Er stand mit verschränkten Armen am Wagen, gegen die Motorhaube gelehnt, als Jill durch das Parkhaus der BSAA zu ihm kam.
Chris hatte Jill schon von weitem kommen gesehen. Lange hatte es wirklich nicht gedauert.
Der Agent war nicht stolz auf seine Tat gerade eben gewesen, im Gegenteil. Sein Temperament war ihm mal wieder durchgegangen und er wusste, dass das nicht die feine englische Art gewesen war. Er hätte sich mehr unter Kontrolle halten müssen, sich nicht provozieren lassen sollen. Zwar war Chris niemand der ein übergroßes Problem mit seinem Ego hatte oder die Nase hoch hielt, trotzdem hasste er es, wenn ihm jemand `in die Eier´ trat oder seine Autorität in Frage stellte und er musste dennoch zugeben, im Augenblick des Schlages, war irgendetwas gehässiges, amüsiertes und schadenfrohes in ihm aufgeblitzt.
Jill stellte sie sich derweil mit verschränkten Armen vor ihn.
Ihre Geste verriet ihm deutlich, dass sie es überhaupt nicht gut gefunden hatte. Sie sagte jedoch nichts, ihr tadelnder Blick reichte völlig.
Ihm nun zu sagen, das er Mist gebaut hatte und ihm Vorwürfe zu machen, änderten doch ohnehin nichts und außerdem wusste Jill sehr wohl, das Chris wusste, das sein Handeln falsch gewesen war.
Der Agent nickte, als könne er ihre Gedanken lesen und sagte dann reumütig: ,,Sorry…Ich wollt nicht den Macho raushängen lassen. Ich weiß, das du das nicht leiden kannst."
Jill nickte knapp.
Männer bewiesen eben immer wieder, das sie doch wie Hunde waren, stets damit beschäftigt ihr Revier und ihr Hab und Gut vor Streuern zu verteidigen. Aber Jill konnte Chris auch auf gewisse Art verstehen. Ihr selbst würde es auch nicht gefallen, wenn die Rollen vertauscht wären. Wenn es noch eine andere Frau außer ihr gäbe, die Chris etwas bedeutete, abgesehen von seiner Schwester, würde sie wohl auch nicht tatenlos zusehen wollen, obwohl sie wusste, das Chris ihr so etwas nie antun würde, genauso wenig wie sie ihm.
,,Vergessen wir es einfach." beschloss sie dann.
Erleichtert nickte er, steckte seine Hände in die Hosentaschen: ,,Der Kerl ist eben ein Freund von dir, damit werde ich leben müssen."
,,Ja, das musst du…denn ich werde ihn sicher irgendwann wieder sehen. Ich hab ohnehin nicht mehr viel von früher…Das Einzige, was mir noch geblieben ist…bist du und meine Freunde, aber keine Angst, ich werde ihn dir nicht vorziehen." Sie legte ihm lächelnd ihre Hände an die Seiten.
,,Wenn es dir doch zu schnell geht…" begann Chris, konnte seine Gedanken nicht für sich behalten, ,,…du Zeit brauchst um nachzudenken, versteh ich das, weil naja…du sagtest mir, du empfindest etwas für Carlos und ich weiß, das ihr euch sehr nahe steht, ich weiß ja auch, das du mit ihm mal…naja…versteh mich jetzt nicht falsch, ich…ich will, das du glücklich wirst und das bekommst, was du willst, egal, wie du dich entscheidest wenn du also lieber mit ihm…"
Jill verdrehte die Augen, griff ihm beherzt um den Nacken und zog ihn zu sich runter, um seine Worte mit einem langen, sinnlichen, süßen Kuss zu ersticken.
Als Chris ihre weichen und wohlgeformten Lippen auf seinen spürte, erwiderte er es umgehend und schloss ebenfalls die Augen. Alle Zweifel waren schlagartig dahin, wieder begann sein innerstes zu tanzen. Es war ein angenehmes, warmes Gefühl, diese Frau machte ihn einfach wahnsinnig. Er hob seine Hände und legte sie sanft an ihre Taille.
