Nach einer gefühlten Stunde kam L endlich aus dem Bad und ich traute meinen Augen kaum.

Würde ich ihn so auf der Straße treffen, würde ich ihn im Leben nicht erkennen. Nichts ähnelte mehr an den exzentrischen Detektiven von heute Morgen. Vor mir stand gerade eine bildschöne Frau mit blonden Haaren, blauen Augen und einem hypnotisierenden Äußerem.

„L?", fragte ich und konnte mich nicht von dem Anblick lösen, der sich mir bot.

„Was? Tut mir leid, die Kontaktlinsen wollten nicht…", entschuldigte er sich und lächelte mir entgegen.

„Ich kann es nicht oft genug sagen: Wow…"

„Hör auf… das ist mir ja schon unangenehm Beyond…", antwortete L und ich erkannte einen Hauch von Rosa auf seinen Wangen.

Ich lief einige Schritte auf ihn zu, ging mit einem Bein auf die Knie und streckte ihm eine Hand entgegen.

„Dürfte ich dich heute schick ausführen?", fragte ich mit einer honigsüßen Stimme und legte ein unwiderstehliches Lächeln auf die Lippen.

Innerlich musste ich grinsen, denn ich sah, wie L noch mehr errötete und sichtlich mit der Situation überfordert war. Er legte seine Hand in meine und drückte sie liebevoll, allerdings brachte er kein Wort über seine Lippen. Ich stand auf, umarmte ihn und gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss, den er erwiderte, danach löste ich mich von L, ließ seine Hand aber nicht los.

„Ich nehme das als ein "Ja, sehr gerne" auf", witzelte ich und drückte ihm ebenfalls seine Hand.

„Tut mir Leid Beyond, der Anblick eben hat mich irgendwie überrumpelt…", flüsterte L und ging Richtung Haustür.

„Du siehst mit dem Outfit auch echt heiß aus… oh, vergiss die Perücke nicht!"

„Stimmt, danke."

Ich beugte mich über den Tisch, griff nach meiner braunen Perücke, packte mit einigen sicheren Griffen meine Haare darunter und eilte wieder zurück zu L.

„Hey, dich würde ich aber auch nicht von der Bettkante stoßen", neckte er mich, zwinkerte mir zu und streckte seine Hand nach mir aus. Ich packte sie, schnappte mir noch die Kreditkarte von der kleinen Kommode, ging an L vorbei und öffnete die Tür.

„Wenn du mich herunterstoßen würdest, hätte ich dich geschnappt und mit auf den Boden gezogen, Schatz. Ladies First!", sagte ich und symbolisierte ihm, mit einer einladenden Handbewegung, durch die Türe zu treten.

„Noch sind wir nicht soweit, dass ich dich über die Türschwelle trage", stichelte ich noch und konnte ein Lachen nicht verkneifen.

„Was soll denn das jetzt heißen? Ich habe ja nicht darum gebeten… und außerdem… du bist der Mann, du musst dir etwas einfallen lassen, Schatz. Ich möchte einen besonderen und ausgefallenen Heiratsantrag. Ich werde mich mit dem Standard nicht zufrieden geben", konterte L und schritt an mir vorbei ins Freie.

„Hohe Ansprüche… sieh an."

Ich trat ebenfalls ins Freie, schloss die Türe hinter mir ab und atmete tief die frische Luft ein. Danach schnappte ich mir erneut die Hand von L und wir liefen die Straße entlang.

Während wir beide einfach nur den Moment genossen, zusammen draußen zu spazieren und auszugehen, machte ich mir auch einige Gedanken.

Ob er das Ganze vorhin wirklich ernst gemeint hatte? Erwartete er wirklich einen Heiratsantrag von mir oder hat er einfach nur meinen Witz gekontert? Ich konnte L in dieser Hinsicht einfach noch nicht genau einschätzen. Vorstellen konnte ich mir das nicht, dass er der Typ für eine Hochzeit war…

Und außerdem sollten wir eh noch einige Jahre warten…

Wir hatten zurzeit genügend um die Ohren, die Sache mit M, der Flucht aus dem Krankenhaus, meine Morde… aktuell war es schlicht und einfach gar nicht möglich an eine Hochzeit zu denken.

„Alles in Ordnung Beyond? Du starrst die ganze Zeit in den Himmel und sagst nichts. Wenn dir nicht wohl bei der Sache ist können wir gerne wieder zurückgehen", unterbrach L meine Gedanken, lächelte mir zu und musterte mich aus seinen blauen Augen.

„Nein ist schon okay, habe nur über Blödsinn nachgedacht. Mach dir keine Sorgen. Ich werde dich heute schick ausführen und wir werden einen schönen Abend haben!", beruhigte ich L und hauchte ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange.

„Schau mal Mama, die Zwei sind ja total süß zueinander", sagte ein junges Mädchen und zupfte am Rock ihrer Mutter.

„Ja, mein Schatz. Das ist normal, wenn sich zwei Menschen lieb haben", erklärte die Mutter, streichelte ihrer Tochter über den Kopf und schenkte uns beim Vorbeilaufen ein freundliches Lächeln.

Als sie einige Meter Abstand zu uns hatten, beugte ich mich zu L und flüsterte:

„Mich würde ja interessieren, ob die gleiche Reaktion passiert wäre, auch ohne unsere Verkleidung."

„Mh, dies werden wir wohl nie herausfinden, aber trotzdem hat sie Recht."

Ich nickte stumm, zog mich wieder zurück und schaute die Straße hinunter.

Nach einigen Minuten kamen wir endlich an einer kleinen Fußgängerzone an, die voll war mit kleinen Läden, Cafés und Restaurants.

„Worauf hast du Lust?", fragte ich und sah zu L.

„Gute Frage, ich hatte schon ewig kein Eis mehr…"

„Dein Wunsch ist mein Befehl."

Ich verbeugte mich wie ein Butler und hielt nach einem geeigneten Eiscafé Ausschau.

Nach weiteren wenigen Minuten, hatte ich ein kleines Café entdeckt, welches ziemlich idyllisch am Ende einer kleinen Gasse, zwischen einigen großen Trauerweiden, versteckt war.

Ich ging zu einem kleinen Tisch in der Ecke, neben einen Springbrunnen, zog einen der zwei Stühle zurück, um meiner bezaubernden Begleitung den Platz anzubieten.

„Gute Wahl, danke", sagte L, setzte sich auf den Stuhl und legte seine Hände auf die Oberschenkel. Ich ging zu meinem Stuhl, machte mich ebenfalls darauf bequem und musterte dann L. Er verlagerte abwechselnd sein Gewicht von einem aufs andere Bein.

„Unbequem? Du solltest mit dem Kleid besser die Beine übereinander legen", kicherte ich und sah genau, wie L kämpfen musste, sich nicht in die Hocke auf den kleinen Stuhl zu setzen.

„Das schaffst du schon.", versuchte ich ihn aufzumuntern und schnappte mir seine Hand.

Er legte ein Bein übers andere, zupfte sich das Kleid zurecht und sah mir in die Augen.

„Keine Sorge, es ist alles gut."

Ich hob seine Hand zu meinem Mund, hauchte ihm erneut einen liebevollen Kuss zu und sah ihm tief in seine Augen.

„Oh, verdammt Beyond!", sagte L etwas zu laut und ich schreckte kurz zusammen.

Was war denn nun schon wieder passiert?!

„Was ist?!"

„Deine Augen…"

„Was ist mit mein…", und noch bevor ich die Frage beendet hatte, schoss mir die Antwort durch den Kopf.

„Du hast deine Kontaktlinsen vergessen…"