Kapitel 36

Rokko strahlte wie ein kleines Atomkraftwerk und so langsam schmerzten seine Mundwinkel vom Dauerlächeln, das er einfach nicht unterdrücken konnte. Ihn durchströmte seit dem Aufwachen vor einer reichlichen halben Stunde, ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Das erste was er gefühlt und gesehen hatte, war Lisa – seine Lisa. Alleine dieser Gedanke füllte ihn mit so viel überschäumender Energie an, dass er glaubte platzen zu müssen. Sie sah so unglaublich schön und sanft aus, atemberaubend und auch verletzlich. So friedlich wie sie da lag, verspürte er das Bedürfnis, sie am liebsten für immer so in ihrem Schlaf bewachen zu wollen. Ihm ging nach und nach ihr gesamtes Gespräch durch den Kopf und wieder empfand er die Erlösung mit jedem Missverständnis, das sich aufklärte. Er hatte am Abend mehr über sie erfahren, als in der gesamten Zeit vorher und auch sie hatte sich zum ersten Mal aufrichtig für sein Leben und seine Träume interessiert. Als sie ihm dann noch so gefühlvoll beschrieb, was sie für ihn empfand, da war ihm klar geworden, dass er sich wieder auf sie einlassen würde, wollte und auch konnte. Es war ein wirklicher Neuanfang und er wollte ihn nutzen. Ganz sacht berührte er ihren Bauch. Ja, ihre Nacht war nicht folgenlos geblieben und die Vernunft sollte ihn wohl eigentlich warnen, dass sich die Dinge so überstürzten, dass die Gefahr bestand, den Überblick zu verlieren. Jetzt im Nachhinein wunderte es ihn so gar nicht, dass Lisa schwanger war. Nein, eigentlich war es die logischste Sache der Welt. Damals in dieser Nacht, da hatten sie beide erfahren, was es bedeutet wahrhaftig zu lieben. Im Rückblick begriff er nicht mehr, wie sie das bei ihrem Streitgespräch am folgenden Morgen, auch nur für den Bruchteil einer Sekunde außer Acht hatten lassen können. Das ergab nicht den geringsten Sinn. Sehr wohl ergab es aber einen Sinn, dass aus so einer Liebe etwas erwuchs, was über die beiden beteiligten Menschen hinausging. Erich Frieds Klassiker geisterte ihm plötzlich durch die Gedanken. ‚Es ist Unsinn sagt die Vernunft. Es ist was es ist, sagt die Liebe…', flüsterte er.

„Was ist Unsinn?", murmelte Lisa ihm verschlafen zu.

„Das wir solange gebraucht haben, um auf die Stimme der Liebe zu hören." Er zog sie noch etwas dichter zu sich, worauf Lisa sich sofort bereitwillig an ihn kuschelte.

„Und was sagt diese Stimme?", fragte sie wohlig seufzend.

„Das wir, das heißt du und ich und das Kleine, das wir zueinander gehören."

Sie drehte sich ein wenig, um ihm direkt in die Augen zu blicken und schenkte ihm ein Lächeln, dass ihm ganz anders wurde. „Ist das wahr, tun wir das?"

„Ja Lisa, da bin ich mir ganz sicher." Er streichelte ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ließ ihren Blick nicht mehr los.

„Ach Rokko, du weißt gar nicht wie glücklich ich bin. Da ist keine Angst und kein Schmerz mehr, nur noch dieses Gefühl ganz geborgen und ich selbst zu sein, nur weil du bei mir bist." Lisa legte ihre Hand auf seine Brust und ließ ihre Wange über seine streicheln. Sie schloss die Augen und spürte seinen Herzanschlag. Unendlich genossen beide diese Nähe und die innere Ruhe, die sie darin fanden. Langsam trafen sich ihre Lippen und blieben zunächst einfach aufeinander liegen. Sie wollten jede Berührung ganz intensiv spüren und ließen sich unendlich viel Zeit sich gegenseitig wahrzunehmen. Es war ganz anderes als in jener Nacht, als sie wie zwei Verhungernde beinahe schon übereinander hergefallen war. Und doch war da das gleiche Gefühl, völlig ineinander aufzugehen. Sie lernten sich an diesem Morgen langsam neu kennen, entdeckten ihre Körper und Seelen mit einer Behutsamkeit, die keinen Platz mehr für ungeklärte Fragen lies.

Später lagen sie noch lange beieinander und keiner wollte den Augenblick zerstören. Schließlich war es Rokko der genau das aussprach.

