So, ihr Lieben! Hier ist der erste (wirklich lange!) Epilog.

Wie schnell das ganze gegangen ist! Jetzt sind wir schon fast am Ende der Geschichte angekommen. Nächste Woche folgt der zweite Epilog und damit der letzte Teil! Ich muss sagen, schon jetzt schwingt bei mir etwas Wehmut mit. Wie stehts mit euch?

Und jetzt viel Spaß beim Lesen!

Liebste Grüße

luckyserpent


Epilog: Ich bin der Ozean

Draco Mal zog sich auf die große Schaukel auf der Veranda seines Hauses zurück und las ein Buch, das seine Frau empfohlen hatte. Scherzhaft hatte er erwidert, dass er es nicht zu lesen brauchte, weil er schon den Film gesehen hatte. Da hatte sie ihm einen ihrer Blicke zugeworfen und gesagt: „Bücher sind besser als Filme." Sie lag selten falsch und dies war keine Ausnahme. Er hatte das Buch gestern begonnen und bereits zwei Drittel hinter sich.

Er wusste, dass er es an diesem Tag nicht würde beenden können, da es fast zwei Uhr nachmittags war und ihre Gäste um drei kamen.

„Daddy! Daddy! Daddy!"

Als er die Stimme seines Sohnes hörte, schwoll sein Herz an, bis es zu platzen drohte. Er lauschte der kleinen Stimme, während sie sich durchs Haus bewegte, bis er hörte, wie die Verandatür sich langsam öffnete. Er wusste, dass sein Sohn nach ihm suchte. Deshalb hob er das Buch vor sein Gesicht, um vorzugeben, er wäre in das Buch vertieft.

Draco hörte, wie der zweieinhalbjährige Junge versuchte sich anzuschleichen, um ihn zu überraschen. Es war etwas, das er gerne tat – sich an seine Eltern anzuschleichen und zu versuchen, sie zu erschrecken. Nur ein Mal war es ihm wirklich geglückt – kleine Kinder glauben oft, sie sind viel leiser als sie tatsächlich waren – als Hermine so gefesselt von einem Buch war, dass sie nicht bemerkt hatte, wie er sich kichernd auf Zehenspitzen durch den Raum schlich.

Als der Junge an seinem Sessel angelangt war und sein Gekicher zu unterdrücken versuchte, riss Draco das Buch von seinem Gesicht weg und sagte „Buh!"

Der Junge quietschte entzückt und sein Gesicht leuchtete auf. Draco grinste und hob seinen Sohn hoch.

„Uch!"

„Du möchtest, dass ich dir vorlese?"

Der Junge nickte.

„Also, lass mal sehen, was du da hast."

Der Junge reichte Draco ein Buch.

„Sieht so aus, als hätte Mummy dir wieder ein neues Buch gekauft."

Der Junge nickte grinsend.

„Und es ist mit Drachen! Wie wunderbar!"

Der Junge machte es sich an Dracos Brust bequem, bereit, seinem Vater beim Umblättern zu helfen. Es war ein schönes Buch mit sehr detaillierten Bildern von Drachen. Während er vorlas, stellte er die Stimmen aller Charaktere nach und half seinem Sohn, die schwereren Wörter zu verstehen – Hermine neigte immer dazu, ihm Bücher zu kaufen, die etwas über seinem Alter lagen.

Schließlich blätterte Draco die letzte Seite um und sagte: „Das Ende." Er schaute zu seinem Sohn hinunter und sah, dass er tief und fest schlief. Er küsste ihn auf den Kopf und legte das Drachen- Buch auf einen Tisch neben ihn. Er nahm sein eigenes Buch in die Hand, las aber nicht weiter. Stattdessen dachte er an den wunderschönen Jungen, der an seiner Brust schlief.

Er hatte glänzendes, lockiges, hellblondes Haar. Die perfekte Mischung aus seinen Eltern und seine Augen waren grün – wie Janes. Seine Haut war so blass wie Dracos, aber ein paar Sommersprossen zierten sein Gesicht.

Draco lächelte, als er sich in Erinnerung rief, wie die Krankenschwester ihm den Jungen direkt nach seiner Geburt gereicht hatte. Damals hatte er schwarzes Haar gehabt und blaue Augen, aber das Haar ist bald ausgefallen und golden gewachsen. Er war fest in eine nichtssagende Decke gewickelt und seine Haut war sehr rot.

„Ihr Sohn, Mr. Malfoy."

Draco nahm zögernd das Bündel entgegen. Er sah so zerbrechlich aus! Als könnte er bei dem kleinsten Druck brechen. Als die Schwester ihn losließ, zappelte das Baby einen Augenblick lang und schlief dann wieder ein. Als Draco das schlafende Baby betrachtete, das in seinen Armen lag, verliebte er sich hoffnungslos. Er hatte keine Ahnung, wie jemand nur wegen eines Babys so vollkommen glücklich und erfüllt sein konnte. Aber es ist mein Baby, dachte er. Er lächelte auf die kleine Person hinunter und sah ihm beim Atmen zu. Dann schaute er zu seiner Frau, die sich in ihrem Bett aufsetzte. Sie sah erschöpft aus, doch sie lächelte ihn träumerisch an.

Er lächelte sie an und dachte, dass sie noch nie so schön ausgesehen hatte wie in diesem Augenblick. Nur die Erfahrung lehrte ihn, dass er am nächsten Tag denselben Gedanken haben würde. Draco vergaß völlig, dass noch andere Leute im Zimmer waren.

„Hey, du", sagte er zu Hermine.

„Hey", antwortete sie.

Draco trat zu ihr und reichte ihr das Baby. Sein Baby. Ihr gemeinsames Baby. Hermine nahm ihn in die Arme und hielt ihn, als hätte sie ihr gesamtes Leben lang Babys gehalten. Sie sah so natürlich aus, so unglaublich glücklich, dass Draco das Gefühl hatte, sein Herz würde platzen. Hermine strahlte, obwohl sie gerade ein Kind gebärt hatte, und er konnte sehen, dass sie sich genauso verliebt hatte wie er.

„Hey, kleiner Kerl", flüsterte sie und rückte die Decke zur Seite, um volle Sicht auf sein Gesicht zu bekommen. „Ich bin deine Mummy." Draco spürte Tränen in seinen Augen prickeln. „Und das ist dein Daddy. Und wir werden dich für den Rest deines Lebens lieben."

„Haben Sie schon einen Namen?", erkundigte sich die Schwester.

Hermine schaute Draco an und lächelte.

„Steven Anders Malfoy", sagte er, breit grinsend.

Die Schwester nickte und notierte den Namen auf ein paar Dokumenten. „Sie müssen beide die Geburtsurkunde unterschreiben." Sie präsentierte ein bedeutend- aussehendes Pergament mit ihren und Stevens Namen. „Das ist natürlich ein magisches Dokument", fuhr sie fort. „Sobald sie es unterschrieben haben, wird es magisch versiegelt. Es kann nicht mehr verändert werden. Es zu unterschreiben, verkündet der Nachwelt, dass Sie beide die Eltern sind. Sollten irgendwelche… Streitigkeiten aufkommen, stimmen Sie, Mr. Malfoy, zu, Verantwortung für das Kind zu übernehmen, unabhängig davon, was immer passieren könnte. Sollten Sie beide sich trennen – Merlin behüte – oder die Vaterschaft infrage gestellt werden, gehört er Ihnen."

Dracos Miene verfinsterte sich. „Ich glaube nicht, dass eines von beidem zur Sprache kommen wird."

„Natürlich nicht. Aber ich muss es Ihnen sagen. Denn es ist ein magisch bindender Vertrag."

„Schön, wie auch immer." Er sah zu Hermine, die leise kicherte. Ihr Lächeln ließ seine Verärgerung dahinschmelzen. Er lächelte zurück und wandte sich wieder der Schwester zu. „Wo soll ich unterschreiben?"

„Hier", sagte sie und deutete auf die Linie über seinem Namen.

Nachdem er unterschrieben hatte, nahm er Hermine Steven, damit sie unterzeichnen konnte. Dann murmelte die Schwester einen Zauber und die Geburtsurkunde blitzte golden auf.

„Alles fertig!", sagte sie fröhlich. „Ich werde Ihnen etwas Zeit mit Ihrem Baby geben", sagte sie und verließ das Zimmer.

Hermine streckte eine Hand aus und er berührte sie mit seiner. Sie drückte seine Finger. „Ich liebe dich", hauchte sie, während Tränen ihre Augen befeuchteten.

Draco setzte sich neben sie aufs Bett und gab ihr Steven zurück. Dann küsste er sie auf die Schläfe und schlang seine Arme um sie. „Ich liebe dich auch", raunte er in ihr Haar.

„Ist er nicht wunderschön?", fragte sie.

„Ja", antwortete er und konnte nichts mehr sagen. Er fühlte sich… voll. Komplett. „Du, Granger, bist wunderbar."

Sie kicherte und sah ihn an. „Ich fühle mich auch irgendwie wunderbar. Und nicht nur weil ich gerade ein Baby bekommen habe. Nur…" Sie lachte. „Naja, weil ich das alles gemacht habe!"

Er lachte und zog sie an sich. „Du hast es gut gemacht", sagte er und beobachtete, wie sein Sohn regelmäßige Atemzüge nahm. Er spürte plötzliches Erstaunen, als er realisierte, dass er ein Teil davon gewesen war, dieses neue, perfekte Leben zu erschaffen. Und gerade bevor die Tür aufplatzte und eine Menschenmenge hereindrängte, die meisten davon mit rotem Haar, sagte er: „Und… ich habe etwas gut gemacht."

Harry hatte sich sehr schnell daran gewöhnt, eine Menge Menschen in seinem Leben zu haben. Als er sich entschlossen hatte, Hermine zu umwerben, stellte er fest, dass es in einer gewissen Art und Weise auch bedeutete, die Weasleys zu umwerben. Sie waren wie eine zweite Familie für sie, zusätzliche zehn Leute, denen sie so sehr am Herzen lag wie ihm. Er hatte sich vor Hermine, Harry, Ron und Ginny bewiesen, doch es blieb immer noch der Rest der Weasley- Familie.

Das erste Mal, als Hermine Draco zum Fuchsbau mitgenommen hatte, ein paar Wochen nach dem Ende des Krieges, hatte er um die Aufmerksamkeit aller gebeten und Entschuldigungen ausgesprochen, sehr zu ihrer großen Überraschung. Er mochte es nicht besonders, sich zu entschuldigen – hatte nicht wirklich viel Erfahrung darin – doch er vermutete, der beste Weg, aus diesem unbehaglichen Stadium herauszukommen, war, die Streitigkeiten aus der Welt zu schaffen.

Draco hatte sich entschuldigen wollen, doch zur selben Zeit auch nicht. Er wollte, dass die Weasleys wussten, dass es ihm leid tat, ehrlich leid tat, für jede schreckliche Sache, die er jemals über sie oder zu ihnen gesagt hatte. Er hasste es nur, im Rampenlicht zu stehen. Doch Hermine hatte ihn ermutigt und so hatte er es getan.

Er begann mit einer knappen, aber vom Herzen kommenden Entschuldigung an die gesamte Familie und dann auch ein paar Individuen: an Ron und dann an Charlie. Der erstere hatte keine Ahnung von Dracos Beteiligung an seiner Verletzung gehabt und Draco hatte sich Sorgen gemacht, dass Ron ihm nicht verzeihen würde. Ron war wütend gewesen, doch sobald Draco die Umstände völlig erklärt hatte, verzieh er ihm murmelnd.

