Kapitel 38 – Hochzeitspläne
Hermine erwachte langsam mit dem köstlichen Gefühl, in Dracos Armen zu liegen. Fünf Sekunden lang erwog sie zu gehen, realisierte jedoch, dass sie sich nicht bewegen konnte, selbst wenn sie wollte. Ihr Kopf lag auf Dracos linkem Arm und ihr Haar war unter seinem Körper eingeklemmt. Sein Kinn ruhte auf ihrem Kopf, der rechte Arm lässig über ihre Brust geworfen. Sein rechtes Bein lag über ihrer Hüfte, so dass sie von einer angenehmen Wärme umhüllt wurde. Sie stellte fest, dass es im Zimmer furchtbar kalt war.
Ihr rechter Arm war zwischen ihnen, die Handfläche an ihrer Taille, während die Handkante Dracos nackten Oberschenkel berührte. Ihre andere Hand ruhte vertraut auf seinem Bizeps.
Sie hatte ihn in der Nacht beinahe verlassen – sie war ziemlich spät aus dem Bett gestiegen, ohne ihn aufzuwecken, hatte aber innegehalten, um ihn anzusehen, was ihr Verderben gewesen war. Sein silbriges Haar hatte im Kerzenlicht geglänzt und sein Gesicht so schön und arglos ausgesehen... Sie hatte Harry eine Patronus- Nachricht geschickt und ihre Kleidung in Pyjamas verwandelt – sittsame, warme, bescheidene Pyjamas – und war zurück zu Draco ins Bett gestiegen.
Nun horchte sie seinen gleichmäßigen Atemzügen und spürte die beständige Bewegung seiner Brust an ihrer Schulter. Sie fragte sich, wie spät es wohl war – die Düsternis im Kerker machte es verdammt schwierig, diese einfache Tatsache festzustellen. Sie ließ Dracos Arm los und hob ihr Handgelenk, um einen Blick auf die leuchtenden Ziffern ihrer Armbanduhr zu werfen. 6:42.
Diese winzige Bewegung genügte, um ihn zu wecken. Der Rhythmus seiner Atemzüge änderte sich leicht. Er verspannte sich, wahrscheinlich vor Überraschung.
„Du bist nicht gegangen", murmelte er.
„Offensichtlich nicht. Wolltest du es denn?"
Er gluckste. „Definitiv nicht."
„Wie fühlst du dich?"
„Sag du es mir."
Sie kicherte. „Du fühlst dich angenehm und warm an."
„Ich fühle mich wunderbar. Soll ich es dir zeigen?"
Ohne auf ihre Antwort zu warten, wand Draco sich in einer geschmeidigen Bewegung herum. Als Ergebnis lag er halb auf Hermine. Sein Gesicht verharrte einen Moment über ihrem. Beim Anblick seiner silbernen Augen pochte ihr Herz wie verrückt. Sie kam sich wie eine närrische Jungfer vor, die in die Höhle des Löwen geraten war. Doch als er seinen Mund auf ihren senkte, stellte sie fest, dass es ihr gleichgültig war.
Nach einigen aufwühlenden Küssen fragte er: „Hältst du es für klug, hier bei mir zu bleiben?"
Hermine konnte kaum atmen. „Nein", gab sie zu. „Es ist wahrscheinlich genau das Gegenteil von Klug."
Er gab einen unverbindlichen Laut der Zustimmung von sich und fuhr fort, die Wahrheit ihrer Worte zu beweisen.
Eine Stunde später wechselte Hermines Körper zwischen Eiskalt und Glühendheiß hin und her. Stöße von gedankenlosem Verlangen umfingen sie mit beinahe körperlichem Schmerz. Und alles, was Draco getan hatte, war sie zu küssen. Nicht einmal in ihren Träumen hätte sie sich die Vielfalt der Dinge vorstellen können, die man mit Lippen, Zunge und Zähne anstellen konnte. Doch Draco hätte Bände über das Thema verfassen können. Seine Hände waren fest auf beiden Seiten ihrer Taille geblieben – sie staunte über seine Selbstkontrolle und verfluchte ihn dafür, wie er mit ihr spielte. Hermines Zurückhaltung hatte sich vollkommen in Luft aufgelöst. Ihre Hände wanderten in seinem seidigen Haar, auf seinen Schultern und seinem Rücken umher.
