[Kommentar]

Kurz vorweg. Das Kapitel ist sicherlich das Beste was ich je geschrieben habe. Zu holprig war der Einstieg nach so langer Zeit. Selbst das Zehn-Finger-System wollte nicht mehr so recht.
Die Geschichte ist mir fremd geworden und so muss ich mich erstmal langsam reinarbeiten. Dafür kann ich verkünden, dass der Mittwoch nun mein Schreibtag geworden ist und somit Hoffnung besteht, dass die Geschichte nun endlich fertig wird.
Ich hoffe, ihr helft mir dabei ein wenig.

Ansonsten tut es mir leid, dass ich so lange nichts mehr habe von mir hören lassen, aber das reale Leben nahm mich 2010 ziemlich mit, nur um dann seit Ende 2010 bis jetzt mich auf ein schönes Hoch zu schicken. Beides nahm mir auf die eine oder andere Weise die Lust zum Schreiben. Jetzt jedoch hat sich alles auf ein gleichbleibendes hohes Niveau eingependelt und somit werde ich mir ab jetzt jeden Mittwoch zum Schreiben gönnen, um der Geschichte einen hoffentlich würdigen Abschluss zu geben. Eure hilfe und Kritik ist herzlich willkommen.

Shelocklover
Es freut mich, dass du Deutsch mit Fanfiction lernst. Ich kann aber nur hoffen, dass meine Rechtschreibung und die der Korrekturleserin gut ist und das ich nicht zuviele "schlimme" Wörter eingebaut habe. Obwohl, wenn du auch andere Fanfiction liest, dann bin ich wohl harmlos...;-)

Sayena77

Sorry für die Pause. Ich hoffe, du bist jetzt nicht mehr traurig. Dein Review/Mail vom 29.09. war glaub ich der Auslöser, dass ich wieder mit dem Schreiben angefangen habe, auch wenn die ersten drei Entwürfe in der Tonne landeten. Ich hoffe, ich schaffe es, wieder den Geist der Geschichte in mir zu finden. Erste Anzeichen sind da. Ich träum zumindest wieder davon, was bei mir immer ein gutes Zeichen ist.

Sandstaub

Das Rica eine Emphatin ist, sollte schon eine Überraschung sein, aber da ich es selbst ja immer wusste, waren meine Hinweise wohl immer ein wenig zu subtil. Ich hab mir vorgenommen in der Überarbeitung da ein wenig mehr Infos zu streuen.

alle

Sicherlich habe ich vielen vergessen zu antworten und dafür entschuldige ich mich hiermit.

- Kapitel 36 -

Das Geheimnis des Wohltäters

„Mich einen Narren zu schimpfen, ist ein wenig unangebracht, Tarsuinn", sagte der alte Mann in einer gerade großväterlichen Art und Weise. „Das war ich vielleicht mal, aber heute trifft dies eher auf deine Eltern zu!"

„Ich habe noch viel treffendere Bezeichnungen für Sie", ätzte Tarsuinn zurück, während in seinen Kopf ein böser alter Narr vor Freude fast durchdrehte. „Welchen würde Sie bevorzugen?"

„Seelenloser Technokrat oder verderbendes Monster fände ich persönlich recht passend – aber im Grunde trifft es Fluchverwalter am besten.

„Das wäre viel zu nett", schüttelte Tarsuinn entschieden den Kopf und drehte seinen Kopf ein wenig zur Seite, so als würde er den Mann besonders gut hören wollen. Im Grunde wollte er jedoch nur im richtigen Moment einen ungesehen Schluck aus der Pulle nehmen können. Er spürte Tikkis Nähe und sie gab ihm das Selbstvertrauen, um einen Versuch zu wagen – wenn der rechte Augenblick kam.

„Nun, wenn du es nicht über dich bringen kannst mich Mr Banefactor zu nennen, vielleicht bist du ja mit Mr Curse zufrieden? Immerhin bin ich wohl ein Fluch für dich."

„Wie wäre es mit Silvio Adimere?", bot Tarsuinn giftig an. Befriedigt hörte er ein überraschtes und scharfes Einatmen. „Ja, ich weiß wie Sie wirklich heißen – und ich weiß auch, was man Ihnen angetan hat. Ich habe es tausendmal erleben müssen."

„Dann solltest du verstehen, dass dieser Mensch damals zerstört wurde."

„Wohl kaum!", widersprach Tarsuinn. „Ein kleiner, dummer Junge, der auch noch bei Grindelwald in die Lehre gehen wollte, wurde zu einem verrückten, großen Idioten." Tarsuinn hoffte, seine Beleidigungen würden den Mann – Curse, Banefactor, wie auch immer – in Rage versetzen, doch leider wurde er bitter enttäuscht.

„Auch wenn mir deine Ausdrucksweise nicht zusagt", lachte Banefactor amüsiert. „So ist deine Analyse meiner Persönlichkeit durchaus zutreffend – auf mein altes Ich bezogen."

„Dann sind wir in diesem Punkt unterschiedlicher Ansicht."

„Diese Meinung sei dir ungenommen."

„Wie großzügig. Da das nun geklärt ist, können Sie mir endlich sagen, was Sie von mir wollen? Oder besser gesagt: Was zum Teufel wollen sie NOCH von mir!"

