A/N: Bevor wir heute loslegen, habe ich eine kleine Ankündigung zu machen: ich verlasse euch für zweieinhalb Wochen, denn ich werde meinen schwerverdienten Urlaub genießen. Ihr werdet also erst am 17. April das nächste Kapitel geliefert bekommen, denn ich verbringe meinen Urlaub grundsätzlich ohne Laptop, Tablet und Handy. Ich hoffe, ihr haltet es so lange ohne mich aus...
37. Nägel mit Köpfen.
„Tut mir leid", sagte Ginny und wich verlegen Snapes vorwurfsvollem Blick aus, „aber das konnte ich Mo nicht verschweigen, Professor. Sie sollten sich mal sehen. So kann das nicht weitergehen."
„Mal ganz abgesehen davon, dass ich auch nicht blind bin", fügte Monica streng hinzu, „so gut können nicht mal Sie sich verstellen, mein Lieber. Ich denke, wir beide müssen uns unterhalten. Jetzt."
Sie fasste den großen schlanken Mann am Arm und zog ihn mit sich. Ohne Gegenwehr folgte er ihr in sein Arbeitszimmer. Sie schloss leise die Tür, drückte ihn mit sanfter Gewalt auf das kleine Sofa und setzte sich ihm gegenüber, während er seine Knie anstarrte.
Monica sah ihn eine Weile forschend an. Er wirkte blass und erschöpft, dunkle Schatten lagen unter seinen Augen, und er schien noch ein wenig schmaler als sonst in dem schwarzen Rollkragenpullover. Mit hängenden Schultern saß er vor ihr wie ein Häufchen Elend, seine schlanken Finger spielten fahrig mit seinem Zauberstab.
Seufzend beugte sich die Heilerin zu ihm vor, nahm ihm den Stab ab, legte ihn auf den Tisch und ergriff Snapes Hände. „Hey", sagte sie leise, „kommen Sie schon, Severus, Ginny hat Recht. Sie brauchen dringend Hilfe, das wissen Sie doch selber. Und ich kann Ihnen nur helfen, wenn Sie es zulassen. Ein bisschen Vertrauen gehört schon dazu. Um Himmelswillen, Junge, reden Sie mit mir! Oder ist es wirklich leichter für Sie, dauernd diese Albträume zu ertragen?"
Severus ließ den Kopf hängen. Kopfschüttelnd setzte sich Monica zu ihm und hob sanft sein Kinn an, um seinen Blick einzufangen. Sie las Verzweiflung und Resignation in seinen dunklen Augen. Ginny Weasley hatte nicht übertrieben, der Mann war wirklich völlig am Ende seiner Kräfte.
„Sie brauchen Ruhe", stellte sie mitfühlend fest, „lassen Sie mich Ihnen helfen, in Ordnung? Bitte, Severus. Sie sind komplett durch den Wind. Ich kann ihnen helfen zu schlafen."
Fürsorglich legte sie ihm die Hand auf die Schulter, zog ihn an sich, und nun, endlich, drang sie zu ihm durch. Sein restlicher Widerstand schmolz wie Butter in der Sonne. Monica atmete erleichtert auf, als er sich auf dem Sofa ausstreckte, den Kopf in ihrem Schoß, und mit einem leisen Seufzen die Augen schloss.
Das wurde auch Zeit, verdammt nochmal!
Sie betrachtete eine Weile sein bleiches, schmales Gesicht, dann strich sie ihm das Haar aus der Stirn und ließ ihre Hand dort ruhen. Er fühlte sich fiebrig an, und er war eindeutig total erledigt. Schlafen würde also nicht das Problem sein, und gegen die Träume konnte sie etwas tun. Vorläufig zumindest, aber irgendwann würde er sich jemandem anvertrauen müssen. Auch damit hatte Ginny Recht gehabt.
Nun, für die nächsten paar Tage sollte es genügen, ihm ein paar ruhige Nächte zu schenken. Was danach kam, das würde die Zukunft schon zeigen.
„Vertrauen Sie mir?" flüsterte Mo ihm zu, und er nickte schwach, ohne auch nur die Augen zu öffnen. Na gut, dann würden sie eben hier bleiben. Ins Bett konnte sie ihn in diesem Zustand nicht mehr verfrachten.
