Die Personen Und Orte gehören Stephenie Meyer.
Die Originalstory ist von Mara Gaunt.
Danke an alle die mir einen Review geschrieben haben. Heute bekommt Bella eine etwas ungewöhnliche Entscheidungshilfe und es kommt zu dem lang erwarteten Gespräch. Einen schönen Sonntag wünsche ich euch allen.
Isabella Swan.
Ich bekam Edward nicht mehr aus dem Kopf und ich war mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht war. Es war zu viel für mich, die Möglichkeit, dass Charlie mein Vater sein konnte, Edward, der anscheinend wirklich vorhatte mich so lange zu belagern, bis ich ihm zuhörte. Irgendetwas tief in mir drinnen sagte mir das, wenn ich Edward zuhören würde, mein Schicksal für immer besiegelt sein würde. Und ich wusste noch immer nicht, ob das gut oder schlecht war.
Ich ließ mich auf mein Bett fallen und wanderte direkt ins Land der Träume.
In meinem Traum ging ich ziellos über eine schöne Blumenwiese und hatte das Gefühl, schon einmal hier gewesen zu sein. Es gefiel mir hier und ich ging einfach immer weiter.
„Bella." Rief mich eine weibliche Stimme sanft, ich drehte mich um und hüpfte vor Freude, als ich Esmeralda hinter mir sah. Sie war mir noch nie in meinen Träumen erschienen und ich freute mich fürchterlich sie zu sehen.
„Umm..." Ich konnte nicht vermeiden, dass mir die Tränen über die Wangen liefen. Esmeralda sah aus wie ich sie in Erinnerung hatte, nur das sie gesund und schön war.
„Wie schön dich zu sehen." Rief sie fröhlich und kam auf mich zu. Ich wollte sie umarmen, aber ich traute mich nicht wirklich.
„Du kannst mich umarmen." Sagte sie und breitete ihre Arme aus.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und umarmte sie so fest ich konnte.
„Oh Gott! Du ahnst nicht, wie sehr ich dich vermisst habe." Murmelte ich in ihre Haare. Alice war meine beste Freundin und ich hatte sie sehr lieb, aber Esmeralda wird immer einen besonderen Platzt in meinem Herzen haben.
„Und ich dich."
Als wir uns voneinander lösten, sahen wir uns eine lange Weile nur lächelnd an.
„Ich glaube, du wolltest mich etwas fragen." Sagte Esmeralda dann.
War sie die Antwort auf meinen Hilferuf, dass ich einen Rat brauchte wie ich mit meiner momentanen Situation umgehen sollte.
Es war seltsam, schon wieder einen so realen Traum zu haben, ich konnte sie spüren und sie hörte mir zu, wir redeten miteinander und das konnte man im Traum normalerweise nicht.
Ohne weiter drüber nachzudenken erzählte ich ihr alles, was in den letzten Tagen passiert war. Sie unterbrach mich nicht und hörte mir aufmerksam zu.
„Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll...ich habe Angst ihm zuzuhören...Angst, dass ich ihn noch mehr lieben könnte..."
Esmeralda sah mich verständnisvoll an.
„Du solltest ihm zuhören und dann genaue deine Optionen überdenken, es ist an der Zeit, die Angst zur Seite zur schieben. Früher warst du nicht so ängstlich Bella, früher hast du dich allem gestellt und ich habe dich immer dafür bewundert."
„Aber tief in meinem Inneren habe ich immer Angst gehabt." Gab ich zu. „Ich bin nicht so mutig."
„Da gibt es aber verschieden Meinungen zu."
Sie drehte sich um und ging langsam einen Weg entlang und ich dachte, dass sie jetzt einfach verschwinden würde, aber als das nicht geschah, ging ich hinter ihr her.
Plötzlich konnte ich von weitem etwas unter einem Baum stehen sehen, es war eine Art Laufstall in dem ich zwei Babys erkennen konnte, sie waren ungefähr fünf Monate alt. Wie grausam konnte ein Traum sein?
Das Mädchen hatte Edwards Haare und meine Augen, mit denen sie gerade mit großem Interesse ihre Hand bestaunte. Das war sie...das war Samantha, meine Tochter.
Samuel schlief friedlich und hielt mit einer Hand eine Stange des Laufstalls fest, er hatte dunkle Haare und leider konnte ich seine Augen nicht sehen. Ein unglaubliches Glücksgefühl lief durch meinen Körper, als ich meine Kinder so vor mir sah.
