Liebe Rattenmord-Leser!
Heute habe ich bei meiner allmorgendlichen Pflichtlektüre (Hermine zwingt mich regelmäßig dazu!) folgenden, doch sehr beunruhigenden, Zeitungsartikel entdeckt. Ich druck ihn hier für euch mal ab:
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Tagesprophet vom 26. Januar 2010, Seite 7, Vermischtes
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Vermehrter Einfall von unangemeldeten Individuen bei Reviewern und Autoren der deutschen Fanfiction-Seite!
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Seit ein paar Tagen klagen Leser und Reviewer dieses Fanfiction-Forums (Muggelseite im Internet für magische Geschichten) immer wieder, dass unangemeldet und unaufgefordert seltsame, gefährlich anmutende Personen bei ihnen auftauchen und sich einnisten.
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Hedril, die sich von James Moriarty belästigt fühlt, den sie, eigenen Angaben zufolge, aus einem Sherlock Holmes Krimi herausgelesen hat.
Dark Fay, die sich gar mit Jack-the-Ripper auseinandersetzen muss.
Und Triflorifer-Autorin Legilimens, die das zweifelhafte Vergnügen hat, von 'Dirty' Harry Callahan den heimischen Kühlschrank geplündert zu bekommen.
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Sie alle beziehen diese Vorkommnisse auf die Tatsache, den Krimi RATTENMORD, der seit einiger Zeit im Muggel-Internet veröffentlicht wird, zu lesen, bzw. zu schreiben.
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Der Tagesprophet kann deshalb nur warnen: Der Lesegenuss dieser Geschichte KANN Ihr Leben verändern! Es KANN geschehen, dass Sie Personen aus der Geschichte (oder einer beliebig andern) herauslesen! Die sich dann, wie bei diesen zu bedauernden Reviewern und einer der Triflorifer-Autorinnen, ungefragt bei Ihnen einnisten und nur schwer wieder loszuwerden sind!
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Aus diesem Grund wird für diese Geschichte Warnstufe GELB ausgesprochen!
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Bitte vergegenwärtigen Sie - Warnstufe GELB bedeutet: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Heiler oder Giftmischer Ihres Vertrauens!
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LETZE MELDUNG!
Soeben wurde durch Apparier-Eule dem Tagespropheten bekannt gemacht, dass sich mittlerweile auch eine gewisse Person namens Rumpelstilzchen bei Hedril eingenistet hat!
Diese besorgniserregende Nachricht führt bedauerlicherweise dazu, dass Alarmstufe ROT ausgerufen werden muss!
(Zur Erinnerung – Alarmstufe ROT: Verlassen Sie keinesfalls das Haus, sprechen Sie niemanden mehr an – und schon gar nicht Ihre Nachbarn!)
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ACHTUNG, ACHTUNG AN ALLE LESER!
NICHT LESEN – UND AUF KEINEN FALL MITRATEN!!!
RATTENMORD HAT EINEN SEHR HOHEN SUCHTFAKTOR!
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oOo
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HE! *Empört die Arme in die Hüfte stemm und Zeigefinger heb!*
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Nochmal: Liebe Leser!
Glaubt diese Käse auf KEINEN Fall! Diesen Zeitungsartikel hat der blanke Neid diktiert!
Rattenmord ist HARMLOS!
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An dieser Stelle, wie immer, meinen herzlichsten Dank an alle Reviewer:
Dark Fay und Hedril – die gar nicht mehr an sich halten können und sogar zwei Mal reviewt haben (sollte am Tagesprophet-Artikel doch was Wahres sein?), Felina, Seraphin, Talea, Miss Perenelle und Lufa!
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So, nun euch und allen anderen Lesern viel Spaß!
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Feuerbohne
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03. 11. 2005 11:00 Uhr
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Hermine las. Zumindest bemühte sie sich darum. In Wirklichkeit aber langweilte sie sich.
Weil ich mich bei diesen penetranten Geräuschen nicht konzentrieren kann!
Sie warf Malfoy einen wütenden Blick zu.
Seit Stunden saß der bereits vor dem kleinen Kasten, einem hochmodernen und absolut neuartigen Magsermo-Hologramm.
