Kapitel 39

„Also, da gibt es eine Sache", begann sie.

Sie zog an seinem Arm, um ihn wieder die Treppen hinauf zu bugsieren. Gerade da kam Bill die Treppen hinauf und sagte: „Mum und Dad haben mich gebeten, euch zu sagen, dass es hier oben zu heiß und stickig ist und dass ihr runterkommen sollt. Wir sind alle draußen, auch wenn es nach Regen aussieht." Er begann wieder hinunter zu gehen und fragte dann: „Stimmt irgendwas nicht?"

„Nein, wir kommen gleich runter. Ich muss Draco nur etwas sagen", sagte Hermine. Draco schaute von Hermine zu Bill und dann wieder zu Hermine zurück.

Bill sah so aus, als würde er ihr nicht glauben. „Und ihr seid sicher, dass alles in Ordnung ist?", fragte er noch einmal nach.

„Es ist nichts", sagte sie. Sie zog an Draco am Arm zu Ginnys altem Zimmer und schloss die Tür. Sie nahm die Kiste, die er ihr gegeben hatte und stellte sie auf die Kommode. Er setzte sich aufs Bett.

„Rück schon raus damit, Granger. Was um alles in der Welt versuchst du mir zu sagen?"

Draco wusste, was er wollte, dass sie ihm sagte. Er wollte, dass sie sagte, sie sei schwanger. Um ehrlich zu sein, hatte er das zu Anfang nicht gewollt. Überhaupt nicht. Als sie letzte Nacht den Schwangerschaftstest gemacht hatte (Meine Güte, war das wirklich erst letzte Nacht? Es fühlte sich so an, als wäre es Monate her gewesen), war er ehrlich gewesen, als er gesagt hatte, dass er nicht bereit war, sie zu teilen.

Dann, als er nach unten zu seiner Mutter gegangen war, um auf das Ergebnis zu warten, hatte er seine Meinung geändert. Das hatte er wirklich. Es war beinahe eine Offenbarung gewesen! Er war plötzlich aufgewacht. Er wollte ein Baby. Um genauer zu sein, wollte er ein Baby mit ihr. So lange hatte er das Gefühl gehabt ein Leben ohne Liebe zu führen und dann war sie daher gekommen und liebte ihn, aus keinem anderen Grund, als das sie es tat! Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr wollte er es! Er wollte es nicht nur, er brauchte es! Ein Baby. Er wollte, dass sie ihm sagte, dass sie ein Baby bekommen würden. Seine selbstsüchtige Phase war vorbei. Sie hatte ihm bewiesen, dass er etwas Besonderes und ihrer Wert war. Und wie eine besondere Ausgabe, hatte sie ihn vor allen anderen ausgewählt, also warum sollten sie nicht zusammen ein Baby bekommen? Es fühlte sich richtig an.

Sicher, sie war schlau genug zu versuchen, ihn letzte Nacht hinters Licht zu führen, als sie gesagt hatte, dass sie nicht schwanger war. Ihre Gründe dafür könnten enorm und komplex sein, aber er wusste, dass sie einen guten Grund gehabt haben musste, ihm diese Information vorzuenthalten. Wenn sie es ihm deshalb auch jetzt nicht erzählte, würde er warten, vielleicht auf einen privateren Moment. Ja, das war wahrscheinlich ihr Grund dafür, zu warten. Sie wollte wahrscheinlich warten, bis sie an einem heimischen Ort waren, wie Red Rose Cottage, auch wenn der Fuchsbau auch ein heimischer Ort war. Er war noch nicht lange mit ihr verheiratet, nur zwei Wochen, aber er kannte sie schon so gut. Er hatte das Gefühl, sie wären schon ein Leben lang zusammen und sie hatte noch ein Leben lang vor sich. Diese vergangenen zwei Wochen waren nur zwei Wochen ihrer Ehe. Er würde abwarten, bis sie es ihm sagte. Er wollte ein Baby, aber er würde warten.

„Hör mal, Granger", sagte er schließlich und zog sie neben sich aufs Bett. „Wenn du dir nicht wirklich sicher bist, dass du mir die Neuigkeiten sagen willst, dränge ich dich nicht. Ich kann warten. Das kann ich wirklich."

„Hier oben ist es so heiß", sagte sie schließlich.

