Huhu :)
Heute gibt es ein XXL-Kap für euch ;)
Vielen Dank an ariana und Miriam für eure Reviews! Freut mich, dass euch meine Story gefällt ;)
Viel Vergnügen beim Lesen,
lg Marit
Kapitel 27 – Braves Mädchen
Und jetzt musste nicht nur ich lachen, sondern auch Rose selbst und Alice, bis es an der Tür klopfte und ich sie aufriss, nur um in Edwards Arme zu fallen.
Dank Alice musste ich Edward tausendmal bestätigen, dass es mir wieder gut ging, doch der besorgte Blick verließ nie seine Augen. Es war rührend, wie sehr sich alle um mich sorgten. Mein ganzes Leben lang, hat sich niemand richtig um mich gesorgt, ich hatte mich immer um mich selbst gekümmert.
Als ich noch bei meiner Mum gewohnt hatte, war ich immer diejenige, die kochte oder die Wäsche machte, da meine Mum entweder in einer ihrer kreativen Phasen steckte oder mit Phil unterwegs war. Deswegen hatte ich schon früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen.
Bei Charlie, wenn ich ihn im Sommer besuchte, war es nicht anders. Wann die Küche das letzte Mal benutzt wurde – und das nicht von mir – liegt bestimmt schon ein paar Jahre zurück. Für ihn gab es immer nur irgendwas vom Lieferservice.
Es war ein neues Gefühl, dass man mir Verantwortung abnahm, so wie meine Freunde es taten, und um ehrlich zu sein, nahmen sie mir damit eine riesige Last von den Schultern.
Leider war heute genau wie in meinem Traum Mittwoch, das hieß, dass ich leider noch einige Lesungen vor mir hatten und mich nicht – wie es mir lieber wäre – in meinem Bett verkriechen konnte.
Alice und Rose sah ich den ganzen Vormittag und Nachmittag nicht mehr und Edward traf ich auch nur zum Mittagessen. Ich konnte mich während den Lesungen kaum konzentrieren und dabei standen in gut zweieinhalb Wochen doch die Prüfungen an. Ich müsste mir wohl oder übel die Aufzeichnungen von anderen ausborgen.
Als ich um kurz nach siebzehn Uhr endlich wieder auf mein Zimmer kam, fand ich meine beiden Mitbewohnerinnen und zugleich besten Freundinnen mit einem diabolischen Grinsen am Computer sitzend vor. Doch als sie mich bemerkten, verdeckten sie schnell den Desktop und sahen mich unschuldig. Ich konnte über ihre Geheimhaltung nur die Augen verdrehen. Warum konnten sie mir nicht einfach ihren ach so genialen Plan verraten? Was war denn schon dabei?
„Ach Bella?", meinte Alice, als ich gerade aus dem Bad kam, „Hier hast du dein Handy wieder, falls er oder sie nochmal anrufen sollte." Sie hielt mir mein silbernes, kleines und seit neuestem auch von mir verfluchtes Mobiltelefon entgegen. Natürlich, wie der Zufall es wollte, klingelte es, sobald ich es auch nur in die Hand nahm. Seufzend sah ich auf das Display: Unbekannt. Juhu!, dachte ich sarkastisch.
Ich schaute Alice und Rose unsicher an und sah gerade noch, wie sie einen siegessicheren Blick austauschten und mich dann auffordernd ansahen. Getreu dem Motto: Auf was wartest du eigentlich noch? Na los, nimm ab!
Das Handy klingelte immer noch. Ich kniff meine Augen zu und drückte dann doch die grüne Taste, um den Anruf anzunehmen. Was würde wohl passieren, wenn ich nicht rangehen würde? Dann könnte ich auch keine weiteren Drohungen erhalten. Zu dumm, dass es jetzt schon zu spät war, denn schon beim ersten Ton erkannte ich die verzerrte Stimme. Ich stellte auf laut, damit Alice und Rose mithören konnten.
