Disclaimer: Die handelnden Personen und die Orte an denen die Geschichte spielt, sind das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen, sie dient lediglich der Unterhaltung. Mir gehören nur Jane Baker, Nicole Smith, Sarah Black, Sophie Evans, Lucy Potter, Samantha Lestrange, Debbie Grant und Josh Black, sowie einige unbedeutende Nebencharaktere.


Die Rebellion des Phönixorden

Kapitel 36

Die Falle schnappt zu


Harry schaffte es tatsächlich bis auf den Astronomieturm. Dort lehnte er sich an die Brüstung und ließ sich zu Boden gleiten. Es war wie ein Dejávù. Er hatte schon einmal gedacht er würde sterben und war dann in letzter Sekunde gerettet worden. Aber dieses Mal konnte und durfte es keine Rettung geben. Denn sein Tod war der letzte Schritt zu Voldemorts endgültiger Sterblichkeit. Sein Herz pochte wild in seiner Brust und er fühlte sich so lebendig. Er wollte nicht sterben, war viel zu jung dazu. Was er alles verpassen würde. Er hatte bisher nie über eine Hochzeit oder gar Kinder nachgedacht. Doch plötzlich sah er Ginny in einem weißen Kleid, die auf ihn zu kam und kleine Kinder, die wie die perfekte Mischung aus ihm und Ginny aussahen. Er sah Ginny einen kleinen schwarzhaarigen Jungen hochheben, dessen braune Augen spitzbübisch funkelten und ein rothaariges Mädchen mit leuchtend grünen Augen zupfte an seinem Ärmel. Die Bilder waren so real und es tat so weh, sie wieder verblassen zu sehen. Ginny und er würden nie heiraten und es würde weder den Jungen noch das Mädchen jemals geben, denn er würde sterben und das in nicht all zu langer Zeit.

Ein kleiner, egoistischer Teil in ihm wollte einfach nie wieder das Schloss verlassen und die Tatsache ignorieren, dass seine Bestimmung darin lag zu sterben.

Doch ein viel größerer Teil von ihm, war eher bereit selbst zu sterben, als zu warten bis es mehr der Menschen traf die ihm etwas bedeuteten.

Er schloss die Augen und sah das Gesicht des schwarzhaarigen Jungen den es niemals geben würde. Seine Augen funkelten nun nicht mehr spitzbübisch, sondern blickten ihn traurig an und er meinte sogar Tränen darin zu sehen.

Der Anblick ließ Schmerz in heißen Wellen durch seinen Körper laufen.

Er öffnete die Augen um dem Anblick zu entfliehen und bemerkte verblüfft, das er selbst Tränen in den Augen hatte. Einige Minuten lang ließ er ihnen freien lauf, doch dann wurde der Schmerz urplötzlich durch eine unbändige Wut ersetzt.

Wut auf Dumbledore, Wut auf Voldemort, Wut auf die Prophezeiung und auf das ganze Universum, das ihm diese Last überhaupt erst aufgebürdet hatte und das noch bevor er geboren worden war. Schon bevor er geboren worden war, hatte festgestanden, dass es der Sinn seine Existenz war zu sterben.

Er rammte seine Faust gegen die Wand des Astronomieturms und spürte kaum den Schmerz, den es verursachte, als seine Handknöchel brachen. Wieder und wieder schlug er gegen den harten Stein bis die Knochen in seiner Hand so zertrümmert waren, dass es ihm unmöglich war, sie überhaupt zur Faust zu ballen und zu bewegen.

Schwer atmend stützte er sich mit der anderen Hand auf die Brustwehr und starrte in den sternklaren Himmel. „Ich will nicht sterben," flüsterte er. Dann: „Ich will nicht sterben, verfluchte Scheiße!"


„Was meinst du?"

„Sie wissen es. Tut mir so leid..." wisperte Charlie.

„Schon gut... sie sind nicht hier... alles wird gut."

Sie tastete nach dem Portschlüssel in ihrem Umhang.

„Nimm das," sie drückte ihm den Portschlüssel in die Hand.

„Eins...zwei...drei..."

Nichts passierte.

Sie fluchte und griff nach ihrem Zauberstab.

„Wir müssen nach oben, ich kann von hier nicht disapparieren."

„Nein. Lass mich hier."

Sie beugte sich über ihn und küsste ihn.

„Ganz sicher nicht," erwiderte sie dann und beschwor eine Trage, auf der sie ihn hinaus schweben lassen konnte.

„Ich liebe dich, Sam," flüsterte er.

„Ich liebe dich auch," erwiderte sie.

„Nun, das ist rührend."

Es war Lucius, der schlagartig mitten im Gang stand und ein sehr zufriedenes Lächeln im Gesicht hatte. Sam fühlte sich wie gelähmt. Sie konnte Charlie röchelnd atmen hören. Sie ließ seine Trage zu Boden sinken und konzentrierte sich auf Lucius, mit dem sie ganz sicher auch alleine fertig werden konnte. Er hatte seinen Zauberstab in der Hand und spielte fast gelangweilt damit.

Sam zielte Avada Kedavra! Lucius wich mit Leichtigkeit aus und ließ dann seinen Zauberstab hoch schnellen. Instinktiv beschwor Sam einen mächtigen Schild, doch kein Schild konnte einen Todesfluch aufhalten. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Lucius auf Charlie zielen würde, hatte gedacht, er würde versuchen sie aufzuhalten. Doch der grüne Lichtblitz traf Charlie dessen röchelndes Atmen von einer Sekunde auf die andere verstummte.

Seine Augen waren geöffnet und darin stand Angst, von der Sam selbst jetzt noch sagen konnte, dass sie sich vor allem auf sie nicht auf ihn selbst bezog. Einige Sekunden lang konnte sie ihn nur anstarren. Unfähig zu begreifen, was soeben geschehen war.

„Das erste was ich von ihm gehört habe, war eine Aufforderung ihn zu töten," sagte Lucius, „ich hab ihn wirklich lange genug warten lassen."

Sam wandte ihren Blick ganz langsam von Charlie zu Lucius. Er sah zufrieden aus, ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.

