Wortanzahl: 3266 Wörter

Kapitel 34

"So, was möchtest du den gerne essen?", fragte Sam als sie ihren Rucksack in ihrem Zimmer ablegte.

Sie und Janet waren nach der Schule direkt zu ihrem Haus gefahren und da ihr Dad noch bei der Arbeit war, waren die beiden alleine. Nur sie beide in einem Haus und sie waren in einem Zimmer mit einem Bett, wie Sam unweigerlich einfiel.

Janet, die direkt hinter ihr stand, musste leise lachen.

„Ich glaube das, was ich gerne esse, habt ihr nicht hier.", sagte sie leise.

Sam sah sie irritiert an.

"Was mein … oh!"

Kurz herrschte Stille im Zimmer, ehe Sam sich leise räusperte.

"Musst du denn gar nichts essen ... außer na ja, Blut?", fragte sie neugierig, während sie sich auf ihr Bett setzte. Janet setze sich neben sie im Schneidersitz.

"Nein … ich könnte etwas essen aber das hätte für mich keinen Sinn … so als wenn du nur von Wasser leben würdest … irgendwann würdest du sterben."

"Oh ... das hört sich nicht sehr toll an. Eh ... wo bekommt ihr den das Blut her?", fragte Sam leise während sie mit ihrem Finger Kreise auf ihrer Decke zog.

Auch wenn sie sich brennend dafür interessierte, war sie sich doch nicht sicher, ob sie es wissen wollte. Konnte sie wirklich damit klar kommen, wenn Janet so brutal wie Brad Pitt oder Tom Cruise in "Interview mit einem Vampir" ist?

Janet beugte sich zu ihr rüber und setzte ihre Lippen leicht an Sams Halsschlagader. Sie konnte Sams schnellen Pulsschlag regelrecht schmecken. Zärtlich hauchte sie Luft über ihn und zog sich dann wieder zurück.

"Wir leben nicht von Menschenblut, falls es das ist, worüber du dir Gedanken machst… Außerdem würde ich dir das niemals antun. Nein, wir jagen Tiere. Wir sind, sozusagen, Vegetarier."

"Vegetarier?"

Sams Stimme war nicht mehr als ein Hauchen als sie dieses Wort aussprach. Janet berührte nur einen winzigen Teil ihres Körpers, aber selbst diese winzige Berührung schickte einen Schauer aus Erregung, aber auch Angst durch ihren Körper. Sie konnte weder die leidenschaftlichen Küsse vergessen, noch das Gefühl von den kleinen Händen um ihren Hals.

"Ja, Vegetarier", war Janets genauso leise Antwort als sie leicht mit ihrer Zunge über Sams Pulspunkt fuhr und gleichzeitig mit ihren Fingerspitzen immer wieder Sams Arme hoch und runter fuhr.

"Wenn gleich ... wir öfter damit zu kämpfen haben nicht in alte ... Gewohnheiten zurückzufallen."

Ihr Blick wich für keinen Moment von dieser kleinen Stelle an Sams Körper unter der das rote, lebensspendende Blut immer schneller rauschte.

Sam schluckte hart und versuchte nicht unter Janets hungrigen Blick zusammenzuzucken.

"Also … willst du wohl nichts davon essen, was ich koche?," fragte sie nervös.

Sekundenlang fixierte die Kleinere die Blondine, bevor sich auf einmal ein Grinsen auf ihr Gesicht ausbreitete und sie sich auf einmal löste. Innerhalb einer Sekunde saß sie auf Sams Schreibtischstuhl als wäre nichts gewesen. Ganz ruhig, saß sie mit überkreuzten Beinen und sah ihre Geliebte an, die immer noch auf ihrem Bett saß.

Als wäre nichts passiert, sagte sie ruhig. "Ich würde gerne, aber leider ... geht das leider nicht. Aber ich sehe dir gerne zu."

