36. Fernweh
Donnerstagmorgen, genau genommen um 8.36 Uhr, konnte sie das Thema Alain Durant nicht mehr hören. So sehr sie es Daria auch gönnte, nicht mehr einem Mann hinterher zu hechten, der ihre offensichtlichen Avancen, ebenso augenscheinlich nicht erwiderte. Irgendetwas in ihr flüsterte, dass Alain nicht der Richtige war.
Für ihre Freundin nicht, aber wahrscheinlich auch nicht für alle Frauen dieser Welt. Leider hatte sie bisher nicht wirklich die Möglichkeit gefunden, Daria dies vorsichtig und dennoch gezielt mitzuteilen.
Was sollte sie auch sagen?
Das sie aus erster Hand wusste, was für ein Kaliber Mann dieser Bursche war?
Natürlich hatte sie es in den vergangenen Tagen mehrmals versucht. Auf schonende Art und Weise. Leider was dies bisher nicht wirklich erfolgreich verlaufen.
Unglücklicherweise hatte die Schwarzhaarige auch gleich am ersten Abend mit dem kleinen Macho geschlafen. Und laut eigener Aussage die Nacht und die Zeit ihres jungen Lebens verbracht.
Daria war also eindeutig von der Brille der ersten, zartrosa Gefühle geblendet. Was es nicht einfacher machte. Und somit war sie auch für jegliche Versuche Miones, sie behutsam wieder aus den Wolken zu heben, absolut resistent.
Der Lockenschopf konnte gerade also nur eines tun. Es weiter versuchen und da sein, falls und wenn der große Fall folgte. Was sehr wahrscheinlich sehr bald passieren würde.
Denn Alain hatte Daria zu seinem Geburtstag am kommenden Wochenende eingeladen. Natürlich feierte der kleine Casanova, passend zu den gerade dort stattfindenden Meisterschaften, unter der brütenden Sonne L.A´s. Und um das Chaos perfekt zu machen, hatte die Schwarzhaarige Hermione gebeten, sie zu diesem zu begleiten.
„Nur für alle Fälle", hatte sie gesagt. Was auch immer das bedeuten sollte; bzw. was auch immer Daria unter diesen Fällen verstehen mochte.
Und schließlich hatte Mione, obwohl sie ein wirklich ungutes Gefühl bei der Sache hatte, unter den flehenden Blicken der anderen zögerlich zugestimmt.
Zu Beginn hatte sie ihrem kleinen Wochenendtrip wirklich sehr skeptisch entgegen geblickt. Vor allem als sie erfahren hatte, dass – neben zahlreichen anderen Gesichtern aus der Sport- und Promiszene – natürlich auch die halbe Mannschaft anwesend sein würde: Und somit auch Malfoy… Und vielleicht sogar Reed oder Grey…
Mittlerweile sah sie der Sache etwas entspannter entgegen. Vielleicht sogar gespannt.
Größtenteils, weil sie die Abwechslung – und sicherlich auch das kleine Abenteuer, was sie erwartete – wirklich begrüßte und zu schätzen wusste. Sie hatte England seit dem Studium nicht mehr verlassen. Denn Ron hatte niemals viel Wert darauf gelegt, die Welt zu sehen. Er verbrachte seine freie Zeit lieber mit seinen Freunden und seiner Familie im Fuchsbau…
Und dann war da natürlich, wie bereits erwähnt, die Ablenkung. Zwar hatte sie sich am gestrigen Abend auch in Hogsmeade mit Ginny ausgesprochen, doch trotz allem war es erdenklich merkwürdig gewesen. Es war offensichtlich, wie sehr der Rotschopf unter ihrer unglücklichen Position als Schwester und bester Freundin litt.
Wahrscheinlich würde es Ewigkeiten brauchen, um alles wieder einzurenken. Und eine gehörige Aussprache mit Ron; auf die er ganz offensichtlich gerade pochte. Und noch viel mehr: Er erwartete, dass sie den ersten Schritt machte.
Ginny hatte angedeutet, dass Ron diese Sache anscheinend immer noch nicht wirklich für voll nahm. Er sah das alles als eine Phase an. Was sie noch nicht einmal wirklich überraschte.