Ohne ein weiteres Wort nahm er ihre Hand und apparierte sie auf den Hügel am Quidditchfeld. Er setzte sich ins Gras und zog sie neben sich. Sie lehnte sich hinüber und legte ihren Kopf auf seine Oberschenkel. Er begann ihren Rücken zu streicheln.

Sie dachte, dass er es wusste. Er musste es wissen. Er sah so erwartungsvoll aus und auch ein wenig ängstlich. Er hatte gesagt, dass er nicht bereit war für ein Baby. Er streichelte weiter ihr Haar und ihren Rücken. Ab und zu malte er kleine Kreise auf ihrem Rücken. Seine Berührungen waren so vertraut, so warm und einladend, aufbauend und tröstend. Wenn sie es ihm jetzt nicht erzählen würde, würde sie es wahrscheinlich immer bereuen. Sie hasste es, etwas zu bereuen. Sie bereute viel und manchmal hatte sie das Gefühl, als würde diese Reue sie im Ganzen verschlucken.

Sie bereute es, dass sie kein Baby mit Ron hatte. Nein, das war nicht wahr. Nicht wirklich, denn sie hatte mit Ron kein Baby gewollt, sondern er hatte das gewollt, und das war der Hauptgrund gewesen, warum sie nie geheiratet hatten. Sie mochte es, sich vorzumachen, dass sie die Verletzte war und dass er sie ohne Grund betrogen hatte und ihr nie einen Ring gegeben hatte, aber die Wahrheit war, dass er ihr immer gesagt hatte, dass er sie heiraten würde, sobald sie zustimmen würde, Kinder zu bekommen. Sie hatte nie zugestimmt. Sie hatte Ron so sehr geliebt, aber sie hatte nie das Gefühl gehabt, zu ihm zu gehören. Das war ihre größte Reue, die Reue, zu dem Mann zu gehören, von dem sie dachte, das ganze Leben mit ihm zu verbringen.

Und nun war sie hier, mit einem Mann, der ganz anders war als sie. Das war schon lustig, dass alle hier im Fuchsbau gesagt hatten, dass sie ein ungleiches Paar waren und sogar jetzt dachten sie wahrscheinlich, dass sie wieder ein ungleiches Paar waren. Sie hätten nicht alles so überstürzen sollen. ‚Dafür ist es jetzt zu spät', dachte sie. Sie konnte es ihm auch sagen und auf das Beste hoffen.

„Bist du eingeschlafen, Granger?", fragte er.

Er gab ihr einen sanften Kuss, beinahe wie ein Kuss, den jemand einer anderen Person gab, wenn man ihr gute Nacht sagen wollte; ein einfacher, reiner Kuss, voller Liebe und Schutz. „Das ist witzig", sagte er. „Ich habe gerade etwas erkannt. Du bist ein Mädchen, das Granger heißt, oder?" Er lachte. Es war irgendwie lustig, dass er sie immer Granger nannte. Sie war nicht einmal mehr eine Granger. Sie war eine Granger Malfoy. Ihr Baby könnte sogar Granger Malfoy heißen. Das störte ihn nicht. Seinen Vater würde es stören, aber er würde sich um das Problem kümmern, wenn und falls sie es ihm jemals sagte. Das war wahrscheinlich der Grund, warum sie es ihm noch nicht gesagt hatte. Sie wollte die Neuigkeiten nicht mit jedem teilen - ihren Eltern, seinen Eltern, den Leuten im Fuchsbau.

Er wusste, dass er nicht damit anfangen sollte von einem Baby zu träumen, dass es vielleicht gar nicht gab. Ihre Neuigkeiten könnten etwas ganz anderes sein. Es könnte sein, dass sie einen besseren Job bekommen hatte, dass sie ein neues Auto gekauft hatte, oder dass sie damit beginnen würde, ihr Haar zu glätten. Er freute sich vielleicht wegen nichts.

„Nein, ich bin wach. Ich bin aber müde", antwortete sie.

Sie war müde, aber auch schrecklich nervös. Sie war aufgeregt und betrübt. Sie war unglaublich aufgewühlt. Sollte sie es ihm so früh erzählen? Als Draco mit ihrem Armreif an ihrem Handgelenk spielte, von dem sie erst dann wieder bemerkte, dass er da war, kam sie zu einer Entscheidung. Sie würde es ihm erzählen.

