Lieben Dank für die Reviews, vor allem an Zephyr!
Und wer einen schwachen Magen hat, sollte bei diesem Kapitel lieber das Essen beiseite packen. ;)


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I wish I knew how it would feel to be free.
I wish I could break all the chains holding me.
I wish I could say all the things that I should say.
Say 'em loud say 'em clear
for the whole wide world to hear.

(Lighthouse Family – Free)


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Kapitel 38 – Blut

„Hör zu, Harry, das ist unsere einzige, verdammte Chance und wenn du auch nur den kleinsten Wunsch danach verspürst, diesen Krieg zu überleben, dann komm' morgen Abend nach Hogwarts und leiste deinen Teil zu diesem Trank!"

Hermine atmete einmal tief durch und wischte sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Sie war seit längerem nicht mehr so aufgebracht gewesen, doch Harry mit seinen ständigen Wenns und Abers und dusseligen Einwänden hatte sie an den Rand des Wahnsinns getrieben. Er schien die Ausmaße des Krieges noch immer nicht wahrhaben zu wollen und auch wenn seine Strategie vielleicht im Verdrängen der Realität lag, so hatte das noch nie zu ihren Spezialitäten gehört und Hermine war nicht gewillt, jetzt damit anzufangen.

Beruhige dich... Ihm bleibt gar nichts anderes übrig.

Professor Dumbledore schien in seinem Rahmen allerdings seinen Spaß zu haben. Er hatte den Kopf in eine Hand gestützt und beobachtete das feurige Gespräch der beiden Freunde. Und feurig war es definitiv, denn sie führten diese Unterhaltung über den Kamin.

„Hermine, ich kann morgen Abend nicht! Wir haben einen Auftrag bekommen und der muss morgen über die Bühne gehen." An seiner Sturheit hatte sich nichts geändert.

Hermine ballte die Hände zu Fäusten und wollte gerade eine weitere Tirade an Argumenten und milden Beschimpfungen auf die Ignoranz dieses Kerls loslassen, als Professor Dumbledore sich endlich einschaltete: „Harry, ich denke, dieses Ritual ist um einiges wichtiger als dein Auftrag. Remus kann für dich mitgehen. Finde dich bitte pünktlich hier ein und füge dich den Anweisungen, die Miss Granger und Professor Snape dir geben! Es geht um das Ritual zur Vernichtung Voldemorts. Es gibt nichts Wichtigeres als das."

Die Stimme des Schulleiters ließ keine Widerworte zu und Hermine nickte unterstützend und setzte dabei ihren besten ‚Ich-hab's-dir-ja-gleich-gesagt'-Blick auf. Harry rümpfte missmutig die Nase.

„Schön!", schnappte er dann und Hermine blinzelte überrascht. „Ich werde da sein! Darf ich dann jetzt bitte endlich gehen?"

Hermine verkniff sich ein Schmunzeln. Dass sein Schmollen nur aufgesetzt war, war offensichtlich. Die Aussicht auf ein baldiges Ende dieses Krieges musste ihn einfach in Hochstimmung versetzen und auch wenn er diese jetzt nicht mit Hermine und Professor Dumbledore teilen wollte, so war sie sich dennoch sicher, dass er später zusammen mit Ron und einer Flasche Feuerwhiskey auf der Veranda des Fuchsbaus sitzen und den Abend genießen würde.

„Aber sicher", erwiderte Hermine deswegen geschmeidig und mit einem Nicken zu Professor Dumbledore und Hermine trennte Harry die Verbindung. Hermine atmete tief durch und schüttelte angedeutet den Kopf. „Alter Dickschädel", fluchte sie leise und Professor Dumbledore lachte kurz auf.

„Es wäre doch auch schlimm, wenn er es nicht wäre, oder?"

„Ich weiß ja nicht... Aber ich werde jetzt gehen und mich auf das Ritual morgen vorbereiten. Ich denke, das wird abenteuerlich." Professor Dumbledore stimmte ihr mit einem besorgten Nicken zu, denn bisher hatte Hermine Harry noch nicht erzählt, was genau seine Aufgabe sein würde. Zweifellos wäre er davon nicht begeistert.


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Am Abend des Samstages saß Hermine in ihrem Zimmer und starrte gedankenverloren aus dem Fenster. Eigentlich war sie hundemüde, denn Lupin hatte am Nachmittag keine einzige Gelegenheit ausgelassen, ihr deutlich zu machen, auf was für einen Kampf sie sich vorbereitete. In ihrem Kopf allerdings wirbelten so viele Gedanken durcheinander, dass sie kaum einen richtig zuordnen konnte. Sie hatte ihre Aufforderung an Snape, ihr einen Beweis für das Vertrauen, das sie ihm schenken wollte, zu geben, erfolgreich verdrängt. Im Nachhinein hatte sie sich sogar gefragt, woher sie den Mut dazu aufgebracht hatte, eine solche Forderung zu stellen.

Als ob er mein Vertrauen wirklich brauchen würde...

