So, meine Lieben. An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei allen treuen Lesern und Reviewern. Nun kommt also das letzte Kapitel meiner Geschichte von Severus und seiner Laura. Es freut mich, wenn sie euch gefallen hat.

Eure Reviews haben mich sehr motiviert und ich habe mich immer riesig über jeden einzelnen Kommentar gefreut. Vielen vielen Dank!

Tinschchen: danke fürs treue Reviewen, hat mich wirklich gefreut! Ich wünsche dir alles Gute!

Phoebe: auch dir vielen Dank für deine Reviews :-D

Tweetylein: danke für dein Review, ich hoffe, deine Fragen werden noch beantwortet im letzten Kapi! Merci!

Meiner wunderbaren Betaleserin scientific ida, die mich so super unterstützt hat, meine Fehler ausgebügelt und mich immer wieder zum Lachen gebracht hat ein ganz ganz grosses Dankeschön!

Nun wünsche ich allen ganz viel Spass und ich hoffe sehr, dass euch der letzte Teil gefällt. Ganz liebe Grüsse an alle und nochmals DANKE, eure Sally

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Der Einstieg in den Gang hatte ihnen Schwierigkeiten bereitet, da der Eingang etwas verschüttet gewesen war. Doch als sie um die erste enge Biegung waren, wurde der Gang bedeutend breiter und angenehmer. Er ging stetig etwas abwärts und Laura versuchte sich vorzustellen, wie Piraten vor hunderten Jahren ihre Schätze hier hinein geschleppt hatten. Natürlich wusste sie nicht, wer den geheimen Gang gegraben hatte, aber man sah die harte Arbeit, die er gekostet haben musste. Es waren Spuren von Schaufeln und Spaten an den lehmig-steinigen Wänden zu sehen, anders als beim Gang von der anderen Seite her.

Laura war etwas mulmig zu Mute und sie konnte die Befürchtung nicht ganz loswerden, dass dieser Gang einstürzen könnte. Andererseits würde das wohl kaum ausgerechnet jetzt geschehen, nachdem er ja so lange gehalten hatte.

Snape war erstaunt, dass ihnen nichts Magisches den Weg versperrte. Natürlich maß er mit Hilfe seines Zauberstabes immer wieder, ob sich etwas Magisches in der Nähe befand. Aber das war nicht der Fall.

Nun stieg der Pfad wieder an und wurde dann eben. „Dad, bitte gib mir die Hand," bat Laura leise. Ihr war unheimlich.

Ohne nach hinten zu sehen, streckte Snape seine Hand aus und Laura griff sie sofort. Es tat gut, seine Wärme zu spüren.

Plötzlich stoppte Snape und Laura, die eben eine große Spinne bestaunt hatte, sah, weshalb.

Ein Pirat stand vor ihnen. Er sah allerdings nicht sehr furchteinflößend aus, obwohl er ein großes Schwert in den Händen hatte. Er war ganz klar ein Geist, denn er war durchscheinend. Zwar war es nicht so ein Pirat, wie Laura ihn sich vorgestellt hätte und doch vermutete sie, dass er einer war, vielleicht auch nur wegen des Säbels.

Er hatte aber kein Holzbein, keine Hakenhand, nicht mal eine Augenklappe oder ein ordentliches Piratenkopftuch!

„Haltet ihr Landratten!" sagte der bärtige Kerl und sah sie böse an. Er schien ziemlich zufrieden, dass sich jemand hierher verirrt hatte.

„Einen Schritt weiter und ich halbiere euch mit einem Schlag!" drohte er. Das fand Laura dann schon wieder mehr piratisch.

Laura wusste, dass ihr Dad eine Augenbraue hob. Sie wusste nämlich auch, dass der Geist für sie nicht wirklich gefährlich werden könnte. Laura sah einen halb zerfallenen, alten Stuhl, neben dem ein in Lumpen gekleidetes Skelett lag. Musste wohl irgendwann mal auf dem Stuhl gesessen haben, vermutete sie.

Nun trat sie doch einen Schritt näher zu ihrem Vater und drückte sich an ihn. Während der Geist weitere Drohungen aussprach, die er wahrscheinlich seit längerem einstudiert hatte, musterte sie die sterblichen Überreste auf dem Boden mit gerümpfter Nase.

Ihr wurde bald klar, dass es sich um den Pirat handelte, der nun als Geist vor ihnen stand und sie bedrohte. Es schien ihm noch nicht aufgefallen zu sein, dass sich sein Erscheinungsbild etwas verändert hatte und er nicht mehr unter den Lebenden weilte.

„Nichts und niemanden werde ich an den Schatz heran lassen!" knurrte der Mann und fuchtelte wild mit seinem Schwert.

„Nicht einmal mehr diese alte Runzel, egal wie viel stinkenden Fisch sie mir bringt!"

„Du hast die Aufgabe, den Schatz zu bewachen?" fragte Snape etwas amüsiert, zeigte das aber nicht. „Das wird nicht mehr notwendig sein, denn es gibt keinen Schatz mehr. Dein Kapitän ist längst tot, genau wie du." Snape zeigte auf das Skelett am Boden. „Wie deine sterblichen Überreste hier beweisen," fügte er hinzu.

Der Pirat schien etwas verwirrt und gleichzeitig etwas verärgert. Er sah sich um und sah das Skelett am Boden genau an. Er beugte sie über die Knochen, welche dieselben Kleider trugen, wie er, was ihm auch erst jetzt aufzufallen schien.

Er schien noch nie die Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, dass es sich tatsächlich um seine Überreste handeln könnte. Vielleicht hatte er es auch nach all den Jahren hier unten vergessen, oder verdrängt.

Der arme Kerl schien seit hunderten von Jahren den Schatz zu bewachen, den es gar nicht mehr gab und irgendwann war er dann anscheinend über den Jordan gesegelt, ohne es bemerkt zu haben. Irgendwie tat er Laura nun Leid. „Ich weiß einen Ort, wo es viele Schätze zu bewachen gibt," sagte sie plötzlich. „Dort würden sie deine Hilfe bestimmt gut gebrauchen können. So einen unerschrockenen, gefährlichen Kerl."

Laura war von ihrer Idee begeistert und dachte, dass sich der Pirat bestimmt über die Gesellschaft der anderen Hogwartsgeister freuen würde.

Snape sah erstaunt zu Laura hinunter. Langsam hob der Pirat, der sich geschockt hatte auf den Stuhl fallen lassen, den Kopf und sah das Mädchen an.

„Na dann, Weibsbild, zeige mir diesen Ort!" befahl er entschlossen und stand auf. Laura sah ihm aber, trotz seiner barschen Rede an, dass er mit sich zu kämpfen hatte.

