Disclaimer: Unser gehört nix, JKR alles und WB gehört der Rest.
Na, das war mal wieder eine turbulente Woche. Seid alle herzlich geknuddelt, die ihr immer so brav lest und reviewt! James-Li, punkwitch, Sarista und crudedly – DANKE!!!
@severin – schön, dass du wieder da bist!
@Vanillia – jaja, Luc macht uns die Sache immer nicht ganz einfach – daher: heissen Dank für dein Lob und auch deine konstruktive Kritik ist uns immer willkommen.
@Valya Faire – tjaaaa, ich sag mal so... das Schreiben hat mit den Updates nichts zu tun, aber aufgrund unserer räumlichen Entfernung mussten wir uns schreibtechnisch was einfallen lassen. Mehr sag ich jetzt mal nicht *Lorelei setzt ein astreines Mona-Lisa-Lächeln auf*
@Kirilein – deine Reviews gehören (zumindest für mich) zu den Highlights der Woche!
The Green Side of Life
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by The Slytherin Sisters
(Toyo Malloy & Lorelei Lee)
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Chapter thirty-eight
# 38 #
Tief in Gedanken versunken verliess Harry seinen Paten. Er hätte sich gerne noch länger mit ihm unterhalten, aber es war mal wieder Zeit für seine abendliche Strafarbeit. Als er vor der Bibliothek ankam, in der er wieder für Madam Pince Bücher abstauben würde, löste sich eine schmale Gestalt aus der Dämmerung und kam auf ihn zu.
„Ginny!" rief Harry überrascht aus, als er das Mädchen erkannte. Plötzlich fiel ihm auf, dass er sie, seit sie aus der Krankenstation gerannt war, eigentlich nicht mehr gesehen hatte. Aber angesichts der Tatsache, dass er in letzter Zeit mit seinen eigenen Problemen genug zu tun gehabt hatte, war dies vielleicht verständlich. Dennoch schlug ihm sein schlechtes Gewissen. Er hätte wenigstens einmal mit dem Mädchen reden sollen.
„Hallo Harry", flüsterte Ginny schüchtern.
Harry wusste nicht, was er jetzt sagen sollte, und so redete er einfach drauflos.
„Was tust du denn um diese Uhrzeit noch hier, Ginny?"
„Ich habe auf dich gewartet", erklärte das Mädchen und blickte verschämt auf den Boden.
*Au Backe* dachte Harry. *Bitte jetzt keine Liebesschwüre*
„Ich wollte dich bitten, dass du mir verzeihst", sagte Ginny so leise, dass Harry sie fast nicht verstand.
Nun wurde auch Harry verlegen. „Oh... ääh, Ginny... das ist schon okay... ich meine, es ist ja schließlich nichts Schlimmes passiert."
„Du musst mich jetzt hassen", flüsterte Ginny so mutlos, dass Harry sie gerne in den Arm genommen hätte, aber er fürchtete weitere Komplikationen und unterliess es deshalb.
„Nein – Quatsch! Ich hasse dich doch nicht! Das hätte jedem passieren können – ich meine, wer denkt schon, dass so 'ne kleine Hauselfe derart mordlüstern sein kann", versuchte Harry einen Scherz.
Ginny hob halb ihren Kopf und sah Harry mit einem schwachen Lächeln an. „Du wirst dich nie in mich verlieben, stimmt's?"
Bei dieser direkten Frage wurde Harry die Kehle eng, und sein Mund wurde so trocken wie Sandpapier. Na toll! Warum passierten immer nur ihm solche Sachen!
„Äähm, Ginny... weißt du, du bist ein nettes Mädchen... aber... äähmm... ich..." Harry stellte fest, dass er sich wie der letzte Idiot anhörte und holte einmal tief Luft. „Eher nein", schloss er dann.
Ginny biss sich auf die Lippen und sah wieder zu Boden. „Aha", flüsterte sie leise. Dann drehte sie sich ohne ein weiteres Wort um und lief zurück zum Gryffindor-Turm.
Erleichtert und dennoch verstört, betrat Harry die Bibliothek und holte mit einem leisen Seufzen aus Madam Pince's Schreibtisch den Staubwedel heraus. Während er sich eines der Regale vornahm, gingen seine Gedanken wieder auf Wanderschaft.
Er hatte es etwas bedenklich gefunden, dass sich Sirius immer wieder von dem Whiskey eingeschenkt hatte und was tatsächlich zwischen Remus und Professor Snape vor sich ging und was es mit Remus' verschollenem Bruder auf sich hatte. Er beschloss ganz spontan so bald wie möglich mit Draco darüber zu sprechen und zu hören, was er von der ganzen Sache hielt. Doch kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, hielt er mitten in der Bewegung inne. Wie kam er ausgerechnet bei so etwas automatisch auf Draco?
