AN: RawenclawBabe: als ich die Geschichte auf Englisch veröffentlicht habe, habe ich den Leading Character je nach dem Lauf der Dinge immer geändert; nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich das jetzt nicht mehr mache, die Gewichtung wird sich auch wieder ändern und drei Leading Character kann man ja hier leider nicht eingeben.
Naschmietz& LeylaCann: danke für das Lob.
Viel Spaß beim Weiterlesen!
Kapitel 36
-Spiele-
„So."
„So.", ich bemühte mich, ebenso eisig zu klingen wie er.
„Sieht ganz so aus, als seien wir wieder Ehefrau und Ehemann."
„Ja, so sieht es wohl aus.
„Nun gut." Er klang gelangweilt.
„Was soll ich tun?"
„Ich möchte, dass du mich heute Abend im Löchrigen Kessel triffst."
„Wo wir was tun werden?"
„Wo wir unsere Versöhnung feiern werden."
„Ah. Tun wir das nicht gerade?"
„Wohl kaum."
Ich starrte Severus wütend an. Er dagegen musterte mich mit dem Gesichtsausdruck größter Anwiderung. Ich hatte mich wirklich sehr bemüht, gut auszusehen. Ich trug einen dezentes, aber trotzdem sexy Kostüm und dazu meinen Diamantschmuck. Warum ich mich überhaupt so aufgedonnert hatte, erschloss sich mir selbst nicht mehr, aber irgendwie beruhigte mich das Wissen, dass er wenigstens gegen mein Aussehen nichts würde sagen können, wenn ich durchgestylt und aufgetakelt zu ihm kam.
„Und wozu brauchen wir dann den Löchrigen Kessel noch?"
„Wir brauchen einige Zeugen für unsere freudige Versöhnung."
„Ah. Warum das?"
„Ich möchte, dass einige unabhängige Quellen darüber berichten können."
„Soso, unabhängige Quellen zum Berichten. Hört, hört."
Er grinste diabolisch. „Was hast du denn gedacht? Hast du ernsthaft gedacht, dass ich herkommen würde, um nett zu dir zu sein?"
„Nein."
„Sehr schön. Dann weiß ich auch nicht, warum du jetzt enttäuscht sein solltest."
„Severus, bitte. Lass uns einfach fair miteinander umgehen. Es gibt doch keinen Grund, jetzt so fies zueinander zu sein."
„Nein, natürlich gibt es den nicht." Seine Stimme troff vor Sarkasmus.
„Gut. Dann lass uns doch einfach Freunde sein." Ich ignorierte seinen Tonfall.
„Niemals werde ich dir wieder ein Freund sein, Sadra. So viel kann ich dir hier und jetzt in die Hand versprechen."
Ich seufzte. Es war einen Versuch wert gewesen. „Dann nicht. Nachdem wir uns also im Löchrigen Kessel versöhnt haben- was passiert als nächstes?"
„Ich werde dich hierher zu dir nach Hause bringen und ich werde natürlich die Nacht über hierbleiben."
„Und mich ununterbrochen beleidigen?" Keine besonders erbauliche Vorstellung.
„Vielleicht.", seine Stimme war seidenweich.
Ich schüttelte den Kopf. „Das wird so nicht funktionieren. Glaubst du wirklich, dass ich den ganzen Abend neben dir im Löchrigen Kessel sitzen werde, dich anlächeln und ganz angetan von dir sein kann, wenn du so mit mir umspringst?"
„Du schauspielerst doch so gerne, warum also nicht?"
„Severus, wir haben dieser Posse beide zustimmen müssen. Du hast die Bedingungen aufgestellt, ich habe sie akzeptiert. Aber so wird es nicht funktionieren!"
„Das wird es. Du wirst es sehen."
Er wirbelte herum, sein schwarzer Umhang wehte hinter ihm her. „Ich erwarte dich dann dort um neun Uhr. Verspäte dich ein bisschen."
Das Lokal war vollkommen überfüllt, als ich dort um viertel nach neun eintraf, aber ich konnte Severus sofort in der Menge ausmachen. Er saß an einem Tisch in einer entfernten Ecke und las die morgige Ausgabe des Tagespropheten. Als ich zu ihm an den Tisch kam, erhob er sich, lächelte mich voller Wärme an und reichte mir seine Hand.
