Autorenanmerkung: Erst einmal vielen lieben Dank an meine Stammleser und Reviewer die es beim letzten Kapitel geschafft haben sogar alle zu reviewen! Vier Reviews für ein Kapitel ist ein neuer Rekord! Namentlich geht der Dank für die Reviews an TeddyHamster, frl-smilla, QueenAlex und Lesemaus. Nochmals Dankeschön dafür, ich habe mich sehr gefreut, und ihr müsstet auch alle eine Antwort bekommen haben.

Vielen Dank auch an alle anderen fleißigen Leser. Ich entdeckte gerade vor kurzem ein paar neue Namen auf den Author-Listen, sprich bei den Author Alerts, und auch auf der Liste als "Favorite Author" bin ich bei ein paar weiteren Leuten gelandet. Dankeschön dafür! Es freut mich sehr das zu sehen!

Lasst mich eben euch noch was lustiges erzählen: Als ich das neue Kapitel durchlas stellte ich fest, dass das nächste Kapitel auch mit "Kapitel 37:" begann. Natürlich ein Fehler meinerseits. Aber ihr glaubt gar nicht wie froh ich darüber war, weil ich schon dachte, dass ich demnächst keine Kapitel mehr auf Vorrat hätte. Und das Schreiben fällt doch gerade etwas schwer.

Jetzt aber viel Spaß mit dem neuen Kapitel!


Kapitel 37: Dinner bei Don Flack

„Verdammte Scheiße!" Danny und ich standen an der Wohnungstür von Dons Apartment, seine Stimme drang aus der Richtung, wo wohl seine Küche lag. Ich war noch nie zuvor bei Don gewesen. Danny anscheinend schon. Wir hatten nicht drüber gesprochen. Es war ein relativ ruhiger Arbeitstag gewesen: Stella und ich hatten weiter den Fall vom Vortag bearbeitet, Danny und Lindsay hatten zusammen mit Sheldon in älteren Fällen geblättert und andere Dinge überwacht. Kein großer Fortschritt, aber immerhin waren wir alle irgendwie beschäftigt gewesen.

Vor mir stand ein blonder… Bursche. Verdammt fühlte ich mich alt, wenn ich ihn so sah. Er war vielleicht 19, 20. Und ich kam mir steinalt vor.

„Don kämpft mit dem Essen." sagte er anstatt einer wirklichen Begrüßung, als wenn er uns erklären müsste, wieso Don Flack so am Fluchen war.

„Ich bin Tim Connelly." stellte sich Tim vor, bevor er erst mir und dann Danny die Hand reichte und sie schüttelte.

„Freut mich dich kennen zulernen, Tim. Ich bin Mac Taylor und das ist mein Freund Danny Messer." stellte ich uns beide vor. Es war das erste Mal, dass ich Danny als meinen Freund, meinen festen Freund, vorstellte. Es fühlte sich gut an.

Wir blieben gleich beim Vornamen, während er uns in Dons Wohnung führte.

„Don?" fragte Danny in Richtung der Küche. „Brauchst du Hilfe?"

Tim grinste. „Ich glaube, er braucht jede Hilfe die er kriegen kann um nicht das Nudelwasser schon anbrennen zu lassen bevor die Nudeln überhaupt drin sind."

„Wie kam ich nur auf die Idee Gäste zum Essen einzuladen?" brummelte Don leise vor sich hin, aber doch noch laut genug, als dass ich ihn hören konnte. „Und wieso wollte ich unbedingt selbst kochen? Wieso habe ich nicht was liefern lassen oder so… Sandwichs, Brötchen oder Bagel, das hätte doch auch vollkommen reichen können… Oh, hallo Mac, hallo Danny!" begrüßte er uns, seinen Kopf aus der Küchentür streckend. Danny sah mich an und ging dann zu Don. Ich hatte keine Ahnung, ob er eine Hilfe für Don sein würde oder ob er eher noch mehr Chaos anrichten würde. Ich hatte noch nie mit Danny zusammen gekocht, vielleicht auch nicht, weil ich selber nicht gerade ein Meisterkoch war. Okay, Chemikalien konnte ich ganz gut zusammenbrauen, aber genießbares Essen war etwas anderes.

