Hallo, liebe Leute!

Hier ist schon das eigentlich letzte Kapitel der Geschichte. Aber keine Sorge, hier ist eine gute Nachricht: Der Autor konnte sich scheinbar auch nur schwer von seiner Geschichte trennen (sogar bei mir als Übersetzerin schwingt am Ende etwas Wehmut mit!) und hat gleich zwei Epiloge drangefügt, die zudem noch ziemlich lang sind. Also heißt es noch nicht gleich Abschiednehmen, sondern es gibt noch eine Menge zu lesen^^

Und jetzt viel Spaß bei dem letzten Kapitel!

Eure luckyserpent

PS: Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen!


Kapitel 35 – Unterm Sternenhimmel

Draco konnte nicht schlafen. Zum einen war er nicht an die Zeitverschiebung gewöhnt und sein Körper glaubte immer noch, dass es fünf Uhr nachmittags war statt Mitternacht. Außerdem rasten seine Gedanken um Hermine. Er spulte alles ab, das an diesem Tag geschehen war, und versuchte, einen Grund zu finden, weshalb sie sie ihm vergeben könnte. Doch sie war zurückhaltend und verschlossen gewesen. Er konnte nichts finden. Nichts Schlechtes, aber auch nichts Gutes.

Er entschied, ein Bad im Ozean zu nehmen, um seinen kochenden Kopf zu klären. Er zog Shirt und Hose aus und streifte sich Badeshorts über. Dann glitt er aus dem offenen Fenster und rannte mit voller Geschwindigkeit zum Wasser, in das er hineintauchte. Das kalte Wasser erfrischte sein System und er fühlte sich gestärkt.

Als die Kälte schließlich schmerzhaft wurde, rief Draco seinen Besen herbei in der Hoffnung, dass es niemanden aufwecken würde. Er stieg auf und trocknete sich. Dann flog er eine Weile träge herum, direkt über der Wasseroberfläche, bevor er den Besen in ein Floß verwandelte. Er legte sich aufs Floß und beobachtete die Sterne, während er seine Finger über das Wasser gleiten ließ.

Hermine war… sehr ruhig gewesen, die ganze Zeit während seiner Geschichte und danach. Auch wenn sie ihm versichert hatte, dass sie ihn nicht verfluchen würde, wartete er immer noch auf etwas, wie sie gesagt hatte. Es gab… noch etwas zu sagen, das wusste er. Er wünschte nur, er wüsste, was es war. Doch alles stand sozusagen unter ihrer Kontrolle. Er hatte ihr alles ausgeliefert – die Wahrheit, seine Wahrheit, ihre Eltern. Und sie musste wissen, was er für sie empfand, obwohl er nicht sicher war, dass das überhaupt eine faire Erwägung war. Sie würde Zeit brauchen, sich zuerst mit allem anderen auseinanderzusetzen. Dann konnte er über das andere nachdenken.

Nur… er war nicht einmal sicher, was er wollte. Sicher, er liebte sie und wollte, dass sie seine Liebe erwiderte, doch ansonsten hatte er keine Ahnung, was er da tat. Die Vorstellung einer Beziehung… Er schauderte bei dem Gedanken, als eine kühle Brise ihn umwehte. Nun da sein Leben, seine Zukunft offen vor ihm lagen – nun da er sein und tun konnte, was er wollte, und endlich frei war, war er gezwungen, Hermine auf eine vollkommen neue Weise zu betrachten. Sie war nicht mehr diejenige, von der er sich fernhalten wollte; sie war nicht die, neben der er auf ein gemeinsames, furchterregendes Ziel zugesteuert war. Sie war nicht einmal mehr diejenige, die er jede Nacht zugedeckt hatte. Sie war eine Frau. Und das machte ihm Angst.

Denn jetzt… konnte er der Mann sein, den sie brauchte? Er hatte nicht den kleinsten Schimmer einer Ahnung. Würde sie es überhaupt wollen?

Er fragte sich, worüber sie mit ihren Eltern gesprochen hatte. Er hoffte, dass sie ihr Rückhalt gaben und ihr Trost spendeten, wie sie es so viele Male für ihn getan hatten.