Mione kannte Ron. Er bevorzugte das Gewohnte, auch wenn es schon längst aus der Mode war. Er trennte sich nur schwer von alten und lieb gewonnen Kleidungsstücken oder Möbeln. Denn sie zu entsorgen, würde Mühe bedeuten. Mühe und Aufwand, diese zu ersetzten. Selbst wenn ihn das neue Kleidungs- oder Möbelstück bereits anlachte. Schließlich musste es eingetragen werden, erforderte oftmals Dekorations- oder Farbwechsel.
Neuerungen bedeuteten Änderungen, und diese waren für Ron ein Gräuel. Sie hatte geahnt, dass es ihm in gewisser Art und Weise mit dieser Beziehung ähnlich ging…
Doch sie war froh. Entsetzlich froh, um ehrlich zu sein. Und mit jedem Tag, an dem sie lernte wieder selbstständig zu gehen, fühlte sie sich besser. Freier…
Nein…
Sie würde also nicht zurückgehen, wenn sie bereits nach den ersten wackeligen Schritten der Geruch der so lang vermissten Freiheit begrüßte.
„Ich habe mir das kleine Rote also doch gekauft", kicherte die Schwarzhaarige gerade neben ihr und riss sie aus den Gedanken.
Mione biss in ihr Brötchen und sah Daria fragend an. „Das kleine rote Top oder das kleine rote Kleid?"
„Das kleine rote Top", sagte die Schwarzhaarige, die vor einigen Tagen mit Neville unter einem Vorwand den Frühstücksplatz getauscht hatte und sich nun nicht mehr zurückdrängen ließ, mit einem Augenzwinkern und goss sich noch etwas Tee ein.
„Sehr schön. Du sahst toll darin aus", gab Mione zurück und nahm sich ebenfalls etwas Tee.
Freiheit…
Da war sie…
Sie schlug ihr regelrecht entgegen. Und sie roch so köstlich, dass sie gerade noch nicht einmal der Gedanke daran Reed oder Grey, oder schlimmer noch Reed und Malfoy oder Malfoy und Grey gemeinsam zu sehen, abschrecken konnte.
-v-
Samstagnachmittag schien sie durch die Zeit zu reisen. Denn zwischen London und Los Angeles gingen acht Stunden verloren. Früher war Hermione viel gereist. Nicht zuletzt als sie sich der Möglichkeiten der Portschlüsselreisen bewusst wurde. Denn mit diesen kam man einfach, bequem und kostengünstig von einem Ort zum anderen: Und das innerhalb von wenigen Minuten.
Doch in den vergangenen Jahren war das magische Ministerium der Staaten extrem vorsichtig geworden, was einreisende Magier anging. So hatten sie sich vor dem Reiseantritt nicht nur einen gewöhnlichen Portschlüsselflug buchen, sondern auch beim englischen Ministerium eine Einreisegenehmigung beantragen müssen.
Nur so kamen sie schlussendlich durch die peinlich genauen Kontrollen, die sie nach dem Portschlüsselflug am Sammelpunkt erwarteten.
„Dieses Theater mussten wir uns letzte Woche nicht geben." Daria fächelte sich mit genervtem Gesichtsausdruck Luft zu, während sie gemeinsam in der nicht enden wollenden Schlange warteten.
Mione nickte schwach, begutachtete ihre Genehmigung, die ihr Harry auf die Schnelle besorgt hatte. Einen Auroren im Freundeskreis zu wissen, hatte schon seine Vorteile. Allerdings war dieser Freund auch äußerst skeptisch gewesen, als sie ihm gesagt hatte, wohin es gehen sollte.
Nach dem Krieg waren die Staaten der beliebteste Ort gewesen, an den es schwarze Magier gezogen hatte. Warum auch immer. Denn die Richtlinien in Mexiko waren weitaus einfacher zu umgehen.
„Das liegt wahrscheinlich daran, das Malfoy eine so genannte Dauergenehmigung hat und einen anderen Sammelpunkt ansteuern kann", schnaubte sie schwitzend. Himmel, ihr gesamtes, spärliches Make-Up verflüchtigte sich gerade in ihren Ausschnitt.
„Die hat Alain sicher auch", kicherte die Schwarzhaarige.
„Er wohnt hier", gab Mione schwach zurück und atmete erleichtert aus, als man einen zweiten Schalter öffnete und es etwas zügiger voran ging.
„Ja… Unter anderem…", säuselte Daria selig und Mione runzelte schwach die Stirn.