„Weißt du Samantha, es gab immer wieder Momente, in denen ich dachte, dass du es sein könntest. Aber ich hab es immer als Spinnerei meinerseits abgetan. Hab gedacht, dass es nur Wunschdenken ist, weil es die Schmach von Dracos Verrat verringern würde und außerdem Bellatrix und Rodolphus das überhebliche Lächeln aus dem Gesicht wischen würde. Aber dann hab ich den Falken gesehen, der aus einem der Fenster flog und in den Bäumen verschwand. Und dann wurde das Fenster repariert und mir war klar, dass es ein Animagus gewesen sein muss. Und mir fiel dein Patronus ein, ein Adler. Sicher ein Adler und ein Falke sind nicht das gleiche, aber es sind beides Greifvögel, nicht wahr? Und dann wurde Charlie Weasley gefangen und ich hab mich daran erinnert, dass ihr zusammen zur Schule gegangen seid und wie sehr du ihn damals gehasst und über ihn geflucht hast. Draco hat auch immer über die kleine Potter geflucht und dann hat er uns wegen der Schlampe verraten. Aber Weasley hat nicht geredet. Nicht ein verfluchtes Wort. Dafür hast du aber sehr vehement abgestritten, ihn näher gekannt zu haben. Und das obwohl du uns früher immer mit so vielen Details über diesen einen speziellen Blutsverräter versorgen konntest. Und dann hab ich ihn mit der modifizierten Version des Dementoreffektfluchs belegt. Sie beschwört das schlimmste hervor, was der Mensch sich vorstellen kann. Weißt du, was Weasley gesehen hat? Ich nicht, aber er hat gefleht: Nicht Sam... nein... lass sie..."

Ihre Augen schwammen in Tränen und sie war unfähig zu handeln, während sie Lucius Monolog lauschte.

„Und damit hatte ich endlich meinen Beweis, mit dem ich zum dunklen Lord gehen konnte."

Die letzten Worte brachten neues Leben in Sam. Voldemort. Der Ring. Charlie war tot und sie ging nicht davon aus, dass sie selbst die Nacht überleben würde. Wollte es noch nicht einmal mehr. Aber sie hatte dennoch eine Aufgabe zu erfüllen. Noch immer mit Tränen in den Augen warf sie einen letzten Blick auf Charlies Leiche und tat dann, was er ihr geraten hatte. Sie lief weg.


„Avada Kedavra!"

Sirius riss Fleur zur Seite. Dora hatte indessen den Fluch des Todessers auf gleiche Weise erwidert und im Gegensatz zu ihm getroffen. Fleur schickte einen Schocker über Sirius Schulter und als er herumwirbelte, sah er einen Todesser, der offenbar von hinten auf sie gezielt hatte zu Boden gehen. Er selbst streckte einen weiteren Todesser mit dem Todesfluch nieder, womit alle ihre momentanen Gegner besiegt waren. Nicht, dass dies bedeutete, dass sie nun eine Verschnaufpause hatten. Ein paar hundert Meter weiter war ein heftiger Kampf zwischen ihrer Backup-Truppe und sicher fünfzehn Todessern ausgebrochen.

„Kommt!" rief Sirius und die beiden Frauen zögerten nicht ihm zu folgen. Je näher die drei dem Kampf kamen umso mehr wurde sichtbar, dass die Todesser diesen klar dominierten und ihre Anzahl schien sich noch zu steigern.

Verfluchte Scheiße. Einen Sekundenbruchteil zog er in Erwägung, eine sofortige Flucht anzuordnen, doch er verwarf den Gedanken gleich wieder, denn das wäre vermutlich James, Remus, Bills, Charlies und Sams endgültiges Todesurteil.

Als sie auf etwa zehn Meter Entfernung an den Kampf heran gekommen waren begann Sirius Flüche auf die Todesser zu schießen. Sein Feuer blieb natürlich nicht unerwidert.

Während er weiter lief musste er mehrfach seitlich ausweichen und schließlich warf er sich zu Boden um einem Fluch zu entgehen, er schoss noch im Fallen zurück und traf. Er rollte sich zur Seite und entging somit einer schnellen Folge weiterer Flüche.

Er schrie „Confringo!"

Der Boden explodieren. Er konnte Schmerzensschreie hören und hoffte, dass es ein paar von den Bastarden einen Arm oder ein Bein gekostet hatte. Als er wieder auf die Beine kam, sah er, dass Dora sich mit drei Todessern gleichzeitig duellierte und Fleur gerade in arge Bedrängnis geriet. Er eilte zuerst Fleur zur Hilfe, deren einen Gegner er von hinten erledigen konnte. Zu zweit machte ihnen auch der andere Todesser keine Schwierigkeiten mehr und dann eilten sie weiter zu Dora, die sich Tapfer hielt aber ganz alleine wohl auch nicht mehr zu lange durchgehalten hätte. Der Kampf hatte sich inzwischen zu einer Jagd entwickelt.

Die Ordenskämpfer, die noch lebten, flohen, suchten Deckung im Wald und versuchten dann, aus der Deckung heraus Todesser nieder zu strecken.

„Zu den anderen!" rief er den Frauen zu und disapparierte.

Er suchte Schutz hinter einer gewaltigen Eiche und versuchte dann, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Die Masse an Todessern war gewaltig, es waren inzwischen sicher an die dreißig. Flüche schossen zwischen den sich in der Deckung befindenden Ordenskämpfern und den näher kommenden Todessern hin und her, wobei erstere zumindest für den Moment eine höhere Trefferquote verbuchen konnten. Sirius glaubte, dass doch weniger Ordenskämpfer gefallen waren, als er zuerst angenommen hatte. Dennoch, die Todesser waren jetzt zwei mal so viele wie sie selbst. Wir brauchen einen Plan, dachte er, und zwar besser einen guten.

„Sirius," zischte eine Stimme zu seiner rechten.

„Kingsley?" Eben der huschte jetzt im Schutz des Gebüschs zu Sirius.

„Vorschläge?" zischte Sirius.

„Rückzug nach Westen, dann stoßen wir auf Alice Team."

„Okay, führ du die Leute an, ich sorge für die Nachhut," wisperte er, „wie viele sind wir noch?"

„Zwölf, wenn von deinen keiner gefallen ist?"

„Nein."

Kingsley ließ an der Spitze seines Zauberstabes einen winzigen Lichtpunkt erscheinen, mit dem er nach rechts deutete. Sirius behielt indes die Todesser im Auge, die sich den Ausläufern des Waldes, die die Ordenskämpfer im Moment als Deckung nutzten stetig näherten. Das Knistern und Rascheln der Äste, als sich die anderen um ihn herum in Bewegung setzten kam Sirius ungeheuer Laut vor.

Er versuchte in all den dunklen Gestalten um ihn herum, die sich möglichst nah am Boden bewegten um nicht getroffen zu werden, Dora auszumachen, doch natürlich trug sie ihre Haare heute Nacht in einem dunklen braun um nicht zu sehr aufzufallen. Es war dafür Fleurs Silberschopf, der Sirius schließlich zu seiner Großcousine führte, der er mit einem Handzeichen bedeutete, mit ihm zurück zu bleiben, während Fleur sich weiterbewegte.