Sanft schob sie ihren Arm unter seinen Nacken, während er sich zu ihr herumdrehte, hob seinen Oberkörper ein wenig an und bettete seinen Kopf an ihre Brust, den Arm schützend um ihn gelegt. Beruhigend streichelte sie seinen Rücken, er schlang instinktiv seine Arme um sie, und schon nach ein paar Minuten wurden seine Atemzüge tiefer und ruhiger.
Mo wusste genau, dass die Ruhe trügerisch war. In seinem Geist herrschte nach wie vor Aufruhr, der schon bald wieder einen Albtraum verursachen würde, wenn sie das Chaos nicht vorher eindämmen konnte. Also machte sie sich daran, sehr behutsam seine Gefühle aufzuspüren. Todmüde oder nicht, sie spürte sofort seine Gegenwehr. Überrascht und ein wenig erschrocken schnappte sie nach Luft, als innerhalb von Sekundenbruchteilen seine Barrieren in die Höhe schossen.
Er nutzte selbst in dieser Verfassung noch Okklumentik! Mo hatte nicht viel Erfahrung mit dieser Art von Magie und hatte sie selbst auch nie erlernt. Doch sie war in gewisser Hinsicht den empathischen Schutzschilden sehr ähnlich, und daher wusste Monica genug darüber, zumindest in der Theorie. Je länger und je stärker er diese Gabe einsetzte, umso mehr seiner Kraft würde sie ihm entziehen. Und später würde er dafür büßen müssen. Geistige Anstrengung verursachte unweigerlich Kopfschmerzen oder sogar heftige Migräneanfälle.
„Ganz ruhig", flüsterte sie leise und fühlte, wie er auf ihre Worte reagierte, träge und benommen zwar, doch er nahm ihren Sinn trotzdem wahr. „Entspannen Sie sich, Severus. Was Sie da gerade in Ihrem Geist spüren, das bin nur ich. Das ist kein Angriff, okay? Ich will Ihnen helfen. Niemand wird Ihnen wehtun. Bitte hören Sie auf sich zu wehren. Ganz locker, ich halt Sie fest. Es wird alles gut…"
Zögernd senkten sich die geistigen Schutzwälle, und Mo atmete auf. Vorsichtig tastete sie sich in seinem Geist vor, und da war sie: diese tief verwurzelte Angst, die ihm komplett die Ruhe raubte und stärker wurde, sobald sein Unterbewusstsein im Schlaf die Kontrolle über seine mentalen Schilde erlangte – die Fähigkeit zur Okklumentik war in diesem Fall eher ein Fluch denn ein Segen.
„Hören Sie mir zu, Severus. Ich werde jetzt versuchen, die Unruhe in Ihnen abzuschwächen, damit Sie ohne zu träumen schlafen können. Sie brauchen keine Angst zu haben, ich werde sehr vorsichtig sein. Versuchen Sie einfach, mich nicht abzuwehren, in Ordnung?"
Er regte sich schwach, wachte jedoch nicht auf. Also hielt sie ihn weiter im Arm, legte aber ihre freie Hand an seine Wange, so dass ihre Fingerspitzen seine Schläfe berührten. Ihre heilende Magie floss hindurch und schwächte die Angst in ihm ab, bis sie völlig im Glanz der goldenen Ruhe verschwunden war. Auf ernsthaften Widerstand traf sie nicht mehr, sie fühlte nur seine wachsame Präsenz; er schien entweder recht geübt darin, seinen Geist zu kontrollieren, oder aber er war inzwischen zu erschöpft für so eine mentale Kraftanstrengung, wie aktive Gegenwehr sie nun einmal erforderte. Vermutlich beides.
Mo sah lange nachdenklich auf ihren Schützling hinab, während er im Tiefschlaf lag. Natürlich, für die nächste Zeit konnte sie ihm so helfen, und mit etwas Glück hatte er auch genügend Vertrauen zu irgendeinem von ihnen hier, dass er einen Ansprechpartner fand. Doch seine Okklumentikbegabung machte ihr ernsthaft Sorgen.