Zwei Fragen schossen ihr gleichzeitig durch den Kopf. Mussten wirklich alle verliebten so peinlich sein wie Lavender und warum musste man mehrere Häuser und Wohnungen auf dem ganzen Planeten verteilt besitzen?
Gut, das war für die Reichen und Schönen dieser Welt nichts Ungewöhnliches: Ob es sich nun um Magier oder Muggel handelte. Trotzdem verstand sie es nicht…
Das war Verschwendung. Woanders verhungerten Kinder und hatten kein Dach über dem Kopf und andere hatten fünf…
„Weißt du wo genau Malfoy wohnt?", fragte sie neugierig und eine junge Magierin, die zwei Reihen vor ihnen in der Schlange stand, drehte sich mit neugierigen Augen zu ihnen um. Mione konnte sich ein genervtes Stöhnen nicht verkneifen.
„In England oder hier?", kicherte Daria und entlockte dem Lockenschopf ein weiteres Stöhnen.
„Er hat ein Haus in den schottischen Highlands. Das weiß sogar ich."
„Und eine Wohnung in London", fügte Daria hinzu und fächerte noch etwas stärker. Die Schlange teilte sich nun in zwei Reihen; die jeweils zu einem der beiden Schalter führte.
„Eine Wohnung in London hat er auch?"
Daria nickte. „Das hab ich mal so aufgeschnappt. Wo er genau hier hausiert, weiß ich jedoch nicht."
Mione schnaubte. „Sicher in jeder großen Stadt."
Und wahrscheinlich hatte er auch in jeder großen Stadt so was wie eine feste Freundin oder Affäre…
„Na, was zeterst du denn jetzt plötzlich wieder gegen ihn?"
„Plötzlich wieder? Ich zetere doch immer", gab sie überrascht und ertappt zurück.
Daria bedachte sie mit einem unverschämten Grinsen. „In den letzten Tagen und Wochen, hast du aber stark nachgelassen, Süße."
„Habe ich nicht", verteidigte sie sich, atmete dann aber tief ein. „Okay, ein wenig. Wir haben uns auch bedeutend besser verstanden. Aber, gestern hat er mich wirklich verärgert."
„Warum? Weil er nicht vor Begeisterung aus der Haut gefahren ist, als du ihm durch die Blume mitgeteilt hast, dass du ebenfalls an diesem Wochenende in L.A. sein wirst?" bei diesen Worten sah die Schwarzhaarige sie merkwürdig an.
Gut, sie gab zu, dass die gestrige Situation sie ziemlich aus dem Konzept gebracht hatte. Sie war sich sicher gewesen, dass er über ihr Kommen im Bilde war. Also hatte sie es ganz vorsichtig im Gemeinschaftsraum angesprochen.
Ohne den geringsten Schimmer, was sie erwartet hatte.
‚Vielleicht, dass ihr das Wochenende gemeinsam verbringen könntet?'', lachte ihre innere Stimme und sie errötete erneut.
So wie sie gestern Abend errötet war, als er sie überraschend kalt abgewiesen hatte. Gut, er hatte sie nicht wirklich abgewiesen. Doch er hatte auch in keinster Weise auf diese Information reagiert. Hatte sie einfach nur mit einer hochgezogenen Augenbraue angesehen und geschwiegen…
Das war also ganz und gar nicht die Reaktion gewesen, die sie erwartet hatte. Und somit fand sie sich gerade und aktuell alles andere, als in Vorfreude schwelgend wieder. Wer wusste, was sie hier erwarten würde? Was oder wen würde sie später am Abend zu sehen bekommen?
Malfoy mit seiner Möchtegernfreundin vielleicht? Oder der hier amtierenden Flamme?
Mit einem Seufzen sah sie zu Boden. Hatte sie sich wirklich schon so sehr in dieser Sache verrannt?
-v-
Hermione lehnte sich mit dem Rücken gegen einen der breiten Holzbalken und starrte hinaus auf´s Meer, welches einige Meter von der Terrasse, auf der sie sich gerade befand, scheinbar aufgebracht und doch irgendwie gemächlich ans Land schäumte.
Mit einem Seufzen zupfte sie an ihrem leicht klammen Shirt herum, welches sich bereits dezent so anfühlte, als wäre sie mit diesem in der schlafenden Brandung schwimmen gegangen.