Wären Ron oder Hermine für derlei Gespräche nicht die näherliegende Wahl?
Langsam ließ er den Staubwedel sinken.
Was, zum Teufel, war nur los mit ihm?
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Am nächsten Morgen setzte sich Harry absichtlich mit dem Rücken zum Tisch der Slytherins. Er hatte keine Lust, sich schon beim Frühstück von seinen Freunden necken zu lassen, dass er zu oft auf die andere Seite der Halle blicken würde. Was ja so oder so nicht stimmte, aber wenn Ron sich mal an einer Idee fest gebissen hatte...
„Sag' mal, Hermine", sagte sein bester Freund in diesem Moment. „Hast du irgendwas, oder warum verrenkst du dir die ganze Zeit so den Hals?"
„Ich begreife das einfach nicht", murmelte Hermine halb zu sich selbst, doch Harry's Neugier war nun auch geweckt. Und außerdem war ihm alles recht, was ihn... nein – seine Freunde von Draco ablenkte.
„Gibt es irgendetwas Besonderes zu sehen?" schloss sich deshalb Harry Ron's Frage an.
„Eher im Gegenteil, würde ich sagen", erwiderte Hermine und setzte sich wieder vernünftig hin. „Ist euch eigentlich noch nicht aufgefallen, dass Professor Blayden bis jetzt noch an keiner einzigen Mahlzeit teilgenommen hat?"
Ron zuckte mit den Schultern und biss herzhaft in ein Käsebrötchen. „Und wenn schon... vielleicht hat er auch nur keine große Lust zusammen mit Snape und Malfoy an einem Tisch zu sitzen. Allerdings..." Ron warf dem Lehrertisch einen Blick über die Schulter zu und verzog das Gesicht. „...allerdings scheint sich die McGonagall köstlich mit Satan senior zu amüsieren. Da sieht man es, selbst die stärksten Gryffindors lassen sich von Satan beeinflussen. Dem ist einfach nicht zu trauen. " Er schluckte und flüsterte dann so leise, dass nur Harry es hören konnte: „Weiber!" dazu machte er ein derart altkluges Gesicht, dass Harry grinsen musste.
„Wie ist Professor Blayden eigentlich?" wollte Harry wissen, der versuchen wollte das Thema schnell zu wechseln, bevor Ron einen perfekten Übergang von Satan senior zum Junior fand.
„Das habe ich doch schon gestern Abend...", fing Hermine an und unterbrach sich sofort wieder. „Ach entschuldige... da warst du ja... bei deiner Strafarbeit", fuhr sie mit leicht gesenkter Stimme fort.
„Auch", bestätigte Harry grinsend. „Ich soll euch noch grüssen."
Hermine lächelte und nahm dann ihren Bericht über den neuen Lehrer wieder auf. „Er dürfte ungefähr so alt sein wie Snape und Professor Lupin."
„War er auch in Hogwarts?" fragte Harry eifrig.
„Nein, er war in Durmstrang, aber er sieht eigentlich sehr nett aus – und Viktor war schließlich auch..."
„Lass gefälligst Krum aus dem Spiel", äußerte Ron mit düsterer Miene.
Hermine lächelte bei dieser Unterbrechung so weiblich, wie Harry es noch nie gesehen hatte und urplötzlich empfand er so etwas wie Mitleid mit seinem besten Freund.
„Wie gesagt – Professor Blayden sah sehr nett aus... allerdings hat er auch irgendwie niedergeschlagen und erschöpft ausgesehen", sie hielt kurz inne und zog nachdenklich ihre Nase kraus. „Wisst ihr noch – wie wir damals Professor Lupin im Hogwarts-Express gesehen haben? Und wie wir dachten, dass ein guter Fluch ihn glatt umhauen würde? Irgendwie so hat Professor Blayden auch gewirkt... oder vielleicht auch nicht... Ach, ich weiss auch nicht – deshalb wollte ich ihn euch gerne mal zeigen. Er ist irgendwie seltsam – nett, aber seltsam", schloss Hermine – für ihre Verhältnisse reichlich unpräzise.
