Disclaimer: Mir gehört gar nichts, nicht einmal meine Kaninchen. Sie wohnen nur bei mir.

Ich hab mir eine Lungenentzündung eingefangen. Pfui... Wenigstens ist das Schlimmste schon vorüber.

Viel Spaß beim Lesen!

Cassie

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Kapitel 37 – Die brennende schwarze Sonne

Langsam verabschiedet sich die Sonne mit derselben Aufführung wie schon seit dem Beginn der Welt. Ihr goldener Rock hinterlässt Spuren am Himmel, der langsam dunkler wird und erzeugt einen Tanz der Farben, welchen die Menschen, die in ihrem Alltag verloren sind und nur an ihren Kummer denken können, einfach nicht mehr bemerken oder schätzen können. Und doch gibt die Sonne, der Geber des Lebens, jeden Tag dieselbe Aufführung unabhängig davon, ob sie die Menschen schätzen oder nicht.

So ist das Leben. Ein Rad, das sich unablässig dreht. Was auch immer man macht, kann man die Zeit nicht aufhalten. Man hat schon einige Weisen erfunden, mithilfe derer man den Raum beherrscht indem man binnen einer Sekunde auf dem anderen Kontinent erscheinen kann. Ginge es nach der Natur, wäre es nie möglich gewesen. Und doch bemüht sich der Mensch, die Welt um sich herum sich selbst anzupassen sodass er sein Leben sorgenfreier verbringen kann. Früher haben sich die Menschen der Natur gegenüber gesetzt indem sie die Früchte und das Obst vor ihren Heimen pflanzten, sodass sie nicht weit gehen mussten um Essen zu holen. Sie haben die Entscheidung übernommen, wo ein Baum wachsen wird. Dann begannen sie ihr Leben bequemer zu machen indem sie durch Kerzen das Sonnenlicht ersetzten und die Betten aus Gras auf denen Menschen vor Millionen von Jahren geschlafen haben, durch feine und weiche Betten ersetzt, sodass sie besser schlafen können.

Der Mensch wird nie damit aufhören, die Welt sich selbst anzupassen. Er wird sich immer weiter entwickeln und immer daran denken, wie er sein Leben verbessern kann. Wie er es mithilfe der Heilmittel verlängern kann. Und dabei, weil er ganz auf der Spitze der Ernährungskette ist, beherrscht er und zerstört er die anderen Lebensformen ohne Rücksicht. Es ist in seinem Blut, die Welt um sich herum zu beherrschen und die Schwächeren sich selbst unterzuordnen. Ein Schwarzmagier versteht all das sehr gut und versucht keine Ausreden zu erfinden, wenn er egoistisch ist und an sein eigenes Wohl denkt. Hier geht es nicht um den Überlebensinstinkt, sondern um den Willen, zu dominieren. Der König in seiner eigenen Welt zu werden.

Aber seit jeher schaut der Mensch hoch zum Himmel und fragt sich, ob ihn die Sterne sehen können, ob es da oben irgendein intelligentes Wesen wie ihn gibt. Der Anblick der Sterne erweckt im Mensch ein tiefgreifendes Gefühl einen höheren Lebenssinn zu finden außer bequem auf seinem Thron den er für sich auf der Erde erschaffen hat zu sitzen. Manche sehen einen alten Mann mit einem Bart, der auf sie hinabschaut und ihren Gebeten zuhört; der ihre Wünsche erfüllt und der ihnen, falls sie sich an seine Gesetze halten, ein noch besseres und schöneres Leben in einer anderen Welt geben wird. Manche glauben an eine Horde solcher allmächtiger Männer und Frauen, welche ihnen sehr ähnlich sind. Im gewissen Sinne betrachtet sie der Mensch als sein verbessertes Ich, die Verkörperung alles Guten und als jemanden, der all seine Fragen beantworten kann. Es ist dieser Glaube der ihnen hilft, durch den Alltag zu gehen und sich nicht zu beklagen wenn es im Leben schwierig wird und wenn ihnen all ihre Erfindungen nicht helfen können, glücklich zu sein. Dieses Ideal steht hoch am Himmel wie ein ewiger Stern der seit der Erschaffung der Welt da ist und gibt ihnen die Hoffnung, dass das Leben im Jenseits all das sein wird, was sie nie hatten und wonach sie sich sehnten. Erwarten sie dort Liebe zu finden? Oder einfach ein Leben ohne Kummer und ohne Probleme? Wenn man alles hat, wonach sehnt man sich? Denn es ist in der menschlichen Natur, sich immer nach etwas zu sehnen und immer etwas zu wollen. Vielleicht besteht der Frieden darin, sich nach gar nichts mehr zu sehnen. Vielleicht wird man dann frei.

Der Schwarzmagier schaut hoch zum Himmel und fragt sich, wie er ein Stern werden kann, sodass er auf Menschen hinabschauen und ewig leben kann, sich die ganze Zeit dessen bewusst, wer er ist und was er da macht. Er möchte sich von der Welt der Menschen trennen und mehr als ein Mensch werden. Und dafür ist er bereit, sich etlichen Transformationen zu unterziehen, sodass er diese Art der Unsterblichkeit erreichen kann. Ein Teil der Welt und doch außerhalb der Welt existierend; allmächtig und allwissend; die Verkörperung der Macht und des Wissens, die immer da sein wird und nie durch den Tod des Fleisches und Blutes zerstört werden kann. Ein Schwarzmagier möchte nicht seinen Alltag nur erdulden, hoffend, dass es eines Tages besser sein wird. Er erschafft dieses bessere Leben in diesem Leben und dafür benutzt er alle Mittel die er zur Verfügung hat. Er möchte nicht auf ein Versprechen warten, für das er keine Ahnung hat, ob es echt ist oder nicht. Er möchte nicht dem Willen eines Wesens, für dessen Existenz er keine Beweise hat, ausgeliefert sein und darauf warten, dass ihm dieses Wesen Gnade zeigt. Der Schwarzmagier möchte alleine der Schöpfer seines Schicksals werden und die Sterne mit seinen eigenen Händen in Bewegung setzen.

Und als die Sonne endlich verschwindet, erhebt sich eine zweite Sonne von der anderen Seite und beginnt ihre Reise über den Himmel. Die mitternächtliche Sonne reckt sich und streckt ihre Strahlen zu allen Ecken der Welt, die Schwarzmagier der Welt zur Arbeit rufend. Und sie sagt:

„Verehr mich nicht! Sondern strebe danach, wie ich zu werden."

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Der Wind peitscht den Soldaten um die Ohren als sie versuchen, durch die auf das Land gefallene Finsternis ihr Ziel auszumachen. Als die Wolken wie von einer unsichtbaren Hand zur Seite geschoben wurden, wird ein Befehl geschrien und die schnell fliegenden Drachen, welche mit ihren mächtigen Flügeln ihre Ritter näher und näher an ihr Ziel bringen, werden in eine Pfeilspitzenformation gebracht.

„Auf Signal warten!" donnert die Stimme des dunklen Lords durch die Finsternis und die Ritter ziehen die Zügel zu sich.

Bellatrix Lestrange blinzelt als ihr die sich unablässig bewegenden Flügel ihres Drachen Staub in die Augen schleudern und schaut zum Gebäude der Zauberregierung, welche sich in der Ferne abzeichnet.