„Hallo Isabella", wurde ich süßlich-freundlich begrüßt. In meinem Bauch breitete sich wieder dieses ungute Gefühl aus und schon nach den ersten Worten wurde mir schlecht. Ich antwortete nicht.
„So still heute?", fragte die Stimme immer noch mit dieser übertriebenen freundlich. Ekelhaft. Hilflos sah ich zu meinen beiden Mithörerinnen. Alice gab mir ein Zeichen zu antworten, aber mir fiel nichts ein und Improvisieren war nicht gerade meine Stärke.
„Was gibt's?", stellte ich deswegen die Gegenfrage. Was hatte ich gesagt? Improvisieren war nicht gerade meine Stärke!
„Was es gibt? Was denkst du denn meine süße kleine Isabella?" Wenn das so weiterging, musste ich mich noch hier an Ort und Stelle übergeben.
„Ähh..." Was sollte ich denn sagen? Verzweifelt sah ich wieder zu Alice und Rose. Sie hätten mich doch wenigsten auf dieses Gespräch vorbereiten können, wozu hatten sie denn diesen wunderbaren, absolut sicheren und vor allem geheimen Plan entwickelt? Und dann konnten sie mir nicht einmal helfen, was ich dem Typen sagen sollte. Der Plan gefiel mir immer mehr. Sarkasmus lässt grüßen!
„Da du dich scheinbar nicht mehr erinnern kannst, werde ich deinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen. Was hab ich dir bei all meinen Anrufen gesagt, was du tun beziehungsweise zu lassen hast?" Ging es nur mir so oder war die Luft in unserem Raum total dünn und schlecht? Ich konnte kaum noch atmen.
„Na? Hat da einer nicht richtig aufgepasst? Aber da ich dich bereits mehrmals gewarnt habe und du dich nicht daran gehalten hast und deinen Fehler auch nicht zugeben möchtest, sehe ich mich gezwungen, meine Worte wahrzumachen und deinen Freunden.." Scheiße.
„NEIN!", unterbrach ich ihn, „Nein. Ich...ich.." Das konnte ich nicht zulassen, das durfte ich nicht zulassen. Ich konnte meine Freunde nicht dafür büßen lassen, was mir angedroht wurde.
„Ja?" Ein letzter Blick zu den beiden und mein Entschluss stand fest.
„Ich... D-du hast gewonnen", ich sah in die geschockten Gesichter von Alice und Rose, „Ich..." – und ich musste mich wirklich zusammenreißen, um den nächsten Satz auszusprechen, „... werde mich von Edward fernhalten. Aber bitte – bitte – tu meinen Freunden nichts!"
„Braves Mädchen. Endlich bist du zur Vernunft gekommen. Und solltest du dich trotzdem nicht an unsere Abmachung" – hallo?! Das war keine Abmachung, das war Erpressung! – „hälst, werde ich ohne Vorwarnung meine Worte wahrmachen, damit du siehst, dass das kein Bluff ist." Obwohl es erst halb sechs war, war ich auf einmal extrem müde und schwindelig war mir auch noch.
„Auf Wiederhören, Isabella", und dann hörte ich wieder das allbekannte Tuten. Meine Hände zitterten und der Schwindel wurde auch nicht gerade besser.
„Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?", hörte ich Rose entgeistert sagen, aber das war mir im Moment egal. Ich musste mich setzen. Und an die frische Luft und... als ich aufsah, blickte ich direkt in zwei smaragdgrüne Augen und dann war es vorbei. Wie in meinem Traum wurde es schwarz vor meinen Augen, nur dass es diesmal – zum Glück? – andere Gründe gab. Wohl eher Glück im Unglück.