Als sich die Unterhaltung wieder um andere Dinge drehte, sah auch Harry kurz zum Lehrertisch. Ihm waren bei Hermine's Bemerkung wieder die Sprüche seines Paten über Remus und Snape eingefallen. Und richtig – auch heute saß Remus wieder neben dem Zaubertränkelehrer und nicht Lucius Malfoy, wie das schon einige Male der Fall gewesen war. Der saß heute neben der Gryffindor-Hauslehrerin, die an seiner Gesellschaft offensichtlich einiges Vergnügen fand. Doch auch Remus wirkte nicht so angespannt, wie er es als Stuhlnachbar des berüchtigten Slytherin-Hauslehrers hätte sein sollen.
Bildete er sich das etwa ein, oder hatte Snape gerade so etwas Ähnliches wie ein Lächeln zustande gebracht, als Remus ihn eben angesprochen hatte?
Harry widmete sich hastig wieder seinem Rührei. Er bildete sich das nur ein – er bildete sich das ganz, ganz sicher nur ein! Und außerdem wollte er es auch gar nicht so genau wissen, sonst bekam er dieses Bild, das sich gerade in seinem Teenager-Gehirn bildete, nie wieder aus seinem Kopf. Und wer wollte schon wissen, wie das aussah, wenn Snape den DADA-Lehrer küsste!
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Severus Snape wollte einfach nur etwas Ruhe, um den Brief mit der Geldanweisung an Gringotts zu schreiben. Da er donnerstags vor dem Mittagessen immer eine Frei-Stunde hatte, hatte er sich mit Olivander's horrender Rechnung ins Lehrerzimmer zurückgezogen. Er überlegte sich gerade, ob er die Rechnung wegen der langen Wartezeit kürzen sollte, als eine Hauselfe erschien und ihm eine Botschaft überreichte.
Severus nahm sie entgegen, öffnete sie und las – wobei sich seine Stirn immer mehr in Falten legte.
Was, bei Salazar, konnte dieser Blayden nur von ihm wollen, dass er ihn jetzt sofort in sein Büro bat? Der vage Gedanke *immer ich* wollte sich schon in seinem Gehirn formen, als die Neugier siegte.
„Dann wollen wir mal sehen, was Remus' ominöser Bruder von mir will", murmelte er vor sich hin. Er schob die Geldanweisung und die Botschaft ein und machte sich auf den Weg.
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Professor Odin's – oder besser – Professor Blayden's Büro lag in der Nähe des Ravenclaw-Turmes, der vom Lehrerzimmer aus rasch zu erreichen war. Als Severus die dunkle Eichentür erreicht hatte, klopfte er kurz an und betrat den Raum, ohne eine spezielle Aufforderung abzuwarten.
Blayden war vor seinem Schreibtisch auf- und abgegangen, doch bei Severus' Eintreten war er stehengeblieben und sah diesen mit einer seltsamen Mischung aus Stolz und Hilflosigkeit an. Dies war ein Ausdruck, der Severus merkwürdig vertraut vorkam – Blayden sah in diesem Moment seinem Bruder ähnlicher denn je und diese Ähnlichkeit löste in Severus ein eigenartiges Gefühl von Mitleid aus.
„Professor Snape - vielen Dank, dass Sie so schnell gekommen sind", sagte Blayden höflich, dann wandte er sich dem Kamin zu. „Ich hoffe, mein zweiter Gast ist ebenso entgegenkommend."
Severus wollte schon nach diesem zweiten Gast fragen, als eine wirbelnde Gestalt, die aus dem Kamin trat, ihn seiner Frage enthob.
„Was will der denn hier?" raunzte Sirius mit einem Kopfnicken in Richtung des Tränkemeisters, während er sich Staub von seiner Kleidung klopfte.
Severus lächelte unangenehm. „Hast du nicht versprochen, etwas netter zu mir zu sein?" So, so... Blayden wollte also mit ihnen beiden sprechen... Das versprach interessant zu werden.
„Sieh mal einer an! Die schleimige Schlange hat also ihren Giftzahn wieder gefunden", konterte Sirius gehässig.
Doch Severus blieb ihm nichts schuldig. Remus war im Moment nicht hier und die Aussicht auf einen netten kleinen Schlagabtausch mit dem Animagi hob seine Laune beträchtlich. „Dafür, dass du neulich noch so mit deinem Stammbaum angegeben hast, benimmst du dich jetzt eher wie eine gewöhnliche Promenadenmischung. Hast du nicht noch etwas Anderes zu erledigen? Bäumchen markieren, zum Beispiel?"
„Damit bin ich schon fertig! Jetzt sind die Slytherins dran!" knurrte Sirius bedrohlich.
Blayden hatte den rasch aufbrandenden Streit mit leichter Belustigung beobachtet und zu jedem anderen Zeitpunkt sicher seine helle Freude daran gehabt, doch jetzt war es vorteilhafter für ihn, wenn seine beiden Gäste unversehrt und gesprächsbereit waren. Es war also sicher nicht verkehrt sich an diesem Punkt einzumischen.
