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Review:

Mannequin: Hello Hello =)

Oha, das ist ja gut. Zumindest etwas Obst und Gemüse. Bananen und Gurken mag ich eigentlich sehr gerne. Ich kann mich eigentlich schon glücklich schätzen, dass ich zumindest was Speisen betrifft, gegen nichts allergisch reagiere. Ab und zu auf Kirschen, aber das liegt glaub ich an den Pestiziden, mit denen es vorher behandelt wurde. Sonst wäre ich ja immer darauf allergisch und so ist es halt nur ab und zu, dass meine Lippen anschwellen und taub werden. Dabei liebe ich Kirschen X.x Aber ich werde mich nicht beschweren. Du hast es eindeutig schlimmer erwischt ^^ Und stimmt. Der Mensch gewöhnt sich an fast alles.

Schon schade. Ich diskutiere selbst heute noch mit Freunden über Harry Potter von damals. Wird nie alt XD Wobei gerade über die neueren Sachen es schon schwer ist, weil ich Buch 8 ja nicht wirklich gelesen habe. Ich werde es vielleicht auch gar nicht mehr richtig lesen, denn je länger ich darüber nachdenke, umso merkwürdiger hört es sich einfach an. Voldemort's Tochter und Harry's Sohn – Albus Severus. Noch schräger wäre Voldemort's Tochter und Harry's Sohn – James Sirius XD. Oder ne Dreiecksversion – Albus Severus, Voldemort's Tochter, James Sirius. Solang sie mit den neuen Filmen eine schöne Geschichte aufbaut, gibt es wenigstens etwas, worauf man sich freut =) Noch konnte ich mich zurückhalten und hab den Film noch nicht gesehen. Noch schein ich es hinzubekommen bis zum zweiten Film zu warten, aber große Vorfreude ist auf jeden Fall da, hehe.

Ich glaub, ich hab auch noch nie ein vierblättriges Kleeblatt gefunden =/ Hab als kleines Kind auch oft gesucht, weil es ja Glück bringt. Sirius ist und bleibt ein großes Kind XD Aber das macht ihn halt aus.

Unter anderem war Malfoy Schuld. Der Schwur war nur eines von vielem, was Tricia schließlich dazu gebracht hat diesen Schritt zu gehen. Ich hoff, mit diesem Kapitel wird es besser erklärt. Tricia ging in CofX ja etwas unter, aber sie war ein großer Teil von Black Heart und ich wollte sie doch hier und da erwähnt haben.

Hm... ich glaub, ich tendiere auch eher zu Joe. Aber wer weiß, vielleicht gewinnt Tria noch an Profil, so dass sich Harry am Ende doch für sie entscheidet.

Mittlerweile arbeiten alle weißen Auroren mit dem Orden zusammen. Namentlich wird es aber bei Tria, Joe und Vana als Auroren bleiben, von denen man mehr hört. Es sei denn mir kommt in naher Zukunft ein Einfall zu einer Geschichte mit einem weiteren weißen Auror, aber das sehen wir dann ^^ So was poppt irgendwann mal bei mir auf oder es poppt nicht auf. Bisher würde es aber bei den dreien bleiben.

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 38 – Memories from the past II

Kila hing leider den ganzen Tag in seiner Nähe herum, was bei dem Lärmpegel, den sie durch den Mischfluch (Harry nannte es auch ihre Tollpatschigkeit) verursachte, es unmöglich für ihn machte eine weitere Erinnerung anzusehen und zu hoffen, dass er sich konzentrieren könnte. Es war sich ziemlich sicher, dass es nicht funktioniert hätte und so versuchte er seine Konzentration bei diesem Lärmpegel zu schärfen. Dieser Gedanke kam ihm als er bemerkte, dass die Kerze kein Stück kürzer geworden war, obgleich sie mit Sicherheit mehr als nur eine Sekunde brannte. Stattdessen wirkte sie wie neu und es stellte sich tatsächlich heraus, dass sie nie abbrannte, sondern das Wachs sich magisch nach dem ausblasen wieder selbst zur ganzen Kerze zusammenfügte. Gegen Nachmittag hatte er es geschafft selbst bei dem Lärm, den Kila veranstaltete, die Kerze am brennen zu halten und so blies er sie zufrieden wieder aus und wandte sich zur Hexe, welche einbeinig fluchend neben dem Esstisch herumhüpfte und sich den anderen Fuß hielt.

„Hoffentlich hört dieser Mischfluch langsam auf," jammerte sie betrübt während sie zu ihm her hoppelte.

„Wenn ich irgendwie helfen kann, sag Bescheid," sagte er mit einem amüsierten Schmunzeln.

„Vielleicht komme ich später darauf zurück. Wenn das nämlich länger anhält, könnte es schädlich für den Orden sein... Ich bin mir nicht sicher ob mir Brian das verzeiht, wenn ich Jilli und Kaylar verwechsle... Ich muss jetzt aber los. Meine Schicht ist vorbei und ich brauch ne Mütze voll Schlaf."

„Kein Problem."

„Bis bald, Harry."

„Bis bald."

Er winkte kurz und sah ihr nach als sie zur Tür ging. Es dauerte nicht lange, um zu bemerken, dass er nach wie vor nicht alleine bleiben würde. Kila tauschte an der Tür den Platz nämlich mit Tria. Nach einem kurzen Getratsche unter Frauen und höfliches Geplänkel winkte Kila Harry noch mal zu und verschwand nach draußen während Tria herein trat und die Tür hinter sich schloss.

„Hi," sagte sie freundlich und Harry tat dasselbe. „Ich bin die Ablöse für deinen Schutz," erklärte sie und setzte sich zu ihm auf die gegenüberliegende Couch. „Wow, die Couch ist bequem."

Harry musste lachen, so überrascht und plötzlich, wie es herauskam. Fiel das eigentlich irgendwem noch nicht auf?

„Ja, ein Geschenk von Jilli."

„Tatsächlich?!" fragte sie verwundert. „Jilli Weasley hat dir eine so teure Couchgarnitur geschenkt? Ich dachte, die Familie Weasley hätte nicht das Geld für so was?"

Harry wollte sie verbessern, entschied sich dann jedoch anders als er verstand, dass Tria wohl zu denjenigen gehörte, die Jilli nur als Jimá kannten.

„Ich wollt auch nur kurz rein schauen und dir sagen, dass ich da bin. Ich werde mich in der Nähe aufhalten. Wenn was ist, lass rote Funken in die Höhe sprühen. Ich werd das sehen und innerhalb kürzester Zeit auftauchen."

„Err – danke. Aber das wird nicht nötig sein. Das ist meine Wohnung, kein öffentlicher Duellierplatz."

Sie lächelte sanft und war gerade dabei zu gehen als Harry sie jedoch aufhielt.

„Tria?"

Sie blieb stehen und sah ihn erwartungsvoll an.

„Kann ich Sie etwas fragen?"

„Sicher. Geht es um die Aurorenausbildung?"

„Err -" Eigentlich nicht.

„Ich hab einige Bewerbungen von Anwärtern bekommen, werde mich aber erst entscheiden, wenn du dich definitiv für jemand anderes entschieden hast. Anna sagte, du würdest es in Betracht ziehen, dich bei mir zu bewerben."

„Err – ja, tu ich."

„Nun, ich würde mich geehrt fühlen, dich auszubilden und ohne mich selbst zu loben – Ich bin eine sehr gute Ausbilderin. Wirklich."

Harry lachte und nickte gleichzeitig.

„Hab ich nie bezweifelt," sagte er ehrlich. Gut, das war so halb die Wahrheit. Er war von ihr als Duellpartner nicht so überzeugt wie es bei Joe der Fall war, aber das hieß nicht, dass er sie nicht für eine gute Aurorin hielt, von der er auch noch viel lernen konnte.