Schließlich fühlte Draco sich müde. Er seufzte und rollte sich vom Floß ins Wasser. Dann verwandelte er es zurück in seinen Besen und machte sich langsam auf den Weg zur Insel. Er dachte nicht mehr nach und achtete nicht darauf, was um ihn herum vor sich ging, teilweise weil er nicht wirklich etwas erwartete.

Deshalb war er überrascht, den Umriss einer Gestalt in Pyjamas zu sehen, die am Rand des Wassers saß und ihre bloßen Füße von den zurückweichenden Wellen kitzeln ließ. Er beschleunigte seinen Flug und als er über dem Sand schwebte, stieg er ab und ging langsam auf die Gestalt zu.

Hermine hatte ebenfalls nicht schlafen können, als Dracos Besen aus dem Haus aufs Wasser hinausgeflogen war. Hermine wusste, dass Draco auch wach sein musste, und da sie feststellte, dass sie ihn sehen wollte, war sie zum Strand spaziert, um auf ihn zu warten.

Draco setzte sich neben sie, einen gewissen Abstand zwischen ihnen. Der silberne Mond ließ seine blasse Haut schimmern. Er sagte nichts und fragte sich, ob sie ihn wirklich hier haben wollte oder hoffte, dass er sie allein ließ. Nach ein paar Minuten entschied er sich zu gehen, doch genau in diesem Augenblick erhob sie das Wort.

„Hey."

„Hi", erwiderte er.

„Ich konnte nicht schlafen."

„Ich auch nicht."

„Ich habe gesehen, wie dein Besen aus dem Haus geflogen ist."

„Ich hoffe, er hat dich nicht aufgeweckt."

Sie schüttelte den Kopf. „Ich war wach."

„Gut."

Sie saßen in behaglicher Stille da.

„Ich kann nicht glauben, wie unglaublich es hier bei Nacht ist", sagte Hermine und schaute in den klaren Nachthimmel hinauf. „Die Sterne sind wie Diamanten und der Mond spiegelt sich so schön in der beständigen Bewegung des Wassers." Sie legte sich auf den Rücken. „Ich glaube, wenn ich hier leben würde, würde ich am Tag schlafen und die ganze Nacht wach bleiben."

Draco zögerte und legte sich dann ebenfalls hin, um die Sterne zu betrachten, die er über dem Wasser angeschaut hatte. Dracos Herz war schwer. Er wollte verzweifelt das Richtige sagen. Doch nichts, das ihm einfiel, erschien ihm angemessen.

„Draco?", sagte sie.

„Hmm?"

„Danke."

Er drehte seinen Kopf zu ihr. Sie sah schöner aus, als er sie jemals gesehen hatte. Ihr Haar umrahmte ihr Gesicht und sie lächelte bezaubernd. Doch er sah auch, wie eine Träne an ihrer Wange entlang in den Sand fiel. „Wofür?"

„Dafür, dass du sie nicht getötet hast."

Draco sah wieder in den Himmel. Es gab nichts, das er erwidern konnte. Nichts würde ausreichen.

Sie lagen nebeneinander und beobachteten die Sterne. Nach vielleicht fünfzehn Minuten, während derer er krampfhaft nach etwas suchte, das er sagen konnte, schaute Draco wieder zu Hermine. Ihre Augen waren geschlossen und sie sah aus, als wäre sie eingeschlafen.

Er machte Anstalten aufzustehen, doch Hermine streckte schnell ihre Hand aus und ergriff seine. „Warte, geh nicht", sagte sie leise. Draco ließ sich wieder neben ihr nieder und bemerkte, dass sie seine Hand immer noch festhielt.

„Wo ist dein Sternbild?", fragte sie.

„Granger, ich weiß, dass ich reich bin, aber ich besitze kein Sternbild", sagte er scherzhaft.

„Oh, hör auf", sagte sie lächelnd. „Du weißt, was ich meine. Draco – Drache. Es ist eine Sternenkonstellation." Sie runzelte die Stirn. „Meinst du, wir können sie von hier aus sehen? Wenn ich es mir recht überlegen, weiß ich gar nicht wirklich, wo Hier ist."