„Da bist du ja." Merlin, so seifig hatte ich seine Stimme ja noch nie gehört.
Ich schenkte ihm ein Lächeln, das so falsch war, dass eigentlich nur Narcissa es verdient hätte. „Severus."
Er bot mir den Stuhl seinem gegenüber an.
„Es ist lange her." Er intoniert wie Schauspieler in einer schlechten Seifenoper. Merlin, was sollte das denn? Es war noch keine fünf Stunden her, dass er mich ausgiebig beleidigt hatte. Es war ja nicht so, als säßen die benötigten Zeugen bei uns mit am Tisch.
„In der Tat, das war es.", ich spielte erst einmal mit.
„Du siehst bezaubernd aus!"
„Danke!", ich grinste ironisch. Plötzlich sah ich also bezaubernd aus. Das war doch wirklich zu lächerlich. Als wir uns gesetzt hatten, lehnte ich mich gleich zu ihm hinüber und flüsterte in sein Ohr:
„Du hast doch wohl hoffentlich nicht vor, dich für den Rest des Abends so zu benehmen, oder etwa doch?"
„Du kannst reden, worüber du willst. Ich habe dir absolut nichts zu sagen, aber plauder du ruhig. Solange es dabei nur so aussieht, als wärst du sehr glücklich, mich zu sehen.", zischte er.
„Zufällig bin ich tatsächlich glücklich darüber, dich zu sehen." Ich lächelte entwaffnend.
„Nun, wie erfreulich für dich.", es kostete ihn Überwindung, weiterhin zu lächeln.
„Wir könnten dieses erfrischende Gespräch ebenso gut nutzen, um mal ein paar Dinge zu klären. Dabei lächeln wir natürlich die ganze Zeit idiotisch. Versprochen."
„Und was sollten wir beide deiner Ansicht nach noch miteinander zu klären haben?" Dieses Mal konnte er das Lächeln nicht mehr festhalten.
„Severus, das ist doch albern. Wenn wir wie ein glückliches Paar aussehen sollen, wirst auch du wohl weiterhin lächeln müssen. Und wir werden freundlich sein müssen."
„Aber das bin ich doch." Er zog spöttisch die Augenbrauen hoch und lächelte wieder.
„Du weißt verdammt genau, was ich meine." Dieses Mal entglitten mir die Gesichtszüge.
„Du denkst also, ich sollte netter zu meiner betrügenden Ehefrau sein?" Das Lächeln saß perfekt.
„Weiß er, was passiert ist?"
„Wer er?" Severus machte es sichtlich Spaß, jeden Versuch meinerseits, eine vernünftige Unterhaltung zu beginnen, zu sabotieren.
„Der Dunkle Lord." Vielleicht konnten ich wenigstens so etwas erreichen.
„Das könnte dir so gefallen, was? Mich dumm dastehen zu lassen. Natürlich nicht."
„Was hast du ihm denn erzählt, warum wir uns getrennt haben?"
„Nichts. Das ist auch gar nicht notwendig. Solche Kleinigkeiten interessieren ihn nicht."
„Okay." Ich nahm die Getränkekarte und blätterte eifrig darin herum, während ich fieberhaft überlegte, wie ich es schaffen konnte, durch seine Verteidigung zu brechen.
Als die Kellnerin erschien, bestellt Severus eine Flasche Feuerwhisky, ohne sich im Geringsten um mein geistreiches Geblätter in der Karte zu kümmern.
Wir tranken unser erstes Glas schweigend. Als Severus unsere Gläser nachfüllte, klang das Gluckern des Alkohols in meinen Ohren schon wie Musik- das würde der einzige Weg seien, um zu ihm durchzudringen. Ich konnte mich noch zu gut an eine Nacht vor fast zehn Jahren erinnern, als er sturztrunken auf meiner Terrasse erschienen war und zum allerersten Mal die Existenz menschliche Gefühle in seiner Seele offenbart hatte.
„Auf Lily.", ich prostete ihm zu.