„Ich möchte am liebsten für immer hier so mit dir zusammen sein. Alles was die Welt da draußen ausmacht, weißt du, der Trubel, die Hektik und die fürchterliche Nüchternheit, das alles möchte ich von uns fern halten."

Ja, ich fühle was du meinst, aber weißt du spätestens wenn im November die Wehen einsetzen, wird dieser Plan scheitern, mein lieber Rokko", grinste ihn Lisa schelmisch an.

„Na wenn das so ist, haben wir ja noch jede Menge Zeit. Die könnte ich nutzten, um dich mal so richtig durchzukitzeln."

„Untersteh dich", quiekte sie auf, doch es war schon zu spät und Rokko hatte begonnen seine Finger über ihren Körper grabbeln zu lassen. Schließlich war Lisa trotz ihrer Versuche sich zu wehren, völlig außer Atem. „Hör auf! Bitte!"

„Ergibst du dich?"

„Ja … Ja!", lachte sie auf.

„Okay, dann will ich aber noch einen Kuss."

„Na gut, aber danach muss ich aufstehen, hörst du?"

„Och nööö. Muss das denn wirklich sein?"

„Rokko, ich muss doch heute noch zurück nach Berlin, ich hab dir doch gestern von meiner Firma erzählt."

„Ja du hast Recht. Lass uns frühstücken und überlegen, wie wir jetzt damit umgehen wollen. Ich hasse den Gedanken, dich schon wieder gehen lassen zu müssen", seufzte er traurig.

„Ich finde es auch ganz furchtbar, aber wir schaffen das, nicht wahr?"

„Wir schaffen alles was wir uns vornehmen, solange wir es nur beide wollen", sagte er eindringlich liebevoll, setzte dann aber wieder ein spitzbübisches Lächeln auf. … „Wenn ich allerdings meinen Kuss nicht augenblicklich bekomme, dann….."

„Dann was?"

„Dann wird meine Rache grausam sein."

„Okay, das riskier ich lieber nicht", lachte sie und beugte sich zu ihm vor, um ihn zärtlich zu küssen, bevor sie sich schweren Herzens löste, um ins Bad zu verschwinden.

Feli knurrte einen tiefen Brummton und schloss die Augen. ‚Wenn ich meine Augen wieder aufmache ist er weg. Er ist nur eine Halluzination, so was soll es ja geben nach übermäßigem Alkoholgenuss.'

Sie verharrte noch einen Moment in dieser Position und zog dann, ganz vorsichtig ihr rechtes Augenlid einen Spalt weit auf. ‚Mist! Immer noch da!' Doch es kam noch schlimmer, denn die vermeintliche Halluzination begann sich zu bewegen und öffnete nun ebenfalls ihre Augen.

„Guten Morgen schöne Frau!", kam es noch etwas verknautscht, aber doch schon in einer sehr sonoren Tonlage, die erkennen lies, dass ihr Sprecher genau in solchen Äußerungen geübt war.

Felicitas stöhnte entnervt auf. „Verschone mich mit einem solchen Geschleime! Einen solchen Mist habe ich in meinem Leben schon reichlich zu hören bekommen. Das hier – was immer es war – wird einmalig bleiben. Da kannst du so tief wie du willst in die Casanova-Trickkiste greifen, ist das klar?"

„Na hör mal, ich darf doch wohl noch einen guten Morgen wünschen", antwortete David pikiert.

„Nein, darfst du nicht! Du hast die Situation schamlos ausgenutzt und ich war anscheinend zu betrunken um das schlimmste zu verhindern. Du hast also bekommen was du willst und jetzt verschwinde!", fauchte sie zurück.

Nun funkelte auch in Davids Augen der Zorn auf. „Na prima! Madame will das Opfer sein. Gefällst du dir eigentlich gut in dieser Rolle? Ich meine, bitte, wenn du es brauchst! Aber es wäre schon toll wenn du dich da mal entscheiden könntest. Wir Männer haben nämlich auch Gefühle, weißt du?"

„Seit wann? Seit ihr entdeckt habt, wie man ein Herz bricht? Empfindet ihr seit dem Freude, oder was?"

„Jetzt komm mal wieder runter, ja? Du hast mich gestern ständig vor die Wand laufen lassen, aber zum Trösten war ich dann gut genug. Mein Gott, 2 ½ Stunden versuche ich dich zu beruhigen und deine Tränen zu stoppen, bis du schließlich einschläfst und jetzt gönnst du mir nicht mal 2 ½ Minuten nach dem Aufwachen, ohne mich anzugiften. Nennst du dass etwa fair?"