EPOV
Die letzten Wochen und Tage waren kräfteraubend und ich machte mir allmählich Sorgen um Bella. Sie hatte zwar (fast) immer ein Lächeln auf den Lippen, aber in ihr drinnen sah es ganz anders aus. Sie wollte die Starke spielen, niemandem zeigen, dass es ihr im Moment nicht gut ging, und das störte mich extrem. Sie sollte nicht immer ihre Gefühle unterdrücken oder überspielen. Sie sollte keine Angst davor haben, andere zu enttäuschen, denn das tat sie gerade dadurch, ihre Gefühle zu unterdrücken. Sie sorgte sich sehr, dass es allen anderen gut ging, aber auf sich nahm sie nur selten Rücksicht und das wollte und musste ich ändern! Sie war das Wichtigste in meinem Leben und ich wollte ihr am liebsten die ganze Welt zu Boden legen.
Eigentlich hatte ich gedacht, dass nach der ganzen Sache mit Tanya und diesem Mistköter Jacob alles besser werden würde und meine Bella endlich mal wieder zur Ruhe kommen und abschalten könnte, aber das hatte sich ja mehr oder weniger in Luft aufgelöst, als ich an diesem berühmt berüchtigten Abend aka gestern erfahren musste, dass meine Freundin von einem irren Stalker bedroht wurde und dazu gezwungen wurde, sich von mir zu trennen. Jetzt mal ehrlich, wie tief muss man sinken, um so einen Schwachsinn abzuziehen. Wenn ich diesen Typen jemals in die Finger kriegen sollte, sollte er sich besser schon mal einen Platz im Krankenhaus reservieren!
Ich erinnerte mich noch allzu genau an den gestrigen Tag.
FLASHBACK
Ich saß gerade mit Emmett, Jazz und Rose im Zimmer der Mädchen.
„Sag mal, wo bleiben eure beiden Weiber eigentlich?", fragte Emmett gerade und erhielt für seine Worte einen strengen Blick von seiner Freundin.
„Sie wollten sich doch vorhin im Victory treffen und reden", antwortete Jasper und blätterte in irgendeiner Psychologenzeitschrift.
„Arme Bella", lachte er, „Hoffentlich hat sie nachher noch ihre Ohren dran." Ich verdrehte nur die Augen, während Rose ihm einen Klaps auf seinen Hinterkopf gab.
„Au!", beschwerte sich ihr Liebster, aber genau in dem Moment wurde die Tür geöffnet und Alice und meine wunderschöne Freundin kamen rein.
„Wenn man vom Teufel spricht", lachte Emmett wieder. Meine Süße kam mit einem strahlenden Lächeln auf mich zu und schlang ihre Arme um mich. Leider waren hier zuviele Leute da, ansonsten hätte ich ihren unschuldigen Kuss vertieft.
„Ihr habt über uns geredet?", hörte ich Alice fragen. Ich umarmte meine Bella, die sich auf meinen Schoß gesetzt hatte, ein wenig fester und roch an ihren herrlich duftenden Haaren. Dieses Mädchen hatte mich sowas von in ihren Bann gezogen.
Emmett sagte gerade irgendwas an Alice, doch ich hörte nicht zu, völlig von der hübschen Frau auf meinem Schoß eingenommen. Doch auf einmal versteifte sie sich in meinen Armen und ich hörte ihr Handy klingeln. Aber sie schien keine Anstalten zu machen, zu gucken, wer anrief.
„Willst du nicht rangehen?", fragte ich sie deswegen leise. Was war denn auf einmal mit ihr los? Sogar ihre Hände zitterten, als sie ihr Mobiltelefon aus ihrer Hosentasche fischte und ranging.
„Hallo?" Hatte sie etwa Angst? Ein ungutes Gefühl beschlich mich.
„Ich glaube, du hast mich immer noch nicht verstanden. Ich sage es dir ein letztes Mal: Halt dich von ihm fern!" Was zum..?! Eine tiefe verzerrte Stimme brüllte ins Telefon meiner Liebsten und bedrohte sie. Für einen kurzen Moment war ich echt geschockt und sprachlos, aber nur ein paar Sekunden später kamen mir die beunruhigsten Gedanken in mir hoch und vor allem gleißende Wut gegen die Person, die meiner Liebsten Angst machte. Was fällt diesem Idioten eigentlich ein?!
