Kapitel 37


Hermines Hände zitterten, als sie gegen die Kerkertür klopfte. Obwohl Angst und Nervosität in ihrem Körper um das Vorrecht kämpften, fühlte sich diese Situation erschreckend unwirklich an. Wie ein lebhafter Traum, bei dem ihr die Freiheit zu entscheiden abgenommen worden war. Sie fühlte sich nicht verantwortlich für das, was sie gerade tat.

Die schnarrende Stimme des Träkemeisters bat sie herein und als sie die Tür öffnete und die Situation im Labor erfasste, musste sie ein heiseres Lachen unterdrücken. Dampf lag in der Luft und ein schwaches Glühen ging vom Kessel aus, in dem er rührte. Die schweren Haare waren ihm ins Gesicht gerutscht und durch den Schatten, den seine lange Hakennase warf, wirkte er wie der Teufel persönlich, der gerade ein wirksames Gift zusammenbraute.

Hermine drehte sich um und schloss die Tür sorgfältig. In den wenigen Momenten, die sie dadurch bekam, konnte sie ihre Gesichtszüge wieder unter Kontrolle bekommen.

Als sie sich dem Labor zuwandte, sah sie gerade noch, wie Snapes Blicke von der Uhr wieder zum Kessel flogen. Ärgerte er sich darüber, dass sie pünktlich war?

„Ich werde das Angebot annehmen", sagte sie schließlich, als er auch nach mehreren Augenblicken keine Anstalten machte, das Schweigen zu brechen.

„Davon war ich ausgegangen", erwiderte er gleichmütig. Ein leises Plätschern aus dem Kessel ließ ihn die Stirn runzeln.

Erneut trat Stille ein und Hermine schürzte die Lippen, während sie – noch immer an der Tür stehend – von einem Bein aufs andere wippte. Lange konnte sie den Mund jedoch nicht halten: „Und wie geht es jetzt weiter?"

Snape knurrte. Anscheinend bereute er es jetzt schon, sich auf diesen Handel eingelassen zu haben. Doch er nahm seinen Zauberstab vom Tisch, deutete auf einen frei stehenden Stuhl und verwandelte ihn kurzerhand in ein Bett. „Machen Sie es sich schon mal bequem. Ich habe hier noch zu tun."

Sie blinzelte einmal, zweimal. Die Augen so groß wie Handteller. Schließlich würgte sie ein heiseres „Hier?" hervor und entging der akuten Atemnot gerade so eben, indem sie sich daran erinnerte, wie das mit dem Luft holen funktionierte.

„Natürlich hier. Ich will Sie nicht in meinem Zimmer haben." Dafür sah er nicht mal von seinem Kessel auf.

Hermine öffnete und schloss ihren Mund mehrfach, bekam allerdings keinen Ton mehr heraus. Um nicht länger wie ein Fisch auf dem Trockenen auszusehen, schluckte sie ihre stummen Einwände hinunter und ging auf wackeligen Beinen zum Bett hinüber.

Sie ließ sich auf die nackte Matratze fallen und verzog das Gesicht, als die Federn quietschten. Snape sah zu ihr herüber und sie konnte es sich nicht verkneifen, den Blick spöttisch zu erwidern. „Umwerfende Konstruktion."

„Machen Sie es besser!"

Sie zuckte mit den Schultern. „Nichts leichter als das." Noch bevor er den Trank fertig umgerührt hatte, war das Bett einen Meter breiter, mit weichen, wohlriechenden Kissen und Decken bedeckt und gab keinen Laut mehr von sich, wenn sie darauf auf und ab wippte.

Der Tränkemeister tat so, als hätte er ihr Tun nicht bemerkt und beugte die Nase tiefer über den Kessel. Das leicht bläuliche Glühen ließ seine blasse Haut fahl und dünn wirken. Wie Pergament, das straff über verblichene Knochen gespannt worden war. Hermine schauderte.

Nichtsdestotrotz ließ die unerträgliche Anspannung nach ein paar Minuten nach. Als sie ihren Blick durch das Labor schweifen ließ, blieb er an einem schmalen Bücherregal hängen. Es stand in einer schattigen Ecke neben der Tür, weit weg von den Tischen und Kesseln, damit die Bücher nicht allzu sehr von den feuchten Dämpfen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass Snape die nächste halbe Stunde noch mit seinem Trank beschäftigt sein würde, stand sie leise auf und durchquerte den Raum. Sie brauchte nicht lange, um einen Titel zu finden, der sie interessierte. Da der Tränkemeister ihr Tun sicherlich bemerkt hatte, jedoch nichts dagegen sagte, schnappte sie sich das Buch und setzte sich – den Rücken gegen das Kopfteil gelehnt – auf das Bett.

