier waren, aber es spielte auch keine Rolle, wenn es nach den Orks ging, würde niemand diesen Ort lebend verlassen. Da das Tor geschlossen war, konnten sie die Elben auch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen, wie Thorin es sicherlich bevorzugt hätte, sondern mussten in den Kampf eingreifen, um nicht auf dem Präsentierteller darauf zu warten, dass die Orks zu ihnen kamen.

"Kili, Ori, gebt uns Deckung", befahl Thorin den beiden jüngsten Zwergen, da diese die einzigen mit Fernkampfwaffen waren. Wurfdolche und Äxte wären hier verschwendet, da die Wahrscheinlichkeit, die Waffen zu bergen, sehr gering war, schließlich wollten sie sich nicht länger aufhalten als nötig. Seine Worte blieben unbeachtet, da die beiden sowieso schon dabei waren, mit Pfeilen und Steinen auf die Orks zu zielen. "Dwalin, Gloin, ihr verteidigt die Flöße. Und Hermine, wenn du uns helfen kannst, tu es, aber am wichtigsten ist, dass die Flöße nicht abtreiben, solange nicht alle da sind." Und mit diesen Worten sprang er an die Mauerkante über dem Floß und zog sich auf den Übergang, während die anderen Zwerge dafür sorgten, dass ihn kein Ork in dieser verletzlichen Position angriff. Einer nach dem anderen verließen die Zwerge die Flöße, teilweise so wie Thorin, teilweise mit Unterstützung von Dwalin oder Gloin und Fili bat Hermine darum, ihn hinter eine Gruppe Orks schweben zu lassen. Da die Flöße solange das Tor zu war sowieso nicht abtreiben konnten, kam Hermine dieser Bitte nach und brachte kurz darauf auch Bifur in eine strategisch günstige Position, die der Zwerg ihr mit Gesten verständlich gemacht hatte. Es dauerte nicht lange, und Hermine und Bilbo waren mit Kili, Ori, Dwalin und Gloin allein.

"Sag mir bitte Bescheid, falls etwas passiert, bei dem ich eingreifen sollte", bat Hermine Bilbo, ehe sie sich darauf konzentrierte, eine Möglichkeit zu finden, die Flöße aufzuhalten.

Derweil kämpften die Zwerge situationsbedingt Seite an Seite mit den Elben gegen die Orks und spielten sich dabei hin und wieder gar in die Hände, was keiner von ihnen sich anmerken ließ. Doch es waren viele Orks und der begrenzte Platz auf der Mauer erschwerte es den Zwergen, sich gegen die Feinde am Ufer zur Wehr zu setzen, da sie sich vor den schwarz gefiederten Pfeilen der Orks in Acht nehmen mussten. Filis und Bifurs unerwarteter Angriff im Rücken der Orks ermöglichte es ihnen schließlich, die Orks zurück zu drängen, sodass Balin die Gelegenheit hatte, sich nach einem Hebel oder dergleichen umzusehen, mit dem das Tor geöffnet werden konnte.

In dem Moment, als er "Hermine", rief, um sie zu warnen, dass er versuchen würde, das Tor zu öffnen, trafen Legolas, Tauriel und eine Gruppe Elben ein. Anscheinend war ihre Flucht trotz oder gerade wegen der vielen betäubten Elben schneller aufgefallen als erhofft, und da die Wachen am Haupttor nicht betroffen waren, dürfte es den Elben nicht schwer gefallen sein, herauszufinden, wie sie entkommen waren, da es keine anderen Ausgänge gab.

Die Neuankömmlinge waren so eilig unterwegs gewesen, dass sie sich mitten im Kampf befanden, ehe sie bemerkt hatten, dass es nicht zwei sondern drei Gruppen gab und sie sich gegen einen anderen Feind als den erwarteten wehren mussten.

Balin zog den Hebel und öffnete damit unter Knarren das Tor, doch die Flöße bewegten sich nicht, da Hermine das Wasser am hinteren Ende eingefroren hatte und das Eis stark genug war, die Holzbretter festzuhalten. Es war keine gute Lösung, da sie nicht wusste, ob sie das Eis schnell genug wieder schmelzen konnte, ohne ihre behelfsmäßigen Transportmittel zu beschädigen, aber ihr war auf die schnelle nichts besseres eingefallen. Gleichzeitig schlug Thorin einen Ork nieder, der gerade im Begriff war, Legolas ein Schwert in den Rücken zu rammen und wurde seinerseits von Kili gerettet, der einen Bogenschützen erschoss, der auf Thorin zielte.

Doch während Bilbo "kommt zurück" rief und die Zwerge einer nach dem anderen wieder von der Brücke auf ihr Floß oder das umgebende Eis sprangen, wobei dieses schon zu knacken began, verloren Kili und Ori den Überblick über die orkischen Bogenschützen, da ihnen entweder Zwerge ins Blickfeld sprangen oder das Floß wackelte. Niemand sah, wie ein Pfeil durch den Tumult hindurch flog und in Kilis Schulter stecken blieb. Erst als das Eis zerbrochen war und die Flöße unter den Blicken der Elben und Orks, die noch immer in den Kampf verstrickt waren, davon getrieben waren, machte Kili auf sich aufmerksam.

