So, da bin ich wieder. Es wird etwas langsamer vorangehen müssen. Momentan ist mein Zeitrahmen begrenzt. Ausserdem möchte ich gerne ein paar Kapitel vorschreiben, damit ich bei den komplexen Handlungssträngen nicht durcheinander komme. Es kommen noch zwei, drei weitere davon dazu.

Im Mindesten versuche ich einen zweiwöchigen Rhytmus durchzuhalten, bis ich einige Kapitel vorgeschrieben habe. Dann wird es schneller gehen, da ich ja welche auf Vorrat habe. ;-)


Vielen Dank an meine treuen Reviewer, wenn es auch etwas mehr sein könnten. z.B. haben 603 Leser das letzte Kapitel gelesen, aber nur 13 ihre Meinung kundgetan. Gefällt die Story nur 13 Leuten? Ich muss doch wissen, in welcher Richtung ich weiterschreiben soll... ;-)

Eine Frage muss ich noch klarstellen, und zwar die von

sani: Was das Geburtsdatum von Harry angeht, tendiere ich eher zu den Ausführungen von h t t p: / w w w . b u n k a h l e . c o m /Aktuelles/Astrologie/HarryPotter.html

Und weiter gehts:


Kapitel 38

Stöhnend und mit schmerzenden Gliedern kehrte Ginny aus der Dämmerung zurück. Starke Schmerzen dröhnten durch ihren Kopf. Mit geschlossenen Augen versuchte sie sich zu erinnern, was passiert sein könnte. Sie erinnerte sich daran, dass sie Lavenders Wohnung verlassen hatte und dann diese Stimme hörte. „Wen haben wir denn da. Du kommst wie gerufen." dann wurde ihr schwarz vor Augen.

Wieder stöhnte sie auf, als sie ihren schmerzenden Rücken realisierte, der scheinbar auf einem harten und feuchten Untergrund lag. Langsam öffnete sie die Augen und versuchte, den Schwindel in ihrem Kopf zu ignorieren. Es blieb allerdings stockfinster. Ginny richtet sich mühsam in eine sitzende Haltung auf. Sie ertastete neben sich eine kahle, feuchte Steinwand und lehnte sich dagegen. Mit geschlossenen Augen tastet sie ihre Kleidung ab. Kein Zauberstab. Entweder hatte sie ihn verloren oder er war ihr abgenommen worden.

Mehrmals döste Ginny ein, nur um immer wieder aufzuschrecken. Leicht bekleidet wie sie war, begann sie in dem kühlen Verlies erbärmlich zu frieren. Ihre Schmerzen ließen etwas nach, aber die feuchte Luft hatte ihre Kleider mittlerweile durchdrungen. Wieder schreckte Ginny aus dem Halbschlaf auf, diesmal aber wegen eines rasselnden Geräuschs. Irgend jemand machte sich an einer Türe zu ihrem Verlies zu schaffen. In der Wand ihr gegenüber erschien ein Strich gedämpften Lichtes, der stetig breiter wurde. Die Türe öffnete sich und Ginny blinzelte in die plötzliche Helligkeit.

Zwei Personen in dunklen Umhängen betraten das Verlies. Todesser!

„Ist unser Gast endlich wach geworden?" zischte eine höhnische Stimme. Dieser Klang ließ eiskalte Wut in Ginny aufsteigen.

„Malfoy, Du Abschaum! Haben Sie dich Stück Dreck immer noch nicht erwischt?", bellte sie wütend zurück.

„Mich wird man niemals erwischen, im Gegenteil. An Deiner Stelle würde ich aufpassen. Du bist nicht in der Lage, Dir Frechheiten herausnehmen zu können. Wir haben Dich in unserer Gewalt und bevor wir Dein erbärmliches Leben ausblasen, wirst Du Dir wünschen, nie geboren worden zu sein. Einige meiner Leute sind ganz schön scharf darauf, einer Blutsverräterin zu zeigen, wozu sie fähig sind. Aber wenn Du brav meine Fragen beantwortest, lassen wir Dich vielleicht laufen." Ein hämisches Grinsen zog über Malfoys Gesicht.

