In dem Moment, als er das Donnern vernahm, wusste er, dass es zu spät war und Adam recht gehabt hatte. Frederic hob seinen Kopf und sah, wie das halb fertige Gebäude in sich zusammenfiel und der Boden unter ihm nachgab. Durch den vielen Regen der letzten vier Tage war die Erde so aufgeweicht, dass er nirgends Halt finden konnte. Verzweifelt ruderte er mit den Armen, aber er hatte keine Chance. Er stürzte zu Boden und wurde mit dem Schlamm und dem Geröll mitgerissen.
Nach kürzester Zeit hatte Frederic die Orientierung verloren und wusste nicht mehr, wo oben oder unten war und so plötzlich, wie das Ganze begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei. In den nächsten Minuten hatte er solche Angst, dass sich die Erde unter ihm wieder in Bewegung setzten würde, dass er kaum wagte, zu atmen. Erst als er sich etwas von dem Schock erholt hatte, öffnete er vorsichtig die Augen. Um ihn herum war alles dunkel. Er lag auf dem Bauch. Sein Kopf war zur Seite gedreht. Langsam wollte er sich aufrichten, aber mehr als seine Schultern leicht zu heben, war er nicht in der Lage. Irgendetwas lag auf seinem Rücken und auf seinen Beinen. Als er seine Arme bewegen wollte, schrie er laut auf. So wie sich der rechte Arm anfühlte, war er sicher gebrochen. Nachdem der Schmerz wieder etwas nachließ, zog er den linken Arm mit Bedacht nach oben und tastete dabei seine Umgebung ab.
Soweit Frederic das nach einigen Minuten beurteilen konnte, war um ihn herum nur nasse, kalte Erde und …Dunkelheit. Panik kroch durch seinen Körper. Seine Atmung wurde hektisch. Schnell versuchte er - jedoch ohne Erfolg - dagegen anzukämpfen. Erst als er sich in seiner Panik aufrichten wollte und ihm vor Schmerz schwarz vor den Augen wurde, beruhigte er sich wieder. Eine ganze Weile blieb er mit geschlossenen Augen liegen, ohne an etwas zu denken. Er fühlte nur die kalte Erde auf seiner Wange und wie sich die Nässe in seinen Sachen ausbreitete. Ob sein Zittern nun von der Kälte oder von dem Schock kam, konnte er nicht sagen. Auf jeden Fall war es sehr unangenehm. Erneut versuchte die Panik von ihm Besitz zu ergreifen, aber dieses Mal konnte er sie erfolgreich unterdrücken. Da er nichts sehen konnte, konzentrierte er sich nun darauf, welche Geräusche in seiner Umgebung waren. Bei der erneuten Welle der Panik schloss er die Augen. Neben der Dunkelheit war da nämlich nur…eine absolute Stille. Er lachte panisch auf. Wie konnte er in diesem Moment nur daran denken, dass Adam dieser Ort sicher gefallen würde. Nun konnte Frederic es noch weniger verstehen, dass sein Freund diesen Zustand bewusst immer wieder suchte. Er hasste diese Stille…
Wenn er niemanden hören konnte, würde auch sicher niemand nach ihm suchen. Unter wie vielen Tonnen von Erde und Geröll er wohl liegen mag? Hatte überhaupt jemand diesen Unfall auf der Baustelle überlebt? Würde man ihn suchen, oder war das Bild, das sich den anderen bot, so aussichtslos, dass sie es nicht einmal versuchen würden? Frederic ballte seine Hand zur Faust und fluchte leise vor sich hin. Warum hatte er nicht auf Adam gehört? Warum hatte er nur seinem Vater geglaubt? Er kennt doch seinen Freund lange genug, um zu wissen, dass ihm Adam nie etwas Falsches erzählen würde, nur um eine bessere Bewertung in dem Abschlussprojekt zu bekommen. Aber nein, er hatte sich einmal wieder von seinem Vater überzeugen lassen. Frederic sah das entsetzte Gesicht von Adam noch ganz genau vor sich, als er ihm erzählte, dass er noch bis zum Ende des dritten Jahres in der Firma seines Vater bleiben