Legende:

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»Gerede«

/Gedanken/

:Parsel:

((AdA: Meine Kommentare))

°°Gedankenübertragung°°

Tiersprache

Neujahr

In einer halben Stunde würde das kleine Feuerwerk stattfinden, die Familie Riddle, Angelus und die anderen Dorfbewohnern würden mit Sektgläsern auf das neue Jahr anstoßen und Tom würde achtzehn Jahre alt werden. Wenn der Todesengel ehrlich war, dann war er etwas nervös. Wie würde Tom auf sein Geburtstagsgeschenk reagieren? Würde er es mögen? Sicher, er konnte es auch wieder entfernen lassen, aber um ehrlich zu sein, gefiel es ihm selbst sehr gut.

»Was ist los mit dir?«, fragte Tom verwirrt. »Du zappelst schon seit einer Stunde herum und langsam nervt es.« Der Halbvampir legte dem Blonden eine Hand auf dessen zuckendes Bein und übte sanften Druck aus.

»Es ist alles in Ordnung«, seufzte Angelus und zwang sich zur Ruhe. Was konnte denn auch schon schlimmes passieren? Okay, am Besten, er dachte darüber nicht genauer nach.

»Wollt ihr langsam nicht auch raus kommen?«, fragte Thomas, der seinen Kopf ins Zimmer schob und sie erwartungsvoll ansah.

»Sind denn viele Dorfbewohner da?«, erkundigte sich Tom, während er aufstand und das Buch, das er gerade gelesen hatte, ins Regal zurück stellte. Angelus erhob sich ebenfalls von dem Sofa und folgte seinem Geliebten aus dem Zimmer.

»Ja. Es fehlen nur ein paar«, antwortete Thomas. »Aber das ist okay. Es ist ja auch kein Muss, hierher zu kommen, es ist eher Tradition. Und jetzt, nach dem Krieg, ist es eine noch größere Freude, das Feuerwerk zu betrachten.«

Nach ein paar Minuten traten sie aus der Haustür. Tom und Angelus besahen sich, leicht neugierig, die Menschenmasse, die sich auf dem Grundstück der Riddles befand. Es waren überall Bänke und Tische aufgestellt worden, wo man auch Essen und Trinken oder einfach nur gemütlich herum sitzen und mit Bekannten reden konnte.

»Es wundert mich immer noch, dass sie nicht lieber nur mit der Familie zusammen sitzen und im engen Kreis auf das neue Jahr anstoßen«, murmelte der Todesengel, worauf Thomas leicht lächelte.

»In ein paar Jahren, vielleicht auch schon im nächsten, werden es weitaus weniger sein. Aber jetzt, nach dem Krieg, ist es doch angenehmer, wenn man nicht nur bei der Familie, sondern auch bei den Freunden ist.«

»Da hat er Recht«, lachte Toms Großvater, der wie aus dem Nichts neben seinem Sohn stand und ihm auf die Schulter klopfte. »Aber glaub mir, mein Sohn, nächstes Jahr werden es wenigstens dreiviertel Bewohner des Dorfes sein. Es ist immer wieder ein Genuss, das Feuerwerk zu sehen.«

»Wo wird es eigentlich ausgeführt?«

»Etwas weiter entfernt vom Dorfrand, Angelus. Es haben sich ein paar Männer dazu bereit erklärt, die Feuerwerkskörper in den Himmel zu schießen.«

»Es ist gleich soweit«, sagte Toms Großmutter aufgeregt, als sie mit Saphira, Jason und Cecilia zu ihnen kam. Sie sah nervös auf ihre Uhr, wobei sie sie etwas in das Licht der Außenbeleuchtung hielt. Sie drückte den Männern Sektgläser in die Hand und schlang einen Arm um die Hüfte ihres Mannes, während er einen Arm um ihre Schulter legte. Cecilia und Thomas taten es ihnen gleich.

Mittlerweile sahen alle anwesenden Dorfbewohner in die Ferne, wo man das Feuerwerk zu sehen bekam. Sie standen bei ihren Familien, die Erwachsenen und wenigen Jugendlichen hielten ebenfalls Sektgläser in den Händen, die Jüngeren waren – teilweise – mit ihren Orangensäften zu frieden.