Ginny spuckte ihm vor die Füße. „Verpiss Dich, Du Schwein!"

Malfoy winkte seinem Begleiter zu. „Rodolphus, könntest Du?"

Lestrange richtete seinen Zauberstab auf Ginny. „Crucio!" bellte er und Ginny ging schreiend zu Boden. Noch niemals musste sie den Folterfluch ertragen! Jeglicher Nerv in ihrem Körper schien in Flammen zu stehen und es schien Stunden zu dauern, bis endlich der Fluch von ihr genommen wurde.

„Wo ist das Schlammblut Granger?" Ginny keuchte noch immer vor Schmerz, realisierte aber doch die Frage. Was wollten die nur von Hermine? Was sollte das?

Sie schien in ihrer Verwirrung die Frage laut ausgesprochen zu haben, den Malfoy blaffte sie an: „Das geht dich nichts an! Beantworte die Frage! Wo ist das Schlammblut?"

„Ich weiß es nicht und wenn ich es wüsste, würde ich es Dir nicht sagen!"

„Oh, kommen da etwa Gryffindor-Eigenschaften zum Tragen?", spöttelte Malfoy. „Das wird Dir nichts nützen. Anscheinend brauchst Du etwas Nachhilfe. Los Rabastan, schnapp Sie Dir."

Entsetzt darüber, dass die Todesser ihre Drohung wahr machen würden, starrte Ginny den näherkommenden Lestrange an, der sie mit gierigen Augen musterte. Sie versuchte sich zu wehren, war aber zu geschwächt und die Schmerzen, die der Cruciatus angerichtet hatte, waren noch zu präsent. Er riss sie auf die Beine und presste ihr Ihren Oberkörper über den Tisch, während er ihr brutal zwischen die Beine griff. Sie strampelte, konnte aber nicht verhindern, dass der Todesser ihr die Bluse zerriss. Als sie sich weiter wehrte, schlug ihr Lestrange mehrmals hart ins Gesicht. Ginnys Kopf knallte auf den Steinboden und sie verlor das Bewusstsein.

Verblüfft sah Malfoy, wie sich um die Beiden ein blaues Leuchten aufbaute und die Stelle, an der sie waren, plötzlich leer war.

W.H.O Zentrale, Klinik, Notfallabteilung

Ein rotes Licht, gefolgt von einem tiefen Gong tönte durch die Notfall-Portschlüssel-Ankunfts-Abteilung, kurz NPA-Abteilung genannt. Diese Abteilung war eine der genialen Ideen von Draco Malfoy, ebenso wie die Notfall-Portschlüssel selbst. Wann immer ein Notfall-Portschlüssel aktiviert wurde, erschien der Träger und alles was dieser berührte in einem stark gesicherten Raum. Nichts konnte die Schutzschilde dieses Raumes durchdringen. Ein spezieller Zauber sorgte dafür, dass alles, was in diesem Raum erschien, sofort in ein Stasisfeld gehüllt wurde. Jeder Notfall-Portschlüssel übermittelte Sekundenbruchteile vor der Aktivierung wichtige Daten an die Notfall-Zentrale. Dadurch war es möglich, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Unzähligen Agenten der W.H.O hatte diese Einrichtung schon das Leben gerettet.

Der Leiter der NPA erkannte schon am roten Licht und am tiefen Gong, dass der Ankommende schwer verletzt sein musste und nicht allein ankommen würde. Er alarmierte sofort den Sicherheitsdienst und beeilte sich, zum Ankunftsraum zu kommen. Kaum dass er den Überwachungsraum betreten hatte, stürzten auch schon die Wachhabenden herein. Durch ein Fenster konnten die Anwesenden den Ankunftsraum überblicken. Nochmals ertönte der tiefe Gong und im selben Moment erhellte ein blauer Blitz den Raum. Als das grelle Licht verblasste, schwebten im Raum zwei Personen, jeweils eingehüllt in eine schwach schimmernde Blase, dem Stasisfeld.