Kurz darauf dann löste Jill den Kuss und blickte ihm wieder in die Augen. Sie schüttelte den Kopf: ,,Du brauchst keine Angst mehr zu haben, mich zu verlieren…" sie lächelte erneut und strich ihm sanft über die Wange, ,,…du warst es schon immer für mich, Chris, ich hab es nur nicht wahr haben wollen, hatte Angst diesen Schritt zu wagen, doch niemand anderes könnte je deinen Platz einnehmen…das ist nun mal so…und jeder andere wusste es doch auch schon. Ich gehöre zu dir!"
Jetzt war es an Chris zu lächeln. Ihm war, als würde er vor Freude in die Luft springen. Seine Jill und er, endlich. Er nickte kaum sichtbar und es wunderte ihn überhaupt nicht, das Jill genau wusste, was in ihm vorgegangen war.
Ja, nun hatte es sich zum Guten gewendet, seine neue, noch ganz frische…Beziehung zu ihr.
Jill wandte unterdessen den Blick ab und seufzte abermals, schwer diesmal. Die Finger ihrer Hände spielten an seinen.
,,Hast du was?" wollte er wissen.
Sie schüttelte den Kopf, ihr Blick verlor sich in dem Stoff seines Shirts über seiner Brust: ,,Nein…ich habe gar nichts…" sie sprach die Wahrheit, ihr gedrückter Unterton bewies es, ,,...Ich habe keine Wohnung, keinen Job, keine…Familie, da der Zustand meines Vaters sich noch immer nicht verändert hat und ich habe keine Ahnung, was ich jetzt mit mir anfangen soll."
Der Agent holte Luft und sagte dann: ,,Du wohnst doch bei Claire. Gefällt es dir dort nicht?"
,,Doch schon, sie ist mir wie eine Schwester. Ich bin ihr auch echt dankbar, aber…es ist kein Zuhause für mich, nur eben ein Zwischenlager und. Ich werde mir wohl was eigenes suchen."
,,Zieh doch einfach zu mir…" Chris sprach es aus einem Affekt heraus, einfach so und in einem abwesend, trockenem Tonfall aus. Dann stockte er im gleichen Moment, ebenso so wie Jill, die ihn perplex, mit ungläubigen Augen anstarrte.
Er schluckte hart, denn es war ihm einfach rausgerutscht, er hatte nicht bemerkt, seine Gedanken laut ausgesprochen zu haben. Mit großen Augen versuchte er sich herauszureden: ,,Also…Jill em…das war wohl etwas em…Ich wollte dich keinesfalls überrumpelt, es ist mir halt so raus gerutscht und…em…" dann musste er grinsen und drehte den Kopf zur Seite. Seine Wangen röteten sich und er musste gerade über sich selbst lachen.
Jill kam nicht drum herum sein Lachen sachte mit einzustimmen und fragte dabei: ,,Was soll ich denn jetzt davon halten?"
Chris sah wieder zu ihr, lächelte breit und bemerkte das leuchten in ihren Augen, genauso, wie die Hitze in seinen Ohren: ,,Naja…meine Tür steht dir immer offen…und ich em…"
,,Ja?…" ihr Lächeln war verschwunden, blickte ihn fordernd an. Sie wusste nicht wieso, aber sie fühlte sich einfach wohl, wenn er bei ihr war. Genauso wie in diesem Moment, alle Zweifel waren plötzlich weg. Ihr gefiel die Idee sogar, wenn sie so darüber nachdachte.
Das Parkhaus der BSAA war wohl nicht gerade der ideale Ort für ein solches Gespräch, aber das störte keinen von beiden.
,,Also…" er stockte erneut und wirkte nervös, ,,…ich hätte nichts dagegen. Im Gegenteil, du…em…"
Jill sah ihn an und erkannte seine Verwirrtheit. Sie stemmte eine Hand in ihre Hüfte, ihre Augen fixierten seine konzentriert: ,,Chris? Kann es sein, das ich dich verunsichere? Seit wann das denn?" Ihr fragender Blick vermischte sich erneut mit einem strahlenden Lächeln.