Sie hatte Dr. Carlisle die Ergebnisse überprüfen lassen, als sie wegen ihres Diabetes untersucht worden war, und es waren die gleichen gewesen wie in Malfoy Manor. Sie war schwanger. Es war zu früh, um sich zu 100 % sicher zu sein, aber ein magischer Test konnte eine Schwangerschaft innerhalb von 48 Stunden feststellen. Sie hatte einen neuen Termin am Dienstag, zusammen mit einem Termin bei einem Heiler, der auf Muggelkrankheiten spezialisiert war. Sie sollte auf diesen Test warten, bevor sie es ihm sagte.

Ja, nach der Entdeckung ihrer Krankheit und ihrer wirbelwindartigen Romanze, ihrer überstürzten Hochzeit und diesem verrückten Wochenende, sollte sie definitiv warten. Sie sollte darauf warten, dass sich alles beruhigte, bevor sie ihm die Neuigkeiten mitteilte. Sie war innerlich ohnehin aufgewühlt wegen der Neuigkeiten. Ihre Gefühle reichten von glücklich bis traurig, mit jeder anderen Emotion, die es noch dazwischen gab. Sie fühlte sich zugleich selbstsicher und dumm, weil sie Angst hatte. Sie hatte Angst, vor dem was kommen würde. Sie war eine Heilerin und wusste, was passieren würde, aber da es ihr passierte, hatte sich einfach Angst.

Zuzugeben, dass sie schwanger war, würde das alles real machen und sie war nicht bereit dazu, dass es real war. Sie war nicht bereit, ihm dieses ‚perfekteste' Geschenk zu machen. Draco hatte ihr gestern gesagt, dass er nicht bereit war, allerdings war er einer der größten Lügner auf diesem Planeten. Sie schaute zu ihm hinauf und sah, wie er starr hinüber zum Quidditchfeld starrte und sie sah seinen nachdenklichen Blick. Sie wusste, dass er es wusste. Sie wusste auch, dass er sich über die Neuigkeiten freute. Sie wusste nicht, woher sie es wusste, aber sie tat es. Er war bereit. Er wollte das. Sie würde es ihm sagen.

Sie rutschte mit ihrem Kopf von seinem Bein und legte sich flach ins Gras. Sie zeigte hinauf zu den Wolken und sagte: „Die sieht genauso aus wie die Wolke, die wir vorletztes Wochenende gesehen haben. Die, die aussah wie Snapes Nase, erinnerst du dich?"

Er legte sich neben sie und zeigte zu einer anderen. „Die sieht aus wie Potters Narbe", sagte er.

„Das könnte ein echter Blitz sein, wenn man mal den dunklen Himmel betrachtet. Und es riecht nach regen", erwiderte sie.

„Man kann Regen nicht riechen", lachte er.

Draco glaubte, dass der Moment vorbei war. Sie würde es ihm nicht sagen, weil es wahrscheinlich gar nicht wahr war. Sie hatte ihm das nicht sagen wollen. Sie wollte mit ihm offensichtlich über die Wolken reden. Er hatte sich innerhalb eines Tages verliebt und war seit zwei Wochen verheiratet, daher war es absurd, dem noch eine Schwangerschaft hinzuzufügen.

Vielleicht waren es schlechte Neuigkeiten. Typisch für sie, ihm schlechte Neuigkeiten an so einem perfekten Tag zu überbringen. Darum hatte sie Angst, es ihm zu sagen. Vielleicht waren die Neuigkeiten ja, dass sie schwanger WAR, aber sie sah DAS als schlechte Neuigkeiten an. Vielleicht wollte sie jetzt noch nicht schwanger sein. Vielleicht war er ein Narr! Natürlich, sie wollte von ihm schwanger sein, nur noch nicht jetzt. Vielleicht war das mehr, als sie ertragen konnte, wenn man ihre verrückten beiden Wochen und das noch verrücktere Wochenende dazu nahm. Verrücktere war ein Wort, oder? Vielleicht sollte er ihr sagen, dass der „pefekter" zuerst wirklich für ein Wort gehalten hatte, aber dann würde sie ihn zweifellos einen Idioten nennen.

Das war es! Sie wollte nicht von ihm schwanger sein, damit das Baby dann nicht seine Idiotengene erben würde!