„Ich hab Nymphadora Tonks ausgebildet," fügte sie stolz hinzu und blitzte ihn vielsagend an. Erneut lächelte er amüsiert. Er mochte Tonks, aber ob das nun ein Kompliment für Tria's Ausbilderfähigkeiten waren, sei im Moment mal dahingestellt. Es war ohnehin nicht das, was er fragen wollte, entschied jedoch es so hinzunehmen. Vielleicht sollte er über die Erinnerungen doch eher mit White sprechen. Erst recht, nachdem er nicht wusste, wie viel Tria eigentlich über ihn wusste.

„Na dann, viel Erfolg beim Training."

Tria verließ die Wohnung und endlich fand sich Harry allein vor. Es war ruhig genug, damit er endlich mit den Erinnerungen weitermachen konnte und so schritt er ins Zimmer, zündete die Kerze an und öffnete die nächste Erinnerung.


Sein Schlafzimmer verschwand und allein die Kerze nahm die neue Gegend mit. Er sah eine hübsche, brünette Hexe im Flur vor einer halboffenen Zimmertür stehen. Sie war kaum älter als er jetzt war und wenn, dann höchstens ein paar Jahre vielleicht. Durch den kleinen Spalt hindurch sah Harry seinen jungen Vater, welcher auf dem Bett saß und sich in ein Buch vertieft hatte. Die Hexe klopfte vorsichtig und trat herein als sein Vater zu ihr rübersah.

„Hi," sagte sie sanft und sein Vater erwiderte es mit einem kurzen Lächeln. Die Hexe setzte sich zu ihm aufs Bett, ihr Blick war besorgt, auch etwas scheu und umsichtig.

„Wie geht's dir?"

„Gut," antwortete James, doch ob dies die Wahrheit war bezweifelte Harry. Sein Vater wirkte der Hexe gegenüber sehr verschlossen und zurückhaltend. Es war merkwürdig, denn keiner von beiden schien zu wissen, wie er das Gespräch fortführen sollte.

„Sicher?" fragte die Hexe noch mal und klang diesmal gar ein wenig schuldig. James nickte lediglich, dann wandte er sich wieder seinem Buch zu und damit war für ihn das Gespräch beendet. Sie schien getroffen von seiner Haltung zu sein, setzte aber dennoch ein trauriges Lächeln auf und verließ sein Zimmer. Sie trat den Flur entlang und ging durch die Treppen hinab in die Küche. Eine ältere, brünette Hexe stand dort und hatte gerade Kaffee in eine Tasse gegossen. Harry erkannte diese Hexe als seine Großmutter wieder. Maria Potter und sie lächelte fürsorglich als sie die jüngere Hexe sah.

„Wieso das lange Gesicht, Liebes?" fragte sie liebevoll, nahm eine zweite Tasse aus dem Schrank und goss auch da Kaffee ein. Die jüngere Hexe trat heran und nahm den Kaffee, der ihr gereicht wurde, dankend an. Da lehnten die beiden am Küchentresen nebeneinander und nippten still und leise an ihren Tassen.

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass Joe und du euch getrennt habt," begann Maria Potter nach einer Weile – und Harry wusste auch so, ohne das ihr Name genannt wurde, wer sie nun war. Er erinnerte sich jetzt nämlich auch daran, sie damals ebenfalls im Spiegel bei seiner Familie gesehen zu haben. Die junge Hexe musste Patricia Potter sein, seine verstorbene Tante. Ein Blick rüber zur Kerze und er bemerkte aufs Neue grummelnd, dass sie ausgegangen war.

Inflamare," sagte er mürrisch mit gezogenem Zauberstab und die Kerze brannte wieder ruhig und fröhlich vor sich hin. Ruhig... Er musste ruhig bleiben. Nicht neugierig werden – die Erinnerung zu ihm kommen lassen. Das war nur seine Familie, die er nie kennenlernen durfte, weil der Penner von Voldemort ihm – Halt! Ruhig...

Harry atmete tief durch, die Flamme brannte immer noch, und so wandte er sich zurück an die Erinnerung, in welcher seine Tante und seine Großmutter nun am Esstisch Platz genommen hatten.

„Er hat es dir also gesagt..." murmelte Patricia betrübt.

„Natürlich nicht," entgegnete Maria jedoch leicht entrüstet und während seine Tante verwundert aufsah, verzog Harry merkwürdig die Stirn. Hö?

„Joe ist ein Gentleman und keine Tratschtante. Er hat dich sehr gern und würde nie etwas tun, was dich irgendwie treffen könnte, Liebes. Es waren die lieben Kolleginnen aus dem Büro für nationale Tierpopulationsüberwachung. Wenn diese Damen etwas hören, weiß es das ganze Zaubereiministerium in kürzester Zeit. Da bilden dein Vater und Ich keine Ausnahmen – auch wenn wir noch so viel drum geben würde nicht mal die Hälfte von dem mitzukriegen, was diese lieben Damen sonst so von sich geben."

Obwohl Maria sanft lächelte und diese Geste sehr warmherzig war, schien Patricia getroffen davon zu sein, denn sie starrte niedergeschlagen tief in ihren Kaffee hinein. Seine Großmutter drückte seiner Tante behutsam am Arm und lächelte erneut aufmunternd. Harry mochte das Bild der beiden, mochte das Wissen, dass seine Familie auf diese vertraute und liebenswürdige Weise miteinander umging. Er hätte es gemocht bei ihnen aufzuwachsen.

„Ich will nicht neugierig sein oder dich in eine unangenehme Lage bringen. Meine Tochter so kummervoll zu sehen und nichts zu tun ist mir leider nicht angeboren. Du und Joe, ihr wart doch eigentlich sehr glücklich oder täuschte der Anschein?"

Seine Tante reagierte immer noch nicht, stattdessen hatte sich ihr Ausdruck verändert und sie blickte sehr traurig, fast direkt verletzt in die Leere.

„Tricia," flüsterte Maria besorgt und ihr intensiver Blick hatte nicht abgenommen. Harry wäre an seiner Tante's Stelle längst eingeknickt und hätte alles ausgeplaudert was ihm auf dem Herzen lag. Patricia Potter war offenbar anders, denn sie schüttelte den Kopf und es wurde klar, dass sie nicht alles einfach aussprechen würde.

„Ich will mich auf meine Ausbildung konzentrieren. Das ist alles," log sie und dass es eine Lüge war, das sah ihr nicht nur Harry an. Er war sich sicher, dass Maria es auch wusste.

„Joe ist schon fertig. Er ist ein guter Auror. Ich will das auch werden und ich kann das nicht, wenn er als Sicherheitsnetz ständig um mich herum agiert."

„Wenn du ihn liebst, was ich bisher sehr wohl glaubte, dann sollte das doch kein Grund sein eure Beziehung zu beenden? Du wirst eine ausgezeichnete Aurorin selbst wenn Joe versucht dich zu schützen. Wenn überhaupt, macht es dich nur stärker, wenn du ihn die ganze Zeit davon abhalten musst."

Maria lächelte amüsiert, aber ihre Tochter hatte ihren bedrückten Ausdruck nicht verloren.

„James geht es gut," fuhr sie umsichtig fort. „Ich weiß, du machst dir Sorgen, aber du bist seine große Schwester. Nicht sein Schatten. Du musst auch für dich selbst leben, Liebes."

Die junge Hexe trank ihren Kaffee aus und lächelte ihre Mutter liebevoll an.

„Ich muss weg. Bye, Mum."

„Bye, Liebes."

Harry sah, wie Maria dennoch tief besorgt die Stirn in Falten setzte als Tricia eilends die Küche verließ. Er folgte seiner Tante nach draußen und beobachtete, wie sie sich müde an den Kamin anlehnte, als ob sie sich abstützen müsste, um nicht zu fallen, und schluchzte.

Ihre Haltung, ihr verzweifelter Ausdruck, es zerrte an seinem Herzen.

„Du wirst nicht gewinnen," hörte er sie sagen. Ihre Stimme klang gebrochen und doch entschlossen.

„Das ist meine Familie und Ich werde nicht zulassen, dass du sie zerstörst. Selbst wenn ich mein Leben verliere, aber du wirst nicht meine Familie zerstören. Niemals."


