Berserkgorilla: Danke für das Kompliment, allerdings ist das wechseln der Schauplätze ein Stilmittel, dass ich nicht in allen Kapiteln einsetze. Das würde zu stereotyp wirken. Dieses Kapitel zum Beispiel hat mal wieder einen einzigen Handlungsstrang.

Slytherin Lord: Wie du ja weißt, liebe ich Cliffhanger. Sie sind so schön gemein :-) Was Ginny angeht würde ich doch sagen, dass sie Neville nicht wirklich in Gefahr bringen würde. Und wenn Neville es mit sich machen lässt – wieso nicht?

Disclaimer: Nichts von dieser Geschichte gehört mir, außer einigen unbedeutenden Nebencharakteren. Alle Rechte bei J.K.Rowling.

Harry Potter

Die Jagd

Kapitel 37

Auf dem richtigen Weg

Als Harry die Tür ihres Versammlungsraumes in der heulenden Hütte öffnete, sahen ihm drei Augenpaare ungeduldig entgegen. Ron, Hermine und Ginny hatte ein Feuer im Kamin entfacht und an den Holzscheiten konnte man erkennen, dass sie nicht erst seit fünf Minuten brannten.

„Das hab ich ja gern." Kam prompt der Kommentar von Ron. „Erst Panik schieben, und sich dann verspäten. Wir sitzen auf glühenden Kohlen, mein Freund!" Der leicht gönnerhafte Tonfall mochte nicht so recht zu ihm passen.

Harry grinste, zwang sein Gesicht aber sofort wieder zur Ruhe. „Es tut mir leid. Es gab da noch ein paar Kleinigkeit zu erledigen. Seid ihr gut an der McGonagall vorbei gekommen?"

Jetzt war es an Ginny zu grinsen. „Da mach dir mal keine Sorgen. Um die kümmert sich Neville." Und auf Harrys überraschtes Augenbrauen hochziehen fügte sie hinzu: „Glaubst du, du bist der einzige, der gut im intrigieren ist? Ich bin lange Jahre bei Fred und George in die Lehre gegangen."

Hermine hatte sich bisher zurückgehalten. Sie hatte gewartet, bis sich Harry ans Feuer gesetzt hatte. „So, jetzt reicht es aber mit den Spielchen. Ich vermute, du hast etwas sehr wichtiges auf dem Herzen. Die Münze hätte mir beinahe ein Loch in die Hand gebrannt. Rück also heraus mit der Sprache."

Ron und Ginny nickten zustimmend und Harry begann. „Ihr habt recht. Ich habe etwas herausgefunden. Und dafür brauche ich eure Hilfe."

„Das ist ja mal was Neues." murmelte Ron. Jedoch so leise, dass Harry sich nicht genötigt sah, darauf einzugehen.

„Was können wir denn für dich tun?" Fragte Ginny honigsüß, aber mit gefährlichem Unterton.

Harry schaute ein wenig verlegen in die Runde. „Nun ja – ich muss nach Hogwarts. Und ich brauche jemanden, der mich hineinschmuggelt."

Hermine lachte. „Und dass, wo du dir solche Mühe gemacht hast, dieses Jahr nicht nach Hogwarts zu gehen. Warum fragst du nicht einfach Professor McGonagall? Ich vermute, sie wird dich gern empfangen."

„Mit Sicherheit sogar." sagte Harry. „Aber sie wird mir die gleiche Frage stellen, die ihr mir gleich stellt. Und ich bin nicht im mindesten daran interessiert, sie ihr zu beantworten. Und habt ihr schon mal versucht, der McGonagall etwas vorzumachen?"

„Frage?" Hermine stutzte. „Oh – Du meinst: Was willst du denn in Hogwarts?"

„Ganz genau. Und die wahrheitsgemäße Antwort lautet: Einen Horkrux herausholen." Drei Hogwartsschüler holten zischend Luft. „Und jetzt multipliziert diese Reaktion mal mit hundert und ihr wisst, was für einen Aufstand McGonagall machen wird. Natürlich erst, wenn ich ihr erklärt habe, was ein Horkrux überhaupt ist. Sie wird im Dreieck springen, das garantiere ich euch. Und ihr glaubt doch nicht, dass sie mich in aller Ruhe im Schloss herumspazieren lassen wird und dann auch noch, gewissermaßen als Zugabe, mit den Horkrux in der Hand, einfach so wieder gehen lässt."