Sirius hatte, so gut es ihm möglich gewesen war, die Schatten, die an ihm vorbei gehuscht waren gezählt und war relativ sicher, dass die zehn übrigen Kämpfer Kingsley gefolgt waren. Er und Dora beobachteten weiterhin die Todesser, die jetzt nur noch etwa fünfzehn Meter von ihnen entfernt waren. Beide schossen eine schnelle folge Flüche in Richtung ihrer Verfolger, von denen ein paar zu Boden gingen. Er und Dora huschten indes weiter, die nächste Deckung suchend. Unter seinen eigenen Füßen klangen die knackenden Äste noch lauter als unter denen der anderen. Halb rechnete er damit, durch die Geräusche seinen Standpunkt zu verraten und er war bereit, sich jeden Moment auf den Boden fallen zu lassen um den tödlichen Flüchen zu entgehen.

Alles um ihn herum schien zu rascheln und in Bewegung zu sein. Waren die Todesser schon so nahe gekommen? Er presste sich an einen weiteren Baumstamm. Dora war neben ihm. Er konnte sie atmen hören und meinte, dass sie leicht zitterte. Er selbst hielt den Atem an und bedeutete ihr das gleiche zu tun. Noch immer raschelte und knackte es um sie herum, aber längst nicht so laut, als wenn Menschen um sie herum wären.

Oder? Komm schon, reiß dich zusammen, befahl Sirius sich selbst. Das waren die normalen Geräusche eines Waldes. Wind in den Bäumen und das knacken und rascheln der Äste und Zweige, wenn Tiere darüber liefen. Er ließ die Luft aus seinen Lungen strömen und begann dann wieder normal zu atmen. Ruhiger diesmal. Er späte hinter dem Baum hervor. Die Todesser hatten jetzt den Wald erreicht. Viele waren clever genug ebenfalls Bäume und Gebüsche als Deckung zu nutzen, doch es gab auch einige Leichtsinnige, deren Gestalten sich klar abzeichneten. Selbst schuld. Das hier war keine Situation, in der er eine besonders große Auswahl an Flüchen hatte. Das laute knacken der am Boden liegenden Äste war das einzige Geräusch, das auf den raschen Tod folgte.

Flüche schossen in Richtung von Doras und Sirius Baum und die beiden krochen nun mehr als das sie liefen um möglichst unsichtbar zu bleiben.

Zweige und scharfkantige Steine bohrten sich immer wieder in Sirius Haut, doch er spürte den Schmerz kaum. War viel zu sehr darauf fokussiert lebend die nächste Deckung zu erreichen. Er selbst nutzte ein Gestrüpp hinter dem er sich flach auf den Boden legte, Dora hatte indes erneut einen mächtigen Baumstamm gewählt. Dornen zerkratzten sein Gesicht, doch auch das war nur eine Nebensächlichkeit, die er zwar registrierte, der jedoch keinerlei weitere Beachtung schenkte. Die Todesser hatte offenbar gelernt, keiner wagte es mehr, sich einfach offen durch den Wald zu bewegen. Aber irgendwann mussten sie schließlich ihre Position wechseln.

Ein Todesfluch sirrte an Sirius Gestrüpp vorbei. Sie schießen nur auf gut Glück, versicherte er sich selbst. Dennoch, er brauchte eine soliderer Deckung. Er kroch weiter. Hinter sich hörte er weitere Todesflüche sirren. Doch als er einen Blick riskierte, sah er, dass es Doras Flüche sein mussten. Gut so, dachte er grimmig, je mehr von den Bastarden wir umbringen können umso besser.


Es war ein Glück, dass Voldemorts aktuelles Hauptquartier zuvor jahrelang ein Museum gewesen war, denn dank dieser Tatsache waren Details über das Gebäude dokumentiert worden. Das war überhaupt der einzige Grund, weshalb sie von den Geheimgängen wussten. James meinte sogar, sich an diesen speziellen Tunnel, aus einer Führung in seiner Kindheit, erinnern zu können. Der Ausgang lag in einem Raum in der ersten Etage, von dem Sam ihnen nicht hatte sagen können, wozu genau Voldemort ihn nutzte, aber dass er nicht zu den gesondert geschützten Privaträumen gehörte.

Desillusionierungszauber sorgten dafür, dass die drei unsichtbar waren, als sie den Tunnel schließlich verließen. Offenbar wurde der Raum als eine Art Tränkelabor benutzt. Zahlreiche Kessel standen herum und unter manchen brannte sogar ein Feuer. James wollte gar nicht so genau wissen, welche schaurigen Tränke Voldemort hier zusammenbraute.

„Finden wir das verfluchte Schlangenvieh," murmelte er und öffnete dann die Tür des Raums, was sie in einen breiten, von Fackeln erhellten Gang führte.

Die Tür ließ sich fast geräuschlos wieder schließen. Sam zu folge ließ Voldemort die Schlange im ganzen Gebäude herum kriechen, was schon dem ein oder anderen Todesser einen gewaltigen Schreck eingejagt hatte. Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als sie schnelle Schritte näher kommen hörten. James presste sich an die Wand.

„Mein Lord, wo wollt ihr hin? Was...?"

„Schweig Rodolphus und du ebenfalls Bellatrix. Ich wünsche eure Begleitung nicht."

Voldemort passierte sie nahezu lautlos, während Bellatrix und Rodolphus verwirrt mitten im Gang stehen blieben. James fluchte innerlich und wünschte die beiden würden irgendwo anders hingehen, doch offenbar schienen sie zu denken, dass dieser Gang der geeignete Ort für ein Gespräch war.

„Was will er in den Kerkern?" fragte Rodolphus, „dort ist niemand außer Weasley."

„Vielleicht hat Lucius es geschafft ihn zum Reden zu bringen?"

„Und warum will er dann nicht unsere Begleitung?"

„Lass uns im Versammlungsraum warten," sagte Bellatrix schließlich, „er wird uns schon mitteilen, wie sich die Dinge entwickelt haben, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem wir es wissen sollen."

„Er geht in die Kerker?" sagte Bill mit heiserer Stimme, sobald die Schritte der Lestranges verklungen waren. James hatte indessen den Zwei-Wege-Spiegel aus seinem Umhang gefischt.

„Sam," zischte er.

Zunächst blieb der Spiegel schwarz, doch dann erschienen, im dunklen nur schwer erkennbar Sams Gesichtszüge.

„Es ist vorbei," sagte sie mit sehr leiser, ruhiger Stimme.

„Was?"

„Charlie ist tot und sie wissen, dass ich es bin, ich werd's nicht raus schaffen, aber wenn ich kann vernichte ich den Ring."

„Voldemort..."

„Ich weiß, Lucius hat ihn hergerufen."

Das Bild wurde wieder schwarz. James starrte einen Moment lang auf den Spiegel, ehe er ihn wieder zurück in seine eigene Tasche schob.

„Bill?"

„Ich hab's gehört," erklang dessen leise, heisere Stimme.