»Immer noch so aufgeregt?«, flüsterte Tom seinem Freund ins Ohr, während er von hinten seine Arme um ihn legte.

»Noch mehr als vorher«, gab Angelus zu und lehnte sich leicht an die breite Brust. »Immerhin kommt sie gleich. Die große Stunde.« Er kicherte leise.

»Also... so besonders ist das nun auch wieder nicht«, fand Tom mit gerunzelter Stirn. Angel lächelte nur. Er hatte auch gar keine Zeit mehr, da das Feuerwerk mit einem lauten Zischen begann und kurz darauf der Knall folgte. Fasziniert starrten alle auf das Lichtspiel im Himmel. Einige drehten sich zu ihren Familienmitgliedern um und wünschten ihnen bereits ein frohes, neues Jahr, andere konnten sich nicht von den bunten, fröhlichen Farben abwenden und hielten sich nur gegenseitig im Arm.

Angelus drehte sich in der Umarmung um und sah in die roten Augen des Anderen, in denen sich das Feuerwerk spiegelte. Noch nie waren sie ihm so schön vorgekommen wie in diesem Moment. Mühsam riss er sich von diesen Seelenspiegeln los und zog Toms Gesicht zu seinem eigenen runter. Der Ältere löste seinen Blick von dem Feuerwerk und sah überrascht zu seinem Freund.

»Frohes neues Jahr, mein Schatz...«, murmelte Angelus gegen die Lippen Toms, während er ihm in die Augen sah. »Ich liebe dich.« Dann küsste er ihn mit so viel Gefühl, wie er aufbringen konnte. Auch ohne das Keuchen des Schwarzhaarigen hätte er gewusst, dass das wirklich viel war. Er spürte es ja selbst jedes Mal, wenn er Tom sah.

Als sie sich endlich lösten, krachte und zischte es immer noch hinter ihnen. Tom lächelte sanft. »Ich liebe dich auch, Angelus. Mehr, als du dir vorstellen kannst.« Fest zog er den Kleineren in seine Arme. Er versteckte sein Gesicht in den blonden Haaren und atmete tief den Geruch ein, der ihm entgegen strömte.

»Und Tom?«, murmelte Angelus an seiner Halsbeuge.

»Ja, Süßer?«

»Happy Birthday.«

»Wa... Woher weißt du das?«

»Dumbledore. Meine Zeit.«

»Achso...« Angelus löste sich etwas aus der Umarmung und griff in seine Jackentasche, ehe er seine Faust wieder hervor zog.

»Ich weiß, es ist kitschig und alles drum und dran, aber als ich sie im Schaufenster sah, musste ich sie einfach kaufen«, erklärte Angelus so leise, dass Tom ihn gerade noch verstehen konnte. Seine Wangen waren deutlich gerötet.

Der Jüngere löste seine Faust, weshalb Tom nun zwei Ringe ausmachen konnte, die in seiner Handfläche lag. Sie waren beide silbern, wobei einer einen flachen, grünen Stein und der andere einen ebenso flachen, aber roten, Stein enthielt. Sie waren in das Material eingearbeitet und ragten nicht heraus. Desweiteren waren sie so klein, dass Tom sie nur dank seiner scharfen Sehstärke sehen konnte.

Der Halbvampir nahm beide in seine Hand und hielt sie in seine Augenhöhe, um sie noch besser mustern zu können. Ihm fiel auf, dass in die Innenseite des Ringes mit dem grünen Stein die Wörter 'T & A – in amore inventi...' in kursiver Schrift eingraviert waren. Tom nahm nun den anderen Ring genauer unter die Lupe und konnte dort die Wörter '... in aeternum coniuncti – T & A' ausmachen.

»Ich bin zwar kein großes Genie in Latein – eigentlich allgemein in Sprachen nicht – und ich habe auch nur einige Wörter und etwas Grammatik von Orion gelernt, aber ich erinnere mich daran, dass 'in amore inventi' 'in Liebe gefunden' und 'in aeternum coniuncti' 'auf ewig verbunden' heißt.«

»S-Stimmt«, lächelte Angelus nervös und knetete beunruhigt seine Finger. Tom grinste und zog ihn in eine knochenbrechende Umarmung, bevor er ihn stürmisch küsste.