„Oh, nichts weiter Schlimmes! Nur ein kleiner Gefallen. Es wird dir eine Freude sein."

„Irgendwie habe ich da so meine Zweifel."

„Hör mir doch erst einmal zu. Ich möchte…"

„STIRB, Abkömmling."

Ein irrer Poltergeist mit einem Loch im Bauch flog auf Tarsuinn zu und schwang dabei etwas, das Tarsuinn nicht sehen konnte. Sich zu Boden zu werfen war ein Reflex. Einen Zaubertrank zu trinken und den Zauberstab zu ziehen – kalte Berechnung. Der Zaubertrank wirkte fast sofort. Wie in Zeitlupe konnte Tarsuinn Banefactors Bannzauber auf den Poltergeist zurasen sehen. Doch vorallem sein Gehör und die Magie ließen ihn wissen wohin er zielen musste. Im Grunde genommen war es ganz einfach. War er schneller und traf er, spielte es keine Rolle, wie erfahren und begabt das Ziel war. Der Narr in seinem Kopf schrie zwar entsetzt auf, doch selbst für diesen war Tarsuinn zu schnell. Er bündelte seine Wut, seinen Hass auf Banefactor – ein seltsamer kleiner Teil in ihm fragte sich, ob er jetzt zu einem Sith wurde – zielte, dachte die Worte und dann schoss die Magie…

Etwas Pelziges berührte seine Haut und riss ihm den Zauberstab aus der Hand und die Zeit fing wieder an in normalen Bahnen zu fließen.

„Tikki!", schrie Tarsuinn entsetzt und vorwurfsvoll auf, doch ein ähnlicher Ruf seiner kleinen Freundin ließen ihn verwundert zögern. Ja, ein Mungo hatte ihn entwaffnet, doch es war nicht Tikki gewesen.

„Shy?", korrigierte sich Tarsuinn traurig, während ein tobender Poltergeist in einer Blase gefangen über ihn hinweg schwebte.

„Nimm es ihm nicht übel, Tarsuinn", sagte Banefactor „In seinen Augen bist du der Verräter, nicht er."

Tarsuinn sah wie sein Zauberstab dahin gebracht wurde, wo Banefactor stand und dann nach oben gehoben und wohl interessiert betrachtet wurde. Völlig überrascht und ratlos konnte Tarsuinn nur zuschauen während Tikki Shy mit gehässigen Lauten ausschimpfte.

„Höchst erstaunlich", sagte Banefactor und klang ein wenig wie Professor Dumbledore. „Da suchen Dunkle Zauberer seit Jahrhunderten nach diesen Stäben und dann findet man doch noch einen, welcher noch nie missbraucht wurden ist. Alle anderen hatten immer einen Makel, doch der hier…"

„Das werden Sie jetzt sicher ändern", knurrte Tarsuinn drohend. „Alles was Sie berühren verderben Sie. Meine Eltern, Shy und sicherlich noch unzählige andere."

„Oh, Shy muss ich da in Schutz nehmen. Er ist nicht verdorben." Banefactor klang ehrlich besorgt, aufgrund dieses Missverständnisses. „Er versteht die Welt der Menschen nur nicht. Du warst es, der ihn vergessen – und noch schlimmer – ersetzt hast. Ich schätze, dass verzeiht er dir nie."

„Ich soll was…?"

„Ich weiß, ich weiß", unterbrach Banefactor. „Es ist auch nicht deine Schuld, schließlich war ich es, der dich ihn vergessen ließ."

„Shy gehörte zu mir, bevor…", schlussfolgerte Tarsuinn und verstummt wieder.

„Ja was glaubst du, warum du mit deiner Tikki von Anfang so gut klar gekommen bist? Deine Eltern hatten durchaus Recht, als Sie sagten, ich wäre vernarrt in dich gewesen. Ich fand dein Wildes Talent faszinierend und da es in Indien magische Kobras gibt, welche Jagd auf magische Kinder machen, schenkte ich dir diesen kleinen grauen Wächter. Ihr wart unzertrennlich. Nach dem Willen deiner Eltern sollte er eigentlich Mickey heißen, aber klein wie du warst, hast du ihn immer Migi gerufen, bis er nur noch darauf reagierte.

Als ich dich dann vergessen ließ und du meinen verhassten Freund in dir trugst, dachte ich, er könnte dich ein wenig beruhigen. Leider brachtest du ihn bei der Gelegenheit beinahe um." „Deshalb vertraut er also keinem Menschen mehr", murmelte Tarsuinn geschockt.

„Ja, und da er uns nicht versteht, konnte es ihm auch niemand erklären. Es gibt keine magische Mungosprache, welche wir Menschen erlernen können. Nur die Zeit und deine lange und enge Verbindung zwischen dir und deiner Tikki, ermöglichen euch die Gedanken des anderen zu erahnen."

Ein kleiner Hoffnungsstrahl durchfuhr Tarsuinns Kopf.

„Wie sagen Sie ihm dann, was er tun soll?"

„Meine Veränderungen – welche du zum Glück nicht sehen kannst – haben auch mein Denken ein wenig verändert. Es ist ein wenig instinkthafter, tierischer. Ich kann ihm Bilder in seinen Kopf schicken, die zeigen, was ich von ihm wünsche."