Sam floh noch ein wenig tiefer in das Kerkerlabyrinth, während sie versuchte einen Plan zu entwickeln, mit dem sie den Ring zerstören konnte, ehe sie umgebracht wurde. Sie versuchte keine Geräusche zu machen um Voldemort und Lucius nicht zu verraten wo sie war. Immer wieder spürte sie Tränen über ihre Wangen laufen, doch merkwürdiger Weise blieb ihr Urteilsvermögen von dem Schmerz unberührt. Vielleicht weil sie wusste, dass er nun zumindest nicht mehr litt und sie ihm ohnehin bald folgen würde. Sie presste sich an eine Wand, schöpfte neuen Atem und lauschte. Sie konnte Lucius Schritte hören, er und Voldemort waren also nicht zu weit hinter ihr. Sie wusste, dass sie Voldemort in einer direkten Konfrontation unterlegen war, sie musste also an den Ring kommen, bevor er sie fand.

„Samantha, wie lange willst du dieses Spiel noch in die Länge ziehen?" fragte die kalte Stimme.

So lange ich muss. Sie lief wieder los, bemühte sich möglichst keine Geräusche zu machen. Wie komme ich an den Ring? Sie presste sich erneut an eine Wand. Klangen die Schritte näher als zuvor?

„Weißt du Samantha, ich bin sehr enttäuscht von dir," hörte sie Voldemort sagen.

Kam seine Stimme aus einer anderen Richtung als Lucius Schritte?

„Ich hatte große Hoffnungen in dich gesetzt und jetzt muss ich erfahren, dass du jahrelang ein falsches Spiel gespielt hast. Dir ist klar, welche Strafe dich dafür erwartet?"

Folter und Tod. Aber du kannst mich nicht mehr bestrafen, als Lucius es schon getan hat.

„Du wirst mich anflehen," fuhr Voldemort fort, „aber ich werde dich weiter und weiter leiden lassen."

Seine Stimme war viel zu nah und sie kam tatsächlich nicht aus der gleichen Richtung, wie die Schritte. Sie war eingekesselt.

Ich muss handeln, jetzt. Ich brauche diesen Ring. Und die Lösung war so einfach. Lass es funktionieren, flehte sie stumm. Accio Ring. Voldemorts Zornschrei sagte ihr alles, was sie wissen musste und dann war der Ring auch schon in ihrer Hand. Sie hatte nur noch Sekunden und kannte nur einen Zauber, der Horkruxe zerstören konnte. Sie schleuderte den Ring auf den Boden und murmelte die Beschwörung. Tosende Flammen vernichteten den Ring und Sam spürte, wie ein wahnsinniges Grinsen auf ihrem Gesicht erschien, als Voldemort um die Biegung kam und mit Entsetzen auf dem Schlangengesicht die Gegenformel brüllte. Doch es war zu spät.

„Du verfluchte...!" schrie er und schlug sie dann zu Boden, offenbar rasend vor Zorn.

Sam spürte, wie ihr Zauberstab aus ihrer Hand glitt, doch das war ihr vollkommen egal. Sie hatte den Ring zerstört, ihre Aufgabe war erfüllt. Und Voldemort konnte sie jetzt mit nichts mehr verletzen.

„Crucio!" Ihr Körper spürte den Schmerz, doch Geist und Seele waren von all dem bereits merkwürdig losgelöst.

Sie begann zu lachen, als Voldemort den Fluch von ihr nahm.

„Du kannst mir nicht wehtun, Bastard," sagte sie.

„Wer weiß es noch?" brüllte er, „wusste Dumbledore davon?"

„Was glaubst du denn?" fragte sie und begann dann erneut zu lachen.

„Crucio!"

Sie wusste, dass sie schrie, doch sie konnte nicht sagen warum. Sie spürte noch immer kalte Genugtuung und genoss den Anblick des rasenden Voldemort, den jetzt nur noch ein letzter Horkrux an die Erde band, aber vielleicht gab es auch den längst nicht mehr.

„Du wirst sterben, Tom Riddle."

Das letzte was sie sah, war ein blendender, grüner Lichtblitz.


Alice und ihr Team hatten genau die gleichen Probleme mit den Todessern gehabt, wie das von Sirius und Kingsley. Und sie hatten sich für eine ganz ähnliche Rückzugstatik entschieden, so dass es nicht verwunderlich war, dass die beiden Teams schließlich aufeinander stießen.

„Wohin jetzt?" zischte sie Kingsley zu, „wenn wir hier bleiben, sind wir in fünf Minuten eingekesselt."

„Wenn überhaupt so lange," murmelte Kingsley düster.

„Gehen wir tiefer in den Wald," sagte Alice, „ich seh nämlich keine Alternative zu weiterem Rückzug."

Inzwischen hatten auch Dora und Sirius zu den anderen aufgeschlossen.

„Ihr werdet also auch gejagt?" fragte Sirius.

„Ja."

„Das gefällt mir gar nicht."

„Ich fand es war eine sehr bereichernde Erfahrung," erwiderte Alice trocken.

Er ging nicht weiter darauf ein, sondern wandte sich an Kingsley, „Führ du weiter an, Dora und ich sichern von hinten."

„Jane und ich bleiben bei euch," erwiderte Alice, „besser wir sind zu viert."

Sirius hatte dagegen keine Einwände. Während die anderen sich so schnell wie möglich tiefer in den Wald bewegten, verteilten die vier sich möglichst gefächert um den Todessern eine schnelle, direkte Verfolgung unmöglich zu machen. Alice und Jane konzentrierten sich dabei auf die von Westen kommenden Todesser, während Sirius und Dora sich weiterhin um ihre bisherigen Verfolger kümmerten.

Sirius kauerte sich hinter den gewaltigen, umgekippten Stamm eines Baumes. Das würde ihm die Möglichkeit geben, sich auf etwa zehn Metern hin und her bewegen zu können, ohne seine Deckung verlassen zu müssen und dabei immer die bestmögliche Schussposition zu finden.

Doch die Todesser waren vorsichtig. Ihnen schien schnell klar zu werden, dass sie trotz ihrer Überzahl nicht so einfach an den Ordenskämpfern vorbei kommen würden. Die beste Möglichkeit der Todesser wäre, die Deckung der vier zu zerstören, weswegen Sirius sich hütete ungezielt zu feuern und somit seine Position leichtfertig zu verraten. Das rascheln und knacken verriet ihm, dass sie da waren, in etwa fünfzehn Meter Entfernung, doch das war nicht genug, um eine genaue Position ausmachen zu können. Zeigt euch! Sein Blick fiel auf einen etwa faustgroßen Stein der neben ihm am Boden lag. Möglichst kraftvoll schleuderte er diesen in die Richtung der Todesser. Ein aufstöhnen verriet ihm, das er jemanden getroffen haben musste und zwei Todesser taumelten hinter einem Baum hervor. Das letzte was sie taten.

