Kerkermond Evolution
Fanfiction von Lady of the Dungeon
Slashig-trashige Fanfiction, in der ein gewisser hakennasiger Zaubertränkemeister Zeuge eines blutigen Kampfes wird, zwei Werwölfe ihre Aufgaben erfüllen und jede Menge tote Krabbeltiere zu beklagen sind, was besagten Werwölfen Tränen in die Augen treibt.
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Danke an Sally Slytherin, lufa, lola, Lilia, Ritaskeeta und Moonlight für Eure Reviews!
So, wir kommen dem Ende mit Riesenschritten näher. Hat Snape sich entschieden, auf wessen Seite er steht? Was ist die alte Freundschaft zwischen ihm und Lucius Malfoy wert, im Angesicht der Entscheidung: Alles oder nichts? Wird Lucius sein Leben für den Orden aufs Spiel setzen? Kann Remus seinen Geliebten retten?
Spannende Unterhaltung!
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Musik:
AC/DC: Highway to hell
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Kapitel 48: Bis aufs Blut
„Gib mir deinen Zauberstab, Lucius", sagte Severus und zwang sich selbst zu eisiger Ruhe. Er hatte seinem Freund einen unregistrierten, nicht eben besonders edlen Stab zugesteckt, als sie losgegangen waren. Der ursprüngliche Plan beinhaltete, dass Lucius unter Umständen eine Attrappe brauchte, um damit jemanden einschüchtern zu können. Aber nun musste Severus umdisponieren, und der unregistrierte Stab würde eine andere Aufgabe erfüllen.
„Wenn ich loslasse, verhext sie mich", sagte Lucius mit Blick auf Bellatrix, die er immer noch in festem Griff hielt. „Der Stab steckt in meinem Umhang. Bedien' dich."
Severus nickte und nahm sich den Stab, dabei ließ er Bellatrix nicht aus den Augen. Seine eigene Waffe hatte er ebenfalls auf die Hexe gerichtet. Bellas Stab lag in der Tür zur Absorptionskammer auf dem Boden.
„Lass los und tritt zurück", sagte Snape gepresst zu Lucius.
Der blonde Slytherin strich Bellatrix über die Wange und berührte flüchtig ihre Lippen.
„Wie schade", sagte er leise. „Du bist so schön, Bellatrix Black. Du hättest alles sein können."
Er trat zurück und richtete den Blick auf seinen dunkelhaarigen Freund, der die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gepresst hatte und mit bleichem, entschlossenem Gesicht und glitzernden schwarzen Augen in Richtung der zierlichen Hexe starrte. Lucius ahnte, was nun geschehen musste. Er war sicher, dass seinem Freund selten ein Zauber schwerer gefallen war. Hilfe suchend sah er zu Lucius herüber.
„Ich kann es nicht für dich tun", sagte Lucius leise. „Willst du sie lieber lebenslang nach Askaban verdammen? Dann tu das. Aber jetzt musst du sie ausschalten."
Severus zielte und schloss die Augen. Lucius sah eine Träne in seinem Augenwinkel. Bellatrix stieß ein heiseres Lachen aus.
„Jetzt bring es schon hinter dich, Severus!" Ihr Blick schien entrückt. Furcht empfand sie offenbar keine.
„Avada… - Stupor!"
Von rotem Licht getroffen, sackte sie in sich zusammen.
„Die Liebe ist schon eine seltsame Himmelsmacht", sagte Lucius und kniete an ihrer Seite nieder. „Puls ist da. Du solltest dich jetzt um die anderen Todesser kümmern, die hier sind. Ich bleibe bei ihr und falls sie aufwacht, schlag ich sie k.o.. Die Tür steht offen", er wies auf den Raum mit der Absorpionsmaschine.
„Woher wusstest du, dass ich kein Todesser bin?", fragte Snape.
„Ich bin seit zwanzig Jahren dein Freund", erwiderte Lucius. „Du würdest mich niemals verraten. Und jetzt geh', bevor Voldemort unerwartet früher nach Hause kommt und mich in flagranti mit seinem ersten Leutnant ertappt."
