Was soll nicht noch alles passieren?
Der Länge nach schlug Hermine auf. Die Halliwells hatten vor Jahren ein kleines Gitter vor dem Kamin aufgestellt, damit Helena sich nicht weh tun konnte und über dieses war die Gryffindor nun gefallen. Das Klirren machte auf sie aufmerksam und die Schwestern eilten aus der Küche herbei. Sie waren gerade dabei gewesen ihre Tassen abzuwaschen. „Hermine?", stellte Helena verwirrt fest und half ihrer Freundin hoch. Diese sah sehr verstört aus. „Was ist passiert?" Den Briefumschlag in ihren Händen beachtete sie gar nicht.
„Ich ähm … Snape schickt mich … Er meinte, ich sollte mit dir reden und hat mich dazu vom Unterricht freigestellt, um mit dir zu lernen!", stotterte Hermine und sah ihre Freundin dabei an. Erst dann fiel ihr der Brief wieder ein, denn sie dann prompt an das Mädchen gegenüber reichte. Doch diese schüttelte den Kopf und nahm ihn nicht an.
„Behalt ihn! Ich kann im Moment nichts ertragen, was meine Laune runterziehen könnte. Immerhin haben wir die Quelle besiegt!", schloss sie hocherfreut ab. Als sie Hermines verständnislosen Blick bemerkte, begann sie sofort mit der Erzählung über die Geschichte der Unterwelt. Die Braunhaarige folgte gespannt. Immer wieder grinste Helena als sie sah, wie erstaunt Hermine manchmal die Augen oder der Mund aufging. Die Geschichte war spannender als der Stoff den Binns immer brachte. Schnell vergaßen sie auf den Brief, der mittlerweile auf dem Couchtisch lag. Es war schon spät, als Piper die beiden Mädchen aus einer Diskussion über Dämonen riss und ins Bett schickte. Die beiden Gryffindor widersprachen nicht und verschwanden sofort in Helenas Zimmer, wo sie Hermines Koffer fanden. Snape hatte ihn tatsächlich bringen lassen. Nachdem die beiden umgezogen waren und am Bett lagen, kam Cole ins Zimmer und erzählte wie immer als Gute-Nacht-Geschichte eine seiner dämonischen Abenteuer. Helena gefiel es zu Hause zu sein, auch wenn ihr Gewissen etwas anderes sagte. Sollte Snape doch bleiben wo der Pfeffer wuchs.
Früh am Morgen weckte Phoebe die Mädchen zum Frühstück. Hermine hatte wunderbar geschlafen, doch Helena hatte recht lange gebraucht, bevor sie ins Reich der Träume entgleiten konnte. Sie schob es auf die vergangene Aufregung. Immerhin wären sie fast alle drauf gegangen. Doch im letzten Moment war alles gut gegangen.
„Ich hoffe, ihr nutzt die Zeit tatsächlich zum Lernen!", mahnte Piper, während sie nach dem Frühstück zu dritt den Abwasch machten. Die Mädchen nickten. „Gut, ich muss nämlich in den Club, ebenso wie Leo. Phoebe muss Arbeiten, Paige auch und Cole hat mal wieder was zu erledigen. Also seid ihr beiden alleine." Begeistert klang die älteste Halliwell nicht bei dem Gedanken, doch sie konnte die beiden nicht mitnehmen.
„Keine Sorge, Piper. Wir beamen uns in die Zauberschule, damit wir dort die Bücher benutzen können. Sigmund wird schon auf uns aufpassen! Oder Miss Donovan, weil wir uns ja in der Bibliothek aufhalten!" Helena wischte ein Teller trocken und ließ es dann ins Regal schweben. Telekinese war doch was Tolles. Hermine verzog leicht ihren Mund. Wieso durfte man nicht ohne Zauberstab zaubern?
„Das ist eine wunderbare Idee! Dann muss ich nicht andauern Angst um euch haben. Am besten ihr brecht gleich auf", schlug die Schwester vor und warf unabsichtlich einen Stapel Teller um. Schnell hob sie die Hände um das zerbrechliche Gut in der Luft anzuhalten. Die Jüngste lächelte mal wieder über die Tollpatschigkeit ihrer Schwester und half ihr die Teller aus der Luft zu fischen. Auch Hermine ging ihnen zur Hand.