Charlie war während des früheren Stadiums des Krieges von Draco entführt worden, um von den Todessern für Informationen gefoltert zu werden. Obwohl Draco nicht an der tatsächlichen Folterung beteiligt war, verband Charlie dennoch sein Gesicht mit jener Erinnerung. Eines Nachts, vier Monate nach Ende des Krieges, bekam Charlie zufällig mit, wie Draco Hermine seine Liebe gestand. Und von da an bemühte er sich, Draco kennen zu lernen.

Fred und George nannten ihn aus irgendeinem Grund „Zaubertränke" und fast jedes Mal kicherte Hermine hysterisch.

Es war nicht nur, dass er sich an die Weasleys gewöhnen musste. Er musste auch damit ins Reine kommen, dass all jene Menschen, die sich um Hermine gesorgt hatten, sich plötzlich um ihn sorgten. Sich aufrichtig um ihn sorgten. Und es überschritt seine Beziehung zu Hermine. Das Band, das er mit Harry geschlossen hatte, würde niemals brechen und Harry war Teil der Weasleys, deshalb musste Draco ebenfalls einer sein.

Nachdem Draco bei seinem ersten Besuch seine Entschuldigungen ausgerichtet hatte, musste er sich sehr bald verabschieden. Es war… zu viel, zu schnell. In seiner Entschuldigung hatten sehr viele Emotionen gesteckt und dann schien der ganze Haufen von ihnen plötzlich die zehn Jahre gutmachen zu wollen, die sie Draco gekannt und im Grunde gehasst hatten. Es gab eine Grenze dessen, was er, umgeben von Lärm und Menschen, ertragen konnte und diese war sehr schnell erreicht.

Jeder nachfolgende Besuch dauerte ein wenig länger, bis er schließlich einen ganzen Tag im Fuchsbau bleiben und die gesamte Zeit über die Nerven behalten konnte.

In angenehmem Gegensatz genoss er die Zeit, die er mit Hermine und ihren Eltern verbrachte, weil alles sehr viel ruhiger und gelassener ablief. Als ihr Haus verkauft worden war, hatten sie keine Bleibe, nachdem sie die Insel verlassen hatten. Draco hatte versprochen, dass er ihnen ein Haus kaufen würde, wo immer sie wünschten. Nach einer überraschend kurzen Diskussion, baten die Granger um eine bescheidene Wohnung in der Mitte von London. Nachdem sie allein auf einer Insel gewohnt hatten – eine wunderschöne, tropische, aber isolierte und verlassene Insel – wollten sie von Leuten umgeben sein.

Es war schwierig gewesen, ihren Tod legal „rückgängig zu machen", doch am Ende führte Hermine ein paar Zauber aus, um den Prozess zu beschleunigen. Natürlich in Muggle- Gerichten. Personenverwechslung war der endgültige Gerichtsbeschluss, gepaart mit der spontanen Entscheidung der Grangers, in ein fremdes Land zu ziehen und all ihre Habseligkeiten und weltlichen Güter aufzugeben. Es stellte sich als wunderbarer Spaß heraus – von der Art, die Draco nie wieder erfahren wollte.

Eine starke, kühle Brise wehte vom Meer her und zerzauste Draco und Stevens Haare. Draco legte eine Hand auf den Arm seines Sohnes. Er fühlte sich kühl an. Er rief eine Decke herbei und breitete sie über sie beide aus.

Die Verandaschaukel war sein Lieblingsplatz auf der ganzen Welt. Nachdem er Hermine sechs Monate lang jede Nacht dort zugedeckt hatte, hatte die Veranda bereits eine besondere Bedeutung für ihn.

Dann, sechs Monate nach Ende des Krieges, nach einem langen, langen Tag im Ministerium, an dem er endlich seinen Zauberstab wiederbekommen hatte, ging Dracos ins Edge zurück. Er war spät dran. Hermine wollte sich mit ihm treffen und sie würden seine Rückkehr in die magische Welt feiern. Doch er hatte drei verschiedene Büros aufsuchen müssen – wussten sie denn nicht, dass er kommen würde? – fünf verschiedene Menschen – bevor ihm endlich gesagt wurde, dass die erste Person doch die richtige gewesen war. In jenem Augenblick hätte er fast gegen seine Bewährungsauflage verstoßen.

Sie sollte um sechs kommen und es schon fast sieben. Er fühlte sich furchtbar, doch es gab nichts, dass er hätte tun können.

Im Haus war es dunkel, als er eintrat, doch er wusste, dass sie da war. Ihre Tasche und ihr Pullover lagen auf dem Sofa. Er rief nach ihr, aber sie antwortete nicht. Deshalb schaute er in allen Zimmern nach, vergeblich. Er schüttelte den Kopf und realisierte, wo sie sein musste. Er schalt sich dafür, nicht als erstes dort nachgesehen zu haben.

Sie schlief auf der Schaukel, in eine Decke gewickelt. Ihr Haar flatterte sanft in der Brise. Er starrte sie einfach nur an, weil er es endlich konnte, und sein Herz zog sich schmerzhaft in seiner Brust zusammen. Er liebte sie mehr als alles andere.

Er ging zu ihr, im Zwiespalt, ob er sie aufwecken oder sie schlafen lassen sollte. Die Bretter der Veranda knarrten und sie rührte sich. Sie lächelte zu ihm hoch.

„Hey", sagte sie schläfrig.

„Hey", antwortete er und hockte sich neben die Schaukel, um auf ihrer Augenhöhe zu sein.

Hermine streckte eine Hand aus und er nahm sie in seine. „Tut mir leid, dass ich eingeschlafen bin."

„Das muss es nicht."

Dann zog sie seine Hand zu sich und als es nicht weiter ging, nahm sie seinen Arm.

„Was machst du da?", fragte er grinsend.

„Komm her."

Er grinste sie breit an. Nur sie konnte dieses Lächeln aus ihm herauslocken – dieses große, alberne, von dem er wusste, dass es bescheuert aussah, doch es war ihm gleichgültig. Behutsam stieg er auf die Schaukel und setzte sich zwischen sie und die Lehne der Schaukel. Er war noch nie dankbarer als in diesem Augenblick, dass er sich dazu entschlossen hatte, eine große Schaukel anzubringen.

„Bist du müde?", fragte sie, als er bequem hinter ihr saß. Sie war an seine Brust gelehnt und seine Arme waren um sie geschlungen.

Er gluckste. „Nicht wirklich."

„Können wir nicht einfach… ein wenig später rausgehen?"

„Natürlich, wann immer du willst."

„Gut", sagte sie gähnend. „Ich vermisse es richtig, hier draußen zu schlafen. Hier schlafe ich am besten."

Draco konnte nicht glauben, wie schnell sie einschlief, doch er beschwerte sich nicht. Das Gefühl von ihr in seinen Armen war zu unglaublich, als dass er es zerstören wollte. Er schlummerte ebenfalls ein.

Als er aufwachte, sind die Sterne aufgegangen und Hermine schaute ihn an, liebevoll lächelnd.

„Was ist?", sagte er und rieb sich die Augen.

Sie kicherte. „Nichts. Ich glaube, es ist zu spät für Abendessen."

„Unsinn", erwiderte er. Er küsste sie auf die Stirn. „Wir können überall auf der ganzen Welt abendessen gehen."

„Das stimmt." Hermine streckte sich und legte ihm eine Hand ans Gesicht. Sie fuhr ihm mit einem Finger über die Wange. „Du hast einen Schlafabdruck."

„Habe ich?"

„Draco?"

„Ja?"

„Sag mir, dass du mich liebst."

„Ich liebe dich", sagte er ohne zu zögern.

„Gut. Ich habe Hunger."

Draco hatte seine Mutter zwei Tage nach seiner Entlassung aus Azkaban abgeholt und sie zum Edge gebracht, wo sie ein paar Tage gewohnt hatte, während sie diskutierten, wohin sie gehen wollte. Am Ende hatte sie sich für das Haus in Oxfordshire entschieden und Draco hatte so viele Schutzzauber ausgeführt, wie er kannte.

Fünf Monate später nahm er Hermine mit, um sie Narzissa offiziell vorzustellen.

„Warum bist du so nervös?", fragte er, als sie auf der Türschwelle zu ihrem Haus standen. „Du hast meine Mutter schon mal getroffen."

„Ja, aber… das waren völlig andere Umstände! Es war unter meinen Bedingungen, wenn du so willst. Es war im Ministerium, deine Mutter war in Haft… jetzt gehe ich zu ihrem Haus. Und…" Sie brach ab und schaute ihn an.

„Und was?"

„Naja… jetzt bin ich mit dir zusammen."

„Mach dir keine Sorgen, Hermine. Bitte", sagte Draco. „Was heute passiert, wird überhaupt nichts ändern. Das weißt du." Er versuchte, so beruhigend wie möglich zu klingen, zuversichtlich und unbeeindruckt. In Wahrheit glaubte er, dass er möglicherweise noch nervöser war als Hermine. Er hatte noch nie ein Mädchen nach Hause gebracht, um sie seinen Eltern vorzustellen. Er hatte seiner Mum sogar noch nie gesagt, dass er irgendein Mädchen mochte, und heute plante er, ihr wirklich von Hermine zu erzählen. Was auch immer ihre Reaktion sein würde, Draco meinte es ernst, was er gesagt hatte – nichts zwischen ihm und Hermine würde sich verändern. Und er vermutete, dass seine Mutter die Wahrheit kennen, es sich aber nicht anmerken lassen würde.

Wann immer Draco bei seinen Besuchen von seinem Leben berichtete, erwähnte er Hermine. Narzissa erkundigte sich nach ihrem allgemeinen Wohlergehen, doch die Elektrizität in der Luft, machte ihn immer leicht nervös. Obwohl er bereitwillig zugeben würde, dass er es sich möglicherweise eingebildet hatte.

Hermine war, ungeachtet seiner eigenen Gefühle zu dem Thema, eine Muggle- Geborene. Er hatte noch nie einen Beweis gesehen, dass seine Mutter anders war als die typische Reinblüterin mit Vorurteilen, wie sein Vater es gewesen war, und er hatte wirklich keine Ahnung, wie sie reagieren würde. Über allem anderen machte er sich Sorgen, dass sie Hermine als nicht gut genug für ihn erachten würde, was er lächerlich fand.

Seiner Mutter zu sagen, dass er in eine Muggle- Geborene verliebt war, in irgendeiner Weise anzudeuten, dass er sein Leben mit ihr verbringen wollte… war mindestens furchteinflößend.

„Hast du geklopft?", fragte Hermine.

„Ich – oh. Nein."

Sie verlagerte ihr Gewicht. „Dann klopf bitte. Je eher es anfängt, desto früher ist es vorbei."

Draco nickte, holte tief Luft und klopfte.

Hermine nahm seine Hand und hielt sie fest umklammert, während sie warteten. Als sie Schritte nahen hörten, ließ sie ihn los.

Narzissa öffnete weit die Tür. Sie trug lange, blassblaue Roben, die mit silbernen Fäden durchzogen waren. Ihr langes, blondes Haar fiel auf ihren Rücken hinunter, während die Strähnen um ihr Gesicht herum mit einer Spange zurückgehalten wurden, die zu ihren Roben passte.

Sie sah zu Draco, dann zu Hermine, dann wieder zu ihrem Sohn. „Guten Tag, Draco."

„Mutter", sagte er herzlich. „Du siehst gut aus."

Narzissa lächelte. „Du ebenfalls." Dann wandte sie sich Hermine zu. „Miss Granger. So sehen wir uns wieder."

„Mrs. Malfoy", sagte Hermine. Sie lächelte nervös.

Narzissas Blick wanderte an Hermine hinunter und wieder zu ihrem Gesicht, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Draco richtete. „Ich freue mich so, dass ihr zum Tee gekommen seid. Bitte kommt herein." Sie trat zur Seite, um Draco und Hermine ins Haus zu lassen.

„Dritte Tür auf der rechten Seite, Draco", sagte Narzissa. „Ich werde mich sofort zu euch gesellen."

