36. Epilog


Harriet mochte vielleicht Hoffnung haben, aber nicht alle teilten ihren Optimismus. Sie hatte nicht einmal Zeit sich von Parvati zu verabschieden, bevor diese gemeinsam mit Padma von ihren Eltern persönlich am nächsten Morgen abgeholt wurde. Da ging ihr Traum auf einen vorgezogenen Schulabschluss hin, aber es waren so oder so alle Prüfungen verschoben worden. Der Unterricht wurde ebenfalls ausgesetzt. Und die Patils waren nicht die einzigen, die gingen. Zacharias Smith musste die Schule verlassen, genau wie einige der jüngeren Schüler, und Seamus lieferte sich ein Schreiduell mit seiner Mutter in der Eingangshalle, weil er nicht vor Dumbledores Beerdigung abreisen wollte.

Dumbledores Beerdigung. Es war beschlossen worden den Mann in Hogwarts zu beerdigen. Hexen und Zauberer aus der Gegend um Hogwarts sowie aus dem ganzen Land wollten ihm ihren Respekt erweisen. Auch ausländische Verbündete und Freunde kamen an, wie zum Beispiel Madame Maxime. Und natürlich war auch eine Delegation des Ministeriums anwesend, unter ihnen Rufus Scrimgeour und Percy Weasley.

Harriet wusste nicht, ob Percy wusste, was Bill zugestoßen war, Ron ignorierte Percys Anwesenheit, und die anderen hatten alle Hände voll damit zu tun Bill zu umsorgen. Der war inzwischen aufgewacht. Hässliche Narben waren ihm erhalten geblieben, und er schien einen Heißhunger auf rohes Fleisch entwickelt zu haben, doch ansonsten war er ganz der Alte. Nicht viel von Werwolf war in ihm zu erkennen. Harriet konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob Remus über diese Entwicklung erleichtert oder enttäuscht war. Als einziger Werwolf auf der Seite des Ordens musste er sich manchmal sehr einsam fühlen. Zumindest schien sich sein Undercover-Auftrag bei seinesgleichen erledigt zu haben, mit Greyback als offenen Todesesser und Dumbledores Tod wusste jeder, was ihm für Möglichkeiten offen standen. Remus schien sich nicht viel Hoffnung darauf zu machen, dass die Werwölfe sich gegen Voldemort entscheiden würden, aber im Moment war Harriet einfach nur froh darüber, dass er dort war, wo Greyback nicht war, ob sie das nun Verbündete kosten würde oder nicht.

Mit Percy hätte sie sich ja gerne unterhalten, aber das würde bedeuten, dass sie auch mit Scrimgeour sprechen müsste, und darauf war sie nicht sonderlich scharf. Früher oder später würde sie dem nicht mehr entkommen, aber ihr war später lieber als früher.

Am Tag der Beerdigung versammelten sich alle übrig gebliebenen Schüler zusammen mit den anderen Trauergästen vor dem See, wo Dumbledore aufgebahrt wurde. Unter den Gästen erkannte Harriet Kinglsey Shacklebolt, Mad Eye Moody, Arabella Figg, und Tonks für den Orden, sämtliche Weasleys mit Ausnahme des ewig abwesenden Charlies, Tom vom Tropfenden Kessel, Ernie Prang vom Fahrenden Ritter, Madame Malkin aus der Winkelgasse, und den Wirt des Eberkopfs. Ob er wirklich Dumbledores Bruder war? Dumbledore hatte nie über ihn gesprochen, aber andererseits hatte er nur sehr selten über sich selbst geredet.

Alle Schlossgeister waren anwesend und hatten sich bei den Lehrern und Schülern versammelt. Rita Kimmkorn hatte sich das Ereignis offensichtlich nicht entgehen lassen wollen, genauso wenig wie Cornelius Fudge. Und dann erkannte Harriet zu ihrem Entsetzen unter der Delegation des Ministeriums auch noch Dolores Umbridge. Wie immer wallte Zorn bei ihrem Anblick in ihr auf. Was will sie hier? Sie hat Dumbledore doch immer gehasst!, dachte sie wütend und bohrte mit ihrem Blick Löcher in das pinke Outfit der Hexe.