„Sag mal, Zauberschule … darf man da auch mit Zauberstab zaubern?", fragte Hermine kleinlaut und stopfte ihre Bücher in die Tasche. Helena hatte ihr zwar versichert, dass die Bücher der Zauberschule mehr als ausreichend waren. Doch die Strebsame wollte sich nicht darauf verlassen. Nachdem sie endlich fertig waren, fassten sich die Mädchen an den Händen und beamten in die Schule.
Hermine staunte nicht schlecht, als sie die unzähligen Regale voll Bücher sah. Hogwartsbibliothek war nichts dagegen. Pince würden die Augen aus dem Kopf fallen. Die Mädchen stellten ihre Taschen auf einen Tisch und sahen sich um. Plötzlich kam eine rothaarige Frau auf sie zu.
„Helena! Schön dich zu sehen! Was macht ihr den hier?", wollte sie sofort wissen. Die 38-jährige sah zwar streng aus, war aber recht nett, wenn man sie länger kannte. Miss Donovan sah die beiden forschend an. Die junge Halliwell hatte sie schon lange nicht mehr gesehen.
„Wir wollen hier für unsere Prüfungen in Hogwarts lernen! Und wollten Sie fragen, ob Sie uns beim Suc…", begann Helena, doch sie wurde unterbrochen. Donovan schritt einfach an den beiden vorbei und zog hier und da ein Buch aus dem Regal.
„So leid es mir auch tut, aber Mr. Monkeyshines braucht meine Hilfe!", erklärte sie und stapelte Bücher auf ihren Armen. Als es zu viele wurden, erschien ein Astralzwilling neben ihr und nahm weitere Bücher. Doch auch für zwei Personen waren es zu viele.
Helena zog Hermine zu der Bibliothekarin und nahm ihr die Bücher ab. „Lassen Sie uns erst einmal helfen!" Sie wusste das Monkeyshines Literatur unterrichtete. Immerhin war sie selbst hier Schülerin gewesen.
„Ich kann trotzdem nicht auf euch aufpassen! Und sonst hat auch keiner Zeit! Am besten ihr setzt euch in eine Klasse!" Noch immer zog sie hier und da Bücher heraus. Zu viert eilten sie dann zu einem Klassenzimmer und brachten die Lesewerke hinein. Mr. Monkeyshines zwinkerte der Halliwell zu und auch die Schüler grüßten sie höflich.
Anstatt sich in eine Klasse zu setzen, blieben die beiden einfach alleine in der Bibliothek. Es war viel stiller hier. Keine Miss Pince die rumgeisterte, kein Slytherin, der einem plötzlich einen Streich spielte. Einfach nur Ruhe. Die Bücher die sie brauchten, fanden sie auch einfach. Nach zwei Stunden half ihnen dann Sara bei der weiteren Suche. Immerhin war sie ja die Assistentin von Miss Donovan. Mit dem älteren Mädchen hatten sie jede Menge Spaß und wurden auch teilweise vom Lernen abgelenkt. Doch die beiden störte das wenig. Sie lachten und scherzten, bis es Zeit zum Mittagessen war. Sara und die beiden Hogwartsschülerinnen begaben sich in den Speisesaal der Zauberschule. Wie immer saßen alle brav an den Tischen und warteten bis die Lehrer eingetreten waren. Sobald diese das Zeichen gegeben hatte, setzten sich auch die Schüler. Wie sehr sie diese Atmosphäre doch vermisst hatte. Helena schnappte sich einen Apfel und biss hinein.
„Miss Halliwell! Das habe ich richtig vermisst. Aber ich tue es jetzt gerne wieder: Bitte essen Sie etwas Vernünftiges, nicht nur einen Apfel!", ertönte eine Stimme hinter ihnen. Mr. Feeney, der Telekinese-Professor stand lächelnd hinter ihr. Wie immer musste ein Lehrer während dem Essen immer wieder durch die Tischreihen gehen, um die Schüler eventuell vom Zaubern abzuhalten. Oder sie zu ermahnen was zu essen. „Helena, wie geht es Ihnen in Hogwarts?" War die Frage, die ihm auf der Zunge lag. Auch den anderen schien es so zu gehen. Die Schüler und Professoren in der Nähe lauschten ihrer Erzählung gespannt. Sie lachten, als sie ihnen von den Besenflugstunden erzählte, oder von der Stunde in der sie einen Knopf in einen Käfer verwandeln mussten. Die Mittagspause verging schnell und die Mädchen kehrten wieder in die Bibliothek zurück.