Draco und Hermine gingen schweigend den langen, exquisit eingerichteten Korridor entlang. Als sie das richtige Zimmer erreichten, öffnete Draco die Tür und bedeutete Hermine einzutreten.

Das Zimmer hatte blassgelbe Tapeten und Möbel aus dem 19. Jahrhundert, einschließlich eines Flügels. Hermine hatte das Gefühl, sie würde in eine Szene von Stolz und Vorurteil treten, und musste ein Kichern unterdrücken. Draco führte sie in eine Chaiselounge.

Hermine hatte sich gerade gesetzt, als Narzissa zurückkehrte. Draco blieb stehen, bis seine Mutter sich gegenüber dem Chaise in einem sehr kunstvollen Armsessel Platz nahm. Auf einem Kaffeetisch zwischen dem Sessel und dem Chaise stand ein Tablett mit der üblichen Ausrüstung zum Teetrinken.

Draco konnte Hermines Besorgnis mit voller Wucht zurückkommen spüren und gab ihr schweigend zu verstehen, sich zu entspannen.

„Wie nehmen Sie Ihren Tee, Miss Granger?", erkundigte Narzissa sich höflich.

„Mit einem Stück Zucker bitte."

Narzissa sah zu Draco. „Ich nehme zwei Stück bitte."

Draco lächelte seine Mutter kurz an, dann stand er auf und trat zur Anrichte, um Tee für die beiden Frauen zuzubereiten. Es war Teil von Narzissas Machtspiel – doch was sie zu erreichen versuchte, konnte Draco sich nicht vorstellen, außer vielleicht um Hermine einzuschüchtern. Es würde sich nun so für sie anfühlen, als wäre Draco nicht im Zimmer, wenn auch nur für einen Augenblick.

„Also, Miss Granger. Ich habe… ein wenig von Draco über Sie und der Arbeit gehört, die sie geleistet haben. Jedoch… nicht alles, da bin ich mir sicher. Er gibt sorgsam darauf Acht, was er durch seine Worte verrät."

„Wie ist es Ihnen seit dem Gefängnis ergangen?", erkundigte Hermine sich. Draco grinste. Sie hatte den Köder nicht geschluckt. „Haben sie Sie gut behandelt, während Sie dort waren? Die Wachmänner waren furchtbar zu Draco."

Narzissa zuckte die Achseln. „Gut genug. Seit meiner Entlassung habe ich mich an… so viele neue Dinge gewöhnen müssen. Ich arbeite immer noch an ein paar Sachen."

Draco spürte ihren Blick auf sich und er wandte sich von der Anrichte ab, zwei Tassen Tee in der Hand. Er durchquerte den Raum und reichte zuerst Hermine, dann Narzissa ihren Tee. Dann ging er seinen eigenen zubereiten.

„Es war ein unglaublicher Schock gesagt zu bekommen, dass ich drei Tage hätte, um aus dem Haus auszuziehen, in dem ich fast fünfundzwanzig Jahre gewohnt habe."

Draco beeilte sich mit dem Tee und kehrte zu Hermine zurück.

„Ich kann es mir gar nicht vorstellen", sagte Hermine. Sie nippte beiläufig an ihrer Tasse. „Was haben Sie gefühlt, als Sie von Draco erfahren haben? Davon, was er getan hat?"

Draco spuckte fast seinen Tee aus. Er blickte Hermine scharf an. Sie hatte ihren Blick auf Narzissa gerichtet, der etwas herausfordernd wirkte.

Narzissa nahm einen sehr bedächtigen Schluck aus ihrer Tasse und stellte sie dann auf den Tisch. In ihren Augen schimmerte es.

Draco war völlig sprachlos. Die Stimmung im Zimmer fühlte sich plötzlich feindselig an. Hermine wollte wissen, was Narzissa über seine Wandlung dachte, was er nur so ausdeuten konnte, dass sie auf irgendein Anzeichen hoffte, was Narzissa von ihr hielt. Ihm fiel nichts ein, womit er die die Unterhaltung vermeiden konnte.

Narzissa sah ihn an. „Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, Miss Granger, hatte ich Veränderungen in meinem Sohn beobachtet."

Er wich ihrem Blick aus.

Narzissa fuhr fort: „Ich wusste, dass etwas anders war, doch ich wusste nicht was. Seine eigene Erklärung schien auf dem ersten Blick akzeptabel zu sein – dass er sich in die Propaganda des Dunklen Lords eingeklinkt hatte."

Draco stand auf und ging zu einem Fenster. Er redete nicht, als eine generelle Regel. Er begann nur allmählich, sich Hermine gegenüber völlig zu öffnen. Dazusitzen und seiner Mutter dabei zuzuhören, wie sie seine Handlungen analysierte und Vermutungen dazu anstellte, war mehr als er erwartet hatte.

„Draco?", rief seine Mutter.

„Sprich weiter", sagte er sehr widerwillig. Doch er realisierte, dass dies an einem gewissen Punkt vorprogrammiert gewesen war, dieser Kampf zwischen den beiden wichtigsten Frauen seines Lebens. Und je früher, desto besser.

„Die Beziehung zwischen meinem Sohn und meinem Mann war äußerst vielsagend", fuhr Narzissa fort. „Wenn Draco sich wirklich in den Vertrauenskreis des Dunklen Lords eingeklinkt hätte, wäre Lucius sehr erfreut gewesen. Ehrlich erfreut. Draco hätte seinen Platz in den Rängen des Dunklen Lords eingenommen und wir wären eine glückliche Familie gewesen.

Aber Draco wollte mehr sein als ein einfacher Soldat. Eine Sache, die Sie wissen müssen, um meinen Sohn verstehen zu können, ist, dass er niemals völlig geglaubt hat, was Lucius ihm erzählt hat."

Draco spürte Wärme durch ihn strömen und seine Händeflächen fingen an zu schwitzen. Er untersuchte aufmerksam das Fenster und schenkte dem Schließmechanismus und dem äußeren Sims besondere Aufmerksamkeit. Er erschien ihm sicher genug hindurchzufliehen, sollte er den Bedarf sehen.

„Was genau meinen Sie damit?", fragte Hermine langsam. „Ich hatte immer den Eindruck, dass er die Lebensart, in die er geboren wurde, sehr begrüßt hat."

„Zu einem bestimmten Ausmaß stimmt das auch. Draco glaubte, was wir ihm von der Welt erzählten, wie alle Kinder es tun. Er akzeptierte die Überzeugungen seines Vaters in derselben Weise, wie alle Kinder es tun würden – schlichtweg weil es Lucius' Überzeugungen waren. Eine Sache müssen Sie realisieren, weil ich zufällig weiß, dass Sie eine sehr kluge Hexe sind, nämlich dass man nicht einfach durch das Leben trudeln und sich an die Meinungen der Eltern klammern kann. An einem bestimmten Punkt muss jedes Kind das Leben, zu dem sie erzogen wurden, entweder vollends annehmen oder es zu Gunsten einer Alternative zurückweisen.

Nimm zum Beispiel meine eigene Familie. Ich bin mir ziemlich sicher, Sie wissen von dem Seitenwechseln einiger von ihnen."

„Sirius und Andromeda, meinen Sie?", fragte Hermine.

„Ja, vor allem sie. Sie wurden in einer bestimmten Umwelt aufgezogen, aber als sie vor die Wahl gestellt worden waren, wenn auch nicht explizit, wiesen sie zurück, was sie ihr ganzes Leben lang beigebracht bekommen hatten. Sogar Regulus hatte eine Gewissenskrise, bevor er starb.

Draco war immer der perfekte Reinblüter- Sohn gewesen, bis die Zeit für ihn kam, da er die Ideale hinter der Überlegenheit der Reinblüter entweder annehmen oder zurückweisen musste. Unglücklicherweise fiel dieser Test mit der Aufgabe zusammen, die ihm vom Dunklen Lord erteilt worden war."

„Also…", begann Hermine. „Worin genau hat er sich nie eingeklinkt?"

„In fast alles", sagte Narzissa. „Die Reinheit des Blutes, die Überlegenheit des Blutes – "

„Das stimmt nicht ganz, Mutter", unterbrach Draco leise, ohne sich umzudrehen.

„Ach ja?", sagte Narzissa, scheinbar überrascht.

„Ich schätze, du hast Recht. Ich habe getan, was Vater gewollt hätte. Ich akzeptierte, was er mich gelehrt hatte, weil das war, was von mir erwartet wurde. Aber ich versichere dir, bis zu meinem… Test, wie du es nennst, habe ich seine Ideale von ganzem Herzen angenommen. Ich habe sie willkommen geheißen. Es war leicht. Ich habe den leichten Weg gewählt. Zu glauben, was Vater sagte, war leicht."

„Oh", machte Narzissa leise.

Draco schaute weiter zum Fenster hinaus. „Es tut mir leid, deine Theorie über mich zu ruinieren."

„Sie ist nicht ruiniert, Draco. Als die Zeit zum Handeln kam, als der wahre Test kam, wurde offensichtlich, was wirklich in dir steckte."

„Mutter", zischte Draco. Er wirbelte herum. „Ich bin der Sohn meines Vaters."

„Geh nicht so hart mit dir ins Gericht", erwiderte Narzissa. „Du bist zu vorschnell damit, das Schlimmste von dir zu denken."

„Aber du weißt es nicht, Mutter. Du weißt nicht wirklich, was in mir steckt. Es ist nicht möglich."

„Ich kann es durch deine Handlungen sehen – "

„Meine Handlungen?" Er brüllte jetzt fast. Seine Mutter versuchte, Ausreden für ihn zu finden, und er wollte es nicht durchgehen lassen. „Soll ich meine Handlungen für dich auflisten, Mutter? Muss ich dich an alles erinnern, was ich verbrochen habe? Die Sachen, die du nicht weißt…"

„Hör auf damit, Draco", zischte Narzissa. Sie stand auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du hast ein paar falsche Entscheidungen getroffen, aber du wurdest in dieses Leben gezwungen. Du wurdest so erzogen, Draco, und das kann nicht außer Acht gelassen werden."

„Aber ich wusste es, Mutter. Ich wusste, dass es falsch war. Jedes Mal, wenn ich mich mit jemandem angelegt habe, der kleiner war als ich; jedes Mal, wenn ich Potter in den Hallen verhext habe."

Hermines Augen weiteten sich.

„Jedes Mal, wenn ich sie – " Er zeigte auf Hermine. „ – Schlammblut genannt habe. Jedes Mal, wenn ich jemanden getötet habe."

Narzissa lächelte traurig. „Siehst du es denn nicht? Ich weiß es, Sohn. Das ist genau, was ich versuche zu sagen."

Draco runzelte frustriert die Stirn.

„Du wusstest es. Meinst du, Bella hat auch nur eine Sekunde gedacht, dass es falsch ist zu töten? Glaubst du, sie hat auch nur zwei Mal darüber nachgedacht? Sie hat früher Eichhörnchen und Vögel im Hinterhof gefoltert. Ich kann dir versichern, dass sie niemals schlaflose Nächte gehabt hat wegen ihrer Opfer. Und Lucius! Ich kann persönlich für seinen Mangel an Gewissensbissen bürgen. Das, Draco, ist der Grund, weshalb du anders bist."

„Ich habe trotzdem – "

„Du hast aufgehört! Schließlich hat sich etwas verändert und du hast aufgehört. Du bist anders, Draco, als all die anderen – "

„Mutter – "

„Und das ist der Grund, weshalb ich nicht zulassen werde, dass du dich selbst runtermachst! Hast du verstanden?"

Sein Herz pochte. Narzissa hatte noch nie zuvor in seinem Leben so mit ihm gesprochen. Sie hatte noch nie wirklich über irgendetwas von Wichtigkeit mit ihm geredet. Deshalb war es erschütternd, sie so heftig von etwas – von ihm – sprechen zu hören.