Die Umgebung veränderte sich und Harry fand sich wieder zurück in seinem Zimmer. Die Kerze war erneut erloschen.

Machte es überhaupt noch Sinn es weiterzuprobieren? Er kam einfach nicht dazu seine Gefühle lang genug unter Kontrolle zu bekommen, um die Kerze länger brennen zu lassen. So, wie er sich gerade fühlte erst recht nicht. Stattdessen kehrte er nach Hogwarts zurück, hatte Tria noch Bescheid gegeben und reiste dann per Flohpulver wieder in die Schule. Er war gerade noch auf dem Weg zurück in den Gemeinschaftsraum, um seine Sachen abzulegen, da stoppte er mitten im Gang – Jilli? Sie begrüßte ihn mit einem lieben Lächeln.

„Du bist wieder sichtbar?" stellte er erfreut fest und sie nickte erleichtert.

„Yap, bin aufgewacht und plötzlich hatte ich wieder meinen festen Körper."

Plötzlich hatte sich ihr Ausdruck verändert und sie sah ihn besorgt an.

„Was ist mit dir?" fragte sie beunruhigt. „Du wirkst durcheinander."

Harry blickte mit banger Miene zurück. Er dachte zwar daran White darauf anzusprechen, aber vielleicht kannte seine Schwester auch die Antworten auf die Fragen, die ihn im Hirn herumschwirrten? Ohne seine Sachen zurück in den Schlafsaal gebracht zu haben, gingen die beiden auf die Ländereien und suchten sich einen ruhigen Platz, wo sie ungestört waren und Harry ihr von beiden Erinnerungen erzählte. Jilli nickte immer wieder, um ihm zu zeigen, dass sie zuhörte und verstand. Ihr war aber auch anzusehen, wie bestürzt sie war als er über Patricia erzählte.

„Ich hab unsere Tante nie kennengelernt," gestand seine Schwester bedauerlicherweise. „Sie starb wirklich sehr früh. Dad war so alt wie du jetzt bist glaub ich. Sie – uhm – hat etwas falsch gemacht als sie noch jünger war. Hat sich von anderen reinlegen lassen, weil sie helfen wollte.

Traue niemals einer Person, von der du weißt, dass sie nichts gutes im Schilde führt, egal, was sie tut. Es gibt Menschen, die denken nur an sich selbst und hinter jedem, was sie tun, steckt etwas, dass andere nicht wollen, sondern nur sie selbst. Das ist unter anderem das, was ich aus dieser Geschichte um unsere Tante mitgenommen habe. Dad und Sie waren eigentlich sehr eng."

„So wie wir jetzt?"

Jilli lächelte gerührt.

„Ja, so wie wir jetzt," stimmte sie ihm mit einem sanften Lächeln zu und Harry begann zu grinsen. Er mochte es, wenn sie sich freute. „Sie wollte alles tun um Dad zu schützen und stattdessen hat sie durch eine List von Voldemort die gefallene Phowlyris befreit."

„Gefallene Phowlyris?!"

„Kaylar Steward."

„Ja, ich weiß, dass Steward die gefallene Phowlyris ist aber... List von Voldemort? Soll das heißen..."

„Ja," sagte Jilli betrübt. „Kaylar war ursprünglich auf Voldemort's Seite. Hat lange für ihn gearbeitet und – Ja... hat viel schlimmes getan. Aber jetzt ist sie auf unserer Seite also – Wir sind nicht nachtragend..."

„Sind wir nicht?!" fragte Harry misstrauisch. Jilli nickte unsicher.

„Dad wars nicht, Mum nicht. Anna nicht. Wir sollten auch nicht, oder?!"

Harry lächelte mild. Er hatte keine Probleme mit Kalyar Steward, er hatte aber auch wenig Ahnung was für schlimme Dinge das waren, was sie getan hatte und vor allen Dingen, was dies nun mit seiner Tante zu tun hatte.

„Harry, Kaylar Steward war dafür verantwortlich... -" Jilli hielt inne und schluckte. Sie haderte mit sich es zu erzählen, schließlich war es Vergangenheit, aber ihr Bruder hatte das recht alles zu erfahren. „Sie hat Tante Patricia zu einer Marionette gemacht, so dass sie vor Dad's Augen Selbstmord beging."

Wäre dies eine Erinnerung, in der Harry sich konzentrieren sollte, um die Kerze am brennen zu halten – Sie wäre explodiert.

„Sie hat was getan?!" donnerte er entrüstet. Jilli sah ihn beunruhigt an.

„Kaylar war damals noch auf Voldemort's Seite und hat auf seinen Befehl hin Tante Patricia eingenommen. Sie war noch nicht so stark, wie sie es heute ist, weil sie gerade erst aus dem Stein befreit wurde und über Jahrhunderte dort gefangen war.

Anna konnte sie viel schneller einnehmen. Tante Patricia hat verzweifelt versucht sich aus ihrer Kontrolle zu befreien. Deswegen hat sie mit ihrem Freund Schluss gemacht, um ihn zu schützen. Zu dem Zeitpunkt spürte sie wahrscheinlich bereits wie Kaylar sie einahm. Sie verlor immer mehr von sich selbst an die Phowlyris bis es zu spät war. Voldemort wollte Tante Patricia tot sehen und Kaylar führte sein Befehl aus."

„W-Wusste Dad davon?! Wusste Dad dass Steward Schuld am Tod von Patricia war?!"

Jilli nickte traurig, woraufhin Harry noch fassungsloser wurde als er vorher schon war.

„Und trotzdem hat er sich mit ihr angefreundet?!" sagte er empört. „Und du auch?! Du arbeitest mit ihr! Du nennst sie eine Freundin, obwohl du wusstest, dass sie Dad's Schwester getötet hat!"

„Harry," versuchte seine Schwester ihn jedoch zu beruhigen, was nicht leicht war, angesichts seines wütenden Ausdrucks. Es war derselbe Zorn, den er empfand als er herausfand, dass Dumbledore Snape vertraute, obwohl dieser Voldemort erst auf seine Eltern gehetzt hatte. „Es waren doch ganz andere Zeiten. Kaylar ist nicht mehr die, die sie damals war."

„Also macht es alles wieder gut, was sie getan hat?!"

„Harry, wieso -"

„Ich versteh nicht, wie ihr ihr vertrauen könnt, wenn sie für Voldemort jemanden ermordet hat, den ihr alle kanntet!"

„Harry, bitte. Du darfst deswegen nicht wütend sein..."

Jilli klang nicht verständnislos, sondern flehend und das war auch der Grund, warum sich seine unendliche Wut und Unverständnis nicht gegen sie richten konnte. Er riss sich zusammen, um nicht an ihr auszuflippen. Jilli bemerkte den Zwiespalt in ihrem Bruder und schüttelte frustriert den Kopf.

„Kaylar ist auf unserer Seite und sie hat sehr viel getan, was uns bewiesen hat, dass unser Vertrauen richtig war."

Harry nickte, aber mehr, um seine Schwester zu beruhigen, nicht, weil er ihre Worte wirklich akzeptierte. Stattdessen setzte er ein gespieltes Lächeln auf und schnappte sich seine Tasche.

„Ich sollte auspacken. Bis später."

Obwohl er aus den Augenwinkeln sehen konnte, dass sie erneut angesetzt hatte, um seine Aufregung abzumildern, ließ er das nicht zu und lief indes in sehr schnellen Schritten von ihr weg zurück ins Schloss.


Er war wütend. Sehr sogar. Harry packte seine Sachen nicht aus, sondern warf die gesamte Tasche zur Seite. Er hatte bisher nichts gegen Steward gehabt, mochte sie eigentlich sogar. Patricia Potter kannte Harry nicht mal, hatte sie heute in der Erinnerung zum ersten Mal überhaupt richtig gesehen und dennoch machte ihn der Gedanke verrückt, dass Steward auf Voldemort's Befehl hin seine Tante zum Selbstmord gebracht hatte. Wie konnte sein Vater okay damit sein? Harry glaubte nicht, dass er je jemanden verzeihen oder diesen gar als Freund ansehen könnte, wenn derjenige seine Schwester umgebracht hätte... Oder waren James und Patricia gar nicht so eng, wie Jilli dachte?