Harry hatte in einem alten Buch den Zauber gefunden, der es ermöglichte, Körper in einen Schirm zu hüllen, in dem die Zeit fast stehen blieb. Lebensgefährlich Verletzte konnten so in einem Zustand gehalten werden, der den Tod hinauszögerte, bis Maßnahmen der Heiler den Körper stabilisiert hatten. Ursprünglich als Waffe gedacht, hatte Harry den Zauber so weit modifiziert, dass Zauber den Schirm durchdringen und in der normalen Geschwindigkeit ihr Werk verrichteten. Als Draco einmal zugesehen hatte, wie Harry diesen Zauber benutzte, entwickelte er die Idee zu dem Notfall-Portschlüssel-System. Der erfreuliche Nebeneffekt war, dass eventuelle Gegner, die auf Grund des Körperkontaktes mittransportiert wurden, ebenfalls handlungsunfähig wurden.

Kaum waren die beiden Körper erschienen, betraten zwei Auroren und ein Heiler den Raum. Der Heiler warf einen Diagnosezauber auf die weibliche Person, während einer der beiden Auroren einen Stupor auf den Todesser richtete. Mit einem Wink seines Zauberstabs erlosch das Stasisfeld. Der Todesser wurde gefesselt und abtransportiert. Der Heiler ließ die Frau auf ein Bett schweben und begann sofort mit der Versorgung der Wunden.

Ein weiterer Auror betrat den Raum. Er musterte den Portschlüssel-Ring.

„Stanley, das ist ein Klasse-A-Ring. Ich verständige den Boss. Bring die Kleine auf die Chefstation." Der Heiler nickte und der Auror eilte aus dem Raum.

Draco saß in seinem Büro und blätterte in einigen Pergamenten auf seinem Schreibtisch. Obwohl er sehr geschäftig aussah, schweiften seine Gedanken zur letzten Nacht. Selten hatte er sich in weiblicher Gesellschaft so wohl gefühlt und er bedauerte bereits, dass er die beiden Frauen nicht wiedersehen würde. Seine Tarnung als Mel ließ es nicht zu, nähere und längere Bekanntschaften zu schließen. Manchmal verabscheute er sein Dasein, das ihn zwang, in der Öffentlichkeit sein echtes Ich verstecken zu müssen. Er hoffte inständig, dass mit dieser Todesserbrut endlich aufgeräumt wurde und er ein normales Leben führen konnte. Die aktuellen Entwicklungen ließen hoffen, dass es in absehbarer Zeit auch dazu kommen würde.

Ein Klopfen an der Türe riss ihn aus seinen Gedanken. Erb Malory, der Chef der Notfall-Abteilung betrat den Raum. Draco runzelte die Stirn. Es musste schon etwas besonderes passiert sein, wenn Malory ihn persönlich aufsuchte.

„Malory, setzen sie sich, was ist passiert?"

„Eben wurde die NPA aktiviert. Eine junge Frau und ein Todesser. Die Frau trug einen Klasse-A-Portschlüssel-Ring, Sir." Gewohnt kurz erstattete der Auror Bericht.

„Was hatte der NPS für einen Nummer?" fragte Draco alarmiert.

„1387, Sir!"

Draco nahm ein Buch aus dem Regal. Jeder Notfall-Portschlüssel wurde eigens für eine bestimmte Person gefertigt, nummeriert und in magisch in dem Buch verzeichnet. Er fuhr mit dem Finger die Nummern ab und stockte bei 1387.

„Ginerva Molly Weasley!" keuchte er. „Wo ist sie? Wie geht es ihr?"

