Kapitel 37
Erneute Verhandlung
Auf dem Weg in den Gerichtssaal hatte Amanda keine Gelegenheit gehabt, mit Snape zu reden, oder die Möglichkeit, sich ein größeres Bild über seinen Zustand zu machen. Schließlich setzte sich Amanda auf einen der beiden Stühle in der Mitte des Raumes. Sie sah hinauf zu den Richtern und war zwar beruhigt, Dumbledore zu sehen, aber die vielen neuen Gesichter irritierten sie ein wenig. Aber immerhin war dieser Birch nicht da. Kurz sah sie Snape, der inzwischen neben ihr saß, von der Seite an, doch immer noch verriet sein Gesicht nichts außer Erschöpfung und Leere.
Als sie beide saßen, begann sogleich die Verhandlung. Der Vorsitzende hielt seine Eingangsrede und erteilte danach seinen Zaubererkollegen das Wort.
Ein kleiner, dicker Zauberer, der sich zuvor schon öfter als Sympathisant Dumbledores hervorgetan hatte, meldete sich als erstes zu Wort.
„Wie wir alle wissen, lief bei den letzten Verhandlungen einiges schief und ich denke, ich spreche im Namen aller, vor allem auch im Namen der Angeklagten, wenn ich sage, dass dies hoffentlich nicht noch einmal passiert. Die Beweise, welche Mr. Birch und seine Kollegen vor gut einer Woche in dieser Verhandlungssache vorgebracht hatten, waren entweder gefälscht oder irrelevant und hätten nicht als Beweise, die eine Verurteilung rechtfertigen, betrachtet werden dürfen. Deshalb beantrage ich hiermit eine offene Beweisführung, die den beiden Angeklagten die Möglichkeit gibt, alle Zeugen dieses Mordfalls mit eigenen Ohren zu hören und mit eigenen Augen zu sehen, um erneuter Beweisverfälschung vorzubeugen!"
Nach dieser kurzen Ansprache setzte sich der kleine Zauberer wieder und wechselte kurz ein paar geflüsterte Worte mit seinem Nachbarn Dumbledore. Dieser nickte nur kurz und bedächtig und blickte kurz Snape an. Danach lauschte er wieder dem Vorsitzenden, der dem Antrag gerade Statt gab.
Severus fing Dumbledores Blick nicht auf. Er hörte zwar jedem einzelnen Wort, welches gesprochen wurde, zu, doch ging sein Blick beständig ins Leere.
Er fühlte sich selbst innerlich seltsam leer und es fiel im schwer, seine Gedanken bei der Sache zu behalten und sich auf das zu konzentrieren, was gerade um ihn herum geschah.
Immer wieder tauchten Bilder vor seinem inneren Auge auf, die er am liebsten für immer irgendwo eingeschlossen hätte und lenkten ihn ab.
Askaban hatte seine Spuren hinterlassen, körperlich wie auch seelisch. Snape fühlte sich gerade kraftloser denn je und trotz der erneuten Verhandlung umfing Hoffnungslosigkeit seine Seele. Er stand vor einem Scherbenhaufen – mit oder ohne Freispruch. (A/N: *hüüül*-*schnief*)
Es beruhigte Amanda, dass die Verhandlung diesmal scheinbar allen Vorschriften entsprechen sollte und sie den Zeugen zuhören konnten.
Zunächst wurden die Brightons nacheinander befragt und bestätigten unter anderem jeweils, dass es ihr Wunsch gewesen sei, Felonwood an Amanda zu verkaufen. Als letzter aus der Familie wurde Marvin Brighton befragt, den Amanda für den wirklichen Mörder hielt und widersprach den Aussagen seiner übrigen Familie. Wie Amanda fand, war das schon verdächtig genug, denn immerhin war in diesem Fall schon gegen ihn ermittelt worden.
Der nächste Zeuge, der aufgerufen wurde, überraschte sie. Es war Steven McLane.
Er betrat den großen Saal, setzte sich ganz ruhig auf den Stuhl für die Zeugen und lächelte Amanda zuversichtlich an. Sie konnte das Lächeln nicht wirklich erwidern, denn im Moment interessierte sie viel mehr, was er zu sagen hatte.
Steven berichtete über Amandas anfängliche Unentschlossenheit, ihre Zweifel und wie lange es gedauert hatte, bis sie sich entschieden hatte, Felonwood zu kaufen. Doch lange konnte Amanda ihm nicht folgen. Ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. Nach Askaban und zu Severus, der neben ihr saß und bei dem sie nicht wusste, wie es ihm ging. Außerdem grübelte sie noch darüber nach, wer sonst noch als Zeuge auftreten könnte. Erst als Steven sich erhob und den Zeugenstuhl verließ, richtete Amanda ihre Aufmerksamkeit wieder auf das, was um sie herum geschah.