„Wir sind im Pazifischen Ozean. Es gibt nichts in der Nähe im Umkreis von Hundert Kilometern."

„Können wir es denn sehen?"

„Ich bin mir nicht sicher", sagte er.

„Wir werden es nachschauen müssen", sagte Hermine. Dann verschränkte sie ihre Finger mit seinen, worauf Funken durch seinen Körper fuhren und seine Eingeweide auf- und abhüpften. Es war die kleinste Berührung, so einfach und unschuldig, und doch fühlte er sich wie der glücklichste Mann auf dem Planeten.

„Okay", brachte er mühsam hervor. Nach ein paar Minuten des Schweigens, in denen seine Nerven zunehmend kribbeliger wurden, wandte er sich ihr zu. „Hermine?"

„Ja?", sagte sie und erwiderte seinen Blick.

„Geht es dir gut? Ich meine, wirklich gut?"

Sie lächelte ihn warm an. „Ja, Draco." Sie wandte ihren Blick ab. „Heute war verrückt. Ich habe versucht herauszufinden, was all deine Geheimnisse waren. Ich meine, ich habe dir nie hinterhergeschnüffelt oder so, aber ich habe viel darüber nachgedacht. Ich hätte niemals in einer Million Jahren gedacht, dass es das ist, was du vor mir verbirgst. Meine Eltern sind am Leben. Du hast sie nicht wirklich getötet. Dann sind da noch die Neuigkeiten, dass ich fast zwei Jahre lang einen Stalker hatte – "

„Ich war kein Stalker!"

„ – und jetzt liege ich am Strand einer privaten tropischen Insel in den frühen Morgenstunden und starre die Sterne an." Mit dir, fügte sie im Geiste hinzu. „Mir geht es sehr gut."

„Ich war kein Stalker."

Hermine lachte. Es war so ein melodiöser Klang, voller Freude und Leben. Es ließ ihn lächeln. „Du hattest einige Stalker- ähnliche Eigenschaften."

Seine Miene verfinsterte sich. „Folgen Stalker ihren Ziele, um sie in Sicherheit zu halten? Nein."

„Aber ich kann nicht anders, als Ähnlichkeiten festzustellen. Ich meine, du hast dir eine Wohnung gegenüber von meiner genommen. Das ist totale Stalker- Aktivität", sagte sie und Draco konnte das Lachen in ihrer Stimme hören.

Er sagte nichts, sah sie aber immer noch düster an, während er sich überlegte, was er sagen sollte.

„Okay, vielleicht warst du kein Stalker. Eher ein Schutzengel."

„Kaum ein Engel. Wahrscheinlich das Gegenteil. Ein Schutzdämon vielleicht."

„Sei nicht so theatralisch. Lass uns einfach sagen, du warst ein Beschützer."

„Schön." Sie schwiegen noch ein paar Minuten. „Ich habe gefürchtet, du würdest mich hassen."

Sie lachte wieder. „Unwahrscheinlich."

„Also vergibst du mir?"

„Draco, ich habe dir dafür vergeben, sie getötet zu haben. Natürlich verzeihe ich dir, dass du sie nicht getötet hast. Allerdings ist da die Sache mit dem Schmerz, dem du mich ausgesetzt hast, aber ehrlich…" Ihre Stimme verlor sich und sie wandte den Blick ab. Dann nach einem Augenblick holte sie tief Luft und sah ihn wieder an. Ihre Stimme war jetzt kräftiger. „Aber ehrlich, was ist schon das Leben ohne Schmerz? Außerdem hast du mir das größte Glück beschert, indem ich sie zurückbekommen hatte. Also wiegt es das alles auf. Das Leben ist das wert."

Er gluckste über ihre Worte und die absolute Wahrheit, die er in ihnen fand.

Hermines Magen zog sich zusammen. Sie setzte an ihn das zu fragen, was sie seit dem Ende von Voldemort zu wissen wünschte und gleichzeitig fürchtete. Sie wusste, dass zwei Küsse und Händehalten auf lange Zeit gesehen nichts bedeuteten, und Draco Malfoy war so kompliziert und mysteriös und verschlossen, dass man möglicherweise niemals durch die Tore dringen kann.