»Es ist toll«, strahlte er, als er den Kuss löste. »Welcher ist für mich, Süßer?«

»Der mit dem Smaragd«, lächelte der Todesengel sanft und nahm Tom den Ring mit dem roten Stein aus der Hand, um ihn auf seinen rechten Ringfinger zu stecken. Er passte perfekt und er wusste, dass er auch bei Tom passen würde. Die alte Lady, die ihm diese Ringe, nachdem sie die Schrift eingraviert hatte, verkauft hatte, hatte erwähnt, dass ein Zauber auf den Ringen wäre. Er würde sich der Fingergröße des Besitzers anpassen.

»Smaragd«, echote Tom verblüfft nach und besah sich den Stein genauer.

»Ja. Und das hier ist ein Stück eines Rubins.« Angelus zeigte auf seinen Ring.

»Die müssen ja sauteuer gewesen sein«, murmelte Tom, während er sich seinen Ring auf seinen Finger steckte. Es war ebenfalls sein rechter Ringfinger. Angel lächelte nur auf Toms Bemerkung hin.

»Ich bin froh, dass sie dir gefallen«, gestand er schließlich, während der letzte Feuerwerkskörper zischend in die Luft flog. Nachdem der Knall verklungen und kein Feuerwerk mehr das Dorf erhellte, wurde es um sie herum laut. Die Dorfbewohner wünschten sich gegenseitig alles Gute für das nächste Jahr und stießen darauf an. Auch die beiden Jungen drehten sich nun zu den Riddles um und stießen lächelnd auf das neue Jahr an.

»Willst du es ihm nicht zeigen?«, fragte Saphira neugierig, als Tom mit seinem Vater sprach und deshalb nicht so sehr auf seinen Freund achtete.

Angelus warf dem blonden Mädchen nur einen kurzen Blick zu, bevor er wieder zu Tom sah. »Nein. Erst, wenn wir wieder in unserem Zimmer sind.«

»Dann geh doch jetzt mit ihm hoch.«

»Aber die Feier...«, schüttelt Angel seinen Kopf, wurde aber von Saphira unterbrochen.

»... war viel interessanter, als ihr noch in eurem Zimmer gesessen und gelesen habt.«

»Mir doch egal«, nuschelte der Langhaarige, als ihm keine Ausrede mehr einfiel. Und das war es. Es würde ihm nichts ausmachen, Tom von hier weg zu locken, wäre da nicht diese verdammte Nervosität. Saphira seufzte und entfernte sich von ihm. Der Todesengel sah ihr ausdruckslos dabei zu, wie sie zu ihrem Halbbruder und ihrem Vater marschierte und dort Tom ansprach. Angelus vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

»Schlange«, murmelte er beleidigt und lugte durch seine gespreizten Finger. Sofort sah er in die roten Seelenspiegel seines Geliebten und zuckte etwas zurück.

»Merlin, Tom, musstest du mich so erschrecken?«, keuchte Angelus und legte seine Hand auf sein hämmerndes Herz. Leise lachend richtete sich Tom aus seiner leicht gebeugten Haltung auf und nahm Angelus Hand.

»Saphira sagte, dass du mir was zeigen willst. Und sie sagte, dass du das erst in unserem Zimmer machen willst«, erklärte er, während er Angelus in die Richtung der Villa zog.

»Doofe Kuh«, erklang es schmollend hinter ihm, weshalb Tom einen amüsierten Blick über seine Schulter warf.

»Beleidige sie nicht, Süßer. Sie ist immerhin meine Schwester.«

»Das sagst du nur, weil sie mich verpetzt hat«, moserte Angelus weiter.

»Stimmt«, gab Tom ungeniert zu und öffnete die Tür, die in ihr Zimmer führte. Daraufhin schmollte Angel mehr, doch das änderte sich, als er das Zuschlagen der Tür bemerkte. Sofort machte sich wieder diese verdammte Nervosität in ihm breit.

