Kapitel 36: Ein gebrochenes Herz...
(Jessie)
Auf meine Bitte antwortete nur die kalte, leere Luft, die in der Hütte vorherrschte und ich blinzelte noch mehr Tränen weg, während ich auf Sam's ausdrucksloses Gesicht sah. Er sah so friedlich in seinem Schlaf aus, aber tief in meinem Herzen wusste ich, dass dieser Schlaf nie enden würde und über diese Tatsache wollte ich nicht länger nachdenken; Sie zerriss mich langsam im inneren. Ich lehnte mich vor, hob meine Hand um seine Wange zu reiben und Küsste ihn sanft auf seine Lippen, während mehr Tränen an meinem Fell herunterliefen und auf seinen Wangen fielen. Ich zog mich zurück und wischte meine Tränen von seinen Wangen, während ich ein paar tiefe Atemzüge einsog, um mein rasendes Herz zu beruhigen, was aber nur weitere Tränen zu Fall brachte. Ich drehte mich von dem Tisch weg auf dem Sam lag und ging auf die Tür zu, wobei ich bei jedem Schritt schmerzen verspürte. Ich hatte mich jedes mal geweigert etwas zu essen oder zu trinken, als mir jemand etwas angeboten hatte, daher war ich schwächer als ein müdes Kind. Ich lege meine Hand auf die Türklinke, schaute noch einmal zurück und sah zu, wie die wenigen Sonnenstrahlen auf eine Weise in den Raum vielen, sodass er eine ruhige Atmosphäre bekam. Meine Sicht fing an sich zu vernebeln, als sich mehr Tränen in ihnen bildeten, daher drehte ich mich um, zog die Tür auf und ging schnell hinaus.
Als ich draußen war schloss ich die Tür hinter mir, trat ein wenig zur Seite und lehnte mich schnell an die Wand, an der ich dann zu einer sitzenden Position herunterglitt. Ich winkelte meine Knie an, wickelte meinen Schwanz um meine Füße und legte meinen Kopf auf meine Arme, die ich über meine Knie verschränkt hatte. Ich fühlte mich absolut wertlos, leer und verlassen, während ich meine Tränen fallen ließ, wann immer sie es wollten, aber dieses mal stellte ich sicher, dass ich still blieb. Meine Schultern fühlten sich schwer an, während mein Herz sich noch schlimmer anfühlte. Mein Geist fühlte sich an, als ob ein Wirbelsturm hindurch fliegen würde und meine Augen waren von dem ganzen Weinen heiß und trocken. Durch das ganze Schluchzen tat das Atmen in der Kehle weh, aber Schmerzen und Schuldgefühle waren nicht das Einzige was mich störte. Sam hatte so oft sein Leben riskiert, nur damit ich vor den Gefahren in Sicherheit blieb, in die ich uns gebracht hatte. Aber jedes mal als er das tat, wurde er auf irgendeine Weise verletzt. Es ist fast so, als ob ich einfach nur ein Unglücksbringer für ihn bin... Ich bereite ihm mehr Probleme, als jede andere Person je durchmacht. Vielleicht werde ich nächstes mal ihn stattdessen beschützen... falls er ü-überhaupt aufwacht.
