Kapitel 49 – Snapes Enthüllung
Draco spürte ein sinkendes Gefühl im Bauch. Wurde man von einem Todesfluch getroffen, schrie man nicht. Man fiel um und starb verdammt noch mal! Es sei denn der Ausführende war der eigene Vater und wollte einen nicht wirklich töten, doch ungeachtet dessen, kooperierte Voldemort nicht. Er taumelte zurück und sein Schrei verwandelte sich in ein makabres Lachen. Draco versuchte es erneut, darauf Acht gebend, dass er es wollte – Gott, wie er es wollte, dass dieser höllische Bastard starb! – doch diesmal wehrte Voldemort den Blitz ab. Der Dunkle Lord schoss einen Fluch auf Draco, der ihm auswich – weg von Hermine. Er sah aus den Augenwinkeln, wie sie zu Harry rannte.
„Snape!", brüllte Draco. „Was zur Hölle ist los mit dir? Sie sind zerstört! Verstehst du? Wir haben sie alle gekriegt!"
Draco schoss einen weiteren Fluch auf Voldemort ab, der wankte, aber nicht fiel. Der Dunkle Lord knurrte Draco an: „Idiot! Glaubst du etwa, ich würde es riskieren, diesen Körper zu verlieren? Den Körper, den ich nach fünfzehn Jahren nun endlich bekommen habe?" Der Dunkle Lord lachte abermals. „Es gibt Schutzmaßnahmen, von denen Dumbledore nichts wusste!"
Draco duckte sich hinter den Sessel, um einem grünen Blitz zu entgehen, der ein großes Loch in das Möbelstück riss. Für einen Moment spürte er Verdruss – Lucius würde ausrasten. Snape stand immer noch mit einem amüsierten Lächeln unbewegt daneben. Draco packte den Zauberstab fester und war überrascht, als er ihn erkannte. Wie war Hermine an Bellatrix' Zauberstab gekommen?
„Snape! Zur Hölle, tu etwas!", verlangte er, während er gerade rechtzeitig einen Schildzauber hochzog, der einen Sprengfluch abwehrte.
„Nagini! Töte die Malfoys!", rief Voldemort, bevor er sich offenbar daran erinnerte, dass die Schlange nicht menschlich war, und schnell in Parsel zischte. Draco schoss einen Fluch auf die Schlange – eine Bewegung, die Voldemort vorausgeahnt hatte. Draco erwartete den Gegenangriff bereits und hechtete hinter Dobbys Käfig. Der Hauself heulte vor Schreck auf und warf sich flach auf den Boden des Käfigs, als es laut von dem Fluch schepperte. Draco lugte dahinter hervor und sah, wie die Schlange sich um seine Eltern zu ziehen begann.
„Bastard!", knurrte Draco und schoss hervor, um Voldemort wieder anzugreifen, doch die Flüche hatten keine Wirkung – wie zur Hölle sollte er es schaffen?
„Expelliarmus!", schrie Voldemort und Draco spürte, wie Bellatrix' Zauberstab ihm aus der Hand flog. Verdammte Scheiße! Nun war er völlig wehrlos. Frustriert tat Draco das letzte, das der Dunkle Lord erwarten würde – er stürzte sich auf ihn. Voldemort fiel mit Draco auf ihm zu Boden. Malfoy stellte sicher, dass er bei der Landung hart ein Knie in Voldemorts Körpermitte rammte. Seine linke Hand packte das Handgelenk des Dunklen Lords, während seine Rechte an dessen Umhang herumtastete.
„Accio Zauberstäbe!", zischte Draco. Dieses Mal funktionierte es. Alle drei Zauberstäbe glitten aus Voldemorts Robe hervor in Dracos Hand. Voldemort schleuderte Draco mit einer übermenschlichen Kraft von ihm, so dass dieser über den Boden schlitterte. Draco zog einen Schild hoch, um den unvermeidlichen Fluch abzuwehren, der mit tötender Absicht auf ihn zu flog. Der Zauber prallte nutzlos von dem merkwürdigen Dreifach- Schild ab, den Draco mit allen drei Zauberstäben erschaffen hatte. Malfoy blinzelte belustigt, da er so etwas noch nie gesehen hatte.