Er war nicht weiter darauf eingegangen und hatte es danach mit keinem Wort erwähnt. Also hatte sie es auch nicht getan. Entweder er würde sich etwas einfallen lassen, oder sie würde mit der Erkenntnis leben müssen, dass er ihr Vertrauen nicht wollte.

Irgendwann ergab sie sich resignierend dem Drängeln ihrer Gedanken, zumal diese sich zunehmend nur noch auf ihn konzentriert hatten. Sie griff zur Feder und verharrte damit dicht über dem Pergament, das vor ihr auf dem Tisch lag. Wie sollte sie es am besten anstellen? Vertraut oder distanziert? Was wollte sie erreichen?

Schließlich schrieb sie folgende Frage: Darf ich zu dir kommen?

Es verlangte sie danach, bei ihm zu sein. Vielleicht konnten sie ein bisschen reden, vielleicht würden sie sich auch nur beim Lesen Gesellschaft leisten. Sie würde mit beidem leben können.

Mit einem Wink ihres Zauberstabes löste sich das Pergament vor ihr auf und Hermine hoffte sehr, dass es sein Ziel erreicht hatte. Diese Art der Nachrichtenübertragung funktionierte bisher nur auf kurze Strecken und sie hatte es bisher immer noch von einem Ende des Klassenraumes zum anderen ausprobiert. Natürlich nicht freiwillig; die obskuren Pläne von Ron seine Zaubertränke betreffend hatten ihre keine andere Wahl gelassen.

Nach ein paar Minuten tauchte das Pergament vor ihrer Nase wieder auf und eine Gegenfrage war darunter geschrieben worden: Warum?

Snapes Schrift sah unsicher und irgendwie zittrig aus, was Hermine besorgt die Stirn runzeln ließ. Sie tunkte die Spitze ihrer Feder erneut in die Tinte, zögerte dann aber, was sie antworten sollte. Schließlich entschied sie sich für folgendes: Ich wäre gerne bei dir.

Erneut schickte sie das Pergament auf Reisen und dieses Mal kehrte es schneller zurück. Die Antwort war dieselbe: Warum?

Hermine seufzte frustriert. Warum musste dieser Mann immer alles so genau wissen wollen? Sie setzte die Feder entschlossen aufs Papier und schrieb: Weil ich nervös bin und deine Anwesenheit mich immer beruhigt.

Ein paar Minuten später kam die Antwort: Nervös?

Sie schrieb: Ja, nervös! Ich fühle mich wie vor einer Prüfung...

Die Antwort: Es ist nur ein Ritual. Und es ist bestens vorbereitet. Wenn Potter kommt...

Hermine verengte die Augen, ehe sie antwortete: Er kommt!

Snape schrieb: Fein. Dann brauchst du nicht nervös sein.

Sie war kurz davor, das Pergament zu zerreißen, besann sich aber eines besseren: Bin ich aber! Und wenn es dich stört, dann tu etwas dagegen!

Lange Minuten passierte gar nichts, dann: Gut, komm her. Aber pass auf, dass dich niemand sieht!

Hermine atmete erleichtert auf, vernichtete schweren Herzens diese kleine Unterhaltung und zog sich den Tarnumhang über. Am Wochenende waren die meisten Schüler zu Hause bei ihren Familien, eine Neuerung, die Professor McGonagall angesichts der Angst unter den Zauberern und der unsicheren Lage eingeführt hatte. In dieser Erklärung hatte der wahre Grund nur unterschwellig mitgeschwungen: Wer wusste schon, ob man die Familie sonst noch einmal wiedersah?

Der Tod Professor Dumbledores hatte sie anscheinend schwerer getroffen, als Hermine und alle anderen erwartet hatten. Es war ein unumstößlicher Beweis für die Vergänglichkeit, auch wenn Professor Dumbledore auf eine gewisse Art unsterblich geworden war.

Hermine lief mit eiligen, aber nicht übertrieben lauten Schritten durch die Gänge und stellte fest, dass sie den Weg in die Kerker vermutlich auch blind gefunden hätte. Sie war schon so oft hierher gekommen – in den letzten Wochen vermutlich öfter als in den sechs Jahren davor.

Sie machte sich nicht die Mühe anzuklopfen, sondern schob sich einfach so vorsichtig durch einen schmalen Spalt in der Tür. Snape sah zu ihr auf und der zuerst erschrockene Ausdruck verging, als er nichts sehen konnte. Hermine schmunzelte über die Wirkung, die sie sogar unsichtbar auf ihn hatte, und zog sich dann den Umhang vom Körper.

Etwas verlegen stand sie vor ihm und er sah sie lange an. „Nun, bist du jetzt ruhiger?", fragte er dann mit bemüht abweisender Miene, doch sie hatte die persönliche Anrede nicht überhört. Es schien, als würde die alte Vertrautheit allmählich wieder zu ihnen zurückkehren. Hermine begann den Zwischenfall auf den Ländereien zu verdrängen und vielleicht tat er es genauso. Sie konnte es nicht akzeptieren, geschweige denn verstehen, solange sie nicht mehr über ihn erfuhr. Aber sie konnte so tun, als wäre es nie passiert.