Feli blickte ihn entsetzt an. 2 ½ Stunden? Tränen stoppen? Was sollte das bedeuten? Sie waren immerhin nackt, das wies doch wirklich auf etwas anderes hin. Sie verfluchte das Pochen hinter ihren Schläfen und versuchte noch einmal verzweifelt, sich an irgendetwas zu erinnern, doch Fehlanzeige. Ihr wurde nur schwindelig und so ließ sie sich kleinlaut auf das Kissen zurück sinken.

„Haben wir denn nicht?", fragte sie kläglich und ihre ganze Aufgebrachtheit war zu einem Häufchen Elend zusammen gesunken. David seufzte auf. Diese Frau würde ihn ganz sicher zwei seiner Lebensjahre kosten, wenn das hier so weiter ging. ‚Na ja, das ist wahrscheinlich die ausgleichende Gerechtigkeit, für den Unsinn, den ich sonst ständig verzapfe', dachte er dann aber.

„Kannst du dich denn an gar nichts mehr erinnern?", fragte er deshalb mit einem versöhnlichen Unterton.

Feli schüttelte mühsam den Kopf und so sehr sie sich dafür auch hasste, sie spürte, wie ihr bereits neue Tränen hinter den geschlossenen Augenlidern brannten. Sie kam allerdings nicht mehr dazu, sich darüber Sorgen zu machen, denn im nächsten Augenblick hatte sie das Gefühl, dass sich ihr Magen auf links drehte. Sie sprang auf, stieß noch schnell ein gequältes „Warte!" in Davids Richtung und verschwand dann im Bad. David war sich unsicher, was er tun sollte. Da sie offenbar nicht wusste, ob es ihr nun lieber war, wenn er ging oder bleib, entschied er sich zu bleiben. Ihr ins Bad zu folgen, um ihr seine Hilfe anzubieten, wollte er dann aber doch nicht riskieren, denn dazu war sie ihm definitiv zu unberechenbar. So zog er sich an und suchte die Küche, um ihr einen Tee zu kochen. Er fand auch gleich die Hausapotheke und löste ihr auch noch ein Aspirin auf. Es dauerte eine ganze Weile bis Felicitas schließlich vom Bad aus ins Gästezimmer zurück schlich. David sah sie fragend an.

„Geht es wieder?"

„Hm, ist besser jetzt."

Er wies auf das Tablett, auf welches er, neben den Getränken noch etwas Zwieback gelegt hatte.

„Katerfrühstück. Magst du?"

„Danke, das ist lieb von dir." Sie nahm vorsichtig einen kleinen Schluck des heißen Tees und genoss das belebende Gefühl, das sich nun in ihr breit machte.

„David, erzählst du mir was passiert ist?"

„Ja natürlich. An was erinnerst du dich denn noch?"

„Wir haben uns unterhalten und dann habe ich angefangen zu weinen, wegen Simon und deshalb haben wir uns darüber unterhalten, dass wir beide nicht für die Liebe bestimmt sind. Danach fehl alles."

„Nun ja, so ungefähr war es. Du hast darauf bestanden, dass wir nicht zu den Menschen gehören, die jemals die wahre Liebe finden. Du, weil du zu chaotisch bist und ich, ich sei zu schnöselig und arrogant. Du warst wirklich verdammt direkt. Jedenfalls wollte ich dir erklären, dass ich inzwischen schon ein wenig dazu gelernt habe und durchaus die Hoffnung noch nicht aufgeben will, jemanden zu finden, mit dem ich glücklich sein kann. Du hast nur gelacht und mir eine Wette vorgeschlagen."

„Eine Wette?"

„Hm, du hast vorgeschlagen, dass wir die Nacht miteinander verbringen. Wir würden uns nicht mögen, aber durchaus den Sex genießen können und das wäre der Beweis, dass wir eben nicht für die richtige Liebe bestimmt sein. Du hast gesagt, wenn wir zufrieden aufwachen, dann hättest du gewonnen. Die Sache würde dadurch klar werden und es gäbe dann schließlich auch keinen Grund mehr, warum du wegen Simon heulen müsstest.

„Das ist nicht dein Ernst, oder?", fragte Felicitas ungläubig und beschämt.

„Doch, genau so war es."

„Es tut mir leid, ich weiß wirklich nicht, welcher Teufel mich da wieder geritten hat."

„Das muss dir nicht Leid tun. Du hast vorhin schon irgendwie Recht gehabt. Ich hätte erkennen müssen, dass du das nur aus deinem Schmerz heraus wolltest. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, habe ich das Gefühl, du wolltest dich selbst bestrafen, weil Simon deine Gefühle nicht erwidern will. Aber weißt du, ich war selbst so furchtbar betrunken und da hat sich auch mein Selbstmitleid gemeldet. Davon ab, einer schönen Frau zu widerstehen, wird mir wohl immer schwer fallen, auch da hast du Recht."

