Hier ist es: Kapitel 37! Und es ist ganz allein gewidmet meiner lieben Freundin Annukka, die vorgestern Geburtstag hatte. Tämä on sinulle! Hyvää syntymäpäivää!!! (Das war Finnisch )
Vielleicht wundert ihr Euch, warum es Kapitel 37 gibt und nicht wie angekündigt Kapitel 36 b in Krieg und Wahrheit. Nun... ich habe heute gelesen, dass ja HP7 am 21.7.07 herauskommt. Vorher wollte ich gerne meine Geschichte fertig haben, bevpr J.K. Rowliing beweist, dass es alles ganz anders war, als ich es mir zusammengesponnen hatte ;)
Krieg und Wahrheit wird in Kürze gefüttert, wenn es meine Zeit zulässt, da ich im Moment in meiner Masterthesis stecke. Krieg und Betrug hat Priorität!
Kapitel 37
Als Harry den Gemeinschaftsraum der Gryffindor in den frühen Morgenstunden betrat, war er überrascht, dass das Feuer im Kamin noch immer brannte. Normalerweise löschte einer der Hauselfen das Kaminfeuer, sobald alle Bewohner des Gryffindorturms zu Bett gegangen waren. Seufzend strich er sich durch seine vom Schlaf völlig zerzausten Haare.
Das alles konnte nur bedeuten, dass noch jemand wach war. Und Harry hatte eine leise Ahnung, wer es sein könnte. Er trat näher an den Ohrensessel vor dem Kamin heran und sah eine große Hand herunterhängen, die ein Whiskeyglas umklammert hielt. Neben dem Sessel lagen zwei umgekippte Glasflaschen, die auch erklärten, warum Harry von einem lauten Klirren geweckt worden war. Ron schien Harry nicht zu registrieren.
Leise räusperte sich Harry Potter, damit Ron sich ein wenig sammeln konnte, aber Ron reagierte nicht einmal. Langsam und mit einer Sorgenfalte auf der Stirn umrundete Harry den Ohrensessel und griff nach Rons Schulter.
Mit Erleichterung sah er, wie Ron müde nickte.
„Hallo, Harry." lallte Ron mit schwerer Zunge.
„Ron." nickte der Schwarzhaarige und versuchte so zu tun, als sei alles völlig normal. Er schob sich einen weiteren Sessel in die Nähe und ließ sich ebenfalls hineinfallen. Aus der Tasche seines gestreiften Pyjamas holte er ein kleines Tuch und versuchte seine völlig verdreckte Brille zu reinigen, die er vorhin im Dunkeln tastend gesucht und dann einfach aufgesetzt hatte, ohne sich um die Fingerabdrücke und den Dreck zu kümmern, die ihm die Sicht einschränkten. Als er sie wieder aufsetzte und in das Kaminfeuer blickte, keuchte er überrascht auf.
„Ron! Das ist die Karte der Herumtreiber! Sie verbrennt!"
Ron nickte, dann schüttelte er den Kopf.
„Tud sie nich… Ich vasuchs schon seid Schdunden… aba das Ding will einfach nich brennen, das Mistding! Seid Schdunden!"
Harry sprang aus dem Sessel und zog mit dem Schürhaken die Karte, die er als Erbe seines Vaters betrachtete, aus dem Feuer. Ärgerlich schüttelte er ein paar Glutbrocken ab, aber Ron hatte Recht. Sie brannte nicht.
„Warum, bei Merlin, versuchst Du unsere Karte abzufackeln?"
Ron griff nach der Feuerwhiskeyflasche und wollte sich etwas einschenken, aber die Flasche war bereits leer.
„Hassu noch was su trinken, Harry?" Ron blickte die leere Flasche bekümmert an.
„Selbst wenn ich das hätte, würdest Du von mir nichts mehr kriegen, Du hattest eindeutig genug!"
„Das sagt Dobby auch scho die gannse Seit! Blöder Hauself!"