„Ja", antwortete sie schlicht. Snape sah sie milde überrascht an und schließlich riss Hermine sich von seinem Anblick los. „Darf ich?", fragte sie dann und deutete auf sein Bücherregal.

Er forderte sie mit einer Geste dazu auf, sich bei den Büchern zu bedienen, anscheinend erleichtert, dass sie damit die Frage klärte, was sie nun zu tun gedachte. „Sieh' es als deinen ersten offiziellen Leseabend an."

Hermine überging diese Bemerkung und suchte sich eines der Bücher heraus, das sie bereits seit längerem interessiert hatte, das aber thematisch nie zu dem gepasst hatte, mit dem sie sich beschäftigen musste. Sie legte den Tarnumhang auf den Stuhl vor Snapes Schreibtisch und ging zum Kamin hinüber. Mit einem geflüsterten „Incendio!" entzündete sie ein Feuer darin, das die selbst im Sommer kühlen Kerkerräume aufwärmen würde, und machte es sich im Sessel bequem.

Snape war ihr mit den Blicken gefolgt, das hatte sie gespürt. Dass sie ihm nicht zu nahe kam, im Gegenteil eher erstaunlich großen Abstand zu ihm hielt, schien ihn zu überraschen. Nach ein paar Minuten löste er sich von seinem Schreibtisch und kam in leicht gebückter Haltung und mit einem dünnen Buch zu ihr herüber, setzte sich in den zweiten Sessel. Ein kaum hörbares Stöhnen entkam ihm.

„Ist alles in Ordnung?", fragte Hermine besorgt nach und er winkte ab.

„Geisterbeschwörung", erklärte er knapp und sie nickte verstehend.

„Kann ich dir irgendwie helfen?" Nein, sie würde nicht ausflippen. Sie würde ihm nur helfen, wenn er es wollte. Sie würde ihn auf Abstand halten. Vielleicht verdrängte sie die Begegnung mit dem Todesser, doch sie hatte sie nicht vergessen.

„Nein, es geht schon." Er hielt ihrem Blick kurz stand, dann wandte er sich seinem Buch zu. Ein Gedichtband, wie Hermine überrascht erkannte.

Sie verkniff es sich, genauer nachzufragen, und stützte den Kopf in eine Hand, während sie in ihrem Buch zu lesen begann. Nach ein paar Minuten kehrte wirklich eine wundervolle Ruhe zwischen ihnen ein und Hermine fühlte sich so wohl wie seit langem nicht mehr. Die Momente, in denen sie in dieser stummen Übereinkunft mit Snape verbrachte, erinnerten sie an die Zeit in Scarborough und diese Erinnerungen waren es, die sie im Moment aufrecht hielten.

Sie hatte den Todesser nicht vergessen – den Mann, den sie liebte, allerdings genauso wenig.


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Am Sonntagabend holte Hermine Harry vom Apparationspunkt ab. Sie musste ihm irgendwie erklären, was genau seine Aufgabe sein würde, bevor sie sich mit Snape trafen. Dementsprechend war sie fahrig und hoffte sehr, dass er die Ermahnungen Professor Dumbledores nicht vergessen hatte.

Harry umarmte sie flüchtig und versenkte anschließend die Hände in seinen Hosentaschen. „Wollen wir gehen?", fragte er dann, klang sehr kurz angebunden und Hermine öffnete den Mund, um etwas zu sagen.

„Ja", war dann alles, was sie herausbrachte und verzog das Gesicht. „Harry, ich glaube, du solltest wissen, was wir geplant haben, bevor wir uns mit Professor Snape treffen", brachte sie schließlich mühsam hervor, als sie das Schlossportal bereits erreicht hatten.

„Das ist nicht nötig. Ich weiß es schon. Dumbledore hat heute morgen mit mir gesprochen." Er klang enttäuscht und Hermine senkte betreten den Blick.

„Es tut mir Leid, dass ich es dir nicht eher gesagt habe. Ich hatte Angst, du würdest es dann nicht machen." Sie kam sich vor wie ein dummes Mädchen und verschränkte die Arme vor der Brust.

Harry fasste sie seufzend an den Schultern und zwang sie so, ihn anzusehen. „Hermine, ich kann diesen Bastard wirklich nicht ausstehen. Aber ich weiß durchaus, wann es nötig ist, sich zusammenzureißen. Es geht um den Sturz Voldemorts und wenn es sein muss, dann opfere ich auch mein Fleisch für diese Sache." Er verzog bei der Vorstellung angewidert das Gesicht, doch Hermine war nun wirklich erleichtert. „Ich hätte es nur gerne an einem anderen Tag als heute getan. Dieser Auftrag war mir wichtig."

Diese Erklärung weckte bei Hermine ein schlechtes Gewissen. „Danke dir, dass du hergekommen bist, Harry", nuschelte sie leise und umarmte ihn nun noch einmal etwas fester.

„Zu sagen, ich würde es gerne tun, wäre übertrieben...", begann er mit einem schiefen Lächeln, „… aber ich werde es tun. Und jetzt lass uns gehen, bevor Ihre Garstigkeit einen Grund hat, uns zusammenzustauchen oder Gryffindor Punkte dafür abzuziehen."

