Vorbereitungen
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
In den darauffolgenden Tagen schlugen Hermiones Freunde regelmäßig bei der jungen Hexe auf, wobei das Reizthema Malfoy großzügig ausgeklammert wurde. Nur brannten der Gryffindor, im Bezug auf den Blonden, die meisten Fragen auf der Seele. Ob es etwas Neues gab? Allgemein, wie es ihm ging?
Als sie das Thema mal behutsam ansprach, dauerte es nicht lange, bis Ron erneut explodierte. Dass es nicht wieder zu einem großen Streit kam, lag an Ginny, die ganz schnell einen Aufbruch initiierte, da sie, Hermione, noch Ruhe brauchte. Mit dem Verschwinden ihrer Freunde, blubberte die Hexe mürrisch vor sich hin.
Scheinbar wollte Ginnys Plan nicht so recht aufgehen, den beiden Jungs, insbesondere Ron, ein wenig Dankbarkeit einzureden, da Malfoy ihr und Ginny das Leben gerettet hatte.
Irgendwann hatte sie aber endlich mal Glück, als sich die Tür öffnete. In dieser standen weder Harry noch Ron oder Ginny. Nein, es waren Blaise und Charlie, die gerade einen Gryffindorfreien Moment erwischten. Fast Gryffindorfrei.
„Hey, Süße", grinste Blaise und trat zu ihr. Hermione blickte daraufhin von ihrem Buch auf und lächelte ihn an. Besagtes Buch nahm der Slytherin ihr auch gleich weg.
„Na na, überanstreng deinen Kopf nicht schon wieder mit so schwerer Lektüre", neckte Blaise sie und sah kurz auf den Einband.
*Rechtsprechung in der Magischen Welt*
„Da krieg ich bereits vom Titel Kopfschmerzen", jammerte er und legte es beiseite.
„Wie geht's dir?", fragte Charlie, der nochmal ein paar Blumen dabei hatte, was sie lächeln ließ.
„Soweit ganz gut. Hin und wieder nur ein bisschen schwindlig." „Deswegen solltest du so etwas auch nicht als Gute-Nacht-Geschichte lesen", deutete Blaise auf das Buch, worauf sie ihn sträflich ansah, sich am Ende aber an Charlie richtete.
„Gibt es irgendetwas Neues von Draco? Wart ihr mal bei ihm?" „Leider nicht." „Was? Warum nicht?" „Sie lassen zurzeit, wohl aus Sicherheitsgründen, niemanden auf die Gefängnisinsel. Und wir als seine Freunde und Slytherins da… Wir könnten ja was im Schilde führen", frotzelte Charlie.
„Ihn zum Beispiel befreien und entführen", ergänzte Blaise zähneknirschend, da er diesen Plan noch immer im Hinterkopf hatte.
„Ihr wisst nicht, was mit ihm ist?", sah Hermione die Beiden geschockt an.
„Nein. Wir haben ihn seit der Schlacht nicht mehr gesehen. Seine Mutter lassen sie auch nicht zu ihm, oder sonst jemanden vom Orden. Sie haben Azkaban vollständig von der Außenwelt abgeschottet." „Aber…", wusste Hermione nicht, was sie sagen sollte. Stattdessen machte sich in der Gryffindor ein quälendes Gefühl der Unruhe breit.
„Mach dir keinen Kopf. Er hat schon ganz andere Sachen durchgestanden. Da wird er sich davon auch nicht unterkriegen lassen", meinte Charlie aufmunternd, da er ihr ihre Gedanken an der Mimik ablesen konnte. Hermione sah ihn dennoch beunruhigt an.
„Bist du sicher?" „Ja. Davon abgesehen, wird das kein Dauerzustand bleiben. Wir werden ihn da schon irgendwie rausbekommen. Immerhin hat er nichts gemacht, was so ein hartes Urteil rechtfertigt. Das wissen die im Ministerium auch ganz genau. Dass das völlig überspitzt ist. Und wegen der Sache mit den Death Eatern in der Schule… Da war er minderjährig. Zwar bloß ein paar Tage, die zählen aber." „Hm", machte sie nachdenklich und sah zu Blaise.