und den Bau von dem neuen Amtssitz des Gouverneurs mit begleiten würde und dieses dann seine Abschlussarbeit sein sollte. Mit den Händen in den Seiten gestemmt, hatte Adam ihn gefragt, ob der Gouverneur sich einen anderen Ort für das Haus gesucht hatte und als Frederic dieses verneinte, hatte Adam verzweifelt auf ihn eingeredet, die Finger davon zu lassen, weil der Hang und die ganzen Veränderungen, die der Gouverneur dort wünschte, das Projekt unsicher machen würde, und er das auch genauso seinem Vater bereits vor seinem Weggang mitgeteilt hatte. Aber Frederic hatte alle Bedenken zur Seite gewischt und seinem Vater geglaubt, dass zu viele Faktoren zusammentreffen müssten, damit das passieren würde, vor dem Adam gewarnt hatte. Frederic hatte - wie sein Vater - vermutet, dass Adam einmal wieder nur verhindern wollte, dass zu viel in der Natur verändert wird ,sund er sich gegen jede Art des Fortschritt wehrte.
Es war der erste große Streit zwischen ihm und Adam gewesen und bis heute hatten sie nie wieder über dieses Thema gesprochen und wenn Giovanna und Bridget nicht gewesen wären, wüsste er nicht, ob dieses Projekt nicht das Ende ihrer Freundschaft bedeutet hätte. Frederic hatte ihn nicht einmal um Ragt gefragt, obwohl er den das eine oder andere Mal gebraucht hätte.
Da Frederic immer wieder die Augen zufielen, hatte er bald jedes Zeitgefühl verloren, aber Probleme mit der Luft hatte er noch nicht bekommen, was bedeutete, dass er nicht komplett verschüttet sein konnte. Wieder hielt er den Atem an, um zu hören, ob doch jemand nach ihm suchen würde. Nein, da war nicht ein Geräusch. War das das Ende? Würde er hier unter der Erde sterben? Frederic dachte an Giovanna und an Riccardo. Sein Sohn würde in wenigen Tagen drei Monate alt werden. Mit einem Lächeln erinnerte er sich an den Moment, als er ihn zum ersten Mal im Arm gehalten hatte. An diesem Tag hatte sich sein Leben verändert. Vieles wurde auf einmal für ihn unwichtig. Es gab nur noch seine eigene kleine Familie. Auch der Streit mit Adam war vergessen und für ihn war es keine Frage, dass sein Freund der Patenonkel für seinen Sohn werden sollte. Nun war er heilfroh darüber, dass er diese Entscheidung getroffen hatte. Adam würde sich auf jeden Fall um seine Frau und Riccardo kümmern. Irgendwie machte es ihm mit diesem Gefühl leichter, sich mit dem Tod abzufinden. Sein Körper zitterte immer mehr und dadurch wurden die Schmerzen in seinem Arm wieder stärker und erneut verlor er das Bewusstsein.
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Adam war zufrieden damit, wie die Arbeiten auf der Baustelle vorangingen. Obwohl es für Anfang März schon viel Regen gab, lagen sie noch gut im Zeitplan. Mit etwas Glück würden sie bis zum Ende des Jahres fertig sein, und er könnte bei der Eröffnung der städtischen Bibliothek noch dabei sein.
Er hatte noch kurz mit einem Kollegen aus dem Büro und dem Bauleiter gesprochen und wollte nun schnell nach Hause und sich vor dem Kamin setzen. Gestern kam ein neuer Brief von Koko an, den er unbedingt heute noch lesen wollte. Adam war gerade im Begriff die Baustelle zu verlassen, als er sah, wie einige Arbeiter zusammenstanden und mit entsetztem Blick in eine Richtung sahen. Mit wenigen Schritten war er bei ihnen und fragte, was passiert sei. Unwillkürlich hielt er die Luft an, als er hörte, was auf der Baustelle von dem neuen Amtssitz des Gouverneurs geschehen ist. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern machte er sich so schnell er konnte auf den Weg zum Unglücksort.