Draco funkelte seine Mutter nur an und drehte sich wieder dem Fenster zu.

„Um Ihre Frage zu beantworten, Miss Granger, nein. Ich war nicht wirklich überrascht zu erfahren, dass die Treue meines Sohnes nicht der Dunklen Seite galt. Ich war jedoch recht überrascht darüber, was er getan hat."

Draco stierte sie weiter an.

„Und recht stolz", fügte sie leise hinzu.

Draco schloss fest die Augen und gluckste. Dass er sich überhaupt Sorgen gemacht hatte, Hermine seiner Mutter vorzustellen. „Ich wurde von zwei Eltern aufgezogen, nicht nur von Lucius. Wie kannst du sagen, dass du stolz darauf bist, was ich getan habe, wenn du mich mein ganzes Leben lang mit demselben Stuss gefüttert hast?"

„Ich hoffe aufrichtig, dass wir Freunde werden können, Draco. Jetzt ist sicherlich nicht die Zeit für diese Diskussion. Wisse nur, dass ich einen Teil der Verantwortung auf mich nehme, wozu du geworden bist."

Draco verließ das Fenster und setzte sich zu Hermine, die praktisch schweigend dagesessen hatte, seit sie ihre Frage gestellt hatte. Er nahm ihre Hand in seine.

„Mutter, ich möchte dir Hermine vorstellen."

Narzissa hob eine Augenbraue und der Winkel ihrer Lippe kräuselte sich zu dem Ansatz eines Lächelns. „Wir kennen uns schon."

Er drückte Hermines Hand. „Ja, ich weiß, aber…" Er holte tief Luft und schaute seine Mutter an. „Damals war sie noch nicht die Frau, die ich liebe." Draco hörte, wie Hermine der Atem stockte. Er sah sie an. „Oder?"

Hermine blickte ihn an und lächelte verlegen. „Nicht dass ich wüsste."

„War es vor oder nach dem Valentinstag?"

„Oh, auf jeden Fall vorher."

„Ah. Dann warst du die Frau, bei der ich mich verzweifelt davon abhalten wollte, mich in sie zu verlieben."

„Ich verstehe", sagte sie grinsend.

„Tja", sagte Narzissa. „Das verändert sicherlich alles, nicht wahr?"

Draco sah seine Mutter an und konnte die Angst davor nicht unterdrücken, was sie sagen würde.

Dann richtete Narzissa ihren scharfen Blick wieder auf Hermine. Sie musterte sie von oben bis unten und seufzte schließlich. „Nun, ehrlich, es wurde auch Zeit."

Das war wahrscheinlich das letzte, das Draco erwartet hatte. „Was?", fragte er.

„Du hast von ihr geredet, seit du mich von Azkaban abgeholt hast, Draco."

Seine Kieferlade fiel herab.

„Du hast natürlich nichts davon gesagt, dass du in sie verliebt bist, aber du hast es praktisch in jeder erdenklichen Art und Weise rausgeschrien."

Hermine kicherte.

Draco kniff die Lippen zusammen. „Ach ja?"

„Ja, Draco. In Anbetracht dessen, dass du noch nie viel Interesse an einer jungen Frau gezeigt hast, war es sehr aufschlussreich, dass du Miss Granger bei jeder Gelegenheit erwähnen musstest."

„Bitte, Mrs. Malfoy, nennen Sie mich Hermine."

Narzissa musterte sie wieder. „Ich hoffe, Sie werden mir verzeihen, was ich zu Ihnen gesagt hatte, als Sie mich in Azkaban besuchten. Erst in diesen letzten fünf Monaten habe ich mich wahrlich frei gefühlt, ich selbst zu sein – oder zumindest frei zu denken, woran ich glaube." Sie sah zu Draco. „Ich weiß, es ist zu wenig, zu spät, dass ich einen unabhängigen Gedanken fasse, aber ich gebe mir Mühe."

„Oh, es ist… schon gut", sagte Hermine.

„Du musst realisieren, Sohn, dass dein Vater keineswegs erfreut gewesen wäre."

Draco spottete: „Ach, wirklich?"

„Sicherlich muss dir klar sein, dass er alles in seiner Macht getan hätte, um so etwas zu verhindern."

Draco runzelte die Stirn. „Was genau verhindern?"

„Dass du jemand anderes als eine Reinblüterin heiratest natürlich."

Sein erster Instinkt war es, die Vorstellung seiner Mutter auszulöschen, dass er auch nur ein Mal in Betracht gezogen hatte, Hermine zu heiraten, doch schon ging ihm die Wahrheit auf. Er wollte Hermine heiraten. Sie wusste nur noch nicht davon. Und während der Teestunde bei seiner Mutter war nicht, wie sie es herausfinden sollte.

Narzissa fuhr fort: „Ich glaube, bei deiner Geburt wurden Vorkehrungen getroffen. Lucius hat es „Versicherung" genannt, wenn ich mich recht entsinne. Wenn du keine Reinblüterin heiratest, wirst du dein Erbe verlieren."

Dracos Kieferlade fiel herab und er spürte, wie Hermine seine Hand drückte. „Ist das… dein Ernst?"

Seine Mutter lächelte mitleidig. „Ich fürchte, ja."

Er sah zu Hermine. Sie starrte auf eine Stelle vor ihr. In diesem Augenblick wollte er nichts mehr als sie in seine Arme zu schließen, so lange, bis sie vergaß, was seine Mutter gerade gesagt hatte. Er wollte mit ihr reden, ihr sagen, dass ihm nichts davon etwas bedeutete, dass es ihm nichts ausmachte arbeiten zu gehen, um für sie zu sorgen, dass er nichts davon wollte. Dass sie alles war, das er brauchte.

Er seufzte und rieb sich mit seiner freien Hand die Schläfen. Er entschied, dass das die lächerlichste Unterhaltung war, die er jemals geführt hatte. „Alles verlieren? Was würde ich verlieren, Mutter? Ich habe alles, das ich brauche."

„Du würdest deinen Namen behalten. Das ist alles."

Geld?", fragte er ungläubig. „Du denkst, dass ich mich dafür interessiere? Hast du nur für eine Sekunde geglaubt, dass ich auch nur in Betracht ziehen würde, sie für Geld aufzugeben? Wenn ja, dann kennst du mich kein Bisschen."

„Draco, Liebling. Ich habe keine Zweifel bezüglich deiner Gefühle für sie. Ich warne dich nur vor den Konsequenzen davon, in so einen Bund einzutreten."

„Wir sind nicht einmal verlobt", keifte Hermine.

Narzissa sah sie an.

Hermine fuhr fort: „Diese Unterhaltung ist etwas verfrüht, meinen Sie nicht?"

„Man kann nicht früh genug vorbereitet sein, Miss Granger. Ich möchte nur, dass Sie und mein Sohn alle Fakten haben, für den Fall…" Ihre Stimme verlor sich und sie nahm vornehm ihre Teetasse in die Hand.

„Für welchen Fall?", fragte Hermine vorsichtig.

„Vergessen sie, dass ich etwas gesagt habe", tat Narzissa mit einem Händewedeln ab. „Ich bin sicher, Ihre Absichten sind ganz und gar ehrenwert."

Dracos Augen weiteten sich und er spürte, wie Hermine sich verspannte. „Was soll das heißen?", verlangte sie mit zusammengebissenen Zähnen.

Narzissa sah kurz zu Draco, dann wieder zu Hermine. „Absolut gar nichts."

„Nein, ich werde das nicht fallen lassen, mit allem Respekt, Mrs. Malfoy. Wenn Sie da aus irgendeinem Grund andeuten möchten, dass ich nur für sein Geld mit Ihrem Sohn zusammen bin, dann hoffe ich wirklich, dass er alles, jeden einzelnen Knut verliert. Dann werden Sie genau sehen, was ich für ihn empfinde, und wissen, dass seine… seine finanzielle Situation mir nicht gleichgültiger sein könnte."

Hermine schniefte und Draco wusste, dass sie wütend war.

„Hier, meine Liebe", sagte Narzissa und reichte Hermine ein zartes Taschentuch. „Es bedeutet nicht, dass er Sie nicht heiraten kann, nur dass er nichts vom Anwesen seines Vaters erhalten wird."

Hermine nahm es entgegen und zerknüllte es in ihrer Faust.

Draco sah scharf auf und verengte die Augen. Er wusste eine Sache sehr gut von seiner Mutter: sie wählte ihre Worte mit Bedacht. „Was genau willst du damit sagen?"

Narzissa lächelte ihn warm an. „Dass es natürlich ein Schlupfloch in so einem Vertrag gibt, wie es immer der Fall ist. Du hast das gesamte Black- Vermögen zu deiner Verfügung, da du der einzige lebende männliche Erbe bist. Und solltest du dich dazu entscheiden, am Geschäft deines Vaters teilzuhaben, könntest du jedes Gehalt verlangen, das du wünschst."

Er schloss fest die Augen, stieß langsam seinen Atem aus und schüttelte den Kopf. „Warum, Mutter, im Namen von Merlin, hast du das für nötig gehalten?"

„Ich entschuldige mich, Draco. Mein Sinn für Humor ist nicht immer allgemein akzeptiert. Slytherin durch und durch, weißt du." Sie sah zu Hermine, nun einen freundlichen Ausdruck im Gesicht. „Verzeihen Sie mir, Hermine. Ich… bin noch nie gut darin gewesen, Menschen zu vertrauen. Ich ziehe es vor, sie auf die Probe zu stellen. Denken Sie, Sie können mir vergeben?"

„Ich würde gerne von Ihnen hören, dass Sie mir glauben – "

Narzissa unterbrach sie, bevor sie den Satz zu Ende bringen konnte. „Ja, ja, natürlich. Ich weiß, dass mein Sohn Ihnen wirklich am Herzen liegt und dass sein beträchtlicher Reichtum Ihnen nichts bedeutet."

„Ich liebe ihn", sagte Hermine wagemutig.

Narzissa seufzte und schaute zu Draco. „Und verdammt noch mal, ich schulde deiner Tante zwanzig Galleonen. Meda hatte vollkommen Recht. Sie ist absolut perfekt für dich", sagte sie.

Dracos Herz schwoll an. Er legte seinen Arm um Hermine und zog sie eng an sich. Sie schlang zögernd ihre Arme um ihn und er versenkte seine Hand in ihre Locken. „Sie hat Recht, weißt du", raunte er.

Hermine löste sich von ihm und lächelte ihn strahlend an.

Narzissa lächelte hoheitsvoll. „Tja, dann ist ja alles geklärt. Möchten Sie zum Abendessen bleiben?"

Sie waren einverstanden und verbrachten einen wunderbaren Abend. Narzissa war sehr von Hermine angetan, war es scheinbar schon gewesen, seit sie und Andromeda sich getroffen und Geschichten ausgetauscht hatten, und gab sich jede Mühe, sie kennen zu lernen. Sie ignorierte Draco sogar fast eine halbe Stunde lang, als die beiden Frauen sich über Italien unterhielten. Dann informierte Narzissa Draco, als er und Hermine aufbrachen, dass sie, wenn er so dumm war, es zu vermasseln, ihn enterben würde.

Draco war rot geworden. Er und Hermine waren zu der Zeit erst ein paar Monate lang ein Paar gewesen und auch wenn er fast sicher war, dass er niemals von ihr getrennt sein wollte, war er nicht ganz sicher, ob er es seine Mutter wissen lassen wollte. Oder vielleicht doch – vielleicht wollte er, dass alle es wussten.

„Draco?", ertönte eine Stimme vom Inneren des Hauses.

Da er nicht rufen wollte, um Steven nicht aufzuwecken, konnte Draco nur darauf warten, dass sie ihn fand.