Sie verkrampfte sich noch mehr. Auch ich spannte mich an und versuchte ihr in die Augen zu schauen. „Was - Wer war das?" Was war hier los? Ich hatte so viele Fragen. Bella wand sich in meiner festen Umarmung. In ihren Augen sah ich Panik, aber ich hatte das Gefühl, dass das nicht nur an diesem Anruf lag. Warum hatte sie nichts erzählt, dass sie von so einem miesen, dreckigen Schwein – mir vielen noch viel mehr Bezeichnungen ein, aber die waren nicht mehr ganz jugendfrei – bedroht wurde? Wusste sie eigentlich wie gefährlich das sein konnte? Meine Bella in Gefahr – dieser Gedanke versetze mir einen Stich ins Herz. Ich musste sie doch beschützen!
„Bella, was..? Wer. War. Das?", wiederholte Alice meine Frage und leider wand meine Bella ihren Blick von mir ab.
„Ich- äh, ich...", stotterte sie. Ich musste mich stark konzentrieren, dass ich nicht Fassung verlor.
„Wie oft hat er schon angerufen?", fragte Rose eine meiner unzähligen Fragen.
„D-dreimal", hörte ich ihre leise Stimme. Das konnte doch echt nicht wahr sein! Ich kniff meine Augen zu, wollte nicht wahr haben, was sie gerade gesagt hatte. Dreimal – dreimal – hatte dieser Mistkerl schon angerufen. Und sie hatte nichts gesagt. Kein einziges Wort. Vertraute sie mir nicht? Diese Gedanken taten schrecklich weh. Ich hatte Fehler gemacht, das gab ich ohne Wenn und Aber zu, doch hatte ich gedacht, dass sie mich liebte, mir vertraute. Warum war sie mit so einer ernsten Sache nicht zu mir gekommen?
„Wieso hast du nichts gesagt?", fragte ich gequält.
„Ich weiß nicht", nuschelte sie, „ Ich wollte nicht, dass ihr euch deswegen aufregt und euch Sorgen um mich macht. Ich krieg das schon irgendwie –" Das konnte doch echt nicht wahr sein? »Ich krieg das schon irgendwie hin« wollte sie sagen. Für einen kurzen Moment verlor ich die Fassung. „Bella! Du kriegst das eben nicht alleine hin. Er oder sie hat schon dreimal – dreimal – angerufen. Was hast du gedacht zu unternehmen?" Ich bereute es sofort, sie angebrüllt zu haben, aber was hatte sie sich dabei gedacht, das Ganze geheim zu halten? Ich musste dringend allein unter vier Augen mit ihr reden.
„Ich... hatte noch keine Zeit, zu überlegen", sprach sie durch ihre Hände, in denen sie ihr hübsches Gesicht vergrub. Ich musste ihr in die Augen sehen können, wenn ich mit ihr sprach, also nahm ich ihr mit einem Seufzer ihre Hände in meine.
„Was genau will der, die, das eigentlich von dir?", fragte Emmett. Diese stand auch auf meiner Liste.
„Ich – er...er will, dass ich.. mich von Edward...fernhalte", stotterte sie wieder. Ich wusste cht nicht mehr, was ich dazu sagen sollte. Ich versuchte gerade irgendwie meine Gedanken zu sortieren. Ein Irrer wollte, Bella und mich getrennt sehen, aber warum? Und vor allem: womit drohte er? Wollte er ihr wehtun? Weiter stalken?
„Um womit droht er dir?", fragte Alice als könnte sie meine Gedanken lesen.