„Ich sehe, die Herren kennen sich zur Genüge", bemerkte Blayden sarkastisch. „Wollen Sie sich nicht setzen?"
„Nein!", riefen beide unisono und funkelten sich wütend an.
„Gut, dann nicht", bemerkte Blayden ungerührt. „Ich habe Sie beide gebeten, zu mir zu kommen, weil ich den Äußerungen des Direktors entnommen habe, dass Sie beide Remus sehr nahe stehen..." In Wirklichkeit hatte sich der Direktor sehr ungenau ausgedrückt, besonders in Bezug auf Professor Snape. Er hatte sich in seinen Ausführungen mehr auf Black's delikate Rolle als flüchtiger Häftling beschränkt und Blayden hatte schwören müssen, dass er niemandem etwas verraten würde. Er hatte diesen Schwur gern geleistet – wenn dieser Black der beste Freund seines Bruders war, dann würde er sich dessen Urteil über diesen Mann beugen.
An dieser Stelle gab Sirius einen erstickten Laut von sich und warf Severus einen weiteren bösen Blick zu. Severus hatte für den Bruchteil einer Sekunde die Augen geschlossen. Fabelhaft – warum setzte Albus nicht gleich eine Verlobungsanzeige in den Tagespropheten? Oder noch besser: warum gab er nicht gleich Rita Kimmkorn ein Exklusiv-Interview. Hatte er hier denn überhaupt kein Recht auf ein Privatleben?
„... und ich Sie deshalb um Aufklärung und Ihre Unterstützung bitten wollte", fuhr Blayden entschlossen fort.
„Was soll der ganze Quatsch?" wollte Sirius wissen. „Was zur Hölle willst du von uns?"
Blayden atmete einmal tief durch und sah die beiden Männer offen an. Jetzt war es an der Zeit Farbe zu bekennen. „Ich möchte Sie bitten, sich einmal in meine Lage zu versetzen. Als ich Remus das letzte Mal gesehen habe, waren wir noch Kinder. Kurz darauf erfuhr ich, dass er von einem Werwolf angefallen und getötet wurde... und jetzt treffe ich ihn wieder und er will nichts mit mir zu tun haben. Könnten Sie mir das bitte erklären?!"
„Tu' nicht so unschuldig – du weißt ganz genau, warum Remus nichts mehr mit dir zu tun haben will!" brauste Sirius auf. „Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber Malfoy hat verdammt noch mal Recht gehabt: du bist nichts weiter, als ein Lügner und Betrüger und je weniger ich oder Remus von dir zu sehen bekommen, desto besser!"
„Black! Könntest du mal für einen Moment die Klappe halten?!" Severus hatte nicht vor, seine Zeit hier zu verschwenden, aber dieses Gespräch versprach nun doch, sehr aufschlussreich zu werden. Und wenn Black nur einmal die Klappe halten wollte, dann konnte dieser ganze Schlamassel vielleicht endlich geklärt werden. Doch dann bemerkte er, dass schon die bloße Erwähnung von Lucius' Namen ausgereicht hatte um Blayden von dem eigentlichen Thema abzubringen. Die beiden schienen sich ähnlich starke Gefühle entgegenzubringen, wie er und Black.
„Das ist doch wohl ein schlechter Witz! Ausgerechnet Lucius Malfoy wird zum Richter über meinen Charakter berufen?" rief Blayden gereizt aus. „Mister Black, damit machen Sie den Bock zum Gärtner!"
Severus hob fragend eine Augenbraue in die Höhe „Ach ja? Es bleibt immerhin die Tatsache bestehen, dass Sie während eines Kartenspiels betrogen haben – und nicht nur Mister Malfoy."
„Ich hatte meine Gründe! Mit jedem einzelnen von diesen sauberen Herren hatte ich noch die eine oder andere Rechnung zu begleichen!" verteidigte sich Blayden. „Ihr sauberer Mister Malfoy zum Beispiel, hat damals meine Cousine belästigt, kaum dass ihr Verlobter sie einmal für einen kurzen Moment allein gelassen hatte."
„Das mögen vielleicht alles nette Gründe sein, aber das mindert nicht der Wert Ihres Betruges, doch wir kommen wieder vom Thema ab." Severus versuchte diese Sache abzuschließen, denn darauf konnte er nichts mehr zu erwidern. Das klang zu sehr nach Lucius, als dass es sich um eine Lüge handeln konnte. Er beschloss deshalb, wieder auf das eigentliche Thema zurück zu kommen.