Gerade als sie glaubte, es nicht mehr aushalten zu können, als sie nahe daran war, ihn anzuflehen – worum, wusste sie selbst nicht genau – holte er Luft und küsste sich an ihrem Hals entlang. Ihre Erleichterung war nur von kurzer Dauer.
Sie hielt ihn nicht auf, als seine Hände nach oben glitten, um die ersten paar Knöpfe ihrer Bluse zu lösen. Sie wollte ihn nicht aufhalten. Er folgte seinen Händen mit seinen Lippen, einen Knopf nach dem anderen, bis er ihren Bauchnabel erreicht hatte. Seine Zunge stürzte sich in die Höhle, sie keuchte auf und wölbte sich ihm entgegen, während eine neue Form von Verlangen ihre Sinne durchflutete.
Unglaublicherweise hob er den Kopf. Seine Augen wirkten wie düstere Teiche in der Dämmerung.
„Also", fragte er lässig. „Was sollen wir heute unternehmen?"
Diese unpassende Frage konnte Hermines benebelten Geist nicht ganz durchdringen.
„Ich denke, wir können entweder nach den Horkruxen suchen gehen oder wir bleiben hier, damit ich ein paar Stunden damit verbringen kann, dich mit unbeschreiblicher Ekstase halb zum Wahnsinn zu treiben."
Hermines Herz setzte beinahe aus und sie bemühte sich, ihre Stimme wiederzufinden.
„Stunden?", war alles, was sie heiser herausbrachte.
Sie konnte ein Kräuseln seiner unglaublich talentierten Lippen ausmachen, als er verrucht lächelte.
„Natürlich. Du solltest wissen, dass ich nicht der Typ bin, der sich selbst vergnügt, sich dann auf die Seite rollt und eine Zigarre anzündet, während du nur da liegst... Es ist viel befriedigender, dich zum Gipfel der Wonne zu bringen... immer und immer wieder." Er tauchte seine Zunge in ihren Bauchnabel und sie schauderte. Sie hatte keinerlei Schwierigkeiten, seinen Worten Glauben zu schenken. Er gluckste.
„Ich..." Sie konnte kaum einen zusammenhängenden Gedanken fassen. Sie wusste, dass sie den vernünftigen Weg wählen sollte. Ihn davon abhalten... sie stundenlang mit unbeschreiblicher Ekstase halb in den Wahnsinn zu treiben. Obwohl ihr im Augenblick kein einleuchtender Grund dafür einfiel.
Er legte seine Wange an ihren Bauch. Ihre Hand berührte sanft sein glattes Haar. Plötzlich überkam sie ein Anflug von etwas, das nicht Lust war. Etwas Stärkeres und sogar noch Erschreckenderes. Sie schluckte schwer und verdrängte es. Draco seufzte.
Hermine hielt den Atem an, als er seinen Kopf wieder hob. Seine Zunge berührte abermals ihre Haut, glitt über den Hügel ihres Brustkorbs hinauf und folgte der Kette um ihren Hals. Sein Atem war heiß, als er an ihrem Ohr knabberte, so dass ihr Schauer über den Rücken fuhren.
„Du bist nicht bereit dafür, nicht wahr?", fragte er. Seine Stimme klang nicht amüsiert oder anklagend oder enttäuscht – sie war schlichtweg sachlich.
„Ich glaube nicht", brachte sie zitternd hervor.
„In Ordnung, Granger. Ich werde dich mit unberührter Keuschheit entkommen lassen. Diesmal." Die Worte waren mit Belustigung angefärbt.
Er rückte weg von ihr und legte seinen Kopf auf das Kopfkissen. Er ließ eine Hand auf ihrem Bauch und seine Fingerspitzen streichelten neckend ihren Brustkorb. Sie begann, ihre Bluse zuzuknöpfen. Froh, dass er im Dämmerlicht nicht die Farbe ihrer Wangen sehen konnte. Sie versuchte, sich selbst davon zu überzeugen, dass sie erleichtert war.
„Wie ich schon fragte, da du meine erste Wahl niedergeschmettert hast – Was sollen wir heute machen?"
Sie zwang sich, nicht an seine erste Wahl zu denken.
„Ich habe eine Idee, wo wir einen Horkrux finden könnten. Aber ich finde, wir sollten es nicht Harry sagen", antwortete sie in einer möglichst normalen Stimme.
Draco keuchte vor gespielter Erschütterung auf.
„Du? Hast ein Geheimnis vor dem Auserwählten? Wirst du nicht deine Gryffindor- Roben wegen solch eines Deliktes aushändigen müssen?"