„Ich verstehe", nickte Tarsuinn sinnend. „Shy vertraut ihnen, weil er in Ihnen keinen Menschen sieht und genau wie Tikki hat er Probleme zu verstehen, was eine Lüge überhaupt ist."

„Meine Bilder mögen nicht immer die Realität widerspiegeln", gab Banefactor zu.

„Dann sind Sie also doch an allem Schuld!"

„Das habe ich niemals abgestritten. Ich habe nur gesagt, es ist nicht Migis Schuld. Wie alles um mich herum, habe ich auch ihn manipuliert. Ich brauchte einen vertrauenswürdigen Spion und Wächter. Das er bei Mrs Glendarry landete, war nicht unbedingt beabsichtigt, im nach hinein jedoch sehr erhellend."

„Sie haben also Tikki beeinflusst, damit wir Shy... Migi finden?

„Nicht unbedingt manipuliert. Ich habe nur vermutet, dass sie über gewisse prophetische Instinkte verfügt – in Indien sind Mungos dafür bekannt, dass sie die Bewegung einer Kobra vorausahnen können – und wollte testen, wie weit diese gehen und ob sie meine Tarnung durchschauen kann." Banefactor kicherte vergnügt. „Offensichtlich ist ihr das furchtbar peinlich."

Tikki fiepte wirklich eine geknickte Entschuldigung in Tarsuinns Ohr, weshalb er ihr sanft die Ohren kraulte.

„Immerhin haben Sie auch Dumbledore täuschen können."

Wieder lachte Banefactor, diesmal ein wenig gehässig und sogar der Narr in Tarsuinns Kopf stimmte mit ein. Triumphierend rieb er Tarsuinn unter die Nase, dass er es sofort gewusst hatte und wie er Tarsuinns Misstrauen besänftigt hatte.

„Ja, Dumbledore", beruhigte sich der alte Mann wieder. „Er sucht ständig nach neuen Tricks mit denen anderen ihn zu täuschen versuchen, ohne zu bemerken, dass man seine eigenen gegen ihn wendet."

„Und wie ist es Ihnen gelungen?", war Tarsuinn dann doch etwas neugierig.

„Erinnerungen!", erklärte Banefactor vergnügt. „Dumbeldore sammelt seit Jahren welche. Früher, damit bedeutendes Wissen nicht verloren ging. Die letzten Jahre eher um eine Mittel gegen Tom Riddle alias Lord Voldemort zu finden."

Der logische Schluss verursachte Tarsuinn Übelkeit.

„Und Sie haben sämtliche Erinnerungen von Gregori Noituspa einverleibt, nicht wahr."

„Was kann ich dafür, dass er Sie so rumliegen lässt? Aber einverleiben kann man sich Erinnerungen nicht. Man kann Sie nur benutzen um jemanden nahezu perfekt nachzuahmen. Durch das Denkarium werden Erinnerungen zu den eigenen und es sind dann genau diese Details einer eigenen Erinnerung, die das Lügen so überzeugend macht. Denk daran, solltet ihr jemals einen Todesser täuschen müssen."

„Was voraussetzt, dass ich hier jemals frei herauskommen."

„Die Möglichkeit besteht."

„Dafür haben Sie mir im Grunde schon viel zu viel erzählt."

„Weil es keine Rolle spielt, wenn du mein Angebot annimmst", versprach Banefactor.

„Sie können sich ihr Angebot..."

„Hör es dir erst einmal an, bevor du beleidigend wirst, Tarsuinn. Ablehnen kannst du immer noch."

Tarsuinn bezweifelte, dass dieser Mann ihm irgendetwas sinnvolles anbieten konnte, aber da er weiter Zeit schinden musste, nickte er knapp.

„Gut, was wollen Sie?"

„Schön, dass du vernünftig bist, Tarsuinn. Aber bevor ich dir sagen, was ich von dir will, sagen ich dir zuerst, was ich dir biete."

„Sie klingen wie ein schmieriger Versicherungsvertreter."

„Danke, ich lerne gern von den Besten."

„Ich wollte damit sagen, es ist mir egal was Sie mir bieten."

„Sag das nicht so vorschnell. Es ist meine Berufung zu erkennen, was andere Menschen wollen. Ich kann es fühlen und ich habe dich lange genug studiert um zu wissen, was ich dir nicht bieten darf. Reichtum – Schönheit – Macht, das ist etwas für Menschen, die auf sich selbst bezogen sind, selbst wenn sie vorhaben es zum Guten zu nutzen. In deinem Kopf ist jemand, der solche Angebote ohne nachzudenken annehmen würde – egal zu welchem Preis. Ich bitte dich, ihn zu ignorieren."

„Das tue ich immer."

„Gut, Tarsuinn. Genau was ich hören wollte. Und jetzt hör dir mein Angebot an. Hör auf meine Stimme, ob ich lüge. Versprich mir genau zuzuhören."

„Habe ich eine Wahl? Mir die Finger in die Ohren zu stopfen und voller Inbrunst Lalala zu singen halte ich nur einen begrenzten Zeitraum durch."

„Nun, meiner Erfahrung nach haben Kinder die Fähigkeit nichts zu hören, egal wie deutlich man es ihnen sagt."

„Es geht um Leben und Verstümmelung, wenn man mit Ihnen spricht", entgegnete Tarsuinn sarkastisch. „Wie verblödet müsste man sein, um Ihnen nicht zuzuhören."