„Das er euch und mir wehtun wird, wenn ich mich nicht an seine Bedingungen halte." Das war irgendwie klar gewesen, fragte sich nur, wieviel Wahrheit und wieviel Bluff hinter dieser ganzen Sache steckte. Ich hörte den anderen schon gar nicht mehr zu, zu vertieft in meinen Gedanken. Konnte dieser Typ meiner Bella wirklich wehtun? Ich musste sie auf jeden Fall beschützen. Am besten sollte sie nicht mehr allein irgendwo hingehen. Das war viel zu gefährlich, wenn dieser Typ ihr auflauerte.
„Und wenn sich einer einen schlechten Scherz erlaubt hat?", hörte ich Emmett fragen.
„Dann hätte er nicht dreimal angerufen", meinte Alice. Ganz meiner Meinung! Das war kein Spaß, auch kein schlechter mehr. Urplötzlich stürtze sie sich meiner Freundin, die ja noch auf meinem Schoß saß, um den Hals, dass ich aufpassen musste, das wir nicht zu dritt nach hinten kippten. „Oh Bella, das tut mir soo leid. Es ist schrecklich, es ist – "
„Du kannst da doch gar nichts für, mach dir keine Sorgen, das wird schon wieder." Ich war mir sicher, dass sie das nicht nur zu Alice sagte.
„Okay. Wir müssen uns jetzt zusammenreißen und eine Lösung finden. Wir müssen irgendwie herausfinden, wer dieser anonyme Kerl ist und ihm dann das Handwerk legen. Keiner legt sich ungestraft mit uns an!", rief Rose.
„Es war bestimmt Tanya. Als Rache für euer kleines grünes Spielchen", meinte Emmett.
„Ich weiß nicht", meine Liebste haderte kurz, sprach aber dann weiter, „Ich glaube nicht, dass sie so schlau ist und sich so etwas ausdenken kann. Außerdem hat sie keine Ahnung von Computern und anderer Technik. Es ist nur so ein Gefühl. Aber wenn sie es war, hätte sie auf jeden Fall Hilfe gebraucht."
„Und was ist mit Jacob? Ich hab lang nichts mehr von dem Idioten gehört", mischte sich Jasper ein. Dieser Mistköter! Wenn ich rauskriegen sollte, das er dahinter steckte oder auch nur ein winziges bisschen damit zu tun haben sollte, würde er die nächste Woche nicht mehr erleben.
„Hast du dir sonst noch irgendwelche Feinde gemacht?" Emmett hatte einfach keinen Feinsinn und bekam gleich einen wohlverdienten Schlag auf seine Birne. Wer konnte meiner wunderschönen Freundin schon ein Feind sein. Wenn, dann waren sie doch alle bloß neidisch. „Das ist nicht witzig!", zischte Rose.
„Nicht das ich wüsste, höchstens in meiner Zeit in Phoenix, aber das ist unwahrscheinlich", antwortete meine Liebste.
„Und was machen wir jetzt?", fragte Jasper. Also ich wusste, was ich als nächstes machen würde, nämlich mein Vorhaben, mit Bella über diese ganze Sache zu reden, in die Tat umsetzen.
„Können wir kurz reden", flüsterte ich ihr deswegen leise ins Ohr. Ich ließ sie aufstehen und ging zur Tür. Den ganzen Weg überlegte ich, wie ich mein Anliegen formulieren sollte. Das sie mir nichts gesagt hatte, tat wirklich weh und wollte wissen warum. Wie sollte das zwischen uns was werden, wenn sie mir solche wichtigen und vor allem gefährlichen Sachen verheimlichte. Ich liebte sie von ganzem Herzen und ich wollte sie nicht verlieren, aber ich konnte nichts dagegen tun, dass sie mir gegenüber nicht ganz ehrlich war oder etwas verheimlichte. Dass sie nicht wollte, dass sich andere um sie Sorgen machten, war auch nur ein Teil der Wahrheit. Ich kannte meine Freundin, ihren Stolz und ihren Dickschädel. Aber sie musste doch einsehen, dass es ihr nichts brachte, alles allein stemmen zu wollen. Ich wollte ihr doch nur helfen!