Ich ballte meine Hände fest zu Fäusten und ich fühlte wie Wut meinen Geist berührte, als ein Bild von Sam's Gesicht mir in den Sinn kam. Wenn du nur nicht jedes Mal das Bedürfnis hättest mich zu beschützen. Ich bin eine freie Füchsin, keine Sklavin die andauernd Schutz benötigt! Fast so schnell wie die Wut kam, wurde sie durch Reue ersetzt, dass ich es überhaupt in Erwägung gezogen habe, wütend auf Sam zu sein, wo er doch so viel für mich getan hatte. Wen versuche ich hier zu täuschen..? Ich l-liebe dich Sam... W-warum musstest du e-es sein, anstelle von mir? Ein schmerzlich bewusstes schlingern zog durch meinen Körper, beinahe wie ein Schock und dann wurde mir umso mehr bewusst, warum er es war und warum er es immer sein würde. Seine Liebe für mich war genauso stark wie meine Eigene für ihn und ich wusste, egal was auch immer ihm zustoßen würde, entweder hier in der wachen Welt, oder sogar in dem Jenseits, wo ich eines Tages zu ihm stoßen würde; Er würde mich immer lieben und gewillte sein, mich zu beschützen. Ich öffnete meine Augen, damit ich wieder etwas sehen konnte und fühlte wie die Tränen endlich aufhörten zu fließen, während ich ein noch so leicht blaues Glühen unter meinem Shirt sehen konnte. Ich packte mit einer Hand das Shirt, zog es von meiner Brust weg, schaute nach unten und sah, dass das Glühen sich in meinem orangenen Fell befand. Mit meiner anderen Hand griff ich danach und als ich den kleinen rundlichen Gegenstand aus meinem Fell hervor holte, sah ich, dass es der Seelenstein war, den Sam mir während der ersten Wochen, in der wir uns getroffen hatten, gegeben hatte.
Ich ließ den Stein von der Kette hängen, die ihn um meinen Hals hielt, lächelte sanft und stieß durch meine Lippen einen kleinen Seufzer aus.Ich behaupte eine freie Füchsin zu sein, aber hier bin ich, noch immer die Sklavin eines Menschen, der behauptet hatte, mich freigesetzt zu haben. Ich betrachtete die Halskette als meine Fessel, aber nicht in der Form von ungewolltem Dienst, vielmehr in der Form von Freundschaft.Mit diesem Stein werde ich immer ein Stück von Sam mit mir haben, egal was mit seinem Körper passiert; Denn ich werde immer wissen, das er Gefühle für mich hatte, bevor ich sie für ihn hatte. Selbst als ich in der Brunft war, war er so freundlich zu mir und hat mich nicht anders behandelt als zuvor. Ich brachte meine Hand unter den Seelenstein und blickte tief hinein, während die Erinnerungen zurück kamen, als Sam mich gekauft hatte. Ich hatte solche Angst, aber ich war umso mehr erleichtert. Wenn er mich nicht von Meister gekauft hätte, dann hätte er mich gezwungener Paarung ausgesetzt, was ihm 'mehr Geschäfte' mit anderen Sklavenhaltern eingebracht hätte.
Nachdem dieser Gedanke meinen Kopf verließ, erinnerte ich mich daran, wie er mir die Fesseln abgenommen hatte, wodurch das immense Gefühl der Individualität beinahe sofort wieder zurückgekehrt war. Dieser Moment war der schlimmste und zugleich der wundervollste von allen; Ein Sklave der freigesetzt wurde war ein Gottesgeschenk. Aber während das ein Gefallen war, so bedeutete es fast immer, das sich etwa schlechtes um die Ecke befand. Ich erinnere mich von einem anderen Keidran gehört zu haben, was ihr Meister getan hatte, nachdem er sie freigesetzt hat.
Nach dieser Erinnerung kam die, bei der wir in der Bar in Schwierigkeiten geraten waren, nachdem Sam von einem Giftpfeil getroffen wurde. Obwohl er verletzt gewesen ist, ha er einen hochgewachsenen Mann zu Boden geworfen, aber nicht bevor er irgendetwas mit seinem Arm gemacht hatte. Er hatte sogar zugegeben ein Keidran Liebhaber zu sein... Und welchen anderen Keidran könnte er gemeint haben, dessen Liebhaber er sei? Selbst wenn wir zu dem Zeitpunkt noch keine Liebhaber waren, so hat er im Grunde zugegeben, dass er mich lieben würde...