Ein unschuldiges Lächeln umspielte ihre Lippen und ruhig strich sie mit ihren Händen ihre Kleidung glatt.

"Oh, könntest du das bitte lassen? Ich finde das sehr irritierend, dieses `nun bist du da und dann doch wieder nicht´.", sagte Sam leicht verärgert.

Sie stand dann auf und ging auf ihre Zimmertür zu, denn langsam plagte sie doch der Hunger.
Was nach diesem missglücktem Mittagessen auch kein Wunder war.

Ruhig folgte Janet Sam die Treppe herunter und setzte sich dann gemütlich auf einen der Küchenstühle, während sie zu sah wie Sam anfing in der Küche herum zu werkeln. Es sollte wohl Nudeln mit irgendeiner Soße geben. Interessiert sah sie zu wie die Blondine einiges zusammen mixte, doch auf einmal brach sie die Stille.

"Bist du sicher, dass so viel Salz in das Nudelwasser gehört?"

Mit dem Salzstreuer noch in der Hand, drehte Sam sich um.

"Irgendein Kommentar von den billigen Plätzen?", fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Was... nein, nein, nichts. Ich dachte nur ...", wehrte Janet mit einem Lächeln ab und hielt ihre Hände entschuldigend hoch.

„Ist auch besser so. Salz kann sehr wehtun wenn man es als Wurfmittel missbraucht.", sagte sie und drehte sich dann wieder zum Topf um.

"Irgendwie glaub ich dir das auf's Wort", war Janets leise gemurmelte Antwort, während sie weiter zu sah wie Sam nun noch etwas Pfeffer in das Wasser tat.

"Ist auch besser so … aber sei froh das du nicht mitessen musst. Ich musste vorher nie kochen und nun muss ich das erst alles noch lernen.", sagte Sam mit einem leichten Lächeln im Gesicht.

"Das ... kann ich kaum glauben.", war Janets trockener Kommentar als sie weiter Sam zusah. Diesmal griff sich die Blondine den Paprikastreuer und würzte damit die Bolognese.

"Äh Sam, du weißt aber schon das es nun sehr scharf wird oder?", fragte sie zaghaft.

"Sicher, deswegen mache ich das ja auch. Er ist gerne scharf. Meine …"

Doch hier stockte Sam und schaute abwesend auf den Topf.

Wieder nutzte Janet ihre Vampirschnelligkeit und war innerhalb einer Zehntelsekunde bei ihrer Freundin. Vorsichtig schlang sie ihre Arme um deren Mitte und zog sie an ihre Brust. Sanft legte sie ihren Kopf auf deren Schulter.

"Hat sie gerne gekocht?", fragte sie leise und küsste vorsichtig Sams Nacken.

Sam konnte jedoch nur nicken. Denn sie befürchtete, dass sie sonst anfing zu weinen. Doch dann fiel ihr etwas an Janets Gesagtem auf.

"Woher weist du das überhaupt, dass sie …", sagte sie leise und beendete den Satz jedoch nicht.

Wenn Janet rot werden könnte, würde sie es in diesem Moment werden. Zumindest sah ihr Gesicht eindeutig leicht beschämt aus, als sie leise zugab.

"Na ja, im Krankenhaus ... du weißt schon ... ich hatte mir Sorgen um dich gemacht und hab vielleicht ... also etwas ... belauscht was in deinem Zimmer vorging."

Janet konnte spüren, dass Sams Körper sich leicht anspannte.

"Ok …", sagte sie langsam und versuchte nicht sauer zu werden.

Sie konnte verstehen, dass Janet sich Sorgen gemacht hatte, aber sie war selbst mit diesem Thema, wie sie es nur noch bezeichnete, noch nicht richtig fertig. Doch Janet schien ihren Stimmungsumschwung zu merken. Vorsichtig löste sie sich von Sam und ergriff danach deren Hand, die vorher nur auf der Küchenplatte gelegen hatte. Immer noch so vorsichtig als wäre Sam aus Glas hob sie deren Hand an ihre Lippen und küsste leicht ihre Fingerknöchel.