Harry schwor sich, sich beim Frühstück bei Dobby zu bedanken.
„Was ist eigentlich los, Ron?" versuchte Harrys es auf die einfühlsame Art.
Ron schwieg eine Weile, aber Harry sah, wie Ron sich an der Stirn kratzte, wie er es immer tat, wenn ihm etwas unangenehm war.
„Ich hab sie gesehen, Harry."
„Wen gesehen?"
„Hermine… und das Frettchen…"
„Malfoy? Du hast Malfoy gesehen? Wann?" Harry versuchte gar nicht darauf zu reagieren, dass Ron von Malfoy und! Hermine sprach.
„Heute… im Hof…" Rons Stimme war voller Verbitterung und Harry wagte es nicht ihn zu unterbechen. „Er hat sie geküsst. Meine Hermine!"
‚Oh, Hermine.' dachte Harry im Stillen. ‚In was bist Du da bloß hineingeraten."
„Un weissu was, Harry?"
Harry schüttelte stumm den Kopf.
„Sie hat ihn auch geküsst."
Harry seufzte. Ihn wunderte nicht mehr, warum Ron sich nach Leibeskräften betrank. Er wusste, dass sein Freund versuchte, den Schmerz zu betäuben. Doch Harry wusste ebenso aus eigener Erfahrung, dass es nichts half. Es wurde nur noch schlimmer.
„Ron, hör zu…"
Doch Ron unterbrach ihn mit wildem Kopfschütteln.
„Ich habs auch erst nicht geglaubt, Harry. Aber es ist keine Einbildung! Schau auf die Karte! Schau auf die verdammte Karte!"
Rons Zorn hatte den Alkohol aus seinem Gehirn scheinbar vertrieben. Ein wenig unschlüssig faltete Harry die Karte auseinander. Er war sich nicht sicher, ob er sehen wollte, was Ron scheinbar die ganze Nacht angestiert hatte. Die leicht vom Feuer angeschwärzte Karte breitete sich auf seinem Schoß aus. Suchend glitten seine Augen über die Räume. Er konnte nichts entdecken.
„Ganz oben rechts. Der Astronomieturm." Rons Stimme klang so verbittert, dass es Harry einen schmerzhaften Stich versetzte. Und dann sah er es.
Zwei kleine Punkte, so nah beieinander, dass es auch ein Punkt hätte sein können, befanden sich in einem kleinen Raum hoch oben im Astronomieturm. Zwei Schriftzüge tänzelten um die schwarzen Kleckse: Hermine Granger und Draco Malfoy. Eine Weile starrte Harry darauf, aber die Position der Punkte veränderte sich nicht. Es wirkte fast, als würden sie miteinander verschmelzen. Bei diesem Gedanken klappte Harry die Karte übereilt zu.
„Ich konnts auch nicht glauben." sagte Ron fast schon emotionslos.
Harry wusste nicht, was er sagen sollte. Sollte er nun Ron beichten, dass er von dieser unglückseligen Liebe schon gewusst hatte? Harry war sich sicher, dass es Liebe war. Zumindest von Hermines Seite aus.
Er hatte diesen Blick in ihren Augen erkannt und ihre Verzweiflung darin gesehen. Malfoys Gefühle standen dagegen auf einem völlig anderen Blatt. Dass Malfoy Hermine tatsächlich lieben sollte, erschien Harry völlig absurd. Doch was sonst sollte den Todesser dazu bringen, sein Leben zu riskieren und hier in Hogwarts aufzutauchen. Und da war immer noch Dumbledores seltsamer Glaube an Draco. Harry vermisste seinen alten Mentor noch immer schmerzlich. An manchen Tagen trug Harry Potter die Verantwortung mit Leichtigkeit.
Aber an Tagen wie diesen lastete sie schwer auf seinen Schultern.