Sie versuchte es lässig zu sagen, als wäre es ein flüchtiger Gedanke. „Also, was jetzt?"

„Wie was jetzt?", sagte er. Er verstand die Frage nicht.

„Was geschieht jetzt? Mit uns?"

Dracos Kehle wurde trocken, als hätte er gerade etwas von dem Sand geschluckt, auf dem er lag. Er spürte, wie ihre Hand sich bewegte, als wäre sie nicht sicher, was sie tun sollte. Uns. Solch ein kleines Wort. Ein kleines, furchterregendes Wort. „Ähm, ich bin noch niemals Teil eines Uns gewesen."

„Du bist fast zweiundzwanzig, Malfoy. Ich würde sagen, es wird langsam Zeit, was meinst du?" Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, so laut, dass sie kaum ihre eigene Stimme hören konnte. Sie klang so ruhig, doch im Inneren wüteten Beklemmung und Besorgtheit.

Draco konnte kaum klar denken. Das war die letzte Unterhaltung, die er erwartet hatte, nach allem, das er ihr angetan hatte.

„Sag etwas", flüsterte sie.

„Ich bin wirklich durcheinander."

„Ich weiß", sagte sie mit einem Lächeln.

„Danke." Er schloss fest die Augen.

„Es ist mir egal, weißt du?"

„Aber ich bin wirklich durcheinander. Mehr als du jemals vermuten wirst."

„Vielleicht. Aber wer ist es nicht? In irgendeiner Art und Weise, meine ich. Niemand ist völlig bei Verstand."

Er dachte nach. „Jeder hat etwas, da liegst du richtig. Aber – weißt du, ich habe viele große Mängel. Wie Vertrauen und Emotionen und verzerrte Ansichten. Ich bin kein guter Mensch, Hermine, und du verdienst jemanden, der es ist."

„Warum bist du kein guter Mensch?", fragte sie. Sie stützte sich auf ihren Ellenbogen und sah auf ihn hinunter.

„Muss ich dir wirklich eine Liste von Gründen nennen?" Sie sagte nichts, sondern musterte ihn nur erwartungsvoll. Er schloss fest die Augen und seufzte. „Okay, also bitte. Ich bin damit aufgewachsen, alles zu hassen, das nicht rein ist. Ich – "

„Aber jetzt tust du es nicht mehr."

„Nein, aber ich bin auch nicht gerade Mr. Freund- von- Schlammblütern."

„Du bist nett zu mir."

„Manchmal", sagte er lächelnd.

„Bitte fahre fort."

„Okay. Ich habe dich, Harry und Ron in der Schule sechs Jahre lang furchtbar behandelt."

„Das ist alles Vergangenheit. Harry und ich haben es hinter uns gebracht und Ron ist gerade dabei. Er wird sich genauso mit dir verstehen wie Harry und ich, sobald er dich besser kennt."

Sein Herz zog sich bei dem Gedanken zusammen, dass diese Menschen ihn jetzt in ihrem Leben haben wollten. Das war nichts, das er erwartet hatte, als alles angefangen hatte. Er hatte nur dem Todesurteil entgehen wollen und mit den Resten des Lebens weitermachen, die er retten konnte. Nun hatte er Menschen – Freunde? – die ihn in ihrer Nähe haben wollten.

„Ich bin mit sechzehn Jahren den Todessern beigetreten."

„Also, das war schlichtweg Blödheit."

Er lachte. „Einverstanden. Aber es beweist, dass ich kein guter Mensch bin."

„Nein, es beweist, dass du mit sechzehn Jahren blöd warst."

„Ich habe versucht, Dumbledore zu töten, wobei ich fast Ron und Katie Bell erwischt hätte."

„In keinem der Versuche warst du erfolgreich."

Draco setzte sich wieder auf und schlang seine Arme um die Beine. „Ich wollte in jener Nacht aussteigen. Dumbledore hat mir einen Weg angeboten. Ich hätte ihn angenommen, aber die Todesser, die ich in die Schule gelassen hatte, haben mich unterbrochen."