"Tut mir leid... ich weiß, dass ich dies nicht hätte tun sollen, aber ... an diesem Tag konnte ich nur daran denken, dass du beinahe gestorben wärst ... und mein Vater wollte mir nichts verraten wegen der ärztlichen Schweigepflicht ... bitte verzeih mir."

Nicht lauter als ein flüstern war ihre Stimme, während sie ihren Blick ins Sams bohrte.

"Schon gut.", sagte Sam leise und zog Janet in ihre Arme. Sie vergrub ihr Gesicht in Janets Haare und schloss die Augen.

"Es ist in Ordnung … es ist nur so … ich komme damit noch nicht richtig klar. Sie war solange immer für mich da und nun nicht mehr … und Dad kann mir da nicht wirklich helfen … Er hat sie so lange nicht mehr gesehen, geschweige denn gesprochen …", wisperte Sam und drückte Janet noch mehr an sich.

"Ich weiß ...", flüsterte Janet und schlang ihre Arme um das größere Mädchen. "Als ... als meine Eltern gestorben sind, empfand ich ähnlich."

"Also … sind Esme und Carlisle nicht deine richtigen Eltern?", fragte Sam zaghaft und löste sich leicht von Janet, um ihr in die Augen sehen zu können.

Kurze Zeit herrschte Stille in der Küche, ehe Janet leise anfing zu lachen.

Sam drückte kurz Janets Hände etwas fester und sah sie dabei irritiert an.

"Tschuldige", gluckste Janet immer noch leicht als sie hoch zu Sam sah.

"Nur. .. spielen wir wirklich so gut die Rolle der Familie? Wir versuchen es immer, aber ... wir sehen uns alle nicht ähnlich. Kann man wirklich glauben, dass wir verwandt sind? Hat dir Jessica, das Plappermündchen, nicht gesagt, dass wir alle die skandalösen Adoptivkinder von Carlisle sind?"

Sam schaute sie leicht betreten an.

„Doch, sie hatte es erwähnt. Ich habe es nur wieder vergessen. Es ist so viel passiert … ich muss mich um das Essen kümmern."

Sam drehte sich wieder zu den Nudeln und der Soße um, doch sie behielt Janets Hand in ihrer. Leise lächelnd strich Janet mit ihren Fingern über Sams.

"Ist doch nicht schlimm ... es freut mich, dass man uns für eine Familie halten kann. Carlisle und Esme ... haben so viel für mich getan, dass ich sie wirklich als meine Eltern ansehe. Genauso wie ich Alice, Emmett, Jasper und Rose als meine Geschwister sehe.", erklärte sie ruhig als sie zusah wie Sam die Bolognese umrührte.

"Das ist schön … das ihr einander habt. Und es ist sicher toll Geschwister zu haben. Ich hatte immer gehofft, dass ich noch ein Geschwisterchen bekomme. Aber … naja …", sagte Sam und stellte den Herd komplett aus.

Jeder andere hätte Sam jetzt vielleicht gefragt, was bei ihren Eltern nicht geklappt hat oder warum ihre Eltern nicht neu geheiratet haben, doch Janet blieb still. Stattdessen ging sie zu einem der Hängeschränke und holte mehrere Teller heraus. Ohne einen Laut deckte sie den Tisch, während sie Sam nach einigen Sekunden der Stille fragte.

"Nun... ich kann dich beruhigen. Geschwister können auch sehr nerven, aber was ich dich noch fragen wollte. Möchtest du nun wirklich mit mir zum Ball gehen? Wenn du wirklich nicht willst, kann ich Alice bestimmt überreden dich in Ruhe zu lassen."

Sam goss die Nudeln ab und ließ kaltes Wasser drauf laufen.

"Naja … eigentlich wollte ich nicht zum Ball gehen, aber da du nun da bist, würde ich sehr gerne mit dir dahin gehen.", sagte Sam strahlend und löffelte sich Nudeln auf den Teller.

