Ein Angebot & das Mädchen
„Wie ist so etwas möglich?" „Wir wissen es nicht, wir vermuten dass es eine direkte Verbindung mit dem Untergang des dunklen Lords geben muss." „Kann es vielleicht ein Schlafzauber sein?" fragte er und dachte dabei an jenen Zauber den Severus über die junge, schwangere Hermine gesprochen hatte um sie zu beschützen. „Nein, wir haben jeden möglichen Gegenzauber in diese Richtung ausprobiert, nichts hat geholfen." „Angenommen, Sie haben Recht in der Annahme dass es mit dem Verschwinden Voldemorts in Verbindung steht, was kann dagegen unternommen werden." „Ich frage mich mittlerweile viel mehr was uns blühen könnte, wenn er eines Tages aufwachen sollte." meinte Lucius skeptisch und kassierte dafür einen mahnenden Blick seiner Ehefrau. „Tue nicht so Narcissa, als hättest du dir darüber noch nie Gedanken gemacht." Die Mutter hatte sich in der Zwischenzeit neben Geminius schlafender Gestalt niedergelassen und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht. „Er kann doch nichts dafür Lucius, im Grunde genommen ist er ein unschuldiger Junge." „Ja, mit einen zweiten Ich, das äußerst unberechenbar ist. Ihre Freundin könnte davon ein Lied singen, wenn sie sich erinnern könnte." „Hat Snape damals ihr die Erinnerung daran genommen als er ihren Geist wieder in Ordnung brachte?" Lucius bejahte. „Ja, er hat es getan in der Annahme dass es sie in ihrer unterstützenden Aufgabe Ihnen gegenüber benachteiligen könnte." Harry hatte die Vermutung, dass dies nicht der einzige Grund gewesen war. Sobald er zuhause angekommen würde, wäre ein kleines Gespräch diesbezüglich mit dem Porträt fällig.
Plötzlich fiel ihm eine Tatsache ein, als er an den Schlafzauber in Hermines Erinnerungen dachte und von einen Moment auf den anderen durchzog seinen Magen einen stechenden Schmerz. „Wir müssen sofort hier raus." meinte er mit leiser warnender Stimme. Fragend blickten sich Lucius und Narcissa an, bevor sie zu Harry sahen der ihnen zunickte und mit einen letzten Blick auf Geminius das Zimmer verließ. Draußen vor dem Zimmer angekommen, wartete er ab während die anderen Beiden ihm folgten. „Können Sie mir erklären, warum wir jetzt hier stehen und nicht mehr bei meinen schlafenden Sohn in seinem Zimmer?" forderte Narcissa ihm ungehalten auf. „Ich habe einmal von einen Schlafzauber gehört, wo der Betroffene als eine Art Sprachohr funktioniert hat." „Wollen Sie etwa damit sagen…." begann Lucius mit entsetzten Gesichtsausdruck und sah geschockt zu Narcissa, die sofort begriff. „Nein…" „Ich kann gar nichts sagen, sondern nur Vermutungen anstellen. Haben Sie versucht in seinen Geist vorzudringen?" „Wir haben uns nicht getraut." „Dürfte ich…" Ehe Lucius etwas darauf antworten konnte kam ihm Narcissa zuvor: „Tun Sie es!" „Aber Narcissa…." „Nichts Lucius, wenn er Geminius helfen kann, soll er es tun! Wir sollen verdammt sein, wenn wir den dunklen Lord möglicherweise walten lassen und nichts dagegen unternehmen. Stell dir vor er wacht eines Tages auf und ist dann nur noch dieses Wesen, dass wir vor all den Jahren erlebt haben." „Ich kann Ihnen nichts versprechen Narcissa." meinte Harry zögerlich. „Ich weiß das Harry, dennoch sind wir verpflichtet es zumindest zu versuchen, nicht nur für uns sondern auch für unsere Kinder und Kindeskinder." erwiderte er und blickte dabei zu Lucius, der zögerlich zustimmte.
„In Ordnung, ich werde mich zuhause nochmals intensiv mit den Unterlagen meines Lehrers beschäftigen ehe ich morgen wiederkomme. Ist das in Ordnung?" Synchron stimmten sie mit dem Mann überein. „Gut, dann möchte ich mich verabschieden." „Warten Sie Harry, ich bringe Sie noch zur Tür." erklärte Narcissa und ging voraus. „Bis morgen Harry." sagte Lucius zu ihm und streckte ihm seine Hand entgegen, die der junge Mann sofort ergriff. „Bis morgen Lucius!" Rasch folgte der Besucher seiner Gastgeberin die Treppen hinunter, die inzwischen schon bei der großen Tür angelangt war. „Sie werden sich noch mit Ihrer Frau besprechen wollen, nehme ich an." „Das ist richtig." „Dann richten Sie Ihr meine besten Grüße aus." sagte Narcissa abschließend, öffnete die schwere Eingangstür und trat zur Seite damit Harry das Haus verlassen konnte. Dieser bewegte sich durch den Türrahmen und blieb dann inmitten der Tür nochmals stehen. „Tristan wurde von seiner Schulkollegin gerettet, sie heißt Jane Malfoy. Ist sie die Tochter von Draco?" „Fragen Sie mich morgen noch einmal, alleine." antwortete sie ihm, schloss danach die Tür und ließ einen sichtlich verwirrten Harry draußen stehen.