Esmeralda stellte sich neben mich und sah mich ruhig an.
„Was soll ich tun?" Fragte ich wieder.
„Edward zuhören und dann die beste Entscheidung treffen. Deine Kinder sind der gleichen Meinung." Antwortete sie und zeigte auf die Babys. Samuel hatte jetzt die Augen auf und sie waren so grün wie die seines Vaters. Meine Babys sahen mich an, als ob sie Esmeralda zustimmen würden.
Unbewusst und gleichzeitig bewusst, gab ich nach, gab dem unbewussten Wunsch nach, den ich verdrängt wollte hören, was Edward mir zu sagen hatte. Ich sah wie Esmeralda, Samantha und Samuel mir zuwinkten und sich dabei immer weiter von mir entfernten.
Der seltsamste Traum meines Lebens war zu Ende und ich machte langsam die Augen auf. Hatte mir mein Unterbewusstsein das gesagt, was ich schon die ganze Zeit über hören wollte? Ich wollte seine Version hören, hören was ihn zu seinem Verhalten getrieben hat und warum er plötzlich meinte, mich zu lieben.
Ich setzte mich in meinem Bett auf und sah, dass es noch mitten in der Nacht war. Aber das war mir egal, ich hatte eine Entscheidung getroffen und die musste ich jetzt in die Tat umsetzen.
Ich stand auf, holte ein paar Münzen aus meiner Jacke, Charlie hatte sie mir gegeben, damit ich im Himmel anrufen könnte, dass hatte er mir damals gesagt. Aber ich würde sie jetzt für das Münztelefon in der Eingangshalle benutzen.
Da ich freiwillig hier war und nicht gerade zu den schwierigen Patienten gehörte, war mein Zimmer natürlich immer offen und ich konnte mich frei bewegen. Ich hatte allerdings keine Ahnung, was sie dazu sagen würden, wenn sie mich mitten in der Nacht dabei erwischen würden, wie ich zum Büro von Rosalie schlich. Aber in der Klinik war alles ruhig und ich kam ohne Zwischenfälle in dem Büro an, jetzt musste ich nur noch meine Akte finden.
Zum Glück war der Schrank nicht abgeschlossen und die Akten waren alphabetisch geordnet. Ich suchte unter dem Buchstaben S, fand aber seltsamerweise nichts. Vielleicht hatte Rosalie meine Akte raus gelegt, weil Heute der Test gemacht worden war, aber auch auf dem Schreibtisch fand ich nichts.
Oder sollte sie etwa...
Ich suchte unter C und schon die dritte Akte war meine, langsam zog ich sie raus und frage mich, warum ich als Isabella Cullen registriert war. Wenn ich mich richtig erinnerte, hatte sich Edward damals von mir scheiden lassen.
Das erste was ich sah als ich die Akte aufmachte, war meine komplette Krankengeschichte und ich lass sie Wort für Wort durch. Wie es aussah, hatte ich viele Fehler gemacht, aber das konnte ich jetzt nicht weiter analysieren, ich wollte mein Glück nicht aus reizen und vielleicht doch noch dem Wachmann begegnen. Ich war hier, um die Telefonnummer von Edward zu finden, mit dem Rest würde ich mich später auseinandersetzten.
Doch als ich umblätterte, bekam ich den nächsten Schock. Es war eine Rechnung die immens hoch war, sie war von Edward Cullen unterschrieben worden und er hatte alles von seinem persönlichem Konto bezahlt. Von wegen, deine Krankenversicherung wird sich schon darum kümmern. Wie es aussah, hatte Edward nicht nur meinen Aufenthalt hier bezahlt, sondern auch bestimmte Anweisungen gegeben, wie mein Zimmer eingerichtet werden sollte.
Da war wieder der Edward Cullen, den ich so gut kannte, es musste alles nach seinen Anweisungen laufen. Ein leeres Gefühl machte sich in einem Magen bereit und es tat mir gar nicht gut, dass ich das jetzt erfuhr. Ich klappte die Akte zu und ließ mich auf den Stuhl von Rosalie fallen, dabei las ich, was auf dem Deckel der Akte stand. Dort war ich als Isabella Cullen aufgeführt und meine Adresse war die von Edwards Villa.