Der Vorsitzende forderte Mr. McLane auf, sich auf einen Platz neben die Brightons zu setzen, um sich für mögliche, weitere Fragen bereitzuhalten. Dann wandte er sich wieder dem Zauberer an der Tür zu. „Rufen Sie doch bitte Mr. Riley herein."
Amanda erschrak diesmal etwas. Was sollte denn Alan hier?! Als er den Raum betrat, drehte sie sich kurz zu ihm um. Die Umgebung schien ihm nicht sehr zu behagen. Langsam setzte er sich auf den Zeugenstuhl und sah zu Amanda und Snape herüber, doch dann begann seine Befragung und der wandte sich dem vorsitzenden Richter zu.
„Mr. Riley, ist es richtig, dass Sie mit Miss Brown befreundet sind?"
Alan nickte. „Ja, seit etwa drei Jahren."
„Was haben Sie gedacht, als Sie hörten, dass sie des Mordes an ihrem Chef verdächtigt wird?"
„Mir war sofort klar, dass es sich um einen schrecklichen Irrtum handeln muss, denn so etwas würde sie nie tun, vor allem nicht wegen so einer Kleinigkeit, wie zu langen Arbeitszeiten."
Der Vorsitzende nickte und wandte sich dann an die ihn umgebenden Richter. „Wenn die Herren noch Fragen an den Zeugen haben…"
Ein Richter mittleren Alters, der sonst nicht viel gesagt hatte, erhob sich und richtete das Wort an Alan. „Was wissen Sie über die Beziehung zwischen Miss Brown und Professor Snape?"
Innerlich fluchte Amanda. Warum denn gerade diese Frage? Hoffentlich kam sie auch dieses Mal noch um die Wahrheit herum.
Alan war sichtlich überrascht. „Nun, also… Sie hatten wegen einigen geschäftlichen Dingen hin und wieder Streit. Sonderlich gut haben sie sich nicht verstanden. Dass Professor Snape für Amanda gebürgt hat, hat mich selbst ziemlich überrascht."
Der Richter runzelte die Stirn. „Wirklich?!" Er machte eine kurze Pause. „Was meinen Sie dazu Miss Brown?"
Amanda versuchte Alans fragendem Blick auszuweichen und suchte gleichzeitig nach einer passenden Antwort. „Also… Ich finde noch immer, dass es kein Grund gibt, in dieser Verhandlung darüber zu reden."
Diesmal nickte der Richter und wandte sich dann Snape zu. „Und was sagen Sie dazu?"
Die Tatsache, dass nun nacheinander Zeugen befragt wurden, die Snape persönlich kannte, riss ihn etwas aus seiner Lethargie. Er lenkte nun seine Aufmerksamkeit verstärkt auf McLane und anschließend auf Alan, dessen Escheinen ihn, wenn auch nicht sichtbar, auch überraschte.
Snape richtete sich etwas auf, als das Gespräch auf die Beziehung zwischen ihm und Amanda kam. Er hob eine Augenbraue leicht an und fragte sich, was diese Frage nun sollte, doch dann wurde er schon angesprochen.
„Ich wüsste nicht, was alles andere, was über die Tatsache hinausgeht, dass ich für Miss Brown gebürgt habe, hier von Belang wäre…", entgegnete er nur ruhig und kalt, während er dem Richter ausdruckslos in die Augen sah.
Der Vorsitzende hatte den Eindruck, dass sie diese Befragung nicht weiterbringen würde, also warf er ein: „Meine Herren… Haben Sie noch weitere Fragen an Mr. Riley?"
Nachdem keiner der Wizengamot- Mitglieder die Stimme erhob, bat er Alan, sich neben Mr. McLane zu setzen.
Als Alan Platz genommen hatte, hatte er Zeit, seine Gedanken zu ordnen. Er war erschrocken gewesen, als er Amanda und Snape gesehen hatte, wobei ihn Snapes Anblick mehr schockierte. Man sah ihm die Zeit in Askaban nur zu deutlich an. Die Frage über die Beziehung der beiden verwunderte Alan aber beinahe noch mehr. Was sollte diese seltsame Frage mit den noch seltsameren Antworten? Unter normalen Umständen hätte er geglaubt, dass sie ein Verhältnis hatten, aber das hätte Amanda ihm sicherlich erzählt und vor allem hatten sich die beiden doch immer nur gestritten! Noch immer leicht verwirrt saß er neben McLane, um die restliche Verhandlung abzuwarten.