Er veränderte rasch seine Position und nur Sekunden später brachte ein Reductorfluch das Holz des Baumes zum bersten. Ein weiterer Reductorfluch schlug in das Geäst eines hinter ihm stehenden Baumes. Der erste Ast traf seinen Kopf von hinten. Er kauerte sich auf dem Boden zusammen, weitere Äste prasselten auf ihn nieder. Er hob seinen Zauberstab und beschwor einen schützenden Schild. Er fühlte sich benommen, als er sich schließlich wieder aufrichtete. Mit der linken Hand tastete er seinen Hinterkopf ab. Seine Haare waren feucht und klebrig und als er die Hand wieder vor sein Gesicht hielt, sah er Blut. Fuck.

Sterne flimmerten jetzt vor seinen Augen auf, dann wurde die Welt um ihn herum schwarz, ehe sich sein Blick wieder klärte. Verfluchte Scheiße. Er wankte und stürzte, was ihn immerhin vor den meisten Flüchen bewahrte, doch irgendetwas traf seinen Arm und brach ihn. Am liebsten wäre er einfach am Boden liegen geblieben. Komm schon Sirius, keine Zeit jetzt für Bewusstlosigkeit und Schwindel.

Weitere Flüche sirrten über ihn hinweg. Viel zu nah und viel zu viele davon tödlich. Er brauchte eine neue Deckung. Erneut kroch er über den Waldboden, zu dem Baum, dessen Astwerk für seinen momentan eher schlechten Zustand verantwortlich war. Sein Hinterkopf pochte und immer wieder tanzten blendende Lichtpunkte vor seinen Augen. Er schaffte es endlich hinter den Baumstamm und kauerte sich dann erleichtert dahinter zusammen. Für den Moment konnte er nicht getroffen werden und das würde ihm hoffentlich die Zeit geben, sich wieder einigermaßen unter Kontrolle zu kriegen. Seine Augen fielen zu.

Als eine zweite Person sich neben ihn kauerte flogen seine Augen wieder auf.

„Sirius," wisperte Doras Stimme.

„Was...?"

„Ich konnte sehen, dass dich irgendwas getroffen hast und als von dir keine Flüche mehr kamen, da..."

„Ich bin okay."

„So siehst du nicht aus," widersprach sie.

Dann riskierte sie einen Blick in Richtung der Todesser und deren Anblick entlockte ihr einen leisen Fluch.

„Was?" fragte Sirius erneut.

„Wir müssen weg hier, die haben uns sonst gleich eingekreist," zischte sie, „kannst du laufen?"

„Sicher..."

Sie sah skeptisch aus, aber irgendwie mussten sie ja weg kommen und zu zweit zu gehen kam nicht in Frage.

„Okay, siehst du den Mauerrest da drüben? Versteck dich dahinter," befahl sie.

„Und du?"

„Feuerschutz. Aber halt dich verdammt noch mal bloß unten."

Erneut kroch er los, fast froh, dass er sich auf allen Vieren und nicht nur auf zwei Beinen bewegte. Als er die Mauer endlich erreicht hatte blieb er am Boden liegen, einen Moment lang unfähig sich zu bewegen. Er konnte bunte Lichter sehen, waren das Flüche oder bildete er sich die Lichter ein. Wo ist Dora? War sein letzter Gedanke, ehe er endgültig bewusstlos wurde.

Als er wieder zu sich kam war er in einem schwach beleuchteten Raum. Ein Raum? Er richtete sich auf und das erste was er sah, war Doras Gesicht.

„Bist du okay?" fragte er.

„Das sollte ich dich eigentlich fragen."

„Mir geht's gut."

Überraschender weise entsprach das der Wahrheit.

„Ja, Jane hat dich soweit wieder hergerichtet."

„Wo sind wir?"

„Die Mauer hinter der du dich versteckt hast, gehört zu einer Ruine, das meiste ist zerstört, aber ein paar Räume sind noch brauchbar. Jedenfalls benutzen wir die gerade um uns vor den Todessern zu schützen, die kamen nämlich irgendwann aus absolut allen Richtungen."

„Sind alle in Ordnung?" fragte er.

„Ja."

„Sirius!" Das war Alice, „du bist wach, Merlin sei Dank."

„Jane ist eben ein Genie. Wie sind wir vor denen geschützt?"

„Eine Menge Schutzschilder und Banne, Anti-Apparier-Zauber, einseitig, wir können raus."

„Aber wenn wir einmal raus sind nicht mehr rein?"

Alice nickte.

„Haben wir irgendwas von Lily gehört?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Fuck!" Er stand auf und begann hin und her zu laufen. „Von James und den anderen auch nichts?"

Ein erneutes Kopfschütteln.

Ein erneutes „Fuck!"

Okay Sirius, denk nach. Ihr seid eingekreist von an die hundert Todessern, Lily und ihr Team sind auf sich gestellt und Merlin allein weiß, was mit James und den anderen ist. Wir haben keine Möglichkeit nach Innen zu kommunizieren und mit Lily ist es ebenfalls viel zu gefährlich, weil ein Patronus ihre mögliche Deckung verraten würde. Er musste eine Möglichkeit finden, diese Nacht zu einem guten Ende zu führen und das möglichst schnell.

„Wir brauchen Verstärkung."


Harry hatte sein Zeitgefühl völlig verloren, als er den Astronomieturm wieder verließ. Er wusste nicht genau, wo er nun eigentlich hin wollte, ins Bett sicher nicht. Er überlegte Ginny zu wecken. Er hatte noch Wochen, vielleicht Tage, diese sollte er nutzen, oder? Das war der Moment in der eine Stimme durch das Schloss schallte.

„DIE MITGLIEDER DER SCHÜLER-TRUPPEN WERDEN AUFGRUND EINES NOTFALLS GEBETEN SICH UNVERZÜGLICH IN DER GROßEN HALLE EINZUFINDEN! DORT WERDEN SIE ÜBER ALLES WEITERE INFORMIERT!"

Plötzlich schrumpften Wochen und Tage zu Stunden zusammen. Abermals beschleunigte sich sein Herzschlag. Nun, immerhin würde er die Last nicht so lange mit sich herum tragen müssen. Er änderte seine Richtung und machte sich auf den Weg zur Großen Halle. Unterwegs stieß er auf Ron, Neville, Hermine, Draco, Blaise, Debbie, Lucy und Ginny.

„Ihr kennt die Regeln," sagte Hermine gerade zu den beiden letzteren, „sie werden euch nicht mitkommen lassen."

„Die sollen mal versuchen uns aufzuhalten," fauchte Lucy, „wir sind genauso gut wie ihr anderen auch."

„Ich will wissen wo Harry ist," sagte Ginny jetzt.