Warum hatte er das alles gemacht? Warum hatte er so viel Geld dafür bezahlt, damit ich wieder gesund wurde? Und das wichtigste, warum war ich noch immer mit ihm verheiratet?
Der einzige der mir diese Fragen beantworten konnte, war natürlich Edward. Seufzend wurde mir klar, dass das der letzte kleine Schubs war, den ich brauchte um Edward zuzuhören. Er würde mir einiges erklären können, dass hoffte ich zumindest.
Ich machte die Akte wieder auf und fand was ich gesucht hatte, die Telefonnummer des nächsten Angehörigen. Da ich jetzt schon mal in Rosalies Büro eingedrungen war, konnte ich auch ihr Telefon benutzen.
Es war mitten in der Nacht, aber das war mir egal, ich musste meine Entscheidung jetzt sofort in die Tat umsetzten. Ohne zu zögern wählte ich die Nummer und es schellte drei mal, bevor sich eine verschlafene Stimme meldete.
„Bei Cullen." Meldete sich eine, offensichtlich, verärgerte Victoria. Ich zögerte einen Moment, damit hatte ich nicht gerechnet und ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Das ist nicht witzig." Sagte Victoria jetzt streng.
„Victoria..." Sagte ich langsam. „...ich bins, Isabella."
„Oh... Mrs. Cullen" Victoria schien jetzt wach zu sein. „Ich...ich hab sie nicht erkannt...tut mir Leid."
Aha, für sie war ich also auch noch mit Edward verheiratet.
„Ich muss mit Edward sprechen." Sagte ich so schnell, wie es mir möglich war. Zuerst dachte ich, dass sie mich nicht verstanden hatte, weil sie nichts sagte. Doch dann reagierte sie plötzlich.
„Selbstverständlich, ich stelle sie sofort durch."
In der Zeit in der ich warten musste, war ich schon wieder kurz davor einfach aufzulegen.
„Isabella? Bist du das?" Hörte ich dann Edwards verschlafene und raue Stimme. „Geht es dir gut?" Fragte er besorgt.
„Ich bin Ok." Antwortete ich und wusste nicht, wie ich ihm sagen sollte, dass ich ihm zuhören wollte und das so schnell wie möglich. „Ich...ich...möchte..."
Er schwieg und wartet, bis ich ihm den Grund für meinen Anruf erklärte.
„Du...du fragst dich bestimmt...warum ich anrufe...ich glaub es ist besser wenn..." Fing ich an um den heißen Brei herum zu reden.
„Du kannst anrufen, wann immer du willst...das hier ist auch dein zu Hause."
Ich machte die Augen zu und stellte mir vor, wie er in seinem, unserem, Bett lag und diese Worte sagte, dann holte ich tief Luft und sagte, was ich zu sagen hatte.
„Ich werde dir zuhören, aber mehr nicht." Im Moment zumindest...hatte ich das gerade gedacht? Hoffentlich hatte ich es nur gedacht. „Auf dem Friedhof habe ich dir gesagt, dass ich Zeit brauche...und das brauche ich immer noch, aber ich möchte während dieser Zeit wissen, was du mir zu sagen hast."
Er schwieg und schien nicht glauben zu können, was ich da gerade gesagt hatte, genau wie ich auch nicht.
„Wann?" Fragte er dann so ungeduldig, wie ich mich fühlte. Ich wollte schon fragen, wann er hier sein könnte, aber ich hielt mich zurück.
„Morgen Früh."
„Ich werde da sein." Antwortete er schnell und ich konnte es nicht vermeiden zu lächeln. Er hörte sich an, wie ein kleiner Junge, der eine Versprechen machte und ich hoffte nur das ich nicht weich werden würde und...
„Ich...werde warten." Und wie ich das tun würde.
Als wir das Gespräch beendeten, fühlte ich eine Leere in mir, die mir bestätigte, dass meine Gefühle für ihn noch immer da waren.
Jetzt musste ich Rosalie noch von Edwards Besuch berichten, sie musste es wissen und ihr Ok geben. Ich war bereit zu dem Gespräch und ich hoffte, dass sie das auch so sehen würde.
Leise schlich ich in mein Zimmer zurück und malte mir aus, wie unser Treffen wohl ablaufen würde. Meine Hände fingen an zu zittern, als ich mich fragte, ob es zu dieser Art von Nähe kommen würde, die es immer wieder schaffte meine Mauern einzureissen.
