Hallo meine Lieben, erstmal möchte ich euch danken für die vielen tollen Reviews (auch bei den anderen Geschichten). Ich weiß ich habe vorher lange kein Update geschrieben, deswegen bin ich umso glücklicher, dass ihr trotzdem noch bei seid. Vielen vielen Dank für eure Reviews
Kapitel 34: Louisiana
Jude vernahm Kits Worte und sah ihn tief in die Augen. Ja, sie wollte ein normales Leben haben, eine Familie, Kinder, einen Mann den sie liebte aber dennoch hatte sie das Gefühl, dass sie eine Art Unglücksbringer für die Menschen war die sie liebte. Schon so oft hatte Jude einen Neuanfang gewagt und jedes Mal stolperte sie von eine Katastrophe in die nächste. Sollte es dieses Mal tatsächlich anders sein? Sollte es wirklich noch ein glückliches Leben für sie geben? Und was wenn nicht? Was würde geschehen, wenn sie Kit und die Kinder ins Unglück stürzen würde? Konnte sie mit diesem Wissen leben?
Sie dachte zurück an die letzten Monate, bevor Lana aufgetaucht war und diesen grausamen Artikel schrieb, bevor Emerson kam….ja, sie war glücklich. Das erste Mal seit vielen Jahren war sie wieder glücklich und sie hatte schon fast vergessen, wie es sich anfühlte. Sie hatte endlich das Gefühl, einen Platz in dieser Welt gefunden zu haben. Nach so vielen Jahren des ziellosen Herumirrens, hatte Jude ein Zuhause. Damals, als der Monsignore sie wegschicken wollte und sie in einem Dinner's saß, kam Shachath zu ihr. Sie sagte, dass alles was sie jemals wollte eine Familie war, die sie lieben konnte. Jetzt hatte sie alles und doch war die Angst alles wieder zu verlieren größer als je zuvor.
Wieso tat Kit das? Wahrscheinlich hätte er ein ruhigeres Leben ohne sie. Wahrscheinlich würde er eine Frau finden, die eine bessere Mutter und Frau wäre als sie. Jude war mit allem was geschehen war vollkommen überfordert und sie wusste nicht mehr was sie denken sollte. Sie wusste nicht, was sie Kit sagen sollte. Nervös wandte sie den Blick ab.
„Kit…..ich…." wieder brachen ihre Worte ab und sie schüttelte frustriert den Kopf. Würde er sie überhaupt verstehen? Jude hatte vieles in ihrem Leben erlebt und das meiste davon überstanden und weggesteckt. Sie war eine starke Frau und das wusste sie, aber dennoch gab es für alles eine Grenze. Die Begegnung mit Emerson ließ sie wieder in ein tiefes Loch fallen und sie wusste nicht, ob sie allein aus diesem Loch entfliehen konnte. Nie würde sie sein Gesicht vergessen, nie vergessen wie und wo er sie überall berührt hatte, nie den Geruch seines stinkenden Atems vergessen…..sie roch es immer noch. Der Gedanke, dass Emerson nun für immer eine Art stiller Begleiter sein sollte, ließ sie verzweifeln. Der Bluterguss an ihrem Hals würde verschwinden, ihre gebrochene Hand würde verheilen aber was war mit den Verletzungen in ihrer Seele? Würden diese jemals verschwinden?
„Judy?"
Es war Kits Stimme, die Jude wieder aus ihren Gedanken riss. Ihr Mund war so trocken und das Sprechen fiel ihr unsagbar schwer, aber er verdiente eine Antwort und so riss sich Jude zusammen und atmete tief durch.
„Kit, hör zu…ich liebe dich und die Kinder, das weißt du aber ich weiß nicht, ob ich einfach so wieder zu einen normalen Alltag übergehen kann. Ich weiß nicht, ob ich alle bösen Erinnerungen einfach hier zurück lassen kann. Ich habe Angst davor, dass sie mich….uns immer begleiten werden."
Kit nickte und hörte Jude aufmerksam zu. Er sah wie hin und her gerissen Jude war und wollte ihr die Angst nehmen, auch wenn das nicht einfach werden würde.
„Er wird uns nicht begleiten Judy, das lassen wir nicht zu. Ich werde nicht zulassen, dass dieses Schwein unser Leben bestimmt. Ich will ehrlich sein, ich glaube nicht, dass du alles was geschehen ist sofort vergessen wirst. Aber du musst eines verstehen Judy, du musst das alles nicht allein durchstehen, nicht mehr." Bittend sah er Jude an und sprach dann weiter „Lass uns unsere Sachen packen und verschwinden, so schnell wie möglich."
Jude seufzte frustriert und sah Kit verständnislos an „Und wohin? Willst du dass die Kinder in einem Motel übernachten? Wir haben kein Geld und bisher keinen Käufer für das Haus gefunden."
Kit schlug die Hände über den Kopf zusammen, er hatte ja noch gar keine Chance gehabt Jude von dem Kredit zu erzählen. Vielleicht konnte er ihr nicht sofort die Ängste vor Emerson nehmen aber vielleicht die Zukunftsängste.
„Ich bin noch gar nicht dazu gekommen dir zu erzählen, dass die Bank gestern den Kredit bewilligt hat. Ich habe das Haus und Grundstück als Sicherheit angegeben. Wir haben jetzt genug Geld für eine Anzahlung und einen neuen Start. Lanas Freund, dieser Makler hat sie gestern angerufen. Er hat ein Haus für uns gefunden. Er weiß, dass wir weit weg von Massachusetts wollen und hat einen anderen Freund aus Louisiana gebeten nach einem Haus zu suchen. Die derzeitige Besitzerin zieht in 2 Wochen aus, wir können das Haus danach sofort beziehen wenn du willst."
Kit kniete sich vor Jude hin und nahm ihre unverletzte Hand in sein „Komm Judy."
Jude brauchte einen Moment um all die Informationen zu verarbeiten. Konnten sie das wirklich tun? Einfach so losfahren und ein Haus kaufen, was sie vorher nie gesehen hatten. Das klang verrückt, aber aus irgendeinen Grund mochte Jude diese Idee. Aus ihren eigenen Erfahrungen konnte Jude sagen, dass Pläne meist nie so funktionierten wie sie sollten. Warum nicht einmal alles auf eine Karte setzen und das Schicksal entscheiden lassen? Eines wusste Jude, sie wollte auf keinen Fall zurück in ihr altes Zuhause.
‚Louisiana!'
Kit kniete immer noch vor Jude und sah, dass sie tief in Gedanken war. Sanft streichelte er ihre Hand und holte sie aus ihren Tagtraum zurück. Mit großen und wässrigen Augen sah Jude zu Kit und nickte plötzlich. Ihre Stimme war leise und zitterte, aber Kit konnte sie verstehen.
„In Ordnung! Lass uns nach Louisiana gehen." Jude schluckte ihre Tränen herunter und lächelte Kit an. Kein erzwungenes Lächeln, kein trauriges Lächeln sondern ein echtes aufrichtiges Lächeln.
Kit fiel ein schwerer Stein von Herzen. Er lächelte Jude an und küsste vorsichtig ihre Wange.
„Ich liebe dich Judy."