Severus knallte sein Glas auf den Tisch. „Wie kannst du es wagen?", fuhr er mich an.
„Tss tss, ich dachte, dass wir hier heute Abend eine Versöhnung darstellen wollen, Severus. Jetzt reiß dich mal ein bisschen zusammen.", ich lächelte ihn kalt an. Wie dumm für ihn, dass er gerade zum Opfer seiner eigenen Regeln wurde.
Er sah mich aus halbgeschlossen Lidern aufmerksam an, so als würde er mich zum ersten Mal am heutigen Tag klar sehen.
Er brachte nur Sekunden, um seine Haltung wiederzugewinnen. „Auf Sirius."
Ich lächelte und wir tranken beide. In dieser Sekunde war mir klarer denn je, dass Severus der einzige und beste Komplize für mich war, den es gab. Er war der einzige, der meine Spielchen so schnell lernte, wie ich sie änderte. Als er unsere Gläser dieses Mal nachfüllte, umspielte ein echtes Lächeln seine Lippen.
„Das war ein guter Angriff. Den habe ich wirklich nicht kommen sehen. Manchmal überraschst du mich wirklich."
„Dank dir.", ich lächelte. Wenn wir doch endlich nur vernünftig würden reden können.
„Warum musstest du mir das antun?"
Ich schluckte und sah den wurmstichigen Tisch an. Aber ich hatte die Dinge ja klären wollen. „Ich weiß, dass es sich jetzt für dich lächerlich anhört und du es mir auch nicht glauben wirst- aber es war niemals meine Absicht, dir wehzutun. Ich habe das nicht gewollt. Und könnte ich es ungeschehen machen, würde ich das tun."
Ert nickte langsam. „Nun, mit einer Sache hast du auf jeden Fall Recht- du wirst es nicht ungeschehen machen können."
„Ich weiß. Und ich weiß auch, dass du mir niemals vergeben wirst."
„Richtig."
„Aber jetzt, wo wir zusammenarbeiten müssen, lass uns bitte versuchen, so gut miteinander auszukommen, wie es irgendwie geht."
„Ja, vielleicht können wir das. Aber wenn wir schon offen miteinander sprechen will ich eines von dir wissen: Was ist es, dass ihn so unwiderstehlich macht? Was hat er, dass du unsere Ehe einfach weggeworfen hast?"
„Ich wollte das nicht. Ich habe es schon Dumbledore gesagt und sage es dir jetzt auch: wenn es noch in meiner Hand gelegen hätte, wäre ich bei dir geblieben."
„Warum?"
„Weil Sirius nichts hat oder nichts ist, was rechtfertigen würde, was ich getan habe. Ich werde ihm ebenso wenig verzeihen können, was er vor zwölf Jahren angerichtet hat, wie du mir wirst verzeihen können, was ich angerichtet habe. Ich bin eine Idiotin und jetzt sind wir alle Verlierer. Außer dir."
Severus starrte einen Moment gedankenverloren ins Nichts. „Ich bin seit Beginn dieses Spiels der größte Verliere, denke ich. Wenn er damals nur Lily verschont hätte."
„Was hättest du dann getan?" Vor Neugier beugte ich mich zu ihm über den Tisch.
„Ich hätte mich natürlich um sie gekümmert."
„Glaubst du ernsthaft, dass sie mit dir zusammen hätte leben wollen?"
„Warum nicht?"
„Vielleicht weil du es auch warst, der es in erster Linie verursacht hat, dass der Dunkle Lord Jagd auf den Mann gemacht hat, den sie liebt und ihren Sohn?", erwiderte ich knapp.
„Nun, ich denke, da könntest du einen Punkt haben." Er war schon drei Shots im Vorsprung. „Aber vielleicht hätte ich ihr das ja einfach auch niemals erzählt?"
„Severus, du wärst aber trotzdem immer noch ein echter Todesser gewesen. Glaubst du, dass hätte sie hingenommen?"
„Nein."
„Also was dann? Hättest du ihr zuliebe den Dienst quittiert, wenn der Dunkle Lord sie schon nur deinetwegen verschont hätte?"
„Man quittiert seinen Dienst beim Dunklen Lord nicht."