Sie versetzte ihm einen leichten Klaps auf die nackte Brust.
„Ich habe gute Gründe. Aber ich habe nachgedacht – "
„Wann denkst du nicht nach?"
Sie ignorierte es.
„Ich habe über deine Eltern nachgedacht."
Dracos Hand auf ihrer Haut hielt in der Bewegung inne.
„Was ist mit ihnen?"
„Meinst du, sie sind wirklich in Sicherheit? Du bist ein paar Mal um Haaresbreite entkommen. Was ist, wenn Wurmschwanz oder Greyback zu Voldemort entkommen und ihm melden, dass du noch lebst? Was denkst du, wird dann mit ihnen passieren?"
„Ich versuche, nicht daran zu denken", gab er zu. „Aber ich weiß nicht, wo sie sind. Da fällt mir ein – Wie hast du mich gefunden, als ich im Wald war?"
„Ich habe eine Kontaktaufnahme unternommen. Naja, eigentlich war es Firenze."
Dracos Gesicht verzog sich. „Dieser verfluchte Zentaur?"
Sie schaute ihn finster an. „Ja, dieser verfluchte Zentaur. Wenn Firenze nicht wäre, hättest du als Werwolfsfutter geendet."
„Nein, Fenrir hatte andere Pläne mit mir", entgegnete Draco abwesend.
„Was hast du überhaupt gegen Zentauren? Sie sind intelligente Lebewesen."
„Das sind Kobolde auch. Aber das macht sie nicht weniger abstoßend."
„Zentauren sind nicht abstoßend!"
Draco schnaubte. „Halb Mensch, halb Pferd? Denk darüber nach! Es ist eine Perversion der Natur."
Hermine setzte sich verärgert auf und stieg aus dem Bett. Sie war beinahe dankbar, dass sie in den angenehmen Zustand ständiger Meinungsverschiedenheiten zurückgekehrt waren.
„Deine Engstirnigkeit kennt keine Grenzen", keifte sie und verwandelte ihre Kleidung zurück in Jeans und einem T- Shirt. Sie setzte sich und zog sich die Schuhe an. Draco hatte sich nicht bewegt. Sie musste ihn nicht ansehen, um zu wissen, dass er sie mit seinem nervigen Feixen beobachtete.
Sie nahm ihren Zauberstab und entzündete einige Kerzen, bevor sie zum Frisiertisch ging und seinen Kamm aufhob. Sie fuhr sich mit ihm durch ihre zerrauften Locken.
„Nett von dir, mir meinen Kamm zurückzubringen", kommentierte er.
„Ich wollte nicht, dass du eine Panikattacke bekommst, wenn du sein Verschwinden bemerkst."
Ihr Blick traf sich im Spiegel mit seinen Augen. Sie lachte bei seinem Gesichtsausdruck. Sorgfältig entfernte sie die Haare aus dem silbernen Kamm und ließ sie verschwinden, bevor sie den Kamm zurück auf den Tisch legte.
„Ich gehe frühstücken. Kommst du mit?", fragte sie.
„Ich komme nach."
Sie zuckte die Achseln und ging zur Tür.
„Hey, Granger?"
Sie hielt inne und schaute zurück.
„Dein Shirt – was bedeutet es?"
Hermine blinzelte ihn an. Sie hatte es ohne nachzudenken in eins ihrer Lieblingsshirts verwandelt. Es trug die Aufschrift ADIDAS. Beinahe sagte sie ihm die Wahrheit – dass es eine Muggle- Firma war, die Schuhe herstellte. Stattdessen grinste sie anzüglich.
„Das ist eine Abkürzung und steht für An Draco: Ich Denke An Sex."
Sie ging hinaus und Dracos ungläubiges Lachen schallte ihr hinterher. Sie lächelte. Er war zum Verrücktwerden, aber so verdammt attraktiv. Sie begann zu denken, dass Keuschheit überbewertet wurde. Stunden. Gott.
Draco sah zu, wie Hermine den Raum verließ, und das irritierte Lächeln blieb auf seinen Lippen. Er konnte noch immer nicht ganz sein Erstaunen überwinden, sie in seinem Bett zu finden. Sie war mutiger, als er gedacht hatte. Sein Lächeln verschwand bei der Erinnerung daran, wie sie warm und willig unter ihm gelegen hatte. Sie hatte sein Kontrollvermögen bis zur äußersten Grenze auf die Probe gestellt. Er war nicht ganz sicher, warum er innegehalten hatte. Schließlich war es Hermines Entscheidung gewesen zu bleiben. Sie hätte es ihm wahrscheinlich nicht einmal vorgeworfen – hinterher.