Kopfschüttelnd durchlief er die lange Allee, sodass er sogleich nachdem er das große Gittertor passiert hatte, sofort disapparierte. Wie erhofft, kam er direkt auf den Ländereien von Hogwarts zum Stillstand. „Ist das Harry Potter?" hörte er einige Schüler flüstern. Rasch drehte er sich mit einer strengen Miene um und erblickte die Quelle des Gemurmels am See. Er nickte ihnen zu während er sich in Bewegung setzte. Zu seiner Überraschung erblickte er im Innenhof, unter dem großen Baum die sitzende Gestalt von Jane Malfoy.
„Miss Malfoy." sprach er sie vorsichtig an sodass sie fragend von ihrem Buch hochsah. „Ja?" „Ich bin Harry Potter, der Patenonkel von Teddy Lupin und Onkel von…" „Tristan ich weiß." beendete sie seinen Satz, bevor sie das Buch schloss und sich erhob. „Ich wollte Tristan besuchen, aber er war nicht mehr auf der Krankenstation." meinte sie besorgt. „Er wurde gestern noch entlassen und ruht sich den heutigen Tag noch aus ehe für ihm morgen wieder der Unterricht beginnt." „Ich verstehe." Harry beobachtete wie sie den Kopf sinken ließ. „Miss Malfoy, würden Sie mich ein Stück meines Weges begleiten?" Überrascht blickte die Schülerin wieder hoch. „Natürlich Mister Potter." „Nenn mich bitte Harry." Nickend folgte sie ihm in das Hauptgebäude, den Kerker anstrebend. „Wieso hast du an jenen Morgen die Jungs zu ihrer Mutprobe begleitet?" „Weil ich zufälligerweise gehört habe wie Goyle vor einigen anderen Jungs damit geprahlt hat, dass er Tristan eine Lektion erteilen wolle. Als ich dann von der Mutprobe selbst gehört habe, war für mich der Fall klar." „Du bist sehr intelligent wie mir scheint. Liest du sehr gerne?" „Ja, das tue ich. Ist das etwa ein Problem?" Harry bemerkte dass sie mitten im Gang stehen geblieben war und ihm skeptisch musterte. „Nein Jane, ganz und gar nicht. Meine beste Freundin war auch ein regelrechter Bücherwurm als wir in deinen Alter gewesen sind." Er konnte erkennen wie sich Jane sichtbar entspannte und ihm dabei anlächelte.
„Es war sehr mutig von dir, wie du Tristan gerettet hast." „Ich wollte einfach nur verhindern, dass ihm etwas passiert." meinte sie schulterzuckend. „Sag, ist Draco dein Vater?" Augenblicklich konnte Harry erkennen wie sich ihr Blick verdunkelte und für einen Moment lang konnte er etwas in ihren Augen sehen, das ihm selbst nur zu gut bekannt war – Einsamkeit. „Nein, er ist nicht mein Vater." „Wer ist es dann?" „Meine Eltern sind tot, mehr möchte ich dazu nicht sagen." Betroffen nickte Harry ihr zu. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen." „Schon in Ordnung." erwiderte sie bevor sie sich dem großen Porträt zuwandte und das Passwort aussprach, sodass sich das Gemälde öffnete und den Beiden Einlass gewährte. „Ich muss mich noch für das Abendessen umziehen. Es hat mich gefreut Sie persönlich kennenzulernen Mister Potter." Obwohl Harry sie hinsichtlich seines Namens korrigieren wollte, war sie sofort durch den Durchgang verschwunden, der zu den Mädchenschlafsälen führte.
„Onkel Harry!" Tristans Stimme ließ ihm umdrehen und erblickte den jungen Mann im Durchgang, der zu den Schlafsälen der Jungs führte. „Tristan, wie geht es dir?" erkundigte er sich sogleich nach seinen Gesundheitszustand. „Es geht mir besser, mein Köpf schmerzt zwar noch ein wenig aber es ist im Vergleich zu gestern viel besser geworden." Nickend blickte er auf seine goldene Armbanduhr. „Es ist gleich sechs Uhr und die meisten deiner Mitschüler werden gleich kommen. Ich wollte dir nur dein Notizbuch zurückgeben." Harry holte das besagte kleine Büchlein aus der Innenseite seines Umhanges und händigte es dem Jungen aus. „Vielen Dank! Konntest du etwas über diese Hermine Coleman herausfinden?" „Nein, aber ich arbeite daran." „Wenn du etwas herausfindest, wirst du mir sagen?" „Natürlich Tristan." versprach Harry ihm lächelnd. „Wir sehen uns spätestens in den Weihnachtsferien." fügte abschließend hinzu, als sie die ersten Stimmen herannahten. „Bis Weihnachten und vielen Dank!" erwiderte ihm Tristan zum Abschied und sah wie sein Onkel aus dem Gemeinschafsraum disapparierte. Was zu diesen Zeitpunkt beide nicht wussten war, dass Jane in einer dunklen Ecke des Durchgangs zu den Mädchenschlafsälen gestanden und die beiden belauscht hatte.
Rasch zog sich die junge Frau mit den langen dunklen gelockten Haaren in Richtung ihres Schlafsaals zurück während sich der Gemeinschaftsraum mit den ankommenden Schülern füllte. Schnellen Schrittes zog sie unter ihrer Matratze ein kleines Büchlein hervor, schlug es auf und schrieb mit einer Feder hinein: „Es läuft alles nach Plan." Kaum berührte die Tinte, das Pergament verschwand diese sogleich. Ungeduldig blickte Jane zum Ausgang ihres Schlafsaals und sah danach wieder auf die Buchseite wo nun geschrieben stand: „Gut, fahre fort wie vorgesehen." „In Ordnung!" schrieb sie flink, wartete bis ihre Zusage verschwand, schloss das Buch und versteckte es wieder unter der Matratze ihres Bettes.
