Es geht mal wieder weiter :) Und es geht ans Eingemachte, Freunde... Verhandlungszeit :)

38. Verhandlung 1

„Hermine?" Severus' schlaftrunkene Stimme veranlasste sie, sich zu ihm umzudrehen und ihn im Licht ihres schwach erleuchteten Zauberstabs anzusehen.

Er richtete sich auf der Seite liegend etwas auf und betrachtete sie besorgt. Es war laut seiner Taschenuhr zwei Uhr morgens und die Verhandlung würde in acht Stunden beginnen – deshalb fragte er nicht, ob es ihr gut ging, warum sie nicht schlief oder ähnliches.

Sie sah ihn nur stumm an und Severus erkannte innerlich seufzend, dass sie von all ihren Geistern gejagt wurde.

Er hob einladend den Arm und mit einem tiefen Seufzer schlüpfte sie darunter und kuschelte sich an seine Brust. Sie verbarg das Gesicht zwischen seinem Hals und dem Kissen und murmelte: „Ich kann nicht schlafen."

Er gab einen zustimmenden Laut und drückte sie an sich.

„Ich hab so panische Angst vor morgen, dass ich nicht atmen kann", sprach sie weiter, so leise, dass ihre Stimme kaum mehr als ein Wispern war.

Für einen Augenblick dachte er darüber nach, was er sagen konnte, damit sie sich besser fühlte. Doch ihm fiel nichts ein. Also fasste er noch einmal das Offensichtliche zusammen, obwohl es ihre Intelligenz beleidigte. „Du schaffst das. Und ich bin die ganze Zeit bei dir. Albus wird ebenfalls da sein. Er spricht für den Orden. Und Potter wird als Einsatzleiter der Auroren ebenfalls anwesend sein."

„Ich weiß das alles…" Aber das Wissen änderte nichts.

Er nickte und streichelte ihr über den Rücken. „Willst du etwas zum Schlafen haben?"

„Eigentlich nicht."

„Du wirst die Kräfte morgen brauchen."

„Ich weiß…" Ein Zittern überlief sie und hilflos drückte er sie wieder fester an sich.

Sie wussten beide, dass Hermines Angst und ihr Verhalten irrational waren. Sie wussten aber auch beide, dass das Wissen darum an der Situation nichts änderte.

Für einen Moment überlegte er, ob er den Trank einfach herbeirufen und ihr aufdrängen sollte. Dann entschied er sich dagegen.

Stattdessen drehte er sich mit ihr in den Armen auf den Rücken, sodass sie halb auf seiner Brust zu liegen kam und ihr Gesicht in seiner Halsbeuge vergraben konnte.

„Wusstest du, dass ich Lilly Potter kannte?"

Hermine war nur für einen Moment erstaunt ob des abrupten Themenwechsels, bevor sie sich fing. „Harrys Mom?"

„Ja."

„Ihr wart in einem Jahrgang hier in Hogwarts oder?"

„Nicht nur das." Er legte sich etwas bequemer hin und hielt ihre schmale Gestalt mit einem Arm fest bei sich, während er ihr mit der freien Hand durchs Haar streichelte. „Wir waren Nachbarn als Kinder und sind zusammen zur Grundschule gegangen. Die Evans waren genauso arm wie wir und die Kinder auf unserer Schule wussten das. Sie haben ihr ihre Mittellosigkeit zwar eher verziehen als mir, denn Lilian Evans war ein Engel, aber letzten Endes sind sie zurück in ihre hübschen Wohnbezirke gegangen und wir blieben in unserem. Deshalb sind Lilly und ich nicht nur zusammen groß geworden, wir waren auch bis Hogwarts die besten Freunde. Magiebegabten Kindern passieren, wie du aus eigener Erfahrung weißt, häufiger Missgeschicke, und bei uns war es genauso. Meine Mutter war eine Hexe, deshalb wusste ich, was Sache war und konnte es Lilly erklären, wenn sie wieder traurig war, weil ihr irgendetwas Unangenehmes passiert ist. Und weil wir Kinder waren und nicht so vernunftgesteuert wie die Erwachsenen, hat sie mir geglaubt und es hat uns quasi zu Verbündeten in einer magiefeindlichen Welt gemacht. Zwar war Spinner's End nie ein anheimelnder Ort für Kinder – viel Industrie, wenig Natur – aber es war unser eigener Abenteuerspielplatz, unsere Welt, wo wir waren, wie wir waren. Manchmal ist ihre Schwester Petunia mitgekommen, aber sie und ich mochten uns nie besonders. Meistens waren es nur Lilly und ich. Es gab dort eine verlassene Fabrik, in der im Grunde alles entweder zerstört oder geklaut war." Er lächelte ein wenig. „Wir haben aus den Glasscherben am Boden immer diejenigen rausgesucht, die eine bestimmte Form hatten, und uns Geschichten zu ihnen ausgedacht… ich glaube, irgendwo in Spinner's End findet sich sicherlich noch die eine oder andere, die die Zeit überdauert hat."

Die Atemzüge an seinem Hals waren ruhiger geworden.

„Hermine?"

Es kam keine Antwort und er lächelte zufrieden, bevor er einen sanften Kuss auf ihren Kopf drückte und dann den Kopf zurück sinken ließ, um an die dunkle Decke zu starren.

„Ich glaube, Lilly Evans hätte dich gemocht, Hermine Granger."


Ihre Hände zitterten so sehr, dass sie es nicht schaffte, ihre förmliche Robe zuzuknöpfen. Bevor sie vor lauter Frust darüber und vor lauter Beklommenheit in Tränen ausbrechen konnte, betrat Severus glücklicherweise nach einem leisen Klopfen sein Arbeitszimmer, das momentan eher ihr Ankleidezimmer war.

„Hermine…" Mit einem Blick erkannte er ihr Dilemma und trat ohne weitere Worte vor sie, um ihre Robe für sie über ihrem förmlichen Etuikleid zuzuknöpfen.

Dann zog er eine Phiole aus einer seiner Umhangtaschen und drückte sie ihr in die Hand.