Eine kleine Hauselfe rüttelte an seinem Ärmel. „Professor Snape? Sir, Professor Dumbledore hat Elly befohlen, Meister zu holen!", piepste sie aufgeregt. Snape schlief richtig tief und fest, was bei der halb leeren Cognacflasche, die am Boden lag, kein Wunder war. Elly hatte schon oft mitbekommen, dass er zu alten Gewohnheiten tendierte, wenn ihm etwas weh zu tun schien. Anscheinend wusste er nicht anders damit umzugehen. „Meister muss aufwachen!"
Grummelnd schlug er die Augen auf. „Warum verlangt Dumbledore schon wieder nach mir?" Er richtete sich langsam auf. Sein Kopf hämmerte, als ob kleine Feen mit einem Hammer drauf schlagen würden. Was brauchte der Alte denn schon wieder? Vermutlich wollte er ihn nur wieder eines Besseren belehren. Was anderes war ja auch nicht zu erwarten. Severus fuhr sich mit den Handflächen übers Gesicht und gähnte. Seit wann ließ er sich so gehen? Kopfschüttelnd erhob er sich und schritt in seine Räume um sich frisch zu machen und umzuziehen. Doch als er zurückkehrte in seine Räume, traf er auf jemand unerwartetes. „Lucius? Was verschafft mir die Ehre am frühen Morgen, mein Freund?" Die Worte trieften nur so vor Sarkasmus. Aber das war eben die Art der „Freundschaft" der beiden.
„Severus, mein Freund, du siehst nicht besonders gesund aus", stellte er belustigt fest, „Ich bin hier, weil für heute ein Treffen angesagt ist und ich nicht möchte, dass du noch einem fern bleibst. Man zweifelt inzwischen an deiner Loyalität! Und das willst du doch nicht, oder?" Er warf sein langes blondes Haar nach hinten und stütze sich auf seinen überflüssigen Gehstock.
Seine gespielte Sorge ließ Snape beinahe auflachen. Doch erhielt sich zurück. Stattdessen wandte er sich seinem Schreibtisch zu, auf dem immer noch die unkorrigierten Aufsätze lagen. Schmerzhaft erinnerte er sich an gestern Abend. Sie war weg! Aber irgendwie war das auch gut so. Bei ihren Schwestern konnte es ihr nur besser ergehen. Schnell wandte er sich um, sodass seine tiefschwarzen Haare nach hinten fielen. „Natürlich werde ich dem Treffen beiwohnen. Niemand soll an mir zweifeln! Immerhin habe ich viel für den Lord geopfert. Außerdem habe ich, wie du siehst ja wieder unbeschränkt Zeit. Und nun entschuldige mich, der Schulleiter wünscht mit mir zu sprechen!" Der Blonde verabschiedete sich nach seinem Kurzbesuch und Severus schritt durch den Kamin zu Dumbledore. Gespannt, was dieser so früh von ihm wollte, erschien Snape im Kamin des Schulleiters.
Dumbledore saß hinter seinem Schreibtisch, welch Überraschung. Nachdem Severus vor ihm platzgenommen hatte, begann der Schulleiter zu sprechen. „Guten Morgen, mein Junge. Wie ich hörte, haben sich Helena, als auch Hermine eine Auszeit zum Lernen genommen. Ich werde nicht nachfragen, ob du etwas damit zu tun hast. Nein das werde ich nicht. Ich möchte dich nur bitten, solange bis deine Tochter wieder zurückkehrt, dich nicht den Abgründen hinzugeben, die so auf jemanden lauern können." Dumbledore erhob sich und schritt zum Fenster. Severus rollte mit den Augen. Wieso nur hatte er genau sowas erwartet? Der Alte wurde durchschaubar! „Du kannst gehen, wir sehen uns ja dann zum Frühstück." Und somit war das kurze Gespräch beendet. Keine Worte darüber, wie man Helena zurückholen konnte. Nur ein Ratschlag, ein eigenartiger, dennoch ahnte Severus was gemeint war. Sein Gewissen rührte sich. Immerhin war das kein Befehl, sondern eine Bitte eines Freundes. Befehle konnte man leicht ignorieren, aber Bitten nicht. Daher fand er sich eher widerwillig am Frühstückstisch ein, aß aber nichts. Der Appetit war ihm schon gestern vergangen. Keiner der Kollegen wagte etwas zu sagen, vermutlich war es Dumbledores Werk. Aber es war auch gut so. Er hasste Konversationen sowieso aufs Blut. Sobald die ersten Schüler die Halle verließen, schloss er sich ihnen an und eilte in die sichere Dunkelheit und kühle seines Kerkers.