"Und du möchtest wirklich nichts?", fragte sie schmunzelnd.

"Eh... nein... wenn gleich es wirklich, wirklich lecker aussieht", war Janets schnelle Antwort.

Sam blickte sie ungläubig an und löffelte sich ein wenig Soße auf ihren Teller. Sie setzte sich und fing dann an zu essen.

"Uhm … naja … ich habe schon schlimmeres gegessen.", sagte sie achselzuckend und aß weiter.

Fassungslos sah Janet zu wie Sam Bissen für Bissen ihren Teller leerte. Immer leerer wurde der Teller und der Blick der Brünetten immer ungläubiger. Als wenn sie es gar nicht mitbekam, wanderte ihre eine Hand hoch an ihren Mund und ihre andere legte sich auf ihren Magen. In dieser Position sah sie weiter Sam zu.

Als Sam fertig war, realisierte sie erst wirklich, in welcher Position Janet ihr zusah.

"Ist alles in Ordnung?", fragte sie leicht besorgt.

Ihr Blick blieb dabei an Janets behandschuhten Händen hängen.

"Ja, ja", winkte diese jedoch ab und atmete leicht aus.

"Ok … wenn du meinst … sag mal, warum trägst du denn nun überhaupt Handschuhe?", fragte Sam sie noch immer mit einem besorgtem Blick in den Augen.

Für einen Moment schwieg Janet, doch dann sagte sie leise: "Zu meinem Schutz."

"Willst du es mir erzählen?", fragte Sam vorsichtig.

Sie griff über den Tisch und strich zart über Janets Finger.

"Ich vertraue dir und wir sind jetzt ein Paar, also ... ja.", fing Janet an und ergriff mit einem Lächeln wieder Sams Hand.

"Manche Vampire ... haben bestimmte Begabungen. Durch die Verwandlung von Mensch in Vampir verstärken sich die ureigenen Fähigkeiten. Dies können normale Dinge sein wie z.B. bei Rosalie ihre Schönheit, bei Emmett seine Stärke, Esme ihre Güte und Freundlichkeit oder bei Carlisle sein Mitleid und dadurch seine Gabe dem menschlichen Blut so gut zu widerstehen."

Hier stockte Janet für einen Moment, doch schon nach einigen Sekunden sprach sie weiter, aber diesmal ... diesmal vermittelte ihre Stimme ein Gefühl des Hasses.

"Manchmal ... haben Menschen natürlich auch besondere Gaben. So wie es anscheinend bei mir, Alice und Jasper der Fall war. Alice kann nun in die Zukunft sehen, Jasper Emotionen beeinflussen und ich ... ich kann durch eine simple Haut-auf-Haut-Berührung Verletzungen, sowohl körperlicher als auch seelischer Natur, entdecken und, wenn sie nicht so stark sind, heilen."

„Oh … wow … das ist ja … wow.", sagte Sam sprachlos.

Einen kurzen Moment zögerte sie bevor sie weiter fragte.

„Deswegen hast du mich auf dem Dach so angesehen, als ich dir den Handschuh ausgezogen und deine Haut berührt habe?"

"Ja... und es tut mir leid."

Janets Stimme war leise, doch Sam konnte sie klar und deutlich verstehen.

"Aber warum denn? Es muss dir doch nicht leid tun … eher sollte ich mich entschuldigen.", sagte Sam mit jedoch mit deutlicher Panik in der Stimme.

Sie stand ruckartig auf und fing an ihren Teller und das Besteck wegzuräumen.

"Sam?", fragte Janet leise und stand langsam auf.

"Was ist los?"

Die Blondine schüttelte jedoch nur den Kopf und räumte dabei die Töpfe weg.

"Nichts … schon gut."

Janet hielt sie jedoch am Arm fest und drehte sie zu sich um.

"Sam … was ist los ?", fragte sie nun etwas drängender.