Natürlich musste man auch ihre Krankheit berücksichtigen. Sie hatte nicht einmal Zeit gehabt, darauf zu reagieren. Würde die Schwangerschaft diese beeinflussen? Er wusste, dass sie die Diabetes mehr aufgeregt hatte, als sie zugab. Er hätte ein besserer Ehemann sein müssen, ein besserer Mann. Er hätte die Sache in die Hand nehmen und einen Verhütungszauber benutzen müssen. Er wusste, dass er das schon in der ersten Nacht hätte machen sollen, als sie Liebe gemacht hatten. Er hatte in dieser Nach daran gedacht, zu verhüten, aber verdammt nochmal, er hatte eigentlich gewollt, dass sie schwanger wird. Das hatte er. Er hatte insgeheim gehofft, dass sie schwanger werden würde und dass sie das an ihn binden würde. Und dann wäre sie eine Beziehung mit ihm eingegangen. Er war ein Bastard. Nun, der Witz ging auf seine Kosten, denn sie hatte ihn auch so geheiratet! Er war nicht nur ein Bastard, er war auch noch ein selbstsüchtiger Bastard, denn er hatte nie in Erwägung gezogen, was sie wollte oder was das Beste für sie wäre.

Sie setzte sich wieder auf und hob ihre Hand nach oben. „Ich denke, ich habe gerade einen Regentropfen gespürt."

Er setzte sich auch auf und schaute in den dunklen Himmel und die vorüberziehenden Wolken hinauf. Sie hatte den Regen gerochen, oder? „Wir sollten wieder zurück zum Fuchsbau", sagte er, „bevor es wirklich anfängt zu regnen."

Sie biss sich wieder auf ihre Lippe und sagte dann: „Ich muss dir noch etwas erzählen, bevor wir zurück gehen, aber ich weiß einfach nicht, wo ich anfangen soll."

Sie war bereit, es ihm zu sagen. Insgeheim hatte sie das schon die ganze Zeit gewollt. Als sie zum ersten Mal Sex miteinander gehabt hatten, nachdem sie nur einen Tag zusammen gewesen waren, wollte sie schwanger werden. Da, das war die Wahrheit! Sie sprang normalerweise nicht durch die Betten. Nein, das musste man umformulieren. Sie sprang nie durch die Betten. Sie hatte nur dann mit jemandem geschlafen, wenn sie verliebt gewesen war oder tiefe Zuneigung empfunden hatte. Sie hatte ihn sofort geliebt und nur zwei Stunden, nachdem sie ihn wiedergetroffen hatte, hatte sie gewusst, dass sie sein Kind bekommen und den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen wollte. Sie war klug; immerhin war sie eine Heilerin. Sie wusste ganz sicher, wie Menschen schwanger wurden und wie man das verhindern konnte. Sie hatte nicht schwanger werden wollen, um ihn einzufangen; sie hatte schwanger werden wollen, um SEIN Baby zu bekommen. Ende der Geschichte. Sie hatte nicht einfach ein Baby haben wollen, aber sie hatte eins mit ihm gewollt. Sie wollte niemals eins mit einem anderen.

Was sagte das über sie aus? Wie würde ihre Adoptivfamilie, die Weasleys, auf die Neuigkeiten reagieren? Würden sie sich darüber freuen? Würden sie sie unterstützen? Sie wussten alle, dass Ron mit ihr immer Kinder haben wollte. Sie wussten alle, dass sie das nicht gewollt hatte.

Was war mit Ginny und Harry? Oh Gott, sie dachte erst jetzt an sie. Sie waren seit drei Jahren verheiratet und soweit sie wusste, versuchten sie seit der Hochzeitsreise schwanger zu werden und hatten es bis jetzt nicht geschafft. Was würden sie denken? Würden sie insgeheim eifersüchtig sein, während sie sie nach außen hin unterstützten? Würden sie ihren Schmerz verbergen, während sie nach außen hin ihre Freude zeigten? Würden sie das Gefühl haben, dass sie es nicht verdient hatte? Verdiente sie es? Sie wollte nie jemandem Schmerz zufügen, nur um ihres eigenen Glückes Willen. Sie wollte wieder weinen, aber sie wusste, dass Draco genug von ihren Tränen hatte. Stattdessen schaute sie ihm in die Augen, während es begann zu regnen. Er stand auf und strich ihr nasses Haar zurück, das ihr ins Gesicht gefallen war.

„Sag es mir einfach. Fang von vorne an", drängte er.

Sie sah so aus, als würde sie gleich weinen. Er schwor sich, dass er Schreien würde, wenn sie an diesem Wochenende noch mehr weinen würde! Er schaute wieder hinauf in die Wolken, als ein lauter Donner ertönte.

„Draco, ich bin schwanger."