Warum tust du das?
Sara wollte gerade ihr Zimmer betreten, als Kurtis die Tür öffnete und aus ihrem Zimmer kam.
Er sah sie und blieb stehen.
Verwundert blickte Sara ihn an: ,,Hey…´´ grüßte sie, ,,…Wir sind gerade zurückgekommen. Zip und Alister sind drüben in eurem Zimmer…Warst du bei Lara? Geht es ihr besser?´´
,,Das…em weiß ich nicht…´´ entgegnete er und er wusste es wirklich nicht.
Als er vorhin aufgewacht war, war Lara weg gewesen. Er war natürlich sofort aufgestanden, hatte seine Kleider wieder angezogen und jetzt stand Sara vor ihm.
,,Wie du weißt es nicht?…´´ wiederholte Sara, ,,…Sie muss doch was gesagt haben, oder schläft sie etwa noch?´´
,,Nein, sie ist nicht da drin.´´ sagte Kurtis und zeigte mit dem Finger hinter sich auf die Zimmertür.
,,Wo ist sie?´´ fragte Sara.
,,Keine Ahnung? Eben war sie noch da…´´ begann Kurtis und machte Anstalt an Sara vorbei zu gehen, doch sie hielt ihn zurück: ,,Du musst doch wissen, wo sie ist, oder hat sie dir nichts gesagt?´´
,,Nein, hat sie nicht, ich bin aufgewacht und sie war weg…´´ antwortete er und dann kam ihm, das er sich beinahe verplappert hatte.
,,Wie du bist aufgewacht?…Hast du auch geschlafen, oder was?´´ fragte Sara, deren Verwunderung zusehends wuchs und konnte dem wirren Gerede von Kurtis nicht wirklich folgen.
,,Geschlafen?…´´ wiederholte er, ,,…Ob ich auch geschlafen habe?…Naja etwas. Ich bin wohl eingenickt…´´ er redete nur Unsinn und das merkte er selbst. Seine Zunge verknotete sich regelrecht, so überwältigt, war er noch, von dem, was eben passiert war.
Sara blickte ihn weiterhin verwirrt an: ,,Geht es dir auch wirklich gut, Kurtis? Du redest etwas wirr!´´
Kurtis räusperte sich: ,,Ja klar, mir geht's prima. Also ich werde dann mal Lara suchen gehen, weit kann sie schließlich noch nicht sein!…´´ er grinste verlegen und gestikulierte mit den Händen vor sich herum und als Sara erneut Anstalt machte etwas zu sagen, kam er ihr zuvor, ,,…bis dann…´´
Kurtis klopfte ihr dann leicht auf die Schulter, trat an ihr vorbei und schritt in Richtung Aufzug. Er musste Lara finden und mit ihr reden…
Sara blickte ihm mit dem selben Gesichtsausdruck nach, den sie schon die ganze Zeit hatte.
…Irre ich mich jetzt, oder ist der etwas durcheinander?…
Sara war sich sicher, das etwas vorgefallen sein musste, denn es war ihr neu, das Kurtis sich so verhielt.
Sie war Detektive und roch es förmlich, wenn jemand etwas zu verbergen versuchte.
Schulter zuckend betrat sie dann endlich ihr Zimmer und stellte den Rucksack auf der kleinen Couch ab. Sie blickte sich um, doch Lara war wirklich nicht zu sehen.
Sara ging zu dem großen Vorhang, der halb offen war und öffnete ihn ganz, um die Sonnenstrahlen rein zu lassen.
Die Sonne schien warm an diesem Mittag.
Als Sara sich allerdings dann umdrehte, blitzte etwas helles vom Boden auf.
Sie schritt zu Laras Bettseite und bückte sich.
Es war Laras Messer, das achtlos auf dem Boden lag und die Sonnenstrahlen reflektiert hatte.
Sara erhob sich und betrachtete das Messer.
Jetzt war sie sich sicher, das etwas im Busch war, denn Lara würde, unter normalen Umständen, ihr Messer niemals einfach so auf dem Boden liegen lassen…
Lara ging gerade wieder die Treppen, zu ihrem Zimmer, hoch und war noch immer innerlich zerrüttelt, über das, was sie eben getan hatte.
