Zuallererst: Sorry! Es hat definitiv länger gedauert als geplant, dass ich ein neues Chappie online setze. Es ging ziemlich drunter und drüber bei mir (geht es immer noch), aber das wird euch wohl weniger interessieren…

Riham: Ja, dein Review ist angekommen gg. Was den ersten Satz betrifft… Du wirst es sehen XD und zu Sokrates ist nur zu sagen: da könntest du Recht haben ;-)

Ist jemandem eigentlich die Entwicklung aufgefallen, die Sokrates im Laufe dieser Story gemacht hat? Und Laras? Vielleicht wollt ihr mir ja eure Gedanken dazu in Form eines Reviews mitteilen? sich kaum zu fragen trau Das mit dem Titel (das ich schon mal so einen ähnlichen hatte) war übrigens keine Absicht… ich Schussel…

Marc: Du hast vollkommen Recht. Sokrates hatte nichts mit dem Überfall zu tun, er ist selbst verraten worden.

Miriam: Ja, du hast Recht. Der Angreifer aus dessen Sicht der Angriff geschildert wurde, war damals unter den Männern, die Lara im Kerker gefoltert haben, während Sokrates weg war und Bradek die Aufsicht hatte.

Yosephine: Vielen Dank für dein Review. Deine Frage hab ich schon bei Miriam beantwortet.

Teufelstochter: Ganz ganz lieben Dank an dich für deine treuen Reviews! Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr auf die Folter gespannt (du könntest bei deiner Story doch auch mal weiter schreiben, hm?).

So. Genug gequasselt. Vorhang auf für das nächste Kapitel!


Chapter Thirtyeight: Ein Ende mit Schrecken

Plötzlich wurde er mit einem gewaltigen Ruck von ihr gerissen und zu Boden geworfen. Reglos blieb der Angreifer liegen. Lara fühlte sich sanft hochgehoben und in das Zimmer getragen, das sie zu erreichen gehofft hatte. Sie blickte in die Augen des Lords und wusste, dass sie nun bedenkenlos ihrer Ohnmacht nachgeben konnte.


Lara erwachte in einer Panikattacke mit einem Schrei. Sie schlug um sich, richtete sich mit einem Ruck auf und rollte sich vom Bett. Als sie auf dem Boden auftraf durchfuhr ihr Bein ein stechender Schmerz. Sie keuchte und blinzelte in der Helligkeit des Raumes.

„Lara beruhige dich. Niemand bedroht dich, du brauchst dich nicht zu fürchten." Die tiefe, beruhigende Stimme des Lords half Lara über die Panikattacke hinweg. Ihr Atem regelte sich wieder und ging nicht mehr stoßweise. Langsam richtete sie sich auf und setzte sich wieder aufs Bett. Sie lehnte sich an die Wand und schloss die Augen. Was für eine peinliche Aktion. Ihre Augenlider schnellten auf, als sie am Bein berührt wurde.

„Ganz ruhig, Lara. Deine Wunde hat wieder zu bluten begonnen, ich will dir bloß einen neuen Verband auflegen."

Lara blickte überrascht auf ihr Bein. Sie hatte den Verband gar nicht bemerkt. Sokrates musste die Wunde versorgt haben, als sie geschlafen hatte. Sie beobachtete ihn genau, als er den Verband vorsichtig von ihrem Bein wickelte und den Schnitt mit Desinfektionsmittel bearbeitete. Lara verzog das Gesicht und wartete darauf, dass das Brennen aufhörte. Die Blutung stoppte und Sokrates verband die Wunde mit einer Präzision, als hätte er jahrelang nichts anderes getan. Er befestigte das weiße Leinen und setzte sich neben sie.

„Danke", flüsterte sie.

Er legte seine Hand auf ihre. Ihre Hand zitterte leicht, sie zog sie aber nicht zurück. So saßen sie eine Weile Seite an Seite in stiller Übereinkunft gegen die Wand gelehnt. Sokrates stand auf und ging zur Tür.

„Wartet! Wo… geht Ihr hin?!" Lara hatte plötzlich schreckliche Angst davor alleine zu bleiben.

„Ich sehe nach den gestrigen Eindringlingen. Keine Angst, ich verlasse das Haus nicht."

Lara wurde so bleich wie das Laken, auf dem sie saß. „Heißt das… heißt das, sie sind noch hier?", fragte sie mit erstickter Stimme.