Chris lachte und konnte gar nicht von ihren Augen lassen, er war wie gefesselt und spürte dieses Kribbeln in seinem Innern. ,,Nein…em, kann sein, ein bisschen vielleicht…" doch dann fiel seine Haltung vollends, ,,…Ach was soll´s, ja, ich bin total unsicher im Moment, aber fass das nicht falsch auf oder so, das meine ich positiv…" er schluckte kurz, ,,…Also, die Wahrheit ist em…ich wünsche es mir, eigentlich schon seit wir uns kennen, das wir mehr werden, als bloß Partner im Beruf. Das sind wir ja jetzt und ich möchte auch, das es dir an nichts fehlt und du dich wohl fühlst und…"
,,Okay…" Jill unterbrach ihn einfach und legte ihm erneut eine Hand an die Wange, da sie sein nervöses Gerede kannte. Sie war selbst so, redete unaufhörlich wenn sie sich so fühlte. ,,…Ich ziehe zu dir."
Augenblicklich wurde sein Grinsen noch größer, entblößte seine makellosen, weißen Zähne. Die Freude war ihm deutlich anzusehen. Kurz sah er unter sich, verinnerlichte ihre Worte, nahm ihre Hände in seine und blickte sie dann wieder an: ,,Echt jetzt?"
Jill nickte mit dem selben Lächeln.
,,Wie lange sind wir jetzt `zusammen´? 16 Stunden vielleicht?…" Chris legte langsam eine Hand an ihre Taille, wirkte auch sichtlich überrascht und zog sie langsam zu sich heran, ,,…Das ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen und dennoch etwas verrückt."
,,Nein…" Jill schüttelte belustigt den Kopf, legte ihre Hände an seine Brust und sagte, ,,…Das ist nicht nur `etwas verrückt´ sonder völlig verrückt, nur, warum sollten wir noch groß warten? Überspringen wir doch einfach die Anfänge eines Null-Acht-Fünfzehn-Pärchen-Dating-Dings, wir kennen uns doch schon über zehn Jahre und das auch noch ziemlich gut und…" sie brach ab und zuckte mit den Schultern.
,,Du hast recht…Es gibt kaum etwas, was wir noch nicht voneinander wissen." schlagartig wurde Chris das bewusst. Sie kannten sich sogar gegenseitig fast besser als sich selbst.
Er lächelte erneut und dann nickte er, doch wirkte nachdenklich. Er versuchte es nicht zu zeigen, doch was er vorhin im Konferenzraum noch gehört hatte, bedrückte ihn.
Jill atmete durch, bemerkte seinen Blick und fragte dann: ,,Geht es dir gut?"
Der Agent schmunzelte und nickte abermals. Er war nicht erstaunt darüber, das sie `den Braten roch´, doch wollte es ihr nicht jetzt sagen. Später, irgendwann, sonst würde sie sich wahrscheinlich nur wieder aufregen. Chris schluckte deshalb und lenkte das Thema um: ,,Ob es mir gut geht?…Du wurdest doch da oben gerade eben fertig gemacht und degradiert."
,,Naja…es war nicht unbedingt angenehm, aber fertig bin ich deswegen nicht. Die Ränge haben mir nie wirklich etwas bedeutet…" Jill fügte dann noch etwas hinzu, ,,…Ich denke ich kann sowieso eine Pause vertragen, bis ich weiß, was ich machen will. Tut mir leid, das ich dich angelogen habe."
Noch immer hallten ihre Worte in seinem Kopf nach.
Die Worte, die sie dort oben gesprochen hatte, in der Anhörung. Er konnte kaum glauben, was Jill in ihrem Kopf verborgen gehalten hatte. Ja, es hatte ihn nicht erfreut, aber ändern konnte er es jetzt ohnehin nicht mehr. Das brachte ihn wiederum auf einen anderen Gedanken, etwas, das er vorhin im vertraulichen gehört hatte, was er angeboten bekommen hatte, aber er wollte jetzt nicht darüber reden.
,,Vergessen wir es ja? Wir haben lange genug darauf herumgeritten." Chris sah ihr in die Augen und nachdem sie stumm nickte, fragte er dann etwas, was ihn auch noch beschäftigte: ,,Wirst du also doch noch zum Psychologen gehen? Ein Profil von dir erstellen lassen? Diese Option steht dir noch immer offen."
Sie verneinte augenblicklich, indem sie den Kopf schüttelte: ,,Nein."