Die beiden Mädchen hatten einen witzigen Tag in der Zauberschule verbracht, als Paige plötzlich vor ihnen stand und sie nach Hause orderte. Hermine merkte, dass ihre Freundin ihre Schwester nicht wirklich leiden konnte. Und das brachte sie auch zur Ansprache, als die beiden alleine in Helenas Zimmer lagen. „Kann es sein, dass du Paige nicht magst?", fragte sie leise und legte den Kopf schräg um Helena zu sehen.
Diese stütze sich auf ihre Arme und hob den Kopf. „Wie kommst du denn da drauf?", fragte sie und versuchte verwirrt zu klingen, doch es gelang ihr schlecht. War es wirklich so offensichtlich, dass sie die Matthews nicht wirklich mochte? Wenn ja, dann musste sie sich eine neue Taktik einfallen lassen.
„Naja du siehst sie immer so genervt an, wenn sie was sagt und sonst bist du auch nicht sonderlich nett zu ihr!", erklärte Hermine. Sie biss sich auf die Unterlippe. Wenn sie falsch lag, würde es extrem peinlich werden für sie. Doch die junge Halliwell setzte sich auf und sah schuldbewusst an.
Helena wusste nicht recht, wie sie es erzählen sollte. Immerhin wusste sie selbst nicht ganz, woher das rührte. Normalweise verstand sie sich mit fast allen Personen die sie kannte. Slytherin ausgenommen. Immerhin hatte sie auch Snape sofort in ihr Herz geschlossen, aber an den wollte sie keinen Gedanken mehr verschwenden. „Weißt du … ich denke ich mag sie nicht, weil sie plötzlich da war", druckste sie herum. Ihr Pyjamaoberteil wickelte sie um ihren Finger.
Auch die Braunhaarige hatte sie aufgesetzt. So ein ernstes Gespräch verlangte vollste Aufmerksamkeit. „Du meinst nach dem Tod von Prue?" Als sie ihre Freundin nicken sah, legte Hermine behutsam einen Arm um die Schulter ihrer Freundin. „Es muss hart gewesen sein, wenn eine Schwester stirbt und plötzlich ist eine Neue da", schlussfolgerte sie.
Tränen begannen sich in ihren Augen zu sammeln. „Ja … man fühlt sich da selbst so auswechselbar!", schluchzte Helena, „außerdem tut es immer noch weh, wenn ich an sie denke!" Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, bevor sie zu weinen begann. Hermine drückte ihre beste Freundin an sich um sie zu trösten. Eine Weile saßen sie so da, bis sich die Schwarzhaarige wieder beruhigt hatte.
Hermine hielt sie solange fest, bis Helena nicht mehr weinte. „Du hast deine Schwester richtig gerngehabt. Klar, dass du Paige nicht magst, immerhin ist sie ja quasi der Ersatz für Prue." Sie würde ja nicht anders reagieren, wenn sie eine Schwester hätte. Die Braunhaarige ließ ihre Freundin los und sah sie aufmunternd an. Ob die Halliwell schon jemals jemand anderen das erzählt hatte? „Wenn es dich so trifft, dass deine Schwester tot ist, was denkst du wie sehr es Snape mitnimmt, das du weggelaufen bist?", begann die Gryffindor ohne groß darüber nachzudenken. Sie wusste, wieso sie gerade jetzt damit anfing. „Und du hast ihn doch auch lieb, oder etwa nicht?"