Einen Augenblick später öffnete sich die Verandatür und er sah, wie Hermine ihren Kopf herausstreckte. „Da bist du ja", sagte sie und trat auf die Veranda. Sie stand ein paar Meter entfernt und lächelte die beiden Menschen auf der Schaukel an.

„Was ist los?", fragte er leise.

Hermine kam näher und er streckte ihr eine Hand entgegen. „Sie sind bald da. Bist du fertig?"

„Ja… so fertig wie ich sein kann."

Sie drückte seine Hand und hockte sich hin, damit sie auf Augenhöhe mit ihm war. „Okay. Es ist alles bereit – das Essen, das Haus… Ich wollte mir gerade ein Buch nehmen und hier rauskommen, als ich realisiert habe, dass es zu lange her ist, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe."

Draco lächelte. „Es ist… wie lange, ein paar Stunden her?"

Hermine grinste. „Ja. Viel zu lange, wenn man bedenkt, dass du hier bist und ich hier bin." Sie küsste ihn, wobei sie Acht gab, ihren Sohn nicht zu stören.

Und Merlin, es war, als hätten sie sich noch niemals geküsst. Es schickte immer noch Schauer des Glücks durch ihn, kitzelte seinen Bauch und seine Nerven, auch wenn sie jetzt fünf Jahre lang zusammengewesen waren. Naja, fast fünf Jahre. Es fehlten noch zehn Tage. Er würde das Datum niemals in seinem Leben vergessen, solange er lebte, und es war nicht einmal ihr Hochzeitstag. Ohne nachzudenken, nahm er ihr Gesicht in die Hände. Er sehnte sich danach, die weiche Haut ihrer Wangen und ihre seidenen Locken zwischen seinen Fingern zu fühlen.

Nur hatte er darüber den Jungen vergessen. Steven grunzte und ruderte mit den Armen, wobei er Hermine so sehr erschreckte, dass sie das Gleichgewicht verlor und auf ihren Hintern fiel.

Dracos Augen weiteten sich alarmiert, auch wenn sie nur wenige Zentimeter gefallen war. Sie war schließlich schwanger, wenn auch erst sechs Monate. Doch Hermine lachte nur und Draco entspannte sich wieder. Sie versuchte aufzustehen und hatte einige Schwierigkeiten damit, doch sie wies Dracos Hilfe ab.

„Lass ihn schlafen" sagte sie, während sie sich von ihrem ersten Versuch ausruhte.

„Aber Liebling, du kannst nicht aufstehen", sagte er in dem Versuch, besorgt zu erscheinen und das Glucksen zu unterdrücken, das sich in ihm aufstaute. „Er wird wieder einschlafen. Du weißt doch, wie er ist."

Hermine funkelte ihn spielerisch an. „Ich kann aufstehen, vielen Dank, und ich werde es auch. Es ist ja nicht so, als wäre ich morgen fällig. Ich habe immer noch drei Monate vor mir und bin nicht völlig unfähig."

Sie versuchte es abermals. Er wollte es nicht, doch er lachte über ihre Mühsal und ihren Anblick mit dem leicht gerundeten Bauch. Nach einiger Anstrengung hörte sie auf, lachte wieder und musste warten, bis sie sich wieder beruhigt hatte, um es nochmals zu versuchen. Schließlich, wie immer die dickköpfige Gryffindor, stand sie auf.

„Ich bin erschöpft!", rief sie.

„Tut mir leid, Liebling", sagte er.

„Ich komme dich nachher holen. Du wirst mir helfen müssen, den Gästen die Tür aufzumachen."

„Hermine, es ist nicht so, als würden wir ganz England erwarten. Es sind nur ein paar unserer Freunde."

Sie begann, an ihrem Shirt herumzuzupfen. „Ich weiß, aber… das ist wichtig. Ich will, dass alles gut läuft."

„Das wird es, keine Sorge. Du wirst dich wunderbar machen, wie immer, und ich werde da sein und dich noch besser aussehen lassen, indem ich alles Mögliche vermasseln werde."

Sie kicherte und griff wieder nach seiner Hand. „Aber fühlst du dich gut?"

Ja, Hermine. Es sind schon fünf Jahre – es ist nur ein Tag, wie jeder andere Tag auch. Er ist nicht härter als gestern, nicht härter als morgen sein wird. Hör auch, dir Sorgen um mich zu machen."

Sie nickte und er spürte, wie sein Herz schwoll. Sie vertraute ihm, genug um ihm zu glauben, wenn er sagte, dass sie sich nicht um ihn sorgen solle. Es hörte nie auf, ihn daran zu erinnern, wie sehr er sie nicht verdient hatte.

„Viel Spaß mit Steven", sagte sie. Sie zwinkerte ihm zu und verschwand ins Haus.

Merlin, er liebte sie und sie war sein. Sie würde es immer sein.

Draco war erstaunt, dass Steven den Krach, den er und Hermine veranstaltet hatten, durchgeschlafen hatte. Er fuhr mit einer Hand durch das Haar des Jungen und seufzte. Jener Tag, an dem er realisiert hatte, dass er sie für immer wollte, wirklich für immer, war in seinen Kopf eingebrannt.

Sie spazierten durch einen Park im Muggle- London, als es zu regnen begann. Es war nur wenige Monate, nachdem der Krieg geendet hatte. Drei Monate, doch sie fühlten sich wie sein gesamtes Leben an, wie das Größte in seinem Leben. Wirklich. Er hatte geflucht, aufgebracht darüber, dass ihr Nachmittag abgekürzt wurde. Schließlich hatte er geplant, sie mit zum Fluss zu nehmen, um Steine ins Wasser zu werfen. Sehr romantisch, das wusste er.

Hermine hatte sich zu ihm gewandt, grinsend, und ergriff seine Hand, zog ihn vom Pflasterstein aufs Gras. Er hatte protestiert und alles versucht, das ihm einfiel, um sie davon abzuhalten, ihn durch den strömenden Regen zu ziehen. Er wurde völlig durchnässt und das gefiel ihm gar nicht. Hermine war ebenfalls platschnass, lächelte aber breit.

„Granger, hör damit auf!", sagte er und riss sich schließlich aus ihrem Griff. „Das – das ist Wahnsinn." Sie hatte ihn nur weiter angelächelt. Dann drehte sie sich im Kreis, die Arme weit ausgestreckt, den Kopf gen Himmel gereckt. Er hätte ihr den ganzen Tag lang zusehen können. Schließlich musste ihr zu schwindlig gewesen sein, denn sie hielt inne und taumelte ein wenig, als sie auf ihn zugehen wollte. Er fing sie auf und küsste sie leidenschaftlich im strömenden Regen. Dann schloss er sie in seine Arme und drehte sich langsam mit ihr, beide völlig verloren im Augenblick.

Am Ende hatten sie sich beide Erkältungen eingefangen.

Doch da wusste er es.

Und dann sagte er es ihr – vier Monate später. Es dauerte so lange, bis er sich ein Herz gefasst hatte. Nach dem Besuch bei seiner Mutter setzte sich alles in seinem Kopf zusammen. Hermine würde nirgendwo hingehen, das wusste er, doch der Gedanke, dass sie es könnte, plagte ihn.

Also sagte er ihr, dass er sie mehr als alles andere liebte und dass er den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollte. Und sie hatte gelächelt, die Augen strahlend, und gesagt: „Ja, ich weiß. Ich auch."

Und damit gingen sie nach Ringen schauen – nicht shoppen, er shoppte nicht. Sie hatte gesagt, dass sie nichts Ausgefallenes wollte, deshalb kaufte er ihr einen antiken Smaragdring mit schlichter Verzierung. Es hatte überhaupt nicht viel gekostet, doch Geld hatte Hermine noch nie viel bedeutet und sie weinte, als sie ihn aufsetzte.

„Jetzt steht es also fest", sagte er.

„Was denn?"

„Wir werden, du weißt schon, heiraten."

„Ich schätze, ja", hatte sie geantwortet und zu ihm hochgelächelt.

„Ja…", sagte er, schlang seine Arme um sie und küsste sie auf den Kopf.

„Bist du aufgeregt?", fragte sie vorsichtig und legte ihren Kopf an seine Brust.

Er gluckste. „Auf jeden Fall, Liebling."

„Ich auch."

„Und leicht verängstigt."

Sie kicherte. „Ich auch."

„Gut. Zumindest stecken wir gemeinsam drin."

Er war nicht gut in Romantik, doch es schien ihr nichts auszumachen. Sie sagte, dass die kleinen Dinge, die er für sie tat, ihr mehr bedeuteten als all das kitschige Zeug, das letztendlich nur bewies, dass er für sie Geld ausgegeben hatte. Obwohl sie nie Einwände zu haben schien, wenn er kurzzeitig den Verstand verlor und ihr von einem Garten, an dem er auf dem Weg zu ihrer Wohnung vorbeilief, Blumen mitbrachte.

Sie heirateten nach zehn Monaten in dem Haus, in dem Narzissa lebte. Hermine war am Anfang nicht besonders angetan von der Idee, doch Narzissa bestand darauf und versprach, sich aus der Planung rauszuhalten, so dass Hermine sich widerstrebend einverstanden erklärt hatte. Narzissa hielt ihr Versprechen natürlich nicht und half Hermine zusammen mit Andromeda und sogar Tonks dabei, eine wunderschöne, vertraute Zeremonie und Feier zu planen. Am Ende war Hermine sehr dankbar für die Hilfe und fügte Andromeda schnell zu ihrer Liste von Lieblingsmenschen hinzu.

Es brachte Narzissa ins Schleudern, da sie noch nie mit etwas so Kleinem zu tun hatte. Und Malfoy sind nicht allzu vertraut mit Klein. Doch mit der Hilfe von Jane, Andromeda, Molly und Ginny lief alles reibungslos ab. Obwohl Andromeda ihre Schwester immer wieder daran erinnern musste, dass Klein trotzdem Einmalig sein konnte.

Draco kümmerte sich nicht um die Abläufe. Für ihn war es perfekt, weil er am Ende davon mit Hermine verheiratet sein würde.

Die Zeremonie fand in dem Rosengarten am Springbrunnen statt. Der gesamte Schwarm von rotschöpfigen Weasleys nahm teil, Harry natürlich auch. Hermines Eltern waren da und ein paar Freunde von der Schule wie Neville, Dean, Seamus und Luna. Draco hatte niemanden eingeladen. Joseph Stephens, der Vernehmungsbeamte, der Draco freigelassen hatte, traute sie und als Draco Hermine als seine Ehefrau küsste, glaubte er, dass er niemals glücklicher sein würde.

Doch als sie ihm fast zwei Jahre später sagte, dass sie schwanger war, realisierte er, dass er falsch gelegen hatte. Und dann lag er neun Monate später abermals falsch.

Eine kühle Brise kam vom Ozean her und Steven rührte sich wieder. Er drehte den Kopf auf die andere Seite. Draco rieb sanft über seinen Rücken, bis seine Atemzüge wieder gleichmäßig wurden.

Er seufzte. Ja, er war glücklich. Und es hatte eine Zeit gegeben, eine sehr lange Zeit, da er es nicht für möglich gehalten hatte. Er warf einen Blick auf Stevens friedliches, unschuldiges Gesicht. Er mochte sein Leben – er liebte seine Familie. Hermine war das Beste, das ihm jemals passiert war, und jeden einzelnen Tag, seit sie entschieden hatte, dass er das Risiko wert war, hatte er sich Mühe gegeben, sie nicht für selbstverständlich anzunehmen.

Dann hatten sie Steven bekommen. Hermine kam ein paar Tage nach Stevens Geburt aus dem Krankenhaus nach Hause und ihre Eltern kamen beide ebenfalls, um bei ihnen zu wohnen und ihnen auszuhelfen. Draco war mehr als dankbar für die Hilfe, da er keinen Schimmer hatte, was er zu tun hatte.

