38. Kapitel - Der Abschlussball
Das Gewölbe war in ein dunkles Dämmerlicht getaucht. Ein großer Mann schritt auf und ab. Nachdenkend. Immer wieder sprühten Funken aus seinem Zauberstab. Ein Zeichen dafür, dass er wütend war. Seine roten Augen funkelten. Sie waren das einzige herausstechende Element im Raum. Er war es nicht gewöhnt, nicht das zu bekommen, was er wollte. Er konnte nicht damit umgehen, wenn die Dinge anders liefen als geplant. Wenn seine Leute versagten. „Ahhhh!" Er schrie seinen ganzen Ärger aus sich heraus. Nicht dass sein Leben von diesem Jungen abhänge, aber er wollte ihn einfach. Und wenn Lord Voldemort etwas wollte, dann bekam er es auch.
Und endlich war es soweit. Im ganzen Schloss brummte es wie in einem Bienenstock. Die Schüler liefen aufgeregt durch die Gänge und klärten die letzten Verabredungs- oder Kleidungsfragen. Aber auch die Lehrer machten einen schienen ziemlich angespannten Eindruck. Sie wollten ihren Schülern doch einen schönen Jahresabschluss ermöglichen und in der Vorbereitung fehlte noch so einiges. Zum Beispiel gab es da noch Probleme mit der Band, den ‚Crazy Broomstick', die Dumbledore doch engagieren wollte, da er einmal gehört hatte, dass diese Band gerade ‚in' bei den Jugendlichen war. Und bezüglich deren Gage mussten noch einige Absprachen geführt werden, aber alle waren zuversichtlich, dass letztendlich alles klappen würde.
Die Marauder wuselten durch ihren Schlafsaal. Heute war endlich der große Abend gekommen. James war so nervös, wie ihn seine Freunde noch nie gesehen hatten. Seit Jahren war er Lily hinterhergelaufen, hatte sie umschmeichelt, hatte sie geärgert, hatte versucht ihr näher zu kommen. Und den heutigen Abend würde er endlich mit ihr verbringen. „Glaubt ihr, dass ich es hinkriege?", fragte er aufgeregt. „Ich will es auf keinen Fall wieder vermasseln…"
„Cool bleibe Prongs, das wird schon.", versuchte Sirius seinen Freund zu beruhigen. „Lily ist doch viel besser auf dich zu sprechen."
„Und schalte lieber einen Gang zurück, bevor du wieder etwas Dummes tust. Hauptsache ihr habt einen schönen Abend, an dem du ihr nicht auf die Nerven fällst, sie nicht ärgerst und so weiter. Dann wird sie sich sicher wieder mit dir treffen wollen, auch wenn ihr vielleicht noch nicht Hogwarts schönstes Liebespaar werdet.", fügte Remus hinzu. „Da ich auch viel besser aussehe als James, wird er auch niemals Teil des schönsten Liebespaares von Hogwarts werden können.", murmelte Sirius und warf einen überprüfenden Blick in den Spiegel, nickte dann zufrieden.
„Verdammt! Lily schnell, helf mir doch bitte.", fluchte Celina, als sie sich in ihrem Ballkleid verheddert hatte und es jede Sekunde einzureißen drohte. Und das jetzt, wo sie sich endlich für ein Kleid entschieden hatte, von dem sie überzeugt war, dass es das richtige war.
„Halt bloß still, nicht bewegen, ich komme ja schon." Lily sprang über die herumliegenden Kleider, eilte ihrer Freundin zur Hilfe und befreite sie aus ihrem Ballkleid. Leider kam Celinas mühsam aufgesteckte Frisur dabei zu Schaden und ihre braunen Haare hingen ihr kreuz und quer ins Gesicht.
„Ahh, meine Haare, das darf doch alles nicht wahr sein.", kreischte Celina entsetzt, als sie in den großen, bodenlangen Spiegel schaute, den Eowyna extra für die Vorbereitungen für den Abschlussball hergezaubert hatte.
„Nun beruhige dich mal. Die Frisur kann man doch mit einem Zeit-Zauberspruch ganz. leicht wiederherstellen. Wir versetzen deine Haare sozusagen in den Zustand, in dem sie sich befunden haben, bevor du versucht hast, das Kleid anzuziehen.", ertönte es von Eowyna von der anderen Seite des Schlafsaals, die gerade schon wieder ihr Make-up überprüfte. Celina nickte erleichtert und zog endlich ihr Kleid, dieses Mal ohne Schwierigkeiten, an.