Diese sah nur flüchtig zu ihr und erstarrte dann aber ob den Anblick von Firenze und setzte sich einige Reihe von dem steif da stehenden Zentauren nieder. Ach ja, richtig, Dumbledore hatte sie ja von den Zentauren gerettet. Trotzdem, Harriet war sich ziemlich sicher, dass ihre Dankbarkeit nicht so weit ging, dass sie nicht heimlich froh darüber war, dass der alte Zauberer inzwischen tot war.

„Komm schon, Harry, gib ihr nicht die Befriedigung zu sehen, wie sehr sie dir immer noch zusetzt", meinte Sirius, der sie gemeinsam mit Remus auf sie, Hermine, Ron, und Ginny gewartet hatte, sie nahmen gemeinsam in derselben Reihe wie Neville und Luna Platz. Harriet wandte sich an die beiden. „Ich war euch dieses Jahr keine sehr gute Freundin", meinte sie, „Das tut mir leid. Ihr wart da, als alle anderen besseres zu tun hatten, ihr hättet mehr verdient gehabt."

„Ist schon in Ordnung, Harry", meinte Neville.

„Genau", fügte Luna hinzu, „Du warst in diesem Jahr für niemanden eine besonders gute Freundin, also nehmen wir dir das nicht übel."

„Da hast du recht", erklärte Harriet, und ihr Blick irrte hinüber zu Theo, der mit den anderen Slytherins ohne Draco und Snape zusammen saß und mit neutralem Gesichtsausdruck ins Nichts starrte. Sie seufzte. Bald würde sie noch eine schlechtere Freundin sein, für Luna und Neville, für Lavender, Ginny und Theo, aber auch für Ron und Hermine. Doch dieses Thema wollte sie erst anschneiden, wenn die Beerdigung vorüber war.

Begleitet von Grawp in Anzug bettete Hagrid Dumbledore zur letzten Ruhe, während das Meervolk aus dem See heraus einen Trauermarsch sang. Dann wurden die ersten Reden gehalten, und am Waldrand in der Ferne erschienen die anderen Zentauren der Umgebung, auch sie wollten Dumbledore ihre letzte Ehre erweisen.

Harriet hörte den Reden kaum zu. Zu seltsam war es zu sehen, dass hier eine Menge Leute versammelt war, die kaum etwas miteinander verband, und von denen es genug gab, für die Albus Dumbledore niemals wichtig gewesen war.

„Hey, ich glaube, das dort ist New Scamander!", raunte Neville, woraufhin Remus irgendetwas sagte, aber Harriet hörte auch das nicht.

Das hier, diese ganze riesige Beerdigung, kam ihr falsch vor. Wem hier hatte Dumbledore schon etwas bedeutet? Nun, Hagrid und einigen anderen vermutlich eine Menge, aber wer von ihnen hatte den Mann schon wirklich gekannt? Und warum sprach der Wirt des Eberkopfs eigentlich nicht, wenn er wirklich Dumbledores Bruder war? Feuereffekte, eine weiße Gruft, der Pfeilhage der Zentauren als letztes Salut… das alles erschien ihr schal und überflüssig und falsch. Im Grunde hatte Dumbledore mit jedem hier irgendwann einmal heftig gestritten, oder etwa nicht? Und jetzt taten alle so, als wäre alles gut, als würde sie alles irgendetwas mit dem Toten verbinden, etwas wie …

… nun zumindest respektiert hatten die meisten Anwesenden Dumbledore, nicht wahr? Sogar Umbridge hatte ihn respektiert, zwar als Feind, aber immerhin. Und trotz all ihrer Differenzen hatte Harriet ihn immer respektiert. Bedeutender aber war die Tatsache, dass mit seinem Tod eine Ära zu Ende ging, die Ära Dumbledore ging zu Ende, und mit seinem Tod war die Zaubererwelt mit einem Schlag viel weniger sicher als zuvor.

Die ersten Gäste begannen sich zurückzuziehen, und wie auch Kommando humpelte Scrimgeour auf Harriet zu. Na dann, wird es Zeit das hinter uns zu bringen, dachte sie, deutete den anderen zu warten, und ging auf den Mann zu.

„Nun, Miss Potter", sagte Scrimgeour, „Hier sind wir beide also wieder. Ich denke, ich dränge nicht zu sehr, wenn ich frage, ob du inzwischen eine Entscheidung getroffen hast." Er deutete in Richtung von Dumbledores Krypta. „Immerhin haben sich die Dinge geändert."