„Sie lebt Sir! Ich habe Anweisung erteilt, die betreffende Person auf die Chefstation zu bringen. Sir, bei Klasse A Vorfällen müssen wir den Chef unterrichten!" sagte der Auror bestimmt.

„Ich werde das übernehmen und Bescheid sagen, Malory. Sie können an ihre Arbeit zurückkehren." sagte Draco abwesend. „Ich komme danach auf die Krankenstation."

Hilton Hotel – Sitzungszimmer

Hermine schmunzelte. Leon schien völlig verändert gegenüber seinem lockeren Verhalten während des Festes. Ernst blickten seine braunen Augen den Eintretenden entgegen. Stumm wies er auf die beiden bequemen Sessel ihm gegenüber. Auf einem Beistelltisch standen Getränke und Knabbereien parat.

Hermine und Remus setzten sich. Eine Weile musterten sich die drei Personen. Remus betrachtete neugierig den Lord und versuchte dessen Persönlichkeit einzuschätzen. Sein natürliches Misstrauen meldete sich nicht, was ihn etwas verwunderte. Nach den spärlichen Informationen zu urteilen, war Remus sich unschlüssig, was er von seinem Gegenüber zu halten habe.

Vergeblich wartete Remus darauf, dass ihr Gegenüber das Wort ergriff. Aber schließlich hatte ja der Orden um diese Zusammenkunft gebeten und so war es wohl an ihm, an diesem neutralen Ort, das Gespräch zu beginnen. Schließlich gab er sich einen merklichen Ruck.

„Lord Martin, ich bedanke mich, dass sie einer Zusammenkunft zugestimmt haben. Ich gehe davon aus, dass von unserer Unterhaltung nichts nach draußen dringt?" Als Leon stumm nickte, fuhr er fort:

„Wir hatten während der Feier keine Gelegenheit uns genauer vorzustellen. Mein Name ist, wie sie ja bereits wissen, Remus Lupin. Ich leite derzeit interimsmässig eine Gruppierung, die sich „Orden des Phönix" nennt. Die bezaubernde junge Dame neben mir ist Dr. Hermine Granger. Sie unterstützt den Orden in allen rechtlichen und organisatorischen Fragen."

Leons Blick schweifte zu Hermine und zum ersten Mal sah Remus eine Reaktion in seinen Augen. Eindeutig Freude und ... Belustigung?

Leon lächelte freundlich und gab erst Remus und dann Hermine die Hand. Remus fiel auf, dass Leon Hermines Hand etwas länger in seiner behielt. „Oh ja, wer kennt nicht die klügste Hexe der Zaubererwelt. Aber wer konnte ahnen, das ihre Schönheit ihre Intelligenz noch übertrifft?" sagte Leon charmant, was eine leichte Röte auf Hermines Wangen zauberte. Verlegen entzog sie ihm die Hand und lehnte sich wieder zurück. Remus runzelte die Stirn. „Waren Sie nicht Teil des ‚Goldenen Trios' in Hogwarts? Warten Sie ..." Leon tat, als müsse er überlegen, „... Ronald Weasley, Harry Potter und Sie?" Ein Schatten huschte über Hermines Augen und kurz sah er Verärgerung in ihrem Blick. Es gefiel ihm, Sie zu necken, ohne dass Sie ihm Kontra geben konnte. „Ja Lord Martin, es war eine ... interessante ... Zeit." Remus Gesichtsszüge entgleisten für einen Augenblick, als Harry's Name fiel.

Leon, dem diese Reaktion nicht entgangen war, beschloss, das Thema noch etwas zu erweitern. Außerdem würde es auffallen, wenn er nicht die Gelegenheit ergriff, mehr über das umstrittenste Thema der jüngeren Zaubereigeschichte zu erfahren. Schließlich saß ihm eine Person gegenüber, die diese Ereignisse unmittelbar miterlebt hatte.