Bellatrix lebt für den Kampf. Nur im Kampf fühlt sie sich vollkommen lebendig. In letzter Zeit scheint die Welt um sie herum graue Farben angenommen zu haben und Bellatrix weiß sehr wohl warum dem so ist. Natürlich gibt es im Krieg Verluste. Es ist, ihrer Meinung nach, idiotisch anzunehmen, dass keiner auf der dunklen Seite sterben wird. Früher dachte Bellatrix, dass sie sich mit allem abfinden kann. Sie ging kämpfen und wollte so viele Feinde wie möglich umbringen. Sie sah sich selbst als einen mächtigen Ritter, der Tod und Zerstörung verbreitet. Ihr machte es Spaß, alle Flüche die sie kannte auf ihre Feinde anzuwenden und fühlte sich nach einem Kampf, trotz der Erschöpfung, wie neugeboren. Sie konnte nie verstehen warum sie sich so fühlt wenn sie kämpfen geht aber Aideen Delaney hat einmal angedeutet, dass sie sich danach auch so fühlt. Daraus ergab sich für Bellatrix folgender Schluss: 'wir sind beide Kämpfer und deswegen scheint unser Lebenssinn darin zu liegen. Es ist nur selbstverständlich, dass uns das Kämpfen solch ein Gefühl verleiht.'

Todesser starben im Einsatz und Bellatrix hat nie zweimal darüber nachgedacht. Und doch als ihr gesagt wurde, dass ihr Mann tot ist, ist ein Schleier über ihre Augen gefallen der seit dem noch immer da ist. Bellatrix konnte am Anfang ihre Gefühle nicht verstehen und war auf sich selbst sauer. Rodolphus war immer ein guter Freund gewesen, oder manchmal das notwendige Übel, das man einfach nicht loswerden konnte. Sie haben jung geheiratet und sie hat ihn nicht geliebt. Bellatrix war sich sicher, dass sie nicht wusste, was Liebe sein soll und machte sich darüber immer lustig. Aber mit der Zeit ist sie zum Schluss gekommen dass sie Rodolphus tatsächlich auf einer Ebene geliebt hat. Wie einen Freund oder einen Bruder, wahrscheinlich, denn sie konnte ihn nie wie einen Mann lieben. Aber die Liebe war trotzdem da. Und Bellatrix ertappt sich oft dabei wie sie sich herbeiwünscht, er wäre da, oder, wenn er tatsächlich sterben musste, dass sie wenigstens die Chance hatte, ihm zu sagen, dass sie ihn gerne hatte. Stattdessen gingen die beiden fremd und scherten sich nicht um die andere Seite. Ob es der Einfluss des dunklen Ordens und des neuen, verstärkten dunklen Stroms ist, hat Bellatrix das Gefühl für Respekt den anderen Todessern gegenüber entwickelt. Wahrscheinlich weil der dunkle Lord solch eine Einstellung promoviert und ausstrahlt. Bellatrix hat verstanden dass alles was er ist, seine Ideale und seine Prinzipien, sich irgendwie im dunklen Strom spiegeln. Und da Bellatrix eine Todesserin ist, nicht nur durch die schwarze Sonne auf ihrem Unterarm sondern auch mit ihrem gesamten Wesen, war es nur zu erwarten dass sich das Wesen des dunklen Lords auch in ihr spiegelt. Ihr wurde klar dass sie Rodolphus respektierte, als ihren Mann, ihren Freund aber auch als einen Magier. Für sie war sein Tod eine strenge Lektion welche ihr Leben stark geprägt hat. Bellatrix ist nicht eine dieser Personen, welche zusammenbrechen wenn jemand der ihnen lieb ist, stirbt. Sie konnte seinen Tod, nach einer Weile, akzeptieren und hat sich damit versöhnt. Aber im Laufe der Zeit sind manche Aspekten ihrer Persönlichkeit und ihre Gefühle ans Licht gekommen welche sie einfach von innen geändert haben.

Als grüne Funken im Westen zu sehen sind, ertönt erneut die Stimme des dunklen Lords.

„Angriff!" brüllt er.

Die Ritter steuern ihre Drachen in Richtung des Gebäudes in der Ferne, welches von diesem Winkel aus sehr verletzbar und zerbrechlich aussieht. Bellatrix hat keine Angst vor dem Tod, aber sie wünscht sich herbei dass die Welle, welche so viele Veränderungen in ihr Leben gebracht hat, sich endlich über sie ergießen und verschwinden würde.

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Aideen Delaney schaut zu, wie ihre Truppe Teil für Teil auf der Lichtung im Wald erscheint und ihre Hand gleitet unbewusst zu ihrem Stabhalter. Es ist eine Gewohnheit von ihr, über ihren Stab zu fahren bevor sie kämpfen geht. Vielleicht kann man es als sentimental oder lächerlich bezeichnen, aber für Aideen ist das nur eine Schrulle einer Kämpferin, ein kleines Ritual, das man einfach vor dem großen Ereignis ausführen muss. Aideen ist sich natürlich bewusst, dass indem man sich mit seinem Zauberstab auf diese Weise verbindet und ihn geistig zur Verlängerung seiner Hand macht man auch als abergläubisch bezeichnet werden kann, aber das ist ihr egal. Jetzt ist keine gute Zeit, darüber nachzudenken.

Als das letzte Bataillon erscheint, hebt ein Todesser die Hand in die Luft um Aideen dies zu signalisieren.

Wortlos hebt sie die rechte Hand hoch in die Luft um den vierhundert Todessern klar zu machen, dass es an der Zeit ist. Sie hört zu wie das Gras hinter ihr raschelt als viele Füße der in schwarz angezogenen Menschen ihr schweigend folgen, dabei todernste Gesichtsausdrücke habend, welche die vor ihnen stehende Aufgabe verlangt.

Als sie der dunkle Lord zu sich gerufen und ihr gesagt hat, er wolle, dass sie eine Truppe anführt, hat sie wortlos genickt und dann den Befehlen zugehört. Und jetzt ist sie wieder da, der General ihrer kleinen Armee, der in Richtung des Ziels marschiert. Als sie klein war, hat Aideen die Geschichten und Märchen die über Kämpfe und epischen Siege gesprochen haben, geliebt. Und schon früh genug hat sie damit begonnen, in der Schule das Duellieren zu üben. Ihre Eltern dachten am Anfang, dass sie dadurch zeigte, dass ihr etwas in der Familie nicht passte und dass sie auf diese Weise ihrer Frustration und Wut Luft gab. Sie haben es auch in Betracht gezogen, dass sie lesbisch sein könnte. Aber mit der Zeit haben sie gelernt, dass der Kampf und die Kunst des Duellierens einfach ihre Leidenschaft sind. Die kleine Aideen ist mit kleinen Figürchen der Soldaten aufgewachsen und hat sich auch in seltsamsten Situationen als ein exzellenter Taktiker erwiesen. Geschickt wich sie allen Hindernissen in der Schule aus und auch wenn sie in Schwierigkeiten geriet ist es ihr gelungen, eine Gruppe der Schüler gegen die anderen zu drehen, sodass sie am Ende unschuldig herauskam und sie bestraft wurden. Sie zeigte das Verstehen der menschlichen Natur und der Beweggründe, welche hinter ihrem Handeln und ihrer Worte lagen, was eine wichtige Eigenschaft eines guten Kämpfers ist.