„Bald," sagte nun Snape. „Lass uns in den Raum, den du bewachst. Du kannst dich dann selbst davon überzeugen, dass sich kein Schatz darin verbirgt. Wir werden dich dann an den Ort führen, an dem deine Hilfe benötigt wird."

Der Pirat überlegte einen Moment. „Gut. Ich werde euch einlassen in die Gemäuer, wie ich auch die Alte eingelassen habe. Aber ihr seid des Todes, wenn ihr versucht, mich zu betrügen!" warnte er selbstsicher.

Er trat bei Seite und zog an einem eisernen Griff, der aus der Steinmauer herausragte. Snape zückte den Zauberstab und eine Luke, die etwa einen Meter fünfzig hoch und etwa sechzig Zentimeter breit war, öffnete sich quietschend.

Dahinter verbarg sich, wie Snape richtig vermutete hatte, der Raum, den Rachel eingerichtet hatte. Die Steintür musste so geschickt in die Mauer eingepasst sein, dass es von innen nicht aufgefallen war.

Nun war klar, wie die Frau hier her hatte gelangen können, ohne an der Echse vorbei zu müssen.

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Dudley merkte nicht, dass er von Harry mit Adleraugen beobachtet wurde. Viel zu sehr war er mit dem Fernsehprogramm beschäftigt und mit den Chips, die er in sich hinein stopfte.

Harry wusste, dass sein Cousin vor seinen Freunden niemals zugegeben hätte, dass er sich so kindische Zeichentrickfilme ansah.

Dass Harry Zeuge davon wurde, schien ihm allerdings egal. Während er zusah, wie eine kleine Trickfilmmaus vor einer Miezekatze flüchtete, sah Harry zu, wie Dudleys Ohren sich etwas vergrößerten. Allerdings etwas zögerlich, fand er. Fred hatte ihm erzählt, dass diese Bonbons das Erscheinungsbild einem Zootier anpassen würden für einige Minuten. Da aber Dudley sowieso mit so einigen Zootieren Ähnlichkeiten hatte, war es relativ schwierig, zu erraten, in was der Junge sich im Moment verwandelte.

Die Dosis schien etwas schwach zu sein, dachte Harry, denn außer den etwas größeren Ohren und dem Mund, der sich etwas noch vorne wölbte, veränderte sich nicht wirklich viel. Harry vermutete, dass es ein Gorilla sein sollte, in den sich Dudleys Kopf hätte verwandeln müssen.

Entweder war sein Aussehen einem Gorilla von Natur aus so ähnlich, dass man keine relevanten Veränderungen bemerken konnte, vielleicht war auch auf Grund seines hohen Gewichtes ein einziges Bonbon zu wenig.

Da Dudley wahrscheinlich etwa das Doppelte wog wie ein normalgewichtiges Kind, würde er wohl mindestens die doppelte Dosis benötigen.

Harry überlegte, während er zusah, wie Dudley die nun leere Chipspackung achtlos auf den Boden warf.

Er hatte noch drei Bonbons, allerdings waren zwei gelb eingepackt und eines blau. Er sollte wohl die Farben nicht mischen, sonst würde sich Dudley in zwei verschiedene Tiere verwandeln.

Harry lächelte. Das war ja vielleicht auch noch lustig! Ja, und diese Dosis würde es wohl schon brauchen.

S s s s s

„Gibst du mir auch eins?" fragte Harry, als Dudley eine halbe Stunde später die Hälfte eines Biskuitpackes verspeist hatte. Nun sah er sich einen Actionfilm im Fernseher an und war so in die Geschichte vertieft, dass er die Süßigkeiten unbewusst in den Mund steckte.

„He!" rief Harry, um Dudleys Aufmerksamkeit zu erlangen. „Gib mir auch eins!"

Nun sah der fette, schmatzende Junge zu Harry. „Spinnst du?" maulte er mit vollem Mund.

Harry sah auf die Biskuits und tat so, als wäre es sein dringlicher Wunsch eins abzubekommen.

„Ich geb dir dann eins meiner Bonbons," schlug er vor. Dudley schüttelte nur den Kopf, während er in den Fernseher sah und kaute.

„Okay, ich geb dir alle drei," stöhnte er und streckte sie ihm unter die Nase.

Nun sah der Cousin auf die Bonbons hinunter und wollte sie sich schnappen. Doch Harry zog sie schnell zurück.

Dudley überlegte und besah sich die Biskuitpackung. „Na gut, aber du kriegst nur eins," sagte er bestimmt.

„Nein, drei," konterte Harry.

„Eins," sagte Dudley.

„Zwei," schlug Harry vor. Dudley gab nach und zog mit seinen wurstigen Fingern zwei Kekse aus der Schachtel und warf sie Harry hin.

„Gib schon her!" befahl er großspurig und Harry gab ihm gespielt widerwillig die Bonbons.

Wie gewünscht und erwartet, packte Dudley sie aus und steckte sie alle drei gleichzeitig in den Mund.

Harry rührte die Kekse nicht an, sondern hatte seine Augen auf Dudleys Gesicht. Dieser freute sich gerade, da im Fernsehen jemand erschossen wurde.

S s s s

Laura durfte Amélie sagen, was genau sie für T-Shirts wollte. Die Mode von Amélie gefiel ihr sehr gut. Amélies Kleider waren speziell. Mit viel Schnickschnack und besondere Farben. Und ihr Laden war sehr interessant. Sie durfte sogar an den Nähmaschinen arbeiten, was ihr sehr gefiel. Allerdings war das nicht so einfach, wie sie sich das vorgestellt hatte.

Doch als Amélie noch einen Rock und einen Umhang für eine Kundin fertig machen musste, wurde es dem Mädchen langweilig.

Ihr Dad war in der Winkelgasse bei diesem Velano am Einkaufen und da hatte sie nicht mitgehen wollen.

Nun war es hier aber auch nicht mehr sehr interessant und Laura fragte Amélie, ob sie sich auf der Straße etwas umsehen durfte.

Amélie nickte, wollte aber, dass sie in der Nähe blieb und in einer halben Stunde wieder hier war.

Die Impasse-penché war der Winkelgasse nicht ganz unähnlich, allerdings war sie etwas schmaler und verwinkelter. Die Häuser waren weniger hoch und etwas schräger. Laura ging die Straße hinunter, bis sie an eine Tierhandlung kam. Ein alter klappriger Mann beschäftigte sich mit einem zerzaust aussehenden Raben in einem winzigen Käfig.

Ob sie für Hedwig ein paar Leckereien besorgen sollte? Schließlich musste sie sich diese Woche gut um die Eule des Freundes kümmern. Dann fiel ihr aber ein, dass sie ja gar kein Geld hatte und sie sah zu, wie der Mann den Rabenkäfig an einer hölzernen Stange, die aus dem Haus heraus ragte, aufhing.