Sie hasste es, auf irgendwelche Tränke angewiesen sein zu müssen, doch sie sah ein, dass es für den Moment das Beste war, und schüttete den Trank zur Beruhigung des Geistes ohne Widerrede in sich hinein.

Beide dankten sie stumm den Fähigkeiten der Magie, als der Trank wieder einmal fast augenblicklich Wirkung zeigte und sie ruhiger wurde.

Severus berührte kurz ihre Wange. „Komm, du musst eine Kleinigkeit essen."

Normalerweise hätte sie abgelehnt, doch der Trank ließ sie rationaler handeln und so sah sie ein, dass es das Beste war, etwas im Magen zu haben. Also ließ sie sich von ihm ins Wohnzimmer führen und stopfte unzeremoniell ein bereits auf sie wartendes Sandwich in sich hinein, das sie mit einer Tasse dünnem Tee begoss.

„Hast du deine Klassen schon versorgt?"

Er nickte. „Minerva wird ihnen die Aufgaben weiterleiten und der blutige Baron wird sie beaufsichtigen."

Sie schnitt ihm eine Grimasse. „Du bist ein schlechter Mensch, Severus."

„Danke, Löwin." Er lächelte grimmig. „Der Geist ist unbezahlbar, so viel ist klar."

Mit einem Hauch von Belustigung schüttelte sie den Kopf, bevor ihr Blick auf Severus' Taschenuhr, die neben seiner Teetasse lag, fiel.

„Ich befürchte, wir müssen gleich los", fasste er ihren Gedanken in Worte und sie nickte – jeder Belustigung wieder beraubt.

Ihr Blick traf seinen, als er ihr Kinn sanft anhob.

„Wir werden das zusammen meistern, Hermine. Wir werden dorthin gehen, wir werden aussagen und wir werden zusehen, wie Lestrange zum Tode verurteilt wird. Und er wird uns sehen und ihm wird klar werden, dass er verloren hat. Er wird feststellen, dass du ihn überlebt hast und dass du stärker denn je bist, während alles, was seine Existenz ausgemacht hat, Stück für Stück vernichtet wurde. Es gibt nichts, was Bestien wie er so sehr fürchten wie Machtverlust. Und nachher wird er feststellen, dass ihm nicht mal eine Unze Macht über irgendetwas geblieben ist. Verstehst du?"

Sie nickte schaudernd. Sie konnte es schaffen. Sie konnte Lestrange im Augenblick ihres Triumphs in die Augen sehen und sie würde ihm deutlich machen, dass sie ihn besiegt hatte. Nach allem, was er ihr angetan hatte, würde trotzdem er es sein, der besiegt war.

Entschlossener legte sie ihre Hand über Severus' und er drehte seine Handfläche nach oben, sodass sie ihre Hände ineinander verschränken konnten.

„Lass uns gehen", murmelte sie. Sie war eine Löwin. Und heute würde sie nicht mit eingezogenem Schwanz zu Kreuze kriechen.

Er nickte anerkennend und half ihr dann in ihren Umhang, bevor er ihre Hand wieder fest in seine nahm.

Gemeinsam verließen sie den Kerker.


Vor der großen Halle trafen sie Albus – wie gewohnt völlig inadäquat in eine fließende Robe gekleidet, die aussah wie eine Kindergardine: Dunkelblau, mit Sonne, Mond und Sternen darauf. Schaudernd erkannte Severus, dass die Himmelskörper tatsächlich Gesichter hatten.

Wenn Lestrange bei der Verhandlung keine Angst bekam, bekam er sie spätestens, wenn Albus in den Zeugenstand gerufen wurde, so viel war klar.

„Hermine, Severus."

„Albus." Hermines Stimme klang immer noch ein wenig atemlos.

„Albus. Deine Kleiderwahl zeugt wieder einmal von deinem überragenden Mut."

Albus gluckste leise, während Hermine Severus einen fassungslosen Blick zuwarf. „Danke, Severus, mein Junge."

Severus machte ein abschätzendes Geräusch, das klar machte, dass seine Bemerkung kein Kompliment gewesen war, doch Albus ignorierte ihn mit jahrelang perfektionierter Routine.

„Wollen wir?", sprang Hermine nervös ein. Sie wusste nicht, wie lange ihre Selbstbeherrschung und der Trank anhielten und sie wollte im Ministerium ankommen, bevor sie doch noch die Nerven verlor.

Die beiden Männer nickten ihr zu und flankiert von ihnen trat sie aus dem Schloss, dessen Gänge zu ihrer Erleichterung wie ausgestorben waren, denn der Unterricht hatte bereits begonnen.

Draußen war der Situation zum Trotz strahlender Sonnenschein und die Luft war zwar kalt, aber klar und erfrischend, und Hermine sog sie mit jedem Schritt tief ein. Sie klärte ihren Kopf und im Licht der aufsteigenden Sonne glaubte sie plötzlich sogar selber daran, dass sie die Verhandlung überstehen würde.

Severus sah sie beim Apparierpunkt fragend an und sie hielt seine Hand ein wenig fester. Irgendwie stand ihr der Sinn nicht danach, sich heute zum ersten Mal zu zersplintern.

Weder er noch Albus kommentierten das – die Männer nickten sich nur in einem stummen Gruß zu und sie apparierten.

In der Eingangshalle des Ministeriums war wie erwartet die Hölle los. Kaum, dass sie sich manifestiert hatten, begann das Blitzlichtgewitter und die Reporter versuchten, sich gegenseitig in ihren Fragen zu übertönen.

Severus umschlang Hermine mit festem Blick und finsterer Miene mit einem Arm, drückte sie fest an sich und zückte bedrohlich seinen Zauberstab mit der freien Hand. Zu seiner stillen Freude war Katrina Crane nirgendwo zu sehen.

Auch knappe dreizehn Jahre nach dem Sieg über Voldemort war Severus Snape in seiner Skrupellosigkeit noch berühmt-berüchtigt und so wich die geifernde Meute vor seinem Zauberstab zurück und gab eine Gasse zu den Aufzügen frei. Albus, ebenso stumm, jedoch mit amüsiertem Blitzen in den Augen, folgte ihnen auf dem Fuße und schirmte sie so von hinten ab.

An einem der Aufzüge stand ein Wachmann, der sie sofort zu sich winkte.

