Der Raumhafen der Hauptstadt von Shili war nur mäßig geschäftig, als die „Hesperia" am nächsten Morgen dort landete. Zu Shaak Tis Überraschung wurden sie sofort zu einem VIP-Schalter eskortiert.
„Es ist ja so schön, dass Ihr überlebt habt, Meister Jedi Shaak Ti", sagte der Einreisebeamte, ein älterer gelbhäutiger Togruta, noch bevor sie überhaupt etwas sagen konnte.
Shaak Ti schenkte ihm ein Lächeln. Es wärmte ihr das Herz, dass man sie als Jedi in ihrer Heimatwelt nicht vergessen hatte. Ja, die Helle Seite der Macht war stark auf Shili. Und gleich nachdem Palpatine und Vader ihr Ende gefunden hatten, hatte sich der Mutterplanet des Togruta-Volkes umgehend der Neuen Republik angeschlossen.
„Eure Papiere brauche ich ja nicht zu sehen. Aber was ist mit Eurem Begleiter?", fragte der Beamte, dabei zu dem ihm unbekannten Muun schauend.
„Das Imperium hat ihm übel mitgespielt, so dass er jetzt neue Papiere braucht – so wie ich. Natürlich wird er die später auf seinem Heimatplaneten beantragen. Aber irgendwo müssen wir ja anfangen", erklärte Shaak Ti.
„Natürlich, und darf ich nach dem Zweck seiner Einreise fragen?"
„Er ist mein Verlobter und begleitet mich", erwiderte Shaak Ti.
„Oh, ich wusste ja gar nicht, dass es Jedi erlaubt ist, zu heiraten. Ist das neu?", fragte der Beamte mit staunenden Augen.
„Wir … tun es einfach", antwortete Shaak Ti mit einem Lächeln zu Hego hin, welches umgehend erwidert wurde.
Als sie den Raumhafen verließen, tobte gerade ein Sandsturm über der Hauptstadt von Shili. Orangefarbener Sand drang in ihre Augen, in ihre Nasen, in ihre Münder, sobald sie etwas sagen wollten. Shaak Ti wünschte sich ein Bad. Aber sie wusste, dass es keins geben würde. Und sie wollte vor Hego jetzt keine Schwäche zeigen.
Als sie zur Einwohnermeldeamt kamen, tranken sie in einem Café gegenüber dem Gebäude erst einmal einen Stimkaff. Soviel Zeit hatten sie, bis der Termin, den Plagueis vor zwei Tagen arrangiert hatte, herangerückt sein würde.
Als sie dann das Büro im Einwohnermeldeamt betraten, ging alles ziemlich schnell.
„Du meine Güte, Shaak Ti! Ihr seht ja blendend aus. Damals wie heute", meinte der Beamte euphorisch. „Wir werden jetzt einfach ein Foto von Euch machen, Eure Daten haben wir noch im Computer und den Rest erledigt die Maschine. In ca. acht Minuten habt Ihr dann Eure neue ID-Karte."
„So schnell? Früher hat das mindestens sechs Standardwochen gedauert", wunderte sich Shaak Ti.
„Nun, Meister Jedi, in den letzten zwanzig Jahren ist die Automatisierungstechnik auch auf Shili enorm vorangeschritten. Unser vorletzter Moff hatte das vor fünf Jahren veranlasst, bevor er direkt vor seinem Palast an einem Laternenpfahl erhängt aufgefunden wurde."
„Ein Selbstmord?", fragte Shaak Ti neugierig.
„Eine anti-imperiale Widerstandsgruppe namens Dar'nala-Front für die Befreiung Shilis hatte sich dazu bekannt", erklärte der Beamte.
„Bemerkenswert, dass auch diese Jedi-Meisterin noch derart in Erinnerung ist", warf Hego Damask ein.
„Damals vor viertausend Jahren wie heute", präzisierte Shaak Ti mit einem hintergründigen Lächeln.
Plagueis stutzte ob ihres Lächelns. Er überlegte, ob Shaak Ti damals wirklich nur auf Felucia gewirkt hatte, oder ob der Radius ihrer Aktivitäten möglicherweise noch viel weiter gereicht hatte – noch weiterreichte?
Nach den versprochenen acht Minuten war Shaak Tis Identitäts-Karte fertig.
„Ich würde gerne noch nach meiner Mutter schauen", sagte sie zu Hego, nachdem beide die Einwohnermeldebehörde verlassen hatten.
„Das habe ich mir bereits gedacht, wo Du mir doch bereits damals auf Mygeeto von ihr erzählt hattest. Deshalb habe ich Zeit für einen kurzen Besuch bei ihr eingeplant, bevor wir weiter in meine Heimatwelt fliegen werden."
Schaak Ti schenkte ihm erneut ein Lächeln. Hego dachte doch wirklich an alles!
Ihre Freude verwandelte sich in Besorgnis, als sie feststellte, dass das Haus, in welchem ihre Mutter damals gewohnt und ihre Tochter Ashla die ersten drei Jahre ihres Lebens verbracht hatte, nicht mehr war. Stattdessen war ein brandneuer Häuserkomplex hochgezogen worden. Shaak Ti suchte irgendeinen Anhaltspunkt, irgendjemanden, den sie fragen konnte. Schließlich sah sie eine alte Frau, die entspannt durch die Straßen schlenderte und nichts zu tun zu haben schien.
„Entschuldigen Sie, wissen Sie, ob Kolsa Ti noch hier wohnt?", begann Shaak Ti das Gespräch.
Die Alte schaute sie skeptisch an.
„Ach, Ihr kennt sie? Was wollt Ihr von Ihr?", fragte die alte Frau.
„Kolsa Ti war meine Mutter."
„Ach, sie sind die Jedi-Tochter. Ja, jetzt erinnere ich mich. Sie hatte ja zwei Töchter. Und die Jüngere war vor sieben Jahren hier gewesen. Mit ihrem Sohn, der so aussah wie Ihr Begleiter. Nur mit blauen Augen statt grünen. Aber der Enkel hat sich ziemlich ungebührlich benommen, habe ich mitbekommen. Eine Woche später ist sie dann vor Gram gestorben."