Feli schloss erneut die Augen und schickte ein Stoßgebet zum Himmel. ‚Bitte, lass es doch nur ein Traum sein, Bitte! So einen Unsinn kann ich doch gar nicht gemacht haben. Ich trinke auch nie wieder Alkohol – Nie wieder!'

„Alles okay mit dir?" David überlegte, ob sie wohl gleich wieder ins Bad musste und ob es nicht vielleicht besser wäre, wenn er einen Eimer für den Notfall suchen sollte. Ein Schauer des Ekels lief ihm bei diesem Gedanken über den Rücken und wenn er eine solche Hilfe nicht schon oft genug selbst hätte beanspruchen müssen, wäre er wohl weg gelaufen. Er dachte daran, wie Max sich einmal in seinen Kleiderschrank übergeben hatte. Es hätte nicht viel gefehlt und der Anblick dessen, sowie der Geruch hätten ihn beinahe dazu gebracht, es seinem Freund gleich zu tun. Fast panisch hatte er damals nach Gabriela gerufen und das Zimmer erst wieder betreten, als es absolut keimfrei war. Nun musste er doch schmunzeln. Ja die gute Gabriela. Sie hatte ihn wirklich schon oft gerettet. Irgendwann musste er sich unbedingt dafür erkenntlich zeigen. Vielleicht war es ja ein Anfang, wenn er Feli jetzt half, denn dann hatte Gabriela ihm doch in gewisser Weise etwas beibringen können und ihn nicht nur bedient. „Soll ich vielleicht einen Eimer besorgen oder ein feuchtes Tuch oder so?"

Wenn es Felicitas nicht so elend zumut gewesen wäre, hätte sie vermutlich lachen müssen. David kam ihr gerade vor, wie einer der Männer, die im Film immer die völlig panische Vaterrolle übernahmen, während die Frau in den Wehen lag. Sie stellte sich David vor, wie er mit Grauen in den Augen fragte: "Was soll ich nur tun?" und ihn darauf jemand Handtücher und heißes Wasser holen schickt, nur um ihn los zu werden. Doch angesichts ihrer eigenen Scham, über das, was geschehen war, konnte sie selbst dieses Bild nicht erheitern.

„Danke David, aber mir ist nicht mehr übel, jedenfalls nicht so. Es ist nur, ich kann einfach nicht glauben was ich da für eine gequirlte … na du weißt schon. Ich fühle mich schrecklich und du musst mich doch für eine hysterische Vollidiotin halten."

„Ach weißt du, ich würde sagen du bist da an genau den Richtigen geraten. Ich habe in meinem Leben nicht nur einen Morgen erlebt, an dem ich feststellen musste, dass ich so überhaupt kein Fettnäpfchen ausgelassen habe und du kannst mir glauben, ich habe schon wildere Sachen, als das hier angestellt. Nur im Gegensatz zu dir, habe ich mich nie allzu sehr dafür geschämt und nur überlegt, wie ich Schadenbegrenzung für mich selbst betreiben kann. Das ist etwas, für dass ich mich schämen sollte. Du hast eben nur überreagiert, weil du emotional nicht mehr ein noch aus wusstest. Und du erkennst deinen Fehler, also kannst du es in Zukunft besser machen. Wirklich, du solltest das nicht ganz so negativ sehen. Im Vergleich zu meinen Leistungen auf diesem Gebiet, erhältst du mit viel Wohlwollen höchstens ein befriedigend im Fach „Wie mache ich mich zum Vollidioten". Nee, an den Meister kommst du nicht mal annähernd ran. Und du brauchst dir auch keine Gedanken zu machen, denn ich weiß auch, wie wichtig Diskretion bei so etwas ist. Es ist also ganz alleine deine Sache, wie viel du jemals über diesen Abend erzählen wirst."

„David du kannst richtig lieb sein. Danke! Aber sag mal, was war dann, also ich meine … also haben wir nun…?"

„Na ja, wir sind dann nach hier gefahren. Und ja, wir haben versucht deine Wette umzusetzen."

„Versucht?"

„Doch, wir haben mit einander geschlafen. Also es war auch schön, zweifellos. Also zumindest hast du den Eindruck erweckt, dass es dir auch gefallen hat … bis…"

„Bis was?"

„Bis du mich Simon genannt hast."

„Oh je, das darf doch jetzt wirklich nicht wahr sein! Mir ist das umgekehrt auch einmal passiert, da hab ich den Typen direkt rausgeschmissen. Bist du sehr sauer?"