„Hey, Mann."

Harry zuckte zusammen als er Ron's Stimme hörte. Er hatte nicht mal gehört, wie die Tür überhaupt aufging.

„Hey," warf er etwas mürrisch zurück. Da half auch das erzwungene Lächeln nicht seine miese Laune zu verdecken.

„Was ist passiert?" fragte der Freund mit banger Miene und setzte sich auf sein eigenes Bett.

„Nichts," log Harry. Er wollte nicht darüber reden. „Lass uns Essen gehen. Ich hab nen Bärenhunger."

„Okay," stimmte Ron zu und so gingen beide in die Große Halle. Bevor der Freund überhaupt dazu kam sich nach den Erinnerungen zu erkundigen, lenkte Harry das Gespräch auf ihre UTZ Prüfungen und wie das Lernen mit Hermine und Ginny so voran ging. Glücklicherweise mischten sich auf halbem Wege Neville, Dean und Seamus dazu und Harry war fein raus. Wenn Dean und Seamus zu etwas gut waren, dann über Schulzeug und Quidditch quasseln, so dass er nicht über sein Mist reden musste.

„Wie waren die Erinnerungen?" hatte Hermine später gefragt als sie nach dem Essen gemeinsam wieder zurück in den Gemeinschaftsraum gehen wollten, doch statt zu antworten blieb Harry stehen.

„Ich geh noch etwas trainieren. Ein Quidditchspiel ist noch übrig."

Er lief so schnell er konnte um die Ecke und nahm irgendeinen Weg, Hauptsache, dieser führte so weit wie möglich weg von seinen Freunden. Das letzte was er hören wollte war, dass er übertrieb und alles nicht so schlimm war, wie er es machte. Er ahnte, dass sie sich komische Blicke zuwarfen und sich Sorgen um ihn machten, aber darum konnte er sich jetzt keine Gedanken machen. Nicht, wenn so vieles andere um ihn herum passierte und sein Leben durcheinander mischte.

Er schnappte sich sein Besen und flog einige Runden um das Quidditchfeld. Meistens half es ihm seine Gedanken zu klären und nicht mehr so verärgert über eine Sache zu sein. Heute aber brachte es nichts. Egal, wie lang er flog – Er verstand es nicht. Wie konnte sein Vater sich mit jemanden anfreunden, der seine Schwester getötet hat? Es war schon schwer zu verstehen, dass es Mitglieder aus dem Orden wussten und dennoch mit ihr arbeiteten, aber sein Vater? Sein Vater... Er konnte ihn fragen warum? Verdiente er nicht eine Erklärung? Was machte sein Vater und alle anderen so sicher, dass Steward nicht genau wie Snape war? Dumbledore hatte ihm nie eine Antwort gegeben, wenn er ihn nach Snape fragte und am Ende war die Erklärung zwar nachvollziehbar, das große Vertrauen aber führte zu Sirius Sturz hinter den Schleier und wenig später zu Dumbledore's Tod. War es das wirklich wert? Wenn diesmal nun Sirius für immer starb? Wenn es Jilli traf? Wäre eine andere Handhabe mit der Situation nicht viel besser gewesen? Harry musste es wissen...


Und erneut steuerte er seinen Besen in die Höhe und flog raus aus dem Hogwartsgelände. Es dauerte seine Zeit, wie auch beim letzten Mal, aber er kam an. Der Friedhof in Godric's Hollow.

Er lehnte seinen Besen am Tor an, schritt hinein und ging direkt auf die Gräber seiner Eltern zu.

„Dad?!" rief er schließlich vorsichtig.

„Sohn?" Sein Vater war nur ein kurzen Augenblick später hinter ihm erschienen und so drehte sich Harry zu ihm um. Der Ausdruck in dem ihm mittlerweile so vertrauten Gesicht hatte sich schlagartig geändert und Harry ahnte, dass er ihm angesehen hatte, dass etwas nicht in Ordnung war. „Was ist passiert?"

Harry nahm seinen Mut zusammen und erzählte seinem Vater von dem, was er in der Erinnerung sah, was er schließlich von Jilli erfuhr und dass er befürchtete, Kaylar Steward würde sie alle hintergehen, so wie es Snape getan hatte. Vater und Sohn saßen angelehnt an James' Grab und Harry war froh, dass James das ganze nicht runterspielte, wie er es von seinen Freunden gewohnt war.

„Jilli sagte, du und deine Schwester wärt eng gewesen."

„Das waren wir auch."

„Wie kann man dann einfach demjenigen verzeihen, der sie auf diese Weise tötet?"

Das kam vorwurfsvoller heraus als beabsichtigt, aber ihm war gerade nicht danach sich zu beherrschen. Es verging ein langer Moment der Stille, sein Vater dachte tief nach, bevor er schließlich sprach.

„Tricia und ich waren sehr eng, Sohn. Früher einmal. Sie war die große, verantwortungsbewusste, liebevolle Schwester und ich war – Ich war dumm und selbstsüchtig. Sie war eine großartige Schwester und ich war kein guter Bruder. Dann hat sie sich vor mir umgebracht und ich hab erst später erfahren, dass es Kaylar war. Ich war wütend, sehr lange. Wütend auf mich selbst, weil ich so ein Idiot zu ihr war.

Auf Kaylar war ich nicht wütend. Sie war eine Feindin auf Voldemort's Seite und gefährlich. Es stand fest, dass wir sie wie Voldemort auch irgendwie stoppen mussten – und dann... Kennst du ihre Geschichte?"

„Steward's? Ja... Ich denke."

„Sie ist nicht wie Snape," sagte sein Vater eindringlich. „Ich weiß, dass sie viele Ähnlichkeiten haben. Ihre Geschichten ähnlich sind – aber nur weil man sich in vielem ähnelt, heißt es nicht, dass man gleich ist."

Harry blickte frustriert hinab. Es war dasselbe, was auch Dumbledore sagen würde. Dinge, aus denen man nicht schlauer wurde, nur weil es schlau klang. Zu seiner Überraschung sprach James jedoch weiter.

„Ich war ihr Gefangener, Harry. Steward hatte mich gefangen und es gab kein Entkommen, keine Rettung. Meine Freunde, der Orden, sie hätten es niemals auf die Phowlyris Ebene geschafft. Meine einzige Hoffnung war an ihr Gewissen zu appellieren, zu hoffen, dass sie ein Gewissen besaß. Trotz allem, was sie bis dahin getan hatte. Meine Schwester zur Marionette zu machen, so dass sie sich vor mir tötete war nur eines von vielen schrecklichen Dingen, die ich mit ihr bis dahin verband.

Mein Glück war, dass sie ein Gewissen besaß. Ich sagte ihr, ich könnte ihr helfen eine normale Hexe zu werden und das Leben einer normalen Hexe zu führen, weil ich vermutete, dass sie sich nach Seelenfrieden sehnte.

Ich würde einen Weg finden, damit sie nicht mehr die Erinnerung an ihre Zeit als Phowlyris haben müsste, sondern ganz normal sterblich wird und ein normales Leben ohne die Erinnerung an 900 Jahre in toten Stille führen kann. Sie hatte es nie ausgesprochen, dass sie das wollen würde, aber als sie die Chance dazu bekam, sagte sie nicht nein.

Sie klammerte sich an die winzige Hoffnung, die ich ihr gab, dass das, was sie sich tatsächlich wünschte, wonach sie sich tatsächlich sehnte, ich ihr erfüllen könnte. Kaylar tötete mich nicht. Sie brachte mich zurück zu deiner Mutter und half mir ab da an gegen Voldemort zu arbeiten."

„Tat sie?" fragte Harry skeptisch, aber James lächelte sanft.

„Sie tat."