„Und sonst? Kennt ihr nicht jemanden, der für ihn Sprechen könnte?" „Niemand, dem das Gamot glauben würde. Das Wort eines Slytherins würden sie anzweifeln, noch dazu, da er unser Freund ist. Wir brauchen Leute, die neutral sind und dann auch so Aussagen würden. Du, Ginny, Tonks…" „Ich hab Ginny gesagt, sie soll Harry mal ein bisschen ins Gewissen reden", meinte Hermione, worauf die Zwei das Gesicht verzogen.
„Nimm's mir nicht übel, Mione, aber Potter Aussagen zu lassen, ist eine ziemlich schlechte Idee. Der wird kein einziges gutes Haar an Draco lassen", wandte Charlie ein.
„Ihr tut ihm unrecht", nahm Hermione ihren Freund in Schutz.
„Die Beiden können sich auf den Tod nicht ausstehen, das kann ich nicht abstreiten. Aber das sind private Sachen. Harry ist ganz bestimmt nicht so rachsüchtig, Draco auf dem Weg eins reinzuwürgen. Er weiß durch Sirius, was es heißt, in Azkaban eingesperrt zu sein. Genauso, dass Draco Ginny und mir geholfen und uns vor Lestrange gerettet hat. Er hat von Draco zudem ein paar wichtige Hinweise bekommen, was die Horcruxe angeht. Das sind alles Dinge, die wir vor dem Gamot nur ins rechte Licht rücken müssen. Wenn wir dem Gremium nochmal deutlich machen, dass er mit uns gekämpft hat, dann ließe sich die Sache mit den Death Eatern sicherlich auch irgendwie aushebeln. Wenn wir dann auch noch glaubhaft rüber bringen, dass sein Vater ihn zu diesen Dingen gezwungen hat, eben auch die Sache mit dem Mal, dann haben wir gute Chancen, das Urteil zu unseren Gunsten zu entscheiden. Zu seinen." „Lass mich mal raten", begann Charlie schmunzelnd und nahm sich das Buch.
„Du hast bereits irgendwas in der Richtung in dem Schinken gefunden?" „Könnte man sagen, ja", sah sie ihn durchtrieben an.
„Ich bastel mir gerade eine schlagfertige Strategie zusammen." „Typisch", grinste Charlie und legte den dicken Wälzer zurück.
„Wenn ich sonst schon nichts tun kann, solange sie mich hier festhalten, dann wenigstens das", murrte sie leicht.
„Du sollst dich aber auch ausruhen. Allen voran deinen Kopf." „Dem geht's gut", brummte sie ein wenig, was die Beiden grinsen ließ. Am Ende beugte Blaise sich zu ihr und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Wange, worauf sie verwirrt zu ihm blickte.
„Wofür war das?" „Das, meine Liebe, erfährst du noch früh genug", schmunzelte er. Hermione zog allerdings skeptisch die Augenbrauen kraus.
„Dann wollen wir dich in deiner Recherche gar nicht weiter stören. Wir müssen auch noch ein paar Sachen organisieren. Vielleicht kriegen wir ja ein paar Leute dazu, etwas Nettes zu sagen." „Wäre nicht schlecht." „Okay, dann… Brauchst du noch etwas Spezielles?" „Wenn du mich schon so fragst…", begann die Hexe hinterlistig und kramte aus dem kleinen Schränkchen neben dem Bett eine Liste hervor, auf der noch mehr Bücher standen.
„Merlin nochmal", entwich es Blaise baff, aufgrund der Länge.
„Es wird in einigen Fällen auf diese Bücher verwiesen. Ich will mir dort die ganzen einzelnen Aspekte ansehen." „Da hast du dir ja was vorgenommen", murmelte Blaise und steckte die Liste ein.
„Bringt ihr mir die so schnell wie möglich?" „Geht sofort los." „Danke." „Aber nicht dafür." Damit waren die Jungs weg, sodass Hermione sich ihren momentanen Schinken erneut zur Hand nahm und weiter nach einer Lösung suchte. Nur wurde sie dabei zeitnah vom Rest ihrer Freunde gestört, die vermutlich weniger von ihren Recherchen angetan waren. Allen voran Ron, weshalb sie ihr Buch rasch verschwinden ließ, um keinerlei Streitigkeiten zu provozieren.