Sollte er Tränke brauen, sie konnte sich auch anderweitig beschäftigen.


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„Vertrauen Sie mir, Miss Granger?"

Hermine schrak heftig aus einem angenehmen Dämmerschlaf, als die schnarrende Stimme des Tränkemeisters dicht neben ihr erklang. Einen Moment lang glaubte sie, der Tränkeunterricht wäre zu ihr zurückgekehrt, um sich für was auch immer zu rächen. Dementsprechend saß sie von einem Moment auf den anderen senkrecht im Bett. Durch ihre plötzliche Bewegung rutschte das Buch von ihrem Schoß und nur die schnelle Reaktion Snapes bewahrte es davor, auf den Steinboden zu fallen.

Sie hoben beide gleichzeitig den Blick von dem Buch, doch während Hermine verlegen dreinschaute, schoss Snape ihr ein paar äußerst missmutige Blicke zu.

Als er sich schließlich umwandte und das Werk über magische Chromatographie im Wandel der Zeiten wieder an seinen Platz zu stellen, fiel ihr ein, dass er sie etwas gefragt hatte. Nur was, das konnte sie beim besten Willen nicht sagen. Mit zerknirschter Miene fügte sie sich in ihr Schicksal und bat ihn, seine Frage noch einmal zu wiederholen.

„Vertrauen!", knurrte er. „Vertrauen Sie mir?"

Perplex blinzelte sie und verschaffte sich ein paar weitere Sekunden, indem sie sich an den Rand des Bettes setzte und festen Boden unter die Füße bekam. „Sollte ich?"

„Das kommt darauf an, in wie angenehmer Erinnerung Sie diese Geschichte behalten wollen." Seine Augenbrauen zuckten lebhaft über den schattigen Augenhöhlen, während er sich einen Stuhl vom Labortisch holte und sich ihr gegenüber setzte.

„Vertrauen Sie mir denn?" Was immer er mit diesem Gespräch bezweckte, sie wollte es herausfinden, bevor sie eine leichtfertige Antwort gab.

„Natürlich", erwiderte er gleichmütig. Ein hohles Blubbern klang von der anderen Seite des Raumes zu ihnen und für einen Moment glühte der Kessel blau auf.

Hermine schnaubte. „Äußerst überzeugend."

Snape schürzte die Lippen. „Sehen wir einmal von der Tatsache ab, dass Sie sich mir ausliefern wollen und nicht umgekehrt... Glauben Sie wirklich, Sie wüssten noch, was die Töle und ich ab und zu miteinander tun, wenn ich Ihnen nicht vertrauen würde?"

Hermines Augen wurden eine Nuance größer. In diesem Moment, in dem sie ihrem ehemaligen Lehrer gegenübersaß und den Blick der käferschwarzen Augen ertragen musste, erst da wurde ihr bewusst, wie gefährlich das Wissen war, das sie besaß. Denn so viel stand fest – wenn Snape wirklich glaubte, sie könne irgendwem irgendetwas erzählen, würde er nicht eine Minute zögern, ihre Erinnerungen zu verändern.

„Vermutlich nicht", murmelte sie.

„Also, wie sieht es aus, Miss Granger? Vertrauen Sie mir?"


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Remus' Blicke wanderten an Dora hinab und ganz langsam wieder hinauf. Dann begann er zu kichern, versuchte es allerdings halbherzig als Hüsteln zu tarnen. Sie kniff die Augen zusammen und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Das ist nicht witzig", sagte sie trocken.

„Nun, ich finde es äußerst witzig." Sie sah aus, als hätte man sie einmal am Kragen durch ein Schlammloch gezogen. Der ursprünglich rote Aurorenumhang tropfte eine braune Pfütze auf den Dielenboden und ihre Haare, die ausnahmsweise einmal ihren natürlichen Braunton hatten, klebten ihr am Kopf.

Da Dora keinerlei Anstalten machte, sich selbst von ihren nassen, verschmutzten Kleidern zu befreien, zückte Remus seinen Zauberstab und beförderte den Umhang in die Badewanne, wo er erstmal abtropfen konnte. Die Kleidung, die sie darunter trug, war bis zu den Waden trocken. Nur die schlammigen Schuhe und ihr verdreckter Kopf erinnerten noch an den Tag, den sie hinter sich haben musste.

Kurz darauf hatte er auch diese Beweise vernichtet und ging endlich zu ihr, um sie in den Arm zu nehmen. „Harter Tag?", fragte er scheinheilig.