Den Rest der Nacht verbrachte ich in meinem bequemen Sessel, von dem ich jetzt wusste, dass Edward ihn bezahlt hatte. Als die Krankenschwester mir meine Frühstück brachte bat ich sie, Dr. Hale zu sagen, dass ich sie sprechen müsste.
Ich zog mich nicht um, ich hatte nicht vor mich für Edward besonders...Ah! Was dachte ich den da?
Ich würde ihm einfach nur zuhören und mehr nicht, genau wie ich es mir vorgenommen hatte.
Gut eine Stunde später kam Rosalie zu mir und bevor ich noch irgendetwas sagen konnte, fing sie an zu reden.
„Ich werde nicht fragen wieso, aber Edward ist draußen und schreit die Klinik zusammen, weil er dich sehen muss und du ihn angeblich darum gebeten hast. Stimmt das?"
Ich sah sie ruhig an und versuchte damit gleichzeitig, mich zu beruhigen. Er war schon da?
„Das stimmt." Antwortete ich langsam. „Ich hab ihn gebeten zu kommen, um zu...reden."
Sie sah mich an und schien die Situation abzuschätzen.
„Und du glaubst, dass du stark genug bist dich dem zu stellen?" Sie hörte sich nicht sehr überzeugt an und das beunruhigte mich etwas.
„Ich glaube...das ich nicht zusammenbrechen werde."
„Das ist nicht die Antwort, die ich erwartet hatte." Ihre Augen durchbohrten mich regelrecht.
„Ich..." Was sollte ich sagen?
„Hör zu Bella, du musst das nicht tun..."
„Aber ich will...ich muss...du würdest es nicht verstehen." Sagte ich.
„Versuchs."
Ich sah ihr in die Augen, holte tief Luft und erzählte ihr meinen Traum.
„Noch nie hatte ich einen so lebendigen Traum gehabt und ich weiß, dass es eine Art Zeichen ist. Ich zwinge mich nicht dazu eine Entscheidung zu treffen, ich möchte nur mehr Optionen haben, bevor ich mich entscheide." Erklärte ich meine Entscheidung.
„Als Psychiaterin kann ich natürlich nicht zustimmen, dass ein Traum eine Entscheidungshilfe sein sollte, ein Anreiz vielleicht, aber mehr nicht."
„Ich möchte es aber als Zeichen sehen, ich muss..." Meine Kinder hatten mich darum gebeten und das konnte ich nicht ignorieren. „Lass mich bitte mit ihm reden."
Rosalie sah mich verständnisvoll an und nickte dann.
„Gut, er wird gleich hier sein."
Ich wollte mich mit meiner Decke der Würde schützen, wollte hart und kalt sein,unerschütterlich, ihm zuhören, aber gleichzeitig nicht vergessen, was er getan hatte. Nur, dass schon der Gedanke an ihn meinen Körper zum zittern brachte.
Die Tür hinter mir ging auf und wieder zu, ich sah ihn nicht an und bat ihn, sich aufs Bett zu setzten, dass weit genug von mir weg war.
„Ich höre." Sagte ich nur, aber meine Stimme verriet, wie nervös ich war.
„Kann ich dich um etwas bitten, bevor ich anfange?" Fragte er sanft und ich musste den Impuls unterdrücken, mich zu ihm zu drehen.
„Wenn es in meiner Hand liegt, dir zu geben was du möchtest." Hoffentlich nahm er das jetzt nicht zu wörtlich.
„Könntest du mich ansehen während ich rede?"
Diese simple Bitte traf mich wie ein Vorschlaghammer. Wenn ich ihn ansah, würde ich nicht hart bleiben können...ich ließ die Sekunden vergehen und wusste mal wieder nicht, was ich machen sollte.
Langsam drehte ich meinen Oberkörper zu ihm. Er war so attraktiv wie immer und er strahlte mich mit seinen grünen Augen an. Ich versuchte meine Haltung beizubehalten, was gar nicht so einfach war.
„Danke." Sagte er schlich und setzte sich bequem hin. Ich konnte jetzt meine Augen nicht von ihm nehmen und hoffte nur, dass sie mich nicht verraten würden.