„Vertraust du mir, Bella?", war meine erste Frage.
„Ja, ich – ja.", antwortete sie, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Nur war es das anscheinend nicht.
„Liebst du mich?" Ich wusste die Antwort, aber ich wollte, dass sie begriff, warum ich diese Fragen stellte.
„Ja, Edward, natürlich liebe ich dich, was sollen diese Fragen?" Sie verstand es immer noch nicht.
„Warum bist du damit nicht zu mir gekommen? Wenn du mich liebst, wenn du mir vertraust, warum hast du nicht gesagt, dass es dir nicht gut geht und du diese Anrufe kriegst? Bella, ich liebe dich und ich will dir helfen, aber das funktioniert nicht, wenn du mir immer alles verheimlichst." Es kam harscher raus, als gewollt, das sah ich an ihrem geschockten Gesicht und sofort bereute ich es, sie so angegangen zu haben.
„Ich, es tut mir leid, ich –" Der Schock stand ihr immer noch ins Gesicht geschrieben.
„Ist da sonst noch irgendwas, was ich wissen muss? Wann hat der Typ zum ersten Mal angerufen?" Ich arbeitete meinen Fragenkatalog langsam aber stetig ab.
„Gestern Abend. I-ich war gerade am lernen, als das Telefon geklingelt hat und –" Und heute morgen hatte sie es wohl nicht nötig gehabt, mir davon zu erzählen oder was? Ich wäre nicht sauer auf sie gewesen, hätte sie es mir sofort erzählt, aber die Enttäuschung machte sich in mir breit. Sie hatte doch nicht ernsthaft gedacht, dass sie das alleine hinkriegt. Wir waren schließlich ein Paar! Da sollte man sich nichts verheimlichen müssen und auch keine Angst haben, etwas alleine durchstehen zu müssen. Wenn man ein Paar war, sollte man einander vertrauen und auf die Hilfe des anderen bauen können.
„Bella,", fing ich an, meine Gedanken zu artikulieren während ich ihr in die Augen sah, „lass mich dir helfen, lass UNS dir helfen. Bitte. Du brauchst nicht immer die Märtyrerin zu spielen und alles alleine überwältigen. Damit machst du dich erstens nur selbst kaputt und zweitens – hast du eigentlich auch mal an mich gedacht? Bella, ich liebe dich! Ich will dir nicht helfen, weil du es nicht selbst schaffen könntest, sondern weil ich will, dass WIR das zusammen schaffen, weil wir uns lieben, verstehst du? Ich weiß, dass du nicht willst, dass sich jemand um dich sorgt, dass du niemanden verletzen möchtest – und dafür liebe ich dich, aber das heißt nicht, dass du mit deinen Probleme und deinem Leid allein zu kämpfen hast. Bella, dafür bin ich da, um dir zu helfen, und Alice und die anderen genauso. Es geht hier auch nicht um Stolz oder deinen Dickkopf. Ich möchte dich einfach nicht verlieren, weil du immer alles in dich hineinfrisst. Damit tust du nicht nur dir weh, sondern auch mir und unseren Freunden. Ich liebe dich, also bitte – lass mich dir helfen!" So. Jetzt war alles raus, was ich sagen wollte. Ich wusste, dass es ihr für den Moment wahrscheinlich alles etwas zu viel wurde, aber das musste gesagt werden. So ging es nicht weiter.