Ron nickte. „Sehe ich ein. Das würde problematisch."

Hermine beschäftigte ein anderes Problem. „Wie kommst du denn so plötzlich darauf, dass einer der Horkruxe in Hogwarts versteckt ist?"

„Dumbledore hat mich darauf gebracht. Letztes Jahr. Ihr wisst doch, dass er mir all diese Erinnerungen in seinem Denkarium gezeigt hat. Ich habe mir diese Erinnerungen immer und immer wieder vor Augen geführt und nach Andeutungen gesucht."

„Aber warum Hogwarts?" fragte Ginny.

„Das ist eigentlich ganz logisch. Alle Horkruxe, von denen wir wissen, hat Voldemort an Orten versteckt, die wichtige Stationen in seinem Leben waren. Und Hogwarts war eindeutig eine sehr wichtige Phase seines Lebens."

„Schön." sagte Hermine. „Das ist sicher wahr, aber Voldemort hat die Horkruxe doch erst erschaffen, nachdem er schon lange mit der Schule fertig war. Wie will er sie in Hogwarts versteckt haben?"

„Indem er unter gutem Vorwand später noch einmal ins Schloss zurückgekehrt ist. Dumbledore hat mir eine seiner eigenen Erinnerungen gezeigt. Voldemort ist zu ihm gekommen, nachdem er bereits Schulleiter geworden war, um sich für den Posten als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu bewerben. Ich denke nicht, dass er überhaupt damit gerechnet hat, bei Dumbledore als Schulleiter eine Chance auf diese Stelle zu haben. Aber es war ein ausgezeichneter Vorwand."

Aber Hermine hatte einen weiteren Einwand. „Du meinst also, dass er bei dieser Gelegenheit den Horkrux im Schloss versteckt hat. Aber wie kommst du darauf, dass er dies direkt unter Dumbledores Augen getan haben könnte? Er war schließlich schon immer sein schlimmster Gegner. Glaubst du nicht, er könnte sich einen Platz aussuchen, der etwas sicherer wäre?"

Harry grinste verschmitzt. „Es sei denn, Voldemort kannte einen Ort im Schloss, von dem er sich absolut sicher sein konnte, dass Dumbledore ihn niemals betreten würde. Einen Raum, den seines Wissens nach nur ein Mensch auf der Welt öffnen konnte." Bei diesen Worten suchte Harrys Blick die Augen Ginnys. „Nur ein Mensch, er selbst."

Für einen Moment schaute ihn Ginny völlig verständnislos an, doch dann fiel der Sickel. Ginny riss die Augen auf. „Die Kammer!" rief sie.

„Die Kammer." bestätigte Harry.

„Die Kammer?" fragte Ron. „Du meinst die Kammer des Schreckens? Aber wieso das denn?"

Hermine gab ihm einen leichten Klaps auf den Hinterkopf. „Aber natürlich. Das ist ja sonnenklar. Einfach brillant, Harry. Nur ein Parselmund kann jemals die Kammer öffnen und zu allem Überfluss wartet auf der anderen Seite der Tür ein Basilisk darauf, alles zu töten, was sich ihm in den Weg stellt."

„Aber Harry und Ginny waren schließlich auch in der Kammer." Kam es von Ron.

„Natürlich. Harrys Fähigkeit mit Schlangen zu sprechen hat er von Voldemort. Und Ginny hat die Kammer mit Hilfe des Tagebuches geöffnet. Gewissermaßen war es also gar nicht Ginny, sondern Voldemort, der die Tür geöffnet hat." Hermine griff sich an die Stirn. „Das Buch – natürlich. Warum bin ich nicht früher darauf gekommen."

Ron schaute sie fragend an. „Was meinst du? Wir wissen doch, dass das Buch eines der Horkruxe war."

„Ja Ron. Aber das meine ich nicht. Harry hat das Tagebuch unten in der Kammer zerstört. Deshalb habe ich niemals damit gerechnet, dass die Kammer selbst ein Versteck für einen weiteren Horkrux sein könnte. Für mich gehörte Buch und Kammer immer untrennbar zusammen. Aber das ist natürlich Unsinn."

