Spannungen
Nun wo feststand, dass Edward Teil unserer Band werden würde, legten wir direkt den nächsten Probetermin fest. Jane hatte ihn vorher gefragt an welchen Tagen er könnte.
Mir fiel netterweise die Aufgabe zu ihm Bescheid zu geben. Mit nach Hause nahm mich James, in dessen Auto wir erst einmal schwiegen. Schließlich seufzte er und sah mich mit erhobenen Augenbrauen an.
„Warum hast du zugestimmt? Ich meine, ich komme damit klar, tust du es auch?", fragte er und sah mich kritisch an. Ich war beinahe gerührt von seiner Sorge und nickte dann.
„Ja, ich komme damit klar. Ich weiß, dass Edward gut ist. Und das braucht die Band. Ich werde der Sache nicht im Weg stehen, wenn es gut für uns ist", versuchte ich meine Einwilligung zu erklären.
James nickte nur und sah wieder auf die Straße. Das Schweigen war nicht unangenehm und ich hatte nicht das Gefühl, dass er wütend auf mich war, worüber ich sehr froh war. Denn ich hatte den Verdacht, dass er derjenige sein würde, der mich am besten verstehen würde, wenn Edward bei den Proben zu unausstehlich wurde.
Nachdem ich mich sonntags mental auf das nächste Treffen mit Edward vorbereitet hatte, musste ich montags feststellen, dass es mir gar nichts genutzt hatte. Zum ersten Mal ging Mathe viel zu schnell vorbei und auch die anderen Fächer schienen nicht länger zu dauern. Bevor ich es überhaupt begriff, war es schon Zeit, um zu Bio zu gehen.
Nervös machte ich mich auf den Weg zu dem Klassenraum, in dem wir Unterricht hatten und sah die Reihen entlang. Edward saß schon wieder auf seinem Platz und ein Seufzen unterdrücken ging ich auf ihn zu.
„Hey", sagte ich leise. Es wäre wohl einfacher das Eis zu brechen, wenn ich ihn begrüßte, oder nicht?
„Ach, du redest wieder mit mir?", fragte er herausfordernd und ich schluckte einmal.
„Uhm… genau genommen soll ich dir sagen, dass wir am Donnerstag um sechs unsere nächste Probe haben", sagte ich dann schnell nach dem kleinen Zögern am Anfang des Satzes.
Das Grinsen auf seinem Gesicht gefiel mir gar nicht und ich beäugte ihn misstrauisch, während er antwortete: „Alles klar. Ich komme dann so um halb sechs bei dir vorbei. Ich werde außerdem Andys Keyboard nehmen, wenn ihn das nicht stört."
„Ich denke nicht, dass er ein Problem damit… Moment, was?"
Es war, als hätte ich seinen Satz ausgeblendet, weil ich ihn nicht hören wollte. Er würde um halb sechs bei mir vorbei kommen? Ich würde keine Viertelstunde in einem Auto mit ihm aushalten. Aber das war sowieso eine lächerliche Idee.
„Du brauchst nicht bei mir vorbei kommen. James hat mir schon angeboten, dass er mich mitnimmt", sagte ich, um ihm deutlich zu machen, dass ich kein Interesse daran hatte jemals wieder mit ihm in demselben Auto zu sitzen.
Bei der Erwähnung von James verdunkelte sich Edwards Gesichtsausdruck, bevor er mir ruhig antwortete: „Das ist ein Umweg für ihn, den er jetzt nicht mehr machen brauch. Ich dachte, dass wir – wie hat Jane es genannt? – Freunde bleiben würden? Also was ist das Problem."
Ich wusste nichts dagegen zu sagen, also nickte ich schließlich. Zufrieden drehte sich Edward Mister Banner zu, der inzwischen den Raum betreten hatte. Wann war ich so nachgiebig geworden? Hatte ich mir nicht noch letzte Woche vorgenommen, dass ich mich von Edward nicht unterkriegen lassen würde? Warum funktionierte das nicht so einfach?
Schließlich gestand ich es mir selbst ein, auch wenn niemand anderes das jemals zu hören bekommen würde. Ich liebte Edward noch immer, egal was er mir angetan hatte. Und ich fühlte mich dumm deswegen. Er hatte mir das Herz gebrochen, doch ich liebte ihn immer noch.
Auch jetzt noch verpasste es mir einen Stich ins Herz, wenn ich Edward mit einer anderen sah. Aber was hatte ich eigentlich erwartet? Es war knapp eine Woche her, dass wir Schluss gemacht hatten, natürlich war ich noch nicht über ihn hinweg, nur weil ich es mir vorgenommen hatte.
Ich war völlig in Gedanken versunken, als plötzlich das Licht ausging. Erschrocken sah ich auf und entdeckte ein Fernsehgerät vorne beim Lehrerpult stehen. Ich hatte nicht einmal mitbekommen, dass es im Raum stand.
Als ich jedoch versuchte mich auf den Film zu konzentrieren, stellte ich fest, dass das völlig unmöglich war. Ich wusste nicht, ob es nur von mir ausging, aber als es dunkel geworden war, hatte ich Edwards Anwesenheit viel stärker als vorher wahrgenommen. Nach zehn Minuten hielt ich es nicht mehr aus und ging auf die Toilette, um mich zu beruhigen.