Hinter ihr ertönte das mittlerweile gewohnte Kreischen einer Frau, dann das Lachen eines jungen Mannes. Wahrscheinlich sogar der, der sie vor rund einer Viertelstunde gut gelaunt um den Bowletisch gescheucht hatte.
Diese Party war eine Farce…
Die Location war traumhaft, die Getränke und das Essen fantastisch und die meisten der Anwesenden, waren ganz eindeutig von Rang und Namen. Doch all das konnte Mione nicht darüber hinwegsehen lassen, was sich hinter dieser kleinen Feier verbarg. Nämlich ein typisches Besäufnis, bei dem die Frauen später durchnässt und wenn möglich zerzaust in irgendeiner Ecke enden sollten. Natürlich mit männlicher Begleitung.
„Nein, nein, nein", quietschte eine blonde Schönheit ausgelassen lachend und sprang vor Mione um den Pfeiler herum. Ihr weißes Shirt war klatschnass und entblößte ihre Brüste komplett. Ihre schwarzen Hotpants fügten sich der Nässe zwar nicht, aber das an ihren nackten Beinen hinab laufende Wasser, machte das ganz sicher wett.
„Oh doch", ertönte es neben dem Lockenschopf und sie zuckte erschrocken etwas zusammen. Doch der Bursche neben ihr bedachte sie keines Blickes, sondern stürzte sich direkt wieder auf die Blonde, die lachend zurückwich, als sie ein weiterer Wasserschwall traf.
Erleichtert blieb Mione zurück, presste sich noch fester gegen den Pfeiler. Sie wusste nicht wirklich warum. Ob es daran lag, dass sie weiteren Attacken auswich, oder weil sie sich vor Malfoy versteckte. Malfoy, der sie bereits seit Stunden nicht beachtete und sich stattdessen mit zwei hübschen und spärlich bekleideten Französinnen vergnügte, die einander glichen wie ein Ei dem anderen.
Gut, vergnügte war wahrscheinlich das falsche Wort. Denn im Grunde hatte sie ihn bisher nicht mit den Mädchen in irgendeiner dunklen Ecke oder an den Strand verschwinden sehen; wie es viele der anderen Anwesenden von Zeit zu Zeit taten. Doch wahrscheinlich war das auch nicht wirklich sein Stil.
Fakt war jedoch, dass diese elenden Püppchen wie Kletten an ihm klebten, seit er vor rund zwei Stunden aufgetaucht war. Und zwar klebten sie so sehr an ihm, dass sogar Grey eine mehr als nur missmutige Schnute zog.
„Hab ich dich."
Mione zuckte entsetzt zusammen und wirbelte nach rechts. Kein Geringerer als das Geburtstagskind selber grinste sie siegessicher an. Der alberne Cowboyhut aus Stroh, den alle männlichen Gäste tragen durften oder auch mussten fiel ihm dabei kläglich tief in die Stirn. Das ebenfalls nur an die Männer verteilte Muggel-Wassergewehr, wahrscheinlich eine Supersoaker, lag dabei lässig in seinen kräftigen Armen.
„Ich bin schon nass", wisperte sie und zwang sich dabei möglichst entschuldigend zu lächeln.
Er ließ die überdimensionale Wasserpistole sinken und trat etwas näher an sie heran. „Noch nicht nass genug", flüsterte er dann grinsend.
Mione schüttelte den Kopf, wich etwas zurück; und gab dabei ihre schützende Position hinter dem Balken auf. Sofort traf es sie nasskalt im Rücken. Schreiend wirbelte sie herum, blickte in zwei amüsierte, grüne Augen.
„Verpiss dich, Randy", brüllte Alain neben ihr und sie blickte überrascht zurück. „Das hier ist mein Revier."
Der Besitzer der grünen Augen blickte einen Moment wenig erfreut drein, heftete sich jedoch schließlich an die nächste Partybesucherin.
Mit gerunzelter Stirn blickte der Lockenschopf ihr Gegenüber an. „Dein Revier", hakte sie dann vorsichtig und so wenig herablassend wie möglich, nach. Schließlich wollte sie den Star des Abends nicht verärgern.
Denn mehr als einmal durfte sie heute Zeugin sein, was passierte, wen man ihn verärgerte. Dann flog man achtkantig aus dem streng zusammengesuchten Kreis der Erwünschten. Und so sehr sie sich hier auch fehl am Platz vorkam, wollte sie Daria nicht allein zurücklassen.