»Also?«, erkundigte sich der Halbvampir und sah seinen Freund neugierig an. »Was wolltest du mir zeigen.«

»Naja...«, gab der Blonde unsicher von sich und zog seine Jacke aus. »Am Anfang war ich dagegen, aber deine Schwester hat mich in diesen Laden gezerrt und als ich dann das Motiv sah, war ich sofort begeistert. Es musste nur etwas verändert werden. Ich weiß nicht, ob es dir gefällt und wenn nicht, dann kann ich es auch wieder entfernen lassen, wenn du willst.« Inzwischen hatte er sich auch seinen dicken Pullover und sein T-Shirt ausgezogen. Er drehte sich um und warf sich seine Haare über die Schultern. Er hörte, wie Tom überrascht aufkeuchte und erwartete schon eine Ablehnung. Allerdings kam dann etwas anderes.

»Wow, ist das geil«, murmelte Tom und trat näher, um sich das Tattoo, das etwas unter Angels Nacken war, genauer betrachten zu können. Leicht fuhr er mit seinen Fingern die zierlich aussehende Schlange nach, die sich um die Zahl sieben, welche mit kleinen, kaum erkennbaren Blumenranken dekoriert war, schlang. Dann wanderte seine Hand zu dem schwarzen, leicht eingeknickten Flügel um, der sich rechts von der Schlange und der Zahl befand. Man konnte deutlich die Federn erkennen, genau wie bei dem weißen Flügel, der sich auf der anderen Seite befand. Es sah so aus, als würden die beiden Flügel die Schlange einfangen wollen.

»Es... gefällt dir?«, vergewisserte sich Angelus vorsichtig und linste über seine Schultern, um Toms Gesicht sehen zu können. Der Schwarzhaarige nickte breit grinsend.

»Natürlich! Es ist wahnsinnig schön! Das sieht wirklich verdammt kunstvoll aus. Aber... ich versteh, was die Schlange und die Flügel für uns bedeuten, aber... was soll diese Sieben?«

»Das hat einen ganz simplen Grund«, lächelte Angelus unschuldig. Er war richtig erleichtert, dass das Tattoo Tom gefiel. »Sieben ist deine Lieblingszahl.« Verblüfft sah Tom auf.

»Woher weißt du das schon wieder?«

»Meine Zeit.«

»Dumbledore, schon klar«, seufzte Tom, richtete sich auf und schlang seine Arme um den nackten Oberkörper seines Freundes. »Jetzt versteh ich auch, warum du heute deine Haare offen gelassen hast.« Angelus grinste nur und ließ sich zu ihrem Bett bugsieren.

»Ziemlich unfair, dass du mir das mit deinem Tattoo verschwiegen hast. Und nicht zu vergessen, dass du mir auch verschwiegen hast, dass du meinen Geburtstag und meine Lieblingszahl kennst«, murmelte Tom und bedeckte Angelus' Oberkörper mit sanften Küssen.

»Mh... Und was willst du jetzt tun, Schatz?«

Tom grinste daraufhin nur dreckig.

--

Gähnend streckte sich Angelus und schälte sich anschließend aus dem gemütlichen, warmen Bett. Nackt tapste er durch das Zimmer und verschwand durch die Tür, die in das angrenzende Badezimmer führte. Er ließ Wasser in die Badewanne ein und, nachdem sie voll war, ließ er sich in das angenehm warme Nass gleiten. Lächelnd spielte er einige Zeit mit dem Wasser – was hieß, dass er die verschiedensten Gesichter und Figuren erschuf – bevor er sich zurück lehnte und seine Augen schloss.

Nach dieser einer heißen, leidenschaftlichen und wirklich langen Nacht war so ein heißes Bad genau das Richtige, um ihn wieder auf Vordermann zu bringen. Er wollte nicht zu müde wirken, wenn er nachher mit Tom runter ging, um zu essen. Vermutlich wäre es erst das Mittagessen. Aber vielleicht würden sie auch das verpassen, denn dass sie das Frühstück verschlafen hatten, daran zweifelte der Langhaarige nicht. Jedenfalls war Saphira in der letzten Zeit ziemlich frech geworden und er wollte sich ein Kommentar ihrerseits ersparen. Angelus seufzte, bevor er die Seife nahm und sich wusch.