Ich stieß einen leisen Seufzer aus, ließ den Stein fallen, fühlte Wärme in mir aufkommen und verwahrte die Erinnerung schnell in meinem Herzen. Sie war möglicherweise eine der wichtigsten und wertvollsten Erinnerungen an Sam und allem, das ich zuvor getan habe, die ich in meinem Herzen hielt. Sie war außerdem der Grund, weshalb ich meine Leidenschaft für Sam gefestigt hatte. Er hatte sein Versprechen eingehalten und als ich aus der Brunft heraus war, war Sam in eben jener Nacht, in dem Gasthaus auf den Basitin Inseln zu meinem Liebhaber geworden. Meine Wangen röteten sich, während sich ein Lächeln über meine gesamte Schnauze ausbreitete. Ich ließ meinen Kopf hängen, während ich schmerzerfüllt flüsterte, „Warum musstest du gehen Sam...?"
Als ich den Stein wieder unter mein Shirt platzierte, wehte eine kühle Brise durch mein Fell und ich hörte jemanden auf mich zukommen und vor mir anhalten. Ich hob langsam meinen Kopf und sah, dass es die Keidran von Oasis war. Sie gab mir einen neugierigen Blick und fragte, „Für jemanden, der gerade jemand wichtiges verloren hat, hatte ich erwartet, dass du trauriger wärst, als du gerade bist..."
Nachdem sie dass sagte, fiel mein Lächeln wieder und die Trauer und der Schmerz kamen wieder einmal zurück. Ich sah nach unten und sagte leise, „Ich habe mich nur gerade an all die guten Zeiten erinnert, die ich mit ihm gehabt hatte... Deswegen hatte ich mich glücklicher gefühlt, als bevor alle gegangen sind." Ich tat mein Bestes um Tränen davon abzuhalten, an meinen Wangen hinunterzulaufen. Ihre Füße scharrten hörbar, während sie ein schweres Seufzen von sich gab.
„T-Tut mir leid... Ich wollte nicht, dass du dich noch schlechter fühlst als du es bereits tust, ich war einfach nur überrascht. Von dem, was mir deine Reisegefährten erzählt haben, war er ein ganz schön interessanter Mensch." Ich schaue auf und sah, dass sie auf die hölzerne Tür der Hütte starrte. „Falls es dir etwas bedeutet, könnten wir einen Spaziergang machen, damit du diese traurigen Angelegenheiten aus deinem Kopf bekommst." Ich nickte mit meinem Kopf, stand langsam auf und entstaubte meine Kleidung so gut es ging, während ich darauf achtete meinen müden und schwachen Körper nicht zu sehr zu belasten. Als ich aufblickt sah ich, dass die Oasis Heilerin mir einen Fleischstreifen hinhielt und sagte, „Ich weiß dass du seit dem Vorfall nichts mehr gegessen hast... aber du musst; Von dem was ich weiß, hätte dein Menschen Freund es dir nicht erlaubt so etwas zu tun." Ich schüttelte meinen Kopf, während ich ihre Hand wegschob. Obwohl es sehr verlockend war, so wollte ich vorerst nichts essen. Sie seufzte erneut, legte eine Hand fest auf meine Schulter und sagte, „Wenn du nichts isst, würdest du dem Menschen und deinen andern Freunden gegenüber respektlos sein. Sie sorgen sich noch immer um dein Wohlergehen und ich bin mir nicht sicher ob es den Menschen, an dem du solchen gefallen findest, zurückbringen wird, wenn du dich selbst hungern lässt."
Ich schaute in ihr Gesicht auf und sah die Entschlossenheit und Sorge in ihren Augen, deshalb nahm ich zögerlich den Fleischstreifen und biss ein Stück davon ab. Sie nickte, aber das Stirnrunzeln verließ ihr Gesicht nicht, während sie meine Schulter wieder losließ. Als sie sich umdrehte und anfing loszugehen, folgte ich ihr, während ich auf getrocknetem und gewürzten Wildbret herumkaute. Wir liefen durch das kleine Dorf und ich fragte, „W-Wo gehen wir hin..?"