„Siehst du? Sogar damals wolltest du dich bessern."

„Aber ich habe es nicht getan. Ich hätte Snape verlassen und irgendwo anders hingehen können in jener Nacht, aber das habe ich nicht getan. Ich bin direkt zu ihm gegangen." Draco hielt inne. Seine Kehle war plötzlich wie zugeschnürt. Das war es, was immer noch seine Träume heimsuchte, selbst nachdem alle anderen Monster ausgelöscht worden waren. „Und – und dann brachte er mich dazu, Severus zu töten, direkt vor aller Augen."

Er holte tief Luft. Von Snape hatte er nicht einmal den Grangers erzählt. „Ich – Wenn ich es nicht getan hätte, hätte er mich umgebracht und ich konnte meine Mutter nicht allein zurücklassen. Severus… er stand einfach da und starrte mich an. Er konnte nicht sprechen, aber ich glaube, er hat versucht, in meinen Kopf einzudringen. Er – er sagte…"

Hermine griff zögerlich nach seiner Hand und rieb langsam, sanft über seine Handfläche.

„Er sagte mir, dass es in Ordnung sei. Und dann… sah ich ihm in die Augen und… tat, wie mir befohlen worden war." Seine Stimme brach und er hielt inne. Er blinzelte heftig und biss die Zähne zusammen, um zu verhindern, dass ihn seine Emotionen übermannten.

Hermine schwieg. Draco hatte das noch nie mit ihr geteilt. Sie hatten niemals über die Vergangenheit gesprochen. Darüber, was mit ihm geschehen war, wie er sich auf den Pfad begeben hatte, der zum Tod führte.

„Das war mein Erster. Severus Snape. Mein Lieblingslehrer. Die einzige Person, die ich tatsächlich bewundert hatte. Ich weiß, dass er nicht gerade dein Freund war. Ich gebe zu, dass er dich ziemlich mies behandelt hat. Aber er hat auf mich aufgepasst, mit mir wie mit einem Menschen gesprochen und mir Ratschläge erteilt, wie ein Vater. Mein Vater hat jedenfalls nie einen Atemzug für mich verschwendet", sagte er voller Bitterkeit. „Snape hat wirklich versucht, mich von so einem Leben fernzuhalten, doch ich war jung und stur und wollte nicht auf ihn hören."

Hermine starrte ihre Hände an, die immer noch ineinander verschränkt waren. Sie strich abwesend über seine Finger und drückte sie.

Er sah sie an. „Muss ich noch weitermachen?"

„Das ist alles Vergangenheit", erinnerte sie ihn sachte. „Auch wenn ich ihre Bedeutung in deinem Leben nicht herunterspielen möchte. Aber was ist mit den letzten beiden Jahren? Du hast Voldemorts Untergang herbeigeführt! Du hast etwas Wunderbares für die ganze Welt getan."

„Nur weil ich nicht mehr getötet habe, nachdem ich den Tod deiner Eltern vortäuschte, heißt das nicht, dass ich nichts Furchtbares mehr getan habe. Ich habe ihm immer noch treu gedient und ihm keinen Grund gegeben, mich anzuzweifeln."

„Okay", sagte sie, entschlossen, ihm zu zeigen, was sie inzwischen erkannt hatte. „Aber du musstest es tun. Du musstest die Illusion aufrechterhalten, dass du immer noch für Voldemort arbeitest."

Er sah sie scharf ein. „Du findest Ausreden für mich."

„Nein. Du hast getan, was du tun musstest. Schau nur, wo du jetzt stehst, was du erreicht hast! In den letzten acht Monaten habe ich für mich selbst erkannt, dass du ein guter Mensch bist."

„Ich habe gute Sachen getan", sagte er, zunehmend frustriert, dass sie es einfach nicht auf sich beruhen lassen wollte. Noch dazu war es schwer, ihr gegenüber die Liste seiner vielen Sünden aufzuzählen, sie zu diskutieren und zu beschreiben. Von allen Menschen sollte gerade sie nicht hören müssen, was er getan hatte. Er wollte sie vor der Welt beschützen, vor allem Schlechten. Ihn selbst miteingeschlossen. „Vielleicht kann man das so sagen, aber mein Herz ist immer noch schwarz. Alles, das ich getan habe, war aus eigennützigen Gründen. Für mich, um mein Leben besser zu gestalten. Nicht zum Wohl der Allgemeinheit."