Harriet seufzte. „Ich nehme an, Sie wollen alles wissen, was Dumbledore mir anvertraut hat, was ich jetzt plane, ob ich mich endlich dem Ministerium anschließen werde", meinte sie.

Scrimgeour nickte nur. „Ich habe in den letzten Monaten getan, was ich konnte, um dir zu beweisen, dass ich auf deiner Seite stehe, und jetzt, wo Dumbledore weg ist, bin ich derjenige, der am besten dazu geeignet ist dich zu beschützen", behauptete er.

Harriet war in den letzten Monaten so sehr mit Slughorn, Dumbledore, Snape, und Draco beschäftigt gewesen, dass sie keine Zeit dafür gehabt hatte das Ministerium im Auge zu behalten, aber zumindest hatte es keine ungerechtfertigten Verhaftungen seit Weihnachten mehr gegeben. Gerechtfertigte hatte es auch erst nach dem Angriff auf Hogwarts wieder gegeben, aber immerhin. Sie blickte nachdenklich zu ihren Freunden hinüber und ließ dann ihren Blick über McGonagall und Slughorn schweifen und über Theo und die davon gehenden Slytherins.

„Also gut", meinte sie, „Es gibt genug Leute, die der Meinung sind, dass diejenigen, die anderen vertrauen, am Ende nur verlieren können, aber Dumbeldore ist weg, und das ist ein eindeutiger Sieg für Voldemort. Aber das hier wird so laufen, wie ich es sage. Ich werde nicht für das Ministerium lügen. Wenn wir zusammenarbeiten, dann arbeiten wir wirklich zusammen, aber nach meinen Bedingungen."

Scrimgeour musterte sie. „Du bist ein erstaunlich harter Verhandlungspartner", erkannte er an.

„Ja, das bin ich. Aber Sie sind es auch, weswegen ich mich frage, ob Sie darauf eingehen werden", meinte Harriet. Scrimgeour deutete ihr fortzufahren

„Dumbledore war immer der Meinung, dass es am besten läuft, wenn Informationen spärlich geteilt werden. Es gibt Dinge, die nur ich weiß, und das ist gut so. Und diese Dinge werde ich weder Ihnen noch irgendjemand anderen anvertrauen", sagte sie, „Der Orden und das Ministerium werden kooperieren, ich will Percy Weasley als Verbindungsmann und so wenig wie möglich von Dolores Umbridge sehen. Bis zu meinem Geburtstag kehre ich zu meiner Muggel-Familie zurück. Danach können wir unsere Zusammenarbeit beginnen. Ich unterstehe aber nicht Ihrer Autorität, verstanden? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich unterstehe auch nicht dem Orden, sondern nur mir selbst."

Scrimgeour nickte. „Ich verstehe", meinte er, „Dieses Szenario ist nicht gerade das, was ich mir gewünscht habe, aber es ist besser als nichts. Ich bin einverstanden."

„Gut." Harriet streckte ihm die Hand entgegen. „Auf gute Zusammenarbeit", meinte der Minister und schüttelte ihre Hand, bevor er davon humpelte. Sie sah ihm einen Moment lang hinterher und ging dann zurück zu den anderen.

„Was war das?", wollte Sirius wissen.

„Ich habe ausgemacht, dass der Orden in Zukunft mit dem Ministerium arbeiten wird", erklärte Harriet.

„Ach? Leitest du seit Neuesten den Orden?", wunderte sich Remus, „Offiziell bist du noch nicht einmal Mitglied…"

Harriet verdrehte nur die Augen. „Oh, bitte, wir wissen alle, dass das nicht stimmt. Ich bin die Auserwählte, schon vergessen? Nach Dumbledores Tod bin ich praktisch der Orden", erklärte sie, was die Erwachsenen dazu veranlasste besorgte Blicke zu wechseln.

Harriet schlenderte mit Ron und Hermine zurück in Richtung Schule. Ginny, Neville, und Luna waren zurückgefallen, und Sirius und Remus waren verschwunden, wohl um die anderen über die neuesten Entwicklungen zu informieren.

„Ich habe den Minister angelogen, wisst ihr? Und Sirius und Remus auch", sagte sie, „Ich verstehe langsam, wie Snape sich gefühlt haben muss. Es ist gar nicht so einfach jedem das zu erzählen, was er hören will."