„Ja", gab er schmunzelnd zurück und hob das Wassergewehr, benetzte sie mit einem Schwall aus nächster Nähe.
„Hey", fluchte sie und wich etwas zurück.
„So eine Schande aber auch, dass du rot trägst", flüsterte er und feuerte eine weitere Ladung auf sie ab.
Oh ja. Mione war heilfroh, dass sie heute ein rotes Spaghettiträgertop und einen braunen Rock trug. Und dennoch malte sich ihr, unter dem Top unbekleideter, Oberkörper mittlerweile viel zu deutlich ab.
„Hätte ich von deinem Partygag gewusst, hätte ich mich sicher anders gekleidet", knurrte sie, drückte den Rücken durch und zupfte das nasse Top wieder etwas von ihrer Haut.
Natürlich lagen Alain Augen dabei hungrig auf ihr. „Das wusste keiner", sagte er dann schmunzelnd und blickte ihr herausfordernd in die Augen. „Aber, hätte ich gewusst, dass du dich dann extra für mich in weiße Schale wirfst, hätte ich dich eingeweiht, Schönste."
Mione schnappte nach Luft. „Ganz sicher nicht", flüsterte sie dann.
„Mione?", hörte sie Daria schließlich hinter sich japsen. Und erst als sie sich langsam zu ihrer besten Freundin umdrehte, die nun die versprochenen Drinks in den zitternden Händen hielt, wurde ihr bewusst wie nah Alain ihr war. Sie konnte seinen Atem regelrecht auf ihrer nassen Haut spüren.
„Daria", gab der Lockenschopf schwach zurück. Und ein „Es ist nicht das, wonach es aussieht", wollte sie hinzufügen. Doch angesichts der Tatsache, dass Daria ihren Angebeteten heute mehrmals hatte dabei beobachten müssen, wie er jede andere schamlos anbaggerte – nur sie nicht – war das wohl reichlich überflüssig.
Daria trat einen Schritt auf sie und Alain zu, reichte ihrer vollkommen überrumpelten Freundin die beiden Gläser und funkelte den Lockenschopf verletzt an. „Hast du immer noch nicht genug?", fragte sie dann leise.
Mione runzelte verwirrt die Stirn. „Wie meinst du das?"
„Das weißt du genau", gab die Schwarzhaarige bitter zurück und in ihren Augen lag so etwas wie Wissen. Sie brauchte Malfoy gar nicht direkt ansehen, der sich der Szene nun mit einigen anderen Anwesenden genähert hatte, um Mione dies wissen zu lassen.
„Ich wusste nicht, dass du es weißt", gab der Lockenschopf zurück, klammerte sich dabei wie eine Ertrinkende an die beiden Gläser.
„Das spielt gerade auch nicht die geringste Rolle", zischte Daria schneidend, warf Alain über Miones nasse Schulter einen Blick zu.
„Komm runter, Süße. Wir hatten eine schöne Zeit, aber jetzt will ich eine schöne Zeit mit deiner Freundin haben", warf die Torfnase hinter ihr dreist und kalt zurück.
Darias Miene versteinerte und eine Sekunde sah sie Mione matt an.
„Sag mal-", begann diese erbost, doch Alain fiel ihr erneut ins Wort.
„Immerhin hat sie die älteren Vorrechte. Und wir haben verdammt viel nachzuholen", entgegnete Alain grinsend und wandte sich dann an den entsetzten Lockenschopf. „Nicht wahr, Schönste?"
Daria zog irritiert eine Augenbraue hoch.
„Hat sie dir das etwa nicht erzählt. Wir zwei in der Neujahrsnacht?"
Mione zog schneidend die Luft ein, wollte antworten, doch die schallende Ohrfeige, die sie traf, brachte sie zum Schweigen.
„Du Miststück", fluchte die Schwarzhaarige und wirbelte augenblicklich herum.
„Das ist doch überhaupt nicht wahr", schnappte Mione erst wütend in Alains Richtung, eilte dann aber hektisch Daria hinterher. „Lass mich erklären."
Doch Daria war nicht zu stoppen. „Ich glaube, ich will es gerade nicht hören. Also spar dir das."
„Süße, jetzt verschwende doch mit der nicht deine Zeit." Alain hielt sie plötzlich und grob am Arm zurück.
Und Mione wirbelte wütend herum, kippte ihm fauchend einen der Drinks ins Gesicht. „Du bist so ein Arschloch."