„Ein guter Punkt", kicherte Banefactor unangebracht und so furchtbar es sein mochte, es klang erschreckenderweise fast sympathisch. „Also gut, ich habe also deine voller Aufmerksamkeit." Banefactor machte eine lange Pause und Tarsuinn hörte ihn tief durchatmen. „Ich biete dir dein Leben, das deiner Schwester und all die du liebst – und gleichzeitig die Gewissheit, dass ich mein schändliches Tun für immer aufgebe."

„Oh, wie großzügig. Sie bieten uns eine Selbstverständlichkeit und die Lösung von Problemen, welche wir ohne Sie nicht hätten? Und wie soll ich diese großzügige Geste belohnen?"

„Du sollst es beenden, Tarsuinn", antwortete Banefactor einfach und der Ton ließ Tarsuinn stocken.

„Was?"

„Beende es, Tarsuinn! Beende mein Leben."

Nein.

Der Narr in Tarsuinns Kopf brüllte dermaßen gequält und wütend auf, dass der Junge glaubte sein Kopf würde zerplatzen. Es zwang ihn auf die Knie und gequält presste er die Hände auf gegen seine Schläfen, so als könnte das ein Bersten verhindern.

Der Anfall dauerte nur wenige Sekunden, dann wurde die Stimme des Narren schlagartig leiser. Er spürte eine warme Hand auf seinem Rücken und die Spitze eines Zauberstabes, der seine Stirn berührte.

„Das sollte dir eine Weile einen klaren Kopf verschaffen."

„Danke", würgte Tarsuinn widerstrebend heraus, aber er war so froh die Stimme in seinem Kopf kaum noch zu hören, da spielte sein Hass für einen Moment keine Rolle.

„Also?", fragte Banefactor nach gut einer Minute hoffnungsvoll. „Wirst du meinen Wunsch erfüllen?"

„Sie meinen das wirklich ernst!", stöhnte Tarsuinn und drängte den als Flüstern zu hörende des Narren beiseite.

„Ja! Du siehst also, es gibt keinen Grund gegen mich zu kämpfen."

Tarsuinn krümmte sich erneut, jetzt jedoch mehr innerlich.

„Ich kann sowas nicht!", sagte er entsetzt.

„Warum? Bevor Shy dich unterbrach, wolltest du doch ohne Rücksicht gegen mich Kämpfen. Das konnte ich deutlich sehen. Jetzt brauchst du keinen Widerstand fürchten. Ich werde dir sagen, wie du es tun muss und mich auch nicht wehren – das sollte die Sache doch stark für dich vereinfachen."

„Kann es sein, dass Sie es wirklich nicht begreifen?", wunderte sich Tarsuinn. „Jemanden zu töten, ohne mich verteidigen zu müssen – das kann ich einfach nicht!"

„Du würdest mir einen großen Gefallen damit tun."

„Und der Welt auch", fügte Tarsuinns zynische Ader hinzu. Banefactor sagte nichts, doch Tarsuinn spürte deutlich seine gegensätzliche Meinung. „Sie denken nicht so, oder?"

„Es liegt nicht in meinem Interesse dich vom Gegenteil zu überzeugen."

„Und wenn ich es trotzdem hören will", verlangte Tarsuinn. „Wenn das meine Bedingung ist? Wenn ich wissen will, warum jemand so etwas Abstoßendes tun kann? Denken Sie, Sie können einfach hier herkommen und mich ohne Erklärung dazu zu bringen Ihnen einen Gefallen zu tun? Warum wollen Sie überhaupt sterben und warum haben Sie nicht die Eier selbst in die Kiste zu hüpfen? Es gibt da zahlreiche, sehr kreative Möglichkeiten."

„Die ich alle schon erwogen habe", meinte Banefactor. „Aber wie du sicher vermutest, ist mein Problem ein wenig spezieller."

Da der Mann nicht weiter fortfuhr, nutzte Tarsuinn den Moment und die relative Ruhe in seinem Kopf um über Banefactors Worte nachzudenken.

„Sie haben ein Einhorn getötet und dessen Blut getrunken", schlussfolgerte er nach einer Weile leise. „Nur deshalb können Sie einen Unberührbaren Zauberstab benutzen!"

„Das ist korrekt!"

„Warum haben Sie das getan?", wollte Tarsuinn erschrocken wissen. Die Bestätigung kam so ruhig und doch so traurig über die Lippen des Mannes, dass selbst das Einhorn in Tarsuinns Kopf verwundert innehielt. Ohne darüber nachzudenken streckte er seine Hand aus und berührte zaghaft Banefactor an der Stelle, wo dessen Herz lag. Angst und Trauer flutete plötzlich durch seinen Körper.

„Ich wollte damit den Wahnsinn ein für alle Male aus meinen Kopf vertreiben – und ich dachte, einer der Zauberstäbe würde mir dabei helfen. Die Geschichte über den Fluch hielt ich für Ammenmärchen."

„Der Narr hätte es niemals zugelassen, dass sie eine Waffe gegen ihn richten", schüttelte Tarsuinn den Kopf.

„Er war damals nicht in meinem Kopf, aber es war lange bevor du auf die Welt kamst."

„Dann haben Sie Ihr Schicksal verdient."

„Der Ansicht bin ich durchaus auch – auch wenn ich dank dir schon viel davon wieder gut gemacht habe."