»Tom, steh auf«, sagte der Todesengel laut, als er komplett bekleidet und mit der Kleidung des Halbvampirs im Arm vor dem Bett stand. Lächelnd sah er dabei zu, wie der Schwarzhaarige seine Nase rümpfte und sich dann auf die andere Seite drehte. Kopf schüttelnd beugte sich Angelus herab, drehte Toms Kopf so, dass sein eigener ihn erreichen konnte und verwickelte ihn in einen Kuss. Schon bald wurde dieser erwidert, weshalb er wieder von ihm abließ und sich aufrichtete.

»Warum weckst du mich?«, murmelte Tom schläfrig und gähnte.

»Es ist schon Mittag und ich hab Hunger. Außerdem will ich nachher noch zu deinem Onkel.«

»Warum?«

»Das Ministerium hat sicherlich schon heraus gefunden, dass ein Todesengel lebt. Und Morfin bekommt bestimmt den Tagespropheten«, erklärte Angelus und drückte dem halbschlafenden Slytherin dessen Kleidung in seine Arme, ehe er ihn ins Badezimmer schob.

»Wovon soll er die denn zahlen?«, gähnte der Schwarzhaarige.

»Woher soll ich das wissen? Kannst ihn ja später fragen.«

Tom, plötzlich wacher, blieb stocksteif stehen und machte es seinem Freund somit unmöglich, ihn weiter zu schieben. »Moment mal... Du widersprichst dir selbst. Zuerst hast du gesagt, dass er bestimmt den Tagespropheten bekommt und jetzt weißt du nicht, wovon er ihn bezahlen könnte? Das ist unlogisch.«

Angelus seufzte. Kaum zu glauben, dass der Typ schon logisch dachte, wenn er noch im Halbschlaf war. »Ein Versuch ist es wert, oder?«

Tom drehte sich mit einem ungläubigen Blick zu ihm um. »Du weckst mich, obwohl es nur ein Vielleicht-Ding ist?« Angelus lächelte lieb. »Unfassbar.« Der Halbvampir ging die letzte Schritte zur Badezimmertür und schlug diese dann hinter sich zu. Womit hatte er das verdient?

--

»Guten Morgen!«, flötete Saphira, als Tom und Angelus das Wohnzimmer betraten. »Gut geschlafen, Jungs? Angel, du siehst etwas geschafft aus.«

Der Todesengel sah sie genervt an, ehe er zu Tom blickte, welcher mehr amüsiert als sauer wirkte. »Sie ist doch erst vierzehn Jahre alt oder hab ich da was verpasst?«

»Nein«, murmelte Tom zurück. »Stimmt schon. Aber sie muss es ja nicht so gemeint haben.« Der Todesengel schnaubte ungläubig.

»Ihr habt wirklich lange geschlafen. In einer halben Stunde wird das Mittagessen aufgetragen. Was habt ihr gestern denn noch getrieben?« Ein übertrieben unschuldige Blick traf die beiden Jungen, was Tom dazu veranlasste, das gleiche wie sein Freund zu denken.

»Gelesen«, log Angelus und ließ sich neben dem blonden Mädchen auf das Sofa sinken. Tom tat es ihm gleich, allerdings setzte er sich auf das Sofa ihnen gegenüber. »Wo sind deine Eltern? Und Jason haben wir auch noch nicht gesehen. John und Mary sind uns vorher über den Weg gelaufen.«

»Warum willst du das wissen?«, erkundigte sich Saphira und schloss das Buch, welches sie gerade gelesen hatte.

»Nur so«, zuckte Angel seine Schultern.

»Du willst mich von eurer Nacht ablenken«, stellte Saphira allerdings keine Sekunde später fest. Der Langhaarige seufzte nur geschafft. Das Mädchen grinste ihn an und sah anschließend zu Tom. Plötzlich machte sich ein strahlender Ausdruck auf ihrem Gesicht breit.