„Ganz genau." Kam es jetzt wieder von Harry. „Das Tagebuch war in die Obhut von Lucius Malfoy gegeben. Weit entfernt von der Kammer des Schreckens. Dass sie zusammengeraten sind, war doch eher Zufall. Und selbst wenn es von Voldemort beabsichtigt war, dass irgendwann einmal ein Schüler mit Hilfe des Tagebuches die Kammer öffnet und das Monster auf die Schülerschaft loslässt, dann sah er seinen Horkrux dadurch noch lange nicht in Gefahr."

„Und nach der Geschichte damals hat niemand die Kammer durchsucht?" fragte Ron.

„Im nach hinein kommt es mir auch seltsam vor." meinte Harry nachdenklich. „Aber ich für meinen Teil habe die Kammer kein zweites Mal geöffnet. Und das Tagebuch war vernichtet. Dumbledore oder sonst jemand aus dem Lehrerkollegium kann also nicht hineingelangt sein. Die Kammer und damit auch der Horkrux, wenn er denn wirklich da sein sollte, und damit rechne ich inzwischen immer stärker, müssen also seit über vier Jahren unberührt sein."

„Und deshalb musst auch du nach Hogwarts hinein. Wir können dir den Horkrux nicht hinaus bringen." Spann Hermine den Gedanken weiter.

„Ganz genau. Ich bin der einzige, der die Kammer öffnen kann. Wenn ihr nicht Voldemort einladen wollt. Was wohl eine weniger gute Idee wäre."

„Aber ist Voldemort nicht nervös geworden? Er dürfte doch inzwischen erfahren haben, dass du in der Kammer gewesen bist. Und er dürfte auch wissen, dass das Tagebuch zerstört ist." Ron sprach etwas an, das auch Harry schon beschäftigt hatte.

„Sicher weiß er durch Malfoy von dem Buch. Aber er weiß nicht, ob ich oder sonst jemand etwas über den anderen Horkrux weiß. Aber selbst wenn, er konnte nichts dagegen unternehmen. Der einzige Mann, der für ihn arbeitete und freien Zugang im Schloss hatte, war Snape. Und der konnte nicht in die Kammer hinein. Und wenn er sich zu sehr dafür interessiert hätte, hätte er sich bei Dumbledore nur verdächtig gemacht. Voldemort musste sich einfach darauf verlassen, dass sein Horkrux in Sicherheit war. Außerdem denke ich, dass er gar nicht angenommen hat, dass überhaupt jemand außer ihm und vielleicht noch Professor Slughorn von Horkruxen weiß."

„Bleibt noch ein letztes Problem zu klären." Kam es von Ginny. „Wie sollen wir dich ins Schloss kriegen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind inzwischen so scharf, dass du nicht einmal mit Tarnumhang und Geheimgängen auf das Gelände kommen würdest."

„Tja – aber vielleicht gibt es da doch noch eine kleine Sicherheitslücke."

„Und die wäre?" Fragte Ron seinen besten Freund.

„Nun – ich glaube nicht, dass die Sicherheitszauber gleich Alarm schlagen, wenn eine Schlange aus der Höhle der peitschenden Weide schlängelt."

„Wenn sie von sich aus schlängelt, vielleicht doch." Meinte Hermine. „Es könnte durchaus sein, dass Professor McGonagall einen Gedanken an Voldemorts Schlange Nagini verschwendet hat. Aber wir haben noch andere Optionen." Sie schwang ihren Zauberstab und beschwor eine Umhängetasche hervor. „Ab mit dir ins Körbchen, Harry."

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Etwa eine Stunde später schlängelte sich eine ziemlich große Kobra aus Hermines Tasche. Einen Moment zischelte sie, dann verwandelte sie sich zurück in Harry, der aber weiterhin gekrümmt auf dem Boden lag und mit aller Macht die Zähne zusammen biss. Er atmete einige male tief ein, dann brachte er sich mühsam in eine sitzende Haltung. Ginny kniete sich neben ihn und stütze ihn.

Harry zog eine Phiole mit dem giftgrünen Zaubertrank hervor, den er auch bei seiner ersten Verwandlung verwendet hatte, entkorkte sie und schluckte etwa die Hälfte des Inhalts. Dann steckte er sie zurück in seine Tasche. „Ich muss ja schließlich auch wieder hier raus." sagte er, doch seine Stimme klang noch immer etwas gepresst. Dieser Trank war es auch gewesen, was er in der heulenden Hütte so lapidar als ein paar Kleinigkeiten bezeichnet hatte. Er war schon in Hogsmeade gewesen, als ihm aufgefallen war, dass er die Phiole in London vergessen hatte. Mochte apparieren auch noch so unangenehm sein, wenn man es eilig oder etwas vergessen hatte, war es ungemein praktisch.