Die letzte Träne weggewischt, sah sie ihre Freundin verständnislos an. Wieso begann sie jetzt wieder von Snape? Der sollte doch bleiben wo der Pfeffer wächst. „Dem stört es doch nicht weiter, dass ich weg bin. Immerhin ist ein Kind doch nur ein Klotz am Bein!", murrte sie und gab ihrer Freundin zu verstehen, dass sie nicht weiter darüber sprechen wollte. Helena legte sich wieder hin und wandte Hermine den Rücken zu. Doch schlafen konnte sie nicht. Zu sehr waren ihre Gedanken nun bei ihrem Vater. Ob er sie wirklich vermisste? Dabei mochte er sie doch eigentlich nicht, oder? Fragen über Fragen quälten sie und hielten sie vom Schlaf ab.
Der Tag schritt ohne besondere Vorkommnisse voran und Severus wurde zunehmend nervös. Lange war er schon nicht auf einem Treffen gewesen und nun würde er wieder einem beiwohnen müssen. Allein der Gedanke daran zu den alten Gewohnheiten zurück zu kehren, ließen ihn schaudern. Wie sehr Helena ihn doch geprägt hatte in den paar Monaten. Endlich war der Unterricht um und er verschwand in seine Räume. Blasser als sonst stand er nun vor seinem Spiegel und betrachtete sich in seiner Todesserrobe. Seiner Tochter zu liebe hatte er eigentlich ohne diese Dinge auskommen wollen, doch jetzt wo sie weg war, musste er sich ja nicht mehr Sorgen machen, wenn er nicht mehr zurückkehrte. Keiner erwartete ihn zurück. Pünktlich um 20 Uhr erschien er vor der alten Riddle-Villa. Wie immer wartete Lucius auf ihn. „Guten Abend mein Freund. Du siehst Blass aus!", bemerkte der Blonde und schritt voran. Seufzend folgte Severus seinem Schulfreund ins Haus. Die andere würden bestimmt schon warten. Viele waren nicht übergeblieben, da mehr als die Hälfte entweder tot oder in Askaban war. Die beiden Todesser schritten durch das alte Herrenhaus und hielten schließlich vor einer vermoderten Tür. „Bereit deine alten Freunde wieder zu sehen?", fragte Lucius amüsiert und stieß die Tür, ohne auf eine Antwort zu warten, auf. Wie erwartete saßen schon die alten Bekannten da. Seit Voldemort seine Macht eingebüßt hatte und verschwunden war, hatte Lucius den Vorsitz der Treffen übernommen. Daher standen alle auf, als sie den Raum betraten. Misstrauische Blicke wurden Severus zu Teil doch er ignorierte sie und bedachte alle mit seinem kühlsten Blick. Seine altbekannte Maske hatte wieder seine Miene versteinert, als er sich neben Malfoy niederließ.
„Liebe Todesser-Freunde. Wie immer finden wir uns hier zusammen, damit keiner von uns vergisst, wenn wir zu dienen haben. Auch wenn wir den dunklen Lord noch nicht gefunden haben, werden wir dennoch nicht aufgeben! Und Severus hat etwas, was uns weiter helfen könnte! Seine Tochter ist eine Halliwell! Die können bestimmt einen Zauber entwickeln, der uns hilf den Lord zu finden!" Lucius Eröffnung reichte aus, um Severus Status als treuer Todesser bei den anderen wieder herzustellen. Sofort sahen sie ihn wieder so an wie früher. Ehrfürchtig. Als der Blonde das alles kund tat, versetzte es Severus einen Stich. Helena als Mittel zum Zweck? Wollte er nicht genau das verhindern? Er würde das nicht zu lassen. Der Lord durfte einfach nicht zurückkehren. Nun ruhten alle Blicke auf ihm und man erwartete, dass er allen berichtete, wie sehr er darauf hinarbeitete, dass seine Tochter etwas für den Lord tat.
Daher erhob er sich und sah sich in der Runde um. Im war nicht besonders wohl, und das nicht nur bei der Sache. Seit heute Morgen fühlte er ein Gefühl des Übels, doch er hatte es verdrängt und war seinem Alltag nachgegangen. „Es tut mir leid euch mitteilen zu müssen, dass die jüngste Halliwell, welche meine Tochter zu sein scheint, nicht mehr an meiner Seite ist, sondern zurückgekehrt ist zu ihren Schwestern! Aber ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um sie dazu zu bringen, mir wenigstens einen Zauber auszuhändigen, der den Lord wiederbeleben kann!" Er sagte dies mit solch gespielter Überzeugung, dass es die Todesser zum Jubeln brachte. Severus ließ sich jedoch wenig begeistert in seinen Stuhl fallen. Alles um ihn begann sich zu drehen, und das gefiel ihm gar nicht. Daher verfolgte er den Rest des Treffens eher passiv und versuchte interessiert auszusehen. Endlich war das Ende in Sicht und die Todesser machten sich auf den Weg. Nur Lucius und Severus blieben zurück. Der Schwarzhaarige rieb sich die Schläfen. Was war heute nur los mit ihm?