Der Vogel tat Laura Leid. Es war viel zu heiß hier unter der brütenden Sonne und er hatte weder zu Trinken noch zu Essen in seinem Miniaturkäfig, abgesehen von einem alten, halb verschimmelten Apfelstückchen.

„Der hat es zu heiß hier!" sagte Laura empört zu dem alten Mann. „Und er ist bestimmt durstig," fügte sie hinzu und deutete auf den grauschwarzen Raben, der ein ziemlich trauriger Anblick war.

Der alte Mann schien sie nicht zu verstehen und redete etwas auf Französisch. Anscheinend dachte er, dass Laura den Vogel kaufen wollte, denn er deutete auf ein kleines Schildchen, auf dem der Preis stand.

Laura schüttelte den Kopf und versuchte mit Zeichensprache zu verstehen zu geben, dass der Rabe schwitzt und Trinken möchte.

Immerzu redete der Alte auf sie ein und Laura ekelte sich etwas vor dem Mann, der bestenfalls noch die Hälfte seiner braunen Zähne besaß.

„Michel!" rief er plötzlich und Laura sah einen jüngeren Mann aus dem kleinen Häuschen kommen. Der redete allerdings mit einer Frau, die scheinbar etwas eingekauft hatte, bei ihnen. Ob das sein Sohn war? Er ähnelte ihm kein bisschen.

Der alte Mann redete schnell auf den anderen ein und dieser schien ein grummliger, eher unfreundlicher Zeitgenosse zu sein, denn er sah Laura nicht gerade freundlich an.

„Wenn du den Vogel kaufen willst, dann kaufe ihn, ansonsten verschwindest du!" sagte der jüngere Mann akzentfrei.

Laura zeigte auf den armen Raben, der nun den Schnabel leicht geöffnet hatte. „Der Rabe da hat es viel zu heiß in der Sonne und er hat kein Futter und kein Wasser!" sagte sie selbstsicher, obwohl sie etwas eingeschüchtert war von dem ziemlich großen, kräftig gebauten Mann.

„Das geht dich nichts an, verschwinde!" befahl er und zog sich ins Haus zurück. So auch der Alte.

Lauras Augen spien Feuer. Schade nur, dass es niemand sehen konnte.

Im Schaufenster waren noch weitere Tiere zu sehen. Ein hässlicher Hund mit eingedrückter Schnauze, der sie grimmig anknurrte und sie sofort an den Hund von Harrys schrecklicher Tante erinnerte.

Hoffentlich ging es Harry gut, dachte Laura.

S s s

Und Harry ging es gut.

Mit Genugtuung beobachtete Harry, wie sich Dudleys Nase immer mehr nach vorne wölbte. Seine Stirn war flacher geworden und seine Ohren ziemlich groß. Er fragte sich, in was für ein Tier sich der Cousin wohl verwandeln würde.

Es gäbe einige, die ihm gut stehen würden, dachte er grinsend.

Immer noch starrte Dudley in den Fernseher und rümpfte gerade die Nase, da er doch etwas bemerkt zu haben schien.

Er hob die Hand, um sich an der großen Nase zu kratzen und ein Schrei ließ Harry darauf schließen, dass er nun wohl bemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte.

So schnell, wie Dudley sich nun vom Sofa erhob, hatte Harry ihn noch nie gesehen. Wild sah er umher und betastete sein sich veränderndes Gesicht.

Harry konnte nicht anders als einfach leise vor sich hin zu lachen. Das musste wohl ein Schreck sein, für seinen Cousin.

Wie von einer Biene gestochen rannte der fette Junge quiekend umher und rief seine Eltern. Harry hätte niemals gedacht, dass Dudley sich in einer solchen Geschwindigkeit bewegen konnte.

Es rumpelte und panzergleich kam nun Onkel Vernon ins Wohnzimmer gestürmt. Erschrocken sah er, was mit seinem Sohn geschehen war. Mittlerweile sah Duddy aus, wie eine Mischung aus einem Wildschwein und einem Elefanten. Eigentlich beschränkte sich die Veränderung auf den Kopf, aber der Körper passte von Natur aus wie angegossen zum Rest. Mit weit geöffneten Augen stand der plumpe Junge wimmernd vor einem kleinen Spiegelchen, das er als kleiner Junge gebastelt und verziert hatte und welches seit damals an der Wand im Wohnzimmer hing.

Vernon ging sofort zu ihm und legte ihm beruhigend die Hand auf den Rücken und sprach beruhigend auf ihn ein, er selbst war aber alles andere als ruhig.

Plötzlich glitten seine Augen zu Harry, der kichernd beim Sofa stand.

Das Lachen verging Harry allerdings, als er Vernon mit großen Schritten auf sich zu kommen sah. Sein Gesicht war zu einer wütenden Maske verzerrt und sein Doppelkinn wabbelte wie ein rosa Wackelpudding, was Harry beinahe wieder zum Lachen gebracht hätte.

„Du!" zischte der Mann außer sich. „Du Bastard! Mach das weg!" befahl er und griff sich Harry grob am T-Shirt. Harry hörte, wie der Stoff des Shirts riss unter dem starken Zug, da Vernon ihn beinahe hochhob daran.

„Mach ihn wieder normal!" zischte er blind vor Wut.

'Was heißt hier wieder, der war doch noch nie normal', hätte Harry am liebsten geantwortet, wagte es aber nicht. Er wusste, dass der Zauber nur ein paar Minuten wirken würde.

Oder er hoffte es zumindest!

„Lass mich los, sonst kann ich nicht zaubern!" sagte Harry, dem der Griff des Onkels weh tat.

Dudley rannte verzweifelt im Wohnzimmer rum und Harry konnte sich ein verdrücktes Grinsen einfach nicht verkneifen.

S s s s

Eine Stunde später lag Harry auf seinem neuen Bett. Er wusste, dass Remus heute kommen würde, um zu kontrollieren, ob alles erledigt worden war von Onkel Vernon.

Er sah sich zufrieden in seinem Zimmer um. Es sah ganz anders aus, nun da anständige Möbel drin standen.

Dudley schien sich beruhigt zu haben und mampfte unten eine Riesenpizza, die sein Vater für ihn bestellt hatte.

Nachdem Vernon ihn los gelassen hatte, hatte Harry eine ziemliche Show abgezogen und dramatisch klingende Formeln aufgesagt. Dann hatte er Dudley genötigt, eine Tasse Essig zu trinken, da das helfen würde. Er hatte sich so amüsiert, als der Junge das saure Getränk hinunter gezwungen hatte.