„Ich sollte, glaube ich, mit dem anfangen, was mich zu dem gemacht hat, was ich Heute bin." Er seufzte laut und ich merkte, dass es auch für ihn nicht einfach war. „Als ich zehn Jahre alt war, sind meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen...Von dem Moment an, hat sich mein Onkel um mich gekümmert und das erste was er gemacht hat, war mich auf ein Internat zu schicken. Dort wurde ich erzogen und auf meine Zukunft vorbereitet." Ich konnte die Traurigkeit in seinen Augen sehen.
„Das waren schwierige Jahre...ich war noch ein Kind und das fehlen der Liebe einer Mutter und des Zuspruches eines Vaters ließ mich verschlossen, kalt und ernst werden. Ich lernte alles was ich brauchte, um später das Imperium zu leiten, dass mein Onkel mit dem Geld meiner Eltern für mich aufbaute. Das einzige Ziel in meinem leben war, viel Geld zu verdienen."
„Als ich dann alt genug war, um die Firma zu übernehmen, änderte sich mein Leben etwas. Ich leitetet die Firma, wohnte in dem Haus meiner Eltern und hatte immer wechselnde Frauenbekanntschaften..." Mir entwischte ein sarkastisches Lachen, dass ich unter einem falschen Niesen zu verstecken versuchte, was mir anscheinend gelang. Ich fühlte mich ein wenig dämlich, weil mich die Vorstellung von ihm mit verschiedenen Frauen so eifersüchtig werden ließ. Das war seine Vergangenheit und damit musste ich leben.
„Ich fand mein Leben perfekt, bis ich eines Tages mit einem neuen, sehr Ehrgeizigem, Projekt anfing und feststellen musste, dass meine Vater einen, nicht unerheblichen, Teil seiner Aktien jemandem anderem vermacht hatte. Ich hatte mit diesem Geld gerechnet und brauchte es für mein Projekt. Und außerdem war ich der Meinung, dass das Geld mir gehörte. Mein Vater hatte es einer unbekannten Waise vererbt, die nicht mal etwas davon wusste." All das hatte er mir vor ein paar Monaten schon mal erzählt, nur mit anderen Worten.
„Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dass es mein Geld war und schickte meinen Anwalt los, die unbekannte Erbin zu suchen. Er fand sie und da sie noch minderjährig war, war es die beste Lösung, wenn ich sie heiraten würde und somit ihr legaler Vertreter würde. In meiner Habgier war ich damit einverstanden." Ich versuchte meinen Gesichtsausdruck so neutral wie möglich zu halten und hörte ihm dabei zu, wie er unsere Geschichte erzählte.
„Doch dann passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Die Erbin hatte etwas, dass ich seit dem Tod meiner Mutter fürchterlich vermisste und, egoistisch wie ich war, wollte ich auch das haben. Jeden Tag sagte ich mir, dass ich es nur fürs Geld tat, aber sie hatte mich mit ihrer Unschuld und ihrem reinen Wesen verführt...ich fühlte mich mit ihr so wohl wie noch nie in meinem Leben. Ich begehrte sie, wie ich noch nie eine Frau begehrt hatte und es existierten keine anderen Frauen mehr für mich. Sie war plötzlich die einzige für mich." Seine Augen unterstrichen seine Worte noch und ich merkte, wie ich rot wurde.
„Es war alles so geplant, dass unsere Ehe drei Monate dauern sollte und ich mich dann wieder von ihr trennen würde. Doch das ganze verkomplizierte sich für mich, zu dem was ich tun sollte kam dazu, was ich tun wollte. Ich wollte sie für mich behalten, mich weiter so wohl und glücklich fühlen, weiter in den Genuss ihrer Nähe und ihres Körpers kommen und schob die endgültige Entscheidung vor mich her." Er holte tief Luft und fuhr sich mit allen zehn Fingern durch die Haare.
Dann erzählte er, wie er an die Fotos gekommen war, die falschen Schlüsse die er gezogen hatte und wie betrogen er sich gefühlt hatte. Edward sah auf den Fußboden und ließ auch die Szenen in seinem Büro nicht aus. Mir zog sich bei der Erinnerung der Magen zusammen, aber ich verstand jetzt ein wenig, warum Edward sich damals so verhalten hatte, nicht das ich ihn rechtfertigte, aber seine verletzter Stolz und seine Eifersucht hatten ihn getrieben.