Am Ort angekommen, bot sich ihm ein Bild des Grauens. Panisch liefen Leute am Rand des Hanges hin und her. Diverse Schaulustige hatten sich trotz des Regen am Ort versammelt und sahen auf die Massen von Schutt und Erde. Der gesamte Bau war eingestürzt und den Hang hinuntergerutscht. Adam lief zu Frederics Vater, der am Rand der Unfallstelle stand und mit einigen Männern sprach, die sich kurz danach auf achten, den Hang hochzulaufen.
„Mr. Francois…."
Frederics Vater drehte sich zu Adam. In seinen Augen spiegelte sich das ganze Entsetzen wider. Sein Gesicht war bleich vor Schock. „Adam….Frederic…."
Mr. Francois brauchte nicht weiter zu reden. Adam wusste sofort, dass sein Freund sich irgendwo unter den Erdmassen befinden musste. „Wo war Frederic als das Unglück passierte?"
Frederics Vater zuckte mit den Schultern. „Ich…ich weiß es nicht genau. Ich….." Er atmete tief durch.,..Ich denke, er war oben beim Haus. Einer der Arbeiter hatte mit ihm kurz vor dem Unfall gesprochen und da hatte Frederic ihm gesagt, dass er noch einmal nach oben wollte." Er stockte erneut. „Adam, wir vermissen neben Frederic noch zwölf weitere Männer."
Adam sah den Vater seines Freundes nur an. Denn auch wenn ihm jetzt eine passende Bemerkung auf der Zunge lag, gelang es ihm, keine unbedachten Pfeile abzuschießen, sondern diese einfach hinunterzuschlucken. So überlegte er, wo sich sein Freund befinden konnte. Er schaute auf die Stelle am Hang, an dem sich das Haus einmal befand. Wenn Frederic vor dem Haus gestanden hatte, könnte es sein, dass sein Fall mit dem meisten Geröll auf dem halben Weg nach unten durch eine Baumgruppe gestoppt wurde. Ohne weiter mit Mr. Francois zu reden, machte sich Adam vorsichtig auf den Weg nach oben. So wie die anderen Helfer auch, war er sich der Gefahr bewusst, in die er sich begab. Bei einem weiteren Erdrutsch könnte er auch unter den Erdmassen begraben werden. Schritt für Schritt nährte er sich vorsichtig der Baumgruppe und sah sich um. Wo sollte er nur anfangen? Was ist, wenn er sich irrte, und Frederic war an einer ganz anderen Stelle und er würde hier nur seine Zeit vergeuden? Adam kniete sich hin, schloss die Augen, berührte die nasse Erde und ließ die Ruhe in sich ausbreiten. Er schob alle unnützen Gedanken beiseite, bis er sich nur noch auf das Wesentliche konzentrieren konnte.
Erneut schaute er zu der Stelle, an der vor wenigen Stunden noch das Haus stand. Mit den Augen folgte er der Spur, die die aufgeweichte Erde, das Geröll und die Steinmassen des Hauses hinterlassen hatten. So gab es nur zwei Möglichkeiten, wo sich sein Freund befinden konnte. Entweder hier bei den Geröllmassen am Baum oder weiter unten am Hangende. Dort wurde jedoch bereits nach den Vermissten gesucht.
Es hatte wieder stärker angefangen zu regnen. Mit dem Handrücken wischte sich Adam über die Augen, aber die Sicht wurde nicht klarer. Er zog sich seine Jacke aus und fing an, Stein für Stein den Berg an Schutt vor sich abzutragen. Innerhalb kürzester Zeit waren seine Sachen durchnässt und verdreckt. Aber er würde nicht aufgeben, bis er seinen Freund gefunden hatte und wenn das Tage dauern würde. Er könnte Giovanna nie unter die Augen treten und ihr sagen, er hätte aufgegeben. Bald hatte Adam durch die Kälte kein Gefühl mehr in den Händen, aber er hörte nicht auf, weiter Erde und Steine beiseite zu schaffen. Als seine Kräfte nachließen und die Bewegungen immer langsamer wurden, bekam er Hilfe von zwei Arbeitern von der Baustelle. Der eine reichte ihm eine Wasserflasche, aus der Adam einen großen Schluck nahm. Dann sah er die Männer an. „Wurde unten schon jemand gefunden?"