Sie spürte die Last von allem, das er getan hatte, auf ihre Schultern fallen. Es war so schwer. Sie fühlte sich, als wäre sie am Grund des Ozeans und das Gewicht des gesamten Wassers über ihr zerdrückten langsam ihre Lungen. Damit hatte er so lange Zeit gelebt. Sie wollte ihm den Schmerz nehmen; die Person sein, die ihm zeigte, wie wunderbar ein entlastetes Leben sein konnte. „Was ist mit all den guten Dingen, die du für mich getan hast? Auf mich Acht gegeben, mich in Sicherheit behalten."

„Ich habe es dir doch gesagt. Eigennützig."

„Nein, das glaube ich nicht. Jede Nacht, wenn du sichergestellt hast, dass ich es warm und gemütlich habe, hast du das für mich getan. Nicht für dich." Sie musste es ihm einfach begreiflich machen!

Er blickte in ihre stürmischen Augen und suchte nach etwas, von dem er wusste, dass es dort war, und da sah er es: Einen kleinen Hoffnungsschimmer. Hoffnung. Er konnte ihre Hoffnung mit einem bloßen Wort zerstören, wenn er wollte. Doch er wollte nicht. Sie glaubte daran, dass es etwas in ihm gab, für das es sich zu kämpfen lohnte. Etwas, das vergraben und erstickt gewesen war und, so lange er sich erinnern konnte, nach Luft schnappte. Und er stellte fest, dass er sie nicht enttäuschen wollte. Er wollte versuchen, die Person zu sein, die sie von ihm erhoffte. Wie er es ihr zuvor versprochen hatte, wollte er für sie leben. Er wusste, dass es schwer sein würde. Schwerer als alles, das er in seinem Leben jemals getan hatte, doch ihm war bewusst, dass es das mehr als wert war.

„Vielleicht", war alles, das er ihr im Moment antworten konnte.

„Ich weiß es."

Wenn er es tat, musste er Gewissheit haben, dass sie sich sicher war. „Hermine, du verdienst jemand Besseren. Jemand, der dir das Gefühl geben kann, etwas Besonderes zu sein, als wärst du das Wichigste in seinem Leben."

„Du gibst mir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, Draco. Du bist auf deine eigene Weise unendlich romantisch, weißt du." Sie lächelte ihn verlegen an.

Er hob eine Augenbraue. „Romantisch? Bist du geistig verwirrt?"

„Ich meine es ernst."

Er schüttelte den Kopf. „Nie im Leben. Ich würde nicht einmal wissen, wie es aussieht, wenn dein alberner Film nicht wäre."

Sie schlug spielerisch gegen seine Brust. „Er ist nicht albern."

„Doch. Magie. Das ist lächerlich."

Sie verdrehte die Augen und sah auf das Wasser hinaus.

„Ich bin durcheinander, Hermine. Und ich werde es nur wieder vermasseln. Da bin ich mir sicher."

„Ich aber auch", sagte sie ernst. „Darum geht es doch auch. Du wirst es vermasseln, ich werde es vermasseln, aber es funktioniert, wenn wir beide entscheiden, dass wir es wieder vermasseln wollen, gemeinsam."

„Warum solltest du – irgendjemand – das tun?"

Sie schaute ihn spitz an. „Weil man weiß, dass es zusammen besser ist als getrennt."

Er schüttelte den Kopf. „Ich kann immer noch nicht fassen, dass wir gerade diese Unterhaltung führen."

„Was ist da noch? Alles andere haben wir doch schon besprochen. Ich habe Angst, dass du von der Bildfläche verschwindest, auf einem glänzenden schwarzen Pferd in den Sonnenuntergang fortreitest oder in die Sonne fliegst oder den ganzen Weg zum Mond. Und mich… verlässt, ohne einen zweiten Gedanken." Sie konnte ihn nicht ansehen. Ihr Herz war bei dem Gedanken zu nah am Brechen.