„Waren Sie nicht beim letzten Kampf dabei, der zum Sturz des dunklen Lords führte?" fragte Leon mit unlesbarer Miene. Remus spürte mit seinen Werwolfsinnen, dass die Spannung im Raum anstieg. Hermine funkelte Leon an, als sie antwortete. „Ja, Mr Martin, ich war dabei, jedoch war mein Beitrag dazu eher unerheblich. Aber ich denke nicht, dass dies das Thema des heutigen Abends ist." entgegnete sie mit eisigem Ton. Remus blickte verwundert zwischen den Beiden hin und her.

Leon lächelte, als ob er die kühle Erwiderung nicht bemerkt hatte. „Sie haben recht meine Liebe, aber ich würde dieses Thema gerne bei einem netten Dinner mit Ihnen weiter vertiefen."

Remus blickte erstaunt in Hermines verwirrte Augen, in denen deutlich Verärgerung und Ratlosigkeit stand. Irgendwas ging hier vor, was er nicht einordnen konnte. Was wollte Leon von Hermine? Weshalb ritt er auf diesem Thema so herum? Aus reiner Neugierde? Remus bezweifelte, dass Lord Martin nicht genauestens Bescheid wusste, was in jener Nacht passiert war. Er beschloss einzugreifen und das Thema auf den eigentlichen Grund ihres Hierseins zu lenken.

Remus räusperte sich. „Lord Martin. Wir sind hier, um eine eventuelle Zusammenarbeit mit Ihnen und dem Orden zu besprechen. Im Schreiben von Mrs. McGonagall haben wir entsprechendes angedeutet."

Leon hob eine Augenbraue. „Von einer Zusammenarbeit war nie die Rede. Allein, dass aus der geheimen Zusammenkunft etwas nach außen dringen konnte, betrachte ich als Vertrauensbruch." meinte er hart. „Gehe ich richtig in der Annahme, dass Amelia Bones Mitglied des Ordens ist?"

Remus errötetet leicht. „Nein, als Leiterin der Aurorenzentrale kann sie sich eine Mitgliedschaft nicht leisten, steht uns aber positiv gegenüber und lässt uns Unterstützung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, zukommen." Während Leon nickte, sprach Remus weiter. „Hören Sie, Lord Martin, ich möchte mit offenen Karten spielen. Es tut mir leid, wenn sie sich ausspioniert fühlen. Es war nicht unsere Absicht, diesen Eindruck zu erwecken. Wir beobachten alles, was die dunkle Seite angeht und was uns im Kampf gegen diese helfen kann. Wir kennen Sie und Ihre Intention nicht. Deshalb dieses Gespräch."

Leon überlegte einen Moment. „Schön. Vergessen wir das Vergangene und reden Klartext. Was wollen Sie beziehungsweise Ihr Orden? Ich denke, der Orden wurde aufgelöst, nachdem Voldemort gestürzt wurde? Und wie kommen Sie darauf, dass wir Ihnen helfen können?"

„Der Orden wurde schon im ersten Krieg gegründet, um Voldemort Paroli bieten zu können. Da das Ministerium von Todessern unterwandert und völlig korrupt war, galt es eine Gruppe zu bilden, die bedinungslos gegen die dunkle Seite kämpfte.

Nach dem Verschwinden Voldemorts wurde der Orden wieder aufgelöst und beim erneuten Auftauchen des dunklen Lords wieder ins Leben gerufen. Auch dann waren die Verhältnisse im Ministerium nicht anders als damals. Ich behaupte sogar, dass mit einem loyalen und vertrauenswürdigen Ministerium beide Kriege verhindert oder hätte zumindest in Grenzen gehalten werden können."

Harry nickte zu diesen Worten, erwiderte aber nichts.