Wie oft hatte wohl Dumbledore abgewogen, welcher der beiden möglichen Wege das kleinere Übel war. Wie oft hatte er geschwiegen, gesprochen oder gelogen, um anderen zu helfen? Hatte sich der große Dumbledore dabei genauso schlecht gefühlt, wie Harry es jetzt tat, als er beschloss Ron nicht zu sagen, was er die ganze Zeit schon gewusst hatte?
Es fühlte sich an, als würde er Ron hintergehen. Doch andererseits… Würde Ron es verkraften, wenn er sich nicht nur von seiner Verlobten verlassen, sondern auch gleichzeitig von seinem besten Freund verraten fühlte? Harry schüttelte seufzend den Kopf und fuhr sich durchs Haar.
„Was wirst Du nun tun, Ron?" fragte Harry vorsichtig.
„Was ich tun werde?" Ron lachte bitter auf. „Gar nichts werde ich tun, Harry. Warten werde ich. Einfach warten. Das ist meine einzige Chance…"
„Vielleicht solltest Du versuchen, Dich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Hermine…"
Ron unterbrach Harry und schaute ihn zum ersten Mal mit blutunterlaufenen Augen an.
„Hör auf damit, Harry. Du hast kein Recht, so etwas zu sagen. Gerade Du nicht…"
Harry rückte irritiert seine Brille zurecht. „Was meinst Du damit?"
„Du wartest doch auch noch, Harry. Nach all den Jahren wartest Du doch immer noch auf sie. Dabei kann sie nicht wiederkommen. Ginny kann niemals zurückkommen. Und trotzdem wartest Du auf sie…"
Harrys Kiefermuskeln spannten sich, wie immer wenn Ginnys Name fiel. Nach all den Jahren… Ron hatte Recht. Harry drehte den Kopf zur Seite.
„Vielleicht solltest Du schlafen gehen."
Der große rothaarige Mann erhob sich schwerfällig. Nichts war von seiner stolzen Körperhaltung geblieben. Er schwankte leicht vom Alkohol und seine Rücken war krumm und die Schultern hingen schlaff hinunter. Mit gesenktem Kopf schlurfte Harrys ältester Freund in Richtung Tür zu den Schlafräumen. Auf halbem Weg blieb er stehen.
„Und was wirst Du tun, Harry?"
Harry seufzte. Eigentlich wollte er es für sich behalten, aber sein Gewissen ließ es nicht zu, Ron noch mehr zu belügen.
„Ich werde mit ihm reden." sagte er schlicht. Ron schnaubte zynisch.
„Ja, Harry, geh und rede mit Malfoy. Reden kannst Du gut, das hast Du von dem alten Mann gelernt. Der hat auch immer geredet. Und was hat es ihm gebracht? Ermordet wurde er."
Harry erwiderte nichts. Er wusste, dass der verletzte Stolz aus Ron sprach.
„Früher, Harry. Früher hast Du gehandelt. Egal obs richtig war oder nicht. Da hast Du einfach getan, was Du tun wolltest. Aber wir sind älter geworden, Harry. Jeder von uns hat seinen Platz gefunden. Ich habs heute nacht begriffen. Weißt Du, wo mein Platz ist, Harry? Ronald Weasley, der ewige Zweite. Das ist mein Platz."
„Ron…" begann Harry sanft, aber Ron hob nur abwehrend die Hand und stolperte aus dem Raum.
Mit einem unguten Gefühl verließ Harry den Gemeinschaftsraum der Gryffindor, nachdem er sich seinen Umhang übergeschmissen hatte.
Wenn er Draco Malfoy noch erwischen wollte, dann hatte er keine Zeit für unnötige Eitelkeit. Die Karte der Herumtreiber zur Sicherheit in seiner Hand, erklomm er eilig die Stufen zum Astronomieturm. Die Erinnerung an das letzte Zusammentreffen mit Draco Malfoy auf eben diesem Turm verdüsterte seine Stimmung. Albus Dumbledore war damals gestorben. Aber dieser hatte daran geglaubt, dass in Draco Malfoy mehr steckte als der ruchlose Todesser. Und wenn es nicht nur für Hermine war, dann war es auch für Professor Dumbledore. Er würde Malfoy diese Chance geben.