Die zwei schauten betroffen zu Boden. „Bis jetzt wurden drei Tote unter den Massen entdeckt."
Adam hielt die Luft an. „Der Sohn von Mr. Francois?"
Der eine schüttelte den Kopf. „Nein. Der war nicht dabei."
Adam legte die Flasche beiseite und machte sich weiter auf die Suche nach seinem Freund.
Es war bereits am späten Nachmittag, als einer der Männer plötzlich aufschrie. „Ich glaube, hier ist ein Hohlraum…"
Adam, der sich auf der anderen Seite des Schuttberges befand, warf den Stein, den er gerade in der Hand hatte, zur Seite und wollte mit einem großen Satz über die Erdmassen springen. Dabei verlor er den Halt und rutschte auf dem Bauch über die Steine einige Meter den Hang hinunter. Ohne auf den Schmerz zu achten, kletterte er auf allen Vieren wieder nach oben zu den zwei anderen Männern. Und tatsächlich befand sich dort ein kleiner Hohlraum. Vorsichtig legten sie diesen weiter frei. Dann sahen sie unter all dem Matsch eine Hand. Auch wenn Adam nun am liebsten so schnell wie möglich den Körper herausgezogen hätte, arbeiteten die drei Männer mit bedacht weiter. Die Erde war so weich und locker, dass eine falsche Bewegung den ganzen Haufen zum Einsturz gebracht hätte und der Hohlraum wäre zerstört. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten sie den Mann aus den Erdmassen befreien. Adam reichte nur ein Blick um zu sehen, dass der Mann tot war und es sich nicht um Frederic handelte. Auf den Knien sah Adam dann in den Hohlraum. „Meinen Sie, da könnte noch jemand drin sein?"
Adam sah zu dem Mann neben sich hoch. „Wir werden es gleich sehen."
Der Mann hielt Adam an der Schulter fest. „Sie haben doch nicht vor, dort rein zu gehen?"
Adam gab ihm keine Antwort, sondern kroch auf dem Bauch in den Hohlraum hinein.
Bald konnte er sich nur noch langsam vorziehen und musste sich auf sein Gefühl verlassen. Für eine Lampe wäre kein Platz gewesen. Nach oben war kaum Raum. Immer wieder schabte sein Rücken an den Steinen entlang. Nach links und rechts war gerade einmal so viel Platz, dass er sich ab und zu drehen konnte, um auch die Decke abzutasten. So zog er sich immer weiter ein Stück vor und suchte die Umgebung mit seinen Händen ab. Er wusste, wie aussichtslos das Ganze eigentlich war. Nach einer Weile fühlte er vor sich nur noch eine Wand aus Stein und Erde. Voller Verzweiflung ließ er seinen Kopf auf den nassen Boden sinken. „Frederic, das kannst du uns nicht antun."
Frederic hob den Kopf leicht an. Hatte er da nicht Adams Stimme vernommen? Er lauschte in die Dunkelheit hinein. Nein, da war nichts. So fing es also an. Er würde nach und nach den Verstand verlieren. Jetzt hörte er schon Stimmen, dann würde er sicher bald auch Sachen sehen, die nicht hier waren. Seine Stimme war nur noch ein Krächzen. „Adam, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt mich hier raus zu holen."