„Ich weiß ja nicht, ob diese Verwandlung wirklich so nützlich ist, wenn sie solche Schmerzen verursacht." meinte Ron zweifelnd.

„Aber wieso? Ich bin doch drin oder? Apropos – wo sind wir?"

„Im Raum der Wünsche." antwortete Hermine. „Ich dachte, von hier aus könnten wir am besten weitermachen. Ich hoffe, du hast deinen Tarnumhang dabei?" mit diesen Worten zog sie die Karte des Rumtreibers hervor und aktivierte sie. Wie üblich erschienen Linien auf dem Pergament und bildeten die perfekte Karte von Hogwarts. Zuletzt erschienen die beschrifteten Punkte, die anzeigten, wer wo unterwegs war. Zu dieser Zeit waren es allerdings nicht mehr viele. Interessanter Weise konnten sie zum ersten Mal sich selbst nicht auf der Karte finden. Sie waren im Raum der Wünsche, und der war auf der Karte nicht eingezeichnet, wie sie im letzten Jahr herausfinden mussten.

„Hätten wir nicht direkt zum Eingang gehen können? Das hätte Zeit gespart." Harry war nicht begeistert davon, dass er jetzt auch noch kreuz und quer durch Hogwarts schleichen musste.

Doch Hermine schüttelte heftig den Kopf. „Du willst dich doch nicht vor Myrtes Augen zurückverwandeln, oder? Was meinst du, wie lange es dauert, bis auch der letzte in Hogwarts weiß, dass du ein Animagus bist. Ganz zu schweigen davon, dass du im Schloss warst und wer dir dabei geholfen hat."

So ungern er es tat, musste Harry ihr recht geben. Nichts verbreitete sich schneller in Hogwarts, als Geheimnisse.

Die Karte zeigte ihnen, dass der Weg zum Mädchenklo in dem die maulende Myrte ihr Unwesen trieb und in dem sich der Zugang zum unterirdischen Rohrsystem unter Hogwarts befand, frei zu sein schien. Hermine ging zur Tür. „Los, auf! Nur keine Müdigkeit vorschützen. Das letzte mal hab ich die Kammer ja verpasst. Ich bin schon richtig neugierig."

Ginny versuchte ihrer Stimme einen möglichst gleichmütigen Tonfall zu verleihen. „Ach was. Die Kammer wird maßlos überschätzt. Und die Inneneinrichtung ist mal so was von stillos."

Sie verließen den Raum der Wünsche und schlichen durch das verschlafene Schloss. Harry befand sich unter seinem Tarnumhang, was auch ganz gut so war, denn ansonsten hätten die anderen gesehen, dass er noch immer gebückt ging und auch ein wenig humpelte. Er musste seine Animagusverwandlung noch sehr verbessern, bevor er mit ihrer Hilfe in das Versteck Voldemorts eindringen konnte. An jeder Ecke blieben sie kurz stehen und Hermine kontrollierte auf der Karte, ob die Luft auch weiterhin rein war. Sie wollte sich gar nicht erst vorstellen, was ihnen blühte, wenn sie erwischt wurden. Aber es stimmte, was sie eben gesagt hatte. Es wurmte sie bis heute, dass sie damals in ihrem zweiten Schuljahr versteinert im Krankenflügel gelegen hatte und Ron und Harry deshalb allein mit Professor Lockhart in die Kammer hinunter gestiegen waren. Alle Erzählungen, die sie gehört hatte, konnten dieses Gefühl nicht ganz ausmerzen. Aber heute würde sie ihre Chance bekommen.

Als sie das Klo der maulenden Myrte erreicht hatten, wartete sie einen Moment, dann drückte sie vorsichtig die Klinke herunter. Hier konnten sie durchaus von jemanden erwischt werden, der nicht auf der Karte erschien. Und gerade dieser Geist hatte eine sehr durchdringende Stimme. Doch von Myrte war weit und breit nichts zu sehen oder zu hören. Vielleicht machte sie gerade eine ihrer Ausflüge in ein anderes Badezimmer, oder sie saß einfach nur in einem Abflussrohr und beweinte ihr furchtbares Schicksal. Sie hätten also doch direkt hierher kommen können. Doch hinterher war man ja bekanntlich immer schlauer.