Remus fuhr fort: „Uns ist die zunehmende Korruption im Ministerium ein Dorn im Auge. Wir sind sicher, dass ehemalige Todesser dort heimlich das Heft in der Hand haben. Um wirklich dauerhaften Frieden zu ermöglichen, muss im Ministerium aufgeräumt werden. Im Moment regiert Scrimgeour ziemlich diktatorisch und wir sind überzeugt, dass er von der dunklen Seite subtil geführt wird. Der Zaubergamot ist hilflos, da handlungsunfähig."

Erwartungsvoll sah Remus zu Leon. Dieser antwortete nach einer Zeit des Nachdenkens: „Sie gehen richtig, wenn Sie annehmen, dass meine Bestrebungen auf der selben Linie laufen. Es ist mir aber nicht möglich, meine Pläne preiszugeben. Glauben Sie mir, ich habe mich sehr intensiv mit der Geschichte beider Kriege beschäftigt, und ich weiß auch ziemlich genau über den Orden des Phönix Bescheid..."

Verblüfft unterbrach Remus: „Das glaube ich nicht. Der Orden ist eine geheime Institution. Niemand Außenstehender kann genau Bescheid wissen!"

Leon grinste sarkastisch: „Der Orden ist alles andere als vertrauenswürdig, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Oh ja, er hatte heroische Ziele, allerdings sind schon die Grundzüge fehlerhaft. Die Beschränkung auf reine Lichtzauber um die schwarze Brut zu bekämpfen, ist schon selbstmörderisch. Dumbledore hatte in seinem schematischen Denken eklatante Fehler. Einer der größten war, dass er einem Todesser vertraute."

„Einem ehemaligen Todesser, Lord Martin!" brauste Remus auf, dem die offene Kritik am Orden sichtlich missfiel. Auch Hermine sah Leon verwundert an. Sie sah nicht, worauf Leon hinauswollte.

„Oh! Verstehen Sie mich nicht falsch Mr. Lupin. Natürlich war die Intention Dumbledores durchaus richtig. Schließlich hat er auch keine Vorurteile gegen sogenannte dunkle Geschöpfe, nicht wahr?"

Remus erbleichte, als er sein Geheimnis gelüftet sah. „Woher..."

„Machen Sie sich keine Sorgen Mr. Lupin. Was die Einschätzung andersartiger Geschöpfe angeht, gehe ich völlig konform mit Dumbledore. Einer meiner besten Freunde ist ein Werwolf. Aber ein Todesser ist kein Geschöpf sondern eine abscheuliche Kreatur, die aus eigenem Willen zur dunklen Seite übergetreten ist. Auch Severus Snape ist einer derjenigen. Selbst wenn dieser die Seiten gewechselt haben sollte, ist es geradezu unverantwortlich, ihn im ach so geheimen Orden und noch schlimmer, auf unschuldige Kinder loszulassen!" Leon sah man seinen Ärger nun deutlich an.

„Aber er musste sich doch so verhalten, da er Spion bei Voldemort war!" unterbrach Remus die Triade von Leon.

„Ich hege meine größten Zweifel daran, dass Snapes Loyalität jemand anderem gilt als Severus Snape. Sein morbides Vergnügen daran, Schüler zu quälen und Hassgefühle zu schüren, die Trennung der Häuser in Hogwarts weiter zu vertiefen, seine Bemühungen, aus dem Haus Slytherin dem dunklen Lord Nachwuchstodesser zuzuführen, in dem er Ihnen alle Vorteile und alle Nachsicht zukommen ließ. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede! Severus Snape ist alles andere als vertrauenswürdig."

Remus sah ein, dass das Gespräch in dieser Richtung weiterzuführen, nicht sonderlich hilfreich war.