"Was ... Hast du was bei mir gefühlt ?", brach es dann auf aus Sam heraus.

"Hast du die ganze Zeit gewusst, was ich gefühlt habe!"

Wütend blickte die Blondine in die Augen ihrer Freundin, selbst nicht verstehend warum sie so emotional reagierend. Sie wusste nur, dass sie in diesem Moment Verrat und Angst fühlte.

"Was soll das Sam? Ich habe es doch nicht mit Absicht getan. Und ich konnte es dir ja wohl schlecht erzählen, dass ich weiß wie du dich fühlst.", verteidigte Janet sich.

"Gott, fuck.", Sam konnte nicht anders als leise zu fluchen.

All diese Dinge, die sie in den Momenten gefühlt hatten, wo Janet sie berührt hatte. Sie hatte all dies mitbekommen. Jeden Augenblick des Ärgers, der Angst, der Wut und der ... Erregung.

Erschöpft drückte sie ihre Handballen auf ihre Augen als wollte sie die ganze Welt in diesem Moment aussperren.

"Sam?", fragte die Brünette leise.

Vorsichtig trat sie auf Sam zu und legte zaghaft ihre Hand auf dessen Arm.

"Scheiße." ließ diese jedoch nur leise verlauten und weigerte sich hochzusehen.

"Du hast alles mitbekommen. Einfach alles! Weißt du wie das ist? Ich kenne selbst kaum meine Gefühle oder was ich von allem halten soll und du …!"

"Und was soll ich deiner Meinung jetzt sagen?", erklang auf einmal Janets Stimme mit einem scharfen Unterton.

"Ich wollte deine Gefühle nicht lesen. Nicht umsonst trage ich immer Handschuhe und außerdem kann ich sowieso kaum was bei dir empfangen!"

Sam zuckte sehr leicht unter ihrem Ton zusammen. Sie konnte Janet nicht ansehen. Ihre Stimme war anklagend und Sam wusste, dass sie ihr wehgetan hatte. Doch plötzlich kam ihr noch etwas anderes in den Sinn.

"Was meinst du damit, dass du bei mir nichts empfängst? Ich bin doch kein Radio."

Janet konnte nicht anders. Sie musste leise auflachen und immer noch mit einem Grinsen auf ihrem Gesicht, sprach sie weiter.

"Natürlich nicht, aber ... es ist. .. als hättest du einen Schutzwall um deinen Geist. Wenn du besonders starke Gefühlswallungen hast, höre ich davon ein leichtes Echo, aber sonst ... sonst bist du wie ein weißer Fleck. Ich empfange nichts von dir."

Sam runzelte die Stirn.

"Ich bin also was … ein Freak?", fragte sie ungläubig.

"Nun ja... wenn du es so nennen willst."

Leicht zuckte sie mit ihren Schultern. Ihr Gesicht war entschuldigend, als sie nickte.

„Na super.", nuschelte Sam frustriert und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

Dann löste sie sich von Janet und ging zur Küchentür.

"Sam warte. Sammy! So habe ich das doch nicht gemeint!"

Innerhalb von Sekunden hatte sie der Blondine den Weg versperrt.

"Das meinte ich nicht böse. Außerdem, wenn hier jemand der Freak ist, dann bin ich es wohl."

Sam fasste Janet an den Schultern und versuchte sich an ihr vorbeizudrängen.

"Ich wollte nur nach oben und du kannst doch mit", sagte sie mit einer Stimme, die vor Sarkasmus triefte, doch dann fügte sie noch mit leiser Stimme an: "… und bitte … nicht Sammy."

Still nickte Janet und folgte Sam die Treppe wortlos hinauf. Erst als sie wieder im Zimmer der Blondine waren, erhob sie wieder ihre Stimme.

"Es ... ich meinte es wirklich nicht böse, aber du ... verwirrst mich einfach nur."