Eine bittere Träne rollte aus ihrem Auge, die sie aber gleich wegwischte. Sie musste sich überlegen, was sie ihm jetzt sagen sollte.
Vorhin war alles einfach, doch so konnte es nicht weitergehen.
Dieses ewige hin und her musste endlich aufhören…
Plötzlich hörte sie jemanden hinter sich, der ihren Namen rief: ,,Lara!´´ Sie drehte sich um und sah Kurtis auf sich zukommen.
Lara blieb stehen, denn jetzt gab es kein zurück mehr.
,,Hey, ich habe dich schon gesucht!´´ sagte er als er sich neben sie stellte.
,,Hey…´´ entgegnete sie nur leise und ging dann neben ihm her in den Gang zu ihren Zimmern.
Er sah zu ihr rüber und fragte: ,,Ist alles klar?´´
Sie nickte und fasste sich dann den Mut das zu tun, was sie tun musste und blickte ihn an: ,,…Wir müssen reden!´´
Kurtis sah an ihrem Blick, das etwas nicht stimmte und nickte leicht.
,,Wir…´´ begann Lara und überlegte, was sie sagen sollte, ,,…Wir können nicht so weitermachen, Kurtis…Was da eben zwischen…´´ sie holte tief Luft, ,,…dir und mir passiert ist…hätte einfach nicht passieren dürfen…´´
,,Warte…´´ unterbrach Kurtis, ,,…Sag das nicht, okay. Es gibt nichts zu bereuen.´´
Er wollte ihr eine Haarsträhne, ihres langen offenen Haares zurückstreichen, so wie er es vorhin getan hatte, doch Lara entzog sich ihm.
,,Kurtis…´´ sagte sie und blickte von ihm weg, ,,…es war ein Fehler!´´
Kurtis blickte sie unverständlich an und schüttelte den Kopf: ,,Nein…das darfst du nicht denken…Es war kein Fehler.´´
Lara atmete tief durch und blickte ihn an, ,,…Für mich schon!´´
Wieder schüttelte er den Kopf und man sah ihm an, das ihre Worte ihm weh taten: ,,Lara, tu mir das nicht an, ich bitte dich…Bitte verschließ dich jetzt nicht vor mir.´´
Laras Gesichtsausdruck veränderte sich nicht und sie schwieg.
,,Ich liebe dich doch Lara…´´ sagte er und fuhr ihr über die Wange.
Lara schloss kurz die Augen, denn sie mochte seine Berührungen und es tat ihr genauso weh, wie ihm.
,,Kurtis…fass mich bitte nicht an.´´ sagte sie leise.
,,Lara…´´ begann er, doch Lara unterbrach ihn: ,,Nein!´´
,,Okay…dann sag es…´´ forderte Kurtis bitter enttäuscht, ,,…Sieh mir in die Augen und sag mir, das du keine Gefühle für mich hast.´´
Er glaubte, das sie das nicht konnte, denn er spürte, das sie ähnlich wie er fühlte. Doch Lara sah ihm dann tief in die Augen und sagte entschlossen: ,,…Du bedeutest mir nichts!´´
Kurtis schwieg.
Ihm fehlten die Worte, denn er spürte einen schmerzenden Stich tief in sich drin.
Er hielt ihrem Blick stand und schüttelte langsam den Kopf: ,,Nein, das sagst du nur so…Ich weiß, das es anders ist. Mir kannst du etwas vormachen, Lara, aber belüg dich bitte nicht selbst.´´
Lara sah den Schmerz in seinem Blick, doch blieb hart: ,,…Es ist so, wie ich es gesagt habe…Du… bedeutest mir nicht…´´ sie klang gleichgültig, ,,…Jetzt werden wir die Sache mit der Cabal beenden… und falls wir das überstehen, dann verschwindest du aus meinem Leben.´´
Kurtis blickte weg von ihr, um zu verarbeiten, was sie gerade gesagt hatte.
Lara nutzte das, um kurz die Augen zu schließen, denn sie fühlte, wie ihre Augen feucht wurden. Sie drehte sich um und ging zu ihrer Zimmertür.