„Nein", war die lang gezogene Antwort. Ihre Stimme wurde dabei eine Nuance höher und nahm einen beinahe melodischen Klang an. „Wir haben im Ministerium gesessen und Karten gespielt. Ich bin auf dem Weg nach Hause dem Wetter zum Opfer gefallen."

Remus sah sie abschätzend an. Diese Variante war nicht allzu unwahrscheinlich, wenn man an ihr Pech dachte.

„Das war ein Scherz. Wir waren in den Highlands unterwegs, um zwei flüchtige Todesser zu fassen."

„Habt ihr es geschafft?"

Sie verzog das Gesicht. „Halbwegs. Der eine sitzt jetzt in Askaban. Der andere ist tot." Er sah, wie sie schluckte. Dann wandte sie den Blick ab und ging ins Wohnzimmer.

Remus holte einmal tief Luft. Er wusste, dass sie sich Todesfälle dieser Art immer zu Herzen nahm. Das Vorstrafenregister interessierte dann nicht mehr. Deswegen entschied er, ihr erstmal ein paar Minuten für sich zu lassen und ging in die Küche, um eine Kanne Tee zu kochen.

Als er sich wenig später zu ihr setzte, hatte sie sich wieder einigermaßen gefasst. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als er ihr den dampfenden Tee in die Tasse goss. Als er sich zurücklehnte, schmiegte sie sich in seinen Arm.

„Möchtest du reden?", fragte er.

„Ja. Aber nicht darüber."

Er nickte und versuchte ein Thema zu finden, das sie auf andere Gedanken bringen würde. Unwillkürlich dachte er an das Kind. „Hast du schon mit Harry gesprochen?"

„Worüber?"

„Über deine Schwangerschaft."

„Oh." Er sah, wie sie die Hand auf den Bauch legte. Für sie musste es noch nahezu unbegreiflich sein, dass dort etwas wuchs. Doch er hatte es gerochen, als sie letzte Nacht bei ihm geblieben war. Seine Sinne waren schärfer, wenn er ein Wolf war. Vor allem war er in der zweiten Nacht des Zyklus kontrolliert genug, um sich nicht nur auf seinen Hunger zu konzentrieren.

„Er muss dich in den Innendienst versetzen, Dora. Sonst ist die Gefahr für das Kind zu groß."

„Ich weiß. Aber im Moment sind so viele krank... Wir können auf niemanden mehr verzichten."

„Möchtest du lieber auf das Kind verzichten?" Er achtete darauf, seiner Stimme einen sanften, aber dennoch eindringlichen Ton zu verleihen. Was ihm auch gelang. Dennoch gab es einen Fehler in seinem Plan, denn Dora war an diesem Abend anscheinend nicht dazu aufgelegt, die feinen Nuancen seiner Stimme zu deuten.

Mit einem schockierten Gesichtsausdruck setzte sie sich auf. „Natürlich nicht!", platzte sie heraus. „Aber ich kann doch auch nicht einfach meine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung ignorieren. Die Leute verlassen sich darauf, dass wir sie beschützen!"

„Darauf können sie sich verlassen. Ihr habt im Aurorenbüro doch genug Mitarbeiter im Innendienst, mit denen du den Platz tauschen kannst."

„Das werde ich auch. Aber nicht jetzt. In zwei Wochen kommen Cassy und Jasper aus der Reha wieder, dann werde ich es ansprechen."

„Und was ist, wenn es bis dahin zu spät ist?"

Sie presste ihre Lippen zu einer schmalen Linie zusammen und stand auf. „Es wird nicht zu spät sein. Und jetzt gehe ich duschen, mir ist kalt." Ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen, stapfte sie aus dem Wohnzimmer ins Bad. Zuerst knallte die Tür hinter ihr zu, dann hörte er einen frustrierten Laut, als sie den verdreckten Umhang in der Badewanne fand.

Remus seufzte leise und stützte die Ellbogen auf die Knie. Vorgestern um diese Zeit hatte er noch nicht einmal gewusst, dass er Vater werden würde. Und jetzt würde er Dora am liebsten in Watte packen, damit ihr und dem Kind nichts geschah.

So sehr er sich auch wünschte, seine Angst als lächerlich und unbegründet hinstellen zu können, so gut wusste er, dass sie mehr als angebracht war. Ein lautes Poltern aus dem Badezimmer, gefolgt von einem undamenhaften „So ein verdammter Mist!" bestätigten ihn darin.