Severus nutzte diese Gabe anscheinend schon so lange, dass seine Reaktion bereits instinktiv kam. Er musste sich nicht mehr darum bemühen, irgendwelche Abwehrschilde hochzuziehen. Im Gegenteil, das passierte völlig automatisch, was den Verdacht nahelegte, dass das eine natürliche Begabung war, genau wie ihre Empathie. Und das war schlecht.
Der Professor war kein offener Mensch, und das hatte natürlich seine Gründe. Er hatte den größten Teil seines Lebens damit verbracht, zwischen zwei Fronten zu überleben, und das erforderte in diesem Fall eine Unmenge an Lügen und Tarnung. Mo war klar, dass er nur so lange überlebt hatte, weil er diese Gabe hatte – doch jetzt würde es sehr schwer für ihn werden, denn die Schilde, die so völlig selbständig in seinem Geist hochschnellten, würden dafür sorgen, dass gutgemeinte Hilfe oft einfach an ihm abprallte. Er würde sich das alles selber schwerer machen, als es eigentlich sein müsste. Und sie würde nicht immer da sein können, um ihm zu helfen.
Seufzend ging sie ihre Optionen durch. Wenn sie erst in der Schule waren, hatte sie die Unterstützung von Madam Pomfrey. Die Schulheilerin kannte Snape bereits, seit er selber Schüler in Hogwarts gewesen war, und sie kannte sich – vermutlich genau aus diesem Grund – auch sehr gut mit Okklumentik aus. Mo selber konnte sich in der Zwischenzeit auch noch etwas genauer in das Thema einarbeiten.
Hier allerdings, in London, gab es ein Problem, das sie nicht vernachlässigen konnte. Poppy Pomfrey war nicht da, und sie selber war inzwischen mehr im Auftrag des Ordens unterwegs, als sie sich das eigentlich gewünscht hätte. Zusätzlich kümmerte sie sich zusammen mit dessen fester Freundin Angelina um George Weasley, der nach wie vor sehr unter dem Verlust seines Zwillingsbruders litt.
Severus brauchte jemanden, der sich mit Okklumentik auskannte, einigermaßen mit ihm zurechtkam und hier im Haus wohnte. Nur für den hoffentlich nie eintretenden Fall, dass etwas Unvorhergesehenes den immer noch labilen und verunsicherten Mann aus der Bahn warf. Denn – und da machte Mo sich nichts vor – die Anwendung von Okklumentik in dem Maße, wie Snape sie betrieb, konnte im schlimmsten Fall tödlich sein. Irgendjemand musste dann in der Lage sein, ihn aus seinem geistigen Schutzbunker herauszuholen, bevor die Anstrengung ihn umbrachte.
Wer also?
Eins stand von vornherein fest: keiner der Jungs. Harry, Ron und Neville standen gerade vor der äußerst anstrengenden Aufgabe, erwachsen zu werden. Und manches Mittel, um ihren Professor vor sich selber zu retten, wäre ihnen mit Sicherheit unangenehm, wenn nicht sogar peinlich. Mädchen waren da wesentlich aufgeschlossener.
Luna als Empathin schied von vornherein aus, auch wenn sie ihre Hilfe sicher gern angeboten hätte. Das Mädchen war selbst noch ungeübt, und die schiere Menge an verdrängten Gefühlen, denen sie ausgesetzt sein könnte, würde vermutlich ausreichen, um ihren Verstand schwer zu schädigen oder ihr gar Angst vor ihren eigenen Fähigkeiten zu machen. Blieben Ginny und Hermine. Mit einem lautlosen Seufzen beschloss die junge Heilerin, sich so bald wie möglich mit den beiden zu unterhalten, doch sie neigte dazu, Ginny diese Aufgabe zu übertragen.
Zum einen hatte die junge Frau bereits grundlegende Kenntnisse in der Medimagie, wollte sogar Heilerin werden, und zudem würde sie auch später in der Schule eher Zeit haben zu helfen. Sie hatte immerhin noch ein weiteres Jahr Zeit, bis sie ihre UTZ-Prüfungen ablegen würde. Hermine würde dort wohl vorwiegend mit Lernen beschäftigt sein, da sie ihre Ausbildung sehr ernst nahm.