»Alles Gute zum Geburtstag, Bruder!«, rief sie aus und sprang über den Tisch, der zwischen den beiden Sofas stand, auf ihren Bruder. Der Halbvampir fing das Mädchen auf, keuchte aber, als sich ihr Knie in seinen Bauch bohrte.

»Danke«, gab Tom von sich, nachdem er noch einmal tief Lust geholt hatte. »Und woher weißt du das?« Er sah über ihre Schulter zu dem Todesengel, welcher möglichst unschuldig an die Decke sah.

»Okay, blöde Frage«, gab der Schwarzhaarige seufzend zu.

»Ich hab auch was für dich! Warte kurz«, strahlte Saphira, sprang auf und flitzte aus dem Zimmer. Schon nach kurzer Zeit kam sie zurück und drückte Tom ihr Geschenk in die Hand, das in rosafarbenes Papier gewickelt war. Tom packte es aus und blinzelte verblüfft, als er erkannte, was für ein Buch sie ihm geschenkt hatte. Lächelnd sah er zu ihr auf.

»Danke, Saphira.«

»Bitte! Ich freue mich, dass es dir gefällt!« Sie sah auf die Uhr, die ihr gegenüber an der Wand hing, und drehte sich dann zur Tür um. »Kommt ihr? Es gibt gleich Essen.« Die Jungs nickten, standen auf und folgten ihr.

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Tom war nicht wirklich überrascht, als ihm auch die restlichen Riddles zum Geburtstag gratulierten. Von seinen Großeltern bekam er ziemlich viel Geld, von Jason ein eingerahmtes Bild der gesamten Familie, von Cecilia gar nichts – was ihn nicht einmal verwunderte oder gar verletzte – und von seinem Vater bekam er einen Brief in die Hand gedrückt.

»Was ist das?«, fragte der Slytherinerbe und drehte den Brief hin und her.

»Öffne es doch«, schmunzelte Thomas. Sein Sohn nickte und öffnete ihn. Er zog eine Karte aus dem Umschlag, die er aufklappte und dann wortlos anstarrte. Angelus, neugierig bis in die Haarspitzen, stellte sich auf seine Zehenspitzen und lugte ihm über die Schultern.

»Klasse!«, strahlte er, als er erkannte, um was es sich dabei handelte. »Jetzt bin ich nicht mehr der Einzige, der ein Tattoo hat!«

»Ich hab den Gutschein noch gar nicht eingelöst«, schnaubte Tom amüsiert, bevor er zu seinem Vater sah. »Danke. Ich wollte mir schon seit einem Jahr ein Tattoo machen, aber mir hat das benötigte Kleingeld gefehlt. Ich frag mich nur, wie du an den Gutschein gekommen bist. Ist der Laden nicht in der Winkelgasse?« Tom sah zu Angelus.

»Ich war es nicht, ehrlich! Ich wusste ja nicht einmal, dass Thomas von deinem Geburtstag weiß«, wehrte dieser ab.

»Saphira hat es uns erzählt«, lachte Thomas leicht. »Hedwig war so nett und hat einen Brief an den Ladenbesitzer gebracht. Nachdem er zugestimmt hatte, dass wir das per Brief erledigen, habe ich Hedwig mit Geld wieder zu ihm geschickt. Sie ist mit dem Gutschein zurück gekommen.«

»Ach so«, murmelte Tom.

»Aber jetzt lasst uns essen«, sagte John und deutete auf den gedeckten Tisch, an dem schon Cecilia saß. Die Anwesenden nickten und setzten sich, bevor sie mit dem Essen anfingen.

»Mir fällt gerade ein, dass ich Nagini und Talia schon lange nicht mehr gesehen habe«, murmelte Angelus und tat sich Salat auf seinen Teller.

»Die haben das Feuerwerk gestern vom Stall aus betrachtet«, antwortete Tom. »Vermutlich sind sie dort immer noch bei den Tieren. Talia sagte, dass sie sich mit Saphiras Pferd so gut versteht. Nagini wollte sie wahrscheinlich einfach nur nicht alleine lassen.«

Angelus nickte verstehend und sah nachdenklich zu Thomas, welcher gegenüber von ihm saß. »Thomas?«

»Ja?«, lächelte dieser.