Draco war am Anfang überwältigend ekstatisch gewesen, doch als die Tage vergingen, befiel ihn eine zunehmende Panik. Er kümmerte sich um Hermine, lernte Windeln zu wechseln und seinen Sohn richtig zu wickeln. Er rannte fast den ganzen Tag herum, jeden Tag, und versuchte, so hilfreich wie möglich zu sein, ohne gleichzeitig im Weg zu stehen.

Am Morgen des dritten Tages wachte Draco vor Hermine auf. Sie waren vier Mal in der Nacht aufgewesen und er wollte, dass sie so viel Ruhe wie möglich fand, während sie es noch konnte. Steven würde in wenigen Minuten Hunger bekommen, das wusste er. So leise wie er konnte, schlich Draco sich aus ihrem Zimmer. Er streckte seinen Kopf in den Raum, der eines Tages Steven gehören würde, und fand ihn in den Armen seines Namensgebers, der das schlafende Baby wiegte und leise mit ihm sprach.

Die Panik, die sich aufgebaut hatte, erwachte zum Leben. Er begann zu schwitzen und zu zittern und ihm wurde kalt. Er musste ein Geräusch gemacht haben, denn Steve sah zu ihm auf.

„Morgen, Draco", sagte er leise und lächelte. Als Draco nicht antwortete, sah er besorgt aus. „Geht es dir gut? Du siehst krank aus."

„Ich – ", begann er, doch es klang verstört. Er schüttelte den Kopf und ging weiter den Korridor entlang. Als er die Treppe erreichte, eilte er hinunter und rannte dann fast nach draußen. Jane rief ihm nach, als er durch die Küche sauste, aber er wurde nicht langsamer.

Er rannte direkt zum Rand des Kliffs und fiel auf die Knie, während er gegen den Drang ankämpfte, sich zu übergeben. Sein Atem kam stoßweise und er schauderte. Er hatte sich gerade soweit im Griff, dass er seine Kleidung in einen warmen Mantel verwandeln konnte.

Er war ein Vater. Er war ein Dad.

Er hatte ein KIND, für das er verantwortlich war und das er nicht nur anziehen und füttern musste. Es wurde von ihm verlangt, irgendwie Einfluss auf seinen Sohn zu nehmen, ihn zu einem Mann zu erziehen. Und Draco wollte, dass er ein guter Mensch wurde, wie Hermine. Wie sollte er das schaffen?

Draco hatte nie eine gute Beziehung zu Lucius gehabt und er hatte keine Ahnung, wie in aller Welt er seinen Sohn erziehen sollte. Er wollte auf keinen Fall wie Lucius werden, doch unweigerlich sah er Dinge in sich selbst, die Hinterlassenschaften seines Vaters waren. Es gab einige Dinge, die Draco gerne von seinem Vater erbte: guter Sinn für Finanzen, Intelligenz, ein paar der besseren Slytherin- Eigenschaften.

Doch die meisten der Eigenschaften seines Vaters wollte er niemals sein Eigen nennen. Lucius war zu hart mit ihm umgesprungen, zu kalt. Draco hatte niemals die Liebe von ihm gespürt – seine Mutter auch nicht – die ein Elternteil für sein Kind empfinden sollte. Nachdem er Steven gesehen hatte, nachdem er ihn gehalten hatte, konnte Draco nicht verstehen, wie sein Vater ihn so leicht hatte gehen lassen. Er könnte es niemals.

Lucius hatte außerdem Hass und Zorn in Draco geschürt, seit er sehr klein gewesen war, und ihn von Anfang an gelehrt, dass bestimmte Menschen besser als andere waren. Nur dass es mehr war als das – es war, dass bestimmte Menschen von vornherein besser waren als andere, ohne irgendeinen Verdienst. Es war die ganze verdammte Sache – Rein vs. Schmutzig. Blut, mit dem man einfach geboren war; Blut, das nicht wirklich verschieden war. Wie er Hermine zuvor gesagt hatte, hatte er alle möglichen Arten von Blut gesehen und es war immer dasselbe gewesen.

Lucius hatte Perfektion von Draco erwartet und niemals irgendeine positive Rückmeldung gegeben, wenn er etwas richtig gemacht hatte. Er wollte, dass Draco wie er war, dass er hasste und tötete und überlegen war, doch wenn Draco es versuchte, nahm er es ihm übel.

Am Ende realisierte Draco, dass Lucius ihn niemals wirklich geliebt hatte – er konnte ihn nicht geliebt haben. Andernfalls hätte er unmöglich seinen eigenen Sohn so behandelt. Draco war etwas gewesen, das von Lucius erwartet wurde, wie von allen guten, reinblütigen Familien erwartet wurde, Nachkommen zu zeugen.

Draco schüttelte den Kopf. Vage realisierte er, dass die Grangers sich möglicherweise Sorgen um ihn machten, doch im Moment konnte er nicht darüber nachdenken. Steven ging es gut, er war in guten Händen. Hermine… naja, er würde nicht lange fort sein. Draco apparierte auf den Vorsprung, wo er und Harry Hunderte von Stunden mit Training verbracht hatten. Er setzte sich hin, lehnte sich gegen das Kliff und zog den Umhang eng um sich herum.

Er wollte nicht wie Lucius sein, doch er wusste nicht, wie er das anstellen sollte. Und er konnte nicht nach Hause zurückkehren, bevor er es wusste, bevor er einen Plan hatte. Pläne waren gut und logisch und gut durchdacht.

Draco blieb auf dem Vorsprung, bis er die Sonne direkt auf seinen Kopf brennen spürte und wusste, dass er besser zurückgehen sollte, um Hermine zu helfen.

Sie, Steve und Jane saßen am Tisch, aßen ein leichtes Mittagessen und unterhielten sich leise. Sie sahen auf, als er eintrat.

Steve und Jane fuhren mit ihrem Gespräch fort und er setzte sich an den Tisch, unbehaglich. Hermine griff nach seiner Hand und drückte sie, während sie ihm einen fragenden Blick zuwarf. Er deutete zur Treppe und sie nickte.

Als sie in ihrem Zimmer waren, erzählte er ihr, was geschehen war, dass er Steve mit ihrem Kind gesehen und eine Art Panikattacke erlitten hatte. Sie hörte besorgt zu.

„Geht es dir gut?", fragte sie.

Er schüttelte den Kopf und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Ich – noch nicht. Ich weiß nicht. Es wird schon wieder, mach dir keine Sorgen, aber…"

„Ich soll mir keine Sorgen machen?", sagte sie. „Draco, was soll ich tun?"

„Nein, bitte, es – es wird schon wieder. Ich musste nur… nachdenken."

„Bist du fertig mit Nachdenken?"

Er biss sich auf die Lippe und grinste bei dem Gedanken, dass er eine ihrer Angewohnheiten aufgeschnappt hatte. Dann wurde sein Gesicht wieder düster.

„Nein, ich glaube nicht."

Hermine tappte mit dem Fuß auf den Boden und sah sich im Raum um. „Also ich brauche ein paar Sachen vom Laden, wenn du sie mir holen könntest."

Draco runzelte die Stirn. „Was für ein Laden? Winkelgasse? Oder Muggle- Läden?"

„Beides. Ich wollte dich eigentlich bitten, nach dem Mittagessen zu gehen… macht es dir etwas aus?"

Er schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht. Ich gehe nach dem Mittagessen."

„Draco?"

„Hmm?"

„Komm heute Abend zurück, okay?"

Er blinzelte. „Warum sollte ich nicht?"

Sie lächelte. „Versprich es mir einfach, okay?"

„Okay, versprochen."

Hermine umarmte ihn fest. „Ich liebe dich. Denk immer daran."

Draco zog sie enger an sich. „Ich weiß."

Sie kehrte in die Küche zurück und nach dem Mittagessen, während dessen er sein Bestes gab, normal zu wirken, disapparierte er mit einer Liste in der Hand zur Winkelgasse los.

Schnell ging Draco die Liste durch und kaufte alles, das Hermine brauchte – ein paar Zutaten von der Apotheke, ein neues Buch von Flourish und Blotts und schließlich ein paar Muggle- Vorräte für Babys. Er trug die Taschen durch London und versuchte, sich eine Lösung zu seinen Sorgen einfallen zu lassen, einen guten soliden Plan, doch seine Gedanken waren zerstreut.

Nachdem er über eine Stunde gelaufen war, hielt er in einem Park und setzte sich auf eine Bank. Er starrte vor sich hin, bis etwas seine Aufmerksamkeit weckte. Eine Familie hatte ihren Hund mitgebracht und spielte mit ihm. Der Vater, die Mutter und die beiden Kinder schienen viel Spaß zu haben, aber dann fiel der Junge hin und verletzte sich am Bein. Der Junge fing an zu weinen. Seine Eltern kamen zu ihm und der Vater des Jungen hob ihn hoch und trug ihn aus dem Park. Draco sah zu, wie sie einen Wagen erreichten und der Vater ihn schnell, aber sanft auf die Rückbank setzte.

Die Mutter und die Tochter folgten mit dem Hund. Die Mutter weinte, weil sie so besorgt war. Der Vater umarmte sie rasch, dann stiegen sie alle ins Auto und fuhren davon, wahrscheinlich in ein Krankenhaus.

Und das war es. Die Antwort in all ihrer Einfachheit. Vielleicht musste er die Antworten gar nicht haben. Er musste einfach da sein, wenn sein Kind ihn brauchte. Er musste derjenige sein, der Steven herumtrug, wenn er nicht laufen konnte, Schmutz und Tränen fortwischen. Er würde in seinem Geist eine neue Definition davon erschaffen, was ein Vater war.

Er war sofort nach Hause gegangen, direkt zu Hermine – sie war in jenem Augenblick bei ihren Eltern – und küsste sie immer und immer wieder und sagte ihr, wie sehr er sie liebte und dass er immer für sie und Steven da sein würde.

Sie hatte gelächelt und genickt und dann gelacht, weil die Grangers, obwohl sie Draco so gut kannten, ihn schockiert anstarrten. Sehr selten zeigte Draco intensive Gefühle oder Emotionen vor seinen engsten Freunden und das hatte er gerade getan, ohne an die Konsequenzen zu denken.

Statt rot zu werden, wie er es normalerweise getan hätte, ging er zu Jane und nahm ihr seinen Sohn ab. Dann setzte er sich neben Hermine und lächelte in sich hinein.

Doch da war noch etwas.

Da war ein kleiner Teil von ihm, der manchmal auf ihn einflüsterte, wenn er etwas tat, das er wirklich genoss – mit Steven spielen, auf der Verandaschaukel sitzen, seine Frau im Arm halten oder mit ihr und ihrem Sohn durch London spazieren, lachen und reden wie ganz normale Menschen. Dieses Flüstern sagte ihm, dass er noch nicht fertig war, dass er noch eine Schuld zu begleichen hatte. Es war ihm nicht erlaubt, so glücklich zu sein. Es brachte das zarte Gleichgewicht in der Welt von Gut und Böse durcheinander. Denn er war ein schlechter Mensch und würde es immer sein, egal was passierte. Und schlechte Menschen hatten es nicht verdient, glücklich zu sein.

Hermine versicherte ihm ohne Ende, dass er kein schlechter Mensch war, doch es gab Zeiten, da Draco ihr einfach nicht glauben konnte. Er rang immer noch mit Dämonen darum, was er in einem gefühlten früheren Leben getan hatte. Er hatte immer noch Albträume, in denen die Gesichter von jenen erschienen, die er verletzt und getötet hatte, jedes einzelne. Er wachte in kaltem Schweiß gebadet auf, manchmal brüllend, und Hermine musste ihn beruhigen und daran erinnern, wo er war und dass alle schlimmen Dinge vorüber waren.