Leider hatte dann die Wirkung der Bonbons immer noch nicht nachgelassen und ihm waren bald die Ideen ausgegangen. Schließlich musste das alles ja glaubhaft wirken und mit der Zeit war die ganze Sache dann eher mühsam als amüsant gewesen.

Als sich die riesige Nase und die Ohren und Wildschweinhauer endlich begonnen hatten zurück zu bilden, hatte es auch noch an der Tür geklingelt, was erneut für Aufregung gesorgt hatte.

Dummerweise war auch ausgerechnet dann Petunia nach Hause gekommen und hatte den Freund von Dudley, Piers Polkiss, der an der Tür sturmgeklingelt hatte, gleich mit hinein gebracht.

Geistesgegenwärtig hatte sie dann aber die Tür zum Wohnzimmer zugeschlagen, als sie gesehen hatte, was mit ihrem Sohn los war und hatte den Jungen wieder abgewimmelt. Harry war sich nicht sicher, ob Piers etwas gesehen hatte von seinem veränderten Freund.

Mit viel Geschimpf und Gezeter war er dann, als Dudley wieder seine ursprünglichen Formen hatte, ins Zimmer geschickt worden.

Wahrscheinlich hatte Harry es nur der Drohnung von Remus zu verdanken, dass er noch lebte. Zum Glück hatte Vernon soviel Angst vor Zauberern.

S s s s s s s

„Hast du etwas heraus finden können?" fragte Amélie, kaum dass Snape ihren Laden betreten hatte.

Dieser zog sie in seine Arme und nickte. „Ja," sagte er etwas erschöpft. Er hatte auf Standesämtern und Gemeinden herum suchen müssen um an Hinweise heran zu kommen.

„Mein Urgroßvater, Sideris, hatte fünf Geschwister. Der Zweitjüngste lebt noch, ist aber schon 88 Jahre alt, ist also 1905 zur Welt gekommen. Vielleicht weiß der was. Ich habe ihm meinen Besuch bereits angekündigt."

Amélie befreite sich etwas aus seiner Umarmung und lächelte ihn an. „Na, das ist doch wenigstens etwas. Sie selbst hatte bei Dumbledore einige Namen von Schulkameraden Ednas heraus gefunden.

Von den zwei noch lebenden hatte sich aber nur ein Mann an Edna erinnert. Er war allerdings nicht mit ihr befreundet gewesen, hatte aber erzählt, dass Edna kaum Freunde gehabt hatte und sehr zurückhaltend gewesen sei. Sie sei ziemlich dünn gewesen und auch etwas bescheiden gekleidet. Sonst hatte sie nichts herausfinden können.

„Du warst doch heute Morgen noch bei dem Rosengrab, von dem du mir erzählt hast," fragte Amélie, die heute noch nicht die Gelegenheit gehabt hatte, mit Severus darüber zu reden. Nach dem Mittag hatte er Laura hier bei Amélie abgegeben und war dann sofort wieder gegangen.

Severus zog Amélie am Handgelenk sanft mit sich und setzte sich auf einen Holzstuhl. Er zog sie auf seinen Schoß, was die junge Frau überraschte. Das war eigentlich nicht seine Art, vor allem nicht, da ja Kunden hätten auftauchen können.

„Ja, und ich bin mir sicher, dass es sich um Ednas Grab handelt," sagte er überzeugt. „Nach genauerem Untersuchen des Grabsteines habe ich ganz unten, beinahe völlig von der Erde verdeckt ihre Initialen gefunden. Genauso, wie sie auch auf Margaridas schlichtem Grabstein im Steinkreis stehen."

Das war doch mal etwas, dachte Amélie. So konnte Laura wenigstens etwas aufs Grab setzten. Sie hoffte nur, dass Severus nicht vor hatte, die Überreste seiner Urgroßmutter zu bergen, um sie zu untersuchen. Es schauderte ihr bei dem Gedanken.

Er wollte ganz klar herausfinden, woran die junge Frau gestorben war, das wusste Amélie. Das würde ihm keine Ruhe lassen.

S s s s

Laura knurrte die zähnefletschende Bulldogge durchs Fenster des Tierladens an, was den Hund zu lautem Gebell veranlasste. Sie streckte ihm die Zunge raus und schämte sich sofort dafür, schließlich war es ja nur ein Tier und konnte nichts für sein Verhalten. Wahrscheinlich war der Hund auch durch die schlechte Haltung gestört! Einen kleinen Moment spielte sie mit dem Gedanken, ihren Vater zu fragen, ob sie ihn haben durfte. Doch sie wusste die Antwort auch so, und so konnte sie es auch gleich lassen.

Der Rabe sah sie mit klugem Blick an.

Laura trat näher zum Käfig. Einen Moment beobachtete sie den Vogel, sah dann zur Tür und öffnete rasch das Türchen des kleinen, schäbigen Käfigs. Einen Spalt breit öffnete sie ihn und lächelte dem schwarzen Kerl aufmunternd zu.

„Hau einfach ab!" flüsterte sie und machte sich davon.

Schnell ging sie zurück zu Amélies Laden, wo die junge Frau und ihr Vater schon auf sie warteten.

Laura war aufgeregt, aber glücklich, dass sie dem armen Tier geholfen hatte. Als sie zur Tür hinein kam, hörte sie, wie ihr Dad Amélie erzählte, dass er mit Dumbledore über den Geist im Geheimgang gesprochen hatte.

Amélie lächelte Laura entgegen und sagte: „So, dann können wir gehen. Ich möchte noch schnell zum Bäcker, da vorne."

Laura freute sich darüber und gab ihrem Dad die Hand, während Amélie mit dem Zauberstab den Laden abschloss. Snape sah zu seiner etwas verschwitzten Tochter hinunter, deren Augen glücklich strahlten und deren Wangen ziemlich rot waren.

Als Amélie dann aber genau in Richtung des Tierladens davon ging, wurde es Laura etwas mulmig zu Mute.

„Ich hab keinen Hunger," sagte sie schnell, „können wir nicht gleich nach Hause gehen?"

Erstaunt sahen sich die beiden Erwachsenen an. Laura und keinen Hunger? Das war wirklich seltsam!

Amélie blieb stehen und sah sie fragend an. „Nein, es ist nicht weit. Jetzt gehen wir noch schnell etwas einkaufen."

Laura schluckte leer, sagte aber nichts mehr. Sie ließ Snapes Hand los und schlenderte langsam hinter den beiden her. Sie würde sich einfach hinter den Passanten verstecken, wenn sie an dem Tierladen vorbei gingen, dachte sie und sah sich heimlich um. Ob der Rabe abgehauen war?