„Ist alles in Ordnung?", rief er quer durch die Wohnung, obwohl er die Antwort eigentlich schon kannte.

„Bestens!"


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Hermine war sich den abwartenden Blicken Snapes deutlich bewusst. Er betrachtete sie wie andere Menschen den Quidditchspieler mit dem Quaffel im Arm beobachteten. Das Problem bestand darin, dass sie nicht wusste, was sie mit dm Ding anstellen sollte.

„Ich... ich weiß es nicht", stammelte sie deswegen, als die schwarzen Augen noch eine Spur härter zu werden schienen.

„Großartig", knurrte der Tränkemeister.

Hermine runzelte die Stirn. „Gestern hätten Sie noch ein klares Nein zur Antwort bekommen!"

„Vielleicht sollten wir dann noch einen Tag warten und hoffen, dass aus Ihrer Unwissenheit ein Ja wird." Der Sarkasmus seiner tiefen Stimme sickerte durch ihren Verstand wie klebriger Honig.

„Oder wir tun es einfach und warten ab, was passiert."

Für einen Moment sah es wirklich so aus, als wolle Snape laut auflachen. Doch er bekam seine Gesichtszüge so schnell wieder unter Kontrolle, dass Hermine sich schon im nächsten Moment nicht mehr sicher war, ob sie diese ungewohnte Gefühlsregung wirklich gesehen, oder ob ihre Fantasie ihr einen Streich gespielt hatte.

„Leichtsinniger Gryffindormut. Ich hatte wirklich geglaubt, Sie hätten diese waghalsige Angewohnheit hinter sich gelassen." Er schnalzte mit der Zunge.

„Ich werde nicht schlauer, Sir. Doch ich bekomme allmählich das Gefühl, als hätten Sie etwas von ihren slytherinschen Eigenschaften verloren. Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie früher weniger geredet und mehr Initiative gezeigt. Vor allem, wenn es darum ging, Harry ans Messer zu liefern."

„Jedem sein Hobby", erwiderte er feixend.

Doch dass sie ihm unterstellt hatte, leere Reden zu schwingen, war ihm nicht entgangen. Er erhob sich von dem schlichten Holzstuhl und baute sich zu seiner ganzen Größe auf. Hermine musste den Kopf in den Nacken legen, um sein Gesicht sehen zu können. Noch ehe sie wusste, wie ihr geschah, hatten zwei kräftige Hände sie ebenfalls auf ihre Beine gezogen.

„Oder wollten Sie dort unten bleiben und zusehen?", raunte er, die Hakennase nur einen Zentimeter von ihrer Wange entfernt.

„Danke, ich bevorzuge Augenhöhe", antwortete Hermine und stellte sich auf ihre Zehenspitzen. Bevor sie wusste, was sie eigentlich tat, hatte sie ihren Kopf zur Seite geneigt und man konnte es nur als den Versuch, ihn zu küssen, deuten.

Snape fasste sie bei den Oberarmen und schob sie von sich. „Was genau soll das werden, Miss Granger?"

Sie blinzelte mehrmals, während ihre leicht gespitzten Lippen die Luft liebkosten. „Ein Vorspiel?", schlug sie mit gespielter Naivität vor.

Der schwarze Mann schnaubte. „Dann spielen Sie! Aber vergessen Sie nicht, mir Bescheid zu sagen, wenn Sie damit fertig sind." Er ließ sie so abrupt los, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte.

Hermine musste rasch zugreifen, um ihn gar nicht erst zu seinem Kessel zurückkehren zu lassen. Der grobe Stoff seines Umhanges fühlte sich rau und steif unter ihren Fingern an. „Wie hatten Sie sich das Ganze denn vorgestellt? Soll ich mich ausziehen und hinknien, damit Sie es möglichst schnell hinter sich bringen können?"

Er blieb stehen, löste ihre Finger von seinem Umhang und zog die Augenbrauen in die Stirn, während er offensichtlich seine Ungeduld zu kontrollieren versuchte. „Ausziehen und hinknien wäre für den Anfang äußerst hilfreich. Für den Rest wäre es förderlich, wenn Sie mir vertrauen würden."

Hermine stieß frustriert die Luft aus ihren Lungen. „Vielen Dank, ich hab's verstanden." Ihre Stimme klang erstaunlich scharf. Wenn ihr jemand vor dem Betreten des Labors an diesem Abend gesagt hätte, dass sie Snape später nicht mehr mit atemloser Nervosität begegnen würde, hätte sie es nicht für möglich gehalten.

„Fein. Dann behalten Sie also Ihre Zunge unter Kontrolle und ich werde zum ursprünglichen Plan zurückkehren."