Zögerlich faltete er noch einmal die Karte auseinander, auf der er sich vergewisserte, dass er vor der richtigen Tür stand. Einen kurzen Moment überlegte er zu klopfen, aber dann beschloss er einfach leise einzutreten, damit Malfoy nicht fliehen würde.
Vorsichtig drückte Harry die alte Klinke, die einen Gargoyle aus Bronze darstellte, hinunter und die Tür glitt zu seiner Erleichterung ohne Quietschen auf. Es dauerte eine Weile, bis Harry sich im Dämmerlicht orientieren konnte, aber was er dann entdeckte, ließ ihn den Atem stocken.
Auf dem Boden vor dem Kamin lagen Hermine und Malfoy, nur von einer Decke vor Harrys Blicken geschützt. Hermine hatte ihren Kopf auf Dracos nackte Brust gelegt und ihre Locken verteilten sich wie ein Wasserfall über dessen Oberkörper. Ein friedliches Lächeln lag auf ihren Lippen, während sie schlief.
Malfoys Arm war um Hermines Schultern geschlungen und zog sie eng an seine Brust. Sein Gesicht lag dem Feuer zugewandt. Es war so ein friedliches Bild, die dieses ungleiche Paar, der Todesser und die Aurorin, abgaben, dass Harry sich noch einmal überlegte, ob es tatsächlich nötig war, nun auch Hermine aus ihrem Glück zu reißen. Doch dann merkte er, wie Malfoys Daumen immer wieder zärtlich über Hermines bloßes Schulterblatt glitt. Malfoy war also wach. Harry räusperte sich leise.
Draco fuhr mit dem Kopf sofort herum und hatte mit seiner freien Hand in Sekundenschnelle seinen Zauberstab umfasst, den er mit zusammengekniffenen Augen auf Harry richtete. Doch Harry hob nur seine leeren Hände, um zu zeigen, dass er Malfoy nicht angreifen wollte. Mit dem Kopf nickte er zur Tür und zur Balustrade des Astronomieturms, dann blickte er den Todesser abwartend an. Er beobachtete erstaunt, wie Draco unendlich sanft Hermine leicht anhob und neben ihn bettete, um sie nicht zu wecken. Malfoy erhob sich wie eine Raubkatze.
In diesem Moment fiel Harry auf, dass Malfoy ohne Kleidung splitterfasernackt vor ihm stand, und mit verschränkten Armen und hochgezogenen Augenbrauen Harry zynisch anblickte, der inzwischen irritiert auf Dracos bloße Männlichkeit starrte. Die Röte schoss Harry ins Gesicht und er sah das spöttische Glitzern in Malfoys Augen, als er sich hektisch abwandte und den Raum verließ um draußen auf Malfoy zu warten.
Es dauerte keine Minute und Malfoy erschien, zu Harrys Erleichterung voll bekleidet, auf dem umlaufenden Balkon des Astronomieturms. Er stellte sich neben Harry und blickte genau wie dieser schweigend in den grauen Morgendunst.
„Potter." grüßte er nach eine Weile.
„Malfoy." erwiderte Harry mit einem kurzen Nicken.
Harry runzelte die Stirn und überlegte, was er von Malfoy eigentlich genau wissen wollte. Es bestand Klärungsbedarf, ohne Zweifel. Doch wie er die Situation auch besah, er würde immer einem seiner besten Freunde Schmerz zufügen. Schickte er Malfoy zum Teufel, würde er Hermines Herz brechen. Akzeptierte er jedoch diese seltsame Liaison, ließ er Ron ins offene Messer laufen. Der junge Auror nahm seine Brille ab und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger über seine Augen. Vielleicht war es sinnvoll mit Fragen zu beginnen, die nichts mit Hermine zu tun hatten.