"Hermine?", rief er von dem anderen Floß und zog damit die Blicke aller auf sich, die beim Anblick des orkischen Pfeils erschraken. Nachdem Hermine Thorins Verletzungen geheilt hatte, bestand bei keinem von ihnen die Frage, ob sie auch Kili heilen könnte, zumal es nur eine Fleischwunde war, aber Orks waren dafür bekannt, ihre Pfeile in Gift zu tränken. "Ich will dich nicht stören, aber könntest du mir helfen? Es scheint, ich habe ein kleines Problem." Kili versuchte, seine eigene Sorge durch den lockeren, gelassenen Ton zu verscheuchen, doch ein Blick in die Gesichter der anderen, insbesondere Thorins und Filis, sagte Hermine, dass ihnen alles andere als zum Scherzen zumute war. Den Grund dafür erfuhr sie von Oin.

"Der Pfeil ist vermutlich vergiftet. Wenn du Gifte neutralisieren kannst, wird dich keiner davon abhalten. Wenn nicht, solltest du die Wunde mir überlassen", erklärte der alte Zwerg ihr, da er fürchtete, eine vergiftete, aber geschlossene Wunde würde es erschweren, das Gift zu bekämpfen. Betrübt schüttelte Hermine mit dem Kopf.

"Um Gifte zu bekämpfen nutzen wir Tränke, und ich bin weder gut genug darin ausgebildet, ein Gegengift für ein unbekannte Gift zu entwickeln, noch um mir unbekannte Pflanzen auf ihre Wirkstoffe zu untersuchen. Es tut mir Leid, Kili." Die Zwerge brauchten nicht erst zu sehen, wie Bilbo aufmunternd ihre Hand drückte, selbst sie konnten erkennen, dass es die Hexe stark mitnahm, nicht helfen zu können.

"Du kannst nicht für alles eine Lösung parat haben, Mädchen", versuchte Balin, sie zu beruhigen, was die anderen Zwerge mit ähnlichen Bekundungen unterstützten. Thorin hingegen zog sie, so gut es auf dem Floß möglich war, in seine Arme, sodass sie sich an ihn lehnen konnte.

"Sie haben Recht, meine Hexe. Oin ist einer der besten Heilkundler in den Blauen Bergen gewesen, er wird sich hervorragend um Kili kümmern, sobald wir einen Platz zum Rasten gefunden haben", murmelte er und schaffte es damit, Hermine ein wenig zu beruhigen. Es war ein schrecklicher Gedanke für sie, wenn durch ihrem Versuch, die Zwerge in der Schlacht um den Berg zu retten, eben jene Zwerge vorher den Tod fanden, ohne dass sie etwas daran ändern konnte. Und je näher diese Schlacht rückte, umso schwerer lastete das Wissen auf ihr.

Da die Elben und Orks sich gegenseitig aufhielten, verlief die restliche Fahrt den Fluss hinunter bis auf die Sorge um Kili ohne Probleme, und als der Fluss sich verbreitete und die Strömung immer langsamer wurde, bis sie am Rande des Langen Sees die mitgebrachten Bretter zum Paddeln nutzen mussten, um voran zu kommen und das nahe, sandige Ufer zu erreichen. Ohne Rücksicht auf nasse Füße, sondern einfach nur froh, wieder an Land zu kommen, sprangen die Zwerge von den Flößen in das seichte Wasser, wobei sie sowohl für Hermine - und dadurch auch Bilbo - als auch Kili eine trockene Landung arrangierten, indem sie die Flöße hinter sich her an Land zogen.

Während Oin nun endlich den Pfeil aus Kilis Arm ziehen konnte, trocknete Hermine die Stiefel und Hosen der Zwerge im Handumdrehen, ehe sie sich zu Oin gesellte um ihm ihre Hilfe anzubieten. Gemeinsam säuberten sie die Wunde und stoppten die Blutung, wobei Fili neben ihnen hockte und den Pfeil beäugte und daran roch. Keiner von ihnen ließ sich durch Kilis Scherze aufmuntern, da die schwarze Flüssigkeit auf der Pfeilspitze ihre Sorgen bestätigt hatte. Bombur und Bilbo waren derweil wenig enthusiastisch dabei, ein spätes Mittagessen zuzubereiten, und Bombur konnte nicht anders, als seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

"Endlich wieder eine richtige Mahlzeit in Aussicht und nicht nur den Salat, den die Elben uns vorgesetzt haben, aber ein verletzter Gefährte verdirbt einem fast den Appetit." Es war plump, wie es von Bombur nicht anders zu erwarten war, entsprach aber dem, was auch die anderen fühlten. Dies hätte der Moment sein sollen, an dem sie ihre Flucht feierten und sich betranken, falls noch genug Ale in den Trinkschläuchen war, stattdessen mussten sie um die Gesundheit Kilis bangen. Es wurde daher eine stille Feier, bei der Kili es sich verbat, eine Sonderbehandlung zu erfahren, da er sich ansonsten fühlte als befände er sich schon auf dem Totenbett.