„Aber du hast es nicht geschafft? Sie ist immer noch eine gefallene Phowlyris und erinnert sich an alles."

„Leider lief damals alles aus den Fugen. Wir haben versucht Kaylar ein Leben zu ermöglichen, bis wir es so hinkriegen, wie beabsichtigt. Sie hatte ihre Schuldigkeit schließlich getan und uns geholfen, obwohl sie das nicht hätte tun müssen. Es war kein Handel. Sie hat mich gehen lassen ohne zu sagen, dass sie uns helfen würde. Sie tat es, weil wir Freunde wurden."

„Du hast es nicht geschafft, also vielleicht will sie jetzt Rache nehmen und haut uns in die Pfanne?"

James lächelte traurig.

„Ich kann nicht versprechen, dass dies nicht eintreffen wird, noch bestätigen, dass es auf jeden Fall eintrifft. Kaylar ist kein berechnendes Wesen. Sie hat ihren eigenen Kopf und ließ gute Gefühle nur sehr zögerlich zu."

„Gute Gefühle?!" fragte Harry verwirrt.

„Na ja, sie lachte nicht sehr viel... Eigentlich kaum. Ein schmunzeln war schon viel. Man kann ihr nicht wirklich ansehen, was sie tatsächlich denkt. Als ob sie einfach ein Blick aufsetzt, nur um irgendeins aufzusetzen und nicht, weil sie es so meint. Sie ist misstrauisch, wenn man nett zu ihr war... Ich glaub, sie hat sich nach jemanden gesehnt, der ihr zeigt, wie man liebt."

Er musste wahnsinnig dämlich in diesem Moment ausgesehen haben, denn James lachte so herrlich, dass es Harry erst jetzt auffiel, dass er eine Grimasse zog. Er löste die Gesichtsmuskeln und versuchte wieder möglichst normal auszusehen. James indes räusperte sich, um sich zu beruhigen.

„Kaylar hat nie wirklich geliebt, was nicht heißt, dass sie es nicht mag. Ich denke, sie sucht und hat dabei nichts als Lug und Betrug erfahren. Sie hatte sich verschlossen und lebte lange kaltherzig und unnahbar vor sich hin. Deswegen konnte Voldemort sie für sich gewinnen.

Dass es nicht das ist, was sie wollte, war der Grund, warum ich sie für uns gewinnen konnte. Ich bereue zutiefst, dass ich mein Versprechen nicht so halten konnte wie gehofft. Angesichts der Tatsache, dass es mein Tod war, der die Erfüllung verhindert hat, sieht sie es mir jedoch sicher nach."

Mit dem Anflug eines Lächelns blitzte er seinen Sohn an, welcher nicht anders konnte als leicht zu lächeln. So wütend, verständnislos und aufgebracht er heute auch gewesen war. Durch das Gespräch mit seinem Vater war er es nicht mehr. Etwas, dass er in den letzten Jahren immer vermisst hatte. Er wollte gar nicht daran denken, dass er diese Gespräche für immer verlieren musste, um Voldemort zu töten.

„Sie hat einen Freund, Dad. Kaylar geht mit Brian."

„Brian?" wiederholte sein Vater verwundert. „Doch nicht etwa Sirius und Anna's Sohn Brian?"

„Doch."

Und wieder lachte James aus heiterem Himmel, was seinen Sohn nun doch mehr verwirrte als gedacht.

„Uhm?"

James winkte jedoch ab, nachdem er sich wieder beruhigte.

„Tut mir leid. Ist nur – weiß Sirius davon?"

„Ich denk schon? Warum?"

„Och, sagen wir – Kaylar ist glaub ich nicht seine Wunschschwiegertochter. Die beiden waren sich leider nie sehr grün. Wie auch immer – das freut mich für sie. Kaylar hat es verdient endlich zu erfahren was Liebe ist."

Harry wippte jedoch unsicher mit dem Kopf.

„Ich glaub, Jilli mag Brian eigentlich."

„So?" sagte James schmunzelnd. Er wusste dies also bereits oder sein Vater hätte viel überraschter reagiert, dessen war sich Harry sicher.

„Jilli behauptet selbst, dass es nichts ist," sagte er irritiert.

„Jilli ist in dem Punkt wie Kaylar," sagte sein Vater bedeutungsvoll.

„Ich glaub, Jilli hatte schon einige Freunde, Dad."

James gluckste amüsiert.

„Hab ich nie bezweifelt," sagte er sanft. „Ich meinte damit, dass beide in dem Punkt etwas auf der Leitung stehen. Höre ich zumindest aus dem heraus, was deine Schwester so erzählt – und wie sie über Brian gesprochen hat.

Kann mir gerade nur schwer vorstellen, dass deine Schwester und Kaylar denselben Geschmack haben was Männer betrifft. Allerdings kenne ich Brian nicht und kann mir nur sehr schwer eine Kreuzung zwischen An und Sirius ausmalen, welcher der Richtige für irgendeinen von beiden sein soll."

Harry runzelte die Stirn. Irgendwie fand er es schon merkwürdig, wie sein Vater über eine Phowlyris sprach, die ihn eigentlich umbringen wollte. Ihm schoss ein unguter Gedanke durch den Kopf und er sprach ihn auch hier wieder ohne groß zu überlegen einfach aus.

„War etwas zwischen euch? Steward und dir?!"

James blinzelte seinen Sohn überrumpelt an und schmunzelte im nächsten Moment erneut amüsiert. Kurz überkam ihm der finstere Gedanke, dass sein Vater loslachen könnte, aber das tat er nicht. Im Gegenteil, er sah seinen Sohn mit festem und weiterhin väterlichem Blick an.

„Ich könnte deine Mutter nie betrügen, Harry. Sie war die große Liebe meines Lebens und das schon seitdem wir noch klein waren. Ich hab viele Fehler im Bezug auf sie gemacht, das weiß ich auch, aber ich hätte sie niemals betrogen."

Harry glaubte seinem Vater. Er hatte seine Mutter schließlich mittlerweile auch kennengelernt und sie war stark und niemand, der sich von irgendwem auch immer unterdrücken ließ.

„Kaylar ist ein gutes Wesen, Sohn," sagte sein Vater ernst und es lag ihm sichtlich viel daran, dass Harry es auch verstand. „Alles was sie wollte war wiedergeboren werden ohne all das Grauen in ihren Erinnerungen, das sie 900 Jahre mit sich herumtragen musste. Ich hab ihr mein Wort gegeben, dass ich einen Weg finden würde ihr dies zu ermöglichen. Anna und Ich fanden es auch, aber bevor wir den entscheidenden Schritt gehen konnten, lief alles aus den Fugen und wir kamen nicht mehr dazu.

Stattdessen beschlossen wir Kaylar vorübergehenden Frieden durch diesen Zauber zu geben, der sie vor Gefahren schützte, bis wir die Beschwörung durchziehen konnten. Ich weiß nicht, wie wichtig das für An war, aber mir war es sehr wichtig.

Früher hätte ich gesagt, dass An es auch nach meinem Tod noch ausführen würde, aber ihre Verfassung nach dem Angriff der Dementoren und mit Dumbledore's Tod, kann ich das schlecht einschätzen.

Harry, ich erwarte nicht von dir, dass du meine Lasten trägst. Erst recht nicht, nachdem ich tot schlecht ein guter Vater sein konnte -"

„Du willst, dass ich die Beschwörung für dich durchziehe, nicht wahr?"

Harry sah seinen Vater an und dieser Blick war genug, damit er verstand, dass seine Vermutung der Wahrheit entsprach.

„Wie gesagt, mein Sohn. Ich erwarte es nicht von dir, aber es würde mir viel bedeuten, wenn du es tätest. Kaylar hat keine Chance auf ein neues Leben, wenn die Magie Gryffindor's ihr nicht hilft."

Harry verließ den Friedhof nach einer etwas unterkühlten Verabschiedung gegenüber seinem Vater, schnappte sich sein Besen und flog wieder ab.