Hermine verkniff sich jede Antwort darauf.


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Wenige Minuten später klopfte sie vorsichtig gegen die Tür von Snapes Büro. Es war Essenszeit und die vor knapp zwei Stunden aus dem Wochenende zurückgekehrten Schüler waren allesamt in der Großen Halle beim Essen. Sie hatten das Treffen absichtlich so gelegt und würden nun solange in diesem Büro und dem angrenzenden Labor bleiben, bis es acht Uhr vorbei war. Das waren anderthalb Stunden und Hermine spürte ihre Nervosität wieder steigen.

Anderthalb Stunden mit den beiden... Womit hab ich das bloß verdient?

Snape riss die Tür auf und trat zur Seite, um sie einzulassen. „Ein bisschen schneller, wenn es möglich ist. Ich will nicht, dass man uns sieht", wies er sie genervt an und schloss rasch die Tür wieder.

„Es freut mich auch, Sie zu sehen, Professor Snape", erwiderte Harry missmutig und Hermine sah, wie seine Kiefer mahlten, nachdem er geendet hatte.

Snape lächelte übertrieben freundlich. „Jetzt sagen Sie nicht, Sie haben mich vermisst, Potter." Er hob eine Augenbraue.

Harry wollte gerade zu einer bissigen Erwiderung ansetzen, als Hermine laut räuspernd auf sich aufmerksam machte. Beide Köpfe schnellten zu ihr herum und sie zog eine Augenbraue hoch. „Können wir uns bitte auf das Wesentliche konzentrieren? Wir haben nicht ewig Zeit und ich würde gerne so schnell wie möglich fertig werden."

Snape wandte sich nach einem letzten bissigen Blickgefecht von Harry ab und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. „Wir sitzen ohnehin bis um acht hier fest, Miss Granger. Also kein Grund zur Eile."

„Das ist mir bewusst, Professor. Aber ich würde die anderthalb Stunden ungern damit verbringen, irgendwelche Wunden zu versorgen. Also können wir uns darauf einigen, höflich miteinander umzugehen?" Dabei sah sie besonders Harry mahnend an, der schließlich kapitulierend die Hände hob.

„Wollen Sie mir etwa unterstellen, ich würde mich nicht höflich benehmen, Miss Granger?"

Hermine legte mit zusammengekniffenen Augen den Kopf schief. Eine so offensichtliche Provokation hatte sie von ihm in dieser Situation nicht erwartet. Hatte er möglicherweise doch den Verdacht, dass Harry etwas wissen könnte? „Natürlich nicht, Sir. Das würde ich mir niemals anmaßen", antwortete sie deswegen vorsichtig.

Er sah ein bisschen so aus, als hätte sie seinen Köder geschickt umgangen. Hermine grinste zufrieden in sich hinein. „Wenn Sie sich dann bitte einen Moment setzen würde, es gibt noch ein paar grundsätzliche Dinge zu besprechen."

Die beiden taten, worum er sie bat, und Hermine versuchte ihre Nervosität wieder unter Kontrolle zu bekommen. Diese Mischung war wirklich ausgesprochen explosiv und sie spürte, wie die Spannung im Raum bereits jetzt stieg. Das konnte nicht gut gehen.

Nun allerdings sahen sie den Lehrer vorerst abwartend an und schließlich begann Snape: „Wir werden heute zu dritt diesen Trank beginnen und beenden. Miss Granger, Sie werden die Knochen der Mutter hinzufügen, die anderen Zutaten ergeben sich von alleine."

Er machte eigentlich nur eine kurze Pause, um Luft zu holen, doch Harry unterbrach ihn: „Darf ich fragen, was Sie zu diesem Trank beitragen werden?"

Snape erdolchte ihn quasi mit seinen Blicken und Hermine konnte sehen, wie Harry angestrengt schluckte. „Blut, Mr Potter. Ich werde mein Blut dazu geben." Es wurde für einen Moment still und die Spannung stieg weiter. „Dürfte ich dann vielleicht fortfahren?" Harry nickte. „Vielen Dank. Wie ich bereits erklärte, bevor Sie mich unterbrachen, werden wir diesen Trank zu dritt beenden. Das bedeutet, dass ich jeden, wenn nötig gewaltsam, daran hindern werde, das Labor vorzeitig zu verlassen." Er blickte mahnend von einem zum anderen und Hermine hatte keinerlei Zweifel daran, dass er diese Drohung ernst meinte.

„Warum ist das so wichtig, Sir?", fragte sie vorsichtig. Snape hatte den genauen Ablauf des Rituals noch nicht mit ihr besprochen und dementsprechend war sie momentan auf dem gleichen Wissensstand wie Harry.

„Der Trank wird durch Ihren Bannspruch aktiviert, Miss Granger. Das bedeutet, er muss gesprochen werden, wenn der Lord ihn getrunken hat. Und er kann nur von denen gesprochen werden, die an der Herstellung beteiligt gewesen sind. Wir können es uns nicht erlauben, nur eine einzige Person zu bestimmen, die diese Macht hat. Deswegen ist es wichtig, dass wir alle drei anwesend sind und dass jeder von uns eine der letzten Zutaten in den Trank gibt."