Merlin sei Dank ließen sich die Fünf recht schnell abwimmeln, da sich Hermione so furchtbar müde fühlte. Zwar hatte sie ein bisschen ein schlechtes Gewissen, ihre Freunde anzulügen und ihnen so unter Umständen wieder mehr Sorgen zu machen. Nur wusste sie mit ihrer Zeit im Augenblick wesentlich besseres anzufangen, als über irgendwelche belanglosen Sachen zu reden. Von den Löwen schien sie in der Richtung ohnehin keinerlei Hilfe erwarten zu können, außer vielleicht von Ginny.
Sie hoffte inständig, dass sie Harry noch davon überzeugen konnte, etwas Positives über Draco zu sagen. Hermione war sich sicher, dass sich das Gamot, wenn es von ihm kam, eher von einer Freilassung überzeugen ließ.
Keine fünf Minuten, nachdem sie ihre Freunde verscheucht hatte, kramte sie ihr Buch wieder hervor und las so lange, bis sie mit dem Schinken auf dem Bauch einschlief.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
„Wie kann sie so was lesen?", hörte sie eine leise, restlos zweifelnde Stimme, die sich im nächsten Moment als Ron entpuppte.
Verdammt, ich bin schon wieder eingepennt, schallt sie sich. Als sie etwas mehr blinzelte, entdeckte sie auch den Rest, der aus Ginny, Luna, Harry und Neville bestand.
„Hey, Süße", lächelte Ginny, als sie bemerkte, dass sie wach wurde.
„Wir wollten dich nicht wecken." „Schon okay. Wie spät ist es denn?" „So wie du guckst, zu früh für dich", schmunzelte Harry leicht, während Ginny ihr das schwere Buch vom Bauch ziehen wollte. Hermione hielt es aber fest.
„Geht schon", murmelte sie und richtetet sich halb auf. Ron schnaubte.
„Wieso liest du eigentlich solchen Scheiß?" „Meine Sache", murrte sie und markierte die Seite, auf der sie war. Ron zählte allerdings eins und eins zusammen, nachdem er den Buchtitel gelesen hatte.
„Das ist wegen Malfoy, oder?" „Selbst wenn, was kümmert es dich?", funkelte sie ihn böse an.
„Mit was ich mich in meiner Freizeit beschäftige und warum ist meine Sache! Oder mit wem!", setzte sie nach, sodass Ron aufbrauste.
„Wie kannst du dir wegen dem solche Gedanken machen? Er ist dort, wo er hingehört und hoffentlich auch bleibt!" „Ron!", zischte Ginny.
„Du bist unmöglich!", fauchte Hermione und rappelte sich weiter auf.
„Wie kann man bloß so rachsüchtig sein?!" „Rachsüchtig? Entschuldige bitte, dass ich mich nicht so von ihm hab einlullen lassen wie du und damit alles vergesse, was er angerichtet hat!" „Sag mal, geht's noch? Was hat das denn da-" In dem Moment ging die Tür auf und unterbrach Hermione, als die nächsten Besucher kamen. Oder zumindest kommen wollten, denn sie blieben in der Tür stehen, als sie die bereits anwesenden Personen erblickten.
„Was wollt ihr hier, Zabini?", knurrte Ron sofort feindselig, kaum dass er Blaise und Charlie entdeckte. Die Slytherins maßen ihn ihrerseits lediglich kühl.
„Von dir überhaupt nichts, du Hohlbirne." „Duuu-" „Ron!", zischte Ginny leise, aber auch warnend, sodass er seine Schwester kurz sauer anfunkelte.
„Wir wollten Hermione nur etwas vorbeibringen", meinte Charlie blasiert, womit sie ganz drin waren. Blaise hatte eine lederne Tragetasche über der Schulter hängen, in der sich schwere Lektüre verbarg. Mit dieser ging er direkt zu der Löwin, was sich die Übrigen, bis auf Ginny, mit erhöhter Vorsicht besahen. Ron hauptsächlich wütend.