Voldemort stand auf, nicht länger amüsiert. Seine roten Augen glühten vor Zorn.
„Severus, töte diesen Emporkömmling auf der Stelle!", blaffte er. „Töte sie alle!"
„Nein, ich glaube nicht", sagte Snape leise und schoss einen bizarren schwarzen Fluch auf Voldemort, der ihn einige Meter zurück warf und in die Steinmauer krachen ließ. Wenn Draco Voldemort zuvor wütend geglaubt hatte, war es nichts im Vergleich zu dem Ausdruck, der sein schlangenähnliches Gesicht nun überzog. Er schien zu erzürnt, um auch nur Worte dafür zu finden, dass der letzte Todesser im Raum sich gegen ihn gewandt hatte. Voldemort schoss Fluch auf Fluch zu Snape, der ihnen entweder auswich oder sie mit offenkundiger Leichtigkeit abwehrte.
Draco nutzte die Atempause, um zu seinen Eltern hinüberzuhasten. Er warf Harry und Hermine einen schnellen Blick zu, als er an ihnen vorbeikam. Granger sah blass und etwas zittrig aus.
„Granger, fang!", brüllte. Sie fing beide Zauberstäbe auf, die Draco ihr zuwarf. Draco blieb überrascht stehen, als er sich der Schlange näherte. Sein Vater hielt den Reptilkopf in beiden Händen, um die gefährlichen Fänge fernzuhalten, doch das war es nicht, was Dracos Aufmerksamkeit anzog. Vielmehr waren es die blutigen Schlitze, die plötzlich auf dem Schlangenkörper erschienen. Draco rätselte einen Moment lang über die Quelle – Narzissa schien bewusstlos zu sein, oder schlimmer. Dann hörte Draco jemanden rufen: „Sectumsempra!"
„Weasel? Bist du das?"
„Ja", brüllte Ron irgendwo unter Potters Tarnumhang. „Harry hat mir aufgetragen, deinen Eltern zu helfen."
Draco fragte sich, wann Potter das geschafft hatte, doch er hielt nicht inne, um darüber nachzudenken. Stattdessen schoss er mehrere Zauber ab, während er ein Auge auf den Kampf hielt, der zwischen Snape und Voldemort tobte. Die Schnittzauber funktionierten an der Schlange, aber nicht schnell genug. Draco konnte sehen, wie der Griff seines Vaters unter dem erdrückenden Griff der Schlange schwächer wurde.
Ein roter und orangefarbener Blitz verdunkelte Dracos Sichtfeld und er blinzelte den Phönix an, der plötzlich vor ihm schwebte. In seinen Klauen hielt er den abgenutzten Sprechenden Hut. Der Schaft von Gryffindors Schwert ragte aus dem Hut. Draco packte das Schwer, ohne nachzudenken, und hastete nach vorn.
„Ich fange tatsächlich an, diesen Vogel zu mögen", murmelte er und schwang die Klinge in einem tödlichen Bogen. Er verfehlte nur knapp die Hände seines Vaters, als er Naginis Kopf von ihrem Körper schlug. Lucius schleuderte den Kopf zur Seite und brach zusammen.
„Weasley! Hilf mir, den Körper abzulösen – er zieht sich immer noch zusammen!"
Draco warf das Schwert auf den Boden und brach mit seinem Zauberstab die geschuppte Gefahr von seinen Eltern. Teile von Weasley tauchten auf, als er mit Händen und Magie an der Schlange zog. Endlich waren Dracos Eltern frei von der zuckenden Schlange.
„Mutter – ist sie – ?"
Lucius wiegte Narzissa sanft und berührte ihren Hals. Seine grauen Augen trafen Dracos.
„Sie lebt."