Er wusste nicht wohin er flog, nur dass er nicht zurück nach Hogwarts wollte. Noch nicht jedenfalls. Während ihm der kühle Frühlingswind ins Gesicht peitschte, durchkamen ihm die merkwürdigsten Gedanken.

Bevor er seine Eltern traf, hatte er oft über sie nachgedacht und sich ein Bild ausgemalt, wie sie wohl waren. Geschichten hörte er später erst nachdem er in die Zaubererwelt eintrat und selbst diese beschreiben ständig ein anderes Bild seiner Eltern. Die Wirklichkeit hatte er in diesem Jahr kennengelernt, weil er sie selber traf und mit ihnen sprach. Nie hätte er sie sich annähernd so vorgestellt...

Klopf, Klopf.

Jilli... Sie machte sich wahrscheinlich Sorgen, weil er einfach abgehauen war und bis jetzt noch nicht wieder zurück kam. Er wollte nicht mit ihr reden. Nicht jetzt. Nicht über das und so flog er weiter und ignorierte das Klopfen. Er landete – Wo um Merlin's Willen war er hier?! Schutt? Asche? Weit und breit nichts als freie Wiese?! Und ein Zelt... Er war auf dem Gelände des zerstörten Potter Anwesens.

Harry war noch nie hier gewesen, hatte es zwar mal in Jilli's Erinnerungen gesehen, aber das war es auch schon. Nun hatte ihn die Magie irgendwie hier her geleitet ohne, dass er es beabsichtigt hatte. Ihm kam es gar nicht so lange vor, dass er auf dem Besen geflogen war. Er stellte seinen Besen an einem Schutthaufen ab und schritt umher. Das Gelände war riesig... Er stutzte, als er das Abbild der ihm mittlerweile bekannten Hexe erkannte, welches unweit vor ihm ebenfalls auf dem Gelände herum spazierte. Sie blickte zu ihm herüber und lächelte zärtlich. Patricia Potter, so wie er sie in der Erinnerung heute gesehen hatte. Für ihn hatte sie einen sehr warmherzigen Ausdruck, den er mochte. Es erinnerte ihn an Jilli und ließ ihn sich weniger allein fühlen.

Das Abbild verblasste und Harry sank müde auf ein Haufen Schutt hinab. Er verstand es einfach nicht. Sein Vater sagte, Steward wäre nicht mehr als eine Freundin, und er konnte tatsächlich damit leben, dass sie seine Schwester getötet hatte? Harry glaubte – nein, er wusste, dass er niemals mit jemanden zusammen arbeiten könnte, geschweige denn auch nur verzeihen könnte, der jemanden so grauenvoll das Leben nahm, der ihm so viel bedeutete wie seine Schwester. Sei es seine Schwester, Sirius, Ginny oder Hermine und Ron.

Irgendwann beschloss er endlich wieder aufzubrechen. Es war spät und egal, wie lange er sich darüber Gedanken machte, er kam zu keinem richtigen Schluss sondern drehte sich lediglich dumm im Kreis umher. Er schnappte sich sein Besen und stieg in den Himmel empor. Es war Zeit zurückzukehren...

Harry war nicht weit geflogen, vielleicht ein paar Hundert Meter, da spürte er ein Brennen in seinem Körper als ob alles unter Feuer stand. Er ließ den Besen los und befand sich im nächsten Moment im freien Fall. Ein heftiger Stoß als er auf dem harten Boden aufprallte und immer noch klang die Qual nach. Der Cruciatus Fluch. Todesserroben und schwarze Stiefeln um ihn herum. Alles drehte sich vor seinen Augen als er versuchte sich aufzurichten, aber jede Bewegung schmerzte, ließ ihn ächzen. Ein Todesser kam näher und er spürte den heftigen Tritt ins Gesicht. Grauenhafter Schmerz pochte in seinem Schädel...

„Da ist ja der Kleine Potty," echote die schrille Stimme von Bellatrix Lestrange in seinen Ohren. Er hob mit aller Kraft seinen Kopf an und sah sich plötzlich Auge in Auge mit ihrem Zauberstab wieder. Sie grinste schelmisch hinter ihrer Maske – gleich würde wieder dieser unsägliche Schmerz über ihn hereinbrechen, das Feuer in ihm einheizen, dass ihm jegliche Luft zum atmen raubte... Wie konnte er nur so unvorsichtig sein... Er hatte nicht im geringsten damit gerechnet und das hatte er nun davon... Er kniff die Augen zusammen...

Aber nichts geschah. Stattdessen erstarrte die Gegend um ihn herum. Nein, nicht die Gegend. Nur die Todesser. Die Blätter an den Ästen bewegten sich durch den Wind, ein kleiner Waschbär, der ganz in seiner Nähe im Gras saß, lief zwischen den erstarrten Figuren auf ihn zu. June?

Das Brennen verwandelte sich in ein leichtes Zwicken und endlich drang wieder Luft in seine Kehle. Harry blinzelte und erkannte eine Hexe ganz plötzlich zwischen zwei Todessern aus dem Nichts auftauchen. Steward. Fast schon elegant und königlich schritt sie zwischen allen Todessern hindurch auf ihn zu, legte ihre Hand auf die seine und sah ihn mit durchdringenden tiefblauen Augen an.

Im nächsten Moment befand sich Harry woanders. Die Todesser und der Wald waren weg, der Waschbär verschwunden, stattdessen sah er eine Gegend vor sich, die einem Wald ähnelte, aber von einer Art seidener Nebel umgeben war. Es kam ihm bekannt vor... Aus einer Erinnerung von White vielleicht?

„Willkommen auf der Phowlyris Ebene," hörte er Steward's Stimme und sah erst jetzt, dass sie hinter ihm gekniet hatte. Sichtlich überrumpelt und sprachlos blieb Harry auf dem Gras sitzen und starrte die Hexe verschlossen an.

„Du warst sehr unvorsichtig," fuhr sie streng fort. „Dir ist schon bewusst, wenn wir dich nicht weiterhin beobachtet hätten, das heute hätte für dich alles andere als gut ausgehen können?"

Harry schluckte hart. Ausgerechnet Steward musste ihn aus dieser Situation retten. Es konnte nicht jemand der dutzend anderen sein...

„Ich dachte, du bist abgezogen worden?" sagte er misstrauisch. Je länger sie hier saßen, um so eher ließ der Schmerz nach. Der Schock des Angriffs verklang allmählich.

„War ich auch. June Stone hat uns benachrichtigt als sie dich zufällig hier in der Gegend bemerkt hat. Anna schickte mich daraufhin her, um sicherzugehen, dass du heil bleibst, was immer du hier auch tatest."

„Heil ja?"

Er bewegte seine Schultern, aber das zog immer noch ein unangenehmes Zwicken nach sich. Gut, er war auch nicht gerade sanft gefallen.

„Und heil bedeutet für dich nachdem sie mich mit dem Cruciatus Fluch vom Besen hauen?"

„Ich bin eine Phowlyris. Kein Solelyaner. Ich kann nicht fliegen," entgegente sie als sei das selbstverständlich, dass sie erst wartete, bis er sich ein paar Knochen gebrochen hatte.

„Und Solelyaner können das?!"

„Was glaubst du denn, wie Finley Cober dich und Jilli damals befreit hat?"

„Err... okay..."

Er war immer noch irritiert, dennoch gleichzeitig auch froh dass zumindest ein Teil des Schmerzes kaum mehr spürbar war.

„Ich bring dich zurück nach Hogwarts. Glaubst du, du kannst aufstehen?"

„Ich uhm -"

Er versuchte es, aber allein die Bewegung sich auf die Beine zu hieven ließ ihn wieder zurück zu Boden sinken. Nicht, weil er keine Kraft hatte, sondern weil ein Schmerz durch seine Nerven zog, der einfach nur unerträglich für seine Sinne war.

„Dann werde ich dich direkt hinein bringen," sagte Steward und war dabei ihn wieder zu berühren, da trafen sich die Blicke der beiden und sie stoppte auf halben Wege. Misstrauisch runzelte Harry die Stirn.