Adam hob den Kopf leicht an. War da nicht gerade ein Geräusch gewesen? War der Wunsch, Frederic zu finden, so groß, dass er sich schon einbildete, seine Stimme zu hören? „Frederic?" Adam tastete wieder die Umgebung ab und verharrte. Da war es wieder, das Geräusch. Es war kein Rufen. Es war mehr ein…Gurgeln und Kratzen. Mit den Händen glitt er über den Boden und die Wände. Adam wollte noch einmal nach seinem Freund rufen, als von oben Erde in sein Gesicht fiel. Er verschluckte sich und musste anfangen zu husten. Dabei prallte er mit dem Kopf gegen einen Stein. Die Platznot und das Verschlucken sorgten dafür, dass seine Atmung schneller wurde und sich die Panik in ihm ausbreitete. Alles in ihm schrie danach, wieder zurück zum Ausgang zu kriechen. Aber dann hörte er ganz leise die Stimme von Amarok
„Wenn du dich in einer aussichtslosen Situation befindest und meinst, der Tod ist an deiner Seite, akzeptiere ihn oder sage ihm, du bist noch nicht bereit, deine Seele mit dem großen Geist zu vereinen. Er wird auf dich hören und weiterziehen. Dann öffne deine Augen und finde deinen Weg zurück."
Adams Atmung wurde langsamer und das beklemmende Gefühl der Atemnot ließ nach. Dann hörte er es wieder. Das gurgelnde Geräusch, aber dieses Mal war er sich sicher, dass er seinen Namen dabei heraushörte. Er hatte seine Augen noch nicht geöffnet und verließ sich nun ganz auf sein Gehör. Adam drehte sich auf die linke Seite und zog sich immer weiter ein Stück zurück. Mit beiden Händen strich er über die Wand vor sich. Als er etwas Weiches berührte, öffnete er erschrocken seine Augen, aber auch so sehr Adam sich anstrengte, er konnte nichts sehen. Seine Hände tasteten sich weiter und dann wusste er es. Er hatte jemanden gefunden der noch lebte.
„Frederic…bist du das?"
Er konnte jedoch wieder nur ein leises Krächzen vernehmen. Adam strich die Wand vor sich ab. So wie sich es anfühlte, war der Körper neben ihm in einen weiteren kleinen Hohlraum. Auf dem Rücken und den Beinen lagen Steine und Erde. Adam musste beim ersten Mal anscheinend genau die Stelle von Kopf und den Schultern ausgelassen haben, als er die Wand abgestrichen hatte. Nach und nach entfernte er die Steine und grub die Erde zur Seite. Mehrmals musste er eine Pause machen, um neue Kraft zu sammeln. „Wir haben dich hier gleich raus mein Freund."
Auch wenn es sich bei dem Mann nicht um Frederic handelte, versuchte Adam ihm Mut zu machen. Zurück zu robben, um sich Hilfe zu holen, hätte keinen Sinn gemacht. Hier war nicht genug Platz für einen weiteren Mann und zu versuchen, die Erdmassen von oben abzutragen, hätte sicher auch noch Stunden gedauert. Solange wollte Adam den Verschüttenden hier unten nicht alleine lassen.
Es dauerte eine Ewigkeit, bis Adam den Körper vor sich so frei gegraben hatte, dass er versuchen konnte, ihn aus dem Hohlraum zu ziehen. Noch immer auf der Seite liegend, packte Adam zuerst die Beine des Mannes und zog sie auf den kleinen Gang auf dem er sich befand. Dann schob er sich wieder etwas in Richtung Ausgang und mit einem kräftigen Ruck zog er dann den Rest des Körpers raus. Als der Mann vor ihn vor Schmerzen aufschrie wusste Adam er hatte Frederic gefunden. Adam drehte sich wieder auf den Bauch und erleichtert legte er seine Stirn auf den Kopf von seinem Freund. Auch seine Stimme war nur noch ein Flüstern. „Nicht mehr lange dann sind wir hier raus. Halte durch …aber ich muss dir noch einmal weh tun. Ich muss dich auf den Rücken drehen. Sonst kann ich dich hier nicht rausziehen."
Adam spürte wie sein Freund mit dem Kopf nickte. Wieder schrie Frederic auf als Adam ihn auf den Rücken drehte. „Frederic wo hast du die Schmerzen?"