„Ich wundere mich ja schon ein wenig, dass man hier so einfach reinkommt. Die Lehrer wissen doch jetzt, dass hier der Eingang zur Kammer ist." Ron schüttelte den Kopf.

„Ja, aber außer mir kommt ja eh keiner hinein. Und es kommt auch kein Basilisk mehr heraus."

„Aber vielleicht hat er ja Junge." Ron war sich noch immer nicht sicher, ob er zur Kammer hinunter wollte. Beim letzten mal war es keine sonderlich angenehme Erfahrung gewesen. Aber Hermine ließ seinen Einspruch nicht gelten.

„Äußerst unwahrscheinlich. Der Legende nach, schlüpft ein Basilisk aus einem Ei, das ein Hahn gelegt hat. So gesehen ist die Gefahr bei euch im Fuchsbau auf einen frisch geschlüpften Basilisken zu treffen um einiges höher, als unten in der Kammer." Wie sie es doch immer wieder schaffte, einen aufzubauen.

Harry war an das Waschbecken getreten, an dessen Wasserhahn die kleine Schlange eingeritzt war. Diesmal sollte es einfacher sein, die Wand zu öffnen, als beim letzten mal, allerdings auch schmerzhafter. Er biss die Zähne zusammen und im nächsten Moment ringelte er sich auf dem gefliesten Boden. Er hob den Kopf und zischelte mach auf in Richtung des Waschbeckens. Dann nahm er wieder seine menschliche Gestalt an. Er keuchte auf und während Ron und Hermine beobachteten, wie das Waschbecken in der Wand verschwand und den Blick auf die große abwärts führende Röhre freimachte, half ihm Ginny wieder auf die Beine. „Musst du dir das antun?"

„Es geht schon, danke. Wenn es nur für ein paar Sekunden ist, tut es schon fast nicht mehr weh. Und ich habe Probleme damit, Parsel zu sprechen, wenn keine Schlange anwesend ist." Aber Ginny sah ihm an, dass er nur den starken Mann spielte.

„Und wie hast du das das letzte Mal gemacht?" fragte Hermines

„Ich habe mir vorgestellt, die kleine Schlange am Wasserhahn sei eine echte. Aber ich habe keine Ahnung, ob das noch einmal funktionieren würde. Und dieser Weg war einfacher und schneller. Ich würde ja sagen Ladys first, aber ich denke in diesem Fall..." Er holte einmal tief Luft, die letzte frische Luft für lange Zeit, und ließ sich in das große Rohr gleiten. „Wir sehen uns unten." Damit ließ er los und die Rutschpartie, von der er gehofft hatte, dass er sie nie wieder machen müsste, begann.

Harry erinnerte sich daran, wie er das letzte mal die vielen Windungen des Rohres hinunter gerutscht war. Damals hatte ihn die Angst um Ginny getrieben. Und dieses mal wusste er zumindest, was auf ihn zukam. Und dennoch erschien ihm die Fahr nicht kürzer. Als das Gefälle schließlich abnahm und er langsamer dahin schlitterte, um endlich zum stehen zu kommen, war er genauso froh darum, wie er es in seinem zweiten Schuljahr gewesen war. Hinter sich hörte er das leise Rumpeln seiner drei Freunde, die jetzt das Rohr herunter kamen.

Ein vierfaches Lumos später verbreitete sich Helligkeit in dem steinernen Tunnel.

„Wenn das in einem Freibad installiert wäre, würde es Spaß machen." sagte Hermine, doch ihr Gesichtsausdruck verriet, dass sie es alles andere als spaßhaft gefunden hatte. Ron und Ginny kannten keine Freibäder, doch ihr Spaßfaktor deckte sich in etwa mit dem Hermines.

Harry ging voran den Tunnel entlang. Nichts hatte sich hier unten verändert. Die gleiche Totenstille, die Tierknochen am Boden und alles war überzogen von einer widerlichen Schmutzschicht. Sie kamen zu der Stelle, an der die Tunneldecke teilweise eingestürzt war, als Professor Lockhart mit Rons kaputtem Zauberstab gezaubert hatte. Der Durchlass, den Ron damals geschaffen hatte, war noch immer passierbar und so kamen sie leicht an dieser Barriere vorbei. Alle in allem war es diesmal doch angenehmer, da sie nicht bei jeder Ecke damit rechnen mussten, versteinert oder getötet zu werden.