„Wie Sie sehen, ist Ihr Bruder noch am Leben – wer hat Sie damals über seinen angeblichen Tod informiert?"
„Du glaubst diesem Kerl doch nicht etwa!" Sirius war außer sich. „Er und seine Mutter haben damals geschrieben, dass sie nie anerkennen würden, einen Werwolf in der Familie zu haben! Dieser Brief hat Remus das Herz gebrochen!"
„Aber ich habe niemals so etwas gesagt! Das hätte ich nie getan – ich liebe meinen Bruder über alles! Meine Mutter hat mir damals gesagt, dass Remus..."
„Das reicht jetzt! Ich höre mir diesen Blödsinn keine Sekunde länger an!" tobte Sirius, warf eine Handvoll Flohpulver in den Kamin, trat hinein und verschwand.
Blayden sah diesem Rückzug verwirrt zu, doch dann richtete sich sein Blick wieder auf Severus, der ihn nachdenklich musterte.
„Mein Bruder ist ein Werwolf?" fragte er tonlos.
Severus nickte. „Der Angriff hat damals tatsächlich stattgefunden, doch Remus hat ihn überlebt. Wollen Sie jetzt immer noch, dass ich Ihnen helfe?"
Blayden schluckte, dann nickte er. „Ja, bitte. Er ist mein Bruder und wird es immer bleiben... egal, was..." erschüttert brach er ab.
Severus schenkte ihm einen langen Blick, während seine Gedanken rasten. Remus war ein ausgesprochener Familienmensch – soviel hatte er mittlerweile begriffen. Außerdem war er für einen Werwolf überraschend harmoniebedürftig – auch das war ihm nun klar geworden. Remus hatte unter dieser Lossagung durch seinen Bruder sehr gelitten und litt immer noch darunter, auch wenn er sich dies nicht anmerken lassen wollte. Würde es Remus freuen, wenn es Severus gelingen sollte, die beiden Brüder wieder miteinander zu versöhnen?
„Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann", sagte Severus und verließ den Raum.
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Severus lenkte seine Schritte zuerst zur Eulerei, wo er seine Geldanweisung für Gringotts einer der Schuleulen anvertraute. Ein Blick auf seine Taschenuhr sagte ihm, dass er sich besser beeilte, wenn er noch etwas zu Mittag essen wollte. Er seufzte. Seit er sich mit Remus eingelassen hatte, war sein Leben ziemlich strapaziös geworden. Doch insgeheim dachte er, dass dies alles unwichtig wurde, sobald Remus ihn anlächelte...
Wieder etwas ausgeglichener schritt er die Stufen zur Eingangshalle hinunter. Die ersten Schüler verließen schon die Große Halle. Severus wollte sie gerade betreten, als einer der Jungen in ansprach.
„Sir? Hätten Sie vielleicht jetzt ein wenig Zeit?" fragte Draco leise.
Severus zögerte. Einerseits wollte er kurz mit Remus sprechen, andererseits fragte er sich auch schon seit einiger Zeit, was Draco wohl bedrückte.
Draco bemerkte das Zögern seines Hauslehrers. „Es ist wichtig, Sir."
„Gehen wir in mein Büro, Mister Malfoy." Severus wusste, dass es unangemessen war, seinem Mittagessen nachzutrauern... er tat es dennoch.
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„Also, was kann ich für Sie tun, Mister Malfoy?" sagte Severus, nachdem beide in seinem Büro Platz genommen hatten.
„Sir... ich habe ein Problem, das ich alleine nicht lösen kann...", begann Draco und erzählte dann seinem Hauslehrer der Reihe nach alles, was er Harry vor zwei Tagen auch erzählt hatte. Severus lauschte aufmerksam und ohne den jungen Slytherin zu unterbrechen.
„Fürs Erste wäre es vielleicht am Besten, wenn die Schüler, die über Weihnachten lieber nicht nach Hause wollen, das auch nicht müssen. Aber gegen eine elterliche Anordnung wird sich die Schule nicht stellen können, ohne, dass es sehr merkwürdig aussieht. Was sollen wir tun?" endete Draco schließlich und sah Severus vertrauensvoll an.
„Man kann die Kinder nicht von ihren Eltern fernhalten", äußerte Severus nachdenklich. „Aber die Schule könnte eine Art Projekt ins Leben rufen... für die Dauer der Weihnachtsferien... eine Begabten-Förderung zum Beispiel..."
„Ich wusste, dass Ihnen etwas einfallen wird, Sir", sagte Draco erleichtert.