Kurz huschte ein ironisches Lächeln über Janets Lippen, doch gleich darauf war sie wieder ernst.

"Meine Gabe ... war immer mehr Fluch als Geschenk. Doch als ich auf einmal nichts mehr spürte, war es als fehlte ein Stück meiner Selbst. Einerseits hasste ich dich dafür, aber andererseits ... hast du mich fasziniert. In meinem Kopf kreisten Fragen wie warum kann ich bei dir nichts empfinden, was ist an dir besonders, welche Geheimnisse birgt sie. Ich wollte unbedingt die Antworten dazu finden und ... das hat mir Angst eingejagt. Ich hatte es noch nie, dass mich ein Mensch so ... in seinen Bann gezogen hatte. Selbst jetzt, wo ich einige Male unbeabsichtigt Einblick in deine Gefühle bekam, bist du für mich immer noch ein großes Rätsel und ... irgendwie bin ich darüber dankbar, den ... ich möchte die Lösung zu dir gerne selbst herausfinden... ohne meine Gabe."

Die ganze Zeit hatte Janet still nach draußen gesehen als sie geredet hatte, doch bei ihren letzten Worten drehte sie sich weg vorm Fenster und blickte Sam endlich an. Die hatte sich mittlerweile aufs Bett gesetzt und schaute Janet verblüfft an.

"Was... was willst du damit sagen?", fragte sie leise.

Es war, als wenn sie vor Hitze vergehen würde. Sie breitete sich in aus und erfüllten sie komplett bis zu in die Fingerspitzen. Schon lange war sie nicht mehr mit so viel Glück und Freude erfüllt gewesen.

Sam hatte versucht, den leeren Platz in ihrem Herzen zu verbergen, doch es war immer vergebens. Sie merkte gar nicht, wie ihr langsam die Tränen übers Gesicht liefen. Doch während Träne für Träne über ihre Wangen lief, konnte sie doch nicht vergessen, dass Janet in ihr tiefstes Inneres vorgedrungen war.

Ja, sie hatte es nicht mit Absicht getan, doch Sam hatte noch niemanden, selbst ihr Mutter, nicht ihr vollkommen wahres Ich gezeigt. Sie wusste nicht was sie fühlen sollte ... einerseits war sie wütend auf die Kleinere und andererseits ... wollte sie einfach nur umarmen und küssen.

Währenddessen realisierte Janet, dass Sam weinte. Keine Sekunde später war sie bei Sam und legte die Arme um sie. Sanft wiegte sie Sam hin und her.

"Nicht weinen. Irgendwie sage ich heute wohl nur Schrott. Es tut mir leid", murmelte sie und vergrub ihr Gesicht zwischen Sams Haar und ihrer Schulter.

"Entschuldige dich nicht immer und es sind glückliche Tränen.", sagte Sam leise und strich ihr kurz durchs Haar.

Zärtlich griff sie Janet unters Kinn und brachte sie dazu, dass Janet sie ansah. Dann beugte Sam sich vor und küsste sie kurz auf die Lippen.

"Ich wollte dich nicht so anfahren … es tut mir leid. Ich … niemand weiß so viel über mich wie du nun.", sagte Sam beschämt.

"Ich weiß ... und wie wäre es damit. Wir spielen 20 Fragen, nur das eben nur ich die Fragen beantworte?"

Janets Stimme war ruhig, doch ihr Lächeln und der kleine Kuss, den sie auf Sams Schläfe drückte, zeigte was sie nicht aussprach. Doch Sam grinste sie einfach nur an.

"Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du zu viel redest?"

"Was meins …", fing Janet an.

Sam drückte sie jedoch nach hinten aufs Bett.

"Halt einfach die Klappe.", sagte sie leise, drückte sacht ihren Mund auf Janets und schon bald waren alle anderen Gedanken verschwunden.

Das einigste was jetzt noch zählte, war den Körper des anderen zu fühlen und sie beide taten dies mehr als genug ...

Ende Kapitel 34