Dracos Erleichterung war greifbar. Er packte seinen Vater an der Schulter.
„Schaff sie hier raus", sagte er.
„Nicht ohne dich", erwiderte Lucius und blickte zu dem seltsamen Kampf hinüber. Snape und Voldemort schienen einen Gleichstand zu haben. Snapes Flüche – Dunkle Magie, die Draco noch nie zuvor gesehen hatte – wirkten nur wenig auf den Dunklen Lord. Ebenso blockte Snape Voldemorts Zauber mit einer beängstigenden Leichtigkeit.
„Nein. Ich muss es durchziehen", entgegnete Draco. Und er würde nicht Hermine zurücklassen. „Er wird Mutter töten, wenn er kann, um uns beide zu verletzen. Du musste sie in Sicherheit bringen." Lucius seufzte und hob den schlaffen Körper seiner Frau auf.
„Sei vorsichtig", sagte Lucius. „Und um Himmels willen, tu nichts... Gryffindor- Mäßiges."
Draco grinste, wissend, dass er dafür nicht garantieren konnte. Er drehte sich um. Sein Lächeln verblasste, als er Hermine neben Potter auf dem Boden liegen sah. Ihr Kopf lehnte an Harrys Schulter. Draco eilte hinüber und kniete sich neben sie. Bei dem Schmerz in ihren braunen Augen lief ihm ein Angstschauer über den Rücken. Sie versuchte, ihn mit einem Lächeln zu überdecken, das jedoch mehr einer schmerzverzerrten Grimasse ähnelte.
„Ich kann nicht glauben, dass du das getrunken hast", rügte er und nahm ihre Hand.
„Ich kann nicht glauben, dass du mich liebst", erwiderte sie. Draco schoss das Blut ins Gesicht und er lächelte reumütig. Sein Blick schweifte zu Potter. Die grünen Augen zeigte für einen kurzen Augenblick Belustigung.
„Wir haben keine Zeit, darüber zu reden", sagte Draco. „Hast du Potter von dem Imperius befreit?"
„War nicht nötig – er hat es selbst getan."
„Du hast den Imperius abgeschüttelt und dann dort gesessen? Danke für die Hilfe, Potter", blaffte Draco.
„Ich wollte nicht, dass er es weiß – ich hatte nicht erwartet, dass Snape eingreifen würde. Wie blockt Voldemort die Flüche ab?"
„Ich weiß es nicht. Er hat etwas von einem Schutz gesprochen. Er muss ein Amulett oder so besitzen."
„Das muss ein verdammt gutes Amulett sein."
„Für jemanden, der seine eigene Seele in mehrere Stücke geteilt und sie in verschiedene Gegenstände gesteckt hat, glaube ich nicht, dass ein Schutzamulett eine große Herausforderung darstellt."
„Also schön, wie töten wir ihn?"
„Vielleicht können wir das Amulett überlasten, wenn drei von uns angreifen."
„Was meinst du mit drei von uns?", wollte Weasley wissen.
„Verdirb uns nicht die Freude, dich nicht sehen zu müssen, indem du den Mund aufmachst", kommentierte Draco und fügte hinzu: „Du bleibst bei Hermine – verstecke sie unter dem Umhang, damit Voldemort sie nicht wieder gegen uns verwendet." Auch wenn sie schon im Sterben liegt, dachte er schmerzerfüllt. „Wir müssen das Gegengift von Snape beschaffen"
„Wenn es überhaupt ein Gegengift gibt", sagte sie ernst.
„Sag das nicht!", fuhr Draco barsch auf. Er küsste sie verzweifelt auf die Lippen – Gott, sie waren so kalt – und gab sie sanft an Weasley weiter, dessen Gesicht kurz unter dem Umhang aufgetaucht war.
„Bereit, Potter?"
„Ja", sagte Harry und kam auf die Füße. Die beiden standen Seite an Seite und hoben ihre Zauberstäbe.