„Ich sehe, Du hast Deine Sprache wiedergefunden."
Malfoy wandte sich Harry zu und lehnte sich mit verschränkten Armen lässig an das steinerne Geländer.
„Ein Zustand über den Du Dir Sorgen machst, Potter?" Draco zog die Augenbraue in die Höhe. „Keine Sorge, ich werde so einfach antworten, dass selbst Du mir noch folgen kannst."
Harry spürte den Zorn in sich aufwallen. Aber er wusste nur zu genau, dass Draco ihn provozierte. Scheinbar wollte er testen, wie weit Harrys Bereitschaft ging, ihm tatsächlich auf friedvoller Weise zu begegnen. In ihren Kindertagen waren sie stets mit offener Wut aufeinander losgegangen. Harry zwang sich, nicht in diese Verhaltensmuster automatisch zurückzufallen. Er bemerkte Dracos belustigten Blick.
„Du hast Dich verändert, Potter."
„Du Dich kein Stück." platzte es aus Harry heraus.
Zu Harrys großem Erstaunen sah er Malfoy erst unverschämt grinsen, dann wurde er schlagartig ernst.
„Du hast ja keine Ahnung, Potter."
Sie waren also beim Thema angelangt. Harry betrachtete Malfoy nachdenklich.
„Auf welcher Seite stehst Du, Draco?" Es war die wichtigste Frage.
„Auf welcher Seite? Auf meiner, Potter."
„Und welche Seite ist Deine Seite?" Harry wurde ungeduldig. Spielchen hatten ihm noch nie gelegen.
„Das versuche ich gerade herauszufinden."
Harry blickte zu Malfoy, der sich inzwischen wieder abgewandt hatte und sich mit den Händen auf der Balustrade abstütze. Die helle Haut und das weißblonde Haar hoben sich gespenstisch im Dämmerlicht von der schwarzen Kleidung ab.
„Irgendwann musst Du Dich entscheiden. Du kannst nicht ewig auf zwei Seiten spielen."
„So? Muss ich das? Du denkst zu sehr in Schwarz- und Weiß- Mustern, Potter."
„Wie lange wirst Du diesen Balanceakt schaffen? Das Ministerium verfolgt Dich und wenn sie ‚es' herausfinden, werden auch die Todesser hinter Dir her sein. Du wirst sie nicht alle täuschen können."
„Ich bin ein Slytherin, schon vergessen?"
Harry schnaubte leise. Ein Slytherin, in der Tat. Intrigen und Verrat. Das beherrschte ein Slytherin.
„Aber Hermine ist keine Slytherin."
Dracos Kopf schoss herum und sandte Harry erst einen erzürnten Blick, doch Harry sah, wie Draco überlegte und er verstand, was Harry damit hatte sagen wollen. Sein Blick wurde trüb und müde. Und diese Verzweiflung in Malfoys Blick sagte Harry alles, was er wissen musste. So unglaublich es war, Malfoy liebte Hermine. Harry hatte Mitleid mit Draco, aber er hütete sich, etwas davon zu sagen. Draco Malfoys Stolz zu verletzen würde diesen wichtigen Punkt in ihrem Gespräch zum Negativen beeinflussen.
„Wie soll es mit Hermine weitergehen?" fragte Harry deshalb vorsichtig. „Sie liebt Dich."
Draco betrachtete Harry eingehend.
„Ich weiß." Malfoy presste seinen Handballen gegen seine Stirn. „Es war ein Fehler, wieder hierherzukommen."
Und so leid es Harry auch für Malfoy und Hermine tat. Er konnte Malfoy nur zustimmen. Was immer nun geschehen würde, ihre Schicksale waren nun unwiderruflich aneinandergekettet.
„Ich muss sie verlassen. Zu ihrem eigenen Schutz."