Kurtis stand immer noch da, denn ihre Worte waren lähmend für ihn gewesen, doch dann blickte er ihr hinterher: ,,Lara!´´
Lara war gerade im Begriff ihre Zimmertür zu öffnen und blieb stehen, als sie seine Stimme hörte. Sie kämpfte mit sich, sich nicht einfach umzudrehen, ihm zu sagen, das es ihr Leid tat und ihm in die Arme zu fallen, doch atmete stattdessen nur tief durch.
…Geh einfach weiter…Es ist besser so…Für ihn und für dich…
Sie drückte die Klinke runter und betrat ihr Zimmer, ohne Kurtis weitere Beachtung zu schenken…
Kurtis blieb erneut wie gelähmt stehen und schüttelte den Kopf.
,,Nein…´´ flüsterte er, doch Lara hörte es schon nicht mehr.
Er schloss seine Augen und er wusste nicht, wie lange er so da gestanden hatte, doch er war sich sicher, das es eine ganze Weile gewesen sein musste.
Lara hatte ihm all das gesagt und ihm damit das Herz gebrochen…
Lara schloss die Tür mit zitternder Hand hinter sich und erblickte dann Sara, die auf der Couch saß und ihre Dienstwaffe reinigte.
Sara blickte lächelnd auf: ,,…Hey, schön dich zu sehen. Geht es dir besser?…´´ doch Sara bemerkte sofort, das etwas nicht stimmte und ihr verging das Lächeln, ,,…Was ist passiert?´´
Lara schüttelte den Kopf und musste noch immer ihre Tränen unterdrücken: ,,Nichts…´´ sie brachte ein gequältes Lächeln hervor, ,,…alles bestens!´´
Doch Sara wusste, das es nicht so war, stand auf und folgte ihrer Freundin ans große Fenster.
Lara schloss wieder die Augen und atmete tief ein und wieder aus.
,,Lara was ist los?´´ fragte Sara und legte ihrer Freundin eine Hand auf die Schulter.
Lara öffnete die Augen wieder: ,,Nichts…Ich muss mich jetzt fertig machen…´´ Sie ging zu ihrer Reisetasche und legte eine kurze, braune Hose und ein beigefarbenes Shirt heraus, das sie nachher anziehen wollte. Auch ihre Waffen legte sie dazu.
Sara hatte inzwischen Laras Messer vom kleinen Couchtisch genommen und kam wieder zu Lara. ,,Hier, ich habe dein Messer gefunden…Vielleicht wirst du es brauchen.´´ sie reichte es ihr.
Lara nahm es entgegen, doch blickte Sara noch nicht einmal an und murmelte: ,,Danke…´´
,,…Es lag auf dem Boden vor deinem Bett!´´ fügte Sara dann hinzu.
Lara hielt inne und blickte ins Leere.
Sie erinnerte sich an das was geschehen war…
,,Lara, was ist los, verdammt…´´ fragte Sara wieder, ,,…Kurtis hat sich vorhin schon so komisch verhalten und jetzt du auch noch…´´
Lara atmete erneut tief durch und setzte sich auf die Bettkante.
,,…Sag es mir doch.´´ forderte Sara, setzte sich zu ihr und strich Lara eine Haarsträhne hinters Ohr, um sie besser sehen zu können.
Lara drehte den Kopf weg, als ihr erneut eine Träne aus dem Auge rann.
Sara nickte, den sie ahnte es bereits: ,,Du hast mit ihm geschlafen!?´´
Es wunderte Lara überhaupt nicht, das Sara es wusste. Sara wusste immer, was los war und so nickte Lara: ,,…Es war ein Fehler…´´
Sara blickte ihre Freundin an: ,,Wieso?…Wolltest du es denn nicht?…Ich meine, hat er einfach…´´
Lara schüttelte kraftlos den Kopf und sprach leise: ,,Nein, ich…ich wollte auch, aber es hätte nicht passieren dürfen…Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist.´´
,,Lara…´´ begann Sara und nahm die noch immer leicht zitternde Hand ihrer Freundin, doch Lara unterbrach sie wieder: ,,Sara, er hat…´´ Lara brach ab und schluckte.
,,Ja? Was?´´ fragte Sara.
Lara blickte sie an, ihre Augen waren noch immer feucht und sie brachte nur ein leises Flüstern zutage: ,,…Er hat gesagt, das er mich liebt!´´
Ein winziges Lächeln entsprang Saras Lippen: ,,Und was hast du gesagt?´´
Lara seufzte leicht, denn es fiel ihr noch immer schwer. Sie konnte Kurtis´ verletzten Blick nicht vergessen.
