36. We can work it out


Vier Stunden nach ihren Treffen mit Mycroft kehrten Sherlock und John in die Wohnung zurück.

Nun, zurückkehren war ein milder Ausdruck.

Sherlock stürmte zurück, warf sich in seinen Lieblingssessel und fuhr mit dem Schmollen fort.

John setzte sich an den Tisch, öffnete seinen Laptop und wartete darauf, dass Mount Sherlock ausbrach.

Er musste nur dreiundzwanzig Sekunden warten.

,,Nichts!" schrie Sherlock der Luft entgegen.

,,Es war nicht ,nichts`, Sie haben einen Hinweis gefunden." argumentiere John.

Sherlock schnaubte, die zwei Stück Papier wieder aus seiner Tasche ziehend. ,,Zwei Stunden, John. Zwei Stunden habe ich gesucht."

,,Sie?"

,,In Ordnung, wir. Der Punkt ist, alles was wir gefunden haben ist ...das hier."

Er schüttelte die Papiere in Johns Richtung. Eines sagte ,,Es wird", das andere ,,Wärmer" und sie kratzten an Sherlocks Nerven. Höhnisch, stichelnd, und es gab nichts hilfreiches zu deduzieren, außer, dass er richtig gelegen hatte und er aus irgendeinem Grund dort gewesen war.

Aber warum? Eine schmutzige verlassene Fabrik war nicht Moriartys Stil.

Sherlock runzelte die Stirn. Vielleicht...vielleicht war der Hinweis darin selbst. Aber er war sich noch nicht sicher, was es bedeutete.

,,Sherlock, Sie wissen doch, wie sehr Sie die Dinge immer anpacken. Wenn es nur ein paar Stunden dauern würde, wäre es nicht Moriarty, oder?"

,,Nein," fuhr Sherlock fort. ,,Er liebt diese kleinen Spielchen, ,,Jim von der IT" oder schwul zu spielen...".

Sherlock schoss in seinem Sitz hoch, und die wenige Farbe in seinem Gesicht wich daraus.

John starrte ihn an. Er kannte diesen Blick. ,,Sherlock?"

,,Ich bin ein Idiot." flüsterte er.

,,Was?"fragte John perplex.

Sherlock schüttelte seinen Kopf heftig, und drehte seinen Stuhl um John im Blickfeld zu haben. ,,Wann haben wir Moriarty das erste Mal getroffen?"

John runzelte die Stirn und dachte nach. ,,Ähm, im Labor, nicht wahr? Er kam herein mit...".

Sherlock hob seine Augenbrauen.

,,Oh, mein Gott." sagte John leise.

,,Er kam mit Molly herein." beendete Sherlock den Satz. ,,Molly ist mit ihm auf drei Dates gegangen, John. Danach hat sie es abgebrochen, und ich bin mir sicher, es war, weil ich ihr erzählt habe, er sei schwul. Aber warum? Er brauchte Molly nicht, um in das Labor zu gelangen. Er hätte jederzeit hineinkommen können, unter dem Vorwand, nach den Computern sehen zu müssen. Er hätte sie beobachten können, John: nach einer Gelegenheit suchen, Dinge über mich herauszufinden, um einen ,Einblick` in mich zu bekommen. Er hätte Jim ,das Mädchen für alles` für Mrs. Hudson spielen können, oder einen Sherlock hassenden Sympathisanten gegenüber Donovan. Er hätte sogar Dr. Jim, der Kriegsveteran sein können, um Sie kennen zu lernen. Er hat Molly gewählt. Warum?"

,,Weil sie still und bescheiden ist?" riet John.

,,Sehr nahe dran, aber nicht nahe genug." murmelte Sherlock. ,,Aber er musste sie nicht daten. Er hätte ein Dutzend andere Vorwände haben können, um in meine Nähe zu gelangen. Stattdessen hat er sie gedatet und schwul getan, wohlwissend, dass ich ihr das erzählen und sie mir glauben würde, um dann mit ihm zu brechen. Und er wollte mich wissen lassen, dass er es wissen wollte. Was heißt...".

John wartete. Sherlock sagte nichts. ,,Was was heißt?"

,,Was bedeutet, dass er einen Beweis hinterlassen hat, irgendwie hat er eine Information an Molly weitergegeben, die sie selbst nicht als bedeutsam erachtet hat."

John nickte. ,,Ja, das macht irgendwie Sinn."

,,Es macht vollkommen Sinn."

,,Aber wie finden wir das heraus, Sherlock? Das ist ewig her, und Molly hat keinen...Geistespalast. Wie wollen Sie wissen, dass sich sich daran erinnern wird, was immer es auch ist?"