Jetzt aber als sie sich durch den dunklen Wald mit ihrer Truppe im Schlepptau ihrem Angriffsziel nähert, denkt sie unwillkürlich an ihren Mann, den sie schweigend und vor sich trüb hinstarrend im Wohnzimmer ihres Hauses in Irland sitzen gelassen hat. Sie dachte, dass nichts zwischen ihnen kommen kann und dass ihre Liebe, ihr gemeinsames Verständnis und ihre tiefe Freundschaft erschaffen worden sind, um ewig zu dauern. Und doch ist dieses Baby zwischen sie gekommen. Aideen sagte dem dunklen Lord nicht, dass sie schwanger ist, obwohl sie sich sicher ist, dass er es weiß. Während der Zeit, die sie im dunklen Orden verbracht hat, hat Aideen Delaney gelernt, dass der dunkle Lord einfach alles weiß. Und doch hat er nichts dazu gesagt. Vielleicht erwartete sie einen Ratschlag von ihm, einen Kommentar, irgendetwas, was ihr dabei helfen würde, diese Sache zu beenden. Aber er hat ihr nichts gegeben. Natürlich geht die Weise, auf die ein Todesser sein Leben führt, den dunklen Lord nichts an. Er wird sich nicht einmischen solange man ihm treu ist und solange man seinen Pflichten nachkommt. Und Aideen hofft, dass sie eine gute Arbeit leistet. Ihr müder Körper und ihr Kopf voller Erinnerungen, was sie erledigen muss wenn sie nächstes Mal zur Arbeit geht, sind die stummen Zeugen ihrer Hingabe ihrer Arbeit und Aideen fragt sich insgeheim, wie lange sie so weiter machen kann. Auch wenn sie entscheidet, dieses Baby zu haben, würde sich ihr jämmerlicher Zustand in ihrem Baby spiegeln.

Aideen ist sich ganz sicher, dass sie das Baby nicht haben will. Sie hat zu viel Arbeit, sie steht unter Druck und sie möchte nicht, dass das Baby ohne die Eltern aufwächst. Andererseits ist dies etwas Lebendiges, das in ihr wächst und Aideen findet überraschenderweise, dass sie die verschiedenen Emotionen überfluten als sie daran denkt. Das ist ihr Baby, das Baby von ihr und ihrem Mann, den sie liebt. Ein Geschenk, das sie bald zerstören wird. Ein Hellmagier würde wahrscheinlich in diesem Fall zum Abbruch der Schwangerschaft nein sagen, aber Aideen ist eine Schwarzmagierin. Sie wird immer die Vorteile und die Nachteile abwägen und dann ihre Entscheidung treffen. Und dabei wird sie sich fragen, welche Folgen ihr Handeln auf sie und ihr Leben haben wird und nicht auf die anderen Menschen und auf die Welt um sie herum. Ob sie ein Kind überhaupt haben möchte? Vielleicht eines Tages. Aber jetzt noch nicht. Aideen war sich nie dessen bewusst, wie viele verschiedene Gefühle sie gleichzeitig empfinden kann bis sie erfahren hat dass sie schwanger ist. Jetzt wimmelt ihr Geist von verschiedenen Ideen, unbeantworteten Fragen und Szenarien, wie ihr Leben aussehen würde falls sie dieses Baby bekommt.

Sie hat darüber nachgedacht und sich dazu gezwungen, damit aufzuhören. Der dunkle Lord verlässt sich auf sie und sie wird ihre Aufgabe gut erfüllen. Für Aideen heißt es, sich professionell zu benehmen, das heißt, ihre persönlichen Probleme und Zweifel aus der Sache heraus zu halten. Aideen möchte diesen Angriff erfolgreich ausführen und nach dem Kampf wird sie sich wieder dieser Sache zuwenden. Dann wird sie die endgültige Entscheidung treffen. Aber als sie endlich stoppt und sich umdreht, beginnt ihr Herz schneller zu schlagen und eine Erkenntnis trifft sie mit voller Wucht. Die todernsten Gesichter der Todesser, welche ihr vielleicht auch in den Tod folgen, machen einen ernsten Eindruck auf sie und hinterlassen eine tiefe Spur in ihrem Geist wie die Spitze des Meißels im Stein. Wenn sie entscheidet, dieses Baby zu haben, wird es heißen, ihre Laufbahn und ihre Arbeit auch teilweise vernachlässigen zu müssen. Der dunkle Lord würde eine andere Person finden, welche als der Zauberminister für Irland tätig wäre. Er würde Aideen vergessen. Der dunkle Lord erwartet von den Todessern beinahe das Unmenschliche – und Aideen hat ihm bisher genau das gegeben. Sie ist auf die Tatsache stolz, dass er sie als einen der Generälen für solch einen Angriff gewählt hat und sie weiß dass falls sie so weitermacht und gut arbeitet, dass er ihr noch mehr Verantwortung anvertrauen wird. Aideen ist ehrgeizig, aber ihre Leistungen und ihre Arbeit wurden nie richtig geschätzt bis sie dem dunklen Orden beigetreten ist. Erst jetzt sieht man sie in ihrem besten Licht und Aideen möchte mehr. Sie möchte die Leiter nach oben klettern und auch mit Vergnügung und Stolz zuschauen können, wie sie sich weiter entwickelt und mächtiger wird. Sie hofft, dass sie eines Tages zu der Gruppe der Auserwählten Zauberer und Hexen gehören wird, welche der dunkle Lord oder die dunkle Prinzessin persönlich unterrichten.

Und wenn sie dieses Baby bekommt, wird all das unmöglich sein. Aideen spürt Freude, Traurigkeit und Leere zugleich als sie erkennt, dass sie ihre Entscheidung bereits getroffen hat. Sie hebt den Blick und schaut zum Himmel. Der Mond verschwindet kurz hinter einer dunklen Wolke aber die vagen Umrisse des leuchtenden Balls lassen sich doch ausmachen. In diesem Moment denkt Aideen, wie sehr sie der Mond an die schwarze Sonne erinnert, welche sie auf ihrem Unterarm trägt und welche momentan leicht pulsiert da sich der dunkle Lord offensichtlich für den Kampf vorbereitet hat. Wenn man schon abergläubisch ist, geht durch ihren Kopf, nehme ich das als ein Zeichen an, dass meine Entscheidung richtig ist.

'Das Versprechen der Macht ist genug, auch den Stärksten den Verstand zu drehen,' erinnert sie sich an die Worte, welche sie während ihrer Schulung in einem der Bücher las und dachte, das sei Blödsinn. Vielleicht ist das Versprechen der Macht dafür verantwortlich, dass sie es gewählt hat, die Schwangerschaft abzubrechen, aber in ihrem Herzen weiß sie, dass es nicht die richtige Zeit für ein Baby ist. Vielleicht eines Tages.

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'Sehr schön,' denkt Torhild als sie an dem Zeichen der dunklen Sonne vorbeigeht, das ein Todesritter für ihre Truppe gezeichnet hat, sodass sie sich in den Katakomben der Abwasserkanäle besser orientieren kann. Der Todesritter wusste nicht ob er für das Kennzeichen des richtigen Wegs Magie benutzen durfte, denn die Zauberregierung der USA ist in den Sicherheitsvorkehrungen und dem Schutz des Gebäudes nach dem Kampf der vor dem Tor stattfand weit gegangen. Aber keiner kommt hierher und keiner würde das Zeichen der Sonne sehen. Torhild geht durch den Kopf, wie passend dieses Zeichen ist, denn heute Abend fühlt sie sich so, als sei es zu einer Sonnenfinsternis gekommen. Alle Kräfte des dunklen Ordens sind auf USA gerichtet und die zahlreiche und beeindruckende Reichsarmee strömt in diesem Augenblick aus allen Richtungen zu ihrem Ziel.

Für Torhild ist der Kampf eher etwas Natürliches, etwas, womit sie geboren worden ist, als etwas Gelerntes. Sie ist der Meinung, dass das eine Kunst sei, welche man einfach nicht erlernen könne. Man kann natürlich gelehrt werden und sein bestes geben, aber es gibt oft Momente im Kampf in denen man reflexartig und instinktiv reagieren muss. Ein Zentimeter kann den Unterschied zwischen dem Leben und dem Tod machen. Wenn man nicht rechtzeitig reagiert, wird man vernichtet.