„Severus, du bist nicht nur blasser als sonst, sondern siehst auch noch kränklich aus!", stellte Lucius fest. Lag da etwa Besorgnis in seinen Worten? Oder bildete Severus sich das ein? Der Blonde verschwand hinter einer Tür und kam mit einem Glas Wasser wieder. „Trink das!", sagte er barsch zu dem Tränkemeister und reichte ihm das Glas. In einem Zug leerte der Slytherinhauslehrer das Wasser, doch Besserung war nicht in Sicht.
Schwankend erhob er sich. „Ich denke, ich werde heute noch Pomfrey einen kleinen Besuch abstatten", gab er leise zu. Was er natürlich nicht machen würde. Lieber würde er in seinem Kerker verenden. Aber dieser Wunsch war ihm bis jetzt noch nie erfüllt worden. Er verabschiedete sich von seinem „Freund" und verließ das Haus. Dabei stütze er sich immer wieder an der Wand ab. Was zum Teufel war nur los. Er konnte es sich nicht erklären. Etwas Falsches konnte er nicht gegessen haben, immerhin hatte er den ganzen Tag nichts zu sich genommen. Gerade noch so viel Kraft um zu apparieren, verschwand er nach Hogsmead.
Eine Woche verging und Helena und Hermine verbrachten jeden Tag in der Zauberschule. So lernte Hermine ein paar Zaubertricks ohne Zauberstab. Sie konnte Gegenstände nun bedingt schweben lassen. Das ließ sie ihren anfänglichen Groll wegen Helenas Macht ein stückweit vergessen. Der Brief, denn die braunhaarige Gryffindor bei der Ankunft bei sich gehabt hatte, lag immer noch am Couchtisch im Wohnzimmer. Die beiden verschwendeten außer beim Lernen keinen Gedanken an Hogwarts. Zu viel machte es ihnen Spaß mit den Zauberschülern zu albern. Schon bald erfuhr Hermine, dass ihre Freundin so berühmt war wie Harry. Doch es störte sie nicht, da man sie auch beachtete. Man interessierte sich dafür, wie es war als Muggelstämmige eine Hexe zu sein. Die Aufmerksamkeit, die ihr zuteilwurde, gefiel der Granger ein wenig. Helena hingegen schien sich nichts sehnlicher als Abgeschiedenheit zu wünschen. Außerdem aß sie recht wenig, was ihren Schwestern nicht sonderlich gefiel. Es nahm sie mehr mit, als sie zugeben wollte.
Es war mittlerweile Wochenende und die Halliwells saßen gemeinsam mit Hermine beim Abendessen. Alle erzählten sich munter und fröhlich, was sie die Woche so erlebt hatten. Nur Helena stocherte lustlos in ihrem Essen und überlegte, wie sie schnellstmöglich vom Tisch wegkam. Doch plötzlich schlug Piper mit der flachen Hand auf den Tisch und die junge Halliwell zuckte zusammen. „Es reicht Helena! Du wirst den Brief lesen und dann wirst du nach Hogwarts beamen und dich entschuldigen!" Helena brauchte eine Zeitlang bis sie kapierte, was ihre Schwester meinte.
Achja, Snape. Phoebe hielt ihr den Brief hin. Widerwillig las sie ihn. Bei jedem Wort kamen ihr die Tränen. Es war tatsächlich alles eine große Entschuldigung. Für alles, was er jemals getan zu haben schien, oder was er dachte ihr angetan zu haben. Am liebsten wäre sie ihm sofort in die Arme gefallen. Snape hatte sie tatsächlich gern, auch wenn er es nie aussprechen würde. Dennoch sprach der Brief für sich. Sofort sprang sie auf. „Hermine wir müssen zurück nach Hogwarts! Sofort!" Es tat ihr schrecklich leid, dass sie ihn alleine gelassen hatte. Schnell war sie in ihrem Zimmer, und packte das nötige zusammen. Hermine kam wenig später ins Zimmer und tat es ihr gleich. Nachdem die beiden fertig waren, machten sie sich auf nach Hogwarts.