Hermine nickte und sah, dass Harry diese Begründung auch einleuchtete. „Wie wollen wir das mit dem Trinken überhaupt regeln?", fragte er dann und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Das wird eindeutig der schwierigste Teil und so sehr es mir auch missfällt, dies zu sagen..." Snape ließ keinen Zweifel daran, dass er seine letzte Aussage alles andere als so gemeint hatte. „... diese Aufgabe wird Ihnen zukommen, Potter."

Harry setzte sich aufrecht hin. „Warum mir?", fragte er bissig und Hermine zog den Kopf ein.

„Der Lord wird sich zweifellos vollkommen auf Sie konzentrieren. Die anderen Todesser und Auroren sind nur nettes Beiwerk. Sie werden als Einziger so nah an ihn herankommen, dass sie auch nur die geringste Chance dazu haben, ihm diesen Trank einzuflößen."

„Und wie soll ich das tun?"

Snape senkte kurz den Blick und Hermine vermutete, dass jetzt der Teil des Planes folgen würde, an dem er die größten Zweifel hatte. „Ich werde versuchen, den Lord mit dem Imperius zu belegen. Sie können davon ausgehen, dass Sie höchstens zwanzig Sekunden Zeit haben. Länger werde ich es nicht schaffen und länger werden die anderen Todesser nicht brauchen, um sich neu zu orientieren. Also zögern Sie nicht, wenn Sie spüren, dass er gefügig ist!"

Harry nickte, wirkte allerdings nicht besonders überzeugt davon. „Mir gefällt dieser Plan immer weniger", murmelte er und Hermine senkte den Blick.

„Wenn Sie einen Besseren haben, nur zu!"

„Wenn es so wäre, würden wir nicht hier sitzen!", schnappte Harry zurück und Hermine schloss seufzend die Augen.

Kleinkinder!

Anscheinend zog sie damit Snapes Aufmerksamkeit auf sich, denn er stand abrupt auf und deutete auf die Tür des Labors. „Lassen Sie uns beginnen." Sie stand dankbar auf und wollte hinter Harry ins Labor gehen, doch Snape hielt sie zurück und drückte ihr eine kleine Flasche in die Hand, in der gräulicher Staub war. „Das ist Ihre Zutat, Miss Granger."

Sie betrachtete den Inhalt neugierig und nickte schließlich. „War es... sehr schwer, da ranzukommen?"

„Wie man es nimmt", erwiderte er vage und sie runzelte die Stirn. Doch Snape schien nicht bereit, ihr weitere Informationen darüber zu geben und scheuchte sie hinter Harry ins Labor.

„Ist das der Trank?" Harry deutete auf einen von zwei Kesseln, die auf den Tischen im Labor standen. Hermine musterte sie überrascht. Das letzte Mal, als sie hier gewesen war, hatte sich nur ein Kessel hier befunden.

„Nein, der andere." Snape ging zu eben diesem Kessel und schien nicht weiter darauf eingehen zu wollen, was sich in dem anderen Kessel befand. Hermine machte Harry mit Blicken klar, dass er nicht nachfragen sollte.

Missmutig stellte er sich zu Snape, welcher ihm beiläufig einen Dolch in die Hand drückte. „Denken Sie nicht einmal daran, ihn für jemand anderen als sich selbst zu benutzen", mahnte Snape scharf. Harry schluckte und betrachtete die scharfe Klinge skeptisch. „Angst, Potter?"

„Sie nicht?", schoss Harry zurück und schien Snape mit dieser ehrlichen Antwort zu überraschen.

„Es gibt nichts, wovor Sie sich hier fürchten müssten. Sie tun alles freiwillig!"

„Wie man's nimmt..."

Dies war der Punkt, an dem Hermine sich wieder einschaltete: „Harry, du musst es freiwillig tun. Das ist eine Bedingung des Rituals, anders funktioniert es nicht."

„Wenn Sie auch nur den geringsten Zweifel an Ihrem Willen haben, Mr Potter, dann sollten Sie jetzt gehen! Wir werden jemand anderen finden." Snape blitzte ihn gereizt an.

Hermine hingegen war der Meinung, dass er sich mit dieser Aussage mächtig weit aus dem Fenster lehnte. Sie brauchten Harry und das wusste er.

Ein paar Momente war es vollkommen still im Labor und Harry starrte von Snapes verärgertem zu Hermines ängstlichem Gesicht. „Lasst uns anfangen", sagte er dann und Hermine atmete auf.

Snape nickte und rührte den Trank noch einmal um, dann heizte er das Feuer an und bereits nach wenigen Minuten kochte der Trank. „Denken Sie daran, dass wir diesen Teil in vollkommenem Schweigen erfüllen werden. Kein Bannspruch oder der Trank verliert seine Wirkung sofort!"

Sowohl Harry als auch Hermine nickten und traten noch einen Schritt dichter an den Kessel. Die Oberfläche sah genauso aus wie die des Trankes, den Hermine in Harrys Erinnerung gesehen hatte. Gelblich und brodelnd glitzerte sie wie eine Schicht aus Diamanten und sie legte leicht den Kopf schief, als sie es betrachtete.