Auf Shaak Tis Gesicht machte sich Bestürzung breit. Sie war zu spät gekommen. Selbst dazu, ihrer Mutter dafür zu danken, Ashla aufgezogen und wie versprochen, Meister Plo Koon, also dem Tempel übergeben zu haben. Sie schaute zu Hego. Ihr Verlobter trug eine ernste Trauermiene zur Schau, wie bei solchem Anlass angemessen.
„Gibt es ein Grab?", fragte Plagueis die Alte.
„Wo denn, wie denn, wenn sich niemand darum gekümmert hat? Aber was soll's? Die meisten unserer Spezies wollen eh nur Feuerbestattung und dann ihre Asche in den Jagdgründen vor der Stadt verstreut wissen, um den Hinterbliebenen nicht zur Last zu fallen. Vor allem nicht solchen Hinterbliebenen!" Sie machte eine abfällige Handbewegung.
Shaak Ti sah keinen Anlass, noch länger auf ihrem Heimatplaneten zu verweilen. Eiligen Schrittes strebte sie mit Hego Damask zur „Hesperia" zurück. Der orangene Sand der Steppe vor der Stadt blies ihnen hinterher, legte sich auf ihre Nacken und Häupter.
„Sobald wir im Schiff sind, gehe ich unter die Dusche. Auf Felucia war es nicht so staubig", sagte Shaak Ti.
„Ich würde gerne mal wieder schwimmen gehen. Aber wie ich recherchiert habe, gibt es hier gar kein Schwimmbad", sagte Plagueis.
„An so etwas kann ich mich auch nicht erinnern. Immerhin gab es bei uns zu Hause fließendes Wasser, wenngleich auch nur einen dünnen Strahl und das nur im Bad. Schon allein deshalb fand ich es im Tempel angenehmer."
„Möglicherweise hat man deshalb die alten Häuser abgerissen und den neuen Komplex hier hingestellt", meinte Hego.
Shaak Ti nickte stumm.
Als Mace Windu und Maris Brood mit ihrem Shuttle auf der orbitalen Raumhafenstation Hochhafen über dem grünen Planeten Muunilinst landeten, beschlich den Jedi-Meister ein ungutes Gefühl. Achtzehn Jahre war es nun her, dass er seine ehemalige Padawan das letzte Mal gesehen hatte. Immerhin beinahe sieben Jahre lang hatte er Ashla ausgebildet. Genausolang wie in den letzten sieben Jahren Maris Brood. Wie würde wohl die eine auf die andere Padawan reagieren?
„Was ist der Zweck Eures Besuches auf Muunilinst, Jedi?", fragte der Einreisebeamte, ein Pau'aner, am Einreiseschalter für nichtmuunoide Einreisende streng, als er der Lichtschwerter am Gürtel der beiden Besucher ansichtig wurde.
„Wir wollen Ashla besuchen, die Frau des Chefs des Bankenclans. Es geht um Jedi-Angelegenheiten", erklärte der dunkelhäutige Jedi-Meister dem Pau'aner ruhig.
Dieser schaute in seinen Computer, gab ein paar Daten ein.
„Ihr seid hier schon einmal eingereist. Unter falschem Namen, Meister Windu", meinte der Pau'aner ebenso streng wie zuvor und fletschte dabei seine spitzen weißen Zähne.
„Das war zur Zeit des Imperiums. Natürlich konnte ich nicht unter meinem richtigen Namen hier einreisen", meinte Mace immer noch ruhig.
„Auch egal. Hier auf Muunilinst gibt es keine Jedi-Angelegenheiten. Dieser Planet war zur Zeit des Imperiums neutral. Deswegen haben hier weder Imperiale noch Jedi etwas zu suchen."
„Bitte, es ist wichtig", mischte sich nun Maris ein.
„Und Ihr seid gar nicht als Jedi registriert", erklärte der Beamte und musterte die Zabrak misstrauisch, nachdem er erneut einen Blick in seine Dateien geworfen hatte.
„Sie ist genauso eine Jedi wie ich, auch wenn sie damals nicht im Tempel gewesen ist", konterte Mace.
„Diese dogmatischen Spitzfindigkeiten Eurer Sorte werden Euch auch nicht weiterhelfen. Ihr kommt hier nicht rein!", entschied der Pau'aner.
„Nun, was das angeht, so hat Unsere Sorte noch andere Möglichkeiten. Sie werden tun, was ich sage!", erwiderte Mace Windu nun betont ruhig und machte eine Handbewegung.
„Eure billigen Jedi-Tricks können mir gar nichts …!", presste der Beamte keuchend hervor und sein ansonsten weißes Gesicht lief rot an im Bemühen, den plötzlichen Druck, der auf sein Hirn ausgeübt wurde, abzuwehren.
„Sie werden tun, was wir sagen", wiederholten Mace und Maris nun im Chor, beide dieselbe wedelnde Handbewegung machend.
„Ich werde tun, was Ihr sagt", erwiderte der Pau'aner endlich wie gewünscht in monotoner Stimmlage, völlig geschockt und ermattet von dieser doppelten Jedi-Invasion seines Geistes.
„Sie werden unsere Pässe jetzt mit gültigen Einreisestempeln versehen. Nur für zwei Tage", befahl Mace Windu.
„Nur für zwei Tage", wiederholte der aufsässige Beamte plötzlich gefügig geworden und versah Maces und Maris' Pass mit Stempel und Unterschrift.
„Wir danken Ihnen", erwiderte Mace jovial und die beiden Jedi strebten den Fähren zu, welche die Besucher und Pendler auf die Planetenoberfläche bringen sollten.
Es war für Mace Windu nicht weiter schwierig, seine zweite Padawan zu finden. Ihre Machtpräsenz war stärker geworden als vorher. Gerade trat das gemietete Gleitertaxi aus dem Tunnel aus, um nun in jenem grünen mit gepflegten weißen Villen gesprenkelten Vorort auszutreten, welcher das herrschaftliche Anwesen von Zilan und Ashla beherbergte.