»Kann ich nachher etwas von dem restlichen Essen mitnehmen?«

»Weshalb denn das?«, fragte Thomas verblüfft. Tom hatte einen ähnlichen Gesichtsausdruck.

»Wir gehen nachher zu Morfin und naja... Der Mann ist eh schon so mager und ich bezweifle, dass er überhaupt richtig kochen kann.« Beide, Thomas und Tom, seufzten. Doch schließlich nickte Thomas.

»Entweder du lässt mal wieder deinen Helferkomplex raushängen«, sagte Tom leise zu seinem Freund. »Oder du heckst schon wieder was aus. Was ist es?«

»Er ist dein Onkel, Tom«, antwortete Angelus ruhig.

Der Halbvampir sah ihn forschend an, bevor er den Kopf wieder seinem Essen zuwandte.

»Also Helferkomplex.«

--

»Frohes, neues Jahr, alter Mann!«, rief Angelus strahlend auf, als er die Tür aufstieß und in die Hütte trat. Sofort schlug ihm ein ekelhafter Geruch in die Nase, weshalb er sich an den Ahnentest erinnert fühlte.

»Uäh«, sprach Tom aus, was Angelus dachte. »Was ist das?!«

»Was macht ihr hier?«, erkundigte sich Morfin mit kühler Stimme. Die Jungen sahen zu ihm. Er stand am Herd, um seiner Hüfte war eine beige Schürze gebunden, in seiner rechten Hand hielt er einen Kochlöffel und in seiner linken ein Buch.

»Dich besuchen«, antwortete Tom in der gleichen Stimmlage.

»Was tust du da? Braust du einen Trank?«, fragte Angelus und hielt, genauso wie Tom, seine Nase zu.

»Nein«, antwortete Morfin knapp. Wenn seine Gäste es nicht besser wüssten, würden sie sagen, dass er leicht beleidigt war. »Ich koche.«

»Oh«, gab Angelus von sich.

»Du hattest Recht«, sagte Tom. »Der kann echt nicht kochen.«

»Schnauze!«, fauchte Morfin und sah wieder in das Buch. Vermutlich ein Kochbuch. Angelus stellte die Tüte, die er in der Hand hielt, auf den Tisch und stellte sich dann zu dem Vampir. Er lugte in den Topf, wobei er den missbilligenden Blick völlig ignorierte.

»Was soll das sein?«, erkundigte sich der Langhaarige. Die Pampe, man konnte es nicht anders nennen, die in dem Topf fröhlich vor sich hin blubberte, war dunkelbraun, fast schwarz.

»Pfannenkuchen.« Ungläubig sah Angelus in das schmale Gesicht des Anderen.

»Pfannenkuchen?«, stieß er geschockt aus. »Merlin, du bist ja ein noch hoffnungsloser Fall, als ich dachte. Zum einen, macht man Pfannenkuchen nicht im Topf und zum anderen sind Pfannenkuchen eindeutig heller. Was hast du gemacht? Und was ist das für ein Buch?«

Tom, welcher im Hintergrund stand und sich ein Lachen verkneifen musste, registrierte verblüfft die leichte, fast unmerkliche Röte, die sich um Morfins Nase bildete. Der Vampir gab dem Blonden das Buch.

»Kochen Sie wie die Muggel«, las Angelus den Buchtitel vor und sah dann auf die aufgeschlagene Seite. »Welcher Volltrottel hat denn das geschrieben?! 'Geben Sie nun den Schleim eines Flubberwurms hinzu, damit die Pfannenkuchen auch fest werden...' Ich trau mich gar nicht weiter zu lesen!«

»Hey!«, stieß Morfin aus, als sein Buch in Flammen aufging. Das einzige, das von dem Wälzer übrig blieb, war Asche.

»Wo hast du diesen Mist gekauft?«, fragte Angelus und schüttelte sich angeekelt. Er wollte gar nicht daran denken, dass Morfin schon mal etwas gegessen hatte, das mit diesen Zutaten gemacht wurde.