Er stellte fest, dass er nicht die Gelegenheit beim Schopf hatte ergreifen wollen. Hermine Granger würde niemals eine einmalige Sache für jemanden darstellen. Draco war sich nicht ganz sicher, ob er sich für die Alternative einschreiben wollte: Bindung. Beziehung. Der ganze Mist. Er schauderte.
Er schwang die Füße auf den Boden und setzte sich auf, erfreut zu bemerkten, dass keine Welle der Benommenheit diese Bewegung begleitete. Pomfreys Zaubertränke schienen ihre Wirkung zu tun. Draco stand auf und wühlte sich durch seine neue Kleidung. Er breitete mehrere Outfits auf seinem Bett aus. Er musste sich eingestehen, dass Granger einen verdammt guten Geschmack hatte, was ihn betraf. Sie hatte sogar Recht über das Gelb – es würde ihm wahrscheinlich glänzend stehen.
Draco war nicht bereit dazu, sich mit dieser Vorstellung abzugeben. Daher entschied er sich für ein seidenes Shirt in Grau und eine schwarze Hose. Er fügte einen schwarzen Kaschmir- Pullover hinzu, nur weil ihm das Gefühl gefiel. Er nässte sich sein Haar und kämmte seine Strähnen an ihren Platz, während er krampfhaft versuchte, nicht daran zu denken, wie Hermine es in verzückter Ekstase zerrauft hatte.
Verdammt. Er sollte wahrscheinlich Ron suchen gehen und eine Art Wiedergutmachung leisten. Er hatte nicht nur sein Versprechen gebrochen. Er hatte es von der Brüstung geworfen und zugesehen, wie es zerschellte. Draco grinste. Nun, es hatte sich gelohnt.
Er lief in die Große Halle, ignorierte alle, die darin versammelt waren, und setzte sich auf seinen gewohnten Platz. Ein riesiges Aufgebot an Speisen erschien vor ihm und er verzehrte sie, während er seinen Blick durch den Raum schweifen ließ. Keiner schien ihn bemerkt zu haben, da sie sich alle in der Nähe des Lehrertischs versammelt hatten. Fleur Delacour stand derzeit im Zentrum aller Aufmerksamkeit, als sie ein spitzenbesetztes, mit Pailletten besticktes weißes Kleid hochhielt. Draco bemerkte, dass die Gruppe hauptsächlich aus weiblichen Menschen bestand – Fleur, Molly Weasley, Hermine, das rothaarige Mädchen, auf das Harry stand, und Luna Lovegood. Er vermutete, dass Susan Bones sich verzogen hatte, um ihre mürrische Grimasse zu üben.
Die einzigen anderen männlichen Anwesenden waren Ron und Bill Weasley. Bill hatte sich zur Seite gedreht, als ob er nichts lieber wollte, als dem Raum zu entfliehen. Bill entdeckte Draco und schritt – zu Malfoys Überraschung –schnell in seine Richtung. Draco blickte ihm misstrauisch entgegen und nippte an seinem Tee. Er fragte sich, ob ihm eine weitere Weasley- Tirade bevorstand.
Bill nahm neben ihm Platz und goss sich eine Tasse Tee ein.
„Hochzeitspläne", kommentierte er und seufzte. „Wenn ein Mann schlau ist, dann lehnt er sich zurück, lächelt und sagt Das klingt großartig, Liebling.´ Egal, worum es gerade geht."
Draco sagte nichts und entschied im Stillen, dass er sich eher zurück in Fenrirs Klauen begeben würde als vor einem Altar zu stehen und sich willig eine dauerhafte Kette an den Fuß binden zu lassen. In diesem Moment fing Hermine seinen Blick auf und strahlte ihn an, worauf Draco in kalten Schweiß ausbrach. Er schob seinen Teller von sich.
„Wenn du fertig bist, begleitest du mich auf einen Spaziergang?"
Draco zuckte die Achseln und nickte. Bill erhob sich und Malfoy folgte ihm. Er hob eine Augenbraue, als sie auf den Eingang zum Hufflepuff- Kerker zusteuerte. Der Flur war dunkel, doch nicht annähernd so labyrinthartig wie die Slytherin- Seite. Kerzenhalter leuchteten vor ihnen auf, während sie den Gang entlang schritten. Binnen kurzer Zeit standen sie vor einem vergitterten Tor. Die Wände glühten in einem bläulichen Licht und Draco sah, wie Fenrir aufstand und zu den Gitterstäben kam, um ihnen entgegenzublicken.