Adam legte seinen Kopf zu Seite und versuchte zu verstehen was sein Freund ihn sagte. Ganz leise hörte er das Wort Arm. „Der linke?"
Sein Freund schüttelte leicht den Kopf. Adam schob sich noch weiter über Frederic und fasste nach dem Arm. Wenn er Frederic bis zum Ausgang ziehen wollte, musste er den verletzten Arm irgendwie am Körper fixieren um es für seinen Freund erträglich zu machen. Wenn er nämlich bei Bewusstsein blieb konnte er mit seinen Beinen Adam beim Ziehen helfen.
Ganz vorsichtig griff er nach dem Arm. Sofort schrie Frederic wieder auf. Obwohl es dunkel war schloss Adam kurz die Augen als er fühlte das oberhalb des Handgelenkes Knochen aus der Haut ragten. Er legte den Arm ab und schob sich wieder vor Frederic. „Lass den Arm so liegen. Ich werde versuche ihn festzubinden."
Mit einigen Verrenkungen zog sich Adam das Hemd aus um dann irgendwie den Arm von Frederic am Körber festzumachen. Danach wartete er einige Zeit bis sich sein Freund von den Schmerzen etwas erholt hatte. „Ich packe dich unter den Schultern und ziehe dich zum Ausgang."
Dadurch das sein Freund mit helfen konnte verlief der Rückweg leichter als erwartet für Adam. Nur einige Male musste Adam kurz warten, weil die Schmerzen bei seinem Freund durch die Erschütterungen zu stark wurden. Dann endlich konnte Adam wieder etwas erkennen und Stimmen hören. Er wusste nun sie nährten sich dem Ausgang. Er beugte sich über Frederic. „Wir haben es geschafft Frederic. Noch einmal auf die Zähne beißen und dann haben wir es geschafft." Mit den Füßen berührte er dann endlich die Wand.
„Er ist wieder zurück….und so wie es aussieht ist er nicht alleine."
„Frederic bitte halte noch einmal durch. Ich schiebe dich jetzt über mich hinweg und dann wirst du nach draußen gezogen."
Sein Freund nickte wieder mit dem Kopf. Adam drehte sich auf den Rücken. „Zieht ihn raus aber seid vorsichtig sein Arm ist gebrochen."
Mit letzter Kraft und Frederics Hilfe schob er seinen Freund über seinen Körper hinweg und dann wurde er nach draußen gezogen. Adam wartete noch kurz und robbte noch ein Stück zurück drehte sich wieder um und ließ sich an den Füßen aus den Hohlraum ziehen.
Völlig erschöpft und erledigt lag er dann eine ganze Zeitlang auf dem Boden und schaute in den Himmel. Der Regen fiel in sein Gesicht. Dann drehte er seinen Kopf und sah seinen Freund an einen Baum gelehnt sitzen und Wasser trinken. Adam richtete sich auf und setzte sich zu Frederic. Einer der Männer reichte ihm etwas zu trinken. Adam trank ein Schluck und blickte zu ihm hoch. „Wurden noch mehr gefunden?"
Der Mann nickte. „Mit den Mann hier oben haben wir wie es aussieht sieben Tote. Die anderen wurden lebend gefunden. Zurzeit werden unten die letzten Toten geborgen und da sie zum Glück nicht sehr tief verschüttet waren wird es sehr schnell gehen. Kommen Sie hier klar, dann würden Dan und ich den Toten runter bringen."
Adam nickte und zeigte mit dem Kopf in Richtung des Schuttberges vor ihnen. „Wie lange war ich dort unten?"
„Fast zwei Stunden."
Adam lehnte den Kopf an den Baum und schloss die Augen. „Es tut mir leid Adam."
Frederic sprach immer noch sehr leise. Und musste immer wieder Husten. Adam zog ein Bein an, lehnte seinen Ellenbogen auf sein Knie und fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht. „Frederic sieh dich um…das hätte nicht passieren müssen."