Wie eine Irre lief sie durchs Schloss und suchte nach ihrem Dad. Doch er war nirgends zu finden, auch nicht im Kerker. Wo sollte sie suchen? Hermine war dabei keine große Hilfe. Ungehalten lief die Treppen hinab und blieb in einer Trickstufe hängen. Der Länge nach schlug sie hin und schürfte sich den Arm auf. Leise fluchte sie und versuchte ihr Bein zu befreien. Doch sie schaffte es nicht. „Brauchen Sie Hilfe?", vernahm Helena die Stimme ihrer Hauslehrerin. Die Schwarzhaarige nickte so heftig, dass ihre leichten Locken auf und absprangen. Natürlich versuchte sie auch ihre Tränen verstecken, welche sich aus Verzweiflung einen Weg aus ihren Augen gesucht hatten. Wo war Snape nur? McGonagal sah ihren aufgeschürften Arm und geleitete die Befreite zum Krankenflügel. „Miss Halliwell ich bitte sie nun, ruhig zu bleiben. Sie müssen stark sein. Vor gut einer Woche kam ihr Vater von einem Treffen zurück und ist zusammengebrochen. Seither versuchen wir ihn zu wecken und herauszufinden was er hat!" Wie angewurzelt blieb Helena stehen. Was? Ihr Dad war krank und sie wusste nichts davon? Noch mehr Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln und nahmen ihr die Sicht. McGonagal nahm das geschockte Kind an der Hand und führte sie in den Krankenflügel. Gleich neben der Tür entdeckte sie Ron, mit einer Gipshand. Ob sie wissen wollte, was ihm wiederfahren war? Doch ihre volle Aufmerksamkeit galt dem Mann in schwarz am Ende der Bettenreihe. Sie riss sich von McGonagal los und lief zu Snape. Wie eine Wachsfigur so blass lag er da. Die Wangen waren eingefallen und er sah so aus, als ob er tot wäre. Heulend vergrub sie ihr Gesicht in seinem schwarzen Umhang. Was war nur mit ihm los? Tröstend platzierte Minerva ihre Hand auf der Schulter der Weinenden. „Wir haben schon so viel versucht. Vielleicht wissen sie, was los ist", versuchte die Professorin irgendwie das Kind vom weinen abzubringen. Doch es half nichts.
Bitterlich weinend lag sie halb auf Severus Oberkörper. „Dad es tut mir leid", schluchzte sie. Plötzlich stand Potter neben ihnen und nahm Helena in den Arm. Harry war zwar da um Ron zu besuchen, doch als er seine Freundin sah, musste er sie einfach trösten. Es war schön, dass sie wieder da war. Und es tat weh, sie so weinen zu sehen. Nur umso fester drückte er sie an sich, als sie weiterhin murmelte. „Es ist meine Schuld, alles meine Schuld!" Helena wusste nicht wieso, aber es musste ihre Schuld sein. Sie war nicht da gewesen und hätte ihm vielleicht bei was auch immer helfen können. Und jetzt lag er da, rührte sich nicht. Vorsichtig löste sie sich von Harry, der ihr immer noch gut zu sprach. Vielleicht halfen ja ihre Heilkräfte. Langsam stellte sie sich vor seinem Bett hin und legte die Hände auf die Stelle, wo sein Herz sein müsste. Wie immer dachte sie an die Liebe zu ihm. Ihre Hände begannen zwar zu glühen, dennoch geschah nichts weiter. Ein weiterer Weinkrampf schüttelte sie. Machtlosigkeit hasste sie in solchen Fällen. „Leo!", war ihr einziges Wort bevor sie sich wieder an Harrys Schulter ausheulte. McGonagal konnte nicht anders, als die beiden Gryffindor aus der Krankenstation zu lotsen. Widerwillig wurde Helena von ihrem regungslosen Dad entfernt. Sie wollte bei ihm bleiben. Doch Gonni drohte mit Punkteabzug. Und das war im Moment eher schlecht, wie sie gleich darauf von Harry erfuhr. Anscheinend war Norbert geschlüpft und auch schon auf dem Weg nach Norwegen, oder wohin auch immer, so genau hörte sie nicht zu. Sie wollte zu Snape.