Harry war froh, seinen Zauberstab wieder in der Hand zu halten. Er war auch froh, Malfoy neben ihm zu haben, obwohl er es nie zugegeben hätte. Sie schritten vorwärts und schossen zugleich einen Fluch ab. Voldemort schrie bei dem dreifachen Ansturm – Snape hatte zur selben Zeit einen gezackten, purpur- schwarzen Fluch abgegeben. Der Dunkle Lord taumelte.
Ein flehender Tonfall erschien in Voldemorts Stimme: „Severus, warum? Du warst immer mein treuester Diener!" Seine Worte wurden von dem Fluch Lügen gestraft, den er auf Snape abschoss, welcher ihn mit einem Wedeln seines Zauberstabs abwehrte.
„Treuer Diener?", knurrte Snape. „Dir? Ich bin dir die letzten achtzehn Jahre nie treu gewesen! Mein einziger Lebensinhalt bestand darin, dich auf ewig vernichtet zu sehen!"
Voldemort knurrte wütend und schoss mehrere Zauber dicht nacheinander ab. Er ignorierte vollkommen Harry und Dracos gemeinsamen Angriff, der jedoch keine Wirkung hatte.
„Aber du hast Dumbledore getötet!"
„Willst du wissen, warum, du Halbblut- Missgeburt?", rief Snape. „Du perverses, blutbeflecktes Scheusal!"
„Dein eigener Vater war ein Muggle!", entgegnete Voldemort wütend. Snape lachte. Er klang ehrlich belustigt. Harry hielte inne, so wie Draco auch.
„Narr! Du bildest dir etwas auf deine Macht ein – deine gepriesene Fähigkeit als Legilimentiker und doch hast du nie auch nur ein Mal Verdacht geschöpft!"
„Worüber?", schnappte Voldemort.
„Du hast nie Verdacht geschöpft, dass ich nicht Severus Snape bin." Der ehemalige Zaubertränke- Meister legte seinen Zauberstab an seinen Kopf. Seine Haut schien sich zu kräuseln und zu missbilden. Die Hakennase verschwand und das verfilzte Haar wich einer glänzenden schwarzen Masse. Die Züge verwandelten sich in ein gut aussehendes Gesicht. Die schockierte Stille im Raum war greifbar. Harry trat ungläubig einen Schritt nach vorn.
„Sirius?"
Die leuchtend blauen Augen flackerten kurz zu ihm, bevor ein höhnisches Lächeln – so Snape- ähnlich und vertraut und doch verblüffend anders – seinen Mund umspielte.
„Nicht mein lieber verstorbener Bruder, Potter. Mein Name ist Regulus."
Harry konnte die Enthüllung kaum fassen. Voldemort offensichtlich ebenfalls nicht, da er ihn verständnislos anstarrte.
„Regulus Black? Aber... wie?"
„Wie? Ja, das ist vielleicht eine Geschichte, nicht wahr?" Regulus hob lässig seinen Zauberstab und schoss einen Lichtblitz ab, der den Dunklen Lord von den Füßen fegte und einige Meter entfernt zu Boden warf. Voldemort stand mit einem Knurren auf. Harry sah zu Malfoy, der entgeistert die Achseln zuckte.
„Wir scheinen im Augenblick etwas unnütz", kommentierte Draco. Als hätten die Worte Voldemorts Aufmerksamkeit erregt, schoss ein grüner Blitz auf Malfoy zu. Instinktiv zog Harry einen Schild hoch und der Fluch prallte ab. Malfoy wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Dunklen Lord und griff ihn gleichzeitig mit Snape – nein, Regulus Black – an.
Die drei umringten Voldemort, der allmählich wie ein in die Enge getriebenes Tier wirkte. Sein Schutzzauber musste wohl schwächer werden, nachdem er so viele schwere Schläge hingenommen hatte.
„Du bist getötet worden!", brüllte Voldemort. „Wie kannst du hier sein?"