„He, da ist Audrey!" sagte Amélie plötzlich und deutete auf eine junge Frau, die vor einem Laden ein Buch in den Händen herum drehte und abzuwägen schien, ob sie es kaufen sollte. „Die wollte ich dir schon lange vorstellen!" fügte Amélie an Severus gewandt hinzu.

Sie steuerten zu der Frau, die nun aufsah und Amélie erfreut umarmte. „Das sind Laura und Severus," stellte sie stolz vor. „Und das ist meine Freundin, Audrey."

Laura wusste genau, dass nun langweiliges Blabla kam. Das war immer so bei Erwachsenen. Und in diesem Fall war es noch langweiliger, weil das Blabla größtenteils auf Französisch war. Natürlich wusste Laura, dass ihr Dad es nicht gerne mochte, wenn jemand ihn so musterte, wie Amélies Freundin das nun tat. Auch Laura wurde von oben bis unten begutachtet, bevor die junge Frau sie anlächelte.

Endlich verabschiedeten sie sich und Laura ging so hinter ihrem Dad her, dass man sie von dem Tierladen, an dem sie nun vorbei gingen, nicht sehen konnte.

Unauffällig versuchte sie zum Käfig des Raben zu schielen. Doch sie konnte nichts erkennen, da andere Leute auf der Straße rum spazierten und schwatzend Einkäufe erledigten oder von der Arbeit nach Hause gingen.

Laura grinste vor sich hin und hörte, wie Snape und Amélie sich über irgendetwas unterhielten, das im Tagespropheten gestanden hatte. Sie blieb stehen, um einen Blick auf den hoffentlich leeren Käfig zu ergattern. Einige Passanten gingen an ihr vorüber, da sah sie ihn. Ja, der Käfig war leer und der alte Mann unterhielt sich wild gestikulierend mit einem anderen, älteren Mann.

„Hier bist du, du Schelm!" sagte plötzlich jemand und Laura wurde grob am Arm gefasst und herum gerissen.

Vor Schreck hätte sie beinahe in die Hosen gepinkelt und nun starrte sie mit grossen Augen in das wütende Gesicht des jüngeren Mannes vom Tierladen.

Ihr Herz raste und der Mann schrie sie an: „Was fällt dir ein, du Rotzgör!"

Schnell wollte sie das Weite suchen, doch die kräfigen Pranken des Mannes erwischten sie an ihrem Trägershirt. Der Stoff riss etwas ein und Laura sah rot. Es war ihr Lieblings-Shirt, welches Amélie ihr gemacht hatte und welches sie sehr gerne trug. Sie sah kurz auf den kleinen Riss hinunter und spürte, wie ihre Wangen ganz heiß wurden vor Wut.

Bevor sie überlegen konnte, kickte sie dem Mann mit ihren Turnschuhen so kräftig sie konnte ins Schienbein, worauf dieser schmerzhaft aufschrie. Sofort packte der Mann sie wieder am Arm.

Laura sah, wie er seine Hand hob, um sie zu ohrfeigen. Automatisch hielt sie sich den freien Arm zum Schutz vors Gesicht.

Doch schon stand ihr Vater neben dem Mann und funkelte ihn an. „Was tun Sie hier!" fragte Snape scharf und Laura war erleichtert von ihrem Dad gerettet zu werden, doch hielt den Arm sicherheitshalber immer noch vor ihr Gesicht.

„Ich verhaue das kleine Balg da!" sagte der Mann zielbewusst und ließ seine schwere Hand kraftvoll auf Lauras Hintern klatschen, dass diese nach vorne stolperte, soweit es der Griff des Mannes an ihrem Arm zuließ und sie erschrocken aufschrie. Der Mann hatte seine Hand erneut aufgezogen, doch nun hatte er Snapes Zauberstab am Hals.

„Hören Sie sofort auf!" sagte Snape ruhig. „Oder ich muss Ihnen sehr weh tun."

„Sie hat mich bestohlen!" fauchte der Mann unbeirrt und war zu zornig um sich der Gefahr von Snapes Zauberstabes bewusst zu sein. Er wollte nochmals ausholen, um Laura eine überzuziehen, ließ aber rasch von ihr ab und sackte auf die Knie ab. Wie ein elektrischer Schlag hatte ihn ein Zauber durchzuckt und ein quälender Schmerz wand sich durch seinen Körper wie eine brennende Schlange. Er wand sich leicht und biss seine Zähne hart zusammen.

Snapes Augen sahen ihn gefährlich an, während er seinen Zauberstab immer noch an den Hals des Mannes hielt.

Wieso ein wildfremder Mann auf der Straße seine Tochter angriff und sie verprügeln wollte, verstand er nicht wirklich. Laura sollte etwas gestohlen haben?

Und wenn schon, niemand vergriff sich an seinem Kind!

Das schmerzhaft verzogene Gesicht des Mannes machte Severus bewusst, dass sein Zauber ihn noch immer peinigte und er senkte den Zauberstab.

„Dieses Kind hat mein Eigentum gestohlen!" sagte der kräftige Mann mit rauher, grimmiger Stimme, während er aufstand.

Eine Menschentraube hatte sich um sie gebildet und alle tuschelten leise. Snape sah Laura mit einem kurzen Blick an, was ihm sofort verriet, dass das Mädchen wirklich etwas angestellt hatte. Sie stand dicht neben Amélie und rieb sich den Hintern, ihr Gesicht war aber nicht nur leidend und empört von der rüden Behandlung, sondern auch etwas schuldbewusst.

Allerdings genoss sie Amélies Mitleid und auch einige Zuschauer schienen ziemlich empört zu sein über das rüpelhafte Verhalten des Mannes und bemitleideten Laura.

„Darum werde ich mich kümmern!" sagte Snape ruhig und fragte sich, was Laura wohl gestohlen haben mochte. Es war gar nicht ihre Art zu stehlen! „Wieviel Schaden hat sie angerichtet?" fragte er kühl.

„Ich hab nur einem armen Raben den Käfig geöffnet, den er beinahe hat verdursten und verhungern lassen und er hat ihn in die pralle Sonne gehängt!" verteidigte nun Laura ihre Rabenrettung. „Ich habe ihn nicht gestohlen!" stellte sie mit bösem Blick zu dem Mann richtig.

Amélie kannte Michel und den Tierladen und wusste, wie schlecht und grob die Tiere dort behandelt wurden. Und sie kannte das Mädchen neben sich und konnte sich gut vorstellen, dass Laura diesen Anblick nicht hatte ertragen können und dem Tier hatte helfen wollen.

Ein Zuschauer übersetzte das gesprochene für die anderen Leute, die nun alle auch ihren Senf dazu gaben, die Köpfe schüttelten und missbilligende Gesten gegen den Mann machten.