Plötzlich beugte sich aber Mr. McLane etwas zu ihm und meinte sehr leise: „Ich versteh gar nicht, wieso sie so ein Geheimnis daraus machen…" (Autsch! *GG* - Jo, wenn dann richtig - Hehe. *G*)
Alan sah erst ihn überrascht an und dann hinüber zu Amanda, die scheinbar gerade einem neuen, ihm unbekannten Zeugen zuhörte. Das konnte doch nicht wirklich wahr sein…
Nach Snapes Antwort war Amanda, zumindest was Alan betraf, etwas ruhiger. So konnte er höchstens etwas ahnen. Gerade wurde irgendein Gutachter befragt, dessen Sinn sie noch nicht so ganz verstanden hatte und je länger die Verhandlung dauerte, desto schwerer fiel es ihr dem Gesagten zu folgen. Kurz sah sie zu Snape neben ihr. Ihm schien es auch nicht besser zu gehen. Sie seufzte sehr leise. Irgendwie war das doch alles ihre Schuld.
Keine halbe Stunde später waren dann auch alle Zeugen befragt und die Mitglieder des Wizengamots zogen sich zur Beratung zurück.
Snape seufzte leise und kaum hörbar. Er fühlte sich müde und wünschte sich gerade nur noch, sobald als möglich wieder alleine sein zu können. Dieses ganze Gerede empfand er gerade als mehr als anstrengend und die düsteren Gedanken aus Askaban quälten ihn noch immer.
Deshalb verspürte er auch keinerlei Nervosität, als das Wizengamot sich zur Beratung zurückzog und sie alleine, zusammen mit den Zeugen, auf ihre Rückkehr warteten. Er saß weiterhin regungslos und ruhig auf seinem Stuhl. Eine gewisse Gleichgültigkeit hatte sich in ihm breit gemacht.
Amanda ertrug die Ungewissheit nicht länger und sehnte eine Entscheidung herbei. Auch wenn sie noch immer fand, dass die Richter sie, mit all den Argumenten die für sie sprachen, gar nicht schuldig sprechen konnten, zweifelt sie dennoch. Dafür hatte sie einfach in dieser kurzen Zeit zu schlechte Erfahrungen mit dem Ministerium gemacht. Amanda starrte den Boden zu ihren Füßen an und versuchte an möglichst wenig zu denken. Trotzdem schlichen sich Gedanken darüber ein, wie es sein würde, freigesprochen zu werden und nach Hause gehen zu dürfen. So ganz konnte sie sich das noch nicht vorstellen. Zwar war sie diesmal nicht solange in Askaban gewesen, wie schon einmal, aber dennoch war die Vorstellung, wieder frei zu sein, surrealer als damals. Auch hatte sie keine Ahnung wie es nun mit Snape weiter gehen sollte. Doch zu weiteren Gedanken über dieses Thema kam Amanda gar nicht, denn die Zauberer des Wizengamots betraten wieder den Saal.
Während sich die anderen Richter setzten, blieb der Vorsitzende gleich stehen und begann die Ergebnisse der Beratung vorzutragen. Zunächst begann er mit dem Bericht über den Tathergang und kam anschließend auf Amanda zu sprechen. „Miss Brown hatte als Angestellte zu Mr. Brighton kein sonderlich gutes Verhältnis und wie uns berichtet wurde, hatten sie auch des Öfteren Streit. Da sie nun Felonwood gekauft hat, liegt der Schluss eines Tatmotivs sehr nah. Doch ist sie in diesem Fall nicht die einzige Verdächtige. Auch Mr. Brightons Sohn Marvin ist verdächtig, da er seinen Vater vermutlich als Letzter lebend gesehen und ihn ungewöhnlicherweise am Tattag besucht hat.