Das Putzen und Schneiden von Gemüse ging mir noch relativ gut von der Hand, wenn auch manchmal etwas steif am Anfang. Aber was Aufwendigeres als relativ schnelle Gerichte wie Bratkartoffeln, Rühreier, Spiegeleier und solchen Sachen konnte ich nicht kochen. Ich hatte keine Ahnung, wie man einen Braten zubereitete, ohne Kochbuch wäre ich bei vielen Dingen schon verloren gewesen. Wie froh war ich, dass die meisten Leute an Thanksgiving nicht arbeiten wollten. Nach Claires Tod meldete ich mich sowieso jedes Mal freiwillig für die Arbeit an diesem Feiertag, wenn ich nicht doch mal meine Eltern besuchte. Sollten wenigstens die Leute, die Familie oder Partner hatten, schöne Feiertage haben. Und ich kam drum herum, dass jemand auf die Idee kam sich zu mir zum traditionellen Thanksgiving-Essen zum Beispiel einzuladen, nur um zu sehen, dass ich den Truthahn im Ofen verbrennen ließ.

Aus der Küche hörte ich ein Klappern, während Tim mich fragte, ob ich was trinken wollte.

„Wasser oder Orangensaft wäre schön. Danke."

Kurze Zeit später kam er mit einem Glas für mich zurück und nahm seins von dem bereits gedeckten Tisch.

„Sie arbeiten also mit Don zusammen…" versuchte er Konversation zu machen.

Ich nickte. Keine wirkliche Hilfe. Die Situation war schon etwas angespannt, wobei es eigentlich lächerlich war. Nur ich fühlte mich so wahnsinnig alt ihm gegenüber. Ich war mehr als doppelt so alt wie Tim. Aus meiner Sicht war der Junge gerade trocken hinter den Ohren. Wenn überhaupt. Andererseits: Ich war auch wesentlich älter als Don. Natürlich war mir das ab und an mal aufgefallen, aber wohl nie so sehr. Vielleicht nicht, weil Don Hemd und Krawatte trug, inzwischen sogar immer öfter auch ein Jackett oder gleich einen Anzug. Früher trug er mit seiner Lederjacke doch eher etwas jugendlichere Kleidung. Nicht, dass ihn das weniger seriös hatte erscheinen lassen. Ich weiß noch nicht mal, was die Änderung in seinem Kleidungsstil beeinflusst hatte.

„Du bist am College?" fragte ich schließlich, nachdem sich etwas unangenehmes Schweigen ausgebreitet hatte. Tim nickte.

„Und was studierst du?" bohrte ich etwas weiter.

„Chemie und Anglistik."

Naturwissenschaft und Sprache. Eine interessante Kombination.

„Worauf?" fragte ich weiter.

„Lehramt."

„Aha."

Irgendwie kam nicht wirklich eine Konversation in Gang. Vielleicht lag es an dem Altersunterschied, vielleicht lag es auch an etwas anderem, ich wusste es nicht. Lehramt, das lag so weit von meinem Beruf entfernt, im Gegensatz zur Chemie. Chemie wäre schon etwas gewesen, worüber man sich hätte unterhalten können. Aber irgendwie fand ich dazu auch keinen Draht. Während ich oftmals mit den Toten mich beschäftigte, und mit Verdächtigen, die meist schon im Vorweg bereits straffällig geworden waren, schien Tim sich auf Kinder zu konzentrieren. Kinder… Schon wieder das Thema. Und ich hatte nun mal keine Kinder.

„Magst du Musik?" fragte Tim schließlich, nachdem wieder unangenehme Stille ausgebreitet hatte.