„Nachdem ich sie aus meinem Leben vertrieben hatte, wollte ich zu meinem alten Leben zurück, aber es ging nicht mehr. Nur sie konnte dieses Verlangen in mir wecken und ich wurde zu einer Art Eunuch. Mein Körper schrie nach ihr und ich wollte oft wissen, was sie macht, wie es ihr geht, aber ich wollte diese Art von Schwäche nie wieder zulassen." Er schwieg einen Moment und ich nutzte die Zeit, um meinen Hals ein wenig zu entspannen.
Edward redete weiter und kam jetzt zu dem Teil,den ich noch nicht kannte. Er erzählte, wie er zufällig Jakob getroffen hatte und dieser ihm klar gemacht hatte, dass sie nie mehr als Freunde gewesen waren.
„Ich fühlte mich wie eine Ratte, ich hatte den einzigen Menschen, der mit je etwas bedeutet hatte zum Teufel geschickt, weil ich in meiner Sturheit und blind vor Eifersucht, sie nicht mal hatte zu Wort kommen lassen." Er schüttelte über seinen eigenes Verhalten entsetzt, den Kopf.
Dann gab er zu, dass er wieder James los geschickt hatte, damit er nach mir suchte. Ich konnte den Schmerz in seinen Augen sehen, als er mir berichtete, wie James ihm von meiner Schwangerschaft und unseren verlorenen Kindern erzählte. Es überraschte mich zu hören, dass es sich an das Gespräch erinnern konnte, dass wir während unserer Hochzeitsreise gehabt hatten und er daraus die richtigen Schlüsse gezogen hatte.
„Ich wusste, dass ich sie suchen musste und sie auf Knien um Verzeihung anflehen musste. Wie ein irrer raste ich zu ihrer Wohnung und fand dort den Schatten der Frau, die ich zerstört hatte..." Er suchte mit den Augen meine Handgelenke, auf denen die Beweise meiner Tat für immer sichtbar sein würden.
„Ich brachte sie in das Krankenhaus, dass für uns beide zu unserem Schicksal geworden war, dort musste ich sie in die Hände der Ärzte legen und flehte sie an, ihr Leben zu retten. Ich flehte den Himmel an, mir eine zweite Chance zu geben, aber sie wäre fast gestorben, fast hätte ich das wertvollste verloren, was ich je besessen hatte." Seine Augen konnten nicht lügen und ich konnte eine Ehrlichkeit darin entdecken, die völlig neu für mich war.
„Ich wusste, dass sie mich für den Rest ihres Lebens hassen würde, ich war der Grund dafür, dass sie so hatte leiden müssen. Ich fing an zu beten, was mir etwas Frieden brachte, obwohl ich wusste, dass ich unverzeihliche Dinge getan hatte, die man mir nie vergeben würde...ich hatte ein Leben zerstört...drei Leben..." Seine Augen wurden dunkel vor Trauer.
„Sie überlebte und ich schwor mir, dass ich alles dafür tun würde, damit sie von jetzt an ein glückliches Leben führen konnte. Aber der egoistische Teil in mir wollte sie zurück haben, wollte, dass sie wieder zu mir gehörte, wieder in meinen Armen lag. Ich musste ihr sagen, dass ich endlich etwas begriffen hatte, etwas was ich lange Zeit über verdrängt hatte... ich hatte mich in sie verliebt...ich liebe sie..." Er sah mir jetzt wieder in die Augen, ich war nicht dazu in der Lage, meinen Blick abzuwenden und ich wusste, dass er die Wahrheit sagte.
„Ich vermisste sie und wollte die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen und da das nicht ging, tat ich alles was in meiner Macht stand, damit sie wieder gesund werden konnte. Zumindest körperlich. Ich wusste, dass sie nie vergessen würde, dass sie zwei Kinder verloren hatte...meine Kinder. Ich weiß das ich nie so sehr leiden werde wie du Bella..." Jetzt sprach er mich direkt an. „...aber auch ich trauere um unsere Kinder..." Er stand auf und machte einen Schritt auf mich zu, blieb dann aber stehen und fiel vor mir auf die Knie, er demütigte sich selbst.
„Ich flehe dich an, mir zu verzeihen...nicht zu vergessen...nur zu verzeihen...noch nie hat mir jemand so viel gegeben wie du, ich wusste es nicht zu schätzen. Ich bitte dich um eine Chance dir zu zeigen, dass ich mich geändert habe...und wie sehr ich dich liebe...ich würde mein Leben dafür geben,wenn es dich für all dein Leid entschädigen würde..."