„Wie willst Du das anstellen, Malfoy? Wir reden hier von Hermine und nicht von irgendeinem beliebigen Mädchen, das ihren Liebeskummer schnell vergisst. Wenn ich auch nicht verstehe, warum bei Merlin sie ausgerechnet Dir ihr Herz geschenkt hat. Sie wird nicht darauf hören, wenn Du ihr sagst, dass Du sie verlässt, damit sie in Sicherheit ist. Das funktioniert bei ihr nicht. Für diese Möglichkeit ist es zu spät."
Draco hatte sich inzwischen vom Geländer gelöst und ging unruhig hin und her.
„Wenn sie es herausfinden, Potter. Dann ist das ihr Todesurteil. Ich hätte sie niemals damit reinziehen dürfen."
„Das kannst Du nun nicht mehr ändern."
Mit einem wilden Blick der vor Entschlossenheit strotzte fixierte Malfoy Harrys Augen.
„Doch das werde ich. Sie wird mich aus ihrem Leben verbannen…sie… sie wird mich hassen." Dracos Stimme war leise geworden.
Harry kniff die Augen zusammen. Was hatte Malfoy vor? Kannte er Hermine so schlecht, dass er glaubte, ihre Gefühle für ihn einfach so ausradieren zu können?
„Mach Hermine und Dich nicht unglücklich." warnte Harry. Draco wich seinem mahnenden Blick aus.
„Unglück habe ich ihr schon gebracht. Jetzt kann ich es nur noch begrenzen."
„Was hast Du vor?"
Harry beobachtete wie Draco in der Innentasche seines Umhangs herumwühlte. Dann zog er eine Kette heraus an der eine winzige silberne Taschenlampe hing. Es war Hermines. Harry erkannte sie sofort. Seit sie sie von ihren Eltern geschenkt bekommen hatte, hatte Hermine das Schmuckstück nicht mehr abgelegt. Und nun lag es in Malfoys Hand und machte Harry erst klar, wie tief die Gefühle zwischen seiner besten Freundin und seinem Feind seit Kindertagen gehen mussten. Mit den Fingerspitzen strich Draco sanft darüber. Es lag eine Zartheit in seiner Geste, dass Harry sich wunderte, wie Hermine es geschafft hatte, diesen Todesser charakterlich so zu verändern. Einen winzigen Moment überlegte er, ob die Liebe zwischen Hermine und Malfoy vielleicht Schicksal war, ob sie zu den Dingen gehörte, von denen Dumbledore gewusst hatte, aber die er nicht in seinem Denkarium hinterlegt hatte. Aber dann verwarf er den Gedanken wieder, als er an das mitleidserregende Bild dachte, das Ron vor wenigen Stunden ihm präsentiert hatte. Ron gehörte zu Hermine. Harry hoffte, dass es nicht nur sein eigenes Wünschen war, das ihm diese Sicherheit vermittelte.
Plötzlich streckte Draco ihm die Kette samt Anhänger entgegen.
„Gib ihr das zurück, Potter. Und sag ihr… sag ihr…" Er schluckte schwer, dann wurde seine Stimme entschlossen. „Sag ihr, dass ich gesagt habe, dass ich letzte Nacht hatte, was ich wollte. Sag ihr, dass ich keinen lächerlichen Muggelschund benötige. Ein weiteres Kreuz auf meiner Liste würde als Erinnerung vollkommen genügen."
Harry starrte sprachlos auf Draco Malfoy. „Das kann nicht Dein Ernst sein. Das werde ich ihr nicht sagen! Sie wird daran zerbrechen!"
„Das wird sie nicht! Sie ist stark! Sie wird mich als den schlimmsten Fehler ihres Lebens abtun und direkt zurücklaufen in die Arme dieses rothaarigen Primaten, den du deinen besten Freund nennst. Er wird sie trösten und sie werden mich gemeinsam hassen. Oder soll ich besser mich mit einem Liebesbrief von ihr verabschieden. Meinst Du das überzeugt Sie, mich zu vergessen?"