Leo indes, war Helenas Ruf nicht gefolgt, da er bereits in Hogwarts war. Er saß in Dumbledores Büro. Gemeinsam mit Gideon versuchten die Männer eine Lösung für Severus Starre zu finden. „Es kommt nur noch eines in Frage! Ein Dämon!", schloss Dumbledore seinen Vortrag. Gideon und der Wächter des Lichts nickten. Das würde einleuchten. Aber wieso sollte ein Dämon sich an Snape vergreifen?
„Was, wenn es eine Falle ist? Wenn ein Dämon so versucht an Helena ran zu kommen?" Immerhin war es, nachdem Tod der Quelle, von größerer Priorität für die Dämonen geworden eine Halliwell zu töten. Demjenigen winkte nämlich der neue Posten als Unterweltboss. Das war allen bewusst. Auch Leo. Dieser erhob sich und schritt auf und ab. „Die Schwestern werden sich gemeinsam darum annehmen!"
„Nein!", nun erhob sich auch Gideon, „Das ist zu gefährlich! Am besten ein paar Leute der Zauberschule!" Natürlich würden nur die Schwestern wissen, was zu tun war, aber auch in der Zauberschule gab es fähige Zauberspruchfinder. Auch wenn keiner so gut wie Phoebe war. Aber es war egal. Irgendwas würde man schon finden.
Dumbledore seufzte und rieb sich den Nasenrücken. Severus hatte schon so viel mitmachen müssen und nun auch noch das. Was kam noch? „Gut, versucht alles, was geht. Er muss nur wieder zurückkommen." Er machte sich schreckliche Sorgen um den Jungen. Und Helena würde auch nicht glücklich sein, wenn sie erfuhr, was mit ihrem Dad war.
Harry und Hermine versuchten ihre Freundin irgendwie zu trösten, doch es half nichts. Die Halliwell war untröstlich und gab sich an allem die Schuld. Nachdem die anderen eingeschlafen waren, lag Helena noch immer wach im Bett und weinte stumm vor sich hin. Ihrem Dad ging es schlecht und sie hatte es nicht gewusst. Wenn sie da gewesen wäre, würde er jetzt bestimmt in seinem Bett liegen und schlafen. Und sie wäre neben ihm und würde sich an ihn kuscheln. Erneut schüttelte sie es vor Schluchzen. Sie musste was unternehmen. Vorsichtig glitt sie aus dem Bett und trat aus dem Schlafsaal. Sie würde zu Snape in den Krankenflügel gehen. Ohne große Umschweife beamte sie an sein Krankenbett und legte sich neben ihn ins Bett. „Es tut mir leid Dad!", flüsterte sie ihm zu und schloss die geröteten Augen. Ihre Hand suchte Seine. Diese war schrecklich kalt und ließ sie zurück zucken. Sachte schmiegte sich an ihn. Er war eiskalt. Vielleicht sollte sie versuchen ihn zu wärmen. Vorsichtig konzentrierte sie ihre Feuermagie darauf, ihre Hände aufzuwärmen. Diese legte sie auf seine Wangen, welche ebenfalls eisig waren. Vielleicht war er deswegen so extrem blass. Vielleicht war er eingefroren. Ein absurder Gedanke, aber bei den dämonischen Flüchen gar nicht so abwegig. Helena setze sich auf und konzentrierte sich nur auf ihren Dad. Ihre Hände glühten rot. Das Glühen ging auf seine Wangen über und breitete sich in seinem Gesicht aus und wanderte langsam seinen Körper entlang. Überall wo das rote Glühen gewesen war, bekam seine Haut wieder ein wenig Farbe. Erfreut keuchte sie, als sie ihren Dad nach Luft schnappen hörte. „Dad!", murmelte sie und gähnte. Wieso nur machten sie solche Kunststückchen immer so müde. Die junge Halliwell schmiegte sich dich an ihren aufgewärmten Vater und begab sich rasch ins Land der Träume. Was Tage lang von fähigen Zauberern und Hexen versucht worden war, hatte eine kleine Hexe in Ausbildung geschafft. Severus Arm schlang sich automatisch um Helena und drückte sie an sich. Seine Tochter, wie sehr er sie doch liebte.