„Was meint ihr, mehr Lippenstift?", fragte Eowyna nachdenklich. Lily und Celina musterten sie kritisch, bis Celina schließlich sagte: „Wenn du aussehen möchtest wie ein Pfingstochse…" „Was ein schmeichelhafter Vergleich, Dankeschön.", entgegnete Eowyna leicht beleidigt. Oder war sie etwa wirklich zu doll geschminkt? Sie warf erneut einen kritischen Blick in den Spiegel.
Severus Snape legte seine Fliege um und griff nach dem Umhang zu seinem Anzug. Gut, seine Kleidung war nicht brandneu, aber trotzdem machte sie etwas her und ließ ihn gar nicht mal so schlecht aussehen. Ja sicher, er hätte sich vielleicht noch einmal die Haare waschen können, aber man durfte die Erwartungen an ihn nicht gleich zu hoch schrauben. Er verließ seinen Schlafsaal und ging langsam in den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Er war mies gelaunt. Was hatte er der Frauenwelt denn nur getan, dass sie ihn alle so schlecht behandelten? Erst Lily Evans, das Schlammblut, was hatte er sich nur dabei gedacht? Und nun Narcissa…aber was hatte er erwartet? Dass er gegen Malfoy ankommen würde? Sollte er sie zur Rede stellen? Nach seiner Einladung hatte er nicht mehr mit ihr über den Ball gesprochen und sie schien es nicht für nötig zu halten, ihn über ihre veränderten Pläne zu informieren. Das hieße ja eigentlich, dass sie davon ausging, dass er glaubte, die beiden würden nach wie vor gemeinsam auf den Ball gehen. Wollte sie ihn auch demütigen, wie es Evans getan hatte? Ihn heute an diesem schönen Tag, auf den sich ganz Hogwarts freute vor allen Slytherins demütigen, wenn er sie zum Ball führen wollte. Na sicher nicht mit ihm! Diese Blöße würde er sich nicht geben. Einfach so tun, als hätte er sie nie gefragt.
Die Marauder standen im Gemeinschaftsraum der Gryffindors an der Steintreppe, die sich hinauf zu den Schlafsälen der Mädchen schlängelte. James wippte nervös von einem Fuß auf den anderen und zog an seinen Fingern, bis diese laut knackten. Remus ging aufgeregt von der einen Seite des Raumes zur anderen und wieder zurück. Er war blass. Peter saß in sich zusammengekauert in einem der gemütlichen Ohrensessel und starrte zu Boden. Er war traurig. Wieder einmal waren seine Freunde „besser" als er. Sie hatten den Mut gehabt, ein Mädchen zum Ball einzuladen… Sie mussten nicht allein durch die Tür zur großen Halle gehen und sich den ganzen Abend langweilen, weil sich ganz Hogwarts tanzend amüsierte, während er in einer Ecke sitzen würde und Essen in sich hinein schaufeln würde.
Sirius hingegen lehnte gelassen an der Wand und musterte seine Freunde mit einem spöttischen Lächeln.
„Was ist denn bloß los mit euch? Ihr benehmt euch ja wie elfjährige, die zum ersten Mal bemerken, dass Mädchen nicht nur doof sind. Es ist doch nicht so, als ob ihr Lily und Celina noch gar nicht kennen würdet oder noch nie Zeit miteinander verbracht hättet…"
„Das ist doch aber gar nicht vergleichbar. Lily und ich gehen heute zusammen aus. Das ist etwas ganz anderes, als im gleichen Unterricht zusammen zu sitzen. Heute ist ein wegweisender Tag für unsere Zukunft.", wies James seinen Freund zurecht.
„Welch philosophische Worte, Prongs… Aber trotzdem kennt ihr euch schon ein bisschen besser, als nur vom Unterricht." Sirius schüttelte den Kopf. War er auch so gewesen, bevor er mit Eowyna zusammengekommen war?
Aber jetzt war es endlich soweit. Lily, Eowyna und Celina waren fertig und kamen die Treppe herunter, um ihre Begleiter zu treffen.
Remus riss die Augen weit auf, als er Celina erblickte. Sie trug das sonnengelbe, schulterfreie Kleid, das sie sich noch von ihrer Mutter hatte schicken lassen. Sie hatte ihre brauen Haare hochgesteckt und einige Strähnen umrahmten verspielt ihr Gesicht.