Sie fand den Schamanismus sehr interessant als sie ein Kind war. Diese Kunst schien ihr die Antwort auf ihre intimsten Fragen zu geben und Torhild hat schon früh genug ihr Krafttier gefunden. Sie hat das kleine Ritual ausgeführt mithilfe dessen man herausfinden kann, welches Tier sein Berater ist, als sie dreizehn war. Sie war überhaupt nicht überrascht als sie in ihrer Vision, in der sie auf einer Lichtung im Wald saß, einen Wolf gesehen hat. Ein Jäger, ein Kämpfer. Jemand, der seiner Nase und seinen Instinkten folgt. In diesem Moment, als sie ihre Truppe um die Ecke führt und das Zeichen der schwarzen Sonne hinter sich lässt, denkt Torhild an ihr Krafttier und ruft in ihre Erinnerung das Gefühl das sie hat, wenn sie in ihren Visionen mit ihrem Wolf redet. Sie richtet ihren Willen auf das Wollen, wie ein Wolf zu sein und diesen Kampf zu gewinnen. Ein Wolf ist vor allem vorsichtig. Er ist klug und wartet lieber im Gebüsch bis er sicher ist, dass ihm seine Beute nicht entkommen wird und dass es keine anderen Raubtiere in der Nähe gibt. Und dann sammelt er seine Kraft und greift an.

Überrumpelt aber zugleich so glücklich, dass sie am liebsten vor Freude an die Decke gesprungen wäre, hörte sie zu als ihr die dunkle Prinzessin sagte, sie wolle dass sie die Zauberministerin für Norwegen wird. Für Torhild, welche sich immer im Leben allen gegenüber bewähren musste und alles mit harter Arbeit erreichte, war dies ein Geschenk und unglaubliche Ehre. Sie ist sich natürlich bewusst, dass sie nicht viel darüber weiß, wie man ein Zauberministerium führen soll, aber sie hat die Aufgabe vorgenommen, so viel wie möglich darüber zu lernen. Sie weiß, dass ihr dabei keiner helfen möchte. Die norwegischen Todesser, welche sich vielleicht bei der Politik besser auskennen als sie, werden ihr nicht aus Neid helfen und Torhild weiß, dass sie auf sich selbst gestellt ist. Sie ist eine Kämpferin, ein Kind der Natur, ein Wolf, der durch die dunklen Wälder trabt und frei ist, und keine Politikerin. Aber sie wird ihr bestes geben, um eine zu werden.

Umso mehr war sie überrascht als sie der dunkle Lord selbst gerufen und ihr mitgeteilt hat, dass sie beim Angriff auf den Sitz der Zauberregierung in den USA eine Truppe anführen solle. Torhild fand all das zu viel denn alles passierte kurz nachdem ihr Land zu einem Teil des dunklen Imperiums wurde. Aber sie weiß sehr wohl wann die richtige Zeit fürs Handeln ist und sie hat den Plan, den der dunkle Lord vor allen Generälen vorgelegt hat, gründlich studiert. Sie macht sich darüber keine Illusionen, dass das heute so zu sagen ein Test für sie ist, ob sie der Herausforderung gewachsen ist oder nicht.

Ihr Herz macht einen Hüpfer als sie um die Ecke biegt und Licht von oben in der Ferne erblickt. Sie haben ihr Ziel erreicht. Jetzt muss sie nur auf das Signal warten.

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Phil Richardson kommt Artaius in einfacher schwarzer Kleidung sehr seltsam vor. Er ist es gewohnt, den Mann immer in feinen Hemden und polierten Schuhen zu sehen und diese Version des berüchtigten Todesritters ist ihm einfach unbekannt. Er blickt weg von seinem aschgrauen Gesicht und fixiert seinen Blick auf die dunkle Prinzessin, welche schweigend in die Ferne starrt. Sie steht mit leicht verengten Augen da als versuche sie jedes Detail des Plans nochmal in ihrem Kopf durchzugehen.

Artaius schaut zu den Familienhäusern, zwischen denen jede Sekunde das Gebäude des Polarisordens erscheinen soll. Von dem Fideliuszauber geschützt, ist es fast unmöglich in das Gebäude einzudringen. Aber die Todesritter haben nochmal bewiesen, dass sie ihre Finger in allen Angelegenheiten in den USA haben und alles über alle wissen. Sie arbeiteten daran seit Monaten und Jahren, um einen Spion in den Polarisorden einzuschleusen. Wenn sich dies als unmöglich erwies, versuchten sie es mit Erpressung. Sie haben Informationen über alle bekannten Mitglieder gesammelt und dadurch auch die Namen der ihnen noch unbekannten Mitglieder bekommen. Sie mussten nur tiefer graben um peinliche Details aus dem Leben eines der Mitglieder heraus zu bekommen, dabei wurde ihnen von den Politikern und Beamten geholfen welche Todesritter sind. Beim ersten Treffen mit dieser Person hatten sie nicht viel Glück. Aber sie haben dem Zauberer durch 'subtile Weisen', was auch immer das bedeutete, gezeigt, dass sie es ernst meinen und eine Organisation sind, mit welcher nicht zu spielen ist. So gab der Mann nach. Er hatte natürlich keine Ahnung von dem Angriff und von den Plänen der Todesritter. Aber die Todesritter haben das bekommen, was sie wollten, und haben die Informationen schnell an den dunklen Lord weitergegeben.

Wenn er in seine Zukunft schaut, spürt Artaius Aufregung. Er dachte nicht, dass er dieses Gefühl je außerhalb seiner Pflichten spüren könnte aber es ist die Wahrheit. Er denkt aufgeregt an alles, was auf ihn wartet. Die neuen Pflichten, der Unterricht der dunklen Prinzessin, der neue Titel. Artaius weiß, dass sie nur angedeutet hat, indem sie ihm gesagt hat, dass sie ihn als ihren Schüler betrachtet, was sie für ihn plant. Artaius weiß nicht, wann es passieren wird aber er weiß sehr wohl dass er keine Fehler begehen darf. In Australien hat er, hoffentlich, dem dunklen Lord gezeigt, dass er sich auf ihn verlassen kann und dass er hart arbeitet. Und er kam heute nach Amerika um den beiden zu beweisen, dass er tatsächlich für diese Herausforderung bereit ist. Artaius hat sich nichts im Leben so gewünscht, wie diesen Titel. Es geht nicht um den Titel oder um die Macht, über welche er verfügen wird, wenn er ihn bekommt. Für ihn bedeutet es eher ins Unbekannte zu reisen und Artaius findet das einfach toll. Vielleicht würde das eine andere, normale Person erschrecken, aber Artaius kennt keine Angst. Er weiß nur dass er im Leben Herausforderungen braucht. Dass er manchmal gefährliche Sachen tun muss, um sich lebendig zu fühlen. Dass ihn die Routine und der Alltag ersticken. Und dass er sich oft nach einem Angriff aus der dunklen Allee sehnt oder nach sonst einem Abenteuer, das er im Alltag so sehr vermisst. Die dunkle Prinzessin hat die Tage und die Monate, welche sie als die dunkle Erbin verbracht hat und abwechselnd von dem dunklen Lord und dem Prinzen unterrichtet wurde mit einer Achterbahn vergleicht – und Artaius hofft, dass dem tatsächlich so sein wird. Er sehnt sich nach Aktion, nach der Unterbrechung des langweiligen Alltags und nach dem Chaos, das laut der Prinzessin in seinem Wesen explodieren wird, wenn er mit der Arbeit anfängt.

Das ist es also, geht durch seinen Kopf als das Gebäude auf einmal vor ihnen erscheint. Das Symbol das in den Stein hoch über den Eingang angebracht worden ist, ist ein Stern mit acht Strahlen, welche offensichtlich den Polarstern darstellt. Ein Schatten fällt über das Symbol und der innere Teil des Symbols wirkt fast schwarz und erinnert Artaius an das dunkle Mal des dunklen Lords. Andererseits wird Artaius an das Symbol von Chaos erinnert, über das er als Kind gelesen hat. Ein Kreis mit acht Pfeilen, welche aus der Mitte hervor schießen. Artaius ist keine der Personen, welche Zeichen und Omen in Sachen suchen, aber dieses Zeichen findet er sehr passend. Es weist auf das Chaos hin, das ausbrechen wird wenn er befördert wird.