„Zur Verhandlung? Weisen sie sich bitte aus", forderte er die drei überflüssigerweise auf und Severus wollte schon eine scharfe Erwiderung geben, doch Hermine berührte ihn sanft und unauffällig an der Seite, um die Situation zu entschärfen.

Der Mann machte nur seine Arbeit und es half nichts, die Sache noch unangenehmer zu machen, nur weil er nicht in Ehrfurcht vor ihnen zerfloss. Vielsafttrank war noch immer eine Gefahr.

Wortlos zückte sie ihren Zauberstab und tippte das kleine Gerät an, das der Wachmann ihnen auffordernd hinhielt.

Eine kleine Rauchwolke stieg von dem Zaubererkennungsgerät auf und bildete eine Schattengestalt, die ihre Gesichtszüge annahm.

Der Wachmann nickte ihr zufrieden zu und hielt dann Severus das Gerät unter die Nase, während um sie herum noch immer die Reporter versuchten, an Antworten zu ihren Fragen zu kommen.

Auch Severus und Albus bestanden den Test und der Wachmann öffnete ihnen einen der Aufzüge, der augenscheinlich heute so verzaubert war, dass er nur zwischen Eingangshalle und Gerichtssaal hin und her fuhr.

Unter dem enttäuschten Geschrei der Reporter und noch mehr Blitzlicht traten sie in Aufzug und Hermine sackte erleichtert gegen Severus, als sich die Tür hinter ihnen schloss und der Aufzug sich in Bewegung setzte.

Er drückte sie an sich, unbeeindruckt davon, dass Albus den Austausch mit blitzenden Augen betrachtete.

„Löwin", erinnerte Severus sie mit leiser Stimme und sie nickte in seine Schulter.

Als der Aufzug anhielt, straffte sie sich.

Vor dem Aufzug wartete ein weiterer Bekannter schon auf sie.

„Harry." Erleichtert fiel Hermine ihrem besten Freund um den Hals und er drückte sie an sich.

„Minchen." Besorgt betrachtete er sie, konnte jedoch zu seiner Erleichterung nur feststellen, dass sie besser aussah als bei ihrem letzten Besuch.

„Harry. Wie schön, dich zu sehen. Wie geht es der liebreizenden Ginevra?"

„Albus. Danke, es geht ihr gut…" Harry lächelte seinen ehemaligen Mentor an und fuhr sich dann verlegen durchs Haar. „…wir bekommen einen Sohn. Im Juni oder Juli voraussichtlich."

Hermine war sich sicher, dass sie Severus leise und gequält aufstöhnen hörte, doch Albus klatschte vergnügt in die Hände.

„Das ist ja wunderbar! Gratulation, mein Junge!"

„Danke!"

„Und Glückwünsche auch an Mrs Potter!"

„Ich werde es ihr ausrichten… Professor Snape."

„Mr Potter… meine… Glückwünsche."

Harry schmunzelte. „Ich sag mal danke… auch wenn ich weiß, dass es gelogen war, Professor."

Severus schnitt ihm eine Grimasse, doch er bemerkte, dass Hermine, die sich von Potter gelöst hatte und wieder an seiner Seite stand, ein wenig lächelte. Er konnte es mit so einigen Hiobsbotschaften aufnehmen, wenn es Hermine die Situation erleichterte.

„Es sind keine Reporter hier", bemerkte sie dann erleichtert mit Blick auf den leeren Flur und Harry nickte.

„Sie dürfen über die Verhandlung nur von draußen berichten. In den Flur hier kommen nur geladene Gäste. Ihr musstet doch durch die Kontrolle?"

„Allerdings", schnarrte Severus. „Es war lächerlich."

„Wir hätten auch jemand anderes sein können, Sev", seufzte Hermine und er warf ihr einen kopfschüttelnden Blick zu – bevor er jedoch etwas erwidern konnte, schaltete Harry sich dazwischen: „Wir sollten hinein gehen. Susan möchte noch kurz mit euch reden, bevor es losgeht."

Er drückte aufmunternd Hermines Schulter und sie schenkte ihm ein schwaches, jedoch dankbares Lächeln.

Severus legte wieder schützend den Arm um sie und nun flankiert von mittlerweile drei namhaften Bodyguards betrat sie die breite Tür zum Zuschauerraum des Anhörungssaals.

Drinnen herrschte schon reger Betrieb – der Zaubergamot war bereits vollständig versammelt und nur die Bank für die bereits angehörten Zeugen war leer.

Hermine ließ den Blick durch den Saal schweifen und versuchte, sich nicht auf das Zentrum mit dem schweren, großen Anklagestuhl zu konzentrieren und sich nicht von der düsteren Atmosphäre der dunklen, nur von Fackeln beleuchteten Wände beeinflussen zu lassen. Stattdessen suchte sie nach bekannten Gesichtern.

Percy Weasley nickte ihnen mit gewohnt blasierter Miene zu, auch wenn ein Anflug von neugierigem Interesse sein Gesicht überflog, als sein Blick Hermine streifte.

Zu Hermines Überraschung erkannte sie ein weiteres Mitglied der Weasley-Familie: Fleur Weasley, geborene Delacour, makellos schön in der pflaumenblauen Robe, fing ihren Blick ein und schenkte ihr ein freundliches, aufmunterndes Lächeln, offenbar unbeeindruckt von der miesen Presse über Hermines angeblichen Verrat an Ron.

Ansonsten bestand der Gamot aus vielen älteren Zauberern und Hexen, einige davon flüchtig bekannt, die meisten kannte Hermine jedoch nicht.

Ihr Eintritt zog jedoch Interesse auf sich und dann schob sich eine bekannte Gestalt zu ihnen durch.

Obgleich Hermine Susan Bones seit 13 Jahren nicht gesehen hatte, erkannte sie ihre ehemalige Mitschülerin sofort wieder. Noch immer trug sie die blonden Haare zu einem langen Flechtzopf und die ehemalige Hufflepuff-Schülerin hatte noch immer das offene Gesicht von früher.