„Zwanzig Silbersickel," sagte der Mann schlussendlich und wieder übersetzte der sprachengewannte Mann in der Menge das Gesprochene auf Französisch, worauf alle ihre Hände verwarfen und erneut entrüstet ihre Kommentare vernehmen ließen.

„Einen Raben hat sie frei gelassen?" fragte Snape und hob fragend eine Augenbraue.

Das war allerdings typisch für seine Tochter. „War der vergoldet, dass Sie dafür 20 Silbersikel wollen?" fragte er etwas spöttisch, ohne eine Antwort zu erwarten. „Da Sie meine Tochter geschlagen haben, werde ich den Schaden nicht ersetzen. Ich denke, dass sie damit sehr glimpflich davon kommen!" sagte er deutlich. „Sollten Sie nochmals in die Nähe meiner Tochter kommen, werden Sie das bitter bereuen."

Mit einem vielsagenden Blick fasste er Laura an der Hand und ging mit ihr und Amélie davon. Der kräftige Mann sah sehr aufgebracht aus, was Snape nicht entging, stampfte dann aber in die andere Richtung davon.

Plötzlich drehte er sich um und lie einen roten Blitz aus seinem Zauberstab auf Snape los, der diesen aber geistesgegenwärtig abwehren konnte.

Sofort stob auch aus Snapes Zauberstab ein Fluch, der den anderen Mann flach auf den Boden niederschlug und seinen Zauberstab durch die Luft wirbeln ließ.

Unter den Augen einiger Menschen, die nun aber sicherheitshalber zurück gewichen waren, ging Snape auf den Mann zu, dem er eine Ganzkörperklammer angehext hatte und der mit äußerst verärgertem Gesicht am Boden lag.

„Sie werden jetzt nach Hause gehen, klar?" forderte Snape nachdrücklich. Seine Augen blickten eisern zu dem Mann hinunter.

Snape hob den Zauber auf, drehte sich um und ging davon. Natürlich immer bereit einen erneuten Angriff abzuwehren.

Einige Leute auf der Straße gingen ihres Weges und lächelten Laura freundlich an, während andere den Vorfall laut diskutierten.

„Der ist als Rüpel bekannt," flüsterte Amélie Severus zu. „Der geht mit seinen Tieren wirklich nicht gut um und der gerät auch immer mal wieder in Streitereien und Schlägereien. Einmal war er glaube ich sogar mal in Azkaban für ein paar Tage, weil er handgreiflich geworden war."

Laura sah zu ihrem Dad auf und fragte sich, ob er wütend war auf sie. Der kräftige Schlag des Mannes war immer noch gut spürbar auf ihrem Hinterteil und sie war ziemlich froh, dass er nicht dazu gekommen war, ihr noch mehr davon zu geben und dass er ihr nicht auch noch einen üblen Fluch angehängt hatte.

Was hätte sie bloß getan, wenn ihr Dad nicht da gewesen wäre, um sie zu retten? Was, wenn der Mann sie direkt auf frischer Tat ertappt hätte?

Wahrscheinlich würde sie dann nie mehr fähig sein, sich je wieder hin zu setzen. Oder vielleicht hätte sie dann einen Fluch am Hals, den man nicht mehr weghexen konnte.

Was für ein grober, rüpelhafter Kerl!

Sie würde von nun an wohl etwas vorsichtiger sein, mit solchen Aktionen. Als sie ihre Hand in die ihres Vaters legte, hörte sie ein heiseres Krächzen und sah auf einem niedrigen Hausdach in der nähe einen Raben sitzen. Bestimmt war es der, den sie gerettet hatte, dachte sie glücklich.

S s s s

Als er an der Haustür klingelte, war Harry besonders schnell an der Tür. Noch bevor Dudley seine Zimmertür hatte öffnen können.

„Remus!" rief er erfreut, obwohl er natürlich erwartet hatte, dass der Mann am Abend kommen würde.

Sofort erzählte er aufgeregt und erfreut von seinem neuen Fahrrad und wollte ihm sofort demonstrieren, wie gut er schon fahren konnte. Remus freute sich sehr für Harry und lobte ihn lächelnd.

Als sie dann ins Haus gingen, bemerkte Harry, dass Tante Petunia sie die ganze Zeit von hinter dem Vorhang beobachtet hatte. Klar wusste er, dass es ihr gar nicht gefallen hat, dass Remus sich vor ihrem Haus aufhielt und dann auch noch eintrat.

Sofort ging er mit Harry in den oberen Stock und überzeugte sich, dass alles so war, wie er es gefordert hatte. Dursley schien ihn glücklicherweise ernst genommen zu haben, denn alles war zu seiner Zufriedenheit.

Als er wieder die Treppe hinunter kam, stand Vernon im Flur und Petunia beobachtete von der Wohnzimmertür aus.

„Dieser Junge hat meinen Sohn verzaubert!" klagte der Mann und sah Harry abwertend an. „Wenn dieser... wenn wir ihn schon hier ertragen müssen, dann nur ohne Zauberei!"

Der große Schnurrbart des Mannes zitterte aufgebracht und Remus sah ernst zu Harry.

„Ich... er hat nur ein Weasley-Bonbon gegessen," verteidigte sich Harry mit roten Wangen. „Er hat es mir weggenommen und dann gegessen!" versicherte er nickend. Remus sah ihm natürlich an, dass er daran nicht ganz unschuldig war.

„Mhm..."machte Remus. „Da Sie sich an meine Forderungen gehalten haben, wird Harry sich mit der Zauberei zurückhalten, solange Sie ihn gut behandeln. Guten Abend." Remus sah dem breiten Mann an, dass das wohl nicht die Antwort gewesen war, die er erwartet hatte.

Remus führte Harry vor die Tür, wo er sich ungestört von ihm verabschieden wollte.

„Über diese Sache mit dem Bonbon unterhalten wir uns ende Woche, junger Mann!" sagte Remus mit vielsagendem Blick zu Harry und der nickte schuldbewusst. Er war aber froh, dass Remus das nicht vor den Dursleys gesagt hatte. Das wäre ihm peinlich gewesen. Klar wusste er, dass er überhaupt nicht zaubern durfte ausserhalb der Schule und dass Remus das vorhin nur zu seinem Onkel gesagt hatte, damit sie ihn gut behandelten.

„Bis bald, Harry, und keine Streiche mehr, klar?" sagte Remus streng, fuhr dem Jungen dann übers dunkle Haar und zog ihn an sich. Harry schloss die Augen. Nur noch ein paar Tage und dann würde es sooo schön sein. Erst bei Laura, dann bei Remus. Er umarmte den Mann zurück und hoffte, dass die Zeit schnell vergehen würde hier. Remus hoffte dasselbe.