Ich setzte mich auf den Klodeckel und stützte mein Kinn auf meinen Händen ab. Das Ganze war nicht so einfach, wie ich es mir im Tanztraining vorgestellt hatte. Ich atmete einige Male tief durch und spritzte mir ein wenig kaltes Wasser ins Gesicht, bevor ich mich auf den Weg zurück in den verdunkelten Bioklassenraum machte, um mich Edwards überdeutlicher Gegenwart zu stellen.
Ich öffnete die Tür und ging zu meinem Platz, wo ich ein wenig angespannt bis zum Ende der Stunde sitzen blieb, ohne Edward anzusehen. Ich schaute nicht einmal aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber.
Schließlich war der Film vorbei und ich atmete erleichtert auf, als das Licht wieder anging. Anscheinend ein bisschen zu laut, denn Edward sah mit erhobener Augenbraue zu mir hinüber. Ich erwiderte den Blick so ruhig und gefasst wie ich konnte, hatte jedoch das Gefühl, dass es mir nicht so recht gelang.
Auch in der nächsten Biologiestunde sahen wir den Film und erneut war die Spannung wieder da. Erleichtert stellte ich jedoch fest, dass wir ihn nach dieser Stunde zu Ende geschaut hatten.
Allerdings rückte die nächste Probe an und damit auch meine Autofahrt mit Edward. James klang sehr verwundert und skeptisch am Telefon, als ich ihm sagte, dass er mich mitnehmen würde. Am Ende des Telefonats warnte er mich, dass ich vorsichtig sein sollte, denn wer wisse schon, was in Edwards Kopf vor sich ginge.
Und schließlich war es so weit. Donnerstag um halb sechs stand ich abholbereit in unserem Wohnzimmer und wartete nur noch auf das Klingeln. Ich hätte natürlich auch draußen warten können, doch ich wollte nicht zu eifrig wirken, bei ihm mitfahren zu können, immerhin war ich es auch nicht.
Als es dann schließlich klingelte, ging ich gemäßigt zur Tür und öffnete sie. Dann zog ich mir rasch meine Schuhe an und folgte Edward zu seinem Auto. Im Gegensatz zu früher öffnete er nicht die Beifahrertür für mich und ich war eigentlich sehr froh darum, denn wer wusste schon, ob der verliebte Teenager in mir das nicht schon wieder als ein Zeichen gewertet hätte.
Nachdem wir losgefahren waren, herrschte eine unangenehme Stille im Auto. Es war, als wären mit dem Ende unserer Beziehung auch alle Gesprächsthemen, die wir mal hatten, aus dem Fenster geflogen. Und nun hatten wir uns nichts mehr zu sagen.
Etwas anderes war nun jedoch wieder da. Ich unterdrückte nur schwerlich ein Stöhnen, als ich die Spannung, die sich zuvor bei dem Film im Unterricht gezeigt hatte, nun auch hier im Auto zwischen uns wahrnahm. Vehement sah ich aus dem Fenster, da ich ihn nicht ansehen wollte.
„Weißt du schon, was wir heute in der Probe machen?", fragte Edward schließlich und ich hatte das Gefühl, dass auch ihm die Stille unangenehm war und er somit das Eis brechen wollte.
Ich nickte und antwortete: „Zuerst wollten wir ein paar der alten Songs proben und schauen, wie du mit dem Keyboard da rein passt. Andy wollte sogar versuchen eine Stimme dazu zu schreiben, aber ich denke du kannst dich da besser anpassen, als wenn wir es versuchen. Danach wollten wir an einem neuen Song arbeiten. Da kannst du deine Stimme direkt einbauen, vielleicht ist das dann einfacher."
Während ich versucht hatte, meine Stimme ruhig zu halten, war ich innerlich sehr aufgebracht. Denn ich hatte der Band von dem neuen Songs erzählt, bevor ich wusste, dass Edward dazu kommen würde. Das Problem war, dass beide Songs durch Edward entstanden waren und ich wollte nicht, dass er das erkannte. Jedoch musste er wirklich taub sein, wenn er das nicht erkennen würde.
Auch die restliche Fahrt verlief wieder schweigend und ich war erleichtert, als wir endlich vor Andys Haus vorfuhren. Als wir in die Garage kamen, warteten die Anderen schon und alle außer James begrüßten Edward freudig und bedankten sich bei ihm.
Wie ich es ihm gesagt hatte, begannen wir mit den alten Songs, die wir im Tonstudio gespielt hatten. Edward hatte tatsächlich keine großen Probleme damit, sich in die Lieder einzufinden, was wohl daran lag, dass er sie auch schon kannte.
Schließlich sollte ich ihnen meinen neuen Song zeigen und ich reichte ihnen die jeweiligen Notenblätter. Inzwischen hatte ich kein Problem mehr zu transponieren, sodass wir den Song einfach anspielen konnten, denn sie waren alle gut genug, um die jeweiligen Stücke zumeist problemlos vom Papier abspielen konnten.
Nun gut, Augen zu und durch hieß es jetzt wohl. Mir sollte es gleich sein, was Edward von dem Song dachte. Seine Meinung sollte mir nicht mehr bedeuten, als die der anderen Bandmitglieder. Mit diesem Vorsatz stand ich vor dem Mikrophon bevor ich bei meinem Einsatz zu singen begann.
Da bin ich wieder ;)
Ja… so einfach hat bella es dann doch nicht ;)
Was haltet ihr davon?
Lg Scara
