Kapitel 38 – Layton – Weihnachten

Hershel verbrachte die Weihnachtstage bei seinen Eltern – das Essen seiner Ma war einfach das Beste. Als Hermine ihm erzählt hatte, dass sie ihre eigenen Eltern verloren hatte, hatte er ihr angeboten mitzukommen (seine Eltern freuten sich immer über Besuch und mehr Trubel im Haus), doch sie hatte gemeint, dass sie lieber bei Severus sein wollte, weil sie den Gedanken nicht ertrug, dass er an Weihnachten ganz alleine war.

Hershel stand am Fenster und sah, wie die Schneeflocken zu Boden fielen. Er hatte das Gefühl, dass Hermine Severus ihm vorgezogen hatte, und das stimmte ihn traurig. Er versuchte, sich nicht allzu sehr diesem Gefühl hinzugeben, damit er seinen Eltern nicht das Fest verdarb, aber abseits von Hogwarts, das immer Abwechslung bot, war dies manchmal recht schwer. So wie jetzt.

„Na, Hershel", sagte sein Vater und stellte sich neben ihn.

„Hey, Pa."

„Wo drückt denn der Schuh?", fragte sein Vater mitfühlend.

„Er soll gar nicht drücken", erwiderte Hershel und zwang sich zu einem Lächeln. „Es ist schließlich Heiligabend."

„Geht es um diese Kollegin, von der du andauernd erzählst?", wollte sein Vater zwinkernd wissen.

Hershel seufzte genervt. Selbst vor seinen Eltern hatte er anscheinend seine Begeisterung für Hermine nicht unterdrücken können… Dann nickte er jedoch.

„Dachte ich's mir doch", meinte sein Vater. „Und was steht der ganzen Sache im Wege?"

„Sie liebt jemand anderen…"

Sein Vater seufzte. „Da gibt es nur eine Möglichkeit – du musst sie davon überzeugen, dass du besser für sie geeignet bist als dieser andere Kerl."

„Bin ich das denn?"

„Aber natürlich! Versuch's einfach."

„Das ist aber nicht so einfach… Außerdem könnte es unsere Freundschaft zerstören, wenn ich zu weit gehe und sie das gar nicht möchte."

„Hmmm", überlegte sein Vater. „Dann musst du eben ganz subtil vorgehen und im richtigen Moment stoppen."

„Ja…", meinte Hershel. „Danke, Pa."

„Kein Problem."

Eine Weile sahen sie nur still aus dem Fenster, dann räusperte sich sein Vater und meinte: „Und was ist mit… Emmy?"

Hershel seufzte niedergeschlagen. „Es ist jetzt schon so lange her, dass sie weg ist. Ich weiß nicht, ob ich sie jemals wiedersehen werde, deshalb habe ich beschlossen, dass es nichts bringt, einem Geist hinterherzutrauern."

„Sehr weise", erwiderte sein Vater. „Dann-"

„Roland, Hershel!", rief seine Mutter Lucille aus dem Esszimmer. „Zeit zum Essen."

„Wir kommen, Ma!", rief Hershel.

An diesem Abend war er schon ein wenig zuversichtlicher, aber immer noch gebremst. Doch als er am nächsten Morgen sein Geschenk von Hermine bekam, beschloss er, endlich tatkräftig zu werden.

Eine kleine Eule flatterte durch das offene Küchenfenster und auf Hershels Schulter.

Hershel nahm ihr den Brief ab, den sie trug, und erkannte sofort Hermines Handschrift. Eilig riss er ihn auf und las ihren Weihnachtsgruß:

Lieber Hershel,

ich wünsche dir wunderbare Weihnachten und hoffe, dass es dir gut geht. Hier in Hogwarts ist alles in bester Ordnung. Grüße bitte auch deine Eltern von mir.

Deine Hermine

PS: Die Eule ist dein Geschenk – du wolltest doch schon immer eine Posteule haben, nicht wahr? – und sie hat noch keinen Namen – ich dachte, das solltest du lieber selbst machen.

Er besah sich die Eule auf seiner Schulter. Sie hatte braune Federn und hellblaue Augen. Er wusste sofort den passenden Namen für sie. „Aurora", sagte er und die Eule sah ihn an. „Soll ich dich Aurora nennen?"

Zu Antwort schmiegte sie sich an seine Wange und er nahm das als ein Ja.

Dies war wohl wirklich das beste Weihnachtsgeschenk, das er je bekommen hatte.