Ich nahm sie fest in meine Arme, wollte ihr zeigen, dass ich für sie da war, dass sie bei mir sicher war. Ihr Schluchzen war herzzreißend. Ich hatte sie noch nie vorher so hemmungslos weinen sehen und ich wollte, dass sie nie mehr einen Grund dafür bekam. Andererseits war ich erleichtert darüber, dass sie endlich ihren Gefühlen freien Lauf ließ und sie nicht mehr unterdrückte.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich endlich beruhigt hatte, aber als sie endlich ruhig in meinen Armen lag, nahm ich ihr Gesicht in die Hände, um ihre Tränen wegzuwischen. Sie sah mich aus großen, verheulten rehbraunen Augen an, sodass der Beschützerinstinkt wieder in mir geweckt wurde. Sie hatte mich echt um ihren kleinen Finger gewickelt.
Wir sahen uns für eine halbe Ewigkeit in die Augen, bis sie ihren Blick abwandte und ihre Augen auf einmal riesig vor Schock wurden. Was war passiert? Die Alarmglocken in meinem Kopf läuteten.
„Was ist?", fragte ich sie sofort.
„D-dein Hemd. Ich.. ich habs total versaut..", stotterte sie. Mein...Hemd. Ich sah kurz an mir runter und sah, dass es wirklich schon bessere Zeiten gesehen hatte. Als ich wieder in das geschockte Gesicht meiner Freundin, musste ich echt lachen. Nicht über sie, versteht sich. Aber das war doch nur ein Hemd! Ich hatte noch einen ganzen Schrank voll damit und es war ja nicht so, dass man das nicht auswaschen könnte. Ihr geschockter Blick über die Tatsache, dass ich ihr deswegen nicht böse war, ließ mich noch mehr lachen. Womit hatte ich sie nur verdient. Nach diesem ernsten Gespräch und überhaupt nach all den letzten Ereignissen, machte sie sich auch noch Sorgen wegen meinem Hemd! Auch wenn es total schwülstig klang, aber mein Herz schwoll fast über aus lauter Liebe zu ihr.
Ich verspürte das dringende Bedürfnis, sie zu küssen und setzte das natürlich auch gleich um. Es war ein berauschendes Gefühl. „Oh ich liebe dich, meine Bella!" Und wieder küsste ich sie. Ich musste immer noch leise lachen, als wir uns lösten und sie sich in meine Arme schmiegte. „Ehrlich, Liebste, bei allem, was in den letzten Tagen passiert ist und vor allem heute, da machst du dir Sorgen um mein Hemd?" Anscheinend sah sie jetzt auch, warum ich lachen musste und musste selbst miteinsteigen. Ich war froh, dass sie wieder lachen konnte. Für mich hatte es den wunderschänsten Klang, den ich jemals gehört hatte.
FLASHBACK ENDE
Der Rest des Abends war ruhig ohne weiter Vorkommnisse verlaufen. Alice, Rose, Emmett und Jasper hatten sich irgendeinen Plan überlegt, den soe uns aber nicht mitteilen wollten. Ich hoffte sehr, dass es funktionierte. Meine Bella sollte sich nicht weiter Sorgen machen müssen.
Als heute morgen um kurz nach sechs Uhr mein Handy klingelte, wurdeich aus meinem wohlverdienten Schlaf gerissen.
„Mach das Scheißding aus!", stöhnte Emmett.
Mit noch halb geschlossenen Augen, langte ich nach meinem Handy, was auf meinem Nachtschrank lag. Alice. War etwas mit Bella?, war die erste Frage, die mir durch den Kopf schoss.
„Hey Al-", doch sie ließ mich noch nicht mal ausprechen.
„Edward. Kannst du bitte mal runterkommen? Bella hatte einen Albtraum und scheint sich nicht beruhigen zu können und – " Auf einmal war ich hellwach. Ich hörte Alice gar nicht mehr zu, suchte stattdessen in meinem Schrank nach einem frischen T-shirt.
„Alice", unterbrach ich ihren immer noch andauernden Redeschwall, „Ich bin gleich da." Und damit legte ich auf und zog mich in Windeseile an.
„Was ist passiert?", fragte Jasper noch schlaftrunken.
„Bella hatte einen Albtraum", meinte ich auch nur und schon war ich aus der Tür raus.