Sie hatte von diesen Dingern bislang nur gehört. Es war eine Art magisches Telefon. Der neueste Schrei in der Zaubererwelt. Und DIE Alternative zu Flohpulver, wenn man lediglich kommunizieren wollte!
Malfoy wollte kommunizieren, oh ja!
Hermine seufzte.
Er redete nämlich nicht gleichmäßig, sondern fieberte bei jeder Auktion mit und brüllte seine Order plötzlich heraus!
„MITGEHEN!"
„ÜBERBIETEN!"
Der kleine, graue Mann, ganz offensichtlich Malfoys Auktionsvertreter, erstattete regelmäßig mit quäkender Stimme Bericht: „Objekt Zweiundzwanzig wird hereingetragen. Mister Malfoy, dabei handelt es sich um eines der von Ihnen favorisierten Optionate."
„Ich weiß", knurrte der Angesprochene, „halten Sie einfach mit!"
„Die übliche Strategie?"
„Natürlich! Nur diesmal will ich das Ding UN-BE-DINGT! Haben Sie mich verstanden? Kein Risiko! Wer bietet außer mir?"
Die Antwort konnte Hermine nicht verstehen, aber sie missfiel Malfoy sichtlich.
„Ausgerechnet der alte Sack!"
Dann wurde er still, die Auktion hatte wohl begonnen.
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Hermine konzentrierte sich wieder auf ihr Buch: 'Verhöroptimierung'.
„MITHALTEN!"
Was für ein Krach! Unwillig sah sie auf.
Malfoy, gespannt wie eine Sprungfeder, saß auf seinem Stuhl und starrte auf den kleinen Kasten. Seine Hände hatte er beschwörend vorgestreckt: „Warten!", sagte er leise, nur um im nächsten Moment wieder loszuschreien: „DRÜBER, GEHEN SIE DRÜBER!"
Er lauschte, Hermine hörte nur ein Rauschen.
Dann knurrte er: „Idiot, glaubst du, ich kriege dich nicht? Ich will das Ding! Mal sehen, wie dir DAS schmeckt.
TAUSEND MEHR!", schrie er so unverhofft heraus, dass Hermine auf dem Bett zusammenzuckte.
Die Auktion schien ihn ganz und gar zu fesseln. Er wirkte lebhaft, lachte bisweilen sein arrogantes Lachen und gestikulierte mit den Händen: „Haben wir es? So reden Sie doch! - JA!"
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Hermine reichte es. Nicht nur, dass sie sich keineswegs auf ihr Buch konzentrieren konnte! Ihrer eigentlichen Aufgabe, aus Malfoy die Wahrheit über seine Beziehung mit Ginny herauszukitzeln, war sie bislang noch nicht einmal nahe gekommen.
Auch jetzt sah es so aus, als würde der sich noch eine ganze Weile mit seinem neuartigen Spielzeug vergnügen.
Sie klappte ihr Buch zu, stellte es sorgfältig zurück ins Regal und strich wehmütig über die Buchrücken, die sich dort eng an eng drängten. Sie hatte hier keine Ruhe, keine Muse.
Ein Zustand, der sie mehr als alles andere unglücklich und unzufrieden machte!
Schließlich schnappte sie sich ihren Rufspiegel, stand auf und ging ins Bad. Dort würde sie Malfoys Stimme wenigstens nicht mehr so penetrant laut hören müssen, wenn sie ihr schon nicht entkommen konnte.
Vielleicht kann ich mal mit Neville reden! Ich hab überhaupt keine Ahnung, was seine Ermittlungen bislang ergeben haben.
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Diesmal verzichtete sie mit voller Absicht auf den Einsatz des Muffliatus. Malfoy war so beschäftigt, dass er bestimmt nicht lauschen würde. Sie konnte seine aufgeregte Stimme deutlich hören.
„SPINNT DER? DAS IST WUCHER! NEIN, ICH STEIGE AUS!"
Er steigerte offensichtlich schon wieder.
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„Neville?"
Der Rufspiegel blieb dunkel und still.
„Neville?"
Nichts.
Hermine verstellte den Empfänger: „Harry?"
Keine Reaktion.