Zahlreiche Gerichtsverfahren hatten jedoch ihre Spuren hinterlassen – die grünen Augen der Frau strahlten eine gewisse Schärfe aus und obwohl sie lächelte, bewegte sie sich angespannt und mit Bedacht.

„Hermine." Sie nickte Albus, Severus und Harry nur knapp zu, bevor sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf Hermine richtete. „Ich freue mich sehr, dich zu sehen... lebend."

„Ich wünschte, der Grund wäre ein… angenehmerer." Hermine schenkte ihr ein angespanntes Lächeln und Susans Blick wurde weicher.

„Verständlich. Aber im Vertrauen, Hermine – das ist nicht der erste Todesser, dem ich den Prozess mache, und es ist keiner von den schwer zu fassenden Aalen. Lestrange ist jetzt schon ein verurteilter Mann, so viel ist sicher."

„Ich danke dir für das Presseverbot."

Susan schnaubte. „Wenn ich könnte, würde ich ihnen den Zutritt zum Ministerium komplett verbieten. Aber das habe ich als Großmeisterin des Zaubergamots natürlich nie gesagt."

Aus den Augenwinkeln sah Hermine, wie Severus die Augenbrauen in einer anerkennenden Geste hob, und musste lächeln.

„Schön, dass wir mit dem Gedanken nicht alleine sind." Sie machte mit dem Kinn eine Bewegung in Richtung Severus und Harry.

Susan lächelte, bevor sie geschäftig wurde. „Ich würde gerne mit dir und Harry in alten Zeiten schwelgen, aber wir wollen zeitig anfangen. Wir werden zuerst Albus in den Zeugenstand rufen, dann Harry und dann dich. Zuletzt Professor Snape. So sind Albus und Harry schon im Saal, wenn du hinein kommst und du musst dem Haufen hier nicht völlig ohne Rückhalt gegenüber treten. Ist das in Ordnung?"

Hermine wechselte einen schnellen Blick mit Severus. Es wäre ihr lieber gewesen, wenn er vor ihr aufgerufen würde…

„Ich würde gerne am Schluss aufgerufen werden, wenn das geht", schaltete Harry sich zu ihrer unendlichen Erleichterung ein. „Ich kann mit Professor Snape tauschen."

Susan zog die Augenbrauen hoch und blickte zwischen den beiden Männern und Hermine hin und her.

„Ist das in Ordnung für sie, Professor, und in deinem Sinn, Hermine?"

„Für mich ist das vollkommen akzeptabel", erwiderte Severus steif, nickte Harry jedoch dankend zu.

Hermine beeilte sich, ebenfalls zu nicken. „Völlig in Ordnung."

„Nun, dann Albus, Professor Snape, du, Hermine, und zuletzt Harry. Wir haben noch drei weitere Zeugen, die wir nach euch anhören werden – Zeugen der Verteidigung. Draco Malfoy, Emily Macnair und Jeremiyah Avery."

Hermine überschlug die Namen in ihrem Kopf. Draco Malfoy würde nicht für Rabastan Lestrange aussagen, unabhängig davon, dass er der Schwager seiner Tante war. Diese Art von Verwandtschaft bedeutete in der nahezu inzestuösen Heiratspolitik der reinblütigen Zauberer nichts. Emily Macnair war ihr kein Begriff und Avery Jr. hatte seit dem Endkampf vor 13 Jahren ein Gehirn wie ein Sieb und war die meiste Zeit des Jahres ein mehr oder weniger dauerhafter Bewohner des St. Mungo's Traktes für Fluchschäden und Zauberunfälle. Auf den ersten Blick wirkten die Gegenzeugen nicht besonders bedrohlich und keiner ihrer Begleiter wirkte bei der Nennung der Namen beunruhigt.

Susan Bones blickte fragend von einem zum anderen und als keine Fragen mehr kamen, nickte sie und der strenge Adlerblick kehrte in ihr Gesicht zurück.

„Dann bitte ich euch, im Zeugenraum der Anklage Platz zu nehmen, bis ihr aufgerufen werdet. Der Gamot ist fast vollständig, es wird nicht mehr lange dauern." Sie nickte Hermine zu. „Bald ist es überstanden."

Hermine schenkte ihr ein halbes Lächeln und wandte sich mit ihrem Gefolge um, um den Saal wieder zu verlassen.

Albus lotste sie sicher zum Zeugenraum, der sowohl vom Flur zugänglich war, als auch eine Tür zum Gerichtssaal vorwies. Ein Gerichtsgeist schwebte stumm und mit blasierter Miene in der Luft und wies wortlos auf die Wartebänke, wo sie sich niederließen.

Harry registrierte wortlos, dass seine beste Freundin sich, augenscheinlich ohne länger darüber nachzudenken, dicht neben den finsteren Zaubertränkeprofessor setzte. Offenbar war ihm einiges entgangen… und plötzlich machten Ginnys vielsagende Blicke Sinn, die sie aufsetzte, sobald die Rede auf Hermine und Professor Snape kam.

Und so ungern er es zugeben wollte: Seine Frau hatte erkannt, was er nicht erkennen wollte, und sie hatte zudem in Professor Snape gesehen, was er nie in ihm sehen wollte. Der Mann sorgte sich ehrlich um Hermine und zweifellos auch um Elena.

Der Junge-der-unzählige-Male-überlebt-hatte unterdrückte ein Seufzen. Also Hermine und Professor Snape. Er würde nicht behaupten wollen, dass er es hatte kommen sehen, aber wenn er sie so zusammen sah, schienen sie schon irgendwie zusammen zu passen. Beide zu vernarrt in Wissen und Bücher und Zaubertränke, beide entsetzliche Alleswisser, beide zufriedener mit einem Buch und einem ruhigen Abend vor dem Kamin als mit Logenplätzen bei der Quidditchweltmeisterschaft…

„Die Verhandlung hat begonnen", unterbrach die hohle Stimme des Gerichtsgeistes seine Gedankengänge.

Die blasse, durchscheinende Gestalt in den altertümlichen Roben und der weißen Lockenperücke warf einen leeren Blick in die Runde und entschwand wieder durch die geschlossene Tür in den Gerichtssaal.

Hermine sah nun wieder aus, als wolle sie die Position des Geistes übernehmen – jede Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen.