„Sorge dich nicht, niemand außer mir wird dir auch nur nahe kommen."

Lara biss sich auf die Lippen, um ihn nicht anzuflehen bei ihr zu bleiben. Sie verhielt sich wirklich lächerlich. Sie war schon seit Jahren auf sich allein gestellt. Außerdem ließ er sie nicht mehr alleine, sondern betrat bloß einen anderen Raum. Sie sollte verdammt noch mal aufhören, sich wie ein kleines Kind zu verhalten, das ohne Erwachsene nicht zurechtkommt. Dennoch nistete sich die Angst in ihrem Herzen ein, als Sokrates mit dem Versprechen, nicht lange weg zu bleiben, die Tür hinter sich schloss.

Lara verbrachte die Wartezeit damit nervös auf die Decke zu starren und Daumen zu drehen. Nach einiger Zeit kehrte Sokrates zurück. Er setzte sich zu ihr und ihre Blicke trafen sich. Sie konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht deuten. War es etwa Besorgnis?

„Wie viele Angreifer, sagtest du, waren es?"

Lara spürte, wie sich ein Klumpen in ihrem Magen bildete. „Fünf. Warum?"

Sokrates legte seine Hand beruhigend auf ihre. Das beunruhigte sie nur noch mehr. „Was ist los?!"

„Es sieht so aus, als wäre einer entkommen."

Lara spürte, wie der Klumpen abrupt hoch in ihren Hals ruckte. „Welcher?", hauchte sie atemlos.

„Ich habe sie gestern alle in dein Schlafzimmer gesperrt. Der, der entkommen ist, hat die anderen zurückgelassen. Also nehme ich an, dass er keiner der angeworbenen Russen war."

Enorme Übelkeit stieg in Lara auf und sie stürmte aus dem Zimmer aufs Klo. Sie erbrach ihren Mageninhalt und ließ sich auf den Boden gleiten. Sie lehnte ihren Kopf gegen die kalten Fliesen. Er ist entkommen. Bradeks Krieger ist entkommen. Das war der einzige Gedanke, zu dem sie fähig war.

Sokrates klopfte an die Tür. „Lara! Mach die Tür auf! Lara!"

Warum war ausgerechnet er entkommen? Er, der gestern den nächtlichen Überfall geleitet hatte.

„Lara! Öffne diese Tür!"

Sie war nicht fähig, sich zu bewegen. Ihr wurde erneut übel, bei dem Gedanken daran, was es bedeutete, dass der Krieger entkommen war. Offensichtlich war er Bradek gegenüber absolut loyal und würde zu ihm zurückkehren. Ihm alles berichten. Sie fühlte sich nicht mehr sicher. Sie hatte Angst. Bradek war für so viel Grauen verantwortlich, das ihr widerfahren war. Die Entführung, die Kämpfe, die Folter im Kerker, all das war sein Werk gewesen. Die Tür knarrte und bevor sie auch nur Zeit hatte zum Türknauf hoch zu sehen, öffnete sie sich und Sokrates kam herein.

Ihr Blick traf seinen und ein tiefer Schmerz durchbohrte sein Herz. In ihrem Blick spiegelte sich die Verletzlichkeit eines neugeborenen Vogels, der in eine kalte unbarmherzige Welt hinein gestoßen wurde. Er zog sie in die Höhe und drückte sie an sich. Er spürte, wie ihre Anspannung allmählich wich und sie sich an seine Brust lehnte. Er strich ihr beruhigend über den Rücken. Mit jedem Atemzug sog er den Duft ihres Haares ein.

Die Eingangstür wurde aufgerissen und Sokrates schoss einen eiskalten Blick in die Richtung des Eindringlings, als er spürte, wie Lara unter dem plötzlichen Knall zusammen zuckte.

„Lord!"

Lara befreite sich aus seiner Umarmung und wich zurück.

„Jetzt nicht." Sokrates funkelte den Mann bedrohlich an. Seine Stimme war auf ein gefährliches Zischen gesenkt.

„Aber Lord-" Der Mann blickte seinen Herren unsicher an und trat nervös von einem Bein aufs andere. Er begann unter dem eiskalten Blick seines Meisters zu schwitzen und unterdrückte ein Zittern. Dennoch holte er tief Luft um ihm erneut zu widersprechen.

