Kapitel XXXIV

Han war den Großteil der Nacht wach und dachte an Leia und ihren Kuss. Und daran, wie Vaders Reaktion ausfallen würde, wenn er es je herausfand. Und er dachte an das Glasstück des Holocubes, das Vader als Kind zeigte (Vader war ein Kind gewesen. Wer hätte das denn gedacht?).

Aber meistens dachte er an Leia.

Er hoffte, dass sie den Kuss nicht bereute. Es war der beste Augenblick in seinem ganzen Leben gewesen, und er hoffte, dass es in Zukunft noch mehr davon geben würde.

Wenn es Vader nichts ausmachte – oder er es überhaupt nicht herausfand, versteht sich.

Han stöhnte innerlich und zog sich das Kissen übers Gesicht. Was sollte er wegen Vader machen?


Nein, nein, nein, nein, nein! Das Wort hallte in Vaders Kopf, als er in seinem Quartier hin und her ging, wie er es die ganze Nacht lang getan hatte, wobei ihm immer dieselben Gedanken im Kopf herumgingen. Aber, aber, aber... NEIN! Das kann mir jetzt nicht passieren! Warum ich?

Er warf einen Blick auf die Uhr. Polor würde inzwischen wach sein und ihn schon erwarten. Normalerweise hätte er kein Problem damit, den Arzt aufzuwecken, aber er hatte seine Pläne ändern müssen, jetzt, da Sidious ihn in einem Monat wieder auf Coruscant haben wollte... und er hatte sich nicht mit Polors Antwort herumschlagen wollen, wenn der Arzt mitten in der Nacht erfuhr, dass die Operation vertagt werden musste. Sanftmütig, wie er wirkte, konnte Polor ziemlich respekteinflößend sein, wenn er unglücklich war und ihm der Schlaf geraubt wurde. Vader hatte das auf die harte Tour gelernt, damals, bei seinem ersten Besuch bei dem Arzt, bevor er ihm eine Stelle als sein Mitarbeiter angeboten hatte.

Er schlich aus seiner Suite und dachte immer noch über seine Pläne und die Vorbereitungen nach, die er treffen musste. Mach die Executor startklar. Sag es Jade und Solo und Piett und Jix. Fleh Luke und Leia an, sich der Dunklen Seite zuzuwenden. Lass dir einen tadellosen Plan einfallen, Sidious zu töten. AH! Was zur Hölle soll ich machen?

„Ah, Lord Vader! Gut, Sie sind pünktlich!"

Polor sah beinahe aufgeregt aus, als er sich ein Paar Chirurgenhandschuhe schnappte. Vader zuckte innerlich zusammen. Zeit, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen...

„Eigentlich, Doktor... ich hab letzte Nacht einen Anruf vom Imperator bekommen. Er wünscht, dass ich innerhalb eines Monats nach Coruscant zurückkehre; mit der Reise und allem haben wir keine Zeit für diese Operation." Da, schieb es Sidious in die Schuhe... er ist so ein guter Sündenbock...

Polors Miene wurde absolut ausdruckslos, aber sein Blick war messerscharf.

„Natürlich können Sie sich dem Imperator nicht widersetzen", sagte er ruhig.

Vader nickte unbehaglich und sah dabei zu Boden, dann drehte er sich um, um zu gehen.

„Das ist alles, was ich sagen wollte."

„Lord Vader."

Vader hielt mitten im Schritt inne. Er kannte diesen Tonfall. Es war Polors Streiten-Sie-nicht-mit-mir-Stimme.

„Sie haben dieser Operation zugestimmt. Glauben Sie bloß nicht, dass ich das vergessen haben werde, wenn diese ganze Geschichte vorbei ist."

Vader drehte sich um, um den Arzt anzusehen. „Werde ich nicht. Und... äh, Polor?"

Polor hob eine Augenbraue.

„Ja, Mylord?"

Vader lächelte schmal und schmerzerfüllt.

„Kann ich ein Schmerzmittel haben?"


Vader arbeitete während des allmorgendlichen Trainings mit den Zwillingen, aber sobald es vorbei war und Mara Jade wie üblich zur Tür hinaus gedonnert war, rief er seine Kinder zu sich.

Sie näherten sich ihm vorsichtig, beinahe so, als gingen sie zum Schafott, und Vader zuckte innerlich ein bisschen zusammen. Er hatte nie gewollt, dass sie ihn fürchteten... oder?

Es gab mal eine Zeit, flüsterte die nervtötende, leise Stimme viel zu vergnügt für Vaders Geschmack.

„Ich habe entschieden, eure Strafe aufzuheben", sagte er Luke und Leia, als sie zu ihm kamen. „Ihr werdet heute Nachmittag nicht zum Dienst erscheinen müssen, oder heute Abend zum Unterricht. Ihr dürft auch in eure Quartiere zurückkehren."

„Und wir dürfen wieder miteinander reden?", fragte Luke hoffnungsvoll.

Vader nickte. „Natürlich."

Sein Sohn jubelte und umarmte Leia stürmisch, dann wich er zurück und packte ihre Hand. „Los, wir gehen fliegen!", sagte er aufgeregt.

„Fliegen?" Leia schnitt ihm eine Grimasse. „Das hier ist unser erster Tag, unsere erste Stunde in Freiheit, und du willst fliegen gehen?"

„Äh, jaah", erwiderte Luke, als gäbe es keine Alternative.

Leia verdrehte die Augen. „Dann reden wir heute Abend, Fliegerjunge."

„Was, du willst nicht?"

„Äh, nein", machte sie ihn nach. „Viel Spaß."

„Nimm jemanden mit", warf Vader ein. Beide Zwillinge sahen ihn verblüfft an, als hätten sie vergessen, dass er da war.