Und außerdem, dachte die Waliserin mit einem leichten Schmunzeln, besitzt Ginny eine erfrischend unbekümmerte Art und einen Dickkopf, der dem ihres Professors in nichts nachsteht. Wenn jemand ihn zu irgendwas bringen kann, dann sie. Prewett´sche Gene…
Die Entscheidung war gefallen, und sie hoffte nun nur noch, dass Ginny ihrer Bitte offen gegenüberstand. Sie würde ihr ein wenig über angewandte Psychologie beibringen müssen – ein in der britischen Zaubererwelt völlig unbekanntes Gebiet der Medizin – und alles, was sie selbst über Okklumentik wusste.
Doch das Wichtigste musste man ihr längst nicht mehr beibringen: sie mochte diesen Mann, war aber trotzdem resolut und vernünftig genug, um nicht aus falsch verstandenem Mitgefühl heraus die falschen Entscheidungen zu treffen. Es hatte Ginny nicht gefallen, mit Mo über Snape und seine Probleme zu sprechen – doch sie hatte es trotz allem getan. Weil er dringend Hilfe brauchte. Hilfe, die ihm das Mädchen nicht hatte geben können. Zumindest jetzt noch nicht. Doch das sollte sich bald ändern, wenn sich alles entwickelte wie gedacht.
Mo rutschte auf dem Sofa in eine etwas bequemere Position, schlang die Arme schützend um ihren Kollegen und schloss die Augen.
Die ersten Sonnenstrahlen schienen bereits durch die Fenster, als Severus langsam den Kopf hob und sich blinzelnd umschaute. Monica lächelte ihm zu, immer noch den Arm um ihn gelegt: „Aha, da sind Sie ja wieder. Fühlen Sie sich besser?"
„Wie haben Sie das gemacht?"
Er sah besser aus als gestern, schien aber immer noch ziemlich müde. Deswegen zog sie seinen Kopf wieder an ihre Brust und sagte leise: „Empathie. Hat nicht wehgetan, oder? Na, kommen Sie, schlafen Sie ruhig noch eine Weile, Sie haben viel nachzuholen."
„Danke", murmelte er ein wenig verlegen und setzte sich auf, „aber ich sollte vielleicht besser…"
„… ins Bett gehen?" half sie mit einem freundlichen Lächeln, als er aufstehen wollte. „Ist keine schlechte Idee. Sie sehen etwas besser aus als gestern, aber Sie sollten trotzdem noch ein paar Stunden schlafen. Sonst war das Ganze völlig für die Katz. Und, Severus: empathische Hilfe ist auf Dauer auch keine Lösung, das muss Ihnen klar sein. Reden Sie darüber, was Ihnen Angst macht, anders bekommen wir das Problem nicht in den Griff. Und lassen Sie Ihre verdammte Okklumentik weg, soweit es machbar ist. Erstens können Sie die Schilde nicht dauerhaft halten, zweitens kostet das Ganze viel Kraft, und drittens wird es nur schlimmer, sobald die Barrieren fallen. Verstehen Sie, Junge, das könnte Sie eines Tages umbringen. Das müssten Sie doch eigentlich wissen."
Sie stand auf, reichte ihm hilfsbereit die Hand, und er ließ sich von ihr hochziehen. Vorsorglich legte sie ihm den Arm um die Hüfte, da er noch etwas unsicher auf den Beinen wirkte – und blickte überrascht drein, als er sie ein wenig unbeholfen umarmte. Damit hatte sie nun überhaupt nicht gerechnet, aber sie schloss ihn ebenfalls freundschaftlich in die Arme.
Die Nähe schien ihm gut zu tun, und eine ganze Weile blieben sie einfach so stehen. Schließlich nahm Monica ihren Schützling bei den Schultern und sah ihn aufmerksam an. „Sie sollten wirklich…"
„Er kommt zurück", unterbrach er sie hastig und rieb sich mit einer fahrigen Bewegung über die Stirn. „Voldemort. Und er wird mich umbringen, genau wie alle anderen hier. Das… das ist mein schlimmster Albtraum." Sein Blick suchte den ihren, drängend und dunkel, er atmete flach und hektisch. „Sie hatten Recht, Monica… ich will leben. Und ich habe Angst um Harry und die anderen. Ich… ich will keinen von ihnen verlieren müssen."