Eine eigenartige Machtpräsenz schlug ihnen entgegen. Sie war etwas trübe, aber nicht direkt dunkel.
Mace Windu hielt plötzlich inne.
„Shaak Ti lebt", sagte er plötzlich.
„Das kann nicht sein. Ich habe auf Felucia ihren Tod gespürt", widersprach die Zabrak.
„Du wirst doch wohl noch die Präsenz deiner ehemaligen Meisterin spüren können", tadelte Mace seine dritte Padawan.
Maris glotzte ihren Meister verständnislos mit ihren goldenen Augen an, als hätte er ihr soeben etwas über grüne Wampas erzählt. In ihrem weißen Gesicht erblühte echte Überraschung, in welche sich alsbald etwas Freude mischte, kaum dass sie die vertraute Präsenz ihrer ehemaligen Meisterin ebenfalls erkannte.
„Aber, ich fühle da auch etwas Dunkles", sagte Maris.
„Genau dasselbe hatte ich damals vor vierundzwanzig Jahren auch bei ihr gefühlt. Das war kurz vor der Order 66, wo der damalige Kanzler Shaak Ti in ihrer Kammer besucht hatte, um sich bei ihr für ihren Einsatz zu bedanken, ihn vergeblich vor Grievous beschützt zu haben. Als ich dann näher kam, war die Präsenz wieder weg, aber jetzt …"
„Aber Palpatine ist und bleibt doch auch wirklich tot, oder?", fragte Maris Brood besorgt.
„Er und jeder andere Sith, der uns je wieder in die Quere kommen sollte. Dafür werde ich sorgen!", gelobte Mace Windu mit fester Stimme.
„Nur noch ein Kilometer, dann sind wir da", erklärte der Fahrer des Gleitertaxis von der Spezies der Nimbanel den beiden Fahrgästen, ohne, dass jene ihn danach gefragt hätten.
Mace Windu warf ihm einen bösen Blick zu. Der geschwätzige gelbe, braungesprenkelte Taxifahrer hatte mit seinen unbedachten Worten seine Witterung gestört. Jetzt war Shaak Tis Präsenz zwar stärker und klarer wahrnehmbar. Aber das Dunkle war urplötzlich verschoben und er hatte wegen dem Nimbanel dessen Verschiebungsmoment verpasst! Allerdings war es nun etwas weiter entfernt von Shaak Tis Präsenz. Irgendwo zwischen der Togruta und seiner eigenen Präsenz und der von Maris. Aber diese diffuse Dunkelheit war auch … irgendwie verändert.
„VierDe, bleib beim Schiff!", wies Plagueis seinen getreuen Droiden an, bevor er zusammen mit Shaak Ti das Shuttle verließ. Die Einreiseformalitäten am Orbital-Raumhafen Hochhafen über Muunilinst erschienen anfangs nicht so einfach, wie sie es auf Shili gewesen waren.
„Wieso haben Sie als Muun denn keine gültigen Einreisepapiere", fragte der braunhaarige Mensch am VIP-Schalter den muunoiden Einreisenden misstrauisch.
„Ich bin hierhergekommen, um neue zu beantragen."
„Und warum bringen Sie gleich eine Jedi mit?", wunderte sich der Mensch.
„Wofür ich sie mitgebracht habe, hat Sie nicht zu interessieren. Ich möchte jetzt den Direktor sprechen, Mensch", erwiderte Plagueis fordernd.
Umgehend huschte der Mensch in geduckter Haltung davon.
„Willkommen zu Hause, Magister Damask", sagte der Muun-Direktor des Raumhafens in serviler Stimmlage, nachdem er seinen Speziesgenossen erkannt hatte. „Wir dachten, ihr wärt tot."
„Nun, wie Sie sehen, bin ich quicklebendig", erwiderte Hego Damask der Zweite in jovialem Tonfall.
„Und Ihr seht noch genauso blendend aus wie damals! … Nun ja … ohne diese Maske sogar noch viel besser", erklärte der Muun mit der Andeutung eines Lächelns in Richtung Plagueis. „Darf ich Euch und Mrs. Tano eine VIP-Fähre zum Planeten und danach auf unsere Kosten ein Gleitertaxi reservieren, um Euch wegen der Unannehmlichkeiten, die unser menschlicher Kollege in seiner Ungeschicklichkeit verursacht hat, wenigstens ansatzweise zu entschädigen?"
„Nun, was das angeht, so handelt es sich bei meiner Begleitung um meine Verlobte, Meister Jedi Shaak Ti."
Der Muun errötete und seine Gesichtszüge wanden sich für einen Moment in Pein ob der erneuten Ungeschicklichkeit, während die Togruta von einer Welle des Stolzes durchflutet wurde. Hego hatte sich das erste Mal als ihr Verlobter öffentlich zu ihr bekannt!
„Ein Gleitertaxi für unseren gesamten Aufenthalt dieses Tages auf Muunilinst", schraubte Plagueis die Entschädigung noch etwas höher.
„Euer Wunsch ist mir Befehl", säuselte der ertappte Muun eilfertig.
Der Flughafendirektor brachte das Paar zum bereitgestellten VIP-Shuttle, dann aktivierte er sein Komlink, um auf Muunilinst das versprochene Taxi zu reservieren. Nach etwa zwanzig Minuten erreichte das Orbitalshuttle mit Plagueis und Shaak Ti Harnaidan-City.
„Ihr habt heute frei und könnt das Taxi dann abends gegen zehn Uhr wieder hier abholen." Mit diesen knappen klaren Worten teilte Hego Damask dem ihm genannten Fahrer, einem rosafarbenen Rodianer mit, dass er mit Shaak Ti allein im Taxi zu sein gedachte. Der Rodianer verbeugte sich daraufhin untertänig und verschwand umgehend.
Plagueis genoss es, das Taxi selbst zu fahren und zu steuern. Vereinzelt gafften ihn Muuns und Nicht-Muuns von den Bürgersteigen aus an, war doch der Beruf des Taxifahrers normalerweise absolut unter der Würde eines Muuns. Plagueis schenkte allzu aufdringlichen Gaffern ein feines Grinsen. Endlich hatten sie die Innenstadt von Harnaidan hinter sich gelassen und waren in den Tunnel eingetreten, welcher der offizielle Zufahrtsweg zum Nobelvorort war, in welchem Ashla und Zilan residierten.