„Ist wahrscheinlich im Schloss umhergewandert," meinte Ron, „ich wette wir treffen ihn... oh, da ist er."

„Wo hast du gesteckt?" fragte Ginny.

„Wie Ron gesagt hat..."

„Was ist mit deiner Hand?" unterbrach sie ihn und betrachtete mit einer Mischung aus Entsetzen und Sorge im Gesicht seine blutige Hand.

„Ich..." Was sollte er sagen? Er fühlte die Blicke der anderen auf sich. „Nicht so wichtig, wir sollten zusehen, dass wir in die große Halle kommen."

„Harry..."

„Es ist nichts," unterbrach er ungeduldig und gab ihr dann einen flüchtigen Kuss, „wirklich."

„Komm, ich bring das in Ordnung," meinte Hermine nun und richtete ihren Zauberstab auf die Hand, die nur Sekunden später geheilt war.

„Danke."

Sie lächelte, aber auch ihre Augen zeigten Misstrauen.

„Kommt schon!" er legte so viel Ungeduld wie möglich in seine Stimme und ging dann weiter.

Ginny schob ihre Hand in seine. „Ich lass dich heute Nacht nicht alleine gehen," flüsterte sie.

„Du musst," erwiderte er.

„Aber..."

„Ginny, bitte!"

„Oh komm schon," fauchte Lucy von hinten, „wir alle haben uns nie an Regeln gehalten, warum heute Nacht damit anfangen, wo so ziemlich jeder Mensch den wir lieben sich in tödliche Gefahr begeben wird."

Er drehte sich zu ihr herum und funkelte sie an, „Genau deswegen. Weil so ziemlich jeder Mensch den ihr liebt sich sonst halb darauf konzentrieren muss, dass ihr in Gefahr seid."

„Ach, und du denkst, dass deine Anwesenheit dort Mum und Dad nicht in Sorge versetzen wird?" schoss sie zurück.

„Aber wir anderen waren alle schon ein paar Mal an solchen Kämpfen beteiligt," erwiderte er hitzig, „ihr beide nicht. Das ist was anderes, als ein Duell mit ein paar Todessern, die man gezielt angreifen kann. Das ist reines Chaos, in dem aus jeder Richtung Flüche kommen und du alleine gegen mehrere Todesser gleichzeitig kämpfen musst!"

Er holte tief Luft, ehe er mit sanfterer Stimme fortfuhr, „Ich weiß genauso gut wie ihr, was für ein beschissenes Gefühl es ist zurück gelassen zu werden und ich verstehe, dass ihr unbedingt dabei sein wollt. Aber ich liebe euch beide viel zu sehr, als dass ich mich auf das konzentrieren könnte was ich tun muss, wenn ich weiß, dass ihr beide längst tot sein könntet."

Er blickte die beiden Mädchen eindringlich an. Sie erwiderten seinen Blick mit gleicher Intensität.

„Ihr dürft nicht gehen. Ihr werdet noch viel zu sehr gebraucht um euch in Lebensgefahr zu begeben. Mum und Dad brauchen dich Lucy und was sollte deine Familie wohl ohne dich machen. Und die anderen..." Er warf einen flüchtigen Blick zu Ron, Neville, Hermine und Debbie.

„Dann geh du auch nicht," wisperte Lucy schließlich mit heiserer Stimme, „dann geht ihr alle auch nicht."

Bei ihren letzten Worten ließ sie ihren Blick über die gesamte Gruppe wandern, Harry merkte nicht, dass sie bei Draco einen Moment länger verharrte als bei den anderen.


Neville fiel dies sehr wohl auf und noch etwas anderes. Mum und Dad brauchen dich... deine Familie... die anderen... und was war mit Harry selbst? Harry hatte nur bei einer einzigen Gelegenheit ähnlich geredet... oder viel mehr geschrieben. Sein Blick suchte Ron, der neben ihm der einzige wäre, der die Ähnlichkeit bemerken würde, falls er sich nicht gerade etwas vollkommen absurdes einbildete.

Rons Blick war starr auf Harry gerichtet in seinen Augen stand Misstrauen, dann sah er zu Neville und beide wussten, dass sie sich die gleiche Frage stellten. Wieso redete Harry, als würde er nicht zurück kommen? Die Gruppe setzte sich nun erneut in Bewegung und Neville und Ron ließen sich beide ein wenig zurück fallen, was Ron einen irritierten Blick von Hermine einbrachte, deren Hand er zuvor gehalten hatte.

„Was plant dieser Vollidiot?" wisperte Ron.

„Du denkst also auch, dass er geredet hat, als hätte er vor zu sterben... mal wieder?"

Ron nickte.

„Wir müssen ihn abpassen, bevor es los geht," flüsterte Neville zurück, „ich will eine verdammte Erklärung für seine Abschiedsrede... und für seine zertrümmerte Hand."

„Ja, ich auch," stimmte Ron zu.


James, Remus und Bill schlichen noch immer auf der Suche nach der Schlange durch das gewaltige Haus, doch langsam begann James sich zu fragen, ob sie nicht abbrechen sollten. Es war über eine Stunde vergangen, seit er mit Sam gesprochen hatte und der Gedanke an ihre Worte ließ ihm aufs neue kalte Schauer durch den Körper laufen. Charlie war da schon tot gewesen und sie war es inzwischen sicherlich auch. Und Merlin allein wusste, mit wie vielen Todessern es die Ordenskämpfer draußen im Moment zu tun hatten.

Sam und Charlie waren tot und das bedeutete, dass jeder andere, der heute Nacht verletzt oder getötet wurde vollkommen unnötig war. Es sei denn, es gelangen ihnen zusätzlich die Schlange zu vernichten. Und allein diese Schlussfolgerung hielt ihn davon ab, ihren Rückzug anzuordnen. Sie durchstreiften erneut die gewaltige Eingangshalle, als sich die Flügeltüren öffneten und eine große Gruppe Todesser hinein kam zusammen mit, und der Anblick ließ beinahe seinen Herzschlag stoppen, einer Gruppe Gefangener, die Lily, Molly, Arthur und drei weitere Ordenskämpfer beinhaltete.

Er hatte seinen Zauberstab bereits gehoben, um den Anführer der Todesser zu verfluchen doch eine starke Hand legte sich auf seinen Arm und drückten ihn hinunter. Auch ohne ihn sehen zu können hatte Remus instinktiv gewusst, was James Reaktion sein würde. Türen an der gegenüberliegenden Wand öffneten sich und Voldemort trat hinaus, gefolgt von Lucius und Narcissa Malfoy und einem sehr geschockt wirkendem Ehepaar Lestrange. Also hatte Voldemort ihnen wohl bereits gesagt, dass Sam die Seiten gewechselt hatte.

„Warum nur so wenige Gefangene?" fragte Voldemort zornig, als er die sechs sah, „was ist mit Potter, Black, und Longbottom?"