Es dauerte nicht lange, da stand ich schon vor ihrer Zimmertür und klopfte leicht außer Atem an. Mich wunderte, dass ich die drei Mädchen lachen hörte. Die Tür wurde aufgemacht und eine immer noch lachende Bella flog in meine Arme. Hatte Alcie nicht gesagt, dass sie sich nicht zu beruhigen schien? Na anscheinend ging es meiner Bella blendend, aber ich machte mir trotzdem Sorgen. Diese ganzen Gefühlsschwankungen waren definitiv nicht gut für sie. Ich musste mir was überlegen, dass sie endlich mal wieder richtig abschalten konnte.
Bevor ich zu meinen Lesungen musste, versicherte ich mich gefühlte tausend Mal, dass es ihr auch wirklich gut ging. Leider würden wir uns über den Tag nur in der Mittagspause sehen. Nachdem sie mir also bestätigt hatte, dass es ihr gut ginge, musste ich sie schweren Herzens verlassen, um zu meiner ersten von vielen Lesungen zu gehen.
Als ich am Abend aus lauter Sehnsucht meine Liebste überraschen wollte und deswegen ohne anzuklopfen ins Zimmer trat, blieb ich schockiert in der Tür stehen. Ich hörte die computerverzerrte Stimme, die meiner Süßen drohte. Sie selbst stand mit Rose und Alice mit dem Rücken zu mir.
„... nicht mehr erinnern kannst, werde ich deinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen. Was hab ich dir bei all meinen Anrufen gesagt, was du tun beziehungsweise zu lassen hast? Na? Hat da einer nicht richtig aufgepasst? Aber da ich dich bereits mehrmals gewarnt habe und du dich nicht daran gehalten hast und deinen Fehler auch nicht zugeben möchtest, sehe ich mich gezwungen, meine Worte wahrzumachen und deinen Freunden.." Dieser, dieser... argh! Konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen? Sie hatte niemandem etwas getan, warum musste sich dieser Idiot ausgerechnet sie rauspicken?
„NEIN!", hörte ich meine Freundin rufen. Sie schien verzweifelt. „Nein. Ich...ich.." Was hatte sie vor? Ich ahnte nichts Gutes.
„Ja?"
„Ich... D-du hast gewonnen." Was?! „Ich...", sie hielt kurz inne, „... werde mich von Edward fernhalten. Aber bitte – bitte – tu meinen Freunden nichts!" Das versetzte mir einen ganz schön schmerzhaften Stich ins Herz, aber ich musste mich zusammenreißen. Ich würde unter keinen Umständen zulassen, dass sie auch noch das tat, was er von ihr verlangte. Dann würde sie sich doch noch mehr angreifbar machen, indem sie ihm zeigte, dass man sie so einfach erpressen konnte.
„Braves Mädchen. Endlich bist du zur Vernunft gekommen. Und solltest du dich trotzdem nicht an unsere Abmachung" – Abmachung? Oh, du Mistkerl, das wirst du noch bereuen! – „hälst, werde ich ohne Vorwarnung meine Worte wahrmachen, damit du siehst, dass das kein Bluff ist."
„Auf Wiederhören, Isabella." Und damit hatte er aufgelegt.
„Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?", sprach Rose einen meiner Gedanken aus. Dann drehte sich meine Bella plötzlich um. Ich sah ihre zitternden Hände und ihr bleiches Gesicht und dann sah sie auf. Direkt in meine Augen. Erst sah sie mich noch geschockt an, doch dann flackerten ihre Augenlieder zu und sie sank zu Boden. Mit zwei großen Schritten war ich bei ihr und konnte sie gerade noch von einem unsanften Aufprall auf dem harten Boden bewahren.
Mal wieder was aus Eddies Sicht - Was sagt ihr dazu? Soll ich öfter mal aus seiner Sicht schreiben oder doch lieber bei Bella bleiben?