„Willkommen in Sonnental", begrüßte eine große Tafel die Besucher in der Muunsprache, die Shaak Ti nicht verstand. In Harnaidan-City hatte es wenigstens kleinere Übersetzungen auf Basic unter der größeren Muun-Schrift gegeben – zu fünfzig Prozent jedenfalls. Aber hier hatte es den Anschein, als wenn Nicht-Muun in Sonnental nicht erwünscht wären.
Plagueis wandte sich seiner Geliebten zu, als er deren plötzliche Anspannung bemerkte.
„Ich spüre eine Präsenz, die ich seit langem nicht mehr … meine Padawan und …"
„… Mace Windu", vollendete Plagueis Shaak Tis Satz.
„Du kannst dich nach den siebenunddreißig Jahren noch an Mace Windus Machtpräsenz erinnern?"
„Er war damals auf jenem Empfang in der Perlemianischen Orbitalstation, bevor …"
„… Dooku aus dem Orden ausgetreten ist, um wenig später Sifo-Dyas töten zu lassen", vollendete sie leicht vorwurfsvoll seinen Satz.
Noch während sie diese Worte sprach, fühlte sie, wie Plagueis neben ihr seine Machtpräsenz minimierte. Jetzt erschienen als genauso ein Machtbenutzer-Nichtmachtbenutzer-Pärchen wie das, welches sie bald besuchen würden.
„Mace und Maris sind bei Ashla", sagte Shaak Ti tonlos zu Plagueis.
„Das ist gut", meinte dieser. „Da Ashla und Zilan daheim sind, wird diese Begegnung unter sozialer Kontrolle ablaufen und wir können alles in Ruhe sondieren", beruhigte er sie, während sie sich dem Zielort näherten.
Mace Windu klingelte. Nach einer Weile öffnete sich das Tor. Es war niemand zu sehen. Auch die dunkle Machtpräsenz war mit einem Mal verschwunden. Genauso wie die von Shaak Ti. Aber dem Jedi-Meister vom Planeten Korunnai erschien es viel zu still, viel zu leer, als dass er keine Gefahr wittern würde. Das Zischen eines aktivierten Lichtschwertes riss ihn und Maris aus ihrer Anspannung.
Vom immerhin vier Standardmeter hohen Torbogen war ein junger Muun heruntergesprungen, der in eine hellblaue Tunika gewandet war. Seine ebenfalls hellblauen Augen funkelten und in seinen weißen Händen mit den überlangen Zeige- und Mittelfingern hielt er zwei orange Klingen in einer Art, die Mace Windu so noch nicht gesehen hatte. Der Angreifer hielt doch tatsächlich beide Klingen im Rückwärtsgriff! Ahsoka Tano hatte das damals im Tempel nur mit einer ihrer beiden Klingen getan.
„Zwei Jedi – Endlich eine Herausforderung!", tönte Hego Damask der Dritte noch während seines Sprungs von oben, während Maris eilig ihre beiden grünen Schwerter aktivierte, um ihrem Meister beizustehen.
Mace Windus Augen weiteten sich in spontanem Erkennen. Denn jetzt hatte der junge Muun seine Machtpräsenz entfaltet. Stark, etwas dunkel, noch recht unkoordiniert. Aber was nur hatte dieser Bursche vorher in Shaak Tis Nähe getrieben? Und wo war Shaak Ti?
Die Drei tauschten einige Hiebe aus, bis Maris mit ihren beiden grünen Schwertern die beiden orangenen Klingen des jugendlichen Angreifers blockte, so dass die vier Schwerter im Energieverschluss aneinanderklebten und dabei ein Quadrat bildeten. Mace Windu streckte nun seine rechte künstliche Hand vor und nahm den jungen Muun in den Würgegriff der Macht. Maris ließ daraufhin von ihm ab und deaktivierte ihre Klingen, während der junge Hego in der Luft zappelte, verzweifelt nach Luft schnappte und dabei krampfhaft seine beiden Lichtschwerter festhielt, die in orangenen Wirbeln mal in diese, mal in jene Richtung zuckten.
Da betrat Ashla den Hof.
„Was ist hier los, Meister? Und wer ist Eure Freundin?", fragte die Halb-Muun-Halb-Togruta streng Mace Windu.
Dieser ließ sofort sein Opfer los, der Tatsache gewahr werdend, dass seine ehemalige Padawan den forschen Jüngling offenbar nicht als Bedrohung ansah.
„Maris Brood ist deine Nachfolge-Padawan gewesen und jetzt eine Jedi-Ritterin. Ashla, Deine Vorgängerin", stellte er die beiden Frauen einander vor. „Und der junge Mann?"
„Hego Damask III", stellte dieser sich selbst vor, nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte.
„Hego, geh sofort auf dein Apartment!", wies Ashla ihren Sohn an.
„Aber sie sind unangemeldet hier hereingekommen! Ich wollte nur sichergehen, dass …"
„Ist schon gut. Und jetzt geh nach oben!", wiederholte Ashla ihre Aufforderung.
Mit einem trotzigen Blick in Richtung der beiden Jedi verschwand der junge Muun im Haus. Ashla bedeutete ihrem ehemaligen Meister und dessen dritter Padawan, ihr nach oben zu folgen. Die Drei gingen in die erste Etage der Villa, um schließlich in eine große Ess-Küche zu gelangen. Maris schaute staunend auf die mannigfaltigen Küchenutensilien, die an einer blauweiß gekachelten Wand hingen, während auf einer mindestens fünf Standardmeter langen Anrichte mehrere technische Geräte standen, deren Funktionen sich der Zabrak ebenfalls nicht erschlossen. Es stand ein großer weißer Marmortisch mit Platz für zehn Leute im Zentrum des Raumes. Auf diesem Tisch stand eine Schale mit verführerisch reif aussehenden exotischen Früchten. Aber bevor Ashla ihre Gäste dazu einladen konnte, sich zu setzen, ergriff ihr ehemaliger Meister auch schon das Wort.