,,Jill…" setzte er an und fixierte ihren Blick, ,,…vielleicht wäre es besser, wenn du dir Hilfe suchst, du hast einiges durchgemacht in den letzten drei Jahren, ich kann mir wohl kaum vorstellen, wie es im Moment in dir aussieht und du weißt genauso gut wie ich, das einige unserer Kollegen nach diversen Missionen mit psychischen Belastungsstörungen heimgekommen sind…"
Ja, er hatte recht. Jill war noch immer weit davon entfernt normal zu sein, aber wenn sie auch nur an die bloßen Worte dachte, zu erzählen versuchte, was in ihr vorging, glaubte sie, sie würde sterben.
,,…Ich möchte nicht, das du…still vor dich hin leidest, oder am Ende krank wirst." Seine Stimme klang sanft.
,,Danke…" entgegnete Jill leise, atmete durch. Ohne ihn anzublicken, sprach sie weiter, ,,…aber ich komme schon klar…irgendwie…"
,,Das stimmt doch nicht. Ich kann es sehen…Man braucht nur dich anzuschauen." er blickte sie mit traurigen Hundeaugen an.
Jills Finger spielten nervös an dem Stoff seines T-Shirts, denn abermals schüttelte sie den Kopf: ,,…Ich kann nicht mit Fremden darüber reden, das musst du verstehen. Da oben vorhin, das war gerade genug um mich gedemütigt und beschämt zu fühlen…" erst jetzt blickte sie Chris an, ,,…der Einzige, der mir vielleicht helfen kann, bist du, weil du dabei warst…Das ist dir doch nicht zu viel, oder?" Ihre Stimme war deutlich unsicher geworden.
Der Agent schüttelte den Kopf, zog sie noch dichter zu sich: ,,Komm her…" beide umarmten sich innig, ,,…Nichts ist mir zu viel, du schon gar nicht. Versprich mir nur, das du auch mit mir redest, wenn dir danach ist. Du kannst mir alles sagen, ganz egal, was oder ganz egal für wie schlimm du es auch erachtest, okay?"
Jill nickte und genoss sichtlich die Wärme seiner Umarmung, schmiegte sich eng an ihn. Nie wieder wollte sie ihn loslassen. Sie fühlte es jedes Mal bei ihm. Geborgenheit. Bei ihm war sie zuhause. Wieder hätte sie sich in den Hintern treten können, das alles beinahe verspielt zu haben, doch im gleichen Moment kamen ihr erneut Zweifel. Die selben, die sie vorhin schon heim gesucht hatten. War sie wirklich genug für ihn? Konnte sie ihn glücklich machen?
Chris atmete zufrieden aus, spürte ihre Arme um sich und einige Sekunden vergingen auf diese Weise, dann bemerkte er jedoch ihre Abwesenheit und strich ihr über den Rücken: ,,Jilly, ist alles klar?"
,,Ja."
,,Du weißt, das du mich nicht anschwindeln kannst…" hielt er dagegen und löste die Umarmung, sah ihr in die Augen.
Jill schüttelte den Kopf: ,,Jetzt nicht…Claire wird uns den Kopf abreißen, wenn wir zu spät kommen, wenn sie es nicht ohnehin schon machen wird…Lass und heut Abend reden, okay?"
Chris nickte, doch war beunruhigt und als sie von ihm weichen und zur Beifahrerseite seines Autos gehen wollte, griff er ruckartig an ihre Hand und fragte: ,,Ist es etwas schlimmes?"
,,Nein…" Jill versuchte zu lächeln, ,,…ist es nicht, es betrifft auch nicht `uns´ also mach dir keine Sorgen. Ich muss mir nur über einige Dinge klar werden und nachdenken. Okay?"
Durchdringend hielt er ihrem Blick stand, dann nickte er abermals…
,,Ich glaub das nicht!…" waren die ersten Worte von Claire, als Jill es ihr erzählt hatte.
Claire war am Morgen schon im Büro gewesen, doch wurde nach ihrer Aussage gleich wieder nach hause geschickt. Sie war ebenfalls suspendiert worden.
,,Wie können die dir das antun?…Nach allem, was war…" Die Brünette schüttelte ungläubig den Kopf und lehnte in den Sessel ihrer Couch zurück.