S s s s

„Ich habe Edna nur zweimal gesehen," sagte der alte Mann mit krächzender Stimme. Severus hatte sich entschieden den entfernten Verwandten so schnell wie möglich aufzusuchen. Zum Glück war dieser bereit gewesen, ihn zu empfangen.

Astérios, Sideris' Bruder, schien früher einmal ein gutaussehender Mann gewesen zu sein. Severus erinnerte sich an die Schwärmerei seiner Tante Ann, die Sideris als 'schönsten Mann, den sie je gesehen hatte', bezeichnet hatte.

Er konnte sich vorstellen, dass die Brüder sich geglichen hatten. Allerdings vermutete er, dass es sich nur auf die Äußerlichkeiten beschränkt hatte, denn Astérios schien sehr gebildet zu sein und einen guten Job in einem öffentlichen Amt für Zauberformelzulassungen gehabt zu haben, wie der Mann sehr bereitwillig erzählt hatte.

Sideris dagegen war als 'Lebenskünstler' beschrieben worden, der von verschiedenen kleinen Jobs bescheiden gelebt hatte.

„Bei der Hochzeit und etwa drei Jahre später bei ihrer Beerdigung," krächzte der Alte. Snape hörte nun besonders aufmerksam zu und unterbrach Astérios nicht.

Eine alte Hauselfe brachte ihm einen Tee, den er dankend annahm, während er gespannt auf die weiteren Erzählungen des Mannes wartete.

„Hast du Rachel gekannt? Ich denke, dein Bruder hatte kein sehr enges Verhältnis zu ihr?" fragte Snape und kostete den Tee, der ziemlich gut war.

„Ich habe mich vor ihr gefürchtet," lächelte Astérios. „Sie war so unheimlich und schien immer besonders schlecht gelaunt. Ich war ja damals erst... so etwa fünfzehn. Nach Ednas Tod habe ich per Zufall einen ziemlichen Streit mitbekommen. Na ja, ich gebe zu, ich habe gelauscht," sagte er und lachte darüber, während Snape seine Augenbrauen zusammenzog.

Für einmal war das Lauschen tatsächlich nützlich gewesen, dachte Snape.

„Sideris hatte beschlossen, mit Rose, seinem kleinen Töchterchen, eine zeitlang zu uns, das heißt, meiner kleinen Schwester, unseren Eltern und mir, zu ziehen, nachdem Edna gestorben war. Rachel hat ihm beinahe die Augen ausgekratzt. Ich fand seltsam, was sie damals sagte," überlegte der alte Mann. Das Geschehene war soooo lange her.

Snapes Augen verengten sich einen kleinem Moment. Er war sehr neugierig, was Rachel gesagt haben mochte.

„Rose sei ihr Engel, hatte sie gezischt. Ihr wiedergeborener Engel. Allen Widrigkeiten zu Trotz sei sie geboren worden und sie habe genau gleich ausgesehen, wie sie." Er machte eine kleine Pause und sah Snape nachdenklich an. „Welche sie die Alte gemeint hatte, wusste ich nicht. Ich denke, sie war etwas verrückt. Jedenfalls hat Sideris seine kleine Rose dann trotzdem mit sich genommen und hat die Schwiegermutter höchst selten besucht." Er lachte darüber, obwohl Snape nicht wirklich wusste, was so komisch daran war. Vielleicht Schadenfreude.

„Ich habe übrigens noch einige Gegenstände... irgendwo," sagte der alte Mann und erhob sich umständlich. „Von meinem Bruder und ich glaube auch von Edna, die er nach ihrem Tod aufbewahrt hatte."

Einige Minuten verschwand Astérios und Snape hörte er rumoren im anderen Raum. Das war ja mehr, als er von diesem Besuch erwartet hatte, dachte er zufrieden.

„Hier," sagte der Mann, als er endlich wieder erschien und hielt ihm ein Bündel hin. „Nimm es mit, wenn du willst, ich kann ja nichts anfangen damit und wer weiß, wie lange ich noch lebe."

Das tat Snape natürlich gerne. „Weißt du etwas über Ednas Tod?" fragte Snape. Der Mann sah ihn etwas erstaunt an.

„Nein, gar nichts. Außer, dass sie wohl krank war. Und ich vermute, dass mein Bruder sich Vorwürfe gemacht hat, wegen des Todes seiner Frau. Er war damals selten zu Hause gewesen und war mal hier mal dort am arbeiten oder was weiß ich was."

Astérios sah Snape bedauernd an. „Ja, das ist alles, was ich weiß, mein Junge."

Das war doch schon ziemlich viel, dachte Snape und bedankte sich. Er würde sich alles Gesagte nochmals durch den Kopf gehen lassen. Deshalb würde er ein Stück gehen. Die Gegend hier im Norden Irlands war wunderschön.

S s s s s

„Was macht die Ratte hier, Laura?" fragte Snape seine Tochter, die das Tier schnell hinter ihrem Rücken versteckte, als ihr Dad ihr Zimmer betrat. Leider nicht schnell genug.

Laura blinzelte schuldbewusst und nahm die Ratte beschützend an die Brust. „Sie war bei mir, Dad. Damals in der Kammer," sagte Laura leise. „Sie hat mich noch gekannt."

Sie sah zu ihrem Dad auf, der offensichtlich nicht verstand, wovon sie redete.

„Als ich in verletzt in der Kammer des Schreckens lag, da war sie auch dort. Sie ist auf mir rumgeklettert und wegen ihr bin ich dann nicht eingeschlafen."

Sie stand auf und nahm Snapes Hand. Sie sah ihn bittend an. „Dad, sie hat mich sozusagen geretten," übertrieb sie etwas. „Und sie ist so alt. Sie will ja nur im Käfig gemütlich schlafen und ich kann sie nicht einfach weg scheuchen."

Mit bestem Dackelblick sah sie zu ihrem Dad auf. „Bitte bitte Dad, ich möchte sie nicht wegjagen. Darf ich sie behalten? Sie verträgt sich sogar immer besser mit Jimmy."

Einige Sekunden ließ sich Snape Lauras Bitte durch den Kopf gehen. Die Tatsache, dass das Vieh sein Kind vom Weggleiten bewahrt hatte, in der verfluchten Kammer, machte es ihm nicht leicht. Konnte er dann das Tier wegjagen, selbst wenn es eine eklige Kanalratte war?

„Na gut," sagte er schließlich. „Aber ich will sie nirgends sonst im Haus, als in deinem Zimmer und du hältst sie einwandfrei sauber."

Kaum hatte er das ausgesprochen, befand er sich schon in einer Schraubstock ähnlichen Umarmung. „Danke Dad!" rief Laura begeistert und erleichtert.