Seine Miene verfinsterte sich. „Was glaubst du eigentlich, wer du bist", fuhr er sie an, kam wieder etwas näher. Doch dieses Mal alles andere als körperliche Nähe suchend. Er war ganz eindeutig wütend und somit hatte diese Geste zugegeben doch etwas Beängstigendes.
„Hey", ertönte es neben ihnen und Mione sah überrascht auf. „Komm wieder runter."
„Verpiss dich, Draco. Die Schlampe hat mir den Abend versaut", giftete Alain zurück und riss sich vom Blonden los, der sich mehr als nur überraschenderweise zwischen sie geschoben hatte.
Malfoy lachte vor ihr gehässig auf; eben nur so wie er es konnte. Alain war darüber sichtlich wenig glücklich. „Den hast du dir selber versaut. Ich meine: Sich an die Freundin des letzten Betthäschens ranzumachen. Das ist echt… sorglos? Vielleicht sogar arm…"
„Sagt mir der, der sich Zwillinge klar macht", spie der Bullige gehässig zurück.
Der Blonde verschränkte die Arme vor der Brust und Mione konnte es sich nicht nehmen lassen, die beiden angesprochenen Frauen stillschweigend einen kurzen Moment zu mustern.
„Im Grunde versuchen die beiden mich klarzumachen", gab der Blonde zurück und die Zwillinge kicherten leise. „Allerdings kläglich, erbärmlich und ziemlich erfolglos", fügte er absolut überheblich hinzu. Beiden Mädchen entgleisten augenblicklich die Gesichtszüge. Die etwas kleinere ließ sogar sichtlich entsetzt die Wasserpistole sinken, die sie in den Hände hielt. Wahrscheinlich Malfoys, denn er hatte als einer der wenigen Männer keine.
Ein Schwall schoss auf sie zu, doch traf nicht wie erwartet sie, sondern den Blonden voll in der Körpermitte. Sie hörte einige der weiblichen Beteiligten lauthals aufatmen, denn neben einem schwarzen Shirt trug der Blonde eine beigefarbene Stoffhose. Allerdings blieb der Stoff blickdicht.
„Hast du sie noch alle?", fauchte Malfoy nach dem ersten, sichtlichen Schockmoment.
Alain lachte gehässig auf, pumpte die Wasserpistole nach. „Ich dachte du eingebildeter Dreckskerl brauchst mal ne Abkühlung." Die in ihrem Stolz verletzten Zwillinge kicherten zustimmend.
„Der Einzige, der hier ne Abkühlung braucht bist du, Alain." Mione blickte überrascht rüber zu Grey, die sich von der starrenden Menge gelöst hatte.
„Halte dich da raus, Blair", gab Malfoy so hart zurück, dass die kleine Brünette zusammen zuckte.
„Ganz der Gentleman, den wir kennen", lachte Alain gehässig und richtete das Wassergewehr erneut auf den unbewaffneten Blonden. Dieses Mal traf er ihn eindeutig und absichtlich mitten im Gesicht.
„Sag mal, hast du sie noch alle", fauchte der Lockenschopf und zog den Blonden aus der Schusslinie. „Er könnte dabei ein Auge verlieren."
Der Bullige ließ das Wassergewehr sinken. „Wie gut, dass er zwei hat."
Malfoys Miene verfinsterte sich. Er machte sich nicht einmal die Mühe, sein Gesicht zu trocknen. Mione hoffte inständig, dass er nirgendwo seinen Zauberstab bei sich trug; was jedoch beim ehemaligen Slytherin sehr unwahrscheinlich war.
„Lass uns gehen", sagte sie schließlich und umfasste sanft aber bestimmt seine Oberarme.
Der Blonde sah sie einen Moment undeutbar an.
„Er ist auf Streit aus. Das haben wir nicht nötig", flüsterte sie kaum hörbar.
Aus ihren Augenwinkeln sah sie, dass der Bullige erneut zum Schuss ansetzte. Doch einige der Männer, unter ihnen der große Dunkelhäutige, den sie bereits vom Abend des Neujahrspiels kannte, gingen dazwischen.
„Ihr habt sie doch nicht alle", hörte sie den Bulligen fluchen, als die Männer ihm das Wassergewehr abnahmen.