Heute hatte sich alle Welt gegen sie verschworen! Sie saß hier, alleine mit einem ..., einem selbstherrlichen Knallkopf, der sich die Zeit damit vertrieb, bei Versteigerungen Tausende von Galleonen für irgendwelche 'Dinge' auszugeben.
Der nachts das Bett in Beschlag nahm und ihr am Hintern fummelte, wenn sie sich ebenfalls hineinlegte, immerhin war es ja auch ihr Bett – und der womöglich Ginny auf dem Gewissen hatte!
Ginny!
Schlagartig ging es ihr nicht mehr schlecht, sondern miserabel.
Ginny war tot! Dabei hatten sie sich vor vier Tagen noch getroffen.
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Nur vier Tage, Hermine stiegen die Tränen in die Augen, so wenig Zeit ist vergangen, seit wir das letzte Mal zusammen gekocht haben.
Magisch gekocht!
Fatalerweise.
Sie hatten das gerne gemacht, an langen, dunklen Abenden.
Jede hatte ein paar Zutaten bekommen, einen kleinen Kessel – und dann war es losgegangen: Mittels Zauberstab hatten sie erst ihre Kessel schweben, die Zutaten hineinbefördern und dann alles köcheln lassen.
Eine Menge Zaubersprüche und etliche Kicheranfälle später hatten sie dann ihre Ergebnisse verglichen und gegebenenfalls (wenn das Ergebnis einigermaßen appetitlich gewirkt hatte), sogar probiert.
Meist aber hatten sie anschließend den magischen Pizzaservice gefloht und sich ein Essen bestellt.
Sie hatten bei ihren Treffen ständig gezaubert.
Beste Voraussetzungen dafür, dass ich mich bei ihr angesteckt habe!
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Hermine erstarrte: DIESEN Gedanken hatte sie bislang erfolgreich verdrängen können!
Ginny war mit der Pest infiziert gewesen, wahrscheinlich sogar bereits daran erkrankt. Auch wenn ich davon überhaupt nichts gemerkt habe. Und auch, wenn Ginny mit Sicherheit nicht an der Pest gestorben war, SIE würde es – vielleicht!
Vielleicht, sagte sie sich, ich MUSS mich nicht angesteckt haben!
Oder doch? Steckte man sich zwangsläufig an, wenn man in Gegenwart eines Infizierten zauberte?
Soweit sie wusste, gab es dazu keine wissenschaftlichen Erkenntnisse!
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Hektisch drehte sie am Wasserhahn, ließ Wasser herausspritzen, ehe der Schluchzer, der sich bereits in ihrem Kehlkopf ankündigte, in ihrem Hals nach oben drang, nach draußen. Gleichzeitig mit einem Tränenstrom.
Sie würde sterben.
Wahrscheinlich sogar hier! Hier, in diesem Quarantänezimmer. In dem sie mit diesem unsäglichen Malfoy feststeckte!
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Sie neigte sich nach vorn, über das Waschbecken. Hielt sich am Rand und schluchzte. Schluchzte, dass sie bebte.
Sie würde sterben! An der Pest!
Ich bin zu jung, dachte sie verzweifelt, als hätten Argumente einen Einfluss darauf, viel zu jung, um an so etwas sinnlosem, wie dieser Krankheit zu sterben.
Aber das spielte keine Rolle. Sie war infiziert und in ein paar Tagen würde die Pest bei ihr ausbrechen. Und dann würde sie sterben!
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Was ist mit deiner Aufgabe? Die Stimme war sehr klein, die das in ihrem Kopf flüsterte. Klein, immerhin aber vorhanden. Ja, was war damit? Sie war doch von Berufs wegen hier! Hatte einen Job zu machen. Sollte Malfoy überführen.
„SCHEISS DRAUF!", brüllte sie plötzlich los, ergriff ihre Haarbürste und warf sie an den Spiegel.
„SCHEISS DRAUF!" schrie sich nochmals, als der Spiegel dummerweise nicht zersprang, nur die Haarbürste scheppernd ins Waschbecken fiel.
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Alles war egal!
Sie sank zurück, auf den Toilettendeckel, kauerte sich zusammen und weinte haltlos.
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(Feuerbohne)