Besorgt beobachtete Harry, wie ihre Atemzüge kürzer und heftiger wurden und auch Snape schien das zu bemerken, denn er packte Hermine sanft am Kinn und zwang sie, ihn anzusehen.

„Trank der lebenden Toten, Miss Granger." Seine Stimme klang schneidend, doch seine besorgte Miene – Severus Snape sah besorgt aus, Harry musste sich diesen Tag im Kalender anstreichen! – strafte seiner Stimme Lügen.

„Affodillwurzel, Wermut, Saft einer Schlafbohne, Baldrianwurzel." Ihre Atmung beruhigte sich.

„Gut. Trink das." Geschickt entkorkte der Tränkemeister ein Fläschchen und hielt es Hermine hin, die es wortlos schluckte und sofort sichtlich ruhiger wurde.

Für einen Moment sahen die beiden sich nur an und sowohl Albus als auch Harry verfolgten den stummen Austausch gebannt – Albus mit mildem Lächeln und Harry höchstfasziniert.

Mit einer so sanften Geste, wie sie noch nie jemand bei dem gestrengen Professor gesehen hatte, strich er Hermine eine glatte Strähne hinters Ohr, die aus ihrem Dutt gerutscht war und Harry erstarrte.

Severus Snape sorgte sich nicht einfach nur um Hermine Granger, das wurde ihm plötzlich klar. Professor Severus Snape, seines Zeichens Zaubertränkemeister und Schrecken von mittlerweile drei Generationen von Hogwartsschülern, liebte Hermine Granger, Alleswisserin infernale. Und Harry war sich nicht sicher, dass dem Mann selbst das klar war.

Der Geist erschien nun wieder durch die Tür.

„Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore."

Dumbledore erhob sich und lächelte Hermine aufmunternd an, bevor er dem Geist folgte. Allerdings durch die geöffnete Tür.

Harry warf einen kurzen Blick auf das Paar ihm gegenüber. Hermines Hände lagen in Severus Snapes und er hielt ihre kleineren mit seinen größeren schützend umschlossen und starrte unbewegt an die Wand. Der Beruhigungstrank hatte geholfen und sie sah wesentlich entspannter aus.

Als sie Harrys Blick begegnete, errötete sie ein wenig und lächelte ihn entschuldigend an, als wolle sie ihn um Verzeihung dafür bitten, dass sie ihn über die Entwicklung nicht informiert hatte. Er zuckte in einem hilflosen Lächeln mit den Mundwinkeln und zuckte ganz leicht die Schultern, um ihr zu zeigen, dass es nicht schlimm war.

Sie sah durchaus erleichtert aus.


Es dauerte gefühlt eine Ewigkeit, bevor der Geist wieder erschien.

„Severus Tobias Snape."

Für einen Moment verkrampfte Hermine sich, doch dann ließ sie Severus aufstehen und gab seine Hände frei.

Er sah sie scharf an. „Denk an das, was wir geübt haben, Hermine."

Sie nickte.

Sein Blick bohrte sich in ihren. „Löwin", murmelte er und sie nickte erneut, diesmal entschlossener.

Er nickte ebenfalls, nickte Harry kurz zu und folgte dann dem Geist.

Als die Tür wieder zufiel, sah Harry Hermine an, die wieder rot wurde.

„Also du und Professor Snape, ja?" Zu seiner Erleichterung klang er mehr peinlich berührt als angewidert.

Die Röte auf ihren Wangen vertiefte sich. „Wir haben das noch nicht so geklärt, Harry. Wir hatten wirklich anderes zu tun…"

„Hast du gesehen, wie der Mann dich anschaut? Als wärst du das letzte Glas Wasser in der Wüste." Er schüttelte den Kopf, hin und her gerissen zwischen fasziniert und angewidert. „Er ist dir verfallen, Mine… mit Haut und Haaren."

„Du verbringst zu viel Zeit mit Ginnys Schundromanen, Harry…"

„Und du weichst aus, Mine." Er grinste verunglückt. „Ganz ehrlich, wenn du ihn magst, dann ist das okay für mich. Und ich glaube, Gin übt sich schon als Brautjungfer."

„Ginny hat genug Übung als Brautjungfer…"

„Aber du fehlst noch als Kerbe auf ihrem Zauberstab."

„Ich… denke nicht, dass Severus Snape heiraten will… und mich schon gar nicht…"

„Na, wenn du das sagst…" Nun musste er doch richtig grinsen und Hermine schüttelte nur den Kopf über ihn.

„Ich muss ihn dann ja irgendwann noch warnen", meinte Harry irgendwann und sie sah fragend auf.

„Ihn warnen?"

„Ja. Das übliche. Wenn du ihr wehtust… und so weiter…"

Nun huschte doch ein Lächeln über ihre Züge. „Das will ich sehen…"

„Das wirst du!"

Sie lächelten sich an – ein stummer Moment, in dem sie einer möglichen Zukunft entgegen sahen.


Severus betrat den Zeugenstand mit steifem Rücken und hocherhobenem Haupt. Sein Blick fuhr voller Ekel über den Angeklagtenstuhl, in dem die große Gestalt von Lestrange angekettet war. Der Mann, obgleich noch immer groß und breit, war sichtbar ausgemergelt und in seinem fahlen Gesicht leuchtete der Wahnsinn aus den tiefliegenden Augen. Die Sträflingsroben hingen lasch um den einstmals kräftigen Körper und seine Hände, die sich um die Stuhllehnen krallten, glichen mehr Klauen. In völliger Selbstironie huschte Severus der Gedanke durch den Kopf, dass Lestranges Haare in diesem Moment eindeutig fettiger waren als seine eigenen.

Rabastan Lestrange kam zweifellos aus Askaban und der Anblick erfüllte Severus Snape mit tiefer Genugtuung.

Susan Bones erhob die Stimme.

„Zeuge! Nennen sie uns ihren vollen Namen, wo sie zurzeit tätig und wohnhaft sind und wie sie in Verbindung zu dem Angeklagten stehen!"

Lestrange sah ihn finster an und Severus schenkte ihm ein öliges Lächeln, bevor er sich dem Gamot zuwandte.