„Genau! Verpisst euch", brüllte er schließlich und warf ein halbleeres Glas, welches er einem der umstehenden Mädchen entwendet hatte, nach ihnen. Jedoch verfehlte er sie um einige Meter.
Neben ihr entspannte sich der Blonde wieder zusehends. Er bedachte sein Gegenüber mit einem herablassenden Blick. „Lass uns gehen, Granger", sagte er dann, wandte sich um und zog sie am Unterarm langsam mit sich.
„Granger?", japste der Bullige gehässig hinter ihnen.
Mione schaute im Gehen über ihre eigene Schulter zurück.
„Die Granger? Was bist du tief gesunken, Draco", lachte Alain nun schrill.
Gemeinsam traten sie die Stufen zum Strand hinab. Einige der Gäste schienen ihnen zu folgen, doch auf halber Strecke wurde ihr erleichtert bewusst, dass sie nur ebenfalls die Party verlassen hatten. Von Daria fehlte jedoch nach wie vor jede Spur.
„Was meinte er?", fragte sie leise, als sie allein am Strand entlang schlenderten.
Er sah sie durch die Dunkelheit an. Wahrscheinlich überrascht, vielleicht auch ertappt. Sie wusste es nicht wirklich, da sie ihn dazu zu schlecht erkennen konnte.
Malfoy blieb stehen, ließ sich neben ihren Füssen im Sand nieder und starrte hinaus aufs Meer. Mione tat es ihm gleich, zog ihre Beine an sich und ließ etwas Sand durch ihre Finger rieseln.
Der Geruch der salzigen See war berauschend… Und seine Nähe und der Duft seines Aftershaves, schienen das alles nur noch intensiver wirken zu lassen…
Wie oft hatte sie so etwas mit Ron machen wollen?
Einen Strand Spaziergang… Eine Reise in die Sonne…
Es war absurd, dass sie nun hier mit Malfoy hockte... Weit nach dem Sonnenuntergang, aber immerhin…
„Was wohl?"
Sie sah auf, versuchte seine Züge in der Dunkelheit auszumachen. Vergeblich. Einen Moment überlegte sie ihren Zauberstab aus der verzauberten Rocktasche zu ziehen und Licht zu machen. Doch irgendwie erschien es ihr unpassend und störend.
„Das Übliche?", murmelte sie also in die Dunkelheit hinein.
Scheinbar ein Nicken und er ließ sich auf den Rücken fallen. Das Rauschen der Wellen schien sie zu benebeln.
„Jemanden, der einem immer den Rang abläuft, vergisst man so schnell nicht", lachte er neben ihr.
Mione kicherte leise, ließ sich ebenfalls rücklings in den Sand fallen. Er schien neben ihr den Kopf zu drehen, denn es knirschte etwas. Doch sie starrte weiterhin in den Himmel.
Viel zu groß war die Angst, was sie tun würde, wenn sie ihn jetzt ansehen würde. Sie spürte wie nah sein Gesicht ihrem sein würde…
„Das ging mir ähnlich. Du warst nie besser als ich, aber immer verdammt gut…"
„Nicht gut genug", lachte er bitter und der Sand knirschte erneut. Er hatte sich abgewandt und es enttäuschte sie etwas.
„Ich habe dich immer heimlich bewundert… Nein… Beneidet… In Zaubertränke", flüsterte sie in die Dunkelheit hinein und griff nach seiner Hand. Sie wusste nicht warum sie es tat, doch sie konnte sich selber nicht davon abhalten.
Malfoy ließ sie gewähren, atmete jedoch lautstark aus. „Ich habe dich in allen anderen Fächern beneidet", gab er dann leise zurück. So leise, dass sie nicht sicher war, ob sie es wirklich hören sollte.
Sie drückte seine Hand leicht, konnte sich ein amüsiertes und erhabenes Schmunzeln nicht verkneifen. „Das hat man dir angesehen."
Ein Grummeln und sie musste lauthals lachen. Der Drang sich nach ihm umzuwenden wurde bedenklich groß…
Und schließlich tat sie es… Ließ ihren Kopf zur Seite fallen und brachte den Sand unter sich etwas zum Knirschen.
Er sah stur und doch entspannt in den Himmel. „Was ist so lustig?", fragte er dann.
„Du…", antwortete sie, drehte sich komplett auf die Seite und rutschte etwas näher an ihn. Vorsichtig löste sie ihre Finger aus den seinen, legte ihre Hand sachte auf seinen klammen Bauch. „Du, wie du es weder zugibst, noch abstreitest."