„Ich könnte dich niemals ohne einen zweiten Gedanken verlassen", sagte er leise.

Hermine setzte sich ganz auf, zog die Knie an die Brust und umschlang sie mit ihren Armen. Draco vermisste ihre Hand in seiner und beobachtete ihr Gesicht, während Emotionen darüber hinweghuschten, wie Flammen eines Feuers an den Wänden tanzten.

„Aber du könntest fortgehen."

„Natürlich. Das ist Teil meiner Person."

Sie schloss fest die Augen.

„Aber ich habe niemals gesagt, dass ich es will, nur dass ich es könnte. Wenn ich wollte. Was ich nicht tue." Er wandte sich ihr zu. „Ich möchte dich nicht verlassen. Okay?"

Sie nickte. Sie sah ihn immer noch nicht an.

Er seufzte. „Ich kann dir nur nicht bieten, was du verdienst."

„Ich brauche das alles nicht. Ich meine, ich habe dich nicht verdient. Schon mal darüber nachgedacht?"

Nein, das hatte er wirklich nicht. Noch würde der Gedanke jemals sein Gehirn durchkreuzen. „Und wie kommst du darauf?"

„Du behandelst mich, wie niemand anders es jemals getan hat. Du bietest mir die Stirn. Du gibst nicht einfach nach und lässt mich tun oder haben, was ich will, wie Harry und Ron. Du bist schlauer als ich und du forderst mich heraus. Du stellst mich immer an erste Stelle, auch wenn es bedeutet, mich so wütend zu machen wie einen Knallrümpfigen Kröter. Und du weichst nicht zurück, wenn ich mich unmöglich aufführe. Das respektiere ich."

Draco war verblüfft, wie viel sie aus seinen kleinen Handlungen ihr gegenüber herausgelesen hatte. Und er war erstaunt, dass ihre Eindrücke korrekt waren. Er hatte tatsächlich die Gewohnheit, sie vor sich selbst zu stellen, er hatte nur niemals gedacht, dass es aus seiner Sorge um sie war. Es gab immer einen anderen Grund, den er seinen Aktionen zuschreiben konnte: Sie beschützen, seinen Plan beschützen, Harry, ihre Arbeit oder sonst etwas.

„Du bist trotzdem viel besser als ich", beharrte er.

„Ich bin nicht perfekt und ich werde es niemals sein, Draco. Und ich erwarte nicht, dass du es bist."

„Gut", sagte er grinsend. „Dann wirst du nicht enttäuscht."

„Gibt es noch etwas anderes, das du sagen möchtest?", fragte sie. Ihre Augen strahlten ihn an. „Obwohl es nichts gibt, das du sagen kannst, was mich von meiner Meinung darüber abbringen wird. Oder über dich."

Er dachte angestrengt nach. Gab es noch irgendwelche Einwände, die ihm einfielen? „Noch eine Sache. Und ich wollte es schon eine lange Zeit sagen, aber ich war mir nicht sicher, ob es überhaupt ausgesprochen werden muss. Aber ich denke, vielleicht doch. Für die Aufzeichnungen musst du wissen, dass die eine verdammte Sache kein Thema ist. Schon lange nicht mehr."

„Gut. Aber das habe ich mir schon gedacht."

Er dachte wieder nach. „Was ist, wenn ich dich am Ende verletze? Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass es so kommen wird. Ich habe keine Ahnung, was ich da tue. Ich habe es noch nie zuvor getan und ich glaube fest, dass ich schrecklich darin sein werde."

„Du bist ein Malfoy. Ich dachte, du wärst gut in allem, das du tust."

Er lächelte und schaute sie an. Sie grinste ihn an. Er streckte die Hand aus und strich eine lose Strähne ihres Haares hinter ihr Ohr. Dann noch eine. Und dann stellte er fest, dass da viel zu viele Strähnen und zu wenig Ohren waren.

„Es ist ein hoffnungsloser Fall", sagte sie.

„Ja, ich bin ein Malfoy. Stört dich das nicht? Gar nicht?"