Jill seufzte: ,,Ist doch halb so wild, ich war sowieso am überlegen aufzuhören…Ich habe…echt scheiße gebaut." Die Blonde saß neben Chris auf der Couch in Claires Wohnzimmer, umgehend war auch deren Haustier angetapst gekommen und hatte sich auf Claire´s Schoß breit gemacht.
,,Es tut mir nur so leid, das du jetzt auch dafür bluten musst."
,,Ach, das ist nichts, wirklich Jill. Die vier Wochen gehen doch so schnell rum. Sie haben mich nur wegen Befehlsverweigerung suspendiert. Ich muss dir danken."
Jill schüttelte den Kopf: ,,Nein, ich hätte dich echt nicht mit rein zeihen dürfen und…"
,,Hey, was war meine Idee mitzukommen. Du hättest mich nicht abgeschüttelt, mach dir keinen Vorwurf, es ging um Chris, da wäre ich mit, selbst wenn ich meinen Job verloren hätte." beharrte die Brünette und schenkte Jill ein aufmunterndes Lächeln.
,,Ist ja nett, das ich euch allen so am Herzen liege…" grinste Chris.
Claire blickte ihn an und nickte, dann sagte sie, als sie zu ihrer runden zurück blickte: ,,Ich bin mir sicher, die werden die Suspendierung wieder aufheben, irgendwann…Du bist immerhin ein Gründungsmitglied, Jill, haben die überhaupt das Recht so etwas zu tun?"
,,Ich habe damals auf den Vortandssitz verzichtet, genau wie Chris, wir wollten nicht im Hintergrund sein, wir wollten die Welt sicherer machen…also denke ich, das wir das Recht der Unanfechtbarkeit verloren haben. Gründungsmitglied hin oder her, wir sind stinknormale Agents und somit auch Regeln unterlegen."
,,Ach warte ab, so schlimm wird es bestimmt nicht…" Chris legte eine Hand auf das Knie seiner nun offiziellen Ex-Partnerin und neuen Lebenspartnerin und schenkte ihr einen aufmunternden Blick. Jill entgegnete das umgehend.
,,Ja wisst ihr, was mich jetzt mehr interessiert…" Claire hob eine Augenbraue und schmunzelte die beiden wissend an, ,,…ist es jetzt endlich offiziell?"
Chris und Jill tauschten unwissende Blicke, ehe sie zu Claire blickten und ihr einen fragenden Ausdruck entgegen brachten.
Die Brünette verdrehte belustigt die Augen: ,,Mann, muss ich alles hier selber machen?…Ihr seht beide so anders aus. Ihr habt euch endlich ausgesprochen, oder? Jill, als du gestern einfach plötzlich weg warst, da…dachte ich schon du drehst durch, da du völlig durch den Wind wegen Chris gewesen bist…Ihr habt euch also wieder vertragen, oder…seid ihr jetzt endlich mehr als bloß Freunde?" Ihr Grinsen wurde breiter, denn Chris nahm derweil demonstrativ Jills Hand in die seine.
,,Em…" Jill versuchte mit einem unterdrücken Lächeln eine Erklärung, ,,…ich bin bei ihm eingebrochen und…naja, wir haben uns `ausgesprochen´…mehr oder weniger." Sie warf einen eindeutigen Blick zu ihrem Freund.
Chris nickte: ,,Ja, em…mehr oder weniger." Auch er dachte schmunzelnd an letzte Nacht zurück, als er in Jills Augen blickte.
,,Okay, alles geritzt…" grinste Claire breit, schelmisch und vom einen Ohr zum aberen, ,,…da hoffe ich doch mal, das mein Brüderchen es mir nachsieht, das ich sein Geheimnis verraten habe."
Er drehte den Kopf zu ihr und nickte dann zufrieden: ,,Ja, danke Claire. Ich war ja so ein Idiot! Manchmal sollte man wirklich auf den Rat seiner kleinen Schwester hören."
Claire nickte ebenfalls und lächelte zufrieden. Sie wusste es, denn es war Sonnenklar. Jill und Chris sahen sich leicht lächelnd an, denn beide wussten, das Claire es wusste. Dann drehte Jill den Kopf zu der Brünetten und sagte nebenbei: ,,Ich werde zu ihm ziehen."