»In der Nokturngasse. Ich geh nur da einkaufen. Und das Buch war verdammt teuer!«

»Ich bezahle es dir, keine Sorge. Aber kauf dir nie wieder so einen Scheiß, wenn du nicht krepieren willst«, gab Angelus ruhig zurück, nahm den Topf und stiefelte mit diesem nach draußen.

»He«, rief Morfin ihm hinterher. »Was machst du da?« Die Frage wurde von selbst beantwortet, als Angelus mit dem nun leeren Topf wieder ins Zimmer trat. Er stellte ihn wieder auf den Herd, welchen er ausschaltete, und zeigte dann auf die Tüte, die er mitgebracht hatte.

»Da ist anständiges Essen drin.«

»Glaubst du ernsthaft, dass ich das annehme?«, schnarrte Morfin und verschränkte seine Arme vor seiner Brust.

»Mir egal, ist deine Entscheidung. Kannst es essen oder nicht. Hast du den heutigen Tagespropheten da, alter Mann?«

»Erstens«, begann Morfin und hielt einen Finger hoch, »hör auf mich 'alt' zu nennen, Knirps. Ich bin erst knackige dreiunddreißig Jahre alt. Selbst für Menschen ist das noch jung. Zweitens, ja, ich hab den Tagespropheten, und nein, ich gebe ihn dir nicht.«

»Oh, bitte«, bettelte Angelus und setzte seinen Welpenblick auf, dem, eigentlich, niemand widerstehen konnte. Nicht einmal, als er noch sein altes Aussehen gehabt hatte. Während er bei Morfin auf Granit stieß, was eine wirkliche Herausforderung war, setzte sich Tom auf das klapprige Sofa und lehnte sich zurück.

Leicht lächelnd sah er dem Gebettel seines Freundes zu. Dann blickte er sich in der Hütte um. Es hatte sich nichts geändert. Sein Blick auf den alten, kleinen Tisch, der neben dem Sofa stand. Er sah aus, als würde er jeden Moment den Geist aufgeben, allerdings interessierte das den Schwarzhaarigen herzlich wenig. Grinsend nahm er den Tagespropheten in seine Hand und sah kurz auf das Datum. Es war von heute. Er brauchte nicht lange suchen, denn gleich ein paar Sekunden später konnte er die Überschrift ausmachen, weshalb sie hier waren.

Todesengel unter uns!

Heute Morgen, am ersten Januar 1946, war das sechzig-jährliche Treffen der Zaubereiminister, Zaubereiministerinnen und den Meistern der Tränke, in dem heraus gefunden wird, ob momentan ein Todesengel existiert. Das Ergebnis ist erschreckend: Es lebt ein Todesengel unter uns!

Auroren suchen bereits nach der Kreatur. Die Ministerien aller Länder bitten die Bürger sofort Auskunft zu geben, wenn Ihnen etwas verdächtig erscheint! Denn wie allgemein bekannt ist...

Jetzt wurden nur noch die Todesengel in den Dreck gezogen, da sie ja so gefährlich wären und jeden niedermetzeln würden. Oder so ähnlich. Tom interessierte das Geschwafel kein Stück.

»Das Ministerium weiß Bescheid«, beendete Tom das Gezicke seines Onkels und das Gebettel seines Geliebten. Er faltete die Zeitung wieder zusammen und legte sie anschließend auf den kleinen Tisch.

»Echt?«, vergewisserte sich der Blonde.

»Echt«, nickte Tom.

»Das hättest du mich auch gleich fragen können«, schnaubte Morfin.

Angelus sah ihn bitterböse an. »Wenn du weißt, weshalb ich die Zeitung wollte, wieso hast du mir das dann nicht gesagt, alter Mann

»Weil du mich nicht gefragt hast, Knirps

Tom verdrehte seine Augen. »Hört auf zu streiten. Komm, Angelus, lass uns gehen.«

Der Blonde nickte und stolzierte, nach einem beleidigten Blick auf Morfin, aus der Hütte. Tom folgte ihm wortlos.