"So ein bisschen Gift wird mich schon nicht unterkriegen. Den Orks werde ich es zeigen", rief er noch übermäßig laut, ehe er unter dem Einfluss der Kräuter, die Oin ihm gegeben hatte, in tiefen und hoffentlich heilsamen Schlaf verfiel. Und auch wenn Hermine gerne die wenigen ruhigen Minuten, in denen die Zwerge durch ihre Habseligkeiten wühlten um zu sehen, ob noch alles da war - sie waren Hermine dankbar, als sie von dem Zauber erfuhren, trauten den Elben aber natürlich zu, schon vorher Dinge entwendet zu haben - damit verbracht hätte, mit Thorin darüber zu sprechen, was vor ihnen lag, erwies sich die Verantwortung nun, da der Adrenalinpegel wieder sank, als eine Anstrengung, die ihren Tribut forderte. Als Thorin merkte, wie sie in sich zusammensackte, wickelte er sie in seinen Mantel ein und bereitete ihr ein Lager für einen Mittagsschlaf.

Legolas und Tauriel berieten derweil, nachdem die Orks getötet oder in die Flucht geschlagen waren, wie sie weiter vorgehen sollten. Sie beide hatten den vereisten Fluss gesehen und einer der wachhabenden Elben bestand darauf, er habe einen der Zwerge über die Köpfe der Orks hinweg schweben sehen. Zusammen mit Tauriels Bericht, die Menschenfrau habe mit einem Zweig und seltsamen Lichtblitzen mehrere Elben betäubt, von denen bis auf Tauriel keiner sagen konnte, was genau geschehen war, aber bestätigen konnten, dass sie kurz davor Hermine gesehen hatten, ergab sich ein ganz neues Bild der Menschenfrau. Sie schien seltsame Fähigkeiten zu haben, und während es eine Sache war, die Zwerge entkommen zu lassen, war es etwas ganz anderes, mehr über die Frau zu erfahren. Sie entschieden daher, den Zwergen und damit auch der Menschenfrau zu folgen, schickten allerdings die Elben, die sie bei der Verfolgung der Zwerge begleitet hatten, wieder zurück, um Thranduil über die Neuigkeiten zu unterrichten sowie Ablösung für die Wachen zu schicken.

Nachdem die Gruppe sich auf den Rückweg gemacht hatte, vergewisserte Legolas sich noch einmal, dass die Orks tatsächlich geflohen waren und nicht in der Nähe auf der Lauer lagen. Tauriel stellte währenddessen sicher, dass die Wachen im Falle eines weiteren Angriffs noch immer in der Lage waren, sich lange genug zu verteidigen, da sie durch Verletzungen eingeschränkt waren, und schließlich machten sich die beiden Elben schnellen Schrittes auf den Weg und folgten dem Flusslauf hinab in die Ebene.

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V: Da die Reviewantwort doch etwas länger geworden ist, hab ich sie mal ans Ende gepackt: Das es so lange gedauert hat, lag nur zum Teil an mir - ich hatte eine ganze Weile Hoffnung, doch etwas von meiner Beta zu hören. Dieses Kapitel war auch schon fertig, aber anstatt dann zwei Kapitel auf einmal zu posten und dann beim nächsten Mal wieder lange zu dauern, habe ich mit dem hier lieber nochmal gewartet.
Und solange ich schreibe, werde ich auch updaten - ich bin nur leider echt sehr langsam, ich weiß nicht, wie manche Leute alle 2 Tage mit 6k Wörter-Kapiteln updaten können, was unter anderem daran liegt, dass ich mit Zettel und Stift besseren Schreibfluss habe - aber dann keine Lust es abzutippen. Und wenn ich am Rechner sitze gibt es sooo viele andere tolle Sachen die man machen kann die mich dann ablenken, sodass ich teilweise nur mal einen Absatz hier und da schreibe. Und ein "Hey, wo bleibt das nächste Kapitel, wir warten" ist dann einfach ein manchmal benötigter Tritt in den Hintern, damit ich mich mal darauf konzentriere. Ansonsten plane ich.. und plane.. und vergesse einiges davon auch wieder.. aber aufschreiben? Ach, später vielleicht. Falls du verstehts was ich meine :D (Und hauptsächlich ist es glaube ich auch ein Problem, dass es halt ein Crossover ist - weniger Leser - weniger Chance auf Leser die gerne Reviews schreiben. Aber nachdem ich über eine Hermine/Thorin Geschichte gestolpert bin, die abgebrochen wurde, wollte ich selbst eine schreiben. Mein Pech xD)