„Wen zum Beispiel?", fragte Luke argwöhnisch.

„Jix oder Han... oder einen von den anderen Piloten. Jemanden, der sich gut genug auskennt, um zu verhindern, dass du dich verirrst."

Luke dachte einen Augenblick nach.

„Mara?", fragte er.

Er sah für Vaders Geschmack viel zu aufgeregt aus, wenn er Zeit mit Jade verbringen wollte.

„Meinetwegen", stimmte er zu und versuchte, lieber nicht allzu scharf darüber nachzudenken, wie gut sich die Hand des Imperators auf seinem Planeten auskannte.

Luke jubelte wieder und rannte mit Höchstgeschwindigkeit aus der Halle. Vader drehte sich um, um die Trainingsklingen und die Ausrüstung wegzubringen, die sie heute verwendet hatten, und erwartete, dass Leia ihrem Bruder aus dem Raum folgen würde.

„Irgendwas stimmt nicht", sagte sie stattdessen, blieb, wo sie war und redete tatsächlich höflich mit ihm.

„Anscheinend hast du bei deinem Machttraining besser aufgepasst, als ich angenommen habe", bemerkte er leichthin, in der Hoffnung, dem Thema auszuweichen.

Sie hob empört das Kinn. „Ich bin auch Politikerin", erinnerte sie ihn eisig. „Ich bin darin geübt, es zu merken, wenn sich jemand seltsam verhält."

„Ich verhalte mich nicht seltsam", erwiderte er automatisch.

„Doch, tust du." Sie hob eine Matte auf und folgte ihm in den Geräteraum. „Du bist angespannt und pingelig, und ich bin mir sicher, dass das nicht nur damit zu tun, dass Polor sauer auf dich ist."

Er warf ihr einen verblüfften Blick zu.

„Woher weißt du davon?"

Sie wedelte herablassend mit der Hand.

„Das weiß jeder. Wohlgemerkt, nicht warum, aber alle wissen, dass er sauer ist und dass es deine Schuld ist."

„Toll", murmelte er.

Er schichtete seinen eigenen Mattenstapel auf die eine, die sie an die Wand gelegt hatte und drehte sich um, um zu gehen, stellte dabei aber fest, dass Leia im Eingang stand.

„Also?", verlangte sie zu wissen.

Er seufzte, fuhr sich mit der Hand über den Kopf und wünschte sich, er hätte Haare, um seine Finger darin zu vergraben.

„Der Imperator will, dass wir nach Coruscant zurückkehren."

Sie blinzelte, während sie diese Information verarbeitete. „Das ist früh."

„Das ist entnervend. Das ist, was es ist. Er hat mir gesagt, er würde mich – uns – nicht vor Ablauf eines Jahres zurückrufen." Er schob sich an ihr vorbei in die Trainingshalle.

„Es war nur ein Monat!", rief Leia.

Er drehte sich um und sah ihr direkt in die Augen, ließ seine Schilde sinken und seine Sorge zu ihr fließen.

„Genau."


Luke packte Maras Hand und rannte los zur Landebucht, als das Mädchen seine Zimmertür geöffnet hatte, um ihn zu fragen, warum er nicht zu seinem abendlichen Unterricht bei ihr aufgetaucht war. Verblüfft, wie sie war, ließ sie es zu, dass er sie etwa zehn Meter mit sich zerrte, dann stemmte sie ihre Füße in den Boden und nahm dabei auch die Macht großzügig zu Hilfe. Luke keuchte bei ihrem plötzlichen Halt, verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Da Mara jedoch seine Hand nicht losließ, fiel sie auf ihn und endete auf seiner Brust liegend. Schnell sprang sie auf die Füße, wobei sie auch noch heftig – und völlig ungerechtfertigterweise – errötete.

„Was sollte das denn?", wollte sie hochmütig wissen.

Er sah zu ihr auf, wobei er so einen bemitleidenswert verletzten Gesichtsausdruck trug, dass sie beinahe leise – leise – Schuldgefühle wegen ihres Tonfalls gehabt hätte, wenn da nicht das vergnügte Funkeln in seinen Augen gewesen wäre. So, wie es war, musste sie all ihre Kraft darauf verwenden, bei diesem Funkeln nicht in die Knie zu gehen.

Was ist los mit mir?

„Ich wollte nur, dass jemand mit mir fliegt", sagte er unschuldig. „Jetzt, wo ich keinen Hausarrest mehr habe. Und du warst eben die erste Person, die ich getroffen hab."

„Und das soll ich glauben?", schnaubte sie ungläubig.

Er riss die Augen auf. Seine großen, sanften, schönen blauen Augen.

„Bitte, Mara?", bettelte er. „Ich hab das Innere eines Schiffs seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen."

„Ich bezweifle, dass es so lange her ist", brummte sie, ließ die Schultern aber in widerstrebender Akzeptanz sinken.

Er sprang auf die Beine und schnappte wieder ihre Hand.

Sie riss sich sofort los.

„Tu das nicht", sagte sie ernst und führte ihn zur Landebucht.


„JUUUUUHUUUUUUUUU!", schrie Luke überschwänglich durch das Funkgerät, das in den Helm eingebaut war, den er trug, als er und Mara durch die Schluchten von Vjun flogen.

Mara war versucht, ihn anzuschreien, weil er ihr Trommelfell so strapazierte, aber sie merkte, dass sie sich kaum das Lachen über seine Possen verbeißen konnte.

„Wer schneller am Ende der Schlucht ist", forderte Luke sie heraus.

Mara biss sich auf die Lippe, als ihr Lächeln sich verbreiterte. Sie konnte einer Herausforderung nie widerstehen.