„Severus Tobias Snape, Zaubertränkeprofessor an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, Meister für Zaubertränke, wohnhaft an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, euer Ehren. Ich kenne den Angeklagten noch aus meiner Spionagezeit im ersten und zweiten Zaubererkrieg gegen Voldemort und war im Dezember an seiner Festnahme beteiligt."

„Dem Angeklagten werden folgende Verbrechen zur Last gelegt: Folterung von Muggeln und Magiern in vierundzwanzig Fällen, bekannte Todesserschaft, heimtückischer Mord in neun Fällen, Mord in vier Fällen, Todschlag in dreizehn Fällen, Vergewaltigung in dreizehn Fällen, davon drei mal an Minderjährigen, Nutzung von Unverzeihlichen in fünfundzwanzig Fällen. Möchten sie etwas dazu ergänzen?"

„Euer Ehren, ich hab vieles von dem, was dem Angeklagten vorgeworfen wird, mit eigenen Augen mitansehen müssen, von vielem habe ich ihn hinterher prahlen hören und einmal war ich selber seinem Cruciatus ausgesetzt. Euer Ehren, es gibt Menschen, die töten, foltern und quälen, weil es von ihnen verlangt wird oder weil sie etwas Bestimmtes damit erreichen können. Der Angeklagte gehört nicht dazu. Er foltert, quält und verletzt nur deshalb, weil es ihm Spaß macht. Ich denke, es ist vielsagend, wenn man weiß, dass die Lestranges, Bellatrix und Rabastan allen vorneweg, sogar unter den Todessern gefürchtet waren und als verrückt angesehen wurden."

„Einspruch!" Der Verteidiger, ein mausgrauer kleiner Zauberer mit schütterem Haar, sprang auf. „Das ist eine nichtbeweisbare Behauptung!"

„Professor Snape, können sie einen Beweis dafür erbringen?"

„Ich teile gerne meine Erinnerungen an entsprechende Gespräche und Gegebenheiten."

„Einspruch nicht stattgegeben! Professor Snape, wir werden später darauf zurückkommen. Die Zeugin Hermine Granger war jahrelang auf der Flucht vor dem Angeklagten, sie selber haben die Zeugin bei dem Übergriff im Dezember befreit und in den Krankenflügel von Hogwarts gebracht. Können sie den Vorfall näher erläutern?"

„Dafür muss ich etwas ausholen, fürchte ich."

„Das ist in Ordnung."

„Nun, Hermine Granger und ich hatten elf Jahre lang keinerlei Kontakt zu einander. Nach dem Endkampf war sie verschwunden und ich hielt sie für tot. Da ich zudem, trotz unserer Zusammenarbeit im Krieg und unserer… anderen Begegnungen, nicht zu ihrem engeren Bekanntenkreis gehörte, verwunderte mich zwar das Verschwinden, aber nicht, dass sie nie den Kontakt zu mir suchte. Wie gesagt, ich hielt sie für tot. Wie sie jedoch wissen, besucht Elena Granger-Snape seit letztem September nun aber die erste Klasse und schon bald wurde mir klar, wessen Kind das Mädchen sein musste. Ich stellte den Direktor zur Rede und erfuhr, dass Hermine Granger sich elf Jahre lang versteckt gehalten hatte und unter falschem Namen agierte. Zunächst war das für mich keine weiter relevante Information, da sie offenbar kein Interesse daran hatte, zu mir Kontakt aufzunehmen. Dann jedoch brach Lestrange offenbar in ihr Haus ein und die Sicherheitsvorkehrungen sowohl für Miss Granger als auch für Miss Granger-Snape wurden verstärkt. Miss Granger hielt sich bis zu dem Überfall in einem sicheren Versteck auf, dass jedoch für Eulen erreichbar war. Lestrange schickte ihr einen Portschlüssel und bekam sie so in seine Finger. Mister Potter informierte uns darüber und da ich dank meiner… Vergangenheit einen recht guten Überblick habe, welche Todesser noch nicht gefasst wurden und wo man nach ihnen suchen könnte, konnte ich relativ rasch ausschließen, wo sie definitiv nicht sein konnte und wo sie möglicherweise war. Wir hatten Glück und ich lag richtig. Wir fanden Miss Granger im Haus von Walden Macnair, konnten Lestrange, Macnair und Travers festsetzen und Miss Granger in Sicherheit bringen. Ich denke, sie wissen wovon ich spreche, wenn ich sage, dass es nicht gut um sie stand.

Die größte Gefahr bestand in der geistigen Zerrüttung, die mit einem langanhalten Cruciatus in Verbindung mit… anderen Schmerzen einhergeht. Als Miss Granger nach fünf Tagen erwachte, hatte sie keinerlei Gedächtnis mehr, vom Trauma durch die Ereignisse nicht zu sprechen. Es hat Wochen gedauert, um ihre Erinnerungen wieder herzustellen und das Trauma soweit mit ihr aufzuarbeiten, dass nicht jede unruhige Bemerkung sie wieder in einen Zustand völliger Auflösung versetzt."

Es bereitete ihm fast körperliche Schmerzen über Hermine wie über eine Invalidin zu sprechen und ihre Schwäche vor dem Gamot auszubreiten, doch es war imminent wichtig, dass Lestrange die Höchststrafe bekam.

Und seine Erläuterung schien wirksam zu sein, denn die Abscheu stand den Mitgliedern des ehrwürdigen Zaubergamots im Gesicht.

„Professor Snape, warum, denken sie, hat Miss Granger den Angeklagten nach dem ersten Überfall auf sie nicht angeklagt?"

Er starrte Susan Bones für einen Moment an, bevor er den Kopf leicht neigte. „Das zu beurteilen liegt nicht in meinem Ermessen, euer Ehren."

Für einen Moment starrte seine ehemalige Schülerin ihn mit einem so durchdringenden Blick an, dass sie diesen nur von ihm gelernt haben konnte, bevor sie nickte.

„Denken sie, dass Miss Granger eine Konfrontation vermieden hat, weil es Zweifel an der Abstammung des Kindes gab?"

Was zum Geier stellte diese Frau für Fragen?