„Verzeih mir, dass wir so unangemeldet hier hereinplatzen, aber ich habe wichtige Neuigkeiten für dich und brauche deine Unterstützung", begann Mace Windu, sein Anliegen vorzutragen. „Es geht um den zweiten Ehemann deiner Großmutter, Dr. Rugess Nome."
„Was ist denn mit ihm?", fragte Ashla und setzte ein argloses Gesicht auf.
„Ich habe den dringenden Verdacht, dass es sich bei Dr. Rugess Nome in Wirklichkeit um einen früheren Lord der Sith handelt", erklärte Mace mit ernster Stimme.
„Ein Sith … Lord?", wiederholte Ashla ungläubig.
„Maris, sag ihr, was du weißt!"
„Ein Bith kam vor über siebzig Jahren nach Felucia, wo mich deine Mutter ausbildete, bevor sie vor sieben Jahren … verschwand. Der Bith trug ein rotes Lichtschwert und setzte es auch ein. Er ließ auch rote Machtblitze auf die Felucianer regnen, um viele von ihnen zu töten und einen von ihnen für immer zu entführen. Das ist alles, was die Felucianer mir und Shaak Ti damals erzählt hatten", sagte die Zabrak beinahe entschuldigend.
„Du und ich wissen, dass du rote Machtblitze erzeugen kannst, Ashla", übernahm Mace Windu wieder das Gespräch. "Und wir beide wissen auch, dass deine Großmutter über sechzig Jahre lang mit ihrem zweiten Mann verheiratet war und wohl einiges von ihm gelernt und an dich weitergegeben hat."
Ashla schaute ihrem Meister direkt in die dunkelbraunen Augen. Jetzt galt es, so zu tun, als wisse sie von gar nichts. Als sei Vesta Nome wirklich nur eine harmlose alte Muun-Dame gewesen, die lediglich das technische Vermächtnis ihres verblichenen Raumschiff-Ingenieursgatten gepflegt und stets nur das Beste für alle gewollt hatte. Die ansonsten eine herzensgute Frau gewesen war, die ausgezeichnete Teigtaschen …
„Sie … also Ihr … könnt Machtblitze?", fragte die achtunddreißigjährige Maris andächtig ihre zwei Jahre jüngere Vorgängerpadawan.
Mace strafte sie für diese Unterbrechung mit gerunzelter Stirn und einem vernichtenden Blick unter drohend zusammengezogenen Brauen.
„Vesta Nome hat, als sie noch Damask hieß, ihren einzigen Sohn Hego an Dr. Rugess Nome fortgegeben. Warum, wenn dieser deinen Muun-Vater nicht als Schüler ausgebildet hat, womöglich als späteren Meister von Palpatine?"
Maris schnappte nach Luft, während sich Ashlas schwarze Augen ob dieser Anschuldigung ihres Meisters mit kurzzeitiger Empörung füllten. Dann wurden sie traurig und feucht.
„Vesta Nome ist vor achtzehn Jahren gestorben. Ihr könnt sie also nicht mehr fragen, Meister. Meine Großmutter starb, als sie Muunilinst besuchte, um ihren bislang einzigen Enkel zu sehen." Mit diesen Worten schaute Ashla traurig nach unten und faltete dabei ihre weißen Hände vor dem, wie Mace und Maris erst jetzt sahen, sich rundenden Bauch.
„Ihr seid schwanger. Herzlichen Glückwunsch!", sagte Maris, um die angemessenen Worte zu finden und um die Stimmung etwas aufzulockern.
Aber Mace Windu ließ sich nicht beirren oder gar einwickeln. Er schenkte Maris einen weiteren strafenden Blick und fuhr dann fort:
„Ashla, ich hatte dir bereits damals auf diesem Planeten von meiner Vermutung erzählt, dass Palpatine zusammen mit deiner Mutter Shaak Ti eine Verschwörung gegen die Jedi initiiert hat, wobei sie auch den alten Skywalker eingespannt hatten. Und jetzt erhärtet sich der Verdacht, dass auch dein Vater mehr gewesen sein könnte als eines von Palpatines Opfern ...!"
Ashla schaute neutral und gefasst von ihrem ehemaligen Meister zu dessen dritter Padawan. Die weiße Zabrak mit den tiefschwarzen Zöpfchen, roten Stirnhörnern und goldenen Augen musterte sie bereits die ganze Zeit über mit unverhohlenem Interesse … ganz egal, welche Anschuldigungen Mace auch gegen Ashlas Verwandte vorbrachte. Maris Brood schien sie gar insgeheim zu bewundern, schaute überdies von Zeit zu Zeit zu dem einen oder anderen liebevoll gestalteten Detail der Inneneinrichtung der Villa. Sie schien so ein prächtiges Haus noch nie von innen gesehen zu haben.
„Ja, auch dein Vater, Ashla! Ich habe das recherchiert", hörte sie Mace Windu weiterreden. „So um die Zeit herum, wo Dr. Rugess Nome verschwand, wurde ein Muun mit Sith-Augen auf dem Planeten Abraxin gesichtet! Um einen Schüler zu suchen, wie deine Mutter damals genau wusste, wie mir Maris ebenfalls berichtet hat. Woher wusste Shaak Ti wohl davon, wenn nicht gar von ihm selbst? Das ist internes Sith-Wissen! Das erfährt man nicht einfach so im Tempel! Und schon gar nicht von der ehrwürdigen und lauteren Meisterin Yaddle, wie Shaak Ti behauptet hatte!"
Ashla sah erneut zu Maris Brood hinüber. Der Zabrak schien es peinlich zu sein, dass sich ihr gemeinsamer Meister derart auf ihre Erzählung von vor sechs Jahren auf Mustafar berief.
„… Ashla, wenn Du tief in deinen drei Herzen noch eine Jedi bist, dann ist jetzt der geeignete Zeitpunkt, mir zu sagen, was du über deinen Vater und deinen Stiefgroßvater weißt … oder über deine Mutter, so dass wir diese Sith-Geschichte als Jedi vollständig aufarbeiten können, bevor weiteres Unheil wie eben unten im Vorhof geschieht", hörte Ashla Mace seine Ansprache zum Ende zu bringen.