Hermine und Ron sahen sie fragend an. „Ich komme nächstes Jahr nicht nach Hogwarts zurück", erklärte das Mädchen, das überlebt hatte, „Bis zu meiner Volljährigkeit bleibe ich bei den Dursleys, weil Dumbledore das so gewollt hätte, aber dann muss ich los und nach den restlichen Horcruxen suchen. Sirius wird uns helfen das zu finden, was Regulus hatte, aber er darf nicht wissen, dass er mehrere gibt, sonst würde er darauf bestehen mit mir zu kommen. Nachdem wir herausgefunden haben, ob Regulus das Horcrux zerstören konnte, setze ich mich ab und mache alleine weiter."

Hermine und Ron wechselten einen vielsagenden Blick. „Alleine mit uns beiden, meinst du", sagte Ron.

„Nein, ich-", begann Harriet.

„Wenn du denkst, wir würden dich alleine auf die Suche gehen lassen, dann hast du dich geschnitten", erklärte Hermine kategorisch, „Wir kommen mit dir, egal, wohin du gehst."

Ron nickte zustimmend. „Das haben wir schon lange beschlossen. Nicht nur du hast dir Gedanken über die Zukunft gemacht, weißt du", sagte er.

Harriet wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Protest würde vermutlich nichts bringen. Aber immerhin hatte Dumbledore ihr gestattet Hermine und Ron einzuweihen, also wollte er vermutlich, dass sie Hilfe hatte. Und immerhin waren sie von Anfang an zu dritt gewesen, seit dem Troll im Mädchenklo.

„Von mir aus", sagte sie also. Wir werden ja sehen, fügte sie im Stillen hinzu. Soweit die beiden mit ihr gehen konnten, würden sie mit ihr gehen, wenn es an der Zeit war alleine weiterzumachen, würde sie auch das tun.

„Aber erst nach Bills und Fleurs Hochzeit", fügte Ron hinzu, „Die ist im Sommer, und wir würden sie doch nicht verpassen wollen, oder etwa doch?"

Harriet dachte an Bills zerstörtes Gesicht und Fleurs tapfere Worte und die stillen Zweifel, die das andere Mädchen nur ihr anvertraut hatte.

„Ja", meinte sie, „Zuerst die Hochzeit und dann die Horcruxe." Und dann, nachdem sie das letzte Horcrux vernichtet hätten, dann Voldemort, ob sie wollte oder nicht. Aber diesem Problem würde sie sich stellen, wenn die Zeit dafür gekommen war.


Fin.


A/N: Vorweg: Ja, ich werde einen siebten Teil schreiben, ich weiß aber noch nicht wann.

Im Gegensatz zu der Annahme mancher Leser kenne ich die HP-Romane nicht von vorne bis hinten auswendig und muss immer mit ihnen arbeiten, wenn ich das hier schreibe. Und nicht nur mit den aktuellen Kapitel oder auch nur den aktuellen Roman, ich muss die alten Teile wiederlesen, das kommende Buch lesen, Dinge, die in späteren Bänden passieren werden (im Canon und in meiner Fic) vorbereiten, überlegen, was ich ändern kann, ohne dass sich alles ändert etc. Sprich: Diese Reihe ist verdammt viel Arbeit. Und Teil 7 wird vermutlich endgültig ziemlich anders werden als die Vorlage.

Prinzipiell war dieser Teil hier ein Kampf. Wie gesagt mag ich die Vorlage nicht besonders, musste sie aber trotzdem ziemlich genau einarbeiten, da HBP obwohl nur ein Filler leider sehr wichtig für alles ist, was im letzten Teil passiert, und obwohl ich mich kurz halten wollte, ist mir das nicht gelungen, und dann ist dieses Jahr (wieder einmal) auch noch gegen mich, besonders jetzt gegen Ende war ich nicht mal sicher, wann und ob ich dazu kommen das hier fertig zu schreiben. Aber jetzt ist es geschafft und das ist die Hauptsache.

Bin ich zufrieden damit? Das kann ich im Moment nicht sagen, ich glaube aber, ich habe zumindest das hinüber gebracht, was ich hinüber bringen wollte.

Ich danke meiner Handvoll Leser und besonders demjenigen, der mir das einzige Review hinterlassen hat.

Abschließende Reviews sind erwünscht.