„Warum sollte es? Ich weiß alles darüber, was du getan hast, was du durchgemacht hast. Zumindest den Großteil. Und wenn du mehr mit mir teilen möchtest, dann bin ich da. Wenn nicht, ist es mir auch recht. Ich will immer noch sehen, wohin das führt."

„Obwohl ich bin, was ich bin."

Weil du bist, was du bist."

„Aber ich werde dir wehtun."

„Das hast du schon, sehr oft! Und du wirst es wieder tun, wie ich es auch bei dir tun werde. Das ist es doch, was es so wunderbar macht. Denn auch wenn du mich verletzen wirst, werde ich dir verzeihen. Und du wirst mir verzeihen, wenn ich dir wehtue. Und wir werden es gemeinsam durchstehen."

Ihm fielen keine weiteren Einwände ein. Sie hatte auf jeden geantwortet, den er angeboten hatte, und ihn damit zur gleichen Zeit glücklich und ängstlich gemacht.

„Hermine, ich – "

„Draco, ich bitte dich nicht um ein Geständnis unsterblicher Ergebenheit. Alles, das ich wissen will, ist, ob du dieses Wagnis mit mir eingehen willst. Darum geht es im Leben nämlich: Wagnisse eingehen."

Ein langsames Grinsen breitete sich in seinem Herzen aus, dann in seinem Geist und schließlich auf seinem Gesicht. „Ja, das will ich. Mit dir."

Sie erwiderte sein Lächeln. „Richtige Antwort, Malfoy."

Er schaute ihr tief in die Augen, immer noch nicht sicher, ob sie wirklich wusste, worauf sie sich da einließ, doch manchmal war sie einfach zu stur für ihr eigenes Wohl. Und er hatte einmal irgendwo gehört, dass man, wenn man nicht weiß, wie etwas funktionieren soll, es einfach darauf ankommen lassen solle. Er küsste sie und als sie den Kuss erwiderte, fühlte er sich komplett. Der Kuss war sanft, zögerlich, schüchtern – als würden sie einander endlich kennen lernen. Und obwohl er sehr verschieden war von den vorherigen zwei, die voller Verzweiflung, Angst und intensivem Verlangen gewesen waren, katapultierte er seine Eingeweide in Hundert Richtungen.

Nach ein paar Minuten löste sie sich von ihm, leicht außer Atem. „Ich dachte, du hättest diesen Zauber zwischen uns entfernt."

„Habe ich auch", sagte er, gleichermaßen verzückt wie sie. „Das muss dieses Magie- Zeug sein, von dem du geschwafelt hast."

„Muss wohl so sein", sagte sie, vollkommen zufrieden. Draco küsste sie auf die Stirn, zog sie dann eng an sich und schlang seine Arme um sie. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und er überlegte, sie niemals wieder loszulassen.

Er seufzte. „Ich werde es vermasseln, weißt du", sagte er.

„Ich weiß."

„Also… es ist dir recht."

„Das hatten wir doch schon…"

„Aber ich will nur – "

Hermine zog sein Kinn zu ihr. „Kein – Wort – mehr", sagte sie und betonte jede Silbe mit einem sanften Kuss.

Gerade als sie sich zurückziehen wollte, hielt Draco ihr Gesicht ein paar Zentimeter von seinem eigenen entfernt fest und sah ihr in die Augen. Sie lächelten und strahlten ihn an und plötzlich wollte er nichts mehr als in ihnen zu ertrinken. Langsam, ohne seinen Blick von ihr zu lösen, zog er sie näher, bis nur noch eine Haaresbreite zwischen ihnen war, und hielt inne. Er konnte ihren Atem auf seinen Lippen spüren, bevor er sie küsste. Es war wie ein Sonnenaufgang oder ein Feuerwerk oder eine Blume, die aufblühte. Es war wie Fliegen und Fallen und Vergessen, dass sie zwei Menschen waren, und Wissen, dass das Leben so besser war.

Alles, das von Bedeutung war, war, dass sie es mit ihm probieren wollte. Er hatte ihr einmal durch einen Kuss versprochen, dass er für sie leben würde. Nun würde er dieses Versprechen halten.