Als Ginny am nächsten Morgen aufwachte, spürte sie einen leichten Luftzug im Rücken. Sie rollte sich auf ihren Rücken und stellte fest, dass Draco nicht neben ihr im Bett lag. Sie setzte sich auf und erwartete, dass Draco am Frühstückstisch saß und seine Zeitung lesen würde. Ginny konnte ihn jedoch nicht entdecken.

Ginny hatte ein ungutes Gefühl. Ginny packte die blanke Angst um Leo, sodass sie schnell ins Kinderzimmer lief. Leo lag friedlich in seinem Bett und kuschelte mit seinem Stofflöwen. Ginny ging zur Sitzecke zurück und rief nach Libby. Der Hauself erschien mit einem Tablett, welches mit Frühstück und Getränken voll war und verschwand wieder.

„Das ist komisch," murmelte Ginny, als sie sich eine Tasse Tee einschenkte. Sie beschlich ein tiefes, beunruhigendes Gefühl. Sie griff nach ihrem Zauberstab und sprach einen schnellen Säuberungszauber auf sich, da sie nicht duschen gehen wollte. Sie zog sich eine schwarze Stoffhose und einen warmen, grauen Pullover an.

Als sie schließlich fertig angezogen war, nahm sie sich einen Teller, füllte ihn mit Essen und ging ins Kinderzimmer, um bei Leo zu sein. Sie aß, ohne das Essen wirklich zu schmecken. Als ihre Gabel auf dem Teller kratzte, sah sie herunter und war überrascht ihn leer vorzufinden. „Du verhältst dich lächerlich," sagte sie zu sich selbst.

Sie stellte ihren Teller auf Leos Kommode ab und hob ihn hoch Er kuschelte sich augenblicklich eng an ihre Brust. Die sanften, warmen Atemzüge an ihrem Hals beruhigten sie. Sie wollte ihn nicht aufwecken, also setzte sie sich in den Schaukelstuhl und summte ein Schlaflied.

Sie konnte das komische Gefühl in ihrem Magen nicht abschütteln. Sie rief leise nach Libby, welche keine Sekunde später im Kinderzimmer erschien. „Ist Draco im Haus?"

Libby schüttelte ihren Kopf.

„Ist überhaupt jemand im Haus?"

„Die Herrin ist ihn ihrem Räumlichkeiten."

Ginny wünschte die Hauselfe würde die richtigen Namen benutzen. Sie war sich nicht sicher, ob die Hauselfe Narzissa meinte, oder ob sie sich darauf bezog, dass Ginny in ihren eigenen Räumlichkeiten war. „Kannst du bitte Narzissa fragen, ob sie mich besuchen möchte?"

Libby nickte und verschwand.

Narzissa erschien fünf Minuten später. Ihr Gesichtsausdruck war angespannt.

„Was ist passiert?", fragte Ginny, obwohl sie Angst vor der Antwort hatte.

„Draco und sein Vater wurden heute früh zu einem Treffen einberufen. Ich weiß leider nicht mehr als das. Aber gestern Abend kursierten Gerüchte, dass Voldemort einige neue Gesetze erlassen will."

„Das kann er machen?"

Narzissa nickte. „Er sprach über ein Rehabilitations-Gesetz. Anscheinend hat jemand einen Trank erfunden, der die Geschichte, die Vorlieben und die Ansichten einer Person erfolgreich löschen kann. Sie würden das Grundwissen behalten, wie man für sich sorgt aber das war es auch schon. Die Idee war, dass Kriminelle wieder zu guten Menschen rehabilitiert werden können, wenn sie sich mit den richtigen Menschen umgeben. Kein Mensch müsste mehr für seine Verbrechen hingerichtet werden oder im Gefängnis landen."

Obwohl Ginny die Logik hinter dieser Idee verstand, gefiel ihr die Idee ganz und gar nicht. „Sie würden nicht mehr die Person sein, die sie einmal waren. Sie wären wie gefügige Kinder."

„Ja, das wären sie. Voldemort will diesen Trank bei Zauberern nutzen, die nicht seine Anhänger sind. Die Bevölkerungszahl wurde durch den Krieg stark verringert. Er denkt, dass er so die Anzahl seiner Anhänger schneller vergrößern kann."

Ginny stieg die Galle den Hals hinauf und ihre Augen füllten sich mit heißen Tränen. „Ich würde den Trank nicht nehmen."

Narzissa Augen weiteten sich. „Du hast das falsch verstanden. Du müsstest den Trank nicht trinken. Voldemort sieht dich mittlerweile als seine Anhängerin an."

Erleichterung fuhr Ginny durch den Körper. Sie schloss ihre Augen und atmete tief durch. Sie fühlte sich schuldig, als sie an die Menschen dachte, die den Trank unter Zwang nehmen mussten. Sie öffnete langsam ihre Augen. „Hat er jemanden gefunden? Musste schon jemand den Trank trinken?"

Narzissa sah weg. „Da war eine junge Frau, die geholfen hat diesen Trank zu entwickeln. Sie wurde hereingelegt und hat ihn getrunken."

Ginny lehnte sich ruckartig vor. „Wer war es?"

„Professor Snape hat mit ihr gearbeitet. Er hat sich freiwillig gemeldet sie aufzunehmen und ihr alles neu beizubringen."

Sie spürte glühende Wut als der Name des Mannes erwähnt wurde, der ihre Familie verraten und hintergangen hatte. „Weißt du ihren Namen?", fragte Ginny und sorgte sich vor Narzissas Antwort.

„Ihr Name war sowas komisches wie Harmony."

Ginny war vor Schock nicht fähig zu atmen. Es verlangte ihr alles ab, die nächsten Worte zu sprechen. „Hermione? Hermione Granger?"

Narzissa nickte. „Ja, das ist er."

„Nimm Leo," sagte Ginny, als sie Leo hastig auf den Schoß ihrer Schwiegermutter setzte. Sie rollte sich zu einem kleinen Knäuel zusammen und ließ sich in die Ecke des Schaukelstuhls sinken. Ihr kleiner Körper bebte, als heftige Schluchzer aus ihrer Kehle wichen. Hermione, die schlaueste Hexe die sie kannte, wurde ihres Wissen beraubt. Es war mehr als grausam. Eine zweite Welle des Schmerzes drohte sie zu überrollen, als ihr klar wurde, wie Snape an Hermione gelangen konnte. Und das war nur über Rons Leiche.