Er schaut zu, wie die dunkle Prinzessin damit anfängt, die Schutzzauber runterzunehmen und fragt sich vage, wie ihr Unterricht aussehen wird. Am Anfang hat er sich gewünscht, der dunkle Lord würde ihn unterrichten aber er hat seine Meinung geändert. Ja, der dunkle Lord ist ihm sehr ähnlich und Artaius fühlt, dass ihn keine andere Person auf dieser Welt besser verstehen kann. Aber er ist zum Schluss gekommen dass es nicht darum geht, dem Weg, der ihm so sehr bekannt ist, weiter zu folgen sondern auch verschiedene Pfade zu erkunden. Vielleicht wollte er am Anfang, als er noch nichts über das, was auf ihn wartet, wusste, mit dem dunklen Lord zusammenarbeiten. Er spürte eine tiefe Bewunderung für diesen Zauberer und wollte natürlich mehr Zeit mit ihm verbringen. Von ihm lernen. Unwillkürlich stellte ihn Artaius als sein Ebenbild und wollte genau wie er werden. Und er fühlte sich ein wenig enttäuscht und vernachlässigt als der dunkle Lord Distanz zu ihm nahm und die dunkle Prinzessin zu ihm kam, ihm Anweisungen gebend, was er weiter mit sich tun soll. Artaius begann ihre Übungen regelmäßig zu machen weil er alles wieder gutmachen wollte. Aber mit der Zeit ist ihm klar geworden, dass ihm die dunkle Prinzessin etwas geben kann, was ihm der dunkle Lord nicht geben kann. Diese feinen Nuancen, eine andere Einstellung der Welt gegenüber und die Fähigkeit, die Welt um sich herum als ein großes Netzwerk der logischen Schlüsse zu sehen. Artaius wurde klar, dass sie Qualitäten besitzt, von denen er keine Ahnung hat. Und all das, auch wenn er all diese Sachen nicht wirklich verstehen kann und weiß, dass er manche dieser Eigenschaften nie besitzen wird, wird ein Gewicht sein, welches die Waage seiner Entwicklung und seiner Arbeit ins Gleichgewicht bringen wird. Ihm ist aufgefallen, wie gut der dunkle Lord und sie zusammenarbeiten und zusammen funktionieren und möchte das gleiche für sich selbst.

Als die dunkle Prinzessin schnell die rechte Hand in die Luft hochhebt, setzt sich die Truppe in Bewegung und Artaius spürt wieder diese willkommene Welle der Aufregung als er seinen Stab zückt. Es geht los.

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Bellatrix schätzt die Chance, die Welt und sich selbst einfach zu vergessen und sich in den Kampf zu vertiefen. Immer gibt es dieses Gefühl von der vollkommenen Ergebenheit dem Kampf, wenn die Gedanken 'was wenn' und die Angst vor dem Tod, die in den tiefen Ecken ihres Wesen bis zu der letzten Minute tickt, einfach verschwinden. Bellatrix ist keine dieser Personen, welche nach dem Kampf denken 'Morgana sei dank, das ist vorüber und mir geht es gut. Bis zum nächsten Mal' sondern eher 'Das war toll! Wann gehen wir wieder?'

Vielleicht ist sie verrückt. Vielleicht ist dies nur noch ein Fluch der Blacks, welcher in ihr auch lebt. Aber Bellatrix schätzt die Ablenkung und freut sich wahnsinnig auf Kämpfe. Sie ist sich jedoch bewusst, dass sie nicht so ewig weiter machen kann. Dass man sie irgendwann erwischen wird. Eines Tages wird sie mit ihrem Stab begraben, der schon so viele Todesflüche abgeschossen hat und so viele Leben vorzeitig beendet hat. Bis Rodolphus starb hat sie daran keinen Gedanken verschwendet. Aber seit er gestorben ist begann sie über die Sachen nachzudenken, über die sie noch nie nachgedacht hat, unterdessen auch über dieses Gefühl das sie im Kampf hat, wenn die Zeit und der Raum um sie herum einfach verschwinden und wenn nur der Kampf und sie übrigbleiben. Sie begann sich die Frage zu stellen, ob sie dieses Gefühl auf eine andere Weise erzeugen kann und warum sie es so toll findet. Könnte sie ohne das leben? Was wenn der dunkle Krieg vorüber ist?

Sie spürt, wie ihre Brust bebt als sie laut auflacht. Ihr Drache hat gerade einen Feuerschuss auf einen der Türme gespuckt und Bellatrix hört deutlich die Schreie der Menschen da unten, im Gebäude, wie sie versuchen ihr Leben zu retten als die Balken und die Steine auf ihre Köpfe wie höllischer Regen prasseln. Die erste Etappe des Plans des dunklen Lords scheint geklappt zu haben. Die Amerikaner waren sicher dass das Zauberregierungsgebäude angegriffen wird und so warten sie schon seit einem Tag in Stille, dass die Todesritter erscheinen sodass sie sie alle festnehmen können. Aber leider kamen die Todesritter nicht sondern die Reichsarmee, welche aus vielen Richtungen zugleich zuschlug und jetzt brennen die Amerikaner da drin wie Schnecken welche man ins heißes Wasser wirft.

Bellatrix genießt den Anblick der brennenden Wände und Mauern und steuert ihren Drachen in Richtung des anderen Turmes, der noch immer stolz da steht und dem Angriff der Reichsarmee trotzt. Die Drachen brachen schon nach der ersten Salve aus der Formation und deren Ritter begannen Chaos und Tod zu verbreiten. Bellatrix sieht aus dem Augenwinkel dass die Mauern im Westen in Millionen kleiner Stücke herumliegen als die Truppe von Aideen Delaney durch sie brach und das Gebäude mit lauten Kampfschreien der blutrünstigen Todesser attackierte.

Der Drache des dunklen Lords saust an ihr wie ein Schatten vorbei und Bellatrix sieht eine grüne Salve aus seiner Richtung, welche die Nacht grün färbt. Und die Nacht wird zu einem hellen Tag als eine laut kreischende Kugel aus seinem Stab hervor platzt und durch die Ziegel und den Stein geht als seien sie nichts mehr als Butter. Als sie ihr Ziel trifft, gibt es eine tiefe Explosion welche den Boden erbeben lässt und eine graue Druckwelle breitet sich aus der Mitte des Gebäudes aus. Bellatrix ergreift fest den Sattel und lehnt sich nach vorne. Das Gefühl seiner Magie auf ihrer Haut, als sie die Druckwelle berührt und sich in die Nacht ausbreitet und in der Ferne verschwindet, erweckt in ihr das Gefühl der Ekstase und sie hebt schnell den Kopf, laut lachend ihren Drachen herumdrehend und wieder zum Turm steuernd.

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Die Luft stinkt nach verbranntem Fleisch und Tod, eine Mischung der Gerüche, welche Aideen Delaney sehr gut bekannt ist. Zusammen mit zwanzig Todesser hat sie die Mauer zum Einsturz gebracht und jetzt strömt eine schwarze Masse der Soldaten durch das Loch und springt über die Überreste des Steinwerks.