Was für eine Frage, natürlich mochte ich Musik. Ich hatte jetzt meine Kollegen, Bekannten, Freunde, Verwandte nicht alle zu diesem Thema interviewt, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass es jemanden gab, der überhaupt keine Musik mochte. Nur jeder mochte wohl eine unterschiedliche Art von Musik.

„Klar, wer mag sie nicht?" fragte ich. Gleichzeitig musste ich mich doch wundern, dass ich nie mit Danny ausführlicher über Musik gesprochen hatte. Er hatte mich bei Cozy's spielen sehen, aber wir hatten nie weiter darüber geredet. An dem Abend hatten wir ein Jazz-Set gespielt. Ich wusste gar nicht, was Don für Musik mochte.

„Spielst du ein Instrument?" fragte Tim weiter.

„Ja, Bass. Spielst du auch was?" Ich wollte nicht zu neugierig erscheinen. Der Job brachte es manchmal mit sich, dass man auch nach Feierabend noch zu viele Fragen stellte.

„Ja, Gitarre."

„Welche Musikrichtung?"

„Rock, Punk-Rock…" sagte er. Ich versuchte mir etwas darunter vorzustellen, doch wirklich sicher war ich mir nicht, dass ich die richtige Musik im Ohr hatte.

„Gibt das keine Probleme mit deinem Vermieter?" fragte ich einfach weiter. Erst jetzt merkte ich, dass ich vom Sie ins Du gewechselt war.

„Ne, ich wohn in einem Studentenwohnheim, da ist es tagsüber öfters mal laut, außerdem haben wir einen Probenraum auf dem Uni-Gelände… Also, unsere Band."

Tim war also in einer Band. Nicht, dass es so verwunderlich gewesen wäre. Er war vielleicht schwul, aber immer noch ein Mensch, ein Mann. Wieso sollte er ein anderes Leben führen als jeder andere junge Mann in seinem Alter?

Don und Danny kamen mit Schüsseln beladen ins Wohnzimmer, wo auch der Esstisch stand.

„Essen ist fertig." verkündete Don überflüssigerweise und beendete damit die gerade erst langsam aufgekommene Konversation.

„Riecht gut." sagte ich, und es stimmte sogar.

„Ohne Danny wären mir die Nudeln bestimmt verkocht und die Soße hätte ich versalzen…"

Danny grinste leicht schief, während ich ihm ein Lächeln schenkte. „Ich glaube, du wirst irgendwann mal für mich kochen müssen…" sagte ich an ihn gewand. Don und Danny hatten die Schüsseln auf dem Tisch abgestellt. Ich nahm Dannys Hand und drückte sie kurz. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Tim und Don einen kurzen Kuss austauschten und lächelte schon wieder. Die beiden waren süß: Don mit seinen dunklen Haaren, während Tim mit seinen blonden Haaren einen totalen Kontrast darstellte, wie auch mit seinen grünen Augen, während Flacks Augen noch blauer waren als Dannys, oder zumindest so wirkten.

Wir setzten uns. Don tat uns allen auf, überließ es aber jedem selber, ob er noch Parmesan auf die Nudeln haben wollte oder nicht. Es war auf jeden Fall ein italienisches Essen mit den Nudeln und der Soße. Aber ich vermutete irgendwo in der Blutlinie von Don Flack einen Italiener oder eine Italienerin. Vielleicht seine Großeltern. Ich wusste es nicht. Fast jeder New Yorker hatte Einwanderer als Eltern, wenn man es genau nahm waren alle US-Amerikaner, die nicht nur von den Indianern abstammten, Nachfahren von Siedlern, Einwanderern und Sklaven.

Das Essen verlief relativ ruhig, bis hin und wieder auf ein Lob in Richtung von Don und Danny. Erst nachdem wir fertig waren brachen die beiden in schallendes Gelächter aus, und ich sah sie irritiert an.