„Ach, wirklich?", fauchte Tarsuinn kalt und zog seine Hand plötzlich angeekelt zurück.

„So schwer es dir sicherlich fällt dies zu begreifen – ja! Indem ich Böses tat habe ich in den letzten zehn Jahren mehr Gutes bewirkt, als jemand wie Dumbledore in über hundert Jahren."

„Unter Bescheidenheit leiden Sie sicher nicht. Haben Sie mal ein Beispiel für ihre Güte?"

„Mehr als genug. Nehmen wir Indien. Erinnerst du dich da noch an das Kastensystem dort? Die Zauberer dort betrachteten die Muggel als niedere Tiere, welche man nach Lust und Laune ausnutzen, demütigen, jagen, töten und foltern konnte. Jemand wie Dumbledore hätte dort niemals friedlich eine Veränderung herbeiführen können. Keinem magischen Kind wurde so etwas wie Mitgefühl gegenüber Muggeln beigebracht. Nur ein Krieg hätte etwas ändern können, mit unzähligen Toten.

Natürlich habe ich am Anfang dieses System nur für meine Zwecke benutzt. In Indien scherte es niemanden was ich tat. Ganz im Gegenteil. Ich konnte schalten und walten wie ich wollte und verstieß dadurch nicht mal gegen ein Gesetz, denn Gesetze gab es nur für Menschen, was natürlich nur Zauberer sein konnten.

Doch als mein Wahnsinn in dir eingesperrt wurde, änderte ich meine Ziele. Oder besser gesagt, deine Gefühle veränderten mich. Ich entwickelte plötzlich Mitgefühl und echtes Einfühlungsvermögen. Menschen, die wie ich waren, stießen mich plötzlich ab – und trotzdem war ich intelligent genug um nicht gleich in einen rechtschaffenden Amoklauf zu verfallen. Stattdessen begann ich damit die Reichen und Mächtigen zu verführen, gab Ihnen Gesundheit, die körperlichen Attribute ihrer Träume, Jugend, Intellekt, Macht. Die, welche meinen Versuchungen wiederstanden infizierte ich mit tödlichen Krankheiten oder organisierte verstümmelnde Unfälle. Nach weniger als drei Jahren musste mehr als drei Viertel der Regierung meinen geheimen Befehlen gehorchen und es wurden erste Gesetze erlassen, um Muggel vor der Willkür der Zauberer zu schützen."

„Aber viele Unschuldige mussten dafür sterben, nicht wahr?"

„Ich opferte hunderte, ich rettete zehntausende und ermöglichte es Millionen frei zu leben."

„Ich bin mir sicher, Ihre Opfer wären mit diesem Wissen viel glücklicher gestorben!"

„Nun, wann immer es ging waren Verbrecher die Spender und es gab durchaus auch Freiwillige."

„Trotzdem wird aus Falsch nicht automatisch richtig, wenn auf der anderen Seite der Gleichung eine größere Zahl steht", war Tarsuinn überzeugt.

„In Tschernobyl schickte man viele Menschen wissentlich in den Tod und rettete damit Millionen."

„Und wenn die Verantwortlichen dafür mit vorderster Linie gestanden hätten, dann würde ich sie ehren. Wer andere in den Tod schickt, der muss auch selbst bereit sein zu sterben. Professor Dumbledore hat das verstanden."

„Bitte ich dich nicht gerade darum, mich für mein Tun sterben zu lassen?"

„Ja…", langsam vielen unzählige Puzzlestücke an ihre richtigen Platz. „Nein! Sie wollen gar keine Wiedergutmachung. Sie haben einfach Angst vor dem Leben und vor allem vor dem, was danach kommt. Sie wollen sich aus der Verantwortung stehlen, genau wie sie es mit dem Narren gemacht haben. Nur deshalb haben Sie mir dieses Buch mit den Zaubern gegeben. Ihre Seele soll kein verfluchter Geist und ihr Körper kein Dementor werden. Sie glauben eine Lösung gefunden zu haben."

„Das habe ich durchaus."

„Und mehr wollen Sie dazu nicht sagen."

„Was soll ich denn mehr sagen, außer: Du hast Recht! Es stimmt einfach. Der fasst vollende Kuss des Dementors hat mich teilweise Wahnsinnig gemacht. Genau wie deine Schwester bin ich ein Empath, nur mit dem Unterschied, dass ich selbst nichts empfinden konnte – ausgenommen vielleicht Neid auf die, deren wunderbare Gefühle ich spürte. Glaub mir, einem Dementor zu begegnen ist schlimm, aber einen wirklich zu fühlen, ist grausam. Ich möchte nicht, dass mein Körper zu einem wird und ich möchte nicht ewig von einem verdammten Fluch gebunden in dieser Hölle hier dahin existieren. Du bist der Weg, um mich davor zu bewahren. Trenne mich von der Magie, dann beende mein Leben. Du ersparst mir die Hölle und der Welt einen weiteren Dementor."

„Ich dachte immer, genau das würde zur Geburt eines Dementors führen?", entgegnete Tarsuinn verwirrt. „Den Magieentzug meine ich."