„Da bin ich.", lächelte sie und Remus wusste gar nicht, was er sagen sollte.
Lily hatte ein lindgrünes, bodenlanges Kleid an, was perfekt zu ihren Augen passte. Im Nacken wurde es von perlenbesetzten Trägern zusammengehalten und der obere Teil des Kleides war mit den selben Perlen besetzt. Ihre roten Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und in ihr Haar hatte sie Strasssteine geklippt, die im Licht hell funkelten. Sie ging auf James zu, der sie strahlend anlächelte. „Wow, du siehst echt umwerfend aus." „Danke." Lily lächelte zufrieden.
Sirius küsste Eowyna zur Begrüßung kurz auf den Mund und reichte ihr galant seinen Arm. Die beiden gingen hinter ihren Freunden her. „Du glaubst ja gar nicht, wie nervös die Jungs sind.", murmelte er. „Ach das beruht auf Gegenseitigkeit.", schmunzelte Eowyna. „Du siehst übrigens mal wieder hinreißend aus.", flüsterte Sirius Eowyna bewundernd zu. Sie trug ein rotes, langes Kleid, das von der Hüfte ab ausgestellt war. Wie das von Celina war es schulterfrei, was ihre goldene Kette, ein Familienerbstück, besonders betonte. Ihre blonden Haare waren gelockt und sie hatte sie an den Seiten mit zur Kette passenden Spangen zurückgesteckt. „Gryffindorfarben." „Du hast dich aber auch herausgeputzt.", erwiderte Eowyna das Kompliment.
Und damit hatte sie nicht ganz Unrecht. Die Marauder hatten sich wirklich schick gemacht, mit ihren schwarzen Anzügen, den weißen Hemden, der Fliege und den eleganten Umhängen.
Peter trottete allein hinter den Pärchen her und wäre am liebsten im Erdboden versunken.
Von überall her kamen die Schüler, in Paaren oder allein, in Strömen zur großen Halle. Aber was sie dort erwartete, übertraf ihre kühnsten Träume. Der Boden war komplett mit Sand bedeckt, an den Wänden wuchsen Palmen und man konnte Meeresrauschen und Möwengekreische hören. Anstelle der langen Haustische standen viele runde Tische im Sand, die von Bambusstangen und Palmblättern überdacht waren. Dort, wo normalerweise der Tisch der Lehrer stand, war eine Bühne aufgebaut.
„Das ist ja der absolute Wahnsinn!", platzte es aus Eowyna heraus. „So unglaublich wunderschön…"; sagte Lily träumerisch. „Wenn ich das mit den Sand gewusst hätte, hätte ich andere Schuhe angezogen.", jammerte Celina und Lily und Eowyna verdrehten die Augen. Sie hatten wahrlich genug von Celinas Kleidungsproblem.
Da der Abend mit einem Dinner beginnen sollte, suchten sich die Freunde einen Tisch, an dem sich noch Frank Longbottom mit seiner Begleitung Alice zu ihnen gesellte.
Nach dem hervorragenden Essen stand Dumbledore auf, um eine kurze Ansprache zu halten.
„Liebe Schülerinnen und Schüler! Sie haben alle hart gearbeitet, um dieses Schuljahr erfolgreich hinter sich zu bringen. Dieses kleine Fest haben Sie sich mehr als verdient. Und ich möchte Sie auch gar nicht weiter von den Festivitäten abhalten, viel Spaß und tun Sie nichts, was ich nicht auch tun würde. Und jetzt live in Hogwarts: die ‚Crazy Broomsticks'!"
Der Vorhang der Bühne ging hoch und gab den Blick auf die Band frei, die gleich richtig loslegte. Nach und nach stürmten die Schüler auf die Tanzfläche, so auch Sirius und Eowyna und Lily und James.
Celina schaute Remus erwartungsvoll an. „Und was ist mit uns beiden?", fragte sie. Remus guckte sie ein bisschen verwirrt an, dann begriff er. „Oh, achso, möchtest du tanzen?", fragte er höflich. Celina nickte und so verschwanden auch die beiden auf die Tanzfläche.
Peter Pettigrew blieb allein zurück. „Blöder Mist!", fluchte er leise und stand auf. Als einziger wollte er nicht am Tisch sitzen bleiben, das sah ja noch erbärmlicher aus, als er sich fühlte. Er beschloss eine Runde durch den Saal zu mache und zu schauen, was los war. Vielleicht würde er ja ein Mädchen finden, was er zum tanzen auffordern könnte. Auch wenn er eigentlich wusste, dass er sowieso nicht den Mut dazu aufbringen würde.