Eine der Aufgaben eines Generals ist, Aideens Meinung nach, die Soldaten aufzumuntern, sie zu steuern und ihnen die Kraft zu geben, wenn es so aussieht, dass sie den Kampf verlieren werden. Aber auch um den ersten Schritt zu machen, ihnen anhand des Beispiels zu zeigen, wie man es macht. Als eine Salve Flüche aus dem Gebäude donnert und einen Teil ihrer Truppe trifft, flucht sie laut auf Irisch und richtet ihren Stab auf die Stelle. Die Soldaten um sie herum tun es ihr gleich. Aideen kann ihren Zorn spüren, dass jemand es gewagt hat, die Todesser, ihre Magiegenossen, runterzuschießen. Flüche aus mehreren Stäben zugleich erzeugen eine Explosion und die Wand bricht in tausend Stücke, Steinstaub und Ziegelstücke in die Gesichter der Todesser spritzend. Aideen bricht in Sprint aus und erreicht als die erste das schwarze Loch und springt rein, des Donnerns der hunderte Füße hinter sich bewusst, welche ihr rein folgen.

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Als Torhild zusammen mit ihrer Truppe aus dem Schacht hervorspringt, finden sie zuerst den Raum, das heißt, den Keller des Gebäudes, menschenleer. Von da oben ist Chaos zu hören das Torhilds Lippen zu einem Grinsen kräuselt. Sie legt schnell den Arm über die Brust der allernächsten Todesser, der gerade vorhatte, die Treppen nach oben zu klettern weil ihre Ohren ein Geräusch empfangen haben, das ihr sagt, dass jemand in Richtung Keller rennt. Sie zeiht ihre Truppe zurück und weist jene an, welche gerade vorhatten, aus dem Schacht herauszuspringen, zu warten und still zu sein.

Als alle Todesser jetzt deutlich die Füße auf den Treppen hören, spannen sie sich an und umklammern ihre Stäbe fester. Torhild drückt die Schulter der allernächsten Todesser und er gibt schnell das Zeichen weiter. Fast gleichzeitig springen alle Todesser, denen es bis jetzt gelungen ist, in den Keller zu klettern, aus ihrem Versteck hervor und Torhild gibt einen seltsamen Laut von sich als sie sich auf die Hellmagier stürzt, der den Todessern wie das Knurren eines Raubtiers vorkommt.

Binnen zehn Sekunden gibt es einen Haufen Leiche auf dem Boden und Torhild dreht sich den Treppen zu.

„RAUS! Und Angriff!" schreit sie so laut, dass ihre Stimme auch bis zu der letzten Reihe der Todesser reicht, welche noch immer da unten im Kanal auf Befehle warten.

Wie eine schwarze Schlange brechen die Todesser aus dem Keller heraus und finden, dass sie sich auf einem wahren Schlachtfeld befinden. Die Türme brennen, der Stein zersprengt und Holzsplitter und Staub fliegen umher. Menschen laufen panisch hin und her und Torhild und die Todesser denen es schon gelungen ist, die Treppen empor zu steigen schießen die kleine Gruppe der Zauberer und Hexen nieder, welche das Unglück hatten, in ihre Richtung geflohen zu sein. Torhilds Aufgabe ist mit ihrer Truppe die Feinde in Richtung Aideen zu drängen und dann würden die zwei Truppen sie einfach zerquetschen. Wenn man es in Betracht zieht, wie viele Amerikaner es jetzt im Gebäude gibt, würde man nicht denken, dass das notwendig ist. Aber Torhild wurde gesagt, dass Verstärkung kommt. Dieser Meisterplan ist das Ergebnis der verschiedenen Informationen und der Arbeit der Todesritter und Torhild hat noch nie einen komplizierteren Angriffsplan in ihrem Leben gesehen. Aber sie ist felsenfest sicher dass der dunkle Lord sehr gut weiß, was er da macht.

Als sie sich weiter durch die unzähligen Korridore des Zauberregierungsgebäudes drängen, erblickt Torhild das Signal von der anderen Seite das ihr sagt, dass sie und ihre Truppe sich bald mit Aideens Armee verschmelzen werden. Wie gerufen und von dem dunklen Lord vorausgesehen, erscheint mit einem lauten Knall eine große Gruppe der Menschen in grün. Das ist die Verstärkung, geht Torhild durch den Kopf welche schnell ihre Truppe in Formation bringt. Eine weitere Gruppe erscheint und so geht es weiter. Warten... Weitere schwarze Funken von der anderen Seite und dann ertönt der Kampfschrei von Aideen Delaney, wobei Torhild die Hand hebt und ihre Truppe auffordert, anzugreifen.

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Ein Meisterplan, geht Artaius durch den Kopf. Der ihm zeigt dass er sich in seinem Eindruck von dem dunklen Lord sehr geirrt hat. Vielleicht ist er ein Jäger, wie er. Vielleicht ist er Artaius ähnlicher als kaum noch eine Person auf dieser Welt. Aber sein Plan enthält so viele Details und so viele Backuppläne dass, wie sich die dunkle Prinzessin geschickt ausgedrückt hat, der Fehlschlag statistisch unwahrscheinlich ist. Die Todesritter, welche den dunklen Orden unterstützen, haben einen Zauberrat durch Erpressung zum Verrat überredet und haben dadurch der Armee der dunklen Prinzessin Zutritt zu dem Gebäude des Polarisordens gesichert. Die Informationen, welche der dunkle Orden von dem Amerikaner der festgenommen worden ist bekommen haben, haben den Orden mit den Skizzen des Gebäudes und der Schwachpunkte in der Verteidigung ausgerüstet. Und dazu kreisten die Gerüchte im Orden, dass der dunkle Lord auch eine Menge aus Katie Bell und ihrer abtrünnigen Truppe herausgekitzelt hat. Der dunkle Orden hat alles in Betracht gezogen und hat sich gegen alles abgesichert. Artaius, wie jeder anderer, der für die Führung zuständig ist, musste alle Details auswendig lernen und die dunkle Prinzessin erlaubte keinem, der über etwas unsicher war, den Raum zu verlassen bis jeder alle Etappen des Angriffes sogar im Traum rezitieren konnte.

Und in diesem Moment ist Artaius verdammt stolz auf das dunkle Mal auf seinem Unterarm und auf seine Zugehörigkeit dieser großen und genialen Organisation welche sich der dunkle Orden nennt.

Artaius wurde klar, dass er früher über Menschen ganz linear dachte. Das heißt er versuchte sie in verschiedene Schubladen so schnell wie möglich zu stopfen sodass er mit diesem Teil seiner Arbeit, das heißt mit der Einschätzung der Menschen, die ihm überhaupt nicht lieb war und die er ganz schwierig fand und daher er dazu neigte, sie zu vereinfachen, schneller fertig werden kann. Aber im dunklen Orden hat er gelernt dass keiner in eine einzige Schublade passte. Der dunkle Lord zum Beispiel ist solch eine Person welche so viele Eigenschaften und Qualitäten hat, dass man sie ihn nicht nur in nur eine Schublade stopfen kann, sondern dass man auch von manchen seiner Eigenschaften keine Ahnung hat. Auf solche Komplexität der Persönlichkeit ist Artaius noch nicht gestoßen, aber in letzter Zeit kommt es ihm eher vor, dass er vielleicht dieser Sache keine Aufmerksamkeit geschenkt hat. Vielleicht ruhen auch in ihm Eigenschaften, von denen er keine Ahnung hat und deren er sich zuerst bewusst werden muss um sie danach weiter zu entwickeln? Die Vorstellung, neue Sachen über sich selbst zu entdecken ist für ihn sehr verlockend statt verängstigend und er fügt einen weiteren Punkt der Liste der Gründe hinzu, warum er mit seinem ganzen Wesen hofft, dass die dunkle Prinzessin bald mit ihrem Unterricht anfangen wird.