Mo starrte ihn an. Das war nun schon die zweite Überraschung an diesem Morgen! Doch Snape wirkte mit sich selbst komplett überfordert: er stand mit dem Rücken zur Wand, ein gehetztes Tier in der Falle, und sah offenbar keinen anderen Ausweg mehr, als sich ihr anzuvertrauen.
„Diese Vorstellung würde jedem Angst machen", gab sie ruhig zurück und zog ihn mit sich aufs Sofa. „Aber er ist tot, Severus. Endgültig."
„Das weiß ich", fuhr er ungeduldig auf, „aber das haben wir schon mal gedacht, und dann kam alles völlig anders… und diese Träume fühlen sich so realistisch an… neulich bin ich aufgewacht, weil ich gespürt habe, wie das Dunkle Mal brannte... wenn er zurückkommt…"
Flehend sah er sie an, seine schwarzen Augen wie Kohlen in seinem weißen Gesicht, und flüsterte kaum hörbar: „Bitte, was soll ich tun?"
Rasch rückte sie ihn näher an ihn heran, den Arm um seine Hüfte geschlungen, und griff nach seiner Hand. „Den Anfang haben Sie gerade schon gemacht. Also, dann sorgen wir jetzt erst mal dafür, dass Sie ohne Probleme schlafen", schlug sie vor. „Zumindest bis Ihre Träume wieder die normale Intensität haben, bleibe ich nachts bei Ihnen. Danach ist es nur noch halb so schlimm. Wenn Ihnen das alles nicht mehr so beängstigend wirklich vorkommt, wird es besser, das versprech ich Ihnen. Okay?"
Er nickte dankbar und drückte kurz ihre Hand. Dann wandte er ihr sein bleiches, müdes Gesicht zu. „Ist das nicht furchtbar anstrengend für Sie? Wann werden Sie schlafen, Monica? Ich will nicht, dass Sie…"
„Pssst." Sie legte ihm einen Finger auf die Lippen, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Alles kein Problem, Severus. Ich kann tagsüber schlafen, während Sie die jungen Phönixe unterrichten. Gut, zugegeben, es wird eine Menge Kraft kosten, und vielleicht kann ich Sie auch nicht vor jedem Albtraum bewahren. Aber ich werde da sein. Und nicht nur ich. Falls Sie Hilfe brauchen, haben Sie in diesem Haus auf jeden Fall jemanden zum Reden. Ist das okay für Sie?"
„Habe ich eine Wahl?" Sein Lächeln geriet ein wenig schief, doch sie spürte seine Erleichterung ganz deutlich.
Er machte keine Anstalten vom Sofa aufzustehen, im Gegenteil, er lehnte sich zurück und entspannte sich sichtlich in Monicas Nähe. Vorsichtig rückte sie noch ein wenig dichter an ihn heran. Je näher ein Empath einem anderen Menschen kommt, desto einfacher ist es für ihn, dessen Gefühle zu empfangen. Und ob Snape das wusste oder nicht, er wich ihr jedenfalls nicht aus.
Verstohlen warf Monica ihm einen Blick zu. Er war immer noch hundemüde, und eigentlich gehörte er ins Bett. Doch da er sich hier wohl zu fühlen schien, blieb sie still neben ihm sitzen und wartete geduldig ab.
Es dauerte nicht sehr lange, bis er kurz einnickte. Er blinzelte und schien sich krampfhaft wachhalten zu wollen, doch immer wieder sank ihm der Kopf auf die Brust. Mühsam hob er ihn jedes Mal wieder, bis Mo es nicht mehr mit ansehen konnte. „Kommen Sie her", wisperte sie und zog ihn sanft an sich heran, und er lehnte sich aufseufzend gegen sie. Kurz darauf schlief er tief und fest; sein Kopf war auf ihre Schulter gesunken, und die junge Empathin ließ ihn schlafen.