Schließlich riss sie sich blinzelnd aus den Gedanken und sah zu Snape auf, der ihr eben bedeutete, die Knochen von Voldemorts Mutter in den Trank zu geben. Hermines Herzschlag jagte in die Höhe und sie entkorkte das Fläschchen, das Snape ihr gegeben hatte. Ihre Hand zitterte, als sie es über den Kessel hielt und auskippte.

Der Trank schäumte und brodelte noch intensiver, ein Schauer heller Funken stob daraus empor und hüllte sie alle in stechendes Licht. Ein leichter Verbrennungsgeruch legte sich über das Labor und Hermine vermutete, dass die Funken ihnen allen kleine Löcher in die Roben gebrannt hatten. So sehr dieser Trank auch gegen den anderen arbeiten würde, es war nach wie vor ein schwarzmagischer Trank mit entsprechender Wirkung.

Nachdem sich die Reaktion wieder gelegt und die Farbe zu einem hellen Violett verändert hatte, nickte Snape Harry zu. Hermine beobachtete mit wachsender Nervosität, wie dieser den Dolch fester griff und den Ärmel seines linken Armes nach oben schob. Sie hatte ihn nicht gefragt, wie er dieses Opfer bringen wollte, hoffte aber sehr, dass er dabei weniger brutal zugehen würde als Wurmschwanz.

Der Dunkelhaarige ballte seine freie Hand zu einer festen Faust, so dass die Knöchel weiß hervortraten. Dann legte er die Klinge des Dolches schräg auf die Haut auf der Innenseite seines Unterarmes und atmete einmal tief durch. Hermine sah, dass er den Blick fest darauf konzentriert hatte und schluckte angestrengt. Schließlich zog er die Klinge einmal über seinen Arm und ein Streifen der obersten Hautschichten fiel mit einem Übelkeit erregenden Platschen in den Trank.

Hermine biss sich hart auf die Zunge, um nicht zu schreien. Von Harry kam ein schmerzerfülltes Stöhnen und aus der Wunde an seinem Arm trat hellrotes Blut. Snape griff rasch nach einem sauberen Tuch, das er zuvor bereitgelegt hatte, und presste es auf die Wunde. Seine Blicke sagten eindeutig, dass sie sich später darum kümmern würden.

Währenddessen war der Trank ein weiteres Mal aufgeschäumt und hatte erneut seine Farbe geändert. Aus dem Violett war ein tiefes Blau geworden. Die Funken schwebten dieses Mal länger über ihnen und das Labor glitzerte geheimnisvoll.

Harry biss fest die Zähne aufeinander und stieß mehrmals zischend die Luft aus seinen Lungen. Mit der Hand seines verletzten Armes hielt er sich am Tisch fest, den Kopf gesenkt und offenbar um Fassung ringend. Hermine war versucht, zu ihm zu gehen, doch ein Blick von Snape hielt sie auf ihrem Platz.

Schließlich rissen sie sich wieder zusammen und auch wenn Harry merklich schwankte und sehr blass im Gesicht war, schaffte er es, aufrecht stehen zu bleiben.

Als letzter schob Snape sich seinen Ärmel hoch, ebenfalls den linken. Die feinen Linien des Dunklen Mals wurden sichtbar, seine weiße Haut glänzte fahl im Licht des Zaubertrankes. Snape griff sich einen weiteren Dolch und betrachtete das Zeichen Voldemorts einen Moment lang abfällig.

Hermine hingegen starrte es fasziniert an. Sie hatte es berührt, wusste, wie es sich anfühlte und auch wie es aussah. Dennoch übte es eine ungeheure Anziehungskraft auf sie aus. Es war ein Teil von Snape, zeigte ihr immer wieder, wie gefährlich dieser Mann war. Atemlos fixierte sie die dunkle Zeichnung und erschrak, als er plötzlich mit der Klinge einen tiefen Schnitt hindurch tat und das Blut in den Trank tropfen ließ. Wiederum musste sie einen Schrei unterdrücken. Immer wieder ballte er seine Hand zur Faust und entspannte sie wieder, damit das Blut nicht aufhörte zu laufen.

Der Trank kochte hoch, Teile davon liefen über den Rand des Kessels und die Funken verbrannten Snape seinen Unterarm. Kleine rote Punkte tauchten überall auf seiner Haut auf, während ein dünnes rotes Rinnsal unablässig in den Kessel tropfte. Hermine musste sich zusammenreißen, um nicht vorzeitig zurückzutreten und alles zu verderben.

Es schien ewig zu dauern, bis sich die Mischung wieder beruhigte und in einem satten Grün zur Ruhe kam. Snape starrte noch ein paar Augenblicke in den Kessel, dann nickte er. „Er ist fertig."