„Gerne." Sie hob die Arme zu den Seiten hoch und ließ sie dann wieder fallen. „Ich bin gespannt, was Sie geplant haben."

Snapes Augen wurden zu Schlitzen, doch er nahm ihre subtile Weigerung, sich selbst auszuziehen, stumm hin. Mit schmalen Lippen und stechenden Blicken stand er ihr gegenüber, versuchte vermutlich, ihre Entscheidung nur durch die unausgesprochenen Drohungen seiner Körpersprache rückgängig zu machen.

Hermine ihrerseits zwang sich dazu, dem stand zu halten. Stur wie eine Marionette stand sie vor ihrem ehemaligen Lehrer, wild entschlossen, dem ganzen Spiel zumindest ihren Stempel aufzudrücken.

Schließlich schnaubte er, verzog den Mund zu einem grimmigen Lächeln und streckte die Hände aus, um ihre Robe aufzuknöpfen. „Wie Sie wollen..."

Er stellte sich alles andere als ungeschickt an, doch bei der Heftigkeit, mit der er sich an den Knöpfen zu schaffen machte, wunderte es Hermine, dass diese nicht quer durch den Raum sprangen. Raschelnd zog er schließlich den schwarzen Stoff von ihren Schultern und warf ihn hinter sich auf den Boden.

Hermine schaukelte leicht auf ihren Füßen vor und zurück, während er nun auch die Knöpfe ihrer Bluse öffnete. Dabei ging er immerhin schon vorsichtiger vor. Kurz darauf stand sie im BH vor ihm und schaffte es noch immer nahezu mühelos, dem früher so beängstigenden Blick standzuhalten.

Snape blinzelte und sah kurz an ihrem Oberkörper hinab. Seine Schultern sanken ein Stück nach unten und seine großen Hände verharrten einen Augenblick direkt über ihrer blassen Haut. Dann sah er ihr wieder ins Gesicht und die Häme wich dem Ernst der Lage. „Sind Sie sich sicher?"

Hermine schluckte und wartete, bis sie ihre Stimme unter Kontrolle hatte. „Wird es wehtun?"

Er schnaubte trocken. „Hat es wehgetan, als der Rotschopf Sie das erste Mal genommen hat?"

Darauf hatte Hermine nichts zu erwidern und so schloss sie die Augen und gab sich dem einzigen Mann hin, von dem sie geglaubt hatte, ihm niemals in einer solchen Lage gegenüber zu stehen.


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Sirius stand am obersten Absatz der Kellertreppe und starrte hinunter in die Dunkelheit des Flures. Unter der Labortür sickerte ein kaum sichtbarer Lichtschimmer hindurch, doch das war auch schon das einzige, das auf die Geschehnisse im Raum dahinter schließen ließ.

Es sah Schniefelus ähnlich, einen Deal wie diesen direkt im Labor in die Tat umzusetzen. Der elende Giftmischer scheute sich nicht, unpassende Orte passend zu machen. Und bevor er jemanden in sein Schlafzimmer ließ, musste schon etwas Bezeichnendes passieren. Vielleicht wenn Sybill Trelawney persönlich den Dunklen Lord um die Ecke brachte.

Er schnaubte leise und wischte sich mit gespreizten Fingern durch die Haare. Zum Teufel mit der Wette! Er hasste es, dass er nicht dort unten sein konnte. Zwar vertraute er Snape, dass er Hermine nichts tun würde, doch gab ihm das das Recht, sie ihm dermaßen auszuliefern?

Unter diesen für ihn ungewohnten Überlegungen hatte er die Hände zu Fäusten geballt und zwang sich nun dazu, sie zu entspannen. Es war bisher erst zweimal vorgekommen, dass er eine Entscheidung so intensiv bereut hatte, ohne die Chance, sie rückgängig zu machen. Das letzte Mal als er herausgefunden hatte, dass Peter ein Verräter war. Das erste Mal, nachdem er Schniefelus gesteckt hatte, wie er die Peitschende Weide überwinden konnte.

Mit einem gutturalen Knurren wandte er sich von der Treppe ab und ging ins Wohnzimmer. Es war erst kurz nach neun, noch nicht zu spät, um Harry zu besuchen. Ohne noch einen zweiten Gedanken zu verschwenden, griff er sich das Flohpulver vom Kaminsims und streute eine Prise in die niedrig flackernden Flammen.

Er musste hier weg, andernfalls würde er in spätestens einer halben Stunde wie Conan persönlich ins Labor rauschen.