Doch Leon sprach schon weiter: „Ich habe mich auch sehr genau über das Leben von Harry Potter informiert." Er wechselte einen Blick mit Hermine. „Ohne Ihnen nahe treten zu wollen Mrs. Granger, aber wussten Sie über die Lebensweise ihres ach so umschwärmten Helden, Bescheid? Wussten Sie, dass Potter seine ersten 11 Lebensjahre wie ein Tier gehalten wurde, auf Anweisung von Dumbledore und seinem Orden? Ein Führer des Lichts, der dunkle Flüche verabscheut, aber ohne mit der Wimper zu zucken einem Kind die qualvollste Zeit beschert, die man sich vorstellen kann? Und selbst im ach so sicheren Hogwarts wurde Harry Potter Jahr um Jahr unvorbereitet den fürchterlichsten Gefahren ausgesetzt."

Hermine schlug die Augen nieder, während Remus kreidebleich zu Leon starrte. Woher wusste er all diese Dinge. Dies alles kam nie an die Öffentlichkeit und nur wenige Ordensmitglieder wussten Bescheid was mit Harry Potter in seiner Kindheit passiert war.

„Aber ... woher wissen Sie das alles?" stammelte Remus.

„Nun, sagen wir einmal so. Ich kannte Harry Potter. Ich weiß es von ihm selbst. Dies tut allerdings nichts zu Sache. Kommen wir zum eigentlichen Thema zurück." Leon ärgerte sich, dass er sich zu den Ausführungen hatte hinreißen lassen. Ein Blick in Hermines Augen verriet ihm, dass auch sie über den Verlauf des Gesprächs nicht sehr glücklich war.

Trotzdem sprang Remus auf. „Sie kannten Harry Potter? Woher? Sie waren nie in Hogwarts!". Remus warf einen raschen Blick auf Hermine, die erstaunlich ruhig blieb, wo doch offensichtlich hier ein Spur zu Harry sein konnte.

„Ich werde nicht ausführen, woher ich Harry Potter kannte. Er wollte nicht gefunden werden und ich werde seinen Willen respektieren. Lassen sie uns zum Thema zurückkehren."

Remus setzte sich wieder hin, erkennend, dass er nicht mehr erfahren würde. Er warf Hermine eine Blick zu, doch auch sie zog nur entschuldigend die Schultern hoch.

„Nun," fuhr Leon fort, „ich würde eine lockere Zusammenarbeit mit dem Orden begrüßen. Es wäre wünschenswert, wenn wir unsere Aktionen miteinander abstimmen würden. Meine Pläne kann ich aus Sicherheitsgründen niemandem offenbaren.

Sollten Sie in irgendeiner Weise Unterstützung benötigen, so lassen Sie es mich wissen."

Remus nickte leicht mit dem Kopf. Das Gespräch war nicht im entferntesten so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Dann fiel ihm noch etwas ein.

„Lord Martin, seit einigen Monaten gibt es eine Gruppierung, die sich scheinbar zum Ziel gesetzt hat, gegen die schwarze Brut vorzugehen. Immer wieder werden ehemalige Todesser ins Ministerium geschickt, meist versehen mit lückenlosen Beweisen für ihre Schuld. Wissen Sie etwas darüber?"

Leon überlegte. „Ja, ich denke Sie reden von den silbernen Falken. Ich würde vorschlagen, sie nicht zu beachten. Solange sie Jagd auf Todesser machen, kann es uns nur Recht sein. Den Auroren sind, wie Sie selbst sehr genau wissen, vom Ministerium ziemlich die Hände gebunden."

„Aber die außerordentliche Brutalität..." versuchte Remus einzuwenden.

„Hören Sie Mr. Lupin," unterbrach Leon harsch. „Ich habe vorhin schon gesagt, dass den Todessern nicht mit Lichtzaubern beizukommen ist. Wollen Sie wirklich Folter- und Todesflüche mit einem Schwebezauber kontern? Alles, was diese Todesser vom Erdboden tilgt, ist mir eillkommen. Die haben es nicht anders verdient. Es ist immer noch Zeit einzuschreiten, wenn Unschuldige dabei zu Schaden kommen. Meines Wissens ist noch nie dergleichen vorgekommen. Im Gegenteil. Sie sagen selbst, dass die Todesser lebend im Ministerium abgeliefert werden."