Als wäre dies ein Startsignal gewesen, stolperte Harry nach hinten und stützte sich am dort stehenden Tisch ab, der polternd ein Stück nach hinten rutschte. Das Tuch, das er sich auf den Arm gepresst hatte, war mit Blut durchtränkt und Hermine bekam allmählich den Verdacht, dass er tiefer geschnitten hatte, als sie auf den ersten Blick vermutet hatte.

Unschlüssig flogen ihre Blicke zwischen Harry und Snape hin und her, denn auch sein Schnitt blutete stark und die Verbrennungen sahen übel aus. „Kümmern Sie sich um Potter! Ich komme zurecht", zischte Snape zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und Hermine nickte zerstreut.

Sie ging zu Harry hinüber und nahm vorsichtig das Tuch von seinem Arm. Aus der Wunde quoll stetig Blut, so viel, dass es bald ein Rinnsal bildete, das auf den Boden zu tropfen begann. „Das ist nicht so schlimm, Harry, das haben wir gleich", beruhigte Hermine ihn und konnte ihren Herzschlag selbst kaum unter Kontrolle kriegen.

Rasch tastete sie nach ihrem Zauberstab und sprach den einzigen Heilzauber, der ihr auf die Schnelle einfiel. Nachdem dieser seine Wirkung getan hatte, wurde die Blutung weniger, doch die Wunde war noch immer da. „Er wirkt nicht richtig", flüsterte sie erschrocken.

Harry legte seine andere Hand auf ihre und sah sie aufmunternd an. „Dann führe ihn noch mal aus", erinnerte er sie an die einzig logische Schlussfolgerung.

„Ja, natürlich..." Hermine strich sich fahrig die Haare aus der Stirn, während hinter ihr etwas zu Boden fiel. Flüchtig drehte sie sich um; Snape hatte einen Stapel Papiere von seinem Schreibtisch gefegt, als er sich daran festzuhalten versuchte.

„Kümmern Sie sich um ihn!", schnarrte der Tränkemeister aufgebracht, als er ihren Blick einfing, und presste seine rechte Hand hart auf den Schnitt. Blut quoll unter seinen Fingern hervor.

Severus...

Hermine schüttelte rasch den Kopf und wandte sich wieder Harry zu. Sie musste den Spruch insgesamt fünf Mal anwenden, ehe sich die Haut an Harrys Arm endlich geschlossen hatte und wischte sich dann erschöpft die Haare aus der schweißnassen Stirn. Eine Narbe allerdings war geblieben.

„Ich krieg's nicht besser hin", jammerte sie verzweifelt und Harry winkte ab.

„Eine Narbe mehr oder weniger fällt auch nicht auf. Ich glaube, wir sollten uns lieber um Snape kümmern." Er nickte zu dem Lehrer hinüber, der mit verbissenem Gesichtsausdruck ein Tuch um seine Schnittwunde band und so die Blutung zu stoppen versuchte.

Hermine keuchte und schaffte es gerade so eben noch, seinen Vornamen, der ihr auf der Zunge gelegen hatte, zu schlucken. Mit mehreren großen Schritten durchquerte sie den Raum und war bei ihm. Resolut zwang sie ihn auf einen Stuhl hinab und entfernte das Tuch, um auch hier mit dem Heilzauber die Verletzung zu schließen.

Harry trat vorsichtig hinter sie und beobachtete, was sie tat. Der eigene Blutverlust hatte ihn anscheinend etwas geschwächt, doch solange er aufrecht stand, konnte Hermine sich nicht dazu bringen, sich jetzt um ihn zu kümmern.

Immer wieder ließ sie den Spruch auf den Schnitt los und immer wieder schien diese ihn gleichmütig zu schlucken. Das Blut tropfte unablässig auf den Boden und bildete eine beinahe schwarze Lache zu ihren Füßen. Hermine wurde zunehmend übel, immer wieder presste sie nun mit ihren eigenen Fingern auf dem Schnitt herum und versuchte ihn zu schließen.

„Es hört nicht auf zu bluten", nuschelte sie verzweifelt und wischte mit dem Tuch über den Schnitt. „Verflucht, es hört nicht auf, Professor!"

Snape keuchte schmerzerfüllt, als sie sich mit ihrem gesamten Gewicht auf seinen Unterarm stützte, so dass der Knochen beinahe darunter nachgab. Zwei verzweifelte Tränen liefen über Hermines Wangen, wirre Strähnen lockigen Haares klebten an ihren Lippen. Und alles, was sie sah, war das Blut, das einfach nicht zum Stillstand kam.

„Es hört nicht auf, Severus...", flüsterte sie schließlich schwächlich, warf das Tuch zur Seite, legte ihre flache Hand auf die feucht-warme, klebrige Stelle seines Armes und schloss schluchzend die Augen.

Harry hinter ihr erstarrte, Snape vor ihr ebenso. Hermine kümmerte sich nicht darum.

„Es liegt am Dunklen Mal, Hermine", erwiderte Snape schließlich angestrengt ruhig und als sie blinzelnd zu ihm aufsah, erkannte sie, dass seine Blicke drohend auf Harry ruhten. Nur die persönliche Anrede beruhigte sie.