„Denkst du, du bist der einzige, der von Horkruxen weiß?", stichelte Regulus. Er lachte bei dem Anblick von Voldemorts entsetztem Gesichtsausdruck. „Oh ja, ich weiß alles über deine kleinen Spielzeuge. Aber nein, meine Erklärung ist viel einfacher. Als du deine kleine Gruppe von Todessern auf mich angesetzt hast, habe ich sie stattdessen getötet. Bole, Pucey und Severus Snape. Ich habe Snape gezwungen, Vielsafttrank zu schlucken, um meine Gestalt anzunehmen. Und dann habe ich ihn umgebracht. Sein Tod hat den Zauber erstarren lassen – sein Körper ist in meiner Gestalt geblieben. Ich habe mich dann in Snape verwandelt und bin in Triumph zu dir zurückgekehrt."
Schnell führte Regulus einen Zauber aus, der Fred und Georges Blasenzauber ähnelte, außer dass seine mit giftigem Gas gefüllt zu sein schien. Voldemort kämpfte damit, sie zu zerstören. Nach einem Moment erbebte sie und zerplatzte.
„Natürlich hast du kurz darauf dummerweise entschieden, die Potters anzugreifen, als ich dir von dieser lächerlichen Prophezeiung erzählt habe. Die, die ich gehört habe, während ich mich um einen Job bei Dumbledore beworben habe. Unter deinem Befehl sollte ich wohl hinzufügen." Das schien Regulus komisch zu finden und er gluckste – ein Klang, der Harry so sehr an Sirius erinnerte, dass es ihm das Herz zusammenzog. „Man könnte sagen, du hast deinen eigenen Untergang eingefädelt."
Voldemort sammelte sich und sandte vier Flüche, die auf Regulus zu zischten. Einer verfehlte ihn und zwei wurden wie durch ein Wunder abgewehrt, doch der vierte schleuderte Regulus halb herum und warf ihn mit einer schmerzerfüllten Grimasse auf die Knie. Rasch griffen Harry und Draco Voldemort an, um Remus Zeit zur Erholung einzuräumen.
„Ich habe Sie noch nie Vielsafttrank nehmen sehen!", rief Harry. Als Barty Crouch Jr. sich als Alastor Moody ausgegeben hatte, hatte er es ständig aus einer Flasche genippt. Regulus rollte sich zur Seite und sprang auf die Füße, um zusätzlichen Zaubern zu entgehen. Harry glaubte, dass Voldemort definitiv schwächer wurde und sandte einen weiteren Sectumsempra zum Dunklen Lord.
„Sobald Voldemort verschwunden war, habe ich alles Dumbledore gestanden. Es wurde entschieden, dass ich Severus Snape bleiben würde, um Azkaban zu entgehen. Ironischerweise, wo mein lieber Bruder doch für ein Verbrechen dorthin geschickt wurde, das er nicht begangen hat."
„Wie konntest du nur zulassen, dass Sirius nach Azkaban gesteckt wurde?", brüllte Harry.
„Ich wusste zu der Zeit nicht, dass er unschuldig war. Ehrlich gesagt hat es mich auch nicht geschert. Damals war er ein richtiger Bastard!" Regulus raste nach vorn und schoss Fluch nach Fluch auf Voldemort, während er die Entfernung zwischen ihnen überbrückte. Voldemort wich zurück und führte abwehrende Gegenflüche aus. Regulus sprach in einem beifälligen Tonfall weiter, obwohl sein Atem vor Anstrengung in scharfen Keuchen ging. „Dumbledore und ich haben erwartet, dass du sehr viel früher zurückkommen würdest, Lord Voldemort. Der gute, alte Albus hat meine Verwandlung so dauerhaft gemacht, dass ich nicht ständig Vielsafttrank einnehmen musste."
Ein Sprengfluch ließ Remus innehalten und auf ein Knie fallen, um ihm auszuweichen.
„Du hast Dumbledore getötet!", rief Harry.