Die Ermittlungen haben nun ergeben, dass das Gift, mit dem Mr. Brighton getötet wurde, mit der Nahrung aufgenommen wurde. Laut der Kundin, die ebenfalls noch bei Felonwood war, als Miss Brown das Geschäft verließ, hatte Mr. Brighton Jr. einen Kuchen bei sich. Nähere Ermittlungen haben allerdings ergeben, dass dieser gekauft wurde... Um wieder zu Miss Brown zurückzukehren: Aus den Aussagen der Zeugen lässt sich erkennen, dass Miss Brown durchaus kundig auf dem Gebiet der Zaubertränke ist, wodurch es nahe liegt, dass sie keine Tollkirsche für einen Mord verwendet hätte und dass diese bei Felonwood gefunden wurde, ist bei einem Geschäft für Zaubertrankzutaten natürlich nicht ungewöhnlich. Ein weiteres wichtiges Argument ist, dass die Brightons an Miss Brown herangetreten sind, als es um den Verkauf des Geschäftes ging…"
Amanda kam es so vor, als würde der Richter diese ganzen Ausführungen endlos lange fortführen. Sie konnte ihm einfach nicht mehr folgen und brauchte dringend eine Entscheidung. Doch schließlich fand der Vorsitzende Richter ein Ende. „Aufgrund der dargelegten Tatsachen, sind weitere Ermittlungen oder eine Verurteilung von Amanda Brown nicht gerechtfertigt. Sie und ihr Bürge Severus Snape werden hiermit freigesprochen. Gegen das Urteil kann innerhalb von zwei Wochen ein begründeter Widerspruch eingelegt werden."
Zwar hörte Amanda die Worte, aber so ganz kamen sie nicht bei ihr an. War sie wirklich frei? Ohne Bürge, einfach so? Vielleicht fand das alles nun endlich ein Ende! Sie musste das alles erst einmal einen Moment sacken lassen und blieb ruhig auf ihrem Stuhl sitzen, während die Richter, genauso wie die Zeugen, langsam den Saal verließen.
Es war ein schweres Stück Arbeit gewesen und Dumbledore war schlussendlich zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlung. Nachdem der Vorsitzende geschlossen hatte, stand er gleich darauf auf, schüttelte noch ein paar Hände und machte sich auf den Weg nach unten, zu Severus und Amanda.
Ihm war nicht entgangen, wie schlecht Askaban seinem Schützling bekommen war und er hoffte, dass er sich davon relativ schnell wieder erholen würde.
Snape saß ruhig und regungslos da, als der Vorsitzende seinen Sermon über die Schuldfrage vortrug. Das weder er noch Amanda Schuld an Brightons Tod hatten, war ihm ohnehin von Anfang an klar gewesen.
Das finale Urteil nahm er mit der gleichen Beteiligung hin, wie schon die ganze Verhandlung. Kannte man ihn, sah man ihm an, dass es nicht kaltes Kalkül war, was ihn dieses Mal so gelassen wirken ließ. Es war stattdessen Müdigkeit und eine gewisse Art von Resignation.
Kaum drang es zu ihm durch, dass er endlich gehen konnte, erhob er sich auch schon langsam aus seinem Stuhl und wäre er heute in Weiß, nicht wie immer völlig in Schwarz gekleidet gewesen, hätte man ihn ohne weiteres für ein Gespenst halten können. (A/N: Oh man, der arme… - Ja… *seufz*)
Amanda stand ebenfalls auf und sah Severus an. Zwar konnte sie ihn nur von der Seite sehen, aber sie fand dass er noch blasser aussah als zu Beginn der Verhandlung. Sie berührte seinen Arm, aber nur kurz, weil Alan und Dumbledore gleichzeitig auf sie zukamen. Alan strahlte sie an. „Oh ich bin so erleichtert! Bei Dir alles in Ordnung?", wollte er von Amanda wissen. Doch die nickte nur und sprach Dumbledore an. „Vielen Dank, Professor Dumbledore. Ohne Sie wäre das sicherlich nicht so gut ausgegangen." Ihre Stimme war leiser, als sie selbst erwartet hatte.
Als ihn Amanda berührte, sah Severus kurz zu ihr hin. Sein Blick zeigte nicht viel mehr als schwarze Leere und Erschöpfung.
Auch er sah Dumbledore und Alan kommen, doch er hatte keinerlei Interesse, sich jetzt noch mit ihnen zu unterhalten. Sein einziges Ziel war nur noch von hier zu verschwinden und das so schnell als möglich. So nutzte er die Gelegenheit, als Dumbledore noch von Amanda angesprochen wurde, und ging direkten Weges durch die Tür des Gerichtssaals nach draußen und machte sich auf den Weg nach Hogwarts, in seine Kerker.
Amanda sah Severus kurz nach. Zwar konnte sie sein schnelles Gehen verstehen, doch verringerte es ihre Sorge um ihn nicht. Jemand sprach sie an und als sie sich wieder umdrehte, erkannte sie, dass es wiederum Alan war. „Komm ich begleite Dich nach Hause." Amanda nickte nur und folgte ihm schließlich aus dem Gerichtssaal.