„Was?" fragte er finster. Sie zog ihre Hand wieder zurück und sah ihn erneut eindringlich und prüfend an.

„Ich bin keine Empathin, wie Anna White. Ich beherrsche auch keine Legilimentik. Das heißt jedoch nicht, dass ich meinem Gegenüber nicht ansehe, wenn er mir gegenüber feindlich gesinnt ist – so wie du gerade, Harry."

Er schluckte erneut. Wenn sein Vater recht hatte, dann spielte es keine Rolle, wenn er nun die Wahrheit sagte. Wenn nicht, war es nicht besser es jetzt zu erfahren? Nur erfahren... Nicht enttarnen.

„Du hast meine Tante getötet," sagte er schließlich. Was als Reaktion kam, war mehr als nur verwunderlich. Steward lächelte – war es listig? Belustigt? Falsch?

„In der Tat," sagte sie indes und hierbei war er sich sicher, dass sie das Geschehene kein Stückchen bereute. Ihre Stimme, ihre Haltung, ihr Ausdruck – all das wirkte auf ihn eher überlegen und hatte nichts mit einer Person gemein, die auch nur irgendetwas gutes im Schilde führte.

„Scheint also als ob ich falsch lag," fuhr sie mit kalter Miene fort. „Du bist weniger wie dein Vater als ich dachte."

„Vielleicht, weil ich mehr gesehen habe und deswegen vorsichtiger handle."

Steward lachte und Harry zuckte überrascht auf. Sie lachte frustriert... frustriert? Auf einmal sah er etwas in ihren Augen, welches ihm bis dahin nie aufgefallen war. Es machte die ganze Person, die bei ihm kniete, zu jemand ganz anderem. Nicht mehr überheblich oder unnahbar. Nur noch zerbrechlich.

„Ich schulde dir keine Erklärung, Harry – Aber ich werde sie dir geben."

Worte, die ihn mehr erstaunten und überrumpelten als er in diesem Moment wirklich wahrnahm. Nun verstand er auch was sein Vater meinte mit kein berechnendes Wesen sein.

„Ich habe für Voldemort gearbeitet, weil er derjenige war, der mich aus einer Jahrhundertelangen Gefangenschaft in einem kalten Stein befreit hatte und ich habe daraufhin viele Morde in seinem Auftrag begangen. Bei jedem einzelnen davon ging ich ohne Gefühle heran und mir machte es auch nichts aus, dass ich sie dabei quälte, dass sie um Hilfe schrien oder wie schrecklich es für irgendeinem von ihnen war. Ich hielt mich nicht zurück sondern genoss es ihnen das Leben zu entreißen. Patricia Potter bildete keine Ausnahme.

Ich war perfekt darin mich von so etwas nicht beeinflussen zu lassen, denn ich war Jahrhundertelang in einem Stein gefangen. In einer Welt in der es niemand und nichts anderes gab als mich. Keine Menschenseele, mit der ich hätte reden können. Nicht mal ein Tier oder eine andere Kreatur.

Zorn, Wut, Sehnsucht nach Rache, das alles frisst dich auf. Du empfindest kein Mitleid mehr, keine Reue. Mir gefiel es, wenn andere litten, denn ich habe sie an die Stelle des Mannes gesetzt, der mir das angetan hat. Ich fühlte mich klasse, wenn ich sah, wie das Licht in ihnen erlosch, denn jedes Mal wusste ich, dass es das war, was Godric Gryffindor nicht wollte.

Ich dachte zumindest, dass ich mich gut fühlte. Aber Rache ist eine Lust, die dich nur für den einen Moment befriedigt, nicht aber auf lange Sicht. Rache frisst dich auf bis nichts mehr übrig ist an das es sich nähren kann und dich mit nichts als tiefer Leere zurücklässt.

Ich hatte Glück. James zeigte mir, dass es anders geht. Stärker als Rache ist das Gefühl, das dir zuteil wird, wenn du jemanden wichtig bist. Ich habe es nicht bereut Patricia Potter getötet zu haben. Ich habe es genossen, weil sie das Blut des Mannes in sich trug, der mich in dieser unendlichen Einsamkeit eingeschlossen hatte.

Ich bereute es aber nachdem Voldemort mich wieder in einem Stein einschließ, weil ich mit deinem Vater zusammen arbeitete, und ich nichts als meine neuen Gedanken hatte, um mich zu beschäftigen."

So groß wie die Wut in ihm den ganzen Abend über auch gewesen war. Nun war sie vergangen. Es waren diese Worte, die er hören wollte und sie klangen nicht nur ehrlich. Er fühlte, dass sie das sprach, was sie fühlte. Deswegen glaubte sein Vater und die anderen im Orden an Steward's Loyalität.

„Und es tat gut, es zu bereuen."

Harry sah überrascht auf. Noch nie hatte er so etwas gehört und es war für ihn gar ein wenig unvorstellbar. Wie soll es gut sein, etwas zu bereuen?

„Besser als die Rache, die ich empfand oder die Genugtuung, als ich bekam, wonach ich solange durstete. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein – wer kann schon sagen, was in einem menschlichen Wesen vor sich geht – aber in meiner zweiten Gefangenschaft in diesem Stein, hatte ich das Gefühl als ob sie mir verziehen haben. Alle, denen ich für Voldemort oder Slytherin das Leben nahm.

Ich sah ihre Gesichter, ich bat sie um Vergebung und in diesem Moment hat mich dein Vater aus diesem Verließ befreit als ich dachte diesmal wirklich für immer und ewig lebendig im Nirgendwo begraben zu sein.

Es tut mir leid, dass ich Patricia Potter getötet habe. Ich kann die Zeit nicht rückgängig machen. Ich kann nur versuchen das richtige zu tun."

Harry sah sie kurz an, dann nickte er jedoch.

„Okay..." sagte er leise. So etwas hätte er nie von Snape zu hören bekommen und Pettigrew kam nur mit Ausreden daher als er aufgeflogen war. Steward tat das nicht und vielleicht war es das, was ihn mit diesem Kapitel endlich abschließen ließ.

Steward war in der Tat nicht wie Snape. Nun sah auch Harry in ihr das, was sein Vater sah und was Jilli ihn vielleicht auch erklärt hätte, wenn er sie nur zu Wort hätte kommen lassen.

„Gehen wir zurück," sagte er schließlich und Steward nickte. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und auch wenn ihn wieder ein gewisser Schmerz durch die Knochen zog. Es war nicht mehr ganz so schlimm gewesen. Für die Reise zurück nach Hogwarts nahm er es in Kauf.


Pomfrey hatte ihn dieses Mal verarztet (und Harry war froh darum, denn Stradford hatte beim letzten Mal gedroht ihn ans Bett zu fesseln und er wollte ungern herausfinden, ob die Heilerin ernst machen würde oder nicht). Es dauerte wie erwartet eine gewisse Zeit ihm all die Medizin hineinzuschaufeln, damit seine gebrochenen Knochen und blaue Flecke wieder heilten, aber am Ende beließ sie es dabei, dass er nicht im Krankenflügel blieb, sondern in seinem eigenen Schlafsaal schlafen konnte.

Dass dies womöglich erst nach einer Aufforderung von Professor White kam, schlussfolgerte Harry als er den Krankenflügel verließ (humpelnd und mit bandagiertem Bauch) und auf besagte Schulleiterin traf. Brauchte kein Hellseher, um zu wissen, dass sie auf ihn gewartet hatte.

„Professor," sagte er vorsichtig. Er ahnte, dass sie nicht hier war, nur um sich nach seinem Zustand zu erkundigen.

„Harry," sagte sie für seinen Geschmack zu höflich. Irgendwie war er sich nun sicher, dass es kein nettes Gespräch wird. „Folge mir."

Er tat wie gefordert und hielt mit ihr Schritt als sie den Gang in keine bestimmte Richtung gingen.

„Ich nehme an, deine Zeit mit der Kerze hat sich nicht geändert?"

„Uhm," machte Harry unangenehm. „Nein... leider nicht."