„Oh, nein. Es ist genau umgekehrt", korrigierte Banefactor. „Denk doch einmal logisch darüber nach! Dementoren sind Wesen der Magie. Dunkler Magie, ja, aber trotzdem können sie ohne Magie nicht existieren. Sie entstehen durch Fluch und Vergiftung. Es heißt, der große Merlin höchst selbst wollte die Einhörner so vor der Gier der Menschen schützen. Trennst du mich nun von der Magie, trennst du mich von dem Fluch und auch das magische Gift kann nicht wirken. Bin ich dann Tod, muss du meinen Körper nur noch verbrennen und warten bis mein Geist hinter den Schleier getreten ist. Ist dies geschehen, kannst du Magie zu ihrer natürlichen Ordnung zurückkehren lassen."

„Und was ist mit mir?", fragte Tarsuinn und es war ihm dabei egal, dass er so egoistisch klang. „Wird der Narr verschwinden, wenn sie endlich tot sind?"

„Tja, das ist der wunder Punkt in meinem Angebot.", bekannte Banefactor und Tarsuinn schauderte aufgrund des ehrlichen Mitleids, welches er in der Stimme des Mannes hörte. „Du kannst mich nur aufhalten, wenn du mich von der Magie trennst. Doch damit sorgst du auch dafür, dass es keinen Austausch geben kann, selbst wenn du danach das Siegel brichst. Du müsstest meinen Wahnsinn für immer in dich verschließen."

„Und Rica?"

„Nun, für sie besteht natürlich Hoffnung, da ihre Siegel jemanden anderen gehört, aber ich würde dir raten diesen nicht nachzujagen."

„Mich interessiert ihr Ratschlag nicht sonderlich."

„Das mag sein. Doch deine Schwester ist trotz ihrer Narbe glücklich. Trotz oder gerade dadurch hat sie jemanden gefunden, der sie aufrichtig liebt. Es würde ihr und dir nicht gut tun, wenn du anfängst zu jagen, statt mit ihr und deinen Freunden zu leben."

Tarsuinn kniff trotzig die Lippen aufeinander und schluckte unzählige Beleidigungen und Vorwürfe herunter.

„Zu Ihrer Info", zischte er schließlich. „Ich hasste Sie dafür noch viel mehr."

„Dann sollte es dir jetzt noch leichter fallen, zu tun, worum ich dich bitte."

„Aber gerade deshalb kann ich Sie einfach nicht töten!"

Es auszusprechen war vielleicht einfach dumm, aber die Wahrheit brach einfach aus ihm hervor. Der Narr wollte zurück in seinen lebenden Körper, sein Hass und das Einhorn wollte Banefactor nicht so einfach davonkommen lassen und er selbst wollte weder töten noch die Hoffnung aufgeben. Andererseits…

„Würde es dir leichter fallen, wenn ich eine konkretere Bedrohung wäre?", unterbrach Banefactor einen wichtigen Gedanken. „Ich habe keine Probleme damit, wie du ja weißt. Vielleicht ist es an der Zeit dir meine Pläne zu erläutern, für den Fall, dass du dich weigerst." Die großväterliche Stimme Banefactors verschwand. „In einem Punkt hatten deine Eltern Recht: Dieser Ort ist perfekt um sich vor Voldemort zu verstecken. Ich könnte euch hier ewig gefangen halten und versuchen deine Meinung zu ändern. Mir fallen unzählige, sehr schmerzhafte Möglichkeiten dazu ein. Aber leider fürchte ich, dies würde dem Wahnsinn in dir nur neue Nahrung geben. Viel erfolgversprechender wäre es wahrscheinlich deine Schwester zu beeinflussen. Sie würde eine wirklich großartige Nachfolgerin abgeben. Das wäre zwar etwas völlig neues für mich, aber ich bin sehr gern Lehrer."

„Wenn Rica wach wird, wird Sie Ihnen schon sagen, wohin Sie sich diese Idee stecken können."

„Sei dir da nicht so sicher, Tarsuinn. Zeit und Magie, die Liebe zu dir und Mr Cutter wären hilfreiche Schwächen, um sie langsam Schritt für Schritt zu verführen. Am Ende würde ich ihr das Leben eines Kindsmörders und das eines todkranken Babys in die Hände legen und ich wäre wirklich sehr überrascht, wenn dies nicht zu dem von mir erwünschten Ergebnis führen würde."

„Aber Sie kann Ihnen doch gar nicht helfen", war Tarsuinn entsetzt.

„Doch – denn für Sie, für ihre Unschuld, würdest du töten. Jeder Mensch hat einen Punkt an dem die Grenze überschritten ist. Bei dir wäre es, wenn ich deine Schwester zu dem machen würde, was du am meisten hasst. Und ich würde bei ihr nicht aufhören. Deine beiden treuen Freundinnen tragen beide eine dunkle Seite in sich, die zu nutzen ich ihnen beibringen könnte. Wenn du nicht wieder auftauchst werden sie dich suchen und jedes Hindernis, welche ich ihnen dabei in den Weg stellen, würde sie ein kleines Stück verderben. Ich würde deine Tikki töten, deine Tante Glenn ihren Sohn Jean vorstellen und sie dann als Todesser anschwärzen. Und all das nur, weil du mir ein friedliches Ende nicht gönnst…?"

Tarsuinn schluckte schwer. Er brauchte nicht Tikkis Bestätigung um zu erkennen, dass Banefactor all dies auch wirklich tun würde. Und trotzdem spürte er auch Täuschung. Nur war diese so subtil, dass er nicht erfassen konnte, wo Banefactor gelogen hatte.