„Miss Elena Granger-Snape ist ohne Zweifel meine Tochter, euer Ehren. Und Miss Granger ist und war schon immer kompetent genug, um einen Vaterschaftstrank zu brauen und durchzuführen. Es gab also niemals einen Zweifel daran, dass Rabastan Lestrange nicht der Erzeuger des Kindes ist." Seine Stimme war um einige Grad kälter geworden.

„Wieso hat Miss Granger sie nie über ihre Vaterschaft in Kenntnis gesetzt? Sicherlich hätte man das Kind besser schützen können, wenn es nicht nur eine Mutter, sondern auch einen Vater gehabt hätte?"

Zurückgebliebene Zaubergesellschaft.

„Miss Granger und ich hatten, wie bereits erwähnt, kein besonders inniges Verhältnis."

Bei der Formulierung schnaubten einige Anwesenden im Saal und Severus warf einige eisige Blicke in die Runde, bevor er sich wieder straffte.

„Ich vermied und vermeide es, mich fortzupflanzen, wie sie sich sicherlich vorstellen können. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass ich kein besonderer Kinderfreund bin."

Wieder Schnauben in der Runde und Albus, der amüsiert in seinen Bart schmunzelte.

„Miss Granger und ich haben vor dem Endkampf zusammen gearbeitet und die Schwangerschaft war das unabsichtliche Resultat einer sehr kurzen Affäre, die weniger auf Zuneigung als vielmehr auf Stress und Frust basierte. So sehr ich die Umstände auch bedauere, die dazu führten, dass ich meine Tochter erst bei ihrer Einschulung kennen lernte, so sehr kann ich nachvollziehen, warum es so gekommen ist und ich an Miss Grangers Stelle hätte jederzeit genauso gehandelt."

Diese Antwort schien Miss Bones zufrieden zu stellen, denn sie nickte.

„Ich denke, das kann jeder von uns nachvollziehen. Eine weitere Frage, Professor Snape: Warum, denken sie, hat sich der Angeklagte so auf Miss Granger fixiert? Wenn man es logisch betrachtet, hatte er bereits bei seinem ersten Überfall auf Miss Granger bekommen, was er wollte."

Einige Hexen zuckten bei der Formulierung zusammen und auch Severus musste an sich halten, um nicht das Gesicht zu verziehen und seine starre Miene zu behalten.

Susan Bones jedoch war völlig unbeeindruckt davon und Severus konnte nicht anders, als gelinde überrascht und beeindruckt von seiner ehemaligen Schülerin zu sein, die nie durch besonders objektive Beobachtungsgabe aufgefallen war.

„Lestrange ist ein Jäger, euer Ehren. Er lebt und atmet die Jagd, die Angst seiner Opfer und den Terror, wenn sie merken, dass er ihnen auf den Fersen ist. Die Jagd ist dann beendet, wenn das Opfer erledigt ist. Er hätte Miss Granger während des Endkampfes töten können, anstatt sie irgendwo in die Pampa zu schicken, was er zweifellos getan hätte, wenn er nicht in Aussicht gehabt hätte, entkommen zu können und die Jagd fortzuführen. Ich gehe davon aus, dass er ganz genau wusste, wohin er Miss Granger mit seinem Spruch schickte und er sie vor ihren Freunden gefunden hätte, wenn ihm nicht die Muggel, die Miss Granger aufgesammelt und in ein Krankenhaus gebracht haben, einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten."

„Angeklagter Lestrange, ist diese Vermutung zutreffend?" Susan Bones richtete ihren kalten Blick auf den Gefesselten auf dem Richterstuhl, der sichtlich darum rang, die Antwort geben zu müssen, doch offenbar hatte man ihn mit Veritaserum dosiert und so entfloh ihm die Antwort: „Ich wusste es nicht genau. Es war nur eine ungefähre Idee. Aber ich hätte sie gefunden, wenn die Muggel nicht gewesen wären."

Gemurmel wurde im Saal laut, als die Stimme des Mannes, heiser und bröckelig, als hätte er zu viel geschrien, verklang. Richterin Bones ließ ihre schneidende Stimme durch den Saal peitschen.

„Ruhe im Gerichtssaal!

Professor Snape, eine letzte Frage: Denken sie, dass Miss Granger ein Zufallsopfer war?"

„Beim ersten Mal sicherlich. Sie war hilflos und er hat die Gelegenheit ergriffen, zumal er beim ersten Mal nicht sofort wusste, wer sie war. Beim zweiten Mal war eiskaltes Kalkül dahinter und ich bin mir sicher, dass nicht nur die… Vervollständigung dessen, was er vor fast 13 Jahren angefangen hat, eine Rolle spielte, sondern auch die Tatsache, dass es sich bei der Gejagten nicht um irgendjemanden, sondern die berühmte Hermine Granger handelte. Sie war eine Trophäe."

„Angeklagter Lestrange, ist diese Vermutung zutreffend?"

Diesmal kämpfte Lestrange nicht dagegen an, er schenkte Severus nur ein boshaftes Lächeln und raunte dann: „Absolut. Severus, alter Freund, du kanntest mich schon immer gut." Er befeuchtete mit der Zunge seine aufgesprungenen Lippen. „Und wir hatten schon immer einen ähnlichen Geschmack, was Frauen angeht."

Der kalte Blick auf Susan Bones' Gesicht wurde zutiefst angewidert.

„Angeklagter Lestrange, ihre widerlichen, kleinen Anspielungen sind hier fehl am Platz. Sie werden sich bei der nächsten Zeugin schön am Riemen reißen, sonst sehe ich mich gezwungen, sie mit einem Silencio zu belegen."

Er schenkte ihr ein Lächeln und warf ihr einen Kussmund zu. „Natürlich, euer Ehren." Der Titel klang aus seinem Mund mehr wie eine Beleidigung.

„Verteidiger Lauring, haben sie noch Fragen an den Zeugen?"

Der mausgraue Zauberer sprang auf.

„Jawohl, euer Ehren!"

„Bitte sehr. Ihr Zeuge."

„Professor Snape, woher kommen ihre Informationen über die Überfälle auf Miss Granger?"

„Von Miss Granger selber und dem, was ich bei ihrer... Rettung mit eigenen Augen gesehen habe."