„Hast du alles bekommen?" „Bis auf zwei, ja. Ich guck heute Abend nochmal mit Charlie. Aber ich denke, das reicht dir erstmal", grinste er und stellte seine Ausbeute auf dem Tischchen ab.
„Und dir geht's gut?", fragte er noch immer etwas besorgt.
„Ja. Solltest du deinem Vater auch mal sagen", richtete sie sich an Charlie, der unschuldig die Hände hob.
„Hey, wenn Paps sagt, dass du noch Ruhe brauchst, wird das seine Gründe haben." „Mir geht's aber gut, also hört endlich auf, mich wie eine Schwerkranke zu behandeln! Ich hab keinen einzigen Kratzer mehr!" „Da drin…", tippte Blaise mit dem Zeigefinger verspielt auf ihren Kopf.
„… ist laut Daniel allerdings noch nicht alles heil." „Du…", knurrte sie ihn etwas an. Noch im selben Moment wetzte Ron um das Bett und ergriff Blaise energisch am Handgelenk, um ihm die Hand abzuhacken.
„Fass sie nicht an, du mieses Stück Sch-" „RON!", fuhr Hermione ihren Freund sofort wütend über den Mund, was Blaise freudig glucksen ließ. Es war doch immer wieder herzerfrischend zu sehen, wenn die Beiden sich stritten.
„Verdammt, lass ihn los!", zischte sie Ron an, der sie perplex ansah.
„Aber -" „Nichts aber! Zum letzten Mal, Ronald. Sie sind meine Freunde und ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn man sie grundlos angreift, also hör auf Streit zu suchen!", fauchte sie erbost, worauf er eingeschnappt schnaubte.
„Ach, jetzt bin ich wieder schuld?!", giftete er pampig, sodass sie mit den Augen rollte. Blaise eroberte sich indes seinen Arm zurück und beugte sich zu Hermione.
„Wir kommen später nochmal und reden in Ruhe", flüsterte er. Im Anschluss ließ er es sich nicht nehmen, seiner Löwin noch ein Küsschen auf die Wange zu hauchen. Er wusste, dass Ron diese freundschaftliche Geste zur Weißglut trieb.
Als er aufsah, war der Rotschopf bereits purpurfarben angelaufen und schnaubte verächtlich. Es war deutlich zu sehen, dass er sich am liebsten auf Blaise stürzen und ihm ins Gesicht schlagen wollte. Dem juckte es auf den Anblick ordentlich in den Finger, sich auf die gleiche Art und Weise von Ginny zu verabschieden. Allerdings wäre das für den Anfang zu viel des Guten. Zumal er es sich im Moment nicht mit dem Held der Helden verscherzen wollte, sollte Hermione tatsächlich Recht behalten.
„Bis später", meinte Blaise am Ende nur noch und trat zu Charlie. Als sie an der Tür waren, hielt Ginny die Zwei nochmal an.
„Ihr müsst nicht gehen", gab sie den Beiden ein wenig gedrückt zu verstehen. Charlie schüttelte allerdings kaum merklich mit dem Kopf.
„Wir wissen, wann wir unerwünscht sind", merkte er kühl, mit einem berechnenden Blick auf Ron an.
„Außerdem braucht Hermione noch Ruhe, also sorg dafür, dass der Schwachkopf sie in Ruhe lässt." „Halt's Maul, Harper!", fauchte Ron und kriegte so nicht nur einen Rüffel von Hermione „RON!", sondern auch von Ginny, die ihn wütend anfunkelte. Kurz darauf waren die beiden Jungs verschwunden.
„Danke!", keifte Hermione, kaum dass die Tür ins Schloss gefallen war.
„Du bist manchmal echt unmöglich! Was haben sie dir eigentlich getan?!", schimpfte Ginny lautstark, sodass Ron sich immer mehr in der falschen Realität sah.
„Habt ihr sie noch alle? Wieso hackt ihr auf einmal auf mir rum? Man, das sind Slytherins! Sie -" „Oh, jetzt hör endlich auf damit! Das Thema hatten wir schon mal! Nur weil sie diesem Haus zugeteilt wurden, sind sie nicht zwangsläufig die Bösen! Es gibt auch in anderen Häusern Idioten. Und in unserem leider auch!", setzte Ginny bissig nach, womit ihm der Kragen platzte.