„Es war die einzige Möglichkeit, wieder in Tom Riddles Gunst zu kommen", erwiderte Regulus. „Außerdem war der alte Narr schon so gut wie tot. Die Zerstörung des Rings hat ihn beinahe umgebracht und den Trank in der Höhle zu trinken, war der Gipfel des Eisbergs. Es gab keinen Weg, ihn zu retten, und er wusste es."
„Nenn mich nicht Tom Riddle!", kreischte Voldemort plötzlich und stürzte sich auf Regulus, der bei der unerwarteten Bewegung auf dem kalten Fuß erwischt wurde. Er fiel zu Boden, der Dunkle Lord auf ihm. Voldemorts Zauberstab wand sich in die Falten von Blacks Umhang und ein rotes Glühen ging von ihm aus und schien auf Regulus, der seinen Kopf zurückwarf und gequält aufschrie.
Draco schoss nacheinander Flüche auf Voldemort, der endlich mit einem Fauchen von Regulus aufstand und sich zu Malfoy umdrehte. Regulus lag still da. Harry schüttelte sein Entsetzen ab und gesellte sich zu Draco. Malfoy sah rasender aus, als Harry ihn jemals erlebt hatte. Er war für einen Moment verblüfft, bevor er sich erinnerte – oh Gott, Hermine. Wenn Regulus tot war, wie würden sie ein Gegenmittel finden?
„Wir müssen es beenden!", rief Draco, während er, von Flüchen gejagt, durch den Raum hetzte.
„Wie?", verlangte Harry und warf sich zur Seite, als Voldemort sich wieder zu ihm wandte. „Unsere Zauber funktionieren nicht!"
„Gib auf, Potter!", sagte Voldemort und lachte. „Regulus Black war ein Meister der Dunklen Künste. Ihr könnt nicht einmal einen einfachen Unverzeihlichen ausführen!"
„Ich schon!", widersprach Draco und schoss gleich drei auf den Dunklen Lord los. „Und du wirst schwächer!" Es stimmte, Voldemort schnappte nach Luft und schien Schmerzen zu haben. Harry glaubte, dass einige seiner Zauber zu funktionieren begannen.
„Nicht genug, um mir etwas antun zu können", erwiderte Voldemort schlicht und griff wieder an. Der grüne Blitz schoss auf Draco zu. Malfoy schrie auf und fiel zu Boden.
„Nein!", brüllte Harry. Mit neuer Energie fiel Voldemort über ihn her. Die roten Augen schienen vor Zorn zu glühen und er drängte auf Harry ein, der zurückwich und beinahe über den zerbrochenen Sessel fiel. Ein Blitz traf ihn fast, als er den Sitz umging. Voldemort folgte ihm, bis er vor dem Sessel stand.
„Jetzt sind nur noch du und ich übrig, Potter", kreischte Voldemort. „So wie es vorherbestimmt ist." Er hob seinen Zauberstab zu einem letzten Streich. Harrys Augen erwiderte den reptilienartigen Blick und er wusste, dass sein Tod nur noch ein Fluch entfernt war. Mach es schnell, flehte er. Eine Stimme schnitt sich in Harrys düstere Gedanken.
„Potter, fang!"
Er blickte auf und sah das Gryffindor- Schwert mit dem Heft voran aus Dracos Hand auf sich zu fliegen. Harry fing das Schwert ohne nachzudenken auf, wirbelte herum und stürzte sich auf Voldemort. Die Klinge warf den Dunklen Lord rücklings in den Sessel und die Gewalt von Harrys Angriff bohrte das Schwert direkt durch Voldemorts Körper. Harrys Gesicht war Zentimeter von Voldemorts entfernt und dessen roten Augen waren vor Überraschung weit aufgerissen.
„Habe ich erwähnt, dass wir alle deine Horkruxe zerstört haben?", flüsterte Harry kalt.
„Nein... es ist unmöglich", zischte Voldemort. Blut sprudelte von seinen Lippen und Harry grinste wie Malfoy.
„Fahr zur Hölle, Tom."