Malfoy drehte ihr für einen Moment das Gesicht zu, schien sie stirnrunzelnd zu mustern. „Ich wusste nicht, dass ich ein so offenes Buch war", wisperte er dann und wandte sich wieder dem Himmel zu.
Mione hatte den Kopf gehoben, doch viel zu langsam. Enttäuscht ließ sie sich wieder zurück fallen, bettete ihren Kopf auf seiner Brust und begann seinen Bauch in kleinen Kreisen zu streicheln. „Das warst du auch nie."
Er antwortete nichts, starrte schweigend in dem Himmel, während sie die Wellen dabei beobachtete, wie sie immer wieder schäumend an Land rollten.
Unter seinem nassen Shirt konnte sie sein Herz schlagen hören und sein Arm kämpfte sich kraftvoll frei, wühlte sich unter ihrem Oberkörper in den Sand und umfasste sie an der Hüfte. Der Lockenschopf schloss die Augen, dachte ein letztes Mal darüber nach, wie absurd dieser Moment doch war.
Und plötzlich wurde der Drang ihn zu küssen unerträglich…
Vorschau:
Als sie komplett im Sand lag und er im wahrsten Sinne des Wortes auf sie herabblickte, raufte sie sich wütend die Haare. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie vielleicht doch eine Spur zu ehrlich gewesen war.
„Du warst eifersüchtig auf Alain. Auf ihn, aber auch auf Zabini", gab sie schließlich zurück.
Er zuckte mit den Schultern. „Du hast nicht mit ihnen geschlafen", bemerkte er dann spitz. „Warum sollte ich also eifersüchtig sein?"
Heyhoe, da bin ich wieder… ;)
Wie immer Danke an meine liebe Betalie India und an Fränzi und Mean für den kreativen Beistand. Und natürlich auch DANKE an alle Leser und Reviewer… Ich klinge langsam echt wie eine kaputte Schallplatte, oder? *lol*
Reviewtime:
Nessi.C.: Ja, ich bin ziemlich sicher, dass er das tun würde. *lach* Es freut mich übrigens, dass dir das Chap gefallen hat. Die Szene war nicht einfach, da ich sie realistisch und doch spannend gestallten wollte. Ich hoffe, es ist mir gelungen…
Fränzi: Hihi… Das sagen sie Komischerweise alle. Was ist so schlimm an nem Draco mit Staubfetzen im Haar? *laut lach* Danke übrigens, für die liebe Werbung… *hihi*
Die-na: Du hättest es also gemocht. Vielleicht muss ich nen Gimmick schreiben, in dem er unters Bett steigt. *lach* Jip, meine Muse ist nicht nur fleißig, sie ist penetrant. *lach* Und ojee, das klingt ja alles ganz schlimm. Fühl dich übrigens dazu ermutigt, mir die Ohren vollzujaulen. Ich halte das schon aus. *knuddel* Ich hoffe übrigens, dass du deinen Urlaub/Tripp trotz allem in vollen Zügen genießen kannst/konntest. Und damit du dich noch mehr freust, wenn du wieder hier bist, werde ich mal fleißig posten. Die neue Story wird allerdings frühestens nächste/übernächste Woche an den Start gehen. Ich werde euch aber hier entsprechend auf dem Laufenden halten…
Ika: Das ist nen Deal und ich gebe mein Bestes… *hihi* Alle ist gut. Das würde ich wohl auch nehmen. Und ja. Die lieben Masken. Die gehören halt zu Malfoy, wie sein platinblondes Haar. ;)
Hattu: Ja, dazu kennst du mich wohl auch schon zu gut. Ich sag nur 6 Stunden NRW-Hamburg Brainstorming. Man, war dass ne Fahrt. *hihi* Ja, schwer wird es auf jeden Fall. Ich denke aber, sie werden es versuchen. Da kommt aber auch noch mal die eine oder andere Szene, die etwas näher darauf eingehen wird. ;) Und jaaaa… Headset einweihen… Ich muss echt mal wieder bei Skype on kommen. Schlimm…
DnA: Hihi… und wieder einer vom Anti-Malfoy-unter-dem-Bett-Fraktion… ;) Freut mich übrigens, dass die Harry/Mione Szene gut rüber gekommen ist. :)