„Zwei weiter Teams des Ordens konnten sich zusammen schließen und haben sich in den Räumlichkeiten der alten Ruine verbarrikadiert," erklärte der führende Todesser.

„Sind Potter und Black dabei?"

„Wir nehmen es an."

Der Cruciatusfluch riss den Todesser zu Boden, doch seine Strafe währte nicht lange. Voldemort wandte sich den Gefangenen zu.

„Nun, ich will ja nicht, dass ihr denkt ich wüsste eure Anwesenheit hier nicht zu schätzen," sagte er mit einem diabolischen Lächeln, „ich freue mich wie immer sehr Mrs. Potter zu treffen."

Remus hatte inzwischen beide Arme um James Oberkörper geschlungen und hielt ihn mit Gewalt ruhig. James fragte sich, was mit Bill war, dessen Eltern ja immerhin zu den Gefangenen gehörten. Musste Remus ihn nicht auch festhalten? Lily erwiderte Voldemorts Blick und James konnte an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, dass sie etwas provozierendes sagen würde. Tu's nicht verdammt, dachte er, aber das hielt sie natürlich nicht auf.

„Die Freude ist nicht gerade auf meiner Seite. Aber ich komme nicht umhin festzustellen, dass an deiner Hand ein Ring fehlt, Riddle."

James fiel diese Tatsache erst jetzt auf. Also hatte Sam ihr Ziel erreicht, bevor er sie umgebracht hatte. Auch sie wurde vom Cruciatusfluch zu Boden gerissen. Remus Griff verstärkte sich noch, obwohl James nicht gedacht hätte, dass das möglich war. Lilys Schmerzensschreie hallten in seinen Ohren. Bastard.

„Wir werden ja sehen, wie viel Spaß es dir macht mich zu provozieren, wenn dein Mann und deine reizenden Kinder hier sind und ich sie vor deinen Augen töte, Schlammblut-Schlampe."

Sein Blick kehrte zu dem Anführer der Todesser-Truppe zurück, der sich inzwischen wieder aufgerappelt hatte.

„Bring diesen Abschaum in die Kerker und fang mit den Verhören an. Tötet sie, wenn sie reden, bis auf Potter. Ich brauche sie noch."

Der Todesser nickte, er bedeutete ein paar seiner Leute ihm mit den sechs Gefangenen zu folgen.

„Der Rest begleitet mich," befahl Voldemort, „sehen wir mal, wie gut diese Feiglinge sich tatsächlich verbarrikadiert haben."


„Aufbruch von hier in zwanzig Minuten," beendete Professor McGonagall ihre kurze Erklärung.

Viele Schüler, die in Pyjamas und Morgenmänteln gekommen waren, eilten davon um sich anzuziehen. Einige mussten nur ihre Zauberstäbe holen, worüber Harry nur den Kopf schütteln konnte, wer lief denn selbst innerhalb der Schule ohne Zauberstab herum. Harrys Freunde wiederum waren alle clever genug gewesen, bereits bekleidet hinunter zu kommen.

Lucy und Ginny waren ganz offensichtlich noch immer nicht davon überzeugt, zurück zu bleiben und Harry bereitete dies zunehmend Sorge, wenn die beiden sich etwas in den Kopf gesetzt hatten, dann hatten sie die manchmal etwas ärgerliche Angewohnheit, das auch durchzuführen, egal was die Widrigkeiten waren.

Er nahm Ginnys Gesicht in beide Hände und küsste sie. Ein letztes Mal. Er glaubte den Geschmack ihrer Lippen und ihres Mundes noch nie so intensiv wahrgenommen zu haben, wie bei diesem Kuss. Er fühlte sich so lebendig und das Herz in seiner Brust tobte, als wollte es ausbrechen, aus dem Körper, der zum sterben verurteilt war. Ginnys Hände wühlten sich in seine Haare.

„Versprich mir das du nicht mitkommst," wisperte er gegen ihre Lippen, als er den Kuss für wenige Sekunden unterbrach.

Sie antwortete nichts, sondern presste ihre Lippen wieder auf seine, drängte sie mit ihrer Zunge auseinander und auch wenn ihm klar war, dass dies nicht das Versprechen war, das er gewollt hatte, ließ er sich erneut in den Kuss fallen.

„Ich liebe dich," wisperte er als nächstes, „nur dich und ich könnte niemals jemand anderen lieben."

„Ich auch nicht," erwiderte sie, „ich werde auch für den Rest meines Lebens nur dich lieben. Ganz egal was passiert."

Er küsste sie wieder. War es egoistisch, dass er erleichtert war, dieses Versprechen zu hören? War es egoistisch, dass er sich jetzt vorstellte, sie würde auch nach seinem Tod niemals mit jemand anderem zusammen sein? Hatte sie gespürt, dass er sich von ihr verabschiedete? Nein, ganz sicher nicht, denn dann würde sie jetzt versuchen ihn aufzuhalten. Vielleicht unterbewusst, wahrscheinlich sogar. Wahrscheinlich würde ihr die Bedeutung klar werden, sobald er fort war. Aber dann konnte sie sich nicht mehr selbst in Gefahr bringen um ihn aufzuhalten. Die anderen Schüler kamen jetzt langsam zurück.

„Lucy, Miss Weasley, ihr wisst, wir können euch nicht mitnehmen," erklang plötzlich Snapes Stimme. „Geht zurück in euren Schlafsaal."

„Oh, glaubst du wir legen uns jetzt einfach so zurück ins Bett?" fauchte Lucy.

„Wohl kaum," erwiderte Snape, „aber ihr könnt uns nicht begleiten und damit ihr euch nicht in letzter Sekunde an einen der Portschlüssel klammert halte ich es für eine gute Idee, wenn ihr diese Halle jetzt verlasst."

„Geht schon," sagte Neville, „wir sehen uns in ein paar Stunden."

Harry nickte bestätigend. Schloss seine Schwester ein letztes Mal in die Arme und küsste sie auf die Stirn, „Ich liebe dich, Bruderherz, also sieh zu, dass du gesund zurück kommst."

„Komm ich doch immer," erwiderte er leichthin.

Ginny umarmte indessen Ron und schließlich bekamen auch die anderen von den Mädchen eine Umarmung. Dann scheuchte Snape sie endgültig hinaus.

Ein Teil von Harry war erleichtert sie gehen zu sehen doch ein anderer hätte sie liebend gerne festgehalten.


Ron beobachtete Harrys Gesichtsausdruck, als Ginny und Lucy die große Halle verließen sehr genau und meinte darin die letzte Bestätigung zu finden. Harry glaubte, dass er nicht zurück kommen würde. Die Frage war nur warum. Er warf Neville einen Blick zu jetzt. „Verfluchte Scheiße."