Jetzt galt es, sich zu entscheiden. Einerseits fühlte sie sich nach wie vor als Jedi und wollte den Ihren helfen. Aber nicht auf Kosten des Rufes ihrer Familie, von der alle Beschuldigten ohnehin bereits tot waren! Außerdem hatte ihr Meister gar nichts gegen sie in der Hand. Mace Windu war zwar immer noch ein großartiger Jedi-Meister. Aber er hatte innerhalb der sich neu formierenden Jedi längst nicht mehr die Position inne, die er damals zuletzt vor der Order 66 mit zweiundvierzig Jahren als Yodas inoffizieller Stellvertreter innegehabt hatte. Das wusste Ashla aus den Erzählungen von Ahsoka und von Prinzessin Leia, die schon zur Zeit des Imperiums gelegentlich Muunilinst besucht hatten. Der Bankenclan hatte die Rebellion gegen Palpatines Imperium finanziert. Und Ashla und ihr Ehemann Zilan als Vorsitzender des Bankenclans hatten dafür Zugang zu wertvollen Rohstoffen quer durch die Galaxis und nicht minder wertvolle Informationen von den Rebellen erhalten. Dieser Handel hatte sich bislang mehr als einmal ausgezahlt. Ja, es gab einen Weg, sich aus diesem moralischen Dilemma hinauszumanövrieren, ohne dabei eine der beiden Seiten zu verprellen.
Ashla sammelte sich.
„Wie ich Euch schon damals sagte, Meister: Solange ich das nicht von Shaak Ti selbst höre, kann ich das einfach nicht glauben, was Ihr da sagt!", erwiderte Ashla ruhig, etwas zu ruhig, wie Mace Windu fand.
Ja, seine Befürchtungen hatten sich bewahrheitet. Muunilinst und der Bankenclan im Verbund mit ihrem väterlichen Erbe hatten seine zweite Padawan korrumpiert, während die dritte in beschämendem innerem Widerstreit mit dem rechten Fuß auf dem blau gefliesten Küchenfußboden scharrte, als würde sie etwas erwarten.
„Du brauchst nicht länger zu warten, meine Tochter", hörten die Drei auf einmal eine kraftvolle melodische weibliche Stimme, die sie alle kannten.
Nur einen Moment später stand Shaak Ti in der Küche.
Mace Windu sah Shaak Ti wie vom Donner gerührt an.
„Meisterin Shaak Ti … Ihr … seht noch genauso aus wie damals. Wie … ist das möglich?", fragte er, sie anschauend, als würde er einen Geist sehen.
„Meisterin!", rief Maris Brood aus. Mace Windu registrierte, dass auch seine dritte Padawan an Shaak Tis Auferstehung einiges merkwürdig fand.
Er überlegte, ob er in ihren Geist eindringen sollte, entschied sich aber dagegen. Maris würde das merken und dann wäre das Vertrauen dahin.
„Mutter, Ihr … seht aus wie eine ältere Schwester", brach aus Ashla heraus, was sie dachte und fühlte.
Jetzt brachen die Gedanken auf einmal ungefiltert aus Maris heraus. Mace erkannte, dass sie dasselbe dachte, was Ashla gerade ausgesprochen hatte. Shaak Ti war also unnatürlich jung geblieben. Sie sah aus wie Anfang Vierzig. Während man ihm selbst die sechsundsechzig Lebensjahre deutlich ansah. Irgendetwas stimmte nicht.
„Aber du hast keine Schwester. Zumindest noch nicht. Nun ja, zumindest bald ein weiteres Kind", entgegnete Shaak Ti mit einem verschmitzten Lächeln.
„Du kennst also Hego Damask den Dritten schon?", fragte Ashla überrascht.
„Dies und anderes mehr", erwiderte Shaak Ti mit einem huldvollen Lächeln.
„Wenn Ihr so viel wisst, dann sagt mir doch: Habt Ihr mit Palpatine zusammen die Klonarmee und die Order 66 geplant?", fragte Mace Windu ungerührt ob dieser ergreifenden Familienzusammenführung.
„Was für eine Frage?! Natürlich nicht. Ich war genauso im Exil wie viele andere Jedi auch. So wie Ihr", verteidigte sich Shaak Ti.
„Mit einer eigenen Klonsoldateneskorte, während zum selben Zeitpunkt so viele Jedi-Brüder und –Schwestern von denselben Klonen abgeschlachtet wurden! Sagt mir, Shaak Ti! Wieso waren diese Klone Euch gegenüber derart loyal?", bohrte der dunkelhäutige Jedi-Meister weiter.
„Es gab auch andere Klone, die ihre Jedi-Meister in dieser Zeit beschützt hatten", widersprach Shaak Ti. "Zum Beispiel auf Murkhana. Jedi-Meister Roan Shryne wurde auf diesem Planeten von seinen Klonsoldaten gedeckt, so dass er vor Vader fliehen konnte." Sie war Plagueis spontan dankbar dafür, dass er ihr diese Information zu ihrer jetzigen Verteidigung beschafft hatte, woher auch immer.
„Während Ihr mitten im Tempel stolz und erhaben an Vader vorbeispazieren konntet, ohne dass er Euch auch nur verfolgen ließ?", fragte Mace Windu empört zurück.
„Eine Kriegslist. Ich habe meine Feinde mit ihren eigenen Waffen, nun ja, nicht direkt geschlagen, aber zumindest in die Irre geführt, bis ich außer Reichweite war."
„Was für eine List?", fragte Mace Windu lauernd.
„Warum sollte ich Euch wohl meine Kriegsgeheimnisse verraten, wenn Ihr mir derart groteske Dinge unterstellt, Meister Windu?", schoss Shaak Ti mit scharfer Stimme zurück.
„Woher wusstet Ihr, dass der Muun auf Abraxin ein Sith-Lord war? War er Hego Damask, Euer damaliger Geliebter?", drang der Jedi-Meister weiter in seine Jedi-Schwester.