Wäre Claire eine Comicfigur gewesen, wären ihre Augen aus den Höhlen getreten, so weit riss sie diese auf. Die beiden meinten das wohl wirklich ernst.
,,Woww…" hauchte die Brünette sichtlich perplex, ,,…Ihr lasst nichts anbrennen, was?"
Jill´s Lippen zierte ein hauchzartes Lächeln, als sie unter sich blickte.
,,Nein…" grinste Chris dann und warf einen weiteren, kurzen Blick zu seiner Freundin.
,,Heute noch?" fragte Claire dann und ihr Bruder nickte.
Die Brünette knipste ihm mit dem Auge zu und sprach dann weiter: ,,Na, dann wünsch ich euch viel Spaß…"
,,Wir werden noch über einiges reden müssen und…" begann Jill schlicht.
,,Reden?" hinterfragte die Jüngere.
,,Ja, reden."
Claire verdrehte die Augen und unterdrückte ein Lachen: ,,Reden tut man, wenn man das erste Date hat oder die Beziehung schon so eingerostet ist, das man nichts anderes mehr mit sich anzufangen weiß."
,,Genau genommen…" merkte Chris amüsiert an, ,,…hatten wir noch nie ein richtiges Date. Immerzu hat uns meine kleine Schwester genervt, die bei den vielen Videoabenden unbedingt dabei sein wollte und sich auch prompt zwischen Jill und mir breit gemacht hat!"
,,Ha?…" Claire versuchte sich zu verteidigen ,,…Ich war noch ein Teenager!"
,,Ja und eine nervige Nervensäge dazu!" Chris neckte weiter, ihm war ein Lachen entwichen.
Jill ergriff lächelnd das Wort, als sie sich zurück erinnerte: ,,Also, ich fand es nicht schlimm, das sie dabei war…sie hat immer eine lustige Stimmung verbreitet und außerdem war sie doch sowieso meistens nach der Hälfte des Filmes eingeschlafen und du musstest sie rüber in ihr Zimmer schleppen."
,,Ja, und als ich sie in ihr Bett verfrachte hatte, ist sie auch prompt wieder aufgewacht…" entgegnete Chris, ,,…Ich habe dir nie näher kommen können, Jill, weil mein Schwesterchen mit ihrer großen Klappe immer dazwischen gefunkt hat!"
,,Hat euch das davon abgehalten, zueinander zu finden?…" meckerte Claire belustigt, ,,…Nein, außerdem, hab ich euch wohl letzten Endes doch noch etwas nachgeholfen und es somit wieder ausgebessert…" sie grinste dann und sprach weiter, ,,…Aber ich denke, ihr solltet jetzt auch Nägel mit Köpfen machen, denn alle konnten es sich schon immer denken. Barry, Kathy, die Kollegen in der Agency, Rebecca und Leon…Und damit meine ich nicht nur eure Bettgeschichte, die wahrscheinlich noch gar nicht existiert, sondern alles drum herum. Ihr solltet endlich heiraten, euch ein Haus kaufen, Kinder bekommen und…"
,,Claire!" Jill war mehr als verlegen, zudem peinlich berührt und wollte sie zum Schweigen bringen, doch das funktionierte nicht. Die Brünette schnitt ihr das Wort ab. ,,Im Ernst, Jill…Ihr kennt euch schon ein halbes Leben, ihr wisst alles voneinander. Ihr wart Tag für Tag, Jahr für Jahr wegen eurer Arbeit zusammen, praktisch wart ihr doch schon ein Paar, wenn man es also genau nimmt, zumal keiner von euch beiden in all den Jahren je eine ernsthafte Beziehung zu einem anderen hatte. Was wollt ihr denn also noch?"
Die Blonde schüttelte den Kopf: ,,So einfach ist das nicht."
,,Doch das ist es." hielt die Brünette dagegen, merkte kaum, das sie ihre Freundin verbal in die Ecke drängte.
Jill blickte daraufhin unter sich und schüttelte wieder den Kopf: ,,Nein…"
Claire seufzte laut: ,,Mann, seid ihr zwei so was von langweilig…aber es ist eure Sache, ich halte mich raus und warte still und heimlich auf mehr."