„Du hast es doch praktisch getan."
„Ich versuche nur, meine Schuld wieder gut zu machen."
„Genau wie ich." Ich sah ihm direkt in die Augen und fügte hastig hinzu: „Ich hätte dir das niemals antun dürfen und ich weiß, dass mir nicht zu verzeihen ist, aber ich will meine Schuld genauso wieder gut machen wie du."
„Hast du mich jemals wirklich geliebt?" Er sah mich von unten herauf an.
„Mehr als ich es mir selbst je eingestanden habe."
Er lehnte sich über den Tisch und griff nach meiner Hand. „Ich weiß zu schätzen, was du mir gerade gesagt hast."
Ich lächelte und führte seine Hand langsam zu meinem Gesicht. Als seine Hände auf meinen Wangen lagen, ließ er seine Finger über meine Haut gleiten und fuhr über meine Gesichtszüge.
„Black würde vor Eifersucht sterben.", sagte er mich zu sich selbst.
Ich grinste ihn bösartig an. Also wieder ein neues Spiel.
„Severus, wir sind gerade an dem besten Punkt angelangt, den wir beide in diesem Leben miteinander noch erreichen können."
„Wir hatten bessere."
Ich wusste instinktiv, dass er mir hier eine Falle stellen wollte. Er wollte, dass ich etwas Unvernünftiges tat, damit er Sirius damit würde foltern können. Ich trank rasch mein Glas unter seinen wartenden Blicken leer und schmunzelte. Er wusste, dass sein Plan gescheitert war.
„Weißt du, was ich an dir am meisten geliebt habe?", neckte er mich.
„Was denn?"
„Dass ich dich oft unterschätzt habe."
„Na, das nenne ich ja mal ein Kompliment." Ich lachte. Wer wird nicht gerne unterschätzt?
„Doch es ist eins. Denn es passiert mir nicht oft."
Ich lächelte ihn gelassen an. Wir hatten gerade Frieden miteinander geschlossen.
Wir tranken in dieser Nacht viel zu viel, aber wir sprachen nur noch über insignifikantes Zeug. Als wir schließlich aus der letzten Bar in der Nocturngasse taumelten, waren wir beide voll wie Eimer.
„Lass uns nach Hause gehen.", schlug Severus vor.
„Und wo wäre das?", lallte ich.
Er lachte. „Ein Friedhof in Godric's Hallow und ein Haus in London, wie wäre das?"
„Glaubst du das wirklich?"
„Weiß nicht."
„O Mann." Ich musste mich auf den Bordsteinrand setzen. Mir war schlecht und schwindelig und ich konnte mit der Mischung der Gefühle in meinem Herzen nichts anfangen. „Ich hatte mal ein Zuhause in Südfrankreich."
„So wie ich." Er sah die Gasse hinab.
„Wo warst du denn an Weihnachten und an Sylvester?"
„Hogwarts."
„Hast du mich vermisst?"
Severus kniete sich vor mich. „Das habe ich. Aber was sollte das ändern?"
„Nichts." Ich schüttelte mit dem Kopf. „Absolut nichts, denke ich."
„Ich hoffe, dass ich heute Nacht trotzdem in deinem Haus schlafen kann? Du weißt schon- als Teil unseres brillanten Schauspiels.
„Natürlich. Wir wollten ja schauspielern." Ich hickste.
„Genau." Ich fühlte die Wärme seines Körpers durch meinen Umhang.
„Adhara wird morgen nach Hause kommen."
„Ich weiß."
„Severus, bitte- versprich mir, dass du sie nie hängen lässt, ja?"
„Das werde ich niemals tun. Sie ist wie eine Tochter für mich."
„Schreibt sie dir oft?"
„Ja. Aber keine Sorge- sie hat sogar ihr Versprechen gehalten und mir nie von Black geschrieben."
„Das bereitet mit auch keine Sorge."
„Was bekümmert dich dann?"
„Du bist für sie wie ein Vater. Könntest du dich vielleicht vor ihr so benehmen, als würdest du mich nicht hassen, wenn wir schon vorhaben, das glückliche Paar zu spielen?"
„Das werde ich."
„Danke."