Jetzt lehnte Frederic seinen Kopf auch an den Baum. „Ich kann dir jetzt nicht sagen, warum ich mal wieder nicht auf dich gehört habe. Warum ich dachte du hättest das gleiche Problem wie beim Bau der Brücke."
Frederic bekam einen erneuten Hustenanfall und Adam reichte ihm seine Flasche damit er etwas trinken konnte. „Warum denkst du immer ich bin gegen alles Neuem? Ich wehre mich nicht gegen den Fortschritt aber ich wehre mich gegen Leute die meinen mit Geld kann man sich alles erkaufen und besitzen und das hier Frederic….." Er zeigte auf die zerstörte Baustelle. „….ist sowas von unnötig gewesen. Es gibt viele Plätze in Boston an den der Gouverneur hätte bauen können aber hiermit wollte er nur seine Macht demonstrieren. Erhaben wollte er über Boston schauen. Mit einem riesigen Arbeitszimmer und den Blick auf das Meer und alles nur um seine Gäste zu beeindrucken. Ich habe es deinen Vater gesagt, dass das eines Tages passieren könnte aber ich gebe zu ich habe selber nicht so schnell damit gerechnet."
Adam hörte wie sein Freund tief durchatmete. „Ich habe schon wieder alles falsch gemacht und dabei hatte ich mir so fest vorgenommen auf eignen Beinen zu stehen."
Mit dem Blick zu den Wolken ging Adam seinen Gedanken nach. Erst nach einiger Zeit sprach er weiter. „Ich kann dir nicht sagen wie du dein Leben führen sollst. Ich kann dir nur raten aus dem hier zu lernen. So wie ich das ganze Einschätze werden wieder viele Gelder fließen, um Leute zum Schweigen zu bringen und in einigen Tagen wird das Leben normal weiterlaufen...Frederic du solltest dich endlich entscheiden, ob du den Spuren deines Vaters folgen willst und es dir nur um Erfolg und dein Status in der Bostoner Gesellschaft gehen soll oder ob du deinen eignen Weg gehen willst auch wenn das heißt, du wirst nie in so einem großen Haus mit so viel Dienstpersonal wohnen. Aber auf jeden Fall wirst du mit dem was heute hier passiert ist den Rest deines Lebens klarkommen müssen. "
Auch Frederic ließ sich eine ganze Weile Zeit bis er antwortete.
„Adam….ich habe meinen Arm gesehen. Ich kann froh sein, wenn ich ihn irgendwann wieder benutzen kann und ich bin mir sicher auch du weißt, dass wir unser Studium nicht mehr gemeinsam beenden werden. Ich habe mal wieder keine Ahnung wie es weitergehen soll."
Adam drehte seinen Kopf zu seinem Freund. „Ich kann dir nur den Rat geben nach dem ich lebe. Kehre nicht vor einem Hindernis um. Finde einen Weg um an ihn vorbei zu kommen. Wenn du weiter in dem Beruf arbeiten willst, wirst du es auch schaffen. Kümmere dich jetzt erst einmal um deinen Arm und dann siehe wie es weitergehen soll."
Frederic blickte Adam an. „Ich wünschte ich könnte immer so kontrolliert und mit der Ruhe wie du sie hast durch das Leben gehen."
Nachdenklich schaute Adam wieder in den Himmel. „Und du glaube mir, dass ich mir wünsche ich könnte einige meiner Entscheidungen so unbedarft wie du es machst fällen."
Jeder ging seinen Gedanken nach und mit der Zeit merkte Adam wie die Kälte immer mehr Besitz von seinem Körper ergriff. Mit schweren Knochen erhob er sich. „Ich gehen runter und sage deinen Vater bescheid, dass es dir gut geht dann schicke ich dir Männer nach oben die dich dann runter tragen."
Adam stand noch nicht richtig da kam von Frederic ein energisch nein. „Ich werde runter laufen. Ich habe einen kaputten Arm und keine kaputten Beine."