„Sie hat ihnen also davon erzählt? Ich dachte, ihre Erinnerungen wären gelöscht gewesen?" Der kleine Mann sah triumphierend aus und Severus warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

„Sie hat mir nicht davon erzählt, Mister Lauring." Er meinte, sich zu erinnern, dass der Mann zwei oder drei Jahre unter ihm in Hogwarts gewesen war. „Ich habe es in ihren Erinnerungen gesehen. Wie sie sicherlich wissen, bin ich ein Meister der Legilimentik. Durch die Durchsicht von Miss Grangers Erinnerungen und ihre chronologische Ordnung konnten wir ihr Erinnerungsgerüst soweit wieder herstellen, dass sie es selber wieder vervollständigen konnte. Das bedeutete, dass ich alle ihre Erinnerungen angesehen habe."

Susan Bones' Blick war wieder sehr scharf geworden und auf ihrem Gesicht lag ein leiser Zug von Unglauben.

„Sie haben ihre Erinnerungen angesehen? Sie meinen wohl, sie haben ihre Erinnerungen durchlebt?!"

Er sah sie unbewegt an und nickte und wieder kam Raunen auf, als den Leuten klar wurde, was das bedeutete.

Auch Verteidiger Lauring verstand das, was sein erschrecktes Aufkeuchen bestätigte. Susan Bones, die offenbar vergessen hatte, dass sie den Zeugen abgegeben hatte, beugte sich über ihren Tisch, als wolle sie ihren ehemaligen Zaubertränkeprofessor genauer unter die Lupe nehmen.

„Sie haben die Erinnerungen von Hermine Granger an die Überfälle in ihrer Erinnerung durchlebt?!"

„Den ersten. Eine… Besichtigung des zweiten war nicht mehr nötig, weil ihr Erinnerungsgerüst ausreichend wieder hergestellt war… die Intensität der Erinnerungen verblasst mit den Jahren und nur besonders starke Emotionen und… Empfindungen bleiben zurück."

„Nichtsdestotrotz…", murmelte die Richterin und neigte respektvoll den Kopf, bevor sie Lauring zunickte. „Entschuldigen sie die Unterbrechung, Verteidiger Lauring."

Der Mann straffte sich und machte einen neuen Versuch: „Professor Snape, ist es nicht so, dass der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf dafür bekannt war, mit seinen Gefolgsleuten sehr… rau umzugehen? Um nicht zu sagen: Ist es nicht so, dass er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf seine Gefolgsleute mit Vergnügen mit den Unverzeihlichen belegte?"

„Das ist richtig."

„Stimmen sie mir darin zu, dass auch mein Mandant mehr als einmal am empfangenden Ende des Zauberstabes dessen-der-nicht-genannt-werden-darf stand?"

Severus unterdrückte ein Schnauben. Der Mann wusste, dass Lestrange nicht unschuldig sein konnte und wollte auf unzurechnungsfähig plädieren.

„Auch das ist richtig. Voldemort", er ignorierte das kollektive Zusammenzucken im Raum, „Voldemort hat jedoch stets darauf geachtet, seine Todesser nie so sehr zu foltern, dass sie hinterher nicht mehr klar denken konnten. Er wollte bestrafen, nicht zerstören. Es gab keinen Todesser, der bis in den Wahnsinn gefoltert und hinterher am Leben gelassen wurde."

„Es gab also sehr wohl Todesser, die bis in den Wahnsinn gefoltert wurden?"

„Verräter, ja. Aber keiner von diesen wurde nur mit dem Cruciatus belegt. Der letzte Spruch war immer ein tödlicher."

„Könnte es sein, dass mein Mandant nicht dieselbe Schmerztoleranzgrenze hatte, wie andere Todesser?"

„Die Toleranzgrenze des Cruciatus hat nur zum Teil etwas mit der Psyche zu tun. Viel schwerwiegender ist das Körpergewicht und der allgemeine Zustand des Opfers. Ein muskulöses Opfer in gutem Allgemeinzustand wird länger standhalten als ein untergewichtiges, mangelernährtes. Seltsamerweise halten Frauen länger Stand als Männer ähnlicher Konstitution, trotz des unterschiedlichen Anteils an Muskelmasse. Magier halten länger Stand als Muggel. Der Angeklagte konnte den Cruciatus immer gut und bei klarem Verstand verkraften und Voldemort war ein wahrer Könner darin, abzuschätzen, wie viel jemand noch ertragen konnte, bevor er zerbrach."

Lauring sah unzufrieden aus, winkte jedoch ab. „Keine weiteren Fragen."

„Professor Snape, ich danke ihnen für ihre Aussage. Bitte nehmen sie neben Professor Dumbledore Platz." Susan Bones nickte ihm zu und erwiderte das Nicken, bevor er sich neben Albus setzte und einen besorgten Blick zur Tür zum Zeugenraum warf.

Jetzt würde sich zeigen, ob die Übungseinheiten mit dem Irrwicht etwas gebracht hatten.

„Sie wird es schaffen, mein Junge", murmelte Albus leise, doch Severus sah ihn nicht an, sondern hielt seinen Blick auf die Tür fixiert, um nicht den Moment zu verpassen, in dem Hermine eintreten und sicherlich sofort seinen Blick suchen würde.

Dann schwebte der Geist durch die geschlossene Tür, die sich öffnete und die nächste Zeugin preisgab.

Information: Ich finde das Ende von Band 7 und die Erklärung für Severus' Motivation extrem blöd und Lillys Charakter ist eher ein Flop. Severus Snape ist in meinen Augen und meinem Empfinden nach kein Mann, der mehr zwei Jahrzehnte lang einer Frau hinterher weint, die ihn wegen eines Fehltritts mit dem **sch nicht mehr anguckt, die nicht vergeben und nicht vergessen kann, obwohl es sich angeblich um einen Freund handelt. Deshalb ist der Severus Snape in (In)Sanity jemand, der sich selber als Freund von Lilly Evans ansah, der durchaus der Freundschaft nachtrauert, aber nicht einer unerfüllten Liebe.

Für alle, die weiter so tapfer dabei sind, gibt es einen Keks :)) Ihr seid super!