„Schönen Dank auch!" Damit war er weg, nicht aber ohne die Tür lautstark ins Schloss zu schlagen.
„War das nötig?", richtete sich Harry daraufhin vorwurfsvoll an seine Freundin, die ihn warnend ansah.
„Wenn er jedes Mal gleich einschnappt, ist das nicht mein Problem!", murrte Ginny.
„Nur weil ihr zwei euch nicht mit den Jungs versteht, heißt das noch lange nicht, dass wir sie genauso hassen müssen!" „Wie … wie kam das jetzt eigentlich?", erkundigte Neville sich.
„Was?" „Na das ihr euch mit den Beiden… Ich meine… Ron hat ja schon ein bisschen Recht. Ihr habt euch sonst nie mit Slytherins abgegeben und die Zwei… Sie hingen doch ständig mit … mit Malfoy zusammen." „Sicher. Nur… Blaise kam irgendwann mal. Er wollte sich unbedingt mit mir treffen, ich mich aber nicht mit ihm. Blaise kann allerdings verdammt hartnäckig sein, wenn er etwas will und da. . .", erzählte Hermione ihren Freunden die Geschichte, die aufmerksam lauschten.
Schließlich kam sie auf Draco zu sprechen. Insbesondere auf die Tatsache, dass er von diesen Treffen gewusst und es ihn anscheinend nicht gestört hatte. Dass er wohl doch nicht so engstirnig gestrickt war, wie sie dachten. Harry war davon jedoch nicht überzeugt.
„Wer weiß, warum er nichts deswegen gesagt hat. Am Ende wollte er vielleicht von der Verbindung profitieren und mit Hilfe der Beiden irgendetwas über uns ausspionieren." Hermione rollte auf den Kommentar mit den Augen, bevor sie ihn anfuhr.
„Denkst du wirklich, wir wären so blöd und unvorsichtig gewesen, Blaise und Charlie irgendwelche Geheimnisse zu erzählen? Wir haben nie ein Wort über die DA verloren, sonst hätten sie uns entdeckt. Wir haben nie über den Orden oder sonst etwas gesprochen, was nicht für fremde Ohren bestimmt war. Wenn wir uns mit ihnen getroffen haben, haben wir über völlig belangloses Zeug geredet, oder uns mit Witzen einfach nur amüsiert. Da war nichts, was Malfoy hätte ausspionieren können. Blaise und Charlie haben uns auch nie weiter über so etwas ausgefragt. Sie haben respektiert, dass wir ihnen gewisse Dinge nicht sagen wollten. Deswegen haben sie unsere Freundschaft trotzdem nicht hingeschmissen, was doch umso mehr beweist, dass es echt war. Es gab nichts, was sie von uns hätten bekommen können. Wir hatten einfach nur unseren Spaß, so wie wir ihn mit euch haben. Darüber hinaus haben die Beiden inzwischen mehr als einmal gezeigt, dass sie auf der richtigen Seite stehen! Also hör auf, immer wieder diese alten Kamellen aufzuwärmen, von wegen: Jeder Slytherin ist Böse und ein Schwarzmagier! Das stimmt nicht! Und das weißt du auch!", funkelte sie Harry durchdringend an, sodass er ein wenig das Gesicht verzog.
„Du und Ron, vor allem Ron, ihr seid einfach nur zu stur oder zu stolz, um zuzugeben, dass ihr euch in eurer Meinung irrt! Dass der Großteil von ihnen nicht wirklich umgänglich ist, stimmt schon. Das kann ich nicht verleugnen. Nur trifft das eben nicht auf alle zu! Blaise und Charlie sind Ausnahmen, die aber kaum eine Chance haben, beachtet zu werden, weil niemand ihnen die Chance geben will, zu zeigen, dass sie anders sind! Denk doch nur mal an Snape." Daraufhin schwieg er, womit Hermione mehr in ihr Kissen versank.