Harry seufzte und murmelte: „Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohn Ende."
„Bitte?"
„Nichts. Nur ein Muggel-Sprichwort. Ist ja alles gut und schön, Malfoy. Aber Dein Plan hat einen Haken."
„Und welchen?"
„Ron hat Euch gesehen. Gestern Abend."
Draco schnaubte. „Er wäre ein Idiot, wenn er sie nicht zurücknimmt. Aber warte, richtig, wir reden ja von Weasley. Er ist ein Idiot!"
Harry schluckte seinen bissigen Kommentar herunter. Selbst wenn er Malfoy nicht mochte, er wusste, was dieser gerade opferte, um Hermine ein halbwegs sicheres und glücklicheres Leben zu ermöglichen. Er konnte ihm die zynische Fassade, die er um sich wieder errichtete, nicht verübeln.
„Und da ist noch etwas." unterbrach Harry Malfoy. „Ich werde Hermine nicht anlügen."
„Ja, das sieht Dir ähnlich, Potter. Nicht einmal, wenn Du weißt, dass es besser für sie wäre, könntest Du lügen. Aber das sollst Du auch gar nicht. Es ist nicht gelogen, wenn Du ihr das sagst. Schließlich gibst Du ihr ja nur die Worte wieder, die ich gesagt habe."
„Aber Du lügst."
„Tue ich das, Potter?"
Harry blickte in die Augen des blonden Mannes. Sie waren kalt und emotionslos. Nichts erinnerte mehr an die Gefühle, die sie vor wenigen Augenblicken noch durchströmt hatten. Verdammter Slytherin!
„Also gut, Malfoy." Harry nahm die kleine Taschenlampe entgegen, die er ihm immer noch entgegenhielt. „Ich hoffe, Du weißt, was Du tust."
Für einen winzigen Augenblick flackerte Dracos eisernen Blick, aber er fing sich sofort wieder.
„Und das Wiesel lass meine Sorge sein."
Diesmal war es Harry, der seine Augenbraue nach oben zog. Wie wollte ausgerechnet Malfoy, Ron milde stimmen? Aber Harry war hoffnungsvoll. Ron liebte Hermine. Selbst wenn er zutiefst verletzt war, würde er sie nicht im Stich lassen. Vielleicht hatte Malfoy Recht. Vielleicht war dies der richtige Weg.
Der Himmel begann sich am Horizont leicht rosa zu färben. Draco, der Harrys Blick gefolgt war, griff noch einmal in seine Manteltasche und zog einen dicken Umschlag heraus.
„Hör zu, Pottter. Ich habe nicht mehr viel Zeit, ich muss zurück nach Malfoy Manor." Er drückte Harry den Brief in die Hand.
„Was ist das?" Harry starrte auf den Umschlag auf dem kein Name stand.
„Das, Potter, ist eine Liste aller Namen, die ich in der kurzen Zeit finden konnte, die im Ministerium arbeiten … und für meinen Vater."
„Was?" Harry war zutiefst schockiert. Es waren Verräter in ihren eigenen Reihen? Ministeriale, die mit den Todessern zusammenarbeiteten?
„Außerdem habe ich magische Kopien von Schriftstücken beigefügt, die die Korrespondenz mit meinem Vater belegen. Das sollte reichen, um ein Verfahren gegen diese Leute einzuleiten."
„Warum gibst Du mir das?" Harry öffnete mit fahrigen Fingern den Umschlag.
„Ganz einfach, Potter. Ich will nicht, dass Hermine in Gefahr gerät, durch irgendeinen Verräter, den ihr für vertrauenswürdig haltet. Wenn wir schon auf unterschiedlichen Seiten kämpfen, dann zumindest unter den gleichen Voraussetzungen. In dem Stapel sind Dokumente dabei, die auch beweisen, von wem Lupin und Tonks angegriffen wurden. Es waren keine Todesser."