„Mit meinen Gewissen und meinen Gefühlen scheint es ja nicht allzuweit her zu sein, wenn Sie zu so was fähig sind", flüchtete er sich in Zynismus. „Ich glaub, langsam will ich sie gar nicht mehr zurück."

„Das Gewissen eines Vierjährigen ist halt noch angenehm flexible und formbar", lachte Banefactor, so als handle es sich um wunderbar köstliche Ironie. „Vielleicht hilft es dir, wenn du es als eine Art Spiel betrachtest. Du bist James Bond und ich der Bösewicht, der die Welt bedroht. Lässt du mich entkommen, zerstöre ich alles. Für diesen Moment hast du die Lizenz zum Töten."

„Ich sehe Sie eher als der Samurai der alle enttäuscht hat.", wehrte sich Tarsuinn gegen den Vergleich und versuchte gleichzeitig einen Verdacht zu bestätigen. „Das ist doch viel treffender, oder?"

„Ja… ja, vielleicht", entgegnete Banefactor leicht irritiert klingend und Tarsuinn fühlte bei dieser Antwort viel mehr als der Mann ahnte.

„Gut", sagte Tarsuinn entschlossen, so als hätte Banefactor ihn überzeugt. „Ich mach es!"

„Das freut…"

„Aber…!", unterbracht Tarsuinn in bester Snape-Manier. „Ich habe Bedingungen!"

„Bedingungen?", erkundigte Banefactor sich nun misstrauisch.

„Ja, natürlich!", antwortete Tarsuinn kühl. „Sie wollen keine Kleinigkeit von mir und mich mit all Ihren Fehlern zurücklassen. Sie werden also ein paar Dinge in Ordnung bringen bevor sich Sie gehen lasse!"

„Ich habe nicht die Zeit um durch die Welt zu reisen und nach deinen Anweisungen Gutes zu tun. Ich würde angesichts der letzten Ereignisse eine zeitnahe Lösung vorziehen!"

„Hier und jetzt!", erklärte Tarsuinn. „Sie haben so viel geredet, da sollten Sie noch ein paar Minuten haben."

„Nun – vielleicht", gab Banefactor zögerlich nach. „Was möchtest du also, dass ich tue?"

„Sind Sie gut in Gedächtniszaubern?"

„Ich habe viel Übung darin."

„Gut. Dann werden Sie jetzt ein paar Erinnerungen nach meinen Wünschen verändern."

„Welche da wären…?"

„Zunächst meine Eltern. Machen Sie sie zu geistigen Vierjährigen, aber bitte nicht zu Idioten wie Professor Lockhart."

Für einen Moment schien Banefactor sprachlos.

„Ist dies wirklich dein Ernst?", wollte er wissen. „Dies würde die Persönlichkeit deiner Eltern komplett auslöschen und es wäre höchst illegal und verwerflich."

„Mag sein", nickte Tarsuinn und gab sich Mühe seine Unsicherheit zu überspielen. „Aber zum einen machen sie es ja und zum anderen würden meine Eltern in Askaban landen, wenn herauskommt was sie angestellt haben. Und das hat niemand verdient – nicht einmal sie."

„Ich könnte ihnen auch nur die letzten 14 Jahre nehmen", schlug Banefactor vor. „Das würde sie von einigen leidvollen Erfahrungen befreien, aber ihr Wesen größtenteils intakt lassen."

„Der Charakter meiner Eltern war auch damals schon zweifelhaft", widersprach Tarsuinn kühl. „Sie haben die Fähigkeit ihrer kleinen Tochter missbraucht um andere zu betrügen und waren dabei nicht mal intelligent genug gewisse Leute zu verschonen. Nein, wenn man ihnen nur ein paar Jahre nimmt, werden sie nicht anders werden. Aber vielleicht haben Sie recht und vier Jahre alt ist wirklich ein wenig zu jung – wie wäre es mit sechs?"

„Es würde sich trotzdem nicht groß von Mord unterscheiden."

„Haben Sie plötzlich Skrupel? Bei dem was Sie von mir verlangen? Bei dem was Sie ihnen angetan haben?"

„Keine Skrupel. Ich will nur sichergehen, dass du weiß, was dein Wunsch bedeutet."

„Ein freundlicher Herr hat es mir vor zwei Jahren sehr deutlich erklärt. Ich weiß, dass es unsere Erfahrungen sind, die uns definieren und formen. Genau deshalb will ich ihnen diesen Neuanfang geben. Mir fällt keine positivere Lösung ein."

„Nun gut! Wie du meinst! Bleib schön da, wo du jetzt stehst und versuche keine Tricks."

Tarsuinn zuckte nur mit den Schultern. In seinen Kopf wurde das Toben des Narren langsam wieder lauter, denn der ahnte wohl, was Tarsuinn hoffte.

Vor Tarsuinn begann Banefactor langsam und sehr deutlich in Latein zu sprechen. Er konnte die Magie des fremden Zauberstabes sehen und glaubte sogar den Widerwillen des Unberührbaren Stabes zu spüren. Unzählige Fäden griffen hinaus und formten ein kompliziertes Geflecht.

So sieht also ein Gehirn aus, dachte Tarsuinn fasziniert.