„Die Nudeln und die Soße stammen beide aus dem Supermarkt, wir haben nur etwas Gemüse hinzugefügt, zur Soße, und das ganze ein kleines bisschen damit aufgepeppt." erklärte Danny. „Keine große Kunst."

Aber es hatte trotzdem geschmeckt.

„Ich dachte ja schon, ich müsste pampige Nudeln und angebrannte Soße essen…" gestand Tim. „Don, bei aller Liebe: Überlass das Kochen lieber anderen. Oder lern es richtig." Er griff Dons Hand und drückte sie kurz. Über den Tisch warfen die beiden sich einen verliebten Blick zu. Und ich musste schon wieder lächeln.

Aber schon Augenblicke später bildeten sich auf meiner Stirn Denkfalten. Don hatte mir erst von seiner Homosexualität erzählt, als ich schon wusste, dass Danny bi war, als ich schon längst wusste, dass ich in Danny verliebt war. Er schien viel schneller Erfahrungen gesammelt zu haben als ich es erwartet hatte, während Danny und ich… Wenn ich so zurückblickte, dann hatte ich das Gefühl, dass wir geradezu im Schneckentempo in unserer Beziehung voran krochen.

Allerdings fühlte es sich richtig an, so wie es war. Danny hatte sich nicht wirklich darüber beschwert. Natürlich hatte er mir jetzt schon mehrmals gezeigt, dass er es gerne hätte, wenn mehr zwischen uns passieren würde, und es war nicht so, dass ich es total ausschloss, aber ich wollte immer noch nichts überstürzen.

„Ich hol dann mal den Nachtisch." verkündete Don.

Ich sah Danny an, der nur verteidigend die Hände in die Höhe hob. „Ich hab' damit nichts zu tun."

„Ich auch nicht." sagte Tim. „Aber Don ist durchaus in der Lage eine Quarkspeise anzurühren."

Es gab aber keine Quarkspeise sondern Mouse au Chocolate, wenn auch aus der Tüte, wie Don mit einem Grinsen zugab. Es schmeckte trotzdem.

Zum Essen hatte es ein paar Gläser Wein gegeben, immerhin war keiner von uns im Dienst. Noch nicht mal auf Rufbereitschaft. Und so genossen wir unseren freien Abend. Wieso auch nicht? Irgendwann drehte sich die Unterhaltung natürlich um die Arbeit. Don erzählte Tim, wie wir uns kennen gelernt hatten, wie er Danny kennen gelernt hatte. Die ganz normalen Gespräche, die man eben so führte, wenn man seinem Partner Freunde vorstellte. Tim gestand, dass er sich zeitweise wie bei einem Verhör vorkam, mit drei Detectives am Tisch und wir lachten alle herzhaft.

Es war ein schöner Abend, und Danny und ich ließen ihn auch so ausklingen: Die Straßen von New York waren zu der Zeit, als wir nach Hause gingen, nicht mehr so sehr belebt. Auch die Stadt, die niemals schlief wurde von Zeit zu Zeit mal ruhiger. Ich nahm seine Hand und ging so mit Danny zur U-Bahn-Station. Erst dort ließ ich sie los. Ich schämte mich nicht für meine Gefühle für ihn, aber ich wusste, dass es uns durchaus in Schwierigkeiten bringen konnte, wenn wir zu offen zeigen würden, dass wir ein Paar waren. Das gegenüber den falschen Leuten und wir hätten richtige Probleme.

Wir fuhren zu mir, wo wir wieder gemeinsam die Nacht zusammen verbrachten. Und insgeheim fragte ich mich schon, wann ich Danny wohl etwas Platz in meinem Schrank frei räumen würde, damit er ein paar Kleidungsstücke bei mir würde deponieren können und nicht immer sich etwas mitbringen müsste.


Autorenanmerkung: Und nächste Woche: Das Kapitel zu "Grünes Grab" ("Run Silent, Run Deep"). Damit geht es meiner Meinung nach dann erst so richtig los, aber schauen wir mal, was ihr so dazu sagen werdet...