Er wünschte nur, dass er selbst davon überzeugt wäre, und die meiste Zeit war er das auch. Nur gab es Zeiten, da es ihm zu schön vorkam, um wahr zu sein. Ein Teil von ihm wartete immer darauf, dass etwas Furchtbares passiert, das dem allem ein Ende setzte. Je mehr Zeit verging, desto mehr erwartete er es fast. Wann immer er Hermine erzählte, wie er sich fühlte – und es war ein Thema, das er nicht oft zur Sprache brachte und über das er nicht gern nachdachte – hörte sie zu und er spürte wirklich, dass sie es verstand. Sie hatte den Tod ihrer Eltern und eine folgende schwere Zeit durchlebt, in der sie unter anderem versucht hatte, ihn zu töten.

Wenn alles wirklich gut lief, konnten sie darüber lachen.

Sie versuchte ihm nicht einzureden, dass er Unsinn dachte, sie ließ ihn niemals abblitzen. Doch sie beharrte, dass er nicht so fühlen sollte, auch wenn sie es durchaus nachvollziehen konnte. Sie erinnerte ihn an all die guten Dinge, die er getan hatte, an all die Menschen, denen er geholfen hatte, seitdem er von der Dunklen Seite zurückgekehrt war. Es heiterte ihn etwas auf, aber er konnte niemals völlig die Stimme vertreiben, die bisweilen in seinen Kopf kroch.

Es gab noch etwas anderes, das ihn plagte, wann immer er an Steven oder Hermines rapide wachsenden Bauch dachte. Er hatte es Hermine am vorigen Abend zum ersten Mal erzählt. Sie hatte im Bett gelesen, als er neben sie kletterte und sie sanft auf die Wange küsste. Sie lächelte, den Blick immer noch auf die Seiten ihres Buches gerichtet.

Draco streckte seine Hand aus und sie nahm sie automatisch, immer noch lesend. Draco blickte auf den Arm hinunter, zu dem die Hand gehörte, die sie hielt. Er runzelte die Stirn und seufzte dann tief.

Hermine schlug ihr Buch zu und legte es zur Seite. Sie wusste, was so ein Seufzer hieß. Sie sah ihn forschend an. „Was ist los, Draco?"

Er drückte ihre Hand. „Sieh nur."

„Was denn?"

„Unsere Hände."

Hermine blickte hinunter.

„Was siehst du?"

„Ich sehe unsere Hände, die miteinander verschränkt sind."

„Was noch?", drängte er. Es war unmöglich, dass sie es nicht sah.

„Das Dunkle Mal."

„Richtig", sagte er. „Das Mal. Es wird immer da sein."

„Ich weiß", sagte Hermine leise. „Aber das weiß ich seit Jahren, Liebling. Was liegt dir auf dem Herzen?"

Er seufzte. „Ich habe nachgedacht. Steven wird immer älter. Ich kann mich tatsächlich mit ihm unterhalten." Er gluckste. „Zugegeben, es geht meistens um Müsli oder Saft, aber der Sinn kommt an."

Hermine nickte.

„Naja, eines Tages werde ich Steven erklären müssen, was das Ding bedeutet. Und das jagt mir Angst ein. Im Augenblick denkt er nur, dass sein Dad ein cooles Tattoo hat. Aber so wird es und kann es nicht ewig weitergehen."

Hermine zog seine Hand zu ihrem Mund und küsste sie. Dann küsste sie sein Handgelenk und schließlich hoch zu seinem Arm, wo das Mal in starkem Kontrast zu seiner blassen Haut hervorstach. Er versteifte sich.

„Hermine, nicht", sagte er und zog seinen Arm weg.

Sie seufzte. „Warum? Es ist ein Teil von dir. Wenn du es ignorieren willst, wird es sich nur von hinten an dich heranschleichen und dich beißen. Ironisch, da das Mal eine Schlange darstellt, aber das tut hier nichts zur Sache", sagte sie in dem Versuch, ihm ein Lächeln zu entlocken.

Es funktionierte nicht. Ihm war überhaupt nicht nach Lächeln zumute. „Steven wird wachsen und erfahren, dass sein Vater ein Mörder war. Ein Mörder, Hermine. Kannst du auch nur erahnen, wie sehr ihn das treffen wird?" Draco setzte sich auf und zog seine Knie an die Brust. „Er wird zur Schule gehen und die Kinder werden seinen Namen hören und ihn anstarren und mit dem Finger auf ihn zeigen und tuscheln. „Er ist ein Malfoy", werden sie sagen. „Übler Haufen, alle von ihnen"."

„Nein, Draco. Das ist nicht wahr. Alle wissen, was du in dem Krieg geleistet hast."

„Ja, aber nicht alle glauben es. Das weiß ich. Ich sehe es in ihren Augen. Genauso wie die Menschen meinen Vater mein ganzes Leben lang angeschaut haben, bis er endlich als Todesser identifiziert wurde. Sie mögen akzeptieren, was die Zeitungen ihnen über mich berichten, aber sie glauben nicht, dass ich mich wirklich verändert habe. Und warum sollten sie auch? Ich kann es nicht einmal glauben."Er stand auf und begann auf- und abzulaufen. „Mein Vater hat jahrelang behauptet, auf der guten Seite zu stehen, aber keiner hat ihm wirklich vertraut. Sie nahmen sein Geld, sicher, aber sogar ich hörte das Geraune, wenn wir durch die Straßen liefen. Denselben Blick sehe ich jetzt auf mich gerichtet und es gibt nichts, das ich dagegen tun kann."

„Die Zeit – "

„Nein!", sagte er ernst. „Tut mir leid, aber da liegst du falsch. Die Zeit wird es nicht besser machen, es wird nichts ändern. Ich könnte alle möglichen guten Dinge für andere tun, aber für meinen Namen wird immer nur ein Gerücht fehlen, um mich wieder ins Kittchen zu werfen. Was für ein Leben kann ich meinen Kindern bieten, wenn ihrem Vater so misstraut wird? Was soll ich tun, Hermine?", fragte er. Er blieb plötzlich stehen und sah sie an. Sie fand, dass er völlig verloren wirkte, und streckte die Arme aus. Er stieg wieder ins Bett und legte sich zu ihr.

„Sei einfach der Mann, der du deines Wissens nach bist, der Mann, der du sein willst. Lucius war ein böser Mensch und so sahen ihn die Menschen immer weiter als solchen, auch wenn er etwas anderes behauptete. Du sagst kein Wort und Draco, ich schwöre es dir, die Menschen sehen dich jedes Mal weniger und weniger so."

Er schaute zu ihr hoch.

„Ich meine es ernst. Wenn du denkst, dass ich nicht bemerke, wie sie uns anschauen, dann hast du mich gewaltig unterschätzt. Und je mehr wir gesehen werden, desto weniger blicken die Menschen her."

„Das sagst du nur so."

Sie lächelte und schüttelte den Kopf. „Würde ich jemals etwas nur so sagen? Schau mich an." Er setzte sich auf und sah ihr in die Augen. „Würde ich das tun?"

„Nein."

„Richtig. Ich würde dich niemals anlügen, nur damit du dich besser fühlst. Es sind jetzt fünf Jahre vergangen und du hast dich vollkommen an die Gesetze gehalten. Du hast mich geheiratet, eine Muggle- Geborene. Wir haben ein Kind und ein zweites ist auf dem Weg. Auch wenn Lucius versucht hat, die Welt davon zu überzeugen, dass er niemals wirklich auf der Dunklen Seite gestanden hatte, hat er sich nicht sehr hart bemüht. Denk daran, er hat mit Geld versucht, die Meinungen der Menschen zu ändern. Er war immer noch arrogant und unhöflich und voller Vorurteile.

Draco, du bist nichts davon. Jeder, der dich ansieht und auch nur das geringste Verlangen nach der Wahrheit hat, wird sehen, dass du, im Unterschied zu ihm, aufrichtig bereust, was du getan hast. Das sieht man an der Art, wie du dich gibst, als wärst du dankbar für jeden Atemzug, den du tust."

Sie nahm seine Hand und er spürte Tausend winzige Bläschen in ihm explodieren.

„Bitte, mein Liebling. Glaub mir. Du bist nicht dein Vater. Du bist nie wie er gewesen. Die Menschen werden das sehen. Sie haben zuerst noch sehr viel Schmerz zu verarbeiten, aber eines Tages werden sie es sehen. Und wenn die Zeit kommt, mit unseren Kindern zu sprechen, werden wir es tun. Gemeinsam. Sie werden dich bis dahin kennen, Draco. Es wird hart werden, da hast du Recht, aber wir können es durchstehen. Wir haben Voldemort überstanden, weißt du noch?"

Er sah ihr in die Augen und zum erst tausendsten Mal sah er nichts als Liebe und Bewunderung. „Hermine, ich liebe dich."

Er erwiderte das Lächeln. Er fühlte sich erleichtert und wieder ganz. „Mrs. Malfoy", sagte er in einer tiefen, grollenden Stimme.

Sie kicherte und er küsste sie. Ein paar Stunden lang.

„Draco, wach auf."

Er öffnete die Augen und langsam fokussierten sie sich auf Hermine. Er grinste sie an.

Sie lächelte zurück und strich über Stevens Rücken. „Es wird Zeit, dass ihr beide von eurem Nickerchen aufsteht. Es ist fast drei und du kennst ja Ginny. Immer früh dran."

„Ich kann nicht glauben, dass ich eingeschlafen bin", sagte Draco gähnend.

Hermine hob eine Augenbraue. „Ach nein?"

„Äh, naja… ich schätze, doch."

„Aha. Du bist unter eine Decke gekuschelt, es weht eine kühle Brise, Steven schläft auf dir und sorgt dafür, dass du nichts tun kannst…"

„Ja, ja."

„Ich nehme Steven nach oben und lege ihn in sein Bett. Würdest du zur Tür gehen, wenn jemand anklopft?"

„Oh, Hermine, nein, ich bringe ihn hoch. Du musst nicht öfter die Treppe hoch und runtersteigen, als unbedingt nötig. Überanstrenge dich nicht."

Sie lachte. „Okay sicher. Ich habe den ganzen Tag gearbeitet, während du hier draußen ein Nickerchen gehalten hast."

Draco riss die Augen auf. „Gar nicht! Ich habe dir den ganzen Morgen geholfen, bis zwei Uhr nachmittags. Du hast mit Steven gespielt, wenn ich mich recht erinnere, und ich bin herausgekommen, um hier zu lesen. Ich kann nichts dafür, dass er mich gesucht hat und dann eingeschlafen ist."

„Das war nur ein Scherz, Liebling", sagte Hermine kichernd. „Du warst wunderbar. Ich bringe ihn hoch."

„Hermine, lass mich. Du weißt doch, dass du keine schweren Sachen schleppen sollst. Und ein Zweijähriger gehört mit Sicherheit dazu."

Sie seufzte. „Na gut."

Draco schaute auf Stevens lockigen Kopf hinunter. „Hey, Kumpel", sagte er sanft. „Ich bringe dich jetzt in dein Zimmer." Sehr vorsichtig, um das schlafende Kind nicht zu sehr zu stören, stand Draco auf. Er ging zu Hermine und drückte ihre Hand. „Bin gleich zurück."

Als Draco sich wieder zu Hermine gesellte, waren alle eingetroffen: Harry und Ginny mit ihren drei Kindern, außerdem Ron und Luna mit ihrer Tochter. Sie war die Jüngste des Haufens, erst drei Monate alt. Hermine hielt sie bereits in den Armen, gurrte und machte Baby- Geräusche.

Alle sahen auf, als er eintrat, und er nickte ihnen zu. Harry grinste ihn an und Ginny umarmte ihn.