,,Das tue ich nicht." erwiderte Sherlock ,,Aber ich werde sie fragen."

John stierte ihn an. ,,Sie fragen. Sie werden sie nach ihren Dates mit Moriarty fragen. Auf Ihrem Date mit ihr?"

,,Ja, natürlich."

,,Wann? Wann werden Sie das tun? Während sie das Picknick haben? `Molly, bitte reichen Sie mir den Proscuiutto, und nur so nebenbei, ich muss alles darüber wissen, was Moriarty gesagt und getan hat, während er mit Ihnen zusammen war.` Oder werden Sie es noch eindrucksvoller und mit etwas mehr Stil tun, während Sie ihr das Oberteil aufknöpfen?"

Sherlock stierte John jetzt fassungslos an. ,,Was?

,,TIMING, Sherlock?" erinnerte John ihn erbittert.

,,Oh, nun, ich - ". Er stockte.

,,Ganz genau." sagte John nachdrücklich.

Hmm. Das wäre ein wenig problematisch. Sie zu früh am Abend zu fragen, würde ihr vermutlich das Date ruinieren. Sie zu spät zu fragen, würde es ...im nach hinein ruinieren. Irgendwo gab es ein Fenster: der perfekte Zeitrahmen um sie zu fragen. Nach dem Dinner, aber vor dem Dessert? Nachdem Dessert, aber vor dem Knutschen? Nachdem Knutschen, aber bevor sie zu ihrer Wohnung zurückgingen? In ihrer Wohnung, bevor sie rummachten?

,,Ich glaube das verdammt nochmal nicht." brach John in seine Analyse.

Sherlock sah düster drein. ,,Was?"

,,Sie sitzen dort und PLANEN, wann die beste Zeit ist, um heute Abend mit ihr über ihn zu reden, nicht wahr?"

,,Ja." sagte Sherlock. ,,Ist das nicht das Beste, was ich tun kann?"

,,Nein, Sherlock, ist es nicht. Fragen Sie sie morgen tagsüber, nicht auf Ihrem verdammten Date!"

,,Mit Leben, die möglicherweise am seidenen Faden hängen?" fragte Sherlock beißend ,,Wenn es das Problem lösen würde, würde ich sie fragen, während ich Sex mit ihr habe, John!"

John sprang aus seinem Sessel auf. ,,In Ordnung. Machen Sie so weiter und ruinieren Sie Ihr Date. Und machen Sie mir keine Vorwürfe wenn Molly zu weinen anfängt und sie mitten im Holland zurück lässt!" Sie griff nach seinem Mantel.

,,Wohin gehen Sie?"

,,Raus. Ich brauche Luft."

,,Wir waren gerade erst unter draußen."

,,Ich brauche noch mehr frische Luft."

,,Sie sind auf dem Weg zu ihr, nicht wahr? Dieser Mary."

,,Und wenn es so wäre?" schnappte John, nach seinem Schlüssel suchend. ,,Sehen Sie, Sherlock, ich weiß, dass das wichtig ist, aber es scheint nicht so, als würde eine Nacht ins Gewicht fallen. Ist es das wirklich wert, dass Molly und Sie einen Krach haben?"

,,Es ist es wert, dass Sie und ich einen Krach haben, also würde ich sagen, ja, das ist es." sagte Sherlock.

,,In Ordnung, wissen Sie was? Sie haben recht. Das haben Sie doch überlicherweise, nicht wahr? Also ziehen Sie einfach ihre kleine Deduktionsnummer und Ihr kaltes Durchkalkulieren durch, wenn die Zeit dafür gekommen ist."

,,John...".

John fand seine Schlüssel. ,,Ich sagte, Sie haben Recht."

,,Warum sind Sie dann noch immer wütend?"

,,Weil ich es nicht mag!"

,,Gut, ebenso wenig ich ich, ich danke Ihnen vielmals." stieß Sherlock hervor.

,,Ich sehe Sie später. Ich gehe mit Mary Mittagessen." Er steuerte auf die Tür zu.

,,Wollen Sie, dass ich Ihnen Ratschläge darüber gebe, welche Gesprächsthemen zu welchem Zeitpunkt angemessen sind?" rief Sherlock ihm hinterher, nachdem er sich gefasst hatte.

Als John gegangen war, schoss Sherlock aus seinem Sitz hoch, öffnete die Schachtel mit der Schokolade und aß mehr als vier Aprikosencreme-Pralinen.

Er warf den Deckel mit einem finsteren Blick zurück.

Moriarty hatte recht. Schokolade ließ ihn sich besser fühlen.


tbc...