„Was?" fragte Neville irritiert, während die anderen ihn verwirrt ansahen.

„Mein Zauberstab ist im Turm."

„Ich geh mit dir, ihn holen," sagte Neville, „Harry, komm mit, du solltest deinen Umhang holen. Kann nicht schaden, oder?"

Harry nickte, „Ja, ja in Ordnung."

„Beeilen wir uns," sagte Ron und sprintete los.

Sobald sie weit genug von der großen Halle entfernt waren blieb er abrupt stehen und wirbelte zu Harry herum.

„Also, was hast du für einen wahnsinnigen Plan?" fragte er.

Harry starrte ihn an, er versuchte ganz offensichtlich verwirrt auszusehen, doch das misslang ihm kläglich und er wirkte viel mehr ertappt.

„Was? Wovon redest du?"

„Wir reden davon," fauchte Neville, „dass du gerade eine verdammte Abschiedsrede gehalten hast."

„So ein Unsinn!"

„So ein Unsinn? Das denke ich nicht," schnappte Ron, „du vergisst, dass wir die einzigen sind, die damals deine Abschiedsbriefe gelesen haben und irgendwie konnte ich da ein paar Parallelen feststellen."

„Ich... na ja, ich könnte sterben, oder? Könnte ich doch jedes Mal."

„Ja, aber normalerweise gehst du nicht davon aus! Also sag uns verdammt noch Mal was dieses Theater soll!" schrie Ron.

„Nichts, überhaupt nichts, ihr interpretiert da was völlig falsch," erwiderte Harry, doch ein verzweifelter Unterton hatte sich in seine Stimme geschlichen.

„Rede mit uns," forderte Neville, „oder ich schwöre ich beleg dich jetzt und hier mit einer Ganzkörperklammer und sorg dafür, dass du das Schloss heute Nacht nicht verlässt." Clever.

Harrys Blick huschte von Nevilles harter Miene zu der nicht weniger harten Rons. Er atmete schnell und unregelmäßig, ehe er schließlich einen Schrei ausstieß, von dem Ron nicht sagen konnte, ob er Wut, Schmerz, Frust oder Angst zum Ausdruck brachte. Doch als er seinem besten Freund in die Augen sah, erkannte er, dass es alle Emotionen zu gleich gewesen sein mussten.

„Harry..." begann er.

Doch dieser schloss jetzt die Augen und atmete tief ein. „Ihr habt recht," flüsterte er dann, „ich werde heute Nacht sterben. Ich muss."

„Was redest du da?" fragte Neville entsetzt.

„Ich bin ein Horkrux." Er hatte seine Augen wieder geöffnet und Ron sah, dass sie feucht schimmerten.

„Was?" flüsterte er nun selbst.

„Ich bin ein Horkrux," wiederholte Harry, „solange ich lebe, ist Voldemort unsterblich. Und deshalb..."

„Nein," flüsterte Neville, „das ist doch total unmöglich."

„Ist es nicht. Es ist an dem Tag passiert, als er meine Großmutter getötet hat. Er selbst weiß es gar nicht."

Ron fühlte sich unfähig, etwas zu sagen, während Harry ihnen erklärte, was genau passiert war.

„Was für ein Bastard," flüsterte Neville schließlich.

„Ich geb nicht Snape die Schuld..."

„Ich hab auch von Dumbledore geredet."

„Er hatte genauso wenig die Möglichkeit etwas zu ändern, auch wenn es das Letzte war, Snape diesen Schwur aufzuzwingen und mit all dem zu belasten."

„Nun, das alles spielt keine Rolle," erklärte Ron mit sachlichem Tonfall, „weil du trotzdem nicht sterben wirst. Das lasse ich nicht zu."

„Was redest du da?" fragte Harry alarmiert.

„Es kann nicht sein, dass du dich für diesen Krieg opfern musst," erwiderte er, „dann muss die Welt eben warten, bis du eines natürlichen Todes stirbst."

„Und in der Zeit?" erwiderte Harry, „soll ich zusehen, wie alle anderen, die mir etwas bedeuten sterben. Das kann ich nicht. Lieber sterbe ich selbst."

„Ron hat recht," erwiderte Neville, „das ist es nicht wert."

„Dein Dad hat sich umgebracht, weil die Chance bestand, dass Voldemort ansonsten zu viel von ihm erfährt," konterte Harry, „war es das auch nicht wert?"

Neville zuckte, als hätte Harry ihn geschlagen.

„Aber Frank wäre so oder so gestorben," sagte Ron leise, „du..."

„Ich sterbe auch früher oder später. Außerdem kannst du mir nicht verbieten, etwas zu tun, was du bereits getan hast."

„Was redest du?"

„In der Kammer des Schreckens, als du mich zur Seite gestoßen hast und an meiner Stelle von dem Basilisken gebissen wurdest."

„Aber das..."

„War genau das gleiche. Du warst bereit an meiner Stelle zu sterben."

„Ich dachte nicht, dass ich deshalb sterben würde."

„Aber du wusstest, dass es passieren könnte."

„Ja, aber..."

„Siehst du? Und jetzt wo ihr es wisst, müsst ihr dafür sorgen, dass nach meinem Tod weitergekämpft wird. Voldemort weiß es nicht, er wird triumphieren, weil er denkt, dass mein Tod seinen endgültigen Sieg bedeutet und das ist der Moment in dem ihr zuschlagen müsst."

„Harry..." wisperte Neville, „wie kannst du das alles so gelassen planen?"

„Weil ich sonst durchdrehen würde," erwiderte Harry leise, „wenn ich das ganze nicht möglichst nüchtern betrachte, dann... ich meine, ich will doch überhaupt nicht sterben."


AN: Ich weiß, ich hab gesagt, ich versuche eine Woche, aber irgendwie ging alles drunter und drüber und ich hatte mit ekelhaften Kopfschmerzen zu kämpfen. Aber jetzt ist das Kapitel ja endlich da. Ich weiß, es ist ätzend, dass Finale über so einen langen Zeitraum zu ziehen, aber es ließ sich leider nicht ändern, denn ich hab auch noch andere Verpflichtungen und hänge mit meinem Lateinstudium ziemlich hinterher.

Na ja, ich geh heute Abend ins Kino und schau mir den ersten Teil vom Originalfinale an, vielleicht verschafft mir das ja einen neuen Inspirationskick. Und hey, WB hat das ganze in zwei Teilen und zieht es über ein halbes Jahr, oder so. Dagegen bin ich doch harmlos ;)

Hoffen wir trotzdem, dass das mit dem Inspirationskick klappt, denn obwohl ich mir noch gar nicht so ganz vorstellen kann, wie es wird, wenn ich nicht mehr an dieser Story schreiben kann, freu ich mich gleichzeitig auch darauf dieses Werk zu vollenden.

Lg Sanny