„Ich muss allerdings noch mit dem Direktor darüber sprechen", dämpfte Severus die Begeisterung seines Schülers. „Und wir haben damit lediglich etwas Zeit gewonnen. Nicht mehr und nicht weniger."
„Ich weiss. Trotzdem: vielen Dank, Sir."
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Am späten Nachmittag schloss Lucius die Bürotür hinter sich zu. Er hatte heute in einigen der Bücher geblättert, die Dumbledore ihm überlassen hatte. Außerdem hatte er eine Liste angefertigt, mit welchen Schülern er in nächster Zeit ein Gespräch führen wollte. Wenn er diesen elenden Job schon tun musste, dann würde er ihn so gut erledigen, wie es ihm eben möglich war.
Es war noch nicht Zeit zum Abendessen und so beschloss er, vorher noch in seine Räume zu gehen und ein Bad zu nehmen. Auf dem Weg dorthin begegnete er Severus.
„Sev – wo willst du denn jetzt noch hin?" begrüßte er seinen Freund.
„Zu Remus... allerdings..." antwortete Severus nachdenklich.
Zu seinem kleinen Werwolf – natürlich! Wohin denn auch sonst! Lucius fühlte, wie sein Frust wieder zunahm. „Allerdings, was?" fragte er deshalb reichlich schlechtgelaunt.
„Es ist vielleicht sinnvoll, wenn du mitkommst, Luc."
„Und eure traute Zweisamkeit stören?" bemerkte Lucius spöttisch. „Fällt mir nicht im Traum ein."
Severus verzog sein Gesicht zu einer gequälten Grimasse. „Black wird wohl auch dort sein."
„Dann kann ich deiner freundlichen Einladung allerdings kaum widerstehen", antwortete Lucius großspurig. „Es drängt mich meine Bekanntschaft mit diesem reizenden Gentleman zu erneuern."
Ein skeptischer Blick aus schwarzen Augen traf ihn. „Wenn du ihn umbringen willst – meinen Segen hast du. Ich habe nur eine Bitte – mach's unauffällig."
Lucius brach in lautes Gelächter aus. „Versprochen, Sev!"
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„Wirst du mich heute nach dem Abendessen wieder allein lassen, Moony?"
„Fang bitte nicht schon wieder damit an, Padfoot. Ich habe gerade weder die Zeit, noch die Lust um mit dir über Severus zu streiten. Ich muss heute noch diese Hausaufgaben durchsehen und korrigieren. Und außerdem wirst du nicht allein sein. Wollte Harry nicht wieder vorbei kommen?"
Remus sah für einen Augenblick von seiner Arbeit auf und warf Sirius, der auf dem Sofa herumlümmelte, einen strengen Blick zu.
„Ja... für deinen kostbaren Snape hast du natürlich Zeit", stichelte Sirius gehässig. „Da kann ich natürlich nicht mithalten."
Remus holte einmal tief Luft und wollte seinen besten Freund gerade wütend zu Recht weisen, als ihm eine wesentlich bessere Idee kam. „Weißt du, wenn man dir so zuhört, dann klingst du genau wie eine eifersüchtige Ehefrau", bemerkte er zuckersüß.
Sirius fuhr wie von der Tarantel gestochen auf dem Sofa in die Höhe und starrte Remus entgeistert an. „Ich... ich... ich bin nicht eifersüchtig!" stammelte er.
Remus konnte sich ein boshaftes Grinsen nicht verkneifen. Das hatte gesessen. Es war immer wieder erstaunlich, dass Sirius bei aller Toleranz solche Bemerkungen nur schwer verkraftete. „Nur die Ruhe, Padfoot. Das weiss ich doch. Es war nur ein Scherz. Nichts weiter."
„Ein Scherz? Deine Auffassung von Humor hat sich in letzter Zeit stark verändert, Moony. Du hängst wirklich zu viel mit diesen Slytherins herum."
„Wie wahr, wie wahr", murmelte Remus halblaut, als ein Klopfen an der Tür ertönte.
Wachsam bedeutete er Sirius, sich still zu verhalten, dann fragte er laut: „Wer ist da?"
„Severus", erklang es von draußen.
Ein Schlenker von Remus Zauberstab genügte und die Tür sprang auf. „Komm herein!" forderte er seinen Liebsten erfreut auf, sein Lächeln geriet allerdings ein wenig ins Schwanken, als hinter Severus auch noch Lucius den Raum betrat. „Lucius – wie... nett. Setzt euch doch", erinnerte sich Remus gerade noch rechtzeitig an seine Gastgeberpflichten. Er konnte einfach nichts dafür. In Gegenwart des blonden Slytherin stellten sich einfach seine Nackenhaare auf.