„Erst war ich schon etwas irritiert, aber dann hast du eben ganz schrecklich angefangen zu weinen und da ist mir klar geworden, wie sehr du Simon liebst. Da konnte ich nicht sauer sein. Außerdem warst du ja mehr als ehrlich, als du diese Wette angeleiert hast. So gesehen habe ich sie wohl gewonnen. Wir haben es nicht geschafft miteinander zu schlafen und glücklich dabei zu sein. Ich meine, es war nicht mal so, dass wir danach das Gefühl hatten, wenigstens körperlich ausgefüllt zu sein. Also wenn man deiner Wettlogik folgt, dann können wir jetzt durchaus noch Hoffnung haben, doch noch die große, wahre Liebe zu finden, meinst du nicht auch?"

Feli wusste nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollte und so tat sie einfach beides und David wartete geduldig bis sie sich beruhigt hatte.

„Was soll ich denn jetzt nur machen?"

„Du liebst ihn, oder?"

Felicitas nickte und blickte ihn mit großen fragenden Augen an, ganz so, als sei er die Lottofee, die ihr die Zahlen schon im Vorhinein offenbaren konnte. Er musste schmunzeln. Diese Frau war ganz sicher verrückt und er wusste einfach nie, was sie als nächstes tun würde. Er hoffte sehr, dass Simon gute Nerven hatte, wenn er sich entscheiden sollte, sich doch auf sie einzulassen.

„Geh zu ihm und rede mit ihm. Finde heraus warum er meint, dass er dich nicht glücklich machen kann. Vielleicht gibst du ihm wirklich die Chance dein Freund zu werden und vielleicht ändert er ja seine Meinung."

„Das kann ich nicht David."

„Warum?"

„Ich weiß nicht, ob ich es schaffe nur mit ihm befreundet zu sein und außerdem muss ich ihm dann ja von uns beiden erzählen. Er hatte so wie so, die Idee dass du der richtige Mann für mich sein könntest, da glaubt er mir doch nie, dass ich ihn wirklich liebe."

„Er glaubt, dass ich und du? Das wird ja immer verzwickter. Hat er da vielleicht etwas falsch verstanden und will deshalb nicht?"

„Nein, diese Idee hatte er einfach so. Er meint wohl, dass ich bei dir genug Freiheiten finde, um mich selbst zu verwirklichen und dass ich dir dafür beibringen könnte, wie sich wahre Liebe anfühlt, oder so ähnlich."

„Na dass haben wir heute Nacht ja gründlich widerlegt. Aber willst du es ihm denn überhaupt sagen? Manchmal kann es vielleicht auch besser sein, ein Geheimnis für sich zu behalten, findest du nicht?"

„Nein David! Ich baue kein Fundament auf unausgesprochenen Stolpersteinen. Glaub mir, wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann das. Aber deswegen weiß ich ja auch nicht, ob ich es schaffe, ihm noch einmal entgegenzutreten."

„Solltest du aber, wenn du nicht darüber verrückt werden willst. Ganz ehrlich, sprich mit ihm und kläre das."

„Ich überlege es mir, okay? Heute fahre ich erst mal mit zurück nach Berlin und verdaue das Alles ein bisschen. Dann kann ich mir ja immer noch überlegen, ihn anzurufen oder vielleicht einen Brief zu schreiben. Im Moment möchte ich einfach nur weg hier, kannst du das verstehen?"

„Ob ich das verstehen kann? Das letzte mal, als ich in so einer Situation war, bin ich auf Weltreise gegangen. Aber vor mir selbst konnte ich dann doch nicht davon laufen. Überleg es dir ernsthaft, bevor du es zu sehr bereuen musst, einverstanden?"

„Ja mach ich. Du David?"

„Ja?"

„Für einen überheblichen, arroganten und nervenden Schnösel bist du gar nicht so übel, weißt du das?"

„Oh, danke! Du bist aber für eine nervende, chaotische Zicke auch sehr nett, ganz ehrlich."

Sie grinsten sich an und David erhob sich.

„Hör zu, ich versuch jetzt mal herauszufinden, wo sich Jürgen und Lisa befinden und ob die beiden mit nach Berlin kommen. Vielleicht solltest du die Zeit nutzen und dir noch etwas Ruhe gönnen. Wenn wir soweit sind, hole ich dich ab. Was hältst du davon?"

„Klingt gut. Ich glaube ein bisschen mehr Schlaf und ne Dusche würden mir wirklich gut tun."

Sie drückten sich zum Abschied, bevor David die Wohnung verlies.