Und auf einmal spürt Artaius, dass er einen höheren Sinn hat. Dass er heute hier nicht nur dafür kämpft, um seinen eigenen Drängen Luft zu geben und einfach los zulassen, sondern auch den Herrschenden zu zeigen, dass er für diese Ehre bereit ist. Diese Kenntnis macht ihn auf einmal vorsichtiger, motivierter und mehr darauf aufmerksam, was er macht und wie. Auf einmal gibt es nicht nur ihn und die Welt um ihn herum sondern auch ein Ziel, das er bisher noch nie im Leben hatte. Er war immer ehrgeizig, ja. Aber jetzt hat er einen guten Grund dafür, ehrgeizig zu sein.

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Wie geplant, zehn Minuten nachdem die Verstärkung der amerikanischen Zauberregierung kam, kommt auch die Verstärkung der Reichsarmee.

Mit einem Knall erscheint ein Bataillon nach dem anderen und greift gleich an. Aideen Delaney atmet erleichtert aus und dreht ihren Stab in der Hand, einen kurzen Blick hinter der Säule auf das Schlachtfeld werfend. Die Taktik des dunklen Lords ist, obwohl etwas kompliziert und vielschichtig, für sie verständlich. Zuerst lässt man die Amerikaner sozusagen wissen, dass sie kommen. Dafür sind die Todesritter verantwortlich, welche diese Information so geschickt zugespielt haben. Dann greifen sie auf drei Fronten zugleich an, dabei für kollektives Chaos sorgend. Dann, als die Verstärkung kommt, erscheint auch die Verstärkung der Reichsarmee, welche jeglichen Widerstand sofort zerstört.

Und dieser Meisterplan scheint auch sehr gut zu funktionieren. Jene, welche Glück hatten um zu überleben, würden Sicherheit im Polarisorden suchen, der in diesem bestimmten Moment auch eingenommen worden ist, von der Armee der dunklen Prinzessin. Alle Ausgänge und Auswege sind gesichert und die Hellmagier stecken in der Mitte.

Natürlich weiß Aideen sehr gut, dass mit der Eroberung des Gebäudes und des Mordes der Hauptfiguren in diesem Spiel die Sache nicht vorüber ist. Aber das ist der erste Schritt. Der zweite Schritt ist die totale Kontrolle über die USA zu übernehmen und alle Auswege zu sichern. Keiner geht raus. Dann wird über Nacht eine neue, schwarzmagische Regierung gegründet welche die Kontrolle übernehmen und jeden Hauch des Widerstands gleich zerstören wird. Am Anfang herrscht man durch rohe Kraft und durch Angst. Und dann muss man sich den Nuancen zuwenden. Aideen weiß sehr gut dass auch nach dieser Schlacht viel Arbeit auf sie wartet aber nachdem sie ihre Entscheidung getroffen hat, die Schwangerschaft abzubrechen, heißt sie sie willkommen. Sie wird ihr bestes geben, um dazu beizutragen, eine starke Regierung in den USA zu gründen.

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Bellatrix Lestrange atmet tief durch als das Signal von der anderen Seite der großen Eingangshalle kommt und lässt ihre Hand mit dem Stab sinken. Ein Wimmern ertönt in ihrer Nähe und sie tritt wütend gegen einen Zauberer der auf ihrer rechten Seite auf dem Boden liegt. Die weißen Funken heißen – die Hellmagier möchten sich ergeben. Oder das was von ihnen übriggeblieben ist.

Ihr Blick ist verschwommen und es trommelt in ihren Ohren. Bellatrix weiß sehr wohl was das bedeutet. Zu viel Magie. Und ihre zuckenden Knie machen sie darauf aufmerksam, dass sie nicht mehr so jung ist und nicht länger herumhüpfen kann, sprinten oder einen Feuertanz machen indem sie sich duckt und dann aufspringt. Aber das ist Bellatrix' Kampfstil. Direkt, aggressiv, mächtig. Und sie würde es auf keine andere Weise tun können. Vielleicht wird sie langsam viel zu alt für all das.

Die Todesser gehen schnell zur Seite um den dunklen Lord durchzulassen, der mit dem Stab in Hand und keinen seines Blickes würdigend, die drei kleinen Treppen in die Eingangshalle hinunter steigt. Bellatrix atmet tief durch und folgt ihm. Sie soll da sein falls er irgendwelche Anweisungen für sie hat.

Sie stopft ihre Hand in die Umhangstasche und zieht eine kleine Phiole mit Aufpäppeltrank hervor, welche sie in einem Zug ausleert. Sie hat schon früher zwei davon zu sich genommen aber was solls. Schließlich greift man das Zauberregierungsgebäude in den USA nicht jeden Tag an. Bellatrix führt kein gesundes Leben aber ihr ist es egal. Für sie ist es wichtiger WIE sie ihr Leben lebt und nicht wie lange. Aus dem Augenwinkel sieht sie wie die Todesser welche etwas Erfahrung mit der Heilung haben, ihren Kollegen helfen. Sie ist auf die Tatsache stolz, dass sie diesmal keinen Heiler braucht. Es gibt kein Loch in ihrem Bauch und ihre Beine und Arme sind noch immer da. Das Trommeln in den Ohren und der Schwindel sind kein Rätsel für sie und sie braucht keinen Heiler um ihr zu sagen, was mit ihr nicht stimmt. Sie wird gut schlafen, gut essen und alles wird in Ordnung sein. Und ihren Blick so im Gang über die Halle schweifen lassend muss sie zufrieden feststellen, dass es nicht viele Opfer auf der dunklen Seite gibt.

Der dunkle Lord hat in der Zwischenzeit Aideen Delaney erreicht, welche die weißen Funken in die Luft abgeschossen hat. Mit einem maskenhaften Ausdruck blickt er über die knienden Amerikaner und nickt.

„In den Keller mit ihnen," sagt er zu Aideen. „Und wir werden zuerst das Gebäude sichern."

Aideen Delaney, sichtbar erschöpft und auf einer Seite blutend, dreht sich um, um Befehle auszuteilen. Der dunkle Lord, der so frisch aussieht wie eh und je, dreht sich dem Rest der Reichsarmee zu. Bellatrix erinnert sich nur allzu gut, dass es sich auch der ehemalige dunkle Lord nie anmerken ließ, wenn er müde war.

„Die Verletzten in den Raum daneben," deutet der dunkle Lord mit der Hand. Er schaut zu Bellatrix. „Kümmere dich um die Drachen."

Bellatrix nickt etwas enttäuscht da sie hoffte, sie würde Aideen dabei helfen, die Gefangenen einzusperren, aber Befehle sind Befehle.

„Wir treffen uns in zwei Stunden im Konferenzraum," fügt die magisch verstärkte Stimme des dunklen Lords hinzu.

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Oft beim Kämpfen hat sich Artaius insgeheim gewünscht, dass er alleine mit den Feinden wäre. Denn so würde er nicht darauf achten müssen, wohin er schießt und ob er einen Todesser trifft. Es würde auch keine schockierten Blicke geben wenn er jemanden enthauptet oder einen seiner Gegner auf sonst eine, laut ihnen, widerliche Weise umbringt. Heute aber ist Artaius für die Tatsache dankbar, dass es so viele Todesser um ihn herum gibt, denn auch wenn die dunkle Prinzessin auf der anderen Seite des Gebäudes ist, würden sie alles, was er heute Abend gemacht hat, bestätigen können.

Artaius hält sich nicht zurück, findet aber dass sich sein Kampfstil etwas geändert hat. Heute geht es mehr um die Effizienz und Präzision und nicht darum, ob er dadurch sich selbst befriedigt. Er ist natürlich nicht der einzige, der so egoistisch ist dass er davon ausgeht, dass sich die Welt um ihn herum dreht. Es ist einfach der dunkle Weg. Aber da er heute höhere Ziele hat außer einfach los zu lassen, findet er dass er überraschenderweise seine Gegner auf die einfachste und schnellste Weise außer Gefecht setzt.