Lucius nahm in einem der Sessel Platz, Severus blieb jedoch vor dem Kamin stehen.
„Es gibt unangenehme Neuigkeiten", begann Severus und lenkte seinen Blick auf Lucius, der diesen Blick angespannt erwiderte. „Lucius und ich... unser Verrat an Voldemort ist nun endgültig aufgeflogen."
Sirius sah verständnislos von einem zum andern. „Endgültig aufgeflogen? Wie meint er das, Remus?"
„Ich kann es mir denken", erwiderte Remus tonlos. „Die lieben Eltern, nicht wahr?"
„Allerdings", bestätigte Severus. „Einige der Schüler haben Briefe erhalten, in denen steht, dass ihr Hauslehrer und ihr neuer Schülerberater Verräter sind und in denen den Kindern angekündigt wurde, dass sie demnächst nicht mehr Hogwarts, sondern Durmstrang besuchen werden", fuhr Severus mit bitterer Stimme fort.
„Und woher weißt du das, Snape?" fragte Sirius skeptisch.
„Draco war heute bei mir. Einige seiner Mitschüler haben sich ihm anvertraut. Sie haben keine Lust, in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten."
„Aber das sind doch noch Kinder!" rief Sirius etwas ungeduldig aus. „Was will Voldemort denn schon groß mit ihnen anfangen."
Lucius musterte den Animagi verächtlich. „Einige der Jungen und Mädchen sind nach dem Gesetz schon volljährig – Voldemort wird daher ohne zu Zögern Todesser aus ihnen machen. Im Moment kann er jeden Mann und jede Frau gut gebrauchen."
„Was können wir tun?" fragte Remus, der sich bisher sehr still verhalten hatte.
In Severus' Gesicht trat bei diesen Worten ein weicherer Ausdruck. Es tat einfach gut, in Remus' Nähe zu sein. Der Werwolf machte nie große Worte, aber er war immer bereit zu helfen.
„Im Moment nicht sehr viel", räumte der Tränkelehrer ein. „Aber ich werde Dumbledore vorschlagen, für die Dauer der Weihnachtsferien einen Begabten-Kurs oder etwas Ähnliches zu veranstalten. Damit dürfte es uns gelingen, die Eltern und Familien ein wenig von ihren Kindern fernzuhalten."
Remus nickte. „Ich habe erst neulich einen Artikel über solche Förderkurse gelesen... ich kann ihn dir nachher heraussuchen, wenn du möchtest. Wenn ich mich richtig erinnere, waren dort auch einige Beispiele von anderen Schulen abgedruckt."
„Das wäre sicher hilfreich", erwiderte Severus und versuchte ein Lächeln zu unterdrücken, was ihm nicht wirklich gelang. Er hatte keine Lust, Black schon wieder zu einer dummen Bemerkung zu veranlassen. Doch Remus erwiderte das Lächeln und Sirius gab von dem Sofa her einen gequälten Laut von sich.
„Passt dir irgendetwas nicht, Black?" fragte Lucius so ruhig, dass es schon wieder gefährlich klang.
„Oh ja – zum Beispiel sind in diesem Raum eindeutig zu viele Slytherins!"
„Sirius!"
„Darf ich ihn jetzt umbringen, Sev?!"
„Nein", erwiderte Severus überdrüssig. So verlockend dieser Gedanke auch war, Remus würde sicher etwas dagegen haben.
„Du brauchst dich gar nicht so aufzuspielen, Malfoy!" entgegnete Sirius streitsüchtig. „Ich habe heute mit eigenen Ohren gehört, dass deine Moral extrem zu wünschen übrig lässt und dass du es vollkommen verdient hast, dass Blayden dir die Hosen strammgezogen hat."
Wenn er sich vor Remus schon nicht mit diesem schleimigen Bastard streiten durfte, dann musste eben Malfoy dafür herhalten.
„Wie war das gerade?!" knurrte Lucius und sprang von seinem Sessel auf.
„Luc, setz' dich wieder hin."
„Nein, Sev. Das will ich jetzt genau wissen. Welche Lügen hat dir dieses Bürschchen noch über mich erzählt?"
„Du warst bei Romulus? Sirius, warum hast du mir nichts davon erzählt?" rief Remus verblüfft aus.
„Dein heißgeliebter Snape war auch da", entgegnete Sirius patzig. „Und? Hat der dir vielleicht etwas davon erzählt?"