Ich sah auf ihn herunter und fühlte so etwas wie Verständnis für ihn. Jetzt verstand ich einiges besser als vorher, wusste aber noch immer nicht, wie ich damit umgehen sollte.
„Warum sind wir noch verheiratet?" Ich versuchte so neutral wie möglich zu klingen.
„Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Die Scheidungspapiere lagen, an besagtem Tag, vorbereitet in meinem Schreibtisch und dort sind sie geblieben, bis James sie gefunden hat. Und nachdem all das passiert war, habe ich, als dein Ehemann, mich um alles kümmern können,ohne das mich jemand daran hindern konnte. Ich habe mein Geld und meinen Einfluss dazu benutzt, dass du die beste Pflege bekommst, aber das ist alles zweitrangig...ich habe mich nicht von dir scheiden lassen, weil ich in meinem Unterbewusstsein wusste, dass ich dich liebe und dich immer bei mir haben möchte." Edward hatte sich nicht bewegt und kniete noch immer vor mir.
Ohne darüber nachzudenken stand ich auf und ging auf ihn zu, mein Bauch war nur wenige Zentimeter von seinem Kopf entfernt und ich wusste, dass ich Tränen in den Augen hatte. Und ich merkte, wie ich anfing ihm zu verzeihen, mein Schmerz war noch da und würde immer da sein, aber ich fing an ihn zu verstehen. Ich sah auf ihn herunter und ich fühlte weder das Verlangen mich zu rächen, noch ihm in irgendeiner anderen Weise weh tun zu wollen. Warum auch? Mir wurde immer bewusster, dass ich ihn noch genauso liebte wie am ersten Tag.
Aber ich brauchte Zeit...ich wusste nicht, wie viel...aber ich musste das alles erst verarbeiten...die Tränen liefen mir über die Wangen und Edward, ohne das ich es ihm erlaubt hatte, schlang seine Arme um mich und lehnte seinen Kopf gegen meinen Schoss.
Er schluchzte und wie aus einem Reflex heraus, legte ich meine Hand auf seinen Kopf und streichelte ihm übers Haar... Edward weinte wie ein kleiner Junge...wie ein Mann, der unsterblich verliebt war...
Keine Ahnung wie lange wir so dastanden, aber sein Schluchzten ließ nach und ich reagierte wieder, ohne darüber nachzudenken. Ich ließ mich ebenfalls auf die Knie fallen, nahm sein Gesicht in meine Hände und legte meine Lippen auf sein.
Ich verriet meine Prinzipien, aber so wie er mich vermisst hatte, hatte auch ich ihn vermisst. Unsere Lippen vereinten sich und unsere Tränen vermischten sich.
Ich sah ihn jetzt nicht weniger männlich, nur weil er weinte, auch er war nur ein Gefangener seiner Gefühle. Für jemanden wie Edward, so kalt und immer korrekt, musste es unheimlich schwer sein, sich gefühlsmäßig so gehen zu lassen.
Edward stöhnte leise, vergrub seine Hände in meinen Haaren und zog mich näher an sich.
Ich war schon leidenschaftlich von ihm geküsst worden, aber er hatte immer etwas zurückgehalten, dieser Kuss war anders, er war voller Gefühl und Verlangen. Als ich meine Arme um seinen Hals schlang, verloren wir fast das Gleichgewicht, aber Edward fing uns auf und plötzlich standen wir auf unseren Füßen.
Ihn wieder so nahe zu spüren, ließ mich Raum und Zeit vergessen. Unsere Körper passten noch immer perfekt zusammen, seine Hände auf meiner Taille, meinem Rücken, lösten noch immer dieses Kribbeln in mir aus.
Alles schien seinen Sinn zu verlieren, als wir aufs Bett fielen und Edward über mir lag. Seine Hände fuhren über meinen Körper, als ob er sich vergewissern wollte, ob noch alles da war. Jetzt verstand ich erst wirklich, dass Edward mich liebte, aber ich musste an die Zukunft denken...meinen Vater...sollte ich einen haben...an uns, sollten wir eine Zukunft haben.