Harry entfaltete das erste Blatt und schnappte sprachlos nach Luft.
„Malfoy… Das hier ist die Unterschrift des Ministers!"
Doch Draco antwortete nicht mehr. Er warf Potter einen belustigten Blick zu, dann wandte er sich um, und sah noch einmal lange bekümmert auf die Tür, hinter der Hermine nach wie vor schlief.
„Pass gut auf sie auf, Potter."
Damit verwandelte sich Draco zurück in den Wolf und rannte auf leisen Pfoten die Stufen des Astronomieturms hinunter. Eine Weile starrte Harry dem weißen Wolf noch hinterher. Diese Begegnung mit Malfoy war geradezu unfassbar gewesen.
„Ich wünsche Dir alles Gute, Draco." sagte Harry leise, dann blickte er wieder auf die Dokumente in seinen Händen und schüttelte den Kopf entsetzt. Wenn sich dies als Wahrheit herausstellen sollte, würde das Ministerium und die Zauebrergesellschaft bald ihr blaues Wunder erleben. Sorgsam steckte er die Dokumente in seinen Umhang und wollte gerade gehen, als er Geräusche aus dem Raum hörte. Harry schloss die Augen. Er hatte gehofft, Hermine noch etwas länger ihren zufriedenen Schlaf gönnen zu können, sie hatte es so nötig gehabt.
„Draco?" hörte er ihre Stimme leise fragend. Entschlossen griff er nach der Türklinke und trat in den Raum. Das glückliche Lächeln, das auf Hermines Gesicht lag, verwandelte sich schlagartig in Erschrecken, als sie Harry erkannte. Mit einem entsetzten Schrei zog sie die Decke um ihre nackte Brust. Einen langen Moment starrte sie Harry bang an, dann fasste sie sich ein Herz.
„Wo ist er, Harry?" flüsterte sie.
Harry brach es fast das Herz, als er zu ihr ging, sich vor sie hin kniete und ihre Hand nahm, um die Kette mit der Taschenlampe hineinzulegen. Er blickte in Hermines angstgeweitete, dunkelbraunen Augen und einen Moment lang, wusste er nicht, ob er es wirklich konnte. Aber es war besser für sie. Es war Dracos Idee gewesen, beruhigte er sein Gewissen und sagte ihr Wort für Wort, was Malfoy ihm aufgetragen hatte. Er sah in ihrem Blick, wie sich erst Unglauben und Entsetzen in ihre Seele einnisteten und dann wurde ihr Blick leer, von Tränen verschleiert.
„Sag, dass das nicht wahr ist, Harry! Sag, dass das nicht wahr ist!" schluchzte Hermine leise. Dann ballte sie ihre Hände zu Fäusten, die eine umschloss die kleine Taschenlampe fest. Mit einem flehendlichen Aufschrei begann sie, gegen Harrys Brust zu trommeln.
„Sag, dass du mich anlügst!"
Harry ließ Hermines Anfall über sich ergehen. Er empfand ihre trommelnden Fäuste als gerechte aber viel zu milde Strafe dafür, was er seiner besten Freundin antat.
Nachdem Hermines Wut abgeklungen war und sie nur noch leise schluchzend in seinen Armen lag, küsste Harry sie sanft auf die Stirn.
„Es tut mir so leid, Hermine."
Hermine zuckte verkrampft an seiner Schulter, als sich ihr Körper über ihren seelischen Schmerz erneut in einen Weinkrampf entlud. Harry schloss die Augen. Er fühlte sich, als hätte er persönlich seinen beiden besten Freunden das alles angetan.
‚Ich hoffe, Malfoy, dass es die richtige Entscheidung von Dir war.' dachte er bekümmert.
Ich hoffe, ihr erdolcht mich nicht, weil ich Hermine und Draco kein längeres Glück gegönnt habe.
Aber die Zukunft wird zeigen was sie bringt!
Fortsetzung folgt