Kurz darauf entdeckte er eine einsame Gestalt an einem der Tische sitzen, die gelangweilt den Kopf in die Hände stütze. Peter zögerte einen Moment. Sollte er ihn ansprechen? Konnte er sich das erlauben? Warum eigentlich nicht, denn schließlich interessierte es heute niemanden, wer mit wem sprach. Vorhin hatte er sogar einen Gryffindor gesehen, der mit einer Slytherin tanzte.
„Hey Severus, Langeweile?", fragte er vorsichtig. „Mhh?" Snape blickte auf und starrte Peter erstaunt an, antwortete dann aber doch. „Ja schon… Setz dich doch." Er machte eine einladende Geste auf den freien Stuhl neben ihm. „Keine Begleitung?" Peter schüttelte den Kopf. „Und du?" „Frag bloß nicht."; zischte Snape zwischen seinen Zähnen hindurch. „Willst du nen Schluck?" Snape schaute sich vorsichtig um und zog dann eine Flasche Feuerwhiskey unter dem Tisch hervor und schenkte Peter ein. Der war ein wenig schockiert. „Aber…das ist doch verboten…", stammelte er. Snape zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon…"
Sirius hatte Eowyna an der Hand gepackt und zog sie hinter sich her aus dem Getümmel heraus. „Puh…das ist ja viel zu heiß!", keuchte er. „Ja, es wird Zeit, dass du mir etwas zu Trinken besorgst.", zwinkerte Eowyna. „Oh verzeih mir, wie konnte ich so unaufmerksam sein und meine Manieren vergessen. All das, für das meine Mutter jahrelang gearbeitet hat…verschwunden nachdem ich einen Sommer nicht zu Hause war." Sirius grinste und verschwand, um etwas zu trinken aufzutreiben. Eowyna ließ sich auf den nächstbesten Stuhl fallen. Das war wirklich ein wunderschöner Abend, die Lehrer hatten sich richtig Mühe gegeben. Sie erhaschte einen Blick auf Celina und Remus, die lachend über die Tanzfläche wirbelten. Endlich hatten die zwei zueinander gefunden. Aber wo waren denn nur die zwei anderen Sorgenkinder? Zwar freuten sich Sirius und Eowyna über die Verabredung von Lily und James, aber trotzdem beurteilten sie die Situation etwas skeptischer. Schließlich waren sie immer wie Feuer und Wasser gewesen und auch wenn es jetzt besser zu laufen schien, sollte man sich des Friedens noch nicht zu sicher sein. Aber alles schien super zu laufen. Eowyna erblickte Lily, wie sie James anstrahlte und er liebevoll seinen Arm um ihre Schultern legte. Lily drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Einen Festtagspunsch für meinen Engel." Sirius drückte Eowyna ein Glas in die Hand. „Was lächelst du so?"
„Lily hat James einen kleinen, aber feinen Kuss auf die Wange gegeben." Nun lächelte auch Sirius und murmelte: „Na endlich."
„Wow, womit hab ich denn den verdient?", fragte ein errötender James. „Einfach als Dankeschön für den schönen Abend.", antwortete Lily und die Röte auf ihrem Gesicht ließ sich nicht mehr nur mit Rouge erklären. „Der Dank gilt ganz dir.", gab James das Kompliment zurück. Und dann nahm er seinen ganzen Mut zusammen. „Lily, ich würde dir gern was sagen. Meinst du, wir könnten kurz rausgehen, hier ist es so laut." Lily guckte erst ein bisschen überrascht, willigte dann aber ein. Schließlich konnte sie James hier kaum verstehen.
„Verdammmmte Frauen!", beschwerte sich Peter lautstark. „Jaa, nur weil schie hübsch schind, denken schie…denken schie, schie können machen, wasch schie wollen.", lallte Snape. „Aber esch schind ja nicht mal alle hü.hübsch.", stammelte Peter. „Aber Lil..Evans ischt umwerfend… ihre Haare, ihre grüüünen Augen…mmmhh." Snapes Kopf fiel auf die Tischplatte. „Weischt du Sevi, Lily ist auch nicht das Wahre…sie ist ja mit Potti hier…und dasch sagt doch alles…" Peter kippte vom Stuhl.