Sie schaute einen Moment lang über ihre Schulter, bevor sie wieder nach vorne sah und sagte, „Wir werden uns mit der Basitin und dem Wolf treffen... Sie wurden in einer anderen Hütte untergebracht, aber sie wirkten so, als ob sie ohne der Hälfte der Gruppe nicht gut auskommen. Es ist schwer mit Trennungen auszukommen und während wir alle den Verlust von Geliebten und Freunden durchmachen, so müssen wir doch für jene, die noch da sind, stark bleiben... "Sie schaute erneut über ihre Schulter und sagte, „Wir müssen außerdem noch ein paar Details mit dir klarstellen, damit wir mit der Arbeit an dem Grab für den Menschen anfangen können..."
Ich hielt an und fühlte einen kalten Schauer meinen Rücken hinunter laufen, während ich scharf die Luft einsog. Ich ließ den Fleischstreifen zu Boden fallen und hielt meine Hände dicht an mein Herz. Die Heilerin bemerkte dies und als sie sich mir zuwandte, fühlte ich, wie sich Tränen in meinen Augenwinkeln sammelten, während ich sagte, „A-aber er ist noch a-am Leben! E-er atmet... Wie k-könnt ihr ihn einfach b-begraben!? Ihr könnt ihn nicht töten... Ich werde es nicht zulassen..."
Sie hob ein wenig ihre Hand und sagte, „Es ist nicht meine Entscheidung. Die Meisterheilerin hat ihre Entscheidung getroffen. Wir haben nicht vor ihn zu töten, aber technisch gesehen ist er bereits tot. Es tut mir leid, aber es gibt nichts mehr, was irgendjemand für ihn tun kann. Er wir verhungern bevor er überhaupt aufwachen kann und selbst wenn er aufwachen würde, könnte er an Durst sterben, weil er zu schwach ist." Ich fing an zu zittern und bewegte mich langsam zurück, während ich meinen Kopf schüttelte. „Es ist in der Kultur der Menschen respektvoll einen anderen Menschen den Gnadenstoß zu geben... Es ist ebenfalls ein Zeichen der Güte, ihn nicht an etwas unheilbarem leiden zu lassen."
„B-Bitte... e-eine weitere Nacht..." bat ich. Mein Magen war aufgewühlt und ich hielt meine Arme dichter an mich. Sie schüttelte ihren Kopf und ich brach zusammen. Allerdings fing sie mich, bevor ich auf dem Boden aufkam. Ich starrte einfach nur auf den Boden, während von dem emotionalen Trauma durchgeschüttelt wurde, in dem ich mich befand.
„Komm, lass uns zu den Anderen gehen..." sagte sie und ohne überhaupt die Wahl zu haben, fing sie an mich zu einem anderen Ziel zu führen, irgendwo weg von Sam's noch atmenden Körper und trieb ein Messer weiter in mein gebrochenes Herz hinein...
Ich nickte meinen Kopf und ging leise davon, um meine letzten Abschiedsworte an Sam zu richten und um mich auf seine bevorstehende Beerdigung vorzubereiten. Er hatte seinen eigenen Grabstein, eine eigene Stelle und sogar seinen eigenen Sarg... All diese Dinge hatten mein Herz mehr und mehr gebrochen. Ich fühlte wie Tränen von meinem Fell tropften, während ich mich zu der Hütte schleppte, in der Sam sich befand. Ich gab mein Bestes, an unsere guten Zeiten zu denken und nicht an seinen baldigen Tod. Das ist nicht fair. Er ist am Leben, dennoch werden sie ihn begraben und somit töten, weil er sich in diesem verfluchtem endlosen Schlaf befindet.
Ich warf einen kurzen Blick nach vorne, sah seine Hütte vor mir und senkte meinen Blick wieder. Ich unterdrückte einen weiteren Schluchzanfall, wenn auch nur um einen Teil von meiner Würde zu behalten. Als ich vor der Tür anhielt, pulsierte mein Herz schmerzvoll in meiner Brust. Ich starrte fest auf die Türklinke, in der Hoffnung, den Moment so lange wie möglich hinzuhalten, aber ich wusste, dass meine Zeit um an Sam's Seite zu sein am auslaufen war. Langsam hob ich meinen Arm und als ich meine Hand auf die Türklinke legte, hatte ich nur einen Gedanken in meinem Kopf; Und das war Sam...