Dann sagte Lara: ,,…Ich sagte, dass er mir nichts bedeutet und das er aus meinem Leben verschwinden soll, wenn die Sache mit der Cabal vorbei ist…´´
,,Lara?…´´ entfuhr es Sara verwirrt und geschockt, ,,…Ich kann nicht glauben, das du das gesagt hast…Wieso?´´
,,Es ist eben so…´´ entgegnete Lara etwas genervt, stand abrupt auf und ging einige Schritte in den Raum, ,,…Manchmal werde ich aus mir selbst nicht richtig schlau…Ich will das jetzt einfach vergessen…´´
,,Du kannst es aber nicht, oder?…´´ fragte Sara stand ebenfalls auf und kam wieder zu ihrer Freundin, ,,…Warum geht dir das denn so an die Nieren, wenn er dir doch egal ist?´´
Lara zuckte nur mit den Schultern: ,,Ich weiß es nicht.´´
,,Sieh mich an…´´ forderte Sara und Lara tat es, ,,…Lara, vergiss jetzt mal alles, was ist und was war und sag mir…liebst du ihn auch?´´
Lara brauchte nicht lange, um eine Antwort zu finden und sie antwortete Sara sofort…
,,Kannst du nicht mal, was anderes laufen lassen?´´ fragte Alister, dem die ewige HipHop-Musik auf den Geist ging, die aus den Boxen von Zips PC kam. Er las in einem Buch über die Nephillim und die Cabal. Kurtis hatte es ihm gegeben und es war eins von wenigen, das nicht schon von der Cabal vernichtet wurde, als diese die Lux Veritatis vernichteten.
,,No man…´´ entgegnete Zip, der ihm gegenüber schief auf der Couch hing, ,,…so kann man am besten abchillen!´´
,,Ja für dich vielleicht, aber meine Konzentration leidet stark darunter!´´ sagte Alister und schaute dabei kein einziges mal vom Buch hoch.
,,Tja jedem das seine, würde Lara jetzt sagen!´´ lachte Zip und legte den Kopf in den Nacken.
Dann ging die Tür auf und Kurtis kam herein.
Er murmelte etwas, das wie ,,Hey…´´ klang und ging direkt zu der Schlafcouch, neben dem Bett von Zip und Alister.
Entmutigt legte er sich drauf.
,,Alles klar, bei dir?´´ fragte Zip, der Kurtis Verhalten komisch empfand.
Kurtis nickte: ,,Das wird schon…Irgendwann…´´
,,Wo warst du denn?´´ fragte Alister und blickte endlich mal von seinem Buch hoch.
,,Keine Ahnung…Irgendwo…´´ murmelte Kurtis.
Zip schaltete die Musik leiser und blickte dann wieder zu Kurtis rüber: ,,Und du bist dir sicher, das es dir gut geht?´´
,,Ja, ich will nur etwas in Ruhe gelassen werden.´´ gab er bestimmend zur Antwort.
,,Okay, wir haben ja auch noch zwei Stunden Zeit, bis Lara aufbrechen will.´´ sagte Zip und lauschte dann wieder seiner Musik.
Kurtis drehte sich von ihnen weg und blickte aus dem Fenster.
Laras Worte hallten immer wieder in seinem Kopf nach.
War er ihr wirklich egal?
Bedeutete er ihr denn wirklich gar nichts?
Er konnte es einfach nicht glauben, denn wenn er ihr wirklich gleichgültig war, dann hätte es sich ganz anders angefühlt, als sie miteinander geschlafen hatten.
Er hatte dabei gespürte, das sie ihn wollte und seine Berührungen mochte. Er hatte gespürt, das sie ihn ebenfalls liebt.
Doch noch etwas anderes beschäftigte ihn.
Warum hatte sie das alle zu ihm gesagt?
Es war, als würde sie etwas verbergen wollen und deshalb niemanden an sich ran lassen.
Oder tat sie nur so, um ihn zu schützen?
Wie auch immer, es tat ihm weh.
Sehr weh.
…Warum tust du das Lara?…Verdammt, ich brauche dich! Und ich weiß, das du mich genauso brauchst!…