„Genug damit, Meister Windu! Seid Ihr hierhergekommen, um hier den Familienfrieden zu stören?", hörten die Vier nun eine tiefe gebieterische Stimme von jenseits der Küchentür.
Nur einen Moment später erschien Hego Damask im Türrahmen.
Mace Windus Augen weiteten sich erneut. Aber nur kurz. Dann hatte er seine Bestürzung über dieses unvermutete Gipfeltreffen wieder unter Kontrolle.
„Ihr habt Euren Tod also nur vorgetäuscht, Magister Damask", konstatierte er so ruhig und gefasst, wie er nur konnte. Aber alle in der Küche konnten das Gift fühlen, das bei dieser Mutmaßung des Jedi-Meisters aus dessen Stimme troff.
„Schon möglich, Meister Jedi. Vielleicht wurde ich aber auch über all die Jahre nur in Karbonit eingefroren, damit sich Palpatine mein Vermögen unter den Nagel reißen konnte, ohne Aufsehen zu erregen. Vielleicht bin ich aber auch ein böser Sith-Lord, der versucht, die Jedi zu vernichten. So sagt es mir doch, Meister Jedi: Was ist die Wahrheit?", forderte Plagueis in vergnügtem Tonfall garniert mit einem jovialen Lächeln seinen neuen Gegenspieler heraus.
„Das werde ich schon noch herausfinden!", zischte Mace.
„Da bin ich mir sicher", erwiderte Plagueis mit einem gewinnenden Lächeln. „Da fällt mir ein, dass es vor etwas über fünfzig Jahren schon einmal einen Jedi gegeben hat, der sich mit höchst dubiosen Methoden eine Aufenthaltserlaubnis für Muunilinst … ähm … besorgt hatte …"
Der hochgewachsene Muun ließ eine Kunstpause nach diesen Worten verstreichen. Die erwartete Reaktion auf der Gegenseite trat umgehend ein. Mace Windu kramte in seinem Gedächtnis. Im kahlen Kopf des Jedi-Meisters passierten Selbsterlebtes und Gehörtes Revue. Aber er fand den Namen nicht.
„Er war ein Zabrak. Worauf wollt Ihr hinaus, Damask?", fragte Mace Windu schließlich.
„Sein Name war Lo Bukk. Und er hat sich auf Muunilinst nicht so verhalten, wie man es von guten Gästen erwarten würde", sagte Plagueis mit bedauernder Freundlichkeit.
Zufrieden registrierte Plagueis, wie die Zabrak Maris Brood leicht irritiert vom Muun zum Korun-Meister schaute – und wieder zurück. Kein Zweifel, die Frau mit den goldenen Augen befand sich in einem inneren Widerstreit. Dies galt es zu nutzen.
„Meister Windu", fuhr Hego Damask in unerschütterlicher Freundlichkeit fort, „wisst ihr rein zufällig noch, was aus Lo Bukk geworden ist?"
„Ihr wisst doch genau, dass er von Eurer Sonnengarde getötet wurde, nachdem er versucht hatte, in Euer Privatschloss einzudringen, warum auch immer", antwortete Mace Windu mit Bitterkeit in der Stimme.
„Warum auch immer", wiederholte Hego Damask mit Nachdruck.
„Wollt Ihr mir etwa drohen? Jetzt, nachdem das Imperium besiegt wurde!?", schnappte Mace Windu empört.
„Nun, was das angeht, so ereignete sich Lo Bukks tragischer Tod zur Zeit der Republik. Er geschah, weil Lo Bukk sich außer seiner unrechtmäßigen Einreise auf Muunilinst noch anderer schwerer Vergehen schuldig gemacht hatte. Hätte der Zabrak stattdessen die hiesigen Gesetze respektiert und treu befolgt, so hätte er Muunilinst völlig unbehelligt wieder verlassen können", erwiderte Plagueis ruhig und bedachte dabei Maris Brood mit einem nachsichtigen Seitenblick.
„Shaak Ti", wandte sich Mace eindringlich an die Togruta-Meisterin. „Wie lange seid Ihr schon mit ihm zusammen, ohne dass die Jedi davon wussten?"
„Auch nachdem wir vor siebenunddreißig Jahren nach dieser einen Nacht voneinander getrennt wurden, habe ich ihn nicht vergessen. Und schon bald werde ich seine Frau sein", erklärte die Angesprochene zuversichtlich und feierlich.
„Das ist nicht Euer Ernst, Shaak Ti. Er weiß nicht, was Liebe ist. Er wird Euch nur ausnutzen. Wie er alle bisher ausgenutzt und betrogen hat. Aber ich bin mir sicher, das werdet Ihr noch lernen ... schon bald."
Shaak Ti zuckte innerlich zusammen. Sie kannte diese Worte. Sie selbst hatte sie vor sieben Jahren ausgesprochen. Auf Felucia. Gegenüber diesem jungen Mann namens Galen Marek. Er hatte daraus gelernt. Aber sie?
Sie sah in Mace Windus dunkelbraune Augen. Unterdrückter Zorn quoll aus ihnen hervor, aber auch Sorge – und Schmerz. Ja, Mace Windu war wieder einmal dabei, die Dunkelheit zu bekämpfen. Aber er verstand weder die neue Zeit, noch die neuen Jedi, von anderen Dingen ganz zu schweigen. So aufgebracht hatte sie Mace Windu noch nie erlebt. Mitleid keimte spontan in ihr auf.
„Kommt noch einmal derart unschön in meine Nähe, Windu, und ich werde Luke Skywalker über Euer höchst unjedihaftes Verhalten informieren", drohte ihm der Muun nun unverblümt, während seine grünen Augen den innerlich geladenen Jedi-Meister spöttisch von oben herab anblitzten.
„Ach ja? Hetzt man mir wieder einmal einen Skywalker auf den Hals? Aber vorab informiere ich Luke über Eure undurchsichtigen Machenschaften. Über Eure dubiosen Freundschaften mit Dr. Rugess Nome, mit Palpatine!", versuchte Mace, zurückzudrohen.