„Besucher, heh? Ja sind das nicht der kleine Malfoy und ein Weasley." Greybacks Augen verengten sich, als er Bill wiedererkannte. Draco spürte plötzlich eine seltsame Verbundenheit mit dem hoch gewachsenen Weasley. Er realisierte, dass er und Bill die einzigen beiden von Fenrirs Opfern sein könnten, die nicht getötet oder zu Werwölfen geworden sind. „Zurück für mehr?"
Bill antwortete nicht, doch sein Blick war kalt. Er wandte sich ab und setzte seinen Gang durch den Korridor fort. Draco schaute Fenrir einen Augenblick länger an. Die Gefangenschaft schien den Werwolf nicht sehr stark in Mitleidenschaft gezogen zu haben. Greybacks Fänge zeigten ein schreckliches Lächeln.
„Nur noch ein paar Tage, Draco. Noch ein paar Tage und diese Gitterstäbe werden mich nicht mehr halten. Dann werde ich nach dir und deinen neuen kleinen Freunden suchen. Dein leckeres Fleisch wird mein sein, Malfoy. Alles mein." Eine Hand schoss durch das Gitter und griff nach Draco, der nicht im Mindesten überrascht war. Die spitzen Nägel durchfuhren ein paar Zentimeter vor Dracos Brust die Luft. Draco starrte den Werwolf an.
„Das glaube ich nicht", sagte er und folgte Bill, der an einer Zelle vier Türen weiter innegehalten hatte. Bill trat ein und Draco blickte neugierig hinein. Ein robuster Tisch war in dem Raum aufgestellt und Dracos eiserner Käfig thronte darauf. Wurmschwanz krabbelte noch immer darin herum. Bill beugte sich hinunter, um durch die Gitterstäbe auf die quiekende Ratte zu lugen.
„Gute Arbeit bei dem Schloss", kommentierte er. Draco erinnerte sich, dass dieser Weasley bei Gringotts arbeitete und wahrscheinlich über ein passables Wissen über Schlösser verfügte.
„Ich bin froh, dass keiner ihn herausgelassen hat."
Bill schüttelte den Kopf. „Er hat Jahre als Ratte verbracht. Was mich angeht, kann er auch so bleiben. Einige der anderen meinen, er könnte uns zu Voldemort führen."
„Nein. Selbst wenn sie ihn herauslassen und ihn daran hindern können, durch ein Rattenloch zu verschwinden, bin ich sicher, dass der Dunkle Lord genug Sicherheitszauber auf ihn gelegt hat, dass er zu einem Fleischbällchen wird, bevor er auch nur irgendein Geheimnis ausplaudern kann."
„Schau, er hat an den Gitterstäben gekratzt."
Draco erspähte eine Schicht von Eisenspänen auf dem Tisch. Wurmschwanz hatte mit seiner silbernen Pfote versucht, die Gitterstäbe zu durchtrennen. Draco grinste.
„Magische Hand an Eisenstäben? Ich wette, das hat wehgetan, was, Pettigrew?"
Die Ratte bleckte die Zähne. Draco wackelte mit einem Finger vor ihm herum, gerade weit genug entfernt, dass Wurmschwanz ihn nicht erreichen konnte.
„Zügle dein Temperament", warnte Draco. Er richtete sich auf und blickte Bill an. „Warum hast du mich hergebracht?"
„Ich weiß es nicht. Ron spricht immer von dir, als wärst du das Böse in Person. Ich nahm an, er ist entweder schrecklich eifersüchtig oder wahnsinnig verliebt in dich."
Einen Moment verschlug es Draco die Sprache. Er musste sich ein paar Mal räuspern, um seine Atemzüge wieder unter Kontrolle zu bekommen.
„Was?"
Bill lachte. „Naja, man weiß nie. Keine Sorge. Ich glaube, es ist nur Eifersucht. Wir hätten bei der anderen Möglichkeit inzwischen schon Anzeichen gesehen."
„Lass es uns verdammt noch mal hoffen!"
Weasley lachte wieder. „Du bist meiner Meinung nach voll in Ordnung, Malfoy. Willst du zur Hochzeit kommen?"
„Wann findet sie statt?"
Bills Lachen klang diesmal ansteckend.
„Wenn ich das nur wüsste."