„Was soll ich tun?", fragte sie weiter und presste wieder fester darauf. Ihre Finger waren inzwischen ebenso blutig und klebrig (sie dachte an die Begegnung auf dem Gelände und ihr wurde bewusst, dass sie nun ebenso viel Blut an ihren Händen hatte, wie Snape damals; sein Blut), ihr Gesicht verschwitzt und ihre Bewegungen ruhelos und verängstigt.

Snape wandte sich endlich von Harry ab, der das alles stumm verfolgte, und sah sie mit festem Blick an, legte schließlich eine Hand an ihre Wange und zwang sie so, regelmäßig und tief zu atmen. „Du tust genau das Richtige. Es wird gleich von alleine aufhören und sich schnell schließen." Seine Blicke fixierten ihre und gaben Hermine einen abstrusen Halt – immerhin war er derjenige, der verletzt und kurz vorm Verbluten war. Sie sollte ihm helfen und nicht anders herum.

Doch was auch immer er mit ihr tat, es wirkte. Hermines Herzschlag wurde ruhiger, ihre Atmung tiefer. Die Fähigkeit, rational zu denken, kehrte im Ansatz zurück.

Beide hatten die Anwesenheit Harrys beinahe komplett vergessen und Hermine stützte sich nach wie vor mit ihrem ganzen Gewicht auf Snapes Arm. Irgendwann wandte er selbst seine Aufmerksamkeit zu seiner Verletzung und erst da wurde ihr bewusst, dass sie sich vollkommen unentschuldbar verhalten hatte, indem sie Snape mit der persönlichen Anrede betitelt hatte.

Mühsam fing sie seinen Blick ein. „Es tut mir Leid", flüsterte sie lautlos, als sie es geschafft hatte, und da Harry hinter ihr stand, bekam er davon nichts mit. Snape schloss kurz die Augen und schüttelte angedeutet den Kopf. Es war egal. Harry hatte es vorher auch schon gewusst, oder zumindest geahnt. Diese Szene hatte es ihm nur deutlich vor Augen geführt.

Irgendwann ließ Snape seine Hand sinken und schob die ihre zur Seite. Klebrig löste sie sich von seinem Unterarm. Hermine trat einen Schritt zurück und sah, dass er Recht gehabt hatte. Der Schnitt hatte sich geschlossen und war nur noch als dunkelroter Strich zu sehen. Fasziniert starrte sie darauf und blinzelte schließlich mehrmals, um sich wieder in die Realität zurückzuholen.

„Was ist das für ein merkwürdiges Verhalten?", fragte sie mit zitternder Stimme und wischte sich mit dem Unterarm über das Gesicht. Das bereits getrocknete Blut an ihren Händen fühlte sich unangenehm starr an.

„Es ist ein Schutzmechanismus. Die starken Blutungen verhindern, dass Verschmutzungen darin bleiben, das rasche Schließen garantiert das Überleben. Der Dunkle Lord hatte schon immer recht genaue Vorstellungen, wenn es um die Wahrung seines Zeichens ging." Snape schnaubte abfällig und seine Blicke wanderten zu Harry. „Sind Sie in Ordnung, Mr Potter?"

Diese direkte Frage riss Harry aus seiner Erstarrung und er nickte mechanisch. „Es... geht mir gut." Er schluckte.

Snape nickte und Hermine stand betreten daneben. „Ich werde mich waschen gehen", beschloss sie dann und war froh, diese Ausrede gefunden zu haben. Rasch wandte sie sich zum Becken in der Ecke um und schaltete das Wasser ein. Kühl und frisch lief es über ihre Hände und als sie die roten Wirbel im Abfluss verschwinden sah, bildete sich ein fester Knoten in ihrem Hals. Hermine blinzelte angestrengt und versuchte die Tränen zurückzuhalten, aber so ganz wollte es ihr nicht gelingen. Sie schniefte leise.

„Hermine, ist alles in Ordnung?", fragte Harry skeptisch und sie nickte rasch.

„Ja, ja, es... geht mir gut." Sie sah kurz zu den beiden hinüber und blinzelte erneut gegen die Tränen an, die sie hartnäckig in ihren Augenwinkeln brannten. Snape war damit beschäftigt, den Trank in kleine Phiolen abzufüllen und begann nun, nach einem sehr besorgten Blick zu ihr, weniger sorgfältig, dafür aber schneller zu arbeiten.

„Hier, Potter! Stecken Sie die ein, wenn wir zum Endkampf aufbrechen! Passen Sie auf, dass Sie niemand auf den Gängen sieht und gehen Sie!", wies er den Dunkelhaarigen schließlich an und Hermine war ihm so unendlich dankbar dafür.

„Aber...", setzte Harry an, doch Snape ließ ihn nicht ausreden.

„Gehen Sie, Potter! Ich werde mich um sie kümmern, aber bitte... gehen Sie." Es war das erste Mal, dass Snape Harry um irgendetwas bat und dies schien den Jungen so sehr zu überraschen, dass er sich dieser Bitte fügte. Hermine hörte, wie wenige Augenblicke später die Tür zum Labor zugezogen wurde.

Sie war mit Snape alleine.


TBC…


°hypnotisierend auf den Go-Button starrt°