Remus wandte sich verwirrt an den dunkelhaarigen Slytherin. „Du warst auch dort?" ein verletzter Ausdruck breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Ja – und ich hätte auch noch mit dir darüber gesprochen. Aber nicht hier und nicht jetzt – oder wäre es dir lieber, wenn ich deine familiären Angelegenheiten in diesem Tollhaus breit trete?" Severus spürte, dass er ganz allmählich mit seiner Geduld am Ende war.
„Black, ist es eigentlich zuviel verlangt, dass du dich ein bisschen zivilisierter aufführst?" äußerte Lucius schneidend.
„Das sagt der Richtige, Mister Ich-vögle-alles-was-mir-vor-die-Flinte-Kommt. Blayden hat dich völlig zu Recht in deine Schranken verwiesen. Ich würde das auch tun, wenn du meine Cousine belästigen würdest!"
„Cousine?" Lucius war für einen Moment fassungslos, doch dann fiel ihm wieder diese aparte Brünette ein, die er einen Abend vor diesem verhängnisvollen Kartenspiel mit Blayden kennen gelernt hatte. Wie war noch ihr Name gewesen... Sandra? Shannon? Sheila! „Belästigt? Ich glaube nicht, dass belästigte Damen ‚mach mir den Hengst' stöhnen", antwortete Lucius mit einem zynischen Lächeln.
„Die Dame war immerhin verlobt, Luc", rügte Severus sanft.
Lucius zuckte lässig mit der Schulter. „Dann hätte sie einen Ring tragen sollen", entgegnete er unbekümmert.
„Da hast du deine prachtvollen Slytherins!" schäumte Sirius. „Verdorben und skrupellos bis ins Mark!"
„Egal, ob es dir jetzt passt, oder nicht, Sev – ich werde diesen dämlichen Gryffindor auf der Stelle umbringen!" fauchte Lucius.
„SCHLUSS JETZT!!!" brüllte Remus um die streitenden Stimmen zu übertönen.
Schlagartig herrschte Ruhe im Raum und jeder starrte den sonst so zurückhaltenden Werwolf perplex an.
„Severus! Sirius! Was wollte Romulus von euch?!"
Sirius schwieg verstockt, doch Severus antwortete ohne zu zögern.
„Eure Mutter hat ihm erzählt, du hättest den Werwolf-Angriff nicht überlebt", sagte er mit eindringlicher Stimme. „Er hielt dich für tot, Remus..."
„Aber... der Brief...", wandte Remus verzagt ein und Severus entging nicht, dass seine Augen feucht schimmerten.
„Er hat gesagt, dass er nie einen solchen Brief geschrieben hat."
„Oh Gott, Snape! Du glaubst diesen Quatsch doch nicht etwa!" rief Sirius dazwischen.
„Black, halt endlich deine gottverdammte Klappe!" fuhr Severus den Animagi an. „Wenn du Blayden für einen Lügner hältst, dann hat er in Bezug auf seine Cousine und Luc sicher auch nicht die Wahrheit gesagt! Aber das glaubst du unbesehen! Deine doppelbödige Moral steht mir bis hier! Du würdest alles glauben, Hauptsache, es schädigt das Ansehen eines Slytherin! Wisst ihr was? Ich habe überhaupt diesen ganzen Mist so satt. Ich habe es zugelassen, dass ich in diesen ganzen Schlamassel mit hineingezogen wurde, obwohl ich überhaupt nichts damit zu tun habe. Ich hätte von Anfang an die Finger davon lassen sollen. Und genau das tue ich jetzt auch! Von jetzt ab dürft ihr euch alleine damit amüsieren!"
Mit diesen Worten stürmte Severus wütend aus dem Zimmer und schlug die Tür mit einem lauten Knall hinter sich zu.
„Severus!" - „Sev!" riefen Remus und Lucius gleichzeitig und blickten sich gleich darauf betreten an.
„Oh Merlin!" stöhnte Sirius. „Wollt ihr euch jetzt auch noch um diesen schleimigen Bastard prügeln?"
„Halt die Klappe, Sirius!" fuhr Remus seinen Freund wütend an und rannte Severus hinterher.
Lucius und Sirius musterten sich einen Moment abschätzend.
Dann huschte ein schlaues Lächeln über Sirius' Lippen. „Fühlt sich verdammt beschissen an, wenn man plötzlich abgemeldet ist, nicht wahr, Malfoy?"
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tbc.
Lorelei (tippt hektisch): So, das Kapitel wäre auch drin!
Sev (besorgt): Du solltest dich mehr schonen.
Lorelei: Keine Zeit!
Sev: Wirklich nicht?
Lorelei: Naja... aber nur ein Viertelstündchen! (kuschelt sich in Sev's Arme)