„Patricia hat auch mir sehr viel bedeutet," sagte sie auf einmal und Harry blinzelte verwundert. Das war ein merkwürdiger und plötzlicher Themawechsel. „Ich hab zu ihr aufgesehen und sie war für mich wie eine große Schwester. Mit Kaylar zusammenzuarbeiten war daher auch für mich nicht leicht und ich habe ihr noch lange misstraut, nachdem dein Vater sie auf unsere Seite zog. Für den Orden war es sicherlich das Richtige. Ist es das Richtige. Keiner von uns hätte heute so schnell zu deiner Hilfe eilen können, wie es Kaylar tat und erst recht hätte es einer alleine nicht mit den Todessern aufnehmen können in der Weise wie sie es in der Lage war."

„Sie sagte, ich stand immer noch unter Beobachtung?"

„So wie man dich eben beobachten kann," sagte White mit einem milden Lächeln. „Auf dem Besen einfach Hogwarts zu verlassen war leichtsinnig. June hat dich nur zufällig gesehen und ist dir dann gefolgt – was nicht leicht war, wäre sie kein Animagus. Das du heute mit ein paar Knochenbrüchen und blauen Flecken entkommen bist, ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken.

Einem Zufall, auf den wir nicht immer bauen können. Heute Abend bist du nur sehr knapp Bellatrix Lestrange, ihrem Mann und ihren Leuten entkommen. Dieselben, die damals Alice und Frank Longbottom gefoltert haben bis diese verrückt wurden."

Wenn es ihre Absicht war ihm ein noch schlechteres Gewissen zu machen als er schon besaß, indem sie ihm vor Augen führte, was ihn hätte blühen können – tat sie das mit Erfolg. Er fühlte sich schlechter...

„Du solltest es heute Abend noch mal mit der Kerze probieren."

„Uhm?"

„Ich denke, du wirst überrascht von dir selber sein, wie die heutige Erfahrung dich beeinflusst hat."

„Err – okay."

Er wurde konfuser von Sekunde zu Sekunde. Irgendwie hatte er mit diesem Verlauf des Gespräches so nicht gerechnet. Professor White war merkwürdig ruhig als ob der heutige Tag, so wirr er auch verlaufen war, auch gut eine Lehrstunde hätte sein können.

„Keine Standpauke mehr?" fragte er ohne wirklich zu wissen, warum er das laut aussprach. Es war nur wirklich überraschend, dass sie ihm keine Predigt hielt. „Kein Wutanfall oder rügender Blick?!"

White lächelte amüsiert

„Bedank dich bei deinem Vater und deinem Patenonkel. Ich habs aufgegeben euch jedes Mal den Kopf zurechtzurücken und belass es auf die wenigen Male, wozu ich noch Kraft habe. Würde ich einen Knut bekommen für jede Rede, die ich euch halte, wenn ihr wieder so ein Mist baut, wäre ich reicher als deine Vorfahren es waren. Das kann ich dir garantieren."

Harry grinste auf ihren spitzen Blick hin.

„Nun, du kennst jetzt alle unsere Alliierten. Es wird Zeit für dich unsere Feinde besser kennenzulernen."

„Todesser?"

„Wesen," verbesserte sie ihn. „Es wäre nur Zeitverschwendung dir alle Todesser zu zeigen, und die, die du wissen solltest, die kennst du bereits alle. Du weißt, dass Voldemort Werwölfe, Dementoren, Riesen und die ewige Phowlyris auf seiner Seite hat. Aber es gibt noch mehr und du musst dich auf diese vorbereiten, bevor er merkt, dass seine Todesser nicht weiterkommen und er diese Geschütze auffahren muss, um an dich und Jilli ranzukommen."

„Uhm – so wie Inferi?"

„So wie Inferi. Richtig."

Sie blieb stehen und sah ihn sehr streng an. Ihre Blick war durchdringend und hart und Harry verstand, dass sie ihm das mitteilte um ihm klar zu machen dass er alles viel zu sehr auf die leichte Schulter bisher nahm. Er hatte nachgelassen und das musste nun sein Ende finden.

„Morgen Abend. Klassenzimmer für Zaubereigeschichte, um 19 Uhr. Sei pünktlich – Und keine unangemeldeten Spaziergänge in England mehr. Gute Nacht, Harry."

„Gute Nacht, Professor White," sagte er immer noch irritiert.

Nachdenklich starrte er ihr hinterher bis sie hinter einer Ecke verschwand und er alleine im Flur stand. Wieso bereitete es ihn mehr Sorgen, dass sie das nun gesagt hatte?

Sehr zu seiner Verwunderung, brannte die Kerze tatsächlich länger als gedacht. Er zog sich in den Raum der Wünsche zurück und zündete sie dort an. Trotz all der Gedanken, die er hatte, der verschiedenen Gefühle, die ihn durch den Kopf schossen und die von Schmerzen in seinen Muskeln bis hinzu Angst vor dem, was White ihm für finstere Wesen aufzeigen würde, die auf Voldemort's Seite standen, ging, brannte die Flamme. Warum?! War sie nicht mehr an seine Gefühle gebunden? Er fühlte sich irgendwie auch stärker, ruhiger. Er wusste nicht warum, aber er tat das... Vielleicht, so beschloss Harry, sollte er das besser Professor White fragen. Morgen hatte er schließlich die Gelegenheit...


Ginny und Harry hatten sich schließlich irgendwann tief in der Nacht im Gemeinschaftsraum getroffen. Alle anderen Schüler waren bereits im Bett und selbst die Fette Dame schlief friedlich im Porträt vor sich hin. Die beiden lehnten an der Fensterbank und blickten gleichzeitig zur Mondsichel hinaus. Das Wetter war klar, nichts schien auf etwas düsteres hinzudeuten, dass auf sie zukommen könnte. Harry hatte Ginny erzählt, was am Wochenende passiert war und sie hörte wie erwartet zu. Als er geendet hatte, nickte sie betrübt und sah ihn mit gefühlvollem Blick an.

„Das nächste Mal kommst du gefälligst zu mir," sagte sie zwar ernst, aber genauso klang sie auch sanft, was für ihn hieß, dass sie nicht böse war, sehr wohl aber enttäuscht. „Mit so was musst du doch nicht alleine grübeln? Ich bin immer auf deiner Seite, okay? Egal, was ist."

„... Okay..." sagte er leise.

„Ich versteh dich," fügte sie nachdenklich an. „Ich glaub auch nicht, dass ich je jemanden vertrauen könnte, der einen meiner Brüder getötet hat. Andererseits, wir wissen nicht, was damals alles passiert ist und es ist nachvollziehbar, warum Steward nun doch für den Orden arbeitet.

Ich glaub, keiner erwartet von dir, dass du ihr bedingungslos vertraust. Wenn du willst, bin ich vorsichtig für dich?"

Harry sah erstaunt auf.

Vorsichtig für mich?"

Ginny lächelte vielsagend.

„Ich werf ein Auge auf sie und achte auf ihre Schritte. Zumindest hier im Schloss. Du ahnst gar nicht, wie unvorsichtig Mitglieder des Ordens werden, wenn sie glauben, dass sie unter sich sind und was für Geheimnisse und Meinungen man mitkriegt, wenn man nur nah genug lauscht."

Harry kam nicht umhin zu lachen, denn Ginny sah richtig niedlich aus als sie versuchte mysteriös und mächtig zu wirken.

„Jedenfalls, ich halte meine Augen und Ohren offen. Wenn sie etwas im Schilde führt, finde ich es heraus. Ein Problem weniger, um das du dich kümmern musst?"

„Du hast doch genug mit Lernen zu tun?"

„Ich kann beides."

Sie strahlte ihn stolz an und Harry konnte gar nicht anders als dankbar zu sein und zurückzulächeln. Er hatte damit nicht gerechnet, aber er stellte fest wie gut es ihm tat in Ginny eine solche Verbündete zu haben.

„Danke," sagte er ehrlich und sie nickte anerkennend.