„Alles okay?" „Ja", stöhnte sie leise und massierte sich die Schläfen. Sie kriegte von diesen verfluchten Diskussionen schon wieder Kopfschmerzen. Etwas, was nur zu deutlich zu erkennen war, denn Ginny strich ihr beruhigend durch die Haare.
„Ruh dich aus. Wir kommen später nochmal", riss der Rotschopf kurzerhand den Aufbruch an, da die Stimmung ohnehin im Eimer war. Hermione war es ganz lieb. Sie wollte ihre Ruhe. Diesmal wirklich, womit die Fünf verschwanden und die nächsten ein, zwei Tage auch nicht wieder auftauchten.
Als erneut Besuch kam, bestand dieser nur aus Harry und Ginny, oder Neville und Luna. Ron blieb ihr fern und spielte weiter den Beleidigten. Was Hermione an einem Nachmittag hingegen angenehm überraschte, war die Tatsache, dass Harry ruhig blieb, als Blaise und Charlie vorbeikamen, in der Hoffnung, keinen der Löwen anzutreffen.
So wollten sie, auf Harrys Anblick, bereits wieder verschwinden, Ginny hielt sie allerdings zurück. Zwar belauerten sich die drei Jungs anfangs, irgendwann überkam Harry aber eine gewisse Einsicht, denn seine abwehrende, leicht aggressive Haltung brach in sich zusammen. Und da Hermione Blaise und Charlie seit langem wieder bei sich hatte, konnte sie einfach nicht an sich halten und fragte nach Draco.
Die Informationen, die die Beiden hatten, waren jedoch recht karg, um nicht sagen, sie wusste nichts. Die Gefängnisinsel war und blieb gänzlich von der Außenwelt abgeschottet. Eine Tatsache, die Hermione nicht behagte.
Sie wollte sich keine Vorstellung davon machen, wie das für Draco war. Eingesperrt in so einem dunklen, kalten Loch, mit all diesen wahren Monstern. Nicht zu wissen was war oder noch kam. Die Gewissheit vor Augen, über zwei Jahrzehnte in diesem unheilvollen Gemäuer verbringen zu müssen. In dieser Einsamkeit.
Sie hoffte für den Moment nur inständig, dass er allein in einer Zelle und nicht mit einem der Death Eater zusammengesperrt war. Die wussten schließlich alle, dass er sie hintergangen und für den Orden gekämpft hatte. Für das Gute. Wenn nicht, sie wollte gar nicht näher darüber nachdenken, was diese Psychopathen ihm am Ende bereits angetan hatten? Vielleicht war er schon tot und…
Nein, nein, nein, nein!
Rasch verdrängte sie diese albtraumhafte Vorstellung, auch wenn sie ihr sehr naheliegend erschien. Dass man ihm auf indirekten Weg versuchte etwas anzutun, da der Orden den Kuss der Dementoren, Merlin sei Dank, abwenden konnte. Sicher schlug das Einigen ziemlich sauer auf. So ja auch Ron. Und was ihn anging…
Es ging ihr einfach nicht in den Kopf, wie Ron ihm ein derartiges Schicksal wünschen konnte? Sicher, die Zwei hassten sich wie die Pest. Sie waren wie Feuer und Eis. Ron mit seinem aufbrausenden Temperament. Draco mit seiner kalten, distanzierten, abweisenden Haltung.
Das mit den Beiden konnte nicht gut gehen. Die Feindseligkeit war von der ersten Sekunde an da und war mit jeder Beleidigung, jedem Streit nur noch stärker gewachsen. Nur waren es meist nur wörtliche Streitigkeiten. Und diese rechtfertigten solche verhassten Wünsche, wie Ron sie hatte, absolut nicht. Selbst Harry erachtete das Urteil mit den Dementoren als falsch und so wie sie ihn letztens verstanden hatte, sah er die 25 Jahre auch als viel zu viel an. Scheinbar war Ginny zu ihm durchgedrungen.
Hermione hoffte, dass sie ihn weiter bearbeiten konnte und letztlich dazu bekam, dass er vor dem Gamot für Draco aussagte, damit man ihn endlich frei ließ.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