„Hinaus! Ich komme gleich nach."

Der Mann schluckte einen erneuten Widerspruch aus purem Überlebenswillen hinunter und verließ kleinlaut den Wohnbereich. Sokrates legte seine Hand beschwichtigend auf Laras Schulter. „Keine Sorge. Ich erledige das schnell. Es klang so als sei es wichtig, was er mir zu sagen hat. Ich bin sofort zurück." Der Lord ging schnell aus dem Zimmer und ließ ihr keine Zeit etwas zu erwidern. Lara nützte die Zeit seiner Abwesenheit um sich kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen und sich wieder zu fangen. Ihr Herz machte einen Sprung, als plötzlich Sokrates' Stimme hinter ihr erklang. Sie verfluchte innerlich seine Fähigkeit sich völlig lautlos zu bewegen.

„Lara."

Ihr gefiel der Ton nicht, in dem er ihren Namen aussprach. Eine dunkle Ahnung stieg in ihr auf. „Ihr müsst wieder fort, oder?" Ihre Stimme versagte ihr den Dienst. Sie konnte die Antwort bereits in seinen Augen lesen, bevor er sie überhaupt aussprach.

„Ja. Es tut mir leid. Ich werde-"

„Ich werde nicht hier bleiben!", rief sie und ihre Stimme überschlug sich dabei. Er blickte sie überrascht an.

„Ich werde Euch begleiten!"

Er blickte sie forschend an. O Gott, er musste einfach zustimmen. Sie würde bestimmt völlig durchdrehen, wenn sie alleine zurückblieb.

„In Ordnung."

„Was? Echt jetzt?!" Lara starrte ihn perplex an. Sie hatte nicht erwartet, dass er so schnell zustimmen würde.

„Ja. Vermutlich werden sich mir deine Fähigkeiten als Grabjägerin als äußerst nützlich erweisen. Zieh dir schnell etwas Bequemeres an. Wir brechen sofort auf."

Lara nickte eifrig. Endlich hatte sie wieder etwas zu tun. Etwas, das sie von den Dingen ablenken würde, die ständig durch ihren Kopf spukten. Ihr Puls begann zu rasen, als sie ihr Schlafzimmer betrat. Ihr wurde für einen Moment lang schwindlig und sie musste sich am Türstock festhalten, als die aufsteigenden Erinnerungen sie zu übermannen drohten. Sie suchte sich schnell die Sachen, die sie brauchen würde, aus dem Kasten zusammen und verließ damit fluchtartig das Zimmer. Sie schloss sich im Bad ein um sich umzuziehen.

Als sie die schwarze Jeans, den gleichfärbigen Rollkragenpullover und dazu passende schwarze Stiefel trug, fühlte sie sich etwas besser. Nachdem sie sich ihre langen Haare zu ihrem üblichen Zopf geflochten hatte, fühlte sie sich schon um einiges sicherer. Die dachte daran, wie lächerlich eigentlich dieses Gefühl der Sicherheit nur wegen eines gewohnten Kleidungsstils war. Sokrates wartete bereits auf sie, als sie das Wohnzimmer wieder betrat. Er war ebenfalls schwarz gekleidet und hatte seine Haare zusammengebunden.

Wortlos hielt er ihr einen Dolch und zwei Blackhawk CQC Pistolen, mit 9 mm Munition, hin. Lara blickte ihn fragend und überrascht an, nahm die Waffen aber an sich. Den Dolch steckte sie in ihren rechten Stiefel und die beiden Schusswaffen befestigte sie samt Holster an ihrem Gürtel.

„Du wirst sie brauchen können."

„Was haben wir eigentlich vor?", fragte sie ihn, während sie das kleine Haus verließen und auf einen Jeep zugingen.

„Wir bringen einen Chip in unseren Besitz."

„Und in wessen Besitz ist dieser ominöse Chip momentan?"

„In der Hand eines russischen Mafiabosses." Sokrates warf den Motor an und fuhr los.

„Heißt also scharfe Sicherheitsmaßnahmen. Hatte der Chip noch einen vorigen Besitzer?"

„Ja. Das amerikanische Militär."

Lara schluckte. Die Möglichkeiten an diesen Chip zu kommen schienen immer geringer zu werden. „Verstehe", sagte sie nur.