,,Claire…" Chris erhob nun ebenfalls das Wort. Er hatte Jill beobachtet, als seine Schwester gesprochen hatte und ihm war das im Gegensatz zu ihr nicht wirklich unangenehm gewesen. Er konnte sich das alles durchaus vorstellen und sie hatte Dinge Ausgesprochen, die ihm schon seit langem durch den Kopf gingen. Er liebte Jill, mehr als alles andere, er wollte ein solchen Leben mit ihr, wusste jedoch, das Jill noch Zeit brauchte.
,,Ja, Chris?" forderte seine Schwester.
Der Agent besann sich und blickte sie an: ,,Nichts, ich wollte dich lediglich ermahnen, mal kurz zu treten, okay."
Wieder seufzte die Brünette und nickte: ,,Okay, okay, ich halt ja schon die Klappe, tut mir leid, ihr wisst ja, das ich etwas aufbrausend bin und meinen Mund nur schwer halten kann, aber ihr sollt wissen, das ich mich echt für euch beide riesig freue. Ihr habt es verdient glücklich zu werden, mit allem was dazu gehört."
,,Danke…" entgegnete Jill leise und schloss für einen Moment die Augen. Sie war müde, die Kopfschmerzen noch immer da.
Chris schenkte seiner Schwester einen, ebenfalls dankenden Blick, wartete noch einige Sekunden und stand dann langsam in einem Schweigemoment auf.
Beide Frauen sahen ihn neugierig an, ebenso wie der wuschelige Vierbeiner.
,,Was?…" fragte er amüsiert, ,,…Ich bin gleich zurück, ich muss nur mal für kleine Agenten." Lächelnd ging er…
Claire grinste ebenfalls und blickte zu Jill, die einfach schweigend da saß, den Blick noch immer zu Boden gerichtet.
Die Brünette konnte es noch immer nicht wirklich glauben: ,,Du ziehst also wirklich zu meinem Bruder? Weißt du, was das heißt? Glaub mir, ich habe das jahrelang mitgemacht…Unordnung, Chaos, Wäsche unterm Bett, Bier und Pizzareste auf der Couch…schimmeliges Brot in der Küche, ganz zu schweigen von dem getrockneten Kaffeesatz in den Tasse und dem überlaufenden Mülleimer…Vergiss nicht, die Bartstoppeln und den Schaum vom Rasieren im Badezimmer…"
Jill blickte Claire an und nickte leicht lächelnd, dann verging es ihr allerdings und sie zuckte mit den Schultern: ,,Das ist mir alles relativ egal, ich räume dann halt auf, wenn mich etwas stört, nur weißt du…" ihre Stimme war ernst, ,,…Ich…bei deinem Bruder fühle ich mich nicht allein."
Claire hob ungläubig die Augenbrauen: ,,Bei mir bist du auch nicht alleine, Jill." Sie gab zu, das sie es mochte, wenn Jill bei ihr war, die letzten Tage in Gesellschaft hatten ihr wirklich gefallen, zu lange schon lebte sie jetzt alleine, abgesehen von ihrem Kater.
Die Blondine schloss derweil kurz die Augen: ,,Ich weiß und ich danke dir, das du mich hier hast wohnen lassen, du bist eine echte Freundin, beinahe eine Schwester für mich…"
,,Aber?"
Jill wirkte nervös: ,,Aber bei Chris, in seiner Nähe…er lässt es mich vergessen, verstehst du…" sie brach ab und blickte erneut unter sich.
Claire seufzte leise und nickte kaum merklich.
Sie verstand Jill, wirklich. Die Beste Medizin für ihre blonde Freundin um über ihre Vergangenheit weg zu kommen, war nicht irgendeine Sitzung bei einem Selenklempner, sondern einfach nur ihr Bruder. Die Brünette erkannte es in diesem Moment, da war wieder dieser Ausdruck in Jills Augen, grenzenloses Vertrauen, Sehnsucht, Liebe und Hoffnung auf Erlösung.
,,Es geht dir noch immer nicht wirklich gut, oder?" es war mehr eine Feststellung als eine Frage, die Claires Lippen dann verließ. Jill schwieg…