Er drängt sich langsam durch das Gebäude und räumt die wenigen Menschen welche er erblickt aus dem Weg, in die Richtung der dunklen Prinzessin gehend. Und doch als er vorhat, durch eine Doppeltür zu marschieren, ertönen mehrere Knalle hinter ihm und er dreht sich schnell mit dem Stab in der Hand um. Sowie es scheint, haben sie die Hellmagier etwas unterschätzt. Die Verstärkung ist gekommen und diese Menschen scheinen Profis zu sein. Aus dem Augenwinkel sehend, wie ein paar Todesser durch die Luft geschleudert werden, stürzt er sich ohne weiteres in den Kampf, nicht darüber nachdenkend dass er und seine Kollegen momentan in der Unterzahl sind. Im selben Moment erblickt er die dunkle Prinzessin, welche gerade erschienen ist und welche einen Schild beschwört um ja nicht getroffen zu werden und kurz die Augen schließt. Binnen zwei Sekunden beginnt die Verstärkung zu apparieren, ihren Ruf antwortend, und das Schwarze und das Weiße stoßen zusammen.

Man würde erwarten die dunkle Prinzessin wütend zu sehen. Schließlich sind mehrere Todesser zu Opfern geworden, aber in ihrem Gesicht ist keine Wut zu sehen. Sie dreht sich wie ein Kreisel so schnell, dass die Umrisse ihres Körpers etwas verschwommen sind, und schickt Flüche in alle Richtungen, welche aus ihren beiden Stäben wie Donner hervorschießen. Artaius sieht Konzentration und Entschlossenheit an ihr. Aber auch Macht. Ihm wurde klar dass er sie noch nie so klar gesehen hat wie heute. Und dass er vielleicht Vorurteil hatte und deswegen mit dem dunklen Lord statt ihr arbeiten wollte. Tief in seinem Inneren gab es einen Chauvinist der nicht der Meinung war, dass die dunkle Prinzessin ihm das beibringen konnte was ihm der dunkle Lord beibringen konnte. Und Artaius gefällt diese Erkenntnis nicht. Er, wie jeder Schwarzmagier, mag es von Natur aus nicht, von anderen Sachen kontrolliert zu werden auch wenn sie ein Teil von ihm sind. Hauptsache ist, er war sich dieser Sache nicht bewusst.

Er versucht der dunklen Prinzessin so nahe zu bleiben wie es möglich ist um ja nicht getroffen zu werden und kämpft weiter, zum merkwürdigen Schluss kommend, dass er in letzter Zeit so viel über sich selbst herausgefunden hat und dass so viel passiert ist als habe jemand schon etwas im Gang gesetzt und als habe man schon entschieden, ihn zum nächsten dunklen Erben zu machen. Denn wie kann man sonst es erklären, was in ihm und seiner Umgebung passiert? Vielleicht hat die Achterbahnfahrt bereits angefangen.

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Bellatrix wirft einen schnellen Blick in den Raum in den die Verletzten gebracht worden sind und sieht Draco der zusammen mit seinen Assistenten die Runden macht. Seine Finger arbeiten beinahe automatisch und er erhebt sich schnell, einem seiner Assistenten Anweisungen gebend und dreht sich dem nächsten Patienten zu. Bellatrix entscheidet ihn bei seiner Arbeit nicht zu stören und geht in den Raum wo der dunkle Lord schweigend auf einem Stuhl sitzt und raucht. Sein Blick ist etwas glasig und seine Hand zittert. Die Todesser, welche den Kampf überlebt haben und wohlauf sind, sitzen schon dort. Manche essen Sandwiches, manche verteilen Tränke zwischen sich und manche sitzen schweigend da und starren vor sich hin. Bellatrix würde am liebsten zu dem dunklen Lord gehen und ihn fragen, ob es ihm gut gehe, aber das macht sie nicht. Sie weiß sehr gut wie sehr er es hasst, wenn man ihn stört und man kann nie wissen, was er gerade macht.

Nach etwa zehn Minuten humpelt Aideen Delaney in den Raum. Man scheint sie geheilt zu haben aber sie sieht müde und etwas nachdenklich aus. Einer nach dem anderen strömen die Todesser in den Raum und doch bleibt der dunkle Lord da sitzen und rührt sich nicht. Nachdem auch Torhild reinkommt, wird die Tür durch Magie zugeknallt und alle schauen zu dem dunklen Lord, der seine Hand sinken lässt und langsam aufsteht.

„Wir müssen schnell handeln," sagt er. „Die dunkle Prinzessin meldet, sie habe die Kontrolle über das Polarisordensgebäude übernommen und obwohl sie früher als geplant Verstärkung rufen musste, sei alles in Ordnung." Er deutet auf einen Todesser der so aussieht als könne er noch kaum gerade sitzen. „Sag dem Reichsheiler er solle dorthin gehen. Es gibt Arbeit für ihn."

Der Todesser steht schnell auf, verbeugt sich und geht. Der dunkle Lord dreht sich wieder den müden Gesichtern vor sich zu als die Tür hinter dem Todesser ins Schloss fällt.

„Wir werden uns verteilen. Eine Truppe geht in jede große Stadt in den USA und wird dort die Regierung gründen. Ihr alle habt noch immer den Freibrief zum Töten aber benutzt ihn weise. Ich erwarte Berichte von euch."

Die Todesser stehen einer nach dem anderen auf als er ihre Namen ruft und verlassen gehorsam den Raum wenn sie den Namen der Stadt bekommen, wo sie weiter arbeiten sollten. Als der dunkle Lord den Namen von Aideen Delaney ruft, steht sie schnell auf und schaut ihn erwartungsvoll an.

„Komm," winkt er ihr zu.

Alle schauen verwirrt zu wie die Irin in seine Richtung humpelt und wie der dunkle Lord eine Hand auf ihre Schulter legt. Noch etwas, was der ehemalige dunkle Lord nie getan hat. Dieser dunkle Lord möchte alle seine Todesser gut kennen und solche Gesten sind nicht selten zu sehen.

„Vielleicht kannst du nicht spüren, dass es weg ist aber in einem Moment wirst du schon die Folgen spüren," sagt er zu ihr leise. „Wie fühlst du dich?"

Aideen Delaney, deren Augen in diesem Moment nass werden, lehnt sich nach vorne, nimmt seine Hand in ihre und küsst sie.

„Ich werde meine Pflicht erfüllen und bin bereit, mein Lord," sagt sie.

„Gut," sagt er und drückt ihre Schulter.

Nur die zwei scheinen zu wissen worüber sie reden aber in diesem Moment ist es den Todessern, trotz der Tatsache dass das Tratschen der beliebteste Sport im dunklen Orden ist, total egal. Bellatrix Lestrange steht auf als sie ihren Namen hört und der dunkle Lord dreht sich ihr zu.

„Nimm fünfzig Soldaten mit," sagt er zu ihr. „Du gehst nach Dallas. Melde dich sobald du Nachrichten hast."

Die Soldaten und die Generäle sind an diese Vorgehensweise gewöhnt. Sie wissen dass die Arbeit nicht vorüber ist nachdem man den Kampf gewinnt. Und doch hoffen sie alle dass sie auf keinen Widerstand stoßen werden. Als Bellatrix Lestrange zusammen mit ihrer Truppe das Gebäude verlässt, lächelt sie als sie eine riesige schwarze Sonne über dem Gebäude schweben sieht. Am Anfang fand sie das dunkle Mal dieses dunklen Lords etwas merkwürdig, aber langsam beginnt sie die feinen Nuancen dessen Bedeutung besser zu verstehen. Der Erschaffer und der Zerstörer. Die Macht, welche ihre Strahlen in alle Richtungen ausstreckt und die Welt nach ihrem Willen gestaltet.