Kleine rote Blitze schienen dem Zauber entgegenwirken zu wollen, doch die silbernen Fäden fingen die Kraft ein, wickelten sich darum und glätteten sie. War es seine Mutter oder sein Vater der eben sein Selbst verlor? Tarsuinn wusste es nicht und eine halbe Stunden – und einen weiteren Zauber – später, spielte es auch keine Rolle mehr.

„Erledigt", sagte Banefactor und seine Stimme zitterte ein klein wenig dabei.

„Und jetzt noch Ricas Erinnerungen an das Ritual", forderte Tarsuinn. „Niemand soll Ihre Arbeit jemals fortsetzen können."

Diesmal war Banefactor ohne Widerspruch einverstanden, wobei sein Zauber diesmal viel länger brauchte. Wahrscheinlich lag das daran, dass das Wissen so tief in Rica versteckt war oder weil er mehr darauf achten musste, welche Erinnerungen er entfernte. Zumindest waren die silbernen Fäden diesmal viel sanfter und auf einen kleinen Punkt konzentriert. Tarsuinn war froh, dass Banefactor sich so sehr darauf konzentrierte Rica zu schonen. Damit nahm er wesentlich weniger von seiner Umgebung war – auch wenn er sicherlich Tarsuinn und Tikki fest im Auge behielt.

„Die Widerstandskraft deiner Schwester ist beachtlich", atmete Banefactor tief durch, nachdem er mehr als eine Stunde an Rica gearbeitet hatte.

„Seien Sie froh, dass sie nicht wach ist. Jetzt, Jean!"

„Lass mich ein wenig durchatmen", bat Banefactor.

„Bei ihm müssen Sie sich keine Mühe geben", winkte Tarsuinn so zynisch ab, dass selbst der Narr beeindruckt verstummte. „Der sadistische Drecksack könnte einen kompletten Neuanfang gut gebrauchen!"

„Nicht bei den Eltern."

„Darum werde ich mich schon kümmern", versprach Tarsuinn. „Jetzt da ich weiß, dass er zu Tante Glenn gehört."

„Nun, wie du wünschst. Aber erhoffe dir nicht allzu viel."

Banefactor wob die Magie – gröber als die Male zuvor – deutete auf Jean um den Zauber zu entlassen… und in diesem Moment sprang Tarsuinn dazwischen. Er konnte die Überraschung Banefactors und das Entsetzen des Narren deutlich spüren. Es musste ihnen wie ein Fehler in der Realität vorkommen, dass in Tarsuinns Hand sein Zauberstab lag. Banefactor war nicht mehr in der Lage seinen Zauber zu stoppen und so raste die Magie auf den blinden Jungen zu.

Für Tarsuinn war es schiere Ironie, dass es Banefactor gewesen war, der ihm mittels eines Buches gelehrt hatte, was zu tun war. Der alte Mann hatte den gestohlenen Einhornstab benutzt und sich somit in Tarsuinns Hand begeben. Für eine einzige Sekunde gelang es Tarsuinn den Narren in seinen Kopf komplett beiseite zu drängen, konzentrierte sich komplett auf seine – vielleicht letzte – Aufgabe, fing den Gedächtniszauber mit Stab und Hand und schleuderte ihn auf Banefactor zurück. Der alte Mann versuchte zwar noch zu blocken, aber der seit Jahrzehnten missbrauchte Zauberstab weigerte sich gegen seine eigene Magie anzukämpfen. Banefactor und der Narr schrien gleichzeitig und dann hörte Tarsuinn den Mann auf den Boden aufschlagen.

„Wir Menschen können vielleicht nicht die Sprache der Mungos", murmelte Tarsuinn kalt. „Aber Tikki versteht mehr als genug Englisch."

Er bekam keine Antwort. Zu seinen Füßen begann ein alter Mann wie ein Baby zu weinen. In einem Anfall von Mitgefühl ging Tarsuinn neben ihn auf die Knie und berührte tröstend den Kopf des quasi Neugeborenen.

„Das geht vorbei", sagte er beruhigend. „Du hast dich beim Hinfallen nur gestoßen."

Hinter Tarsuinn ertönte ein leises, ängstliches Fiepen.

„Komm her, Migi", bat Tarsuinn. Vorsichtig schob sich etwas Weiches unter seine linke Hand. Sanft strich er über das zitternde kleine Wesen.

„Es tut mir sehr leid, Migi…" Tikki korrigierte ihn. „…Shy, wenn du das lieber magst. Hättest du mir nicht den Zauberstab gegeben, dann wäre alles viel, viel schlimmer gekommen. Ich weiß nicht, was ich hätte tun können, wenn du Tikkis Übersetzung von Banefactors Worten nicht geklaubt hättest. Ich denke, wir sehen jetzt erst einmal zu, dass…"

Klap, klap, klap.

„Welch ein wunderbarer Moment der Hinterlist! Welch ein Verrat an den eigenen Eltern! Welch Glück so etwas erleben zu dürfen!"

„Von erleben, kann man wohl bei dir kaum sprechen, Oliver!" Tarsuinn nahm die Hand von Shy, stand auf und richtete entschlossen seinen Zauberstab auf den Poltergeist.

story by Tom Börner 9 Der geheimnisvolle Wohltäter (Arbeitstitel)

29/02/2012