Shaak Tis Mitleid mit Mace Windu verschwand genauso schnell, wie es gekommen war. Nein! Hego war kein Sith mehr! Er selbst hatte ihr das auf Mygeeto gesagt! Und sie würde nicht zulassen, dass dieser verbohrte Jedi ihr neues Glück mit solcherlei Enthüllungen rücksichtslos zerstören würde, kaum dass es endlich wieder neu gekeimt war, um schon in Bälde voll zu erblühen! Und sie fühlte deutlich, dass sie mit ihren Gefühlen und Bestrebungen nicht alleine war.
„Auf den Hals hetzen? Wie redet Ihr denn von Großmeister Luke, Meister Windu?! Er hat den ersten Todesstern gesprengt und uns von Vader und Palpatine befreit!", empörte sich Ashla.
„Tut Euch nur keinen Zwang an, Windu", erwiderte Plagueis freundlich, während Shaak Ti an seine Seite getreten war und seine Tochter Ashla ihrem neu gefundenen Vater einen bewundernden Blick schenkte.
„Komm Maris, wir sind hier fertig!", forderte Mace seine dritte Padawan zum Gehen auf.
„Bitte seid mir nicht böse, Meister. Aber ich habe Shaak Ti so lange nicht gesehen. Und jetzt möchte ich gerne einiges mit ihr bereden. Und danach möchte ich einige Zeit für mich ganz alleine haben", wies ihn auch die Zabrak zurück.
„Ihr … steckt alle unter einer Decke!", fauchte Mace Windu und seine Augen funkelten bedrohlich. „Ihr entbehrt jeglichen Rechtes, Euch Jedi zu nennen!"
Nach diesem Satz wandte er sich angewidert von der Vierergruppe ab und strebte entschlossen der geöffneten Küchentür zu.
„Nun, zumindest was mich betrifft, werde ich Euch bei letzterem nicht widersprechen", rief ihm Plagueis beschwingt hinterher, nachdem Mace Windus schwere Stiefelschritte bereits außerhalb der Küche zu hören waren.
„Wo ist denn mein Schwiegersohn?", wandte er sich nun an seine Tochter.
„Er ist oben in seinem Arbeitszimmer. Aber jetzt, wo dies hier vorüber ist, gehe ich ihn gerne holen", entgegnete Ashla lächelnd und verließ sofort die Küche, um Zilan über die unverhoffte Ankunft seiner Schwiegereltern zu informieren.
Als Mace Windu über den grünen Vorhof hinweg dem Eingangstor zustrebte, sah er seinen Angreifer von vorhin bäuchlings ausgestreckt hoch oben auf dem Torbogen liegen, während er seine Beine derart lässig nach oben hin angewinkelt hatte, dass seine hellblaue Tunika teilweise von diesen herabgeglitten war und seine kräftigen weißen Waden freilegte. Die strahlend blauen Augen Hego Damasks des Dritten fixierten den dunkelhäutigen Jedi-Meister neugierig, aber der Muun selbst blieb still und stumm wie eine Sphinx liegen, wo er war. Als Mace das großzügig bemessene Anwesen schließlich durch das imposante Eingangstor hindurch verließ, sah ihm der junge Hego aus vier Standardmetern Höhe hinterher, bevor er seinen Blick wieder ziellos zum grünen, nur von einigen kleinen weißen Wölkchen gesprenkelten Himmel richtete, um weiter in der milden Sonne Muunilinsts vor sich hinzudösen. Er sah keinerlei Grund, den altgedienten, jetzt offensichtlich geschlagenen und gedemütigten Jedi-Meister, der zudem nun allein abreiste, erneut zu attackieren oder anderweitig nachzutreten.
Eigentlich wollte Mace Windu sich jetzt ein Taxi rufen, welches ihn wieder zurück zum Orbitalfährenbahnhof bringen sollte. Da sah er ein solches direkt vor der Mauer des Anwesens stehen. Der Fahrer war offenbar abwesend. Das Gefährt war also herrenlos! Kurzentschlossen stieg der Jedi in das fremde Gleitertaxi und schloss einige Kabel kurz. Auf einen weiteren Gesetzesverstoß auf diesem Planeten kam es jetzt nicht mehr an. Dann brauste er davon.
„Sonnental sagt auf Wiedersehen", konnte er mit seinen rudimentären Kenntnissen der Muunsprache von vor achtzehn Jahren noch auf der Rückseite der Willkommenstafel entziffern, bevor er den gestohlenen Taxigleiter in den Tunnel hineinsteuerte, der zurück nach Harnaidan-City führte, damit dieser vornehme Teil von Muunilinst und die beschauliche idyllische Landschaft desselben nicht von übermäßigem Verkehr verschandelt werden möge.
Er stellte das gestohlene Taxi am Orbitalfährenbahnhof ab und war erfreut darüber, dass die nächste Fähre zum Raumhafen bereits in fünf Minuten abheben würde. Er jedenfalls würde das jedifeindliche Muunilinst niemals wieder betreten!
Der rosageschuppte Rodianer wunderte sich darüber, dass sein Taxi bereits so früh wieder an Ort und Stelle stand. So vertraut, wie dieses Muun-Togruta-Pärchen gewirkt hatte, hatte er mit längerer Abwesenheit seines Gleiters gerechnet. Aber so konnte er noch ein paar Touren machen, obwohl der Tag bereits anderweitig bezahlt war.
Note der Autorin: Wer die vollständige Geschichte von Lo Bukk erfahren möchte, muss noch etwas warten. Bis es soweit sein wird, könnt ihr jedoch über ihn etwas im Darth-Plagueis-Roman von James Luceno sowie in meinen beiden bisherigen Geschichten „Ein nicht sonderlich willkommenes Geschenk" sowie „Naat Lare, die Geschichte eines Sith-Schülers" lesen.
Über die Togruta-Jedi-Meisterin Dar'nala, immerhin die Meisterin von Sateele Shan, gibt es den Comic „Star Wars: The Old Republic – Bedrohung des Friedens" = Star Wars Panini-Sonderband 59.