Jedes Jahr trafen sie sich zum Jubiläum vom Ende des Krieges, um diejenigen zu ehren, die gekämpft hatten, gestorben waren und, was vielleicht am wichtigsten war, gelebt hatten. Jemand kochte immer – dieses Jahr waren Hermine und Draco die Gastgeber – und nach dem Abendessen hielten sie eine Art Zeremonie ab. Es war nichts Formelles oder Besonderes, nur eine Zeit zum Nachdenken und zum Erinnern.

Harry sagte üblicherweise ein paar Worte und die Frauen endeten in Tränen. Draco lauschte und musste jedes Jahr mit den eigenen Tränen kämpfen. Es gab Dinge an den letzten paar Tagen vor Voldemorts Niederlage, die immer noch frisch waren, nämlich der Tod seines Vaters. Sein Gesicht suchte Dracos Schlaf mehr als jedes andere heim.

Dieses Jahr jedoch veränderte sich etwas in ihm, während Harry sprach. Und er wusste nicht, was es war oder warum es geschah, doch so war es. Er ging den üblichen Weg und gelangte gedanklich beim Tag des Todes seines Vaters an, als er an eine geistige Straßensperre stieß. Etwas, das er seinem Vater gesagt hatte, bezüglich Hermine. Dass er ihr versprochen hatte, nie wieder zu töten. Er hatte dieses Versprechen gegeben und sie hatte es nie von ihm gefordert. Sie war nicht einmal dagewesen, als er es geschworen hatte.

Er realisierte, dass er ihr das Versprechen gegeben hatte, weil er dachte, er könnte es für sie halten. Weil er niemanden mehr töten wollte. Er hatte nicht darauf vertraut, dass er selbst das Versprechen einhielt, wenn er es nur auf sich selbst legte. Doch indem er es mit Hermine verband, glaubte er, es schaffen zu können.

Am Ende hatte er das Versprechen für ihn selbst gehalten. So sehr er Hermine auch liebte, selbst das wäre nicht stark genug gewesen, ihn von etwas abzuhalten, wenn er es nur genug wollte. Er hatte den Gedanken an ein Versprechen ihr gegenüber benutzt, um zu erreichen, was er ohnehin aufrichtig tun wollte. Doch es war seine eigene Stärke, seine eigene Entschlossenheit, mit der er durchgehalten hatte.

Er hatte Lucius nicht getötet. Er hatte ihn nicht getötet – er hatte sich dazu entschlossen. Lucius war tot. Er hatte seinen eigenen Tod besiegelt, als er den Horkrux angenommen hatte. Er wäre so oder so gestorben. Es war nicht seine Schuld.

Es war nicht seine Schuld.

Harry war gerade mitten in einer Anekdote, bei der etwas in einer ihrer Mission schief gelaufen war, als Draco ihn unterbrach.

„Hey!", sagte er. Harry hielt mitten im Wort inne und alle drehten sich zu Draco. Hermine Augen waren weit aufgerissen.

„Was ist los, Draco?", fragte Harry, ein wenig besorgt.

Da errötete Draco. Er hatte reingerufen, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben, was er sagen wollte. Doch er hatte das Gefühl, etwas sagen zu müssen.

„Ich – ich wollte nur… sagen, dass ich etwas begriffen habe", sagte er stockend. Alle blickten ihn weiter an und warteten darauf, dass er fortfuhr. „Warum wir das hier tun, warum wir uns erinnern. Warum wir die schmerzhafte Erinnerung nicht einfach auslöschen."

Luna sah ihn an, als wäre sie nicht im Geringsten überrascht, dass er sprach. „Was lässt dich das sagen?", fragte sie.

Sein Gesicht war immer noch heiß und er wollte sich wirklich in ein Loch verkriechen, doch er wusste, dass ihm das nicht gestattet würde. „Ich – ich meine, dass wir von ihnen lernen können, auch wenn wir schon von ihnen gelernt haben. Mein… Vater. Er starb und alles, woran ich denken konnte, war, wie es mich betroffen hat. Hermine hat zwei Jahre lang ihre Eltern verloren, aber sie hat es durchlebt und damit meine ich wirklich gelebt. Sie hat sich nicht in ein Loch verkrochen und ist dort geblieben, sondern sie hat weitergekämpft.

Jahrelang habe ich – diese riesige Schuld auf mich selbst geladen und… es ist nicht meine Schuld. Ich habe gedacht, ich würde es nie verwinden können."

Draco holte tief Luft. „Aber… ich glaube, das habe ich gerade getan."

Hermine strahlte ihn an, Tränen in den Augen. Sie gab Luna rasch das Baby zurück und durchquerte den Raum zu ihm. Dann umarmte sie ihn so fest, wie ihr Bauch es erlaubte. Draco glaubte nicht, dass sie ihn jemals so fest gehalten hatte.

Und es war ihm sogar egal, dass der Raum voller Menschen war. Er hielt sie einfach und ließ sich von all der Erleichterung, all ihrer Stärke durchströmen und reinigen. Er fühlte sich leicht, da das Gewicht, das fünf Jahre lang auf ihm gelastet hatte, verschwunden war.

Er wusste nicht, wie lange sie dort standen, doch schließlich flüsterte Hermine: „Ich liebe dich, Malfoy."

Draco drückte sie sanft und sagte: „Ich dich auch, Granger."

Sie löste sich lächelnd von ihm. Ihre Augen strahlten ihn an. Sie nahm seine Hand und stellte sich neben ihn.

„Äh, sorry, Harry", sagte Draco glucksend. "Bitte mach weiter."

Alle schwiegen.

"Nein, eigentlich glaube ich, dass ich fertig bin. Ist es außerdem nicht Zeit für den Nachtisch?"

Da musste etwas an dem Tag gewesen sein, vielleicht das wirklich köstliche Essen, das neue Baby in Hermines Bauch oder vielleicht auch Dracos Erkenntnis. Es blieben alle bis spät in die Nacht.

Die Kinder schliefen auf jeder horizontalen Fläche, die sie finden konnten, und die sechs Freunde wechselten zu der Veranda, um sie nicht zu wecken. Schließlich brachen sie in den frühen Morgenstunden auf.

Draco und Hermine verabschiedeten sie und kehrten zur Verandaschaukel zurück. Sie ließen sich darauf nieder und Hermine schmiegte sich in Dracos Arme.

„Das war schön", sagte sie nach ein paar Minuten Stille.

„Ja", stimmte er zu. Er küsste sie auf den Kopf.

„Ich denke nicht, dass wir es weiter machen müssen."

„Warum nicht?", fragte er überrascht.

„Naja… es scheint, dass es uns jetzt allen gut geht. Wir hatten alle unseren langsamen Heilungsprozess. Du hattest den längsten, da du so viel mehr zu verarbeiten hattest. Aber jetzt… ich weiß nicht, vielleicht ist es noch zu früh, so etwas zu sagen."

Draco dachte darüber nach. Er fühlte sich tatsächlich besser als jemals zuvor, als hätte er wirklich, endlich alles Schlechte hinter sich gelassen. Er hielt sich immer noch nicht für gut, doch er betrachtete sich nicht länger als schlechten Menschen – er hatte sich selbst lange genug bestraft. Es war Zeit, wirklich loszulassen.

„Mir geht es… gut", sagte er.

Hermine setzte sich auf und sie sahen einander an. „Ganz und gar gut?"

Er nickte. „Ja, ich denke schon."

Sie lächelte. „Oh, Draco. Du hattest diese… Wolke über deinem Kopf, solange ich dich kenne. Selbst ich konnte sie nicht vertreiben."

„Nein, das konntest du nicht. Denn… denn es ging um mich, um meine Vergangenheit, mein Leben. Meine Fehler. Ich musste damit ins Reine kommen. Ich konnte es nicht für dich tun, egal wie sehr ich es gewollt haben mochte."

Sie schmiegte sich wieder an seine Brust. „Ich bin froh, Draco."

„Hermine?"

„Hmm?", machte sie. Sie klang sehr schläfrig.

„Sag mir, dass du mich liebst."

„Ich liebe dich, Draco."

„Und das wirst du immer tun. Egal was passiert."

Sie sah mit einem leichten Stirnrunzeln zu ihm hoch. „Egal was passiert – was meinst du damit?"

„Bitte sage es einfach."

„Ich werde dich immer lieben, egal was passiert."

„Ich dich auch."

„Ich weiß", sagte sie.

„Ich weiß. Ich… musste es dir einfach noch mal sagen."

„Okay."

„Ich… mache mir Sorgen."

„Worüber, Liebling?"

„Dass das nur eine Illusion ist, diese Friedlichkeit, die ich jetzt spüre. Woher weiß ich, dass sie andauern wird? Was ist, wenn ich morgen aufwache und sie verschwunden ist? Wenn all der Druck wieder da ist und diese Wolke auch?"

„Draco, sieh mich an."

Er gehorchte.

„Du weißt, dass ich dich liebe und dass ich es immer tun werde. Vielleicht hast du Recht. Es könnte sein, dass dieses neue Gefühl nicht immer bei dir bleibt. Es wird wahrscheinlich Zeiten geben, da du wieder gegen deine Dämonen kämpfen musst. Aber denk immer daran! Ich bin hier und kämpfe an deiner Seite, jeden Tag. Und wenn sie sich wieder Zutritt in deinen Kopf verschaffen, denk einfach daran, dass wir sie gemeinsam schlagen können. Auch wenn alles, das ich tun kann, dich anfeuern, dich halten und dich lieben ist."

„Aber… ich bin glücklich, Hermine. Glücklicher, als ich jemals für möglich gehalten hatte."

„Draco, niemand verdient es, glücklich zu sein, okay? Nicht einmal ich. Du bist das Wunderbarste, das mir jemals widerfahren ist, und jeden Tag denke ich, wie glücklich ich mich schätzen kann, wenn ich die Augen öffne und du gleich neben mir bist. Ich habe es nicht verdient. Wir haben einfach Glück. Im selben Augenblick, in dem du anfängst zu glauben, dass du das verdient hast, hast du es schon verloren. Nimm es niemals als selbstverständlich an. Liebe mich einfach, ich werde dich lieben und uns wird es gut gehen."

Draco holte tief Luft. „Du bist unglaublich, weißt du das?"

„Du hast es schon mal erwähnt", sagte sie lächelnd.

„Lass uns hier draußen schlafen. Was sagst du dazu?"

„Du weißt doch, dass mir das immer recht ist."

Sie legten sich beide hin und Draco nahm sie in seine Arme, während er ihren Duft in sich aufnahm. „Ich möchte für immer so bleiben", raunte er in ihr Haar.

„Das werden wir", sagte sie. Dann drehte sie sich in seinen Armen, so dass sie einander ansahen. „Du und ich, Malfoy."

Er grinste und küsste sie auf die Nase.

Dann küsste er sie eine sehr lange Zeit, bis Hermine ihn daran erinnerte, dass sie wirklich, wirklich vorsichtig sein mussten, da sie auf der Schaukel lagen und sie schwanger war.

Er feixte und dachte an das letzte Mal, da sie auf der Schaukel gelegen hatten – es war tatsächlich recht… lebhaft zugegangen. Deshalb schlug er vor hineinzugehen, doch Hermine grinste nur schelmisch und sagte Nein. Ihr gefiel die Herausforderung.

Er würde für den Rest seines Lebens gegen Dämonen kämpfen und es würde Zeiten geben, da sie drohten, die Überhand zu gewinnen. Doch er wusste, dass Hermine an seiner Seite sein würde, und mit ihrer Hilfe würde er sie schlagen, denn gemeinsam waren sie wirklich etwas. Etwas absolut Fantastisches.


AN: Jetzt habt ihr nicht mehr viele Gelegenheiten, euren Senf dazuzugeben! Also haltet euch ran!^^ Ich warte sehnsüchtig!