„Du musst hier nicht den Helden spielen."
Frederic hielt Adam seinen linken Arm hin damit dieser ihn aufhelfen konnte. „Ich fühle mich nach diesem Tag sicher nicht wie ein Held."
Adam zog seinen Freund auf die Beine und hielt ihn kurz fest bis dieser richtig stand. Man konnte es ihn ansehen, wie sehr sein Arm schmerzen musste. Sehr langsam und mit Bedacht machten sie sich beide auf den Weg nach unten. Adam hatte noch seine Jacke aufgehoben die in der Nähe des Baumes lag. Er zog sie sich über aber dadurch, dass sie die ganze Zeit auf dem Boden gelegen hatte, war sie ebenfalls nass und kalt und spendete ihn keine Wärme. Adam wollte nur noch nach Hause und ein warmes Bad nehmen und die nächsten drei Tage im Bett verbringen.
Von weiten sah Mr. Francois wie Adam und sein Sohn den Hang herunterkamen. Eine Welle der Erleichterung durchströmte ihn. Er lief den Beiden ein Stück entgegen und nahm dann seinen Sohn vorsichtig in den Arm als er sah das dieser verletzt war. „Frederic…ich…ich bin so erleichtert das du Lebst."
Frederic sah an seinen Vater vorbei zu den zugedeckten Leichen die am Rand des Hanges lagen. „Leider hatten nicht alle so viel Glück."
Mr. Francois ging auf die Bemerkung seines Sohnes nicht ein. „Adam ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich ihnen bin. Ich werde mich natürlich erkenntlich zeigen, dass sie Frederic gerettet haben."
Adam musste tief Luft holen. Die Müdigkeit und die Kälte machten ihn es schwer seine Beherrschung nicht zu verlieren. „Mr. Francois hätte Sie meine Worte ernst genommen, hätte das ganze vermieden werden können. Ich weiß nicht wie Sie heute Abend noch in den Spiegel sehen können."
Das Gesicht von Frederics Vater verhärtete sich augenblicklich. „Erzähle Sie keinen Blödsinn Adam. Dass Ganze ist ein tragischer Unfall und hat überhaupt nichts mit ihrer Schwarzmalerei zu tun und ich verbiete ihnen darüber laut zu reden."
Adam lachte auf. „Mr. Francois Sie haben mir gar nichts zu verbieten aber ich kann Sie beruhigen. Ich werde sicher nicht durch Boston laufen und erzählen was Sie für ein Narr sind. Sie werden irgendwann ihre gerechte Strafe für ihre Taten bekommen."
Frederics Vater holte tief Luft. „Verschwinden Sie von meiner Baustelle Cartwright."
Frederic sah von seinem Vater zu seinem Freund und wusste nicht was er tun sollte. „Das hatte ich sowieso gerade vor."
Mr. Francois legte seinem Sohn eine Hand auf die Schulter. „Frederic ich werde mit dir gleich zu Dr. Paulsen gehen. Du kannst dir nicht vorstellen wie froh ich bin, dass du am Leben bist." Er folgte den Blick seines Sohnes zu den Leichen am Boden. „Mach dir über die keine Gedanken. Es sind nur Arbeiter. Wir können sie durch Neue erstsetzten und ihren Familien geben wir etwas Geld damit sie die nächsten Wochen über die Runden kommen. Wir werden das Haus des Gouverneurs wieder neu aufbauen."
Als Adam diese Worte vernahm vergaß er alles was Amarok ihn je erzählt hatte. Er kontrollierte seine Emotionen nicht mehr. Er versuchte nicht den falschen Wolf in sich zu bekämpfen. Adam ließ seiner Wut freien Lauf. Als er Mr. Francois in das Gesicht schlug war er nur noch der Sohn von Ben Cartwright aus Nevada. Mit Genugtuung sah er auf Frederics Vater der in einer Schlammpfütze lag und sich das Gesicht hielt und jammerte. Dann drehte er sich um und machte sich auf den Weg nach Hause.