All die bösen Worte der Vergangenheit existierten im Moment nicht und ich assimilierte langsam alles was er mir gesagt hatte und wie sehr auch er gelitten hatten.
Plötzlich löste er seine Lippen von meinen und lehnte seine Stirn gegen meine. Es schien ihn viel Kraft zu kosten, aber er wollte anscheinend nicht zu weit gehen.
„Bella..." Murmelte er voller Leidenschaft. „...meine Bella."
Immer wieder murmelte er meinen Namen und streichelte mir zärtlich über die Wangen. Es war wie ein Balsam für mich, dass auf der einen Seite beruhigend und auf der anderen erregend wirkte. Es war überraschend, dass ich ihn nach all der Zeit noch immer so sehr begehrte.
Er lehnte sich etwas zurück, legte aber seinen Arm fest auf meinen Bauch, als ob er Angst hatte, dass ich weglaufen könnte. Und es gab immer noch einen Teil in mir, der das auch tun wollte. Die Situation war mir eindeutig außer Kontrolle geraten.
„Es...tut mir Leid." Sagte ich, obwohl es bestimmte bessere Worte gab, aber die bekam ich nicht zusammen.
„Das sollte es nicht...mir tut es alles andere als Leid." Murmelte er gegen mein Ohr.
„Ich weiß nicht...was ich sagen soll...was ich entscheiden soll..." Dachte ich laut und drückte damit meine Angst aus.
„Du musst jetzt gar nichts entscheiden, lass den Dingen einfach ihren Lauf...wenn du das möchtest. Ich werde dich nicht unter Druck setzten und nicht tun, was du nicht auch möchtest."
Ich nickte nur, starrte an die Decke und versuchte seine warme Hand zu ignorieren, die auf meinem Bauch lag.
„Weißt du was?" Fragte ich in purem Plauderton. „Ich habe Gestern einen Vaterschaftstest gemacht...es gibt hier einen Patienten, der mein Vater sein könnte."
Edward schwieg einige Minuten und sagte dann leise.
„Ich weiß."
„Was?"
„Als dein rechtlicher Vertrete musste ich mein Einverständnis geben."
Er hat es also schon gewusst und Rosalie hatte hinter meinem Rücken mit ihm geredet. Irgendwann musste ich mir die Papiere, die ich bei unserer Hochzeit unterschrieben hatte, mal genauer ansehen. Er war also nicht nur mein Ehemann, sonder konnte auch Entscheidungen für mich treffen.
„Was wird passieren, wenn er wirklich mein Vater ist?" Wollte ich wissen und er schwieg wieder einen Moment.
„Ich weiß es nicht...aber niemand wir mich je wieder von dir fernhalten."
Was würde meine neue Familie zu all dem sagen, was ich mit Edward durchgemacht und er mir angetan hatte?
Wir blieben eine ganze Weile lang einfach so liegen, jeder in seine Gedanken versunken und irgendwie die Nähe des anderen genießend.
Irgendwann nahm Edward seine Hand von meinem Bauch und setze sich auf, ich tat es ihm nach.
„Ich...sollte gehen." Sagte er langsam. „Ich..will dich nicht unter Druck setzten, aber...wie geht es jetzt weiter?"
Aua! Edward konnte doch nicht ganz aus seiner Haut und Geduld war noch nie eine seiner Stärken gewesen.
„Jetzt da ich...die Gründe deiner...von dem was passiert ist, kennen...werde ich Zeit brauchen, um darüber nachzudenken und dann werde ich eine Entscheidung treffen."
Er war mittlerweile aufgestanden und sah mich traurig an.
„Dann werde ich erst dann wiederkommen, wenn du mich darum bittest." Ich merkte seiner Stimme an, wie schwer es ihm fiel, dass zu sagen.
Ich konnte nur nicken.
„Bevor ich gehe, darf ich dich noch um etwas bitten?"
Wieder nickte ich nur.
„Darf ich dir noch einen Kuss geben?"
Bei seiner ungewöhnlichen Bitte, kribbelte es in meinem Bauch und ich nickte wieder.
Er kniete ich aufs Bett und näherte sich, bis sich unsere Lippen und nur unsere Lippen, sich berührten. Es war ein langsamer und gefühlvoller Kuss. Edward ging und ich legte mich wieder auf mein Bett und ließ den Morgen noch mal Revue passieren. Ich hatte jetzt so einiges, über das ich nachdenken musste.