Voldemort heulte auf und sein Körper wand sich und erschlaffte plötzlich. Harry drückte sich hoch und trat zurück. Der Körper, ein Konstrukt aus Magie, schien zugleich zu zersplittern und sich zu verflüchtigen. Das heulende Kreischen wuchs zu einer fast unhörbaren Frequenz an und erstarb dann. Der vom schwarzen Umhang umhüllte Körper verkümmerte und hinterließ eine formlose Masse, die vom glühenden Schwert auf dem Sessel gehalten wurde.
Harry fiel in erschütterter Erleichterung auf die Knie.
Draco wartete nicht auf Voldemorts Tod. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass Potter das Schwert tatsächlich auffing, raste er zu Regulus Black. Seine Hände schlangen sich in die schwarzen Roben. Zum Glück öffneten sich Blacks Augen.
„Draco", sagte Regulus und hustete. „Mein lieber Cousin."
Draco starrte ihn einen Moment lang an, als er plötzlich realisierte, weshalb Snape ihn immer bevorzugt hatte – und weshalb er immer Zeit bei den Malfoys verbracht hatte. Regulus war stets der Lieblingscousin seiner Mutter gewesen... Er hatte seine Familie verlassen, nur in der Gestalt eines erbärmlichen Halbblut- Lehrers. Draco schüttelte den Gedanken ab.
„Das Gegenmittel!", verlangte er. „Gib es mir."
„Draco. Sie ist ein Schlammblut. Lass sie sterben."
Dracos Hände ballten sich zu Fäusten und er hob Black mit einem Schluchzen der Angst halb hoch. Regulus hatte achtzehn Jahre seines Lebens für seine Reinblüter- Ideale geopfert. Würde er auch Hermine opfern, um Draco den Schlammblut- Makel zu ersparen? Draco hatte in seinem ganzen Leben noch nie um etwas gebettelt. Nun tat er es.
„Bitte. Bitte, Regulus."
Black hustete wieder und Blut befleckte seine Lippen.
„Es ist zu deinem eigenen Wohl, Cousin."
Draco schmetterte Blacks Kopf beinahe in den Boden vor Frust.
„Überlass es mir, mir Gedanken über mein Wohl zu machen, verdammt!", knurrte er. „Also, wo ist es?"
Regulus schloss die Augen und seufzte. „Es ist in meinem Büro. Links von der Tür. Schrank – zweites Regal. Dritte Flasche. Grünes Etikett. Cousin, du wirst es niemals rechtzeitig schaffen."
Draco sprang auf und raste zur Passage, wissend, dass Regulus die Wahrheit gesagt hatte. Das Gift war schon viel zu lange in Hermines Körper. Als Draco den Eingang erreichte, warf er Ginny Weasley um, die gerade aus der Tür trat. Sie funkelte ihn vom Boden aus an und er starrte einen Augenblick lang auf ihr rotes Haar, während ihm eine wilde Idee kam.
„Fawkes!", brüllte Draco plötzlich und blickte sich im Raum um. Der Vogel hatte offenbar in der Nähe gehockt, denn es dauerte nur einen Moment, bis er auf Dracos Schulter landete. Malfoy stieß erleichtert die Luft aus. „Hof das Gegengift. Snapes Büro!" Er erklärte, wo es zu finden war, und der Phönix flog davon. Draco ballte vor Sorge die Fäuste, lief an dem rothaarigen Mädchen vorbei, ohne sie anzusehen, und lief zu Hermine – noch immer bedeckt von Harrys Umhang. Ron bewegte sich zur Seite, als Draco sich auf den Boden fallen ließ und Hermines Kopf in seinen Schoß legte. Ihr Körper war vor Schmerz zusammengekrampft und sie war in Schweiß gebadet.
Harry Potter stand mit einem besorgten Gesichtsausdruck daneben. Ginny schlang ihre Arme um ihn.
„Halte durch, Granger, du irrsinnig dickköpfige Gryffindor", murmelte Draco und nahm ihre Hände in seine. Sie drückte seine Finger fest, bis ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Beeil dich, Vogel, drängte er.