Remus nickte, dann blickte er zu Hermine und meinte: „Begeben wir uns auf den Heimweg, Hermine?"

Hermine warf einen raschen Blick zu Leon. Dieser reagierte sofort: „Ms. Granger, es würde mich freuen, wenn Sie mir noch das Vergnügen des einen oder anderen Tanzes gewähren würden. Auch Ihnen, Mr. Lupin, würde etwas Entspannung gut tun, finden Sie nicht?"

Leon schien wie ausgewechselt. Aus dem beherrschten Mann, der vor wenigen Minuten noch wütend über die politische Lage diskutiert hatte, war ein gelöster Junge geworden, der sich den Spaß nicht entgehen lassen wollte. Schalk blitzte aus seinen braunen Augen, mit denen er seine Gegenüber erwartungsvoll musterte.

Remus lehnte bedauernd ab, nicht ohne Hermine zu signalisieren, dass es ihre Entscheidung wäre, noch zu bleiben. Hermine war hin und her gerissen. Einerseits verlangte die Etikette, dass sie mit Remus das Fest verließ, andererseits war sie voller Erwartung, ganz offiziell mit Leon/Harry sich etwas zu amüsieren. Schließlich siegte ihr Gefühl und sie nickte Leon zu, was diesem ein erfreutes Schmunzeln entlockte.

Sie verabschiedeten sich von Remus und gingen zurück zum Ballsaal. Nachdem sie sich beide ein alkoholfreies Getränk am Buffet geholt hatten, verbeugte sich Leon formvollendet und bat um einen Tanz. Lächelnd nahm Hermine seine Hand und ließ sich zur Tanzfläche führen. Sie bewegten sich zur langsamen Musik und sahen sich intensiv in die Augen.

„Du bist wunderschön Hermine.", bemerkte Leon, was ihr einen rosa Schimmer auf die Wangen trieb. „Du siehst auch gut aus, obwohl ich viel lieber Harry ansehen würde", flüsterte sie und schmiegte sich etwas enger an ihn. Sie schwiegen eine Weile, bis Hermine den Kopf hob und ihn ansah. „Das war ziemlich riskant, was Du vorhin mit Remus besprochen hast. Hast Du keine Angst, dass er hinter Deine wahre Identität kommt? Remus ist ziemlich intelligent wie Du weißt und er glaubt nicht an Harry's Tod."

„Du hast recht, aber beim Thema Snape und Orden gehen immer etwas meine Gefühle durch. Meine Tarnung werde ich eh bald aufgeben müssen, wenn meine Pläne Erfolg haben. Aber lass uns das zu Hause besprechen. Und nun lass uns etwas feiern. Ich möchte Deine Gesellschaft und den Tanz genießen, ohne finsteren Gedanken nachgehen zu müssen." lächelte er sie an und Hermine wollte unter seinem zärtlichen Blick dahinschmelzen. Sie fühlte sich so wohl wie schon seit Langem nicht mehr. Sie versank in seinen Augen und beide bemerkten nicht die neugierigen Blicke der Anwesenden, die sie beobachteten.

Während sie eine Pause machten und bei ihren Getränken standen, bemerkte Leon einen Kellner, der zielstrebig auf sie zusteuerte. Er beugte sich zu Leon und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Leons Gesicht wurde ausdruckslos. Dann nickte er dem Kellner zu und beugte sich zu Hermine hinunter. „Notfall in der Zentrale. Ginny ist etwas passiert. Ich muss gehen."

Hermine starrte ihn entsetzt an. „Ich komme mit!" sagte sie bestimmt. Leon nickte, nahm ihre Hand und verschwand eilig unter den neugierigen Blicken der Anwesenden durch den Ausgang.

TBC