Sie zog ihn zu sich hinunter und küsste ihn stürmisch, was er aber nicht besonders schätzte. Soviel überschwänglichen Dank wegen einer Ratte, total übertrieben! Ein Streifenhörnchen, eine Schildkröte und nun noch eine Kanalratte... wie würde es enden, wenn das so weiter ging?

Erst jetzt bemerkte Laura den Brief, den ihr Dad in der Hand hielt.

„Ist der für mich?" fragte sie neugierig, als sie von ihrem Vater abgelassen hatte.

„Scheint von einem Weasley zu sein," antwortete er etwas grimmig, als er ihr den Umschlag reichte. Laura ließ die Ratte wieder in den Käfig krabbeln, wo sie sich sofort zusammenrollte.

Hastig riss Laura den beigen Umschlag auf und legte sich bäuchlings aufs Bett, um ihn zu lesen. Klar war er von Fred und George, wohl vor allem von Fred, vermutete sie. Auch Ron hatte noch was draufgekritzelt und ein Foto beigelegt. Schon beim ersten Satz lachte sie laut, worauf Snapes Augen sich etwas verengten.

„Sei in einer halben Stunde parat, wir gehen dann zu Großvater," verkündete er, bevor er sich umdrehte und das Zimmer verließ.

Er würde die drei Tage ohne Laura gut nutzen. Er würde viel Brauen und viel Zeit mit Amélie verbringen. Wenn Laura dann am Sonntag zurück sein würde, würde auch Harrys Woche bei den Dursleys zu Ende sein. Remus würde ihn dann am Sonntag Abend hierher bringen. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass er sich bereit erklärt hatte, den Jungen eine ganze Woche lang zu sich zu nehmen! Harry James Potter!

Remus hatte ihm gestern Abend noch kurz Bescheid gegeben, dass es Harry gut ging und Vernon die Forderungen erfüllt hatte.

Er hatte mit dem Mann über seinen Besuch bei Astérios gesprochen. Remus hatte gemeint, dass Rachel in Rose scheinbar die Reinkanation von Margarida gesehen hatte. Sie hatte von ihrem wiedergeborenen Engel gesprochen, der trotz aller Widrigkeiten geboren worden war. Rose habe ausgesehen wie sie. War damit Margarida gemeint? Dachte die Frau wirklich, Rose sei eine Art Wiedergeburt ihrer verlorenen Tochter? Das würde auch den abrupten Stop der Briefe an Margarida erklären.

s s s s s

Zehn Minuten später kam Laura dann hinunter ins Wohnzimmer. Ihre Tasche stand schon bereit beim Kamin.

Amélie war auch eben gekommen und Laura umarmte sie kurz zur Begrüßung. Dann ging sie in die Küche zu Milly, um sich zu verabschieden.

Milly war mit Kochen beschäftigt und wusch ihre Hände, bevor sie das Kind, welches sich hingekniet hatte, umarmte.

„Ich werde dich bestimmt ganz fest vermissen," flüsterte Laura und Milly lächelte. Sie wusste, wie sehr Laura sich auf den Besuch beim Großvater freute. Aber sie würde das Mädchen auch vermissen.

„Dad!" sagte Laura als ihr Vater die Küche betrat und griff seine Hand. „Komm, wir gehen jetzt," sagte sie ungeduldig.

„Wir haben noch zwanzig Minuten Zeit. Wir werden pünktlich bei deinem Großvater erscheinen und nicht früher als vereinbart."

Laura rümpfte die Nase und hätte am liebsten etwas gemault, doch ihr Vater setzte sich schon zu Amélie aufs Sofa und Laura setzte sich zwischen sie. Sie lehnte sich ihrem Vater an die Schulter und er legte den Arm um sie.

„Ach Dad, irgendwie ist es einfach so schön zu Hause," sagte sie leise und kuschelte sich noch näher an ihn. Sie griff nach Amélies Hand. „Ich vermisse euch und Milly bestimmt schon Morgen."

Plötzlich sah Snape zum Fenster, auf welches eine fremde Eule zugeschwebt kam. Amélie stand auf, öffnete das Fenster und nahm den Brief entgegen. Nachdem sie dem dunkelbraunen Vogel eine Münze in den kleinen Beutel an seinem Bein gelegt hatte, brachte sie den Brief Severus.

Dieser war an dem Brief sehr interessiert. Aber dass er schon Nachricht bekam, erstaunte ihn. Erst gestern Morgen hatte er ein paar Haare und eine Wimper, die vermutlich von Edna stammten, eingeschickt zur Überprüfung.

Es schien, als ob dieses Institut es im Moment nicht sehr stressig hatte, sonst hätte das wohl einige Tage gedauert.

Die Haare hatte er auf den Gegenständen, die er von Astérios erhalten hatte und die von Edna stammten, gefunden.

Vielleicht teilte ihm das Institut aber auch nur mit, dass die Untersuchung aus irgendeinem Grund nicht hatte durchgeführt werden können oder so.

Er öffnete den Brief unter den begierigen Blicken seiner Tochter und Partnerin. Elend lange Zeit mussten diese beiden Ungeduldigen warten, bis Snape sie zufrieden ansah.

„Edna ist an einem Infekt gestorben, wie es scheint" verkündete er und war irgendwie erleichtert über diese Tatsache.

Nachdenklich nickte Laura und Amélie schien auch zufrieden, endlich eine Antwort auf die Fragen und Befürchtungen zu haben.

„Zum Glück," sagte Laura leise.

Snape faltete den Brief zusammen. Vielleicht waren es auch verschiedene Faktoren gewesen, die schlussendlich den Tod der Vorfahrin zur Folge gehabt hatte. Dass aber Edna nicht durch Rachel, oder zumindest nicht direkt durch sie gestorben war, beruhigte ihn trotzdem.

Er würde mit Laura bald an Ednas Grab gehen und sie eine Rose pflanzen lassen. Aber erstmals brauchte er jetzt dringend eine Pause.

Das Jahr war anstrengend gewesen und ereignisreich. Wie schon das letzte Jahr hatte auch dieses große Veränderungen gebracht für ihn. Sehr gute Veränderungen, dachte er, als er die junge, hübsche Frau neben sich ansah, die den Arm um die andere Frau in Snapes Leben gelegt hatte.

„Wie macht man eigentlich Zwillinge, Dad?" kam eine der von Snape so heiß geliebten Fragen seiner Tochter. Wie war er froh, dass es nun Zeit war, zu gehen.

Amélie lachte laut, als sie Snapes Gesichtsausdruck sah.

„Das ist nicht lustig!" sagte Laura an Amélie gewandt. „Ich will nämlich später mal Zwillinge bekommen," verkündete sie.

Snape wurde etwas blass und schluckte schwer. Laura grinste frech und Amélie zwinkerte ihr zu.

ENDE