Eher als sich Harry erinnerte landeten die vier am Ende des Tunnels vor der Wand mit den zwei ineinander verschlungenen Schlangen. Harry seufzte. „Also noch einmal." Die Verwandlung wurde langsam zu Routine. Als er schließlich wieder als Mensch vor den drei anderen stand, hatten sich die Steinschlangen entflochten und die Mauer hatte sich aufgetan. „Willkommen, in der Kammer des Schreckens. Besondere Sehenswürdigkeiten: keine."

Harry machte eine einladende Geste, doch was aus der Kammer heraus strömte, war alles andere als einladend. Ein Gestank, der so bestialisch war, dass er einem das Wasser in die Augen trieb.

Ron wedelte mit der Hand vor dem Gesicht. „Puh – was bei Merlins Käsefüßen ist denn das? Hat das beim letzten Mal auch so gesunken?"

Harry schüttelte den Kopf. „Nein, aber da lag auch nicht ein vier Jahre alter Basiliskenleichnam da und verweste vor sich hin." Harry hatte befürchtet, dass sie etwas in der Art vorfinden würden, aber so schlimm hatte er es sich nicht vorgestellt. Todesmutig stieg er durch die Maueröffnung in die Kammer. Ron, Hermine und Ginny folgten ihm zögernd.

„Wow!" Erklang Rons Stimme hinter Harry, als im Licht der Zauberstäbe die Steinsäulen sichtbar wurden. „Aber Ginny hat recht, die Einrichtung lässt zu wünschen übrig." Dann kam die riesige Statue Slytherins in Sicht. Vor ihr, am Boden lag zusammengekrümmt das gigantische Skelett einer Schlange. Ron schluckte. „Wie konntest du dieses Biest nur besiegen, Harry."

„Die Geschichte hast du doch wohl oft genug gehört, oder. Wir sind aus einem anderen Grund hier." sagte Hermine, doch auch sie machte beim Blick auf die Überreste des Basilisken große Augen.

„Wie sollen wir denn hier einen dieser Horkruxe finden." fragte Ginny. „Die Kammer ist riesig.

Harry schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass er besonders gut versteckt ist. Ich denke, dass Voldemort den Basilisken als ausreichenden Schutz angesehen hat. Sucht die Wände und die Säulen ab. Und beeilt euch, der Gestank ist ja nicht zu aushalten." Harry trat zu der übergroßen Slytherinstatue und untersuchte sie genauer. Der Mund stand offen. Aus ihm hatte sich der Basilisk herausgewunden wie ein lebendes Vorbild für das dunkle Mal Voldemorts. Aber abgesehen von der enormen Größe gab es absolut nichts ungewöhnliches an dem Steinmonstrum. Ein gigantisches Selbstbildnis, dachte Harry. Das lässt psychologisch tief blicken. Die Wände links und rechts neben der Statue waren glatt, kalt und feucht. Auch hier nichts bemerkenswertes. Harry sah nach oben. Er hatte das Gefühl, Salazar Slytherin würde höhnisch auf ihn hinunter grinsen.

Von Ron kamen immer häufiger eindeutige Unmutsbezeugungen, während Hermine auf eine seltsam skurrile Art von der Architektur der Kammer fasziniert war. Der entscheidende Hinweis kam schließlich von Ginny. Sie pfiff laut auf, was in der steinernen Kammer lange nachhallte. Alle wandten sich ihr zu.

„Meint ihr, dass ein Dachs hier etwas zu suchen hat?"

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So – zuverlässig wie immer endet das ganze mit einem Cliffhanger. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Und bevor jetzt alle aufschreien, wie unrealistisch ist es, dass die Kammer nach den Ereignissen in Band zwei nicht von Dumbledore untersucht worden ist, kann ich nur sagen. Tja – es wird in der Tat nichts darüber gesagt. Gehen wir einfach davon aus, dass sich Dumbledore sicher war, dass niemand aus Versehen in die Kammer stolpern würde. Und Harry wollte er es nach seinen Erlebnissen vielleicht nicht zumuten, noch einmal hinunter zu steigen.

Wie üblich verweise ich an dieser Stelle noch einmal höflichst auf die Möglichkeit der Verschickung eines Reviews.

Federwisch