Severus nickte. Sein Weg führte ihn zum Tor, wo er diesmal seinen eigenen Stab benutzte.
„Expecto patronum!"
Ein riesiger silbriger Rabe stob aus der Spitze des Stabes hervor und erhob sich lautlos in die Luft. Severus sah ihm nach, bis er zwischen den Bäumen des nahen Waldes verschwunden war. Sekunden später spürte er einen Stab in seinem Nacken.
„Wo ist Alicia?", knurrte eine vertraute Stimme.
„Merlin! Ich kenne niemanden, der völlig lautlos apparieren kann. Eine neue amerikanische Unsitte?", fragte Severus, ohne Gegenwehr zu leisten.
Gawain presste seinen Stab noch tiefer in Snapes Haut. „Wo ist meine Alpha?"
„In der ‚Heulenden Hütte'. Sie zu gefährden war überflüssig", gab Severus trocken zurück.
Der Druck der Stabspitze wich nicht. Lupins Gestalt tauchte aus dem Dunkel auf.
„Er sagt die Wahrheit, Gawain. Pomfrey hat sie untersucht. Es ist nur ein Schockzauber und ein Schlafmittel gewesen. Du wirst uns eine Menge zu erklären haben, Severus", setzte Lupin hinzu.
„Aber nicht jetzt", entgegnete der Tränkemeister. „Lucius hat die Kammer geöffnet, und er bewacht Bellatrix. Crabbe und Goyle sind bewusstlos, aber ich weiß nicht, wie lange noch. Laut Plan sind noch vier weitere Todesser unten in den Mannschaftsräumen."
„Wir kümmern uns darum", nickte Gawain.
Severus sah erst jetzt, dass der Auror und seine drei Rudelgenossen anstelle von Roben schwarze Kampfanzüge mit zauberfesten Westen und allerlei magischem Schnickschnack am Gürtel trugen. Sie sahen mehr wie Muggelpolizei als wie Zauberer aus, doch er wusste, dass man in den USA bei den Auroren so arbeitete. Vielleicht war das nicht einmal dumm. Moody und Fletscher stießen ebenfalls zu ihnen.
„Dolohov ist unter den Vieren", warnte Severus. „Seht euch vor, Gawain. Er ist ein begnadeter Duellant."
„Er ist mein Job. Deiner ist es, Remus den Rücken frei zu halten", antwortete Gawain. „Damit ihr nicht so einsam seid, habe ich dir noch Unterstützung mitgebracht. Tanita?"
Die Werkatze apparierte ebenso lautlos wie Gawain zuvor.
„Guten Abend, Professor Snape", grüßte sie mit einem Lächeln, das gefährlich scharfe, weiße Zähne entblößte. Severus kannte sie, natürlich. Ein Doppelspion hatte vielfältige Kontakte.
„Miss Fellini. Die amerikanische Behörde stellt uns noch eine Topagentin zur Verfügung", sagte er anerkennend. „Offenbar hat Washington endlich begriffen, welche Gefahr der Dunkle Lord bedeutet."
„Das war bereits offensichtlich, als man Gawain Gray geschickt hat", erwiderte sie. „Gehen wir. Nach Ihnen, Snape."
Severus nickte kurz, und die Werwölfe folgten ihm mit den Ordensmitgliedern in den alten Stollen hinein. Crabbe und Goyle lagen noch immer betäubt neben dem inneren Eingang. MacGraw, einer der Männer aus Gawains Rudel, kümmerte sich um magische Fesseln. Am Ende des Ganges trennten sich ihre Wege. Severus erklärte den Lykantrophen und Moody, wie sie die anderen Todesser finden würden. Nur er, Fellini, Lupin und Bill Weasley begaben sich zum jetzt geöffneten Absorptionsraum.
Lupins Blick hellte sich auf, als er Lucius neben der immer noch betäubten Bellatrix stehen sah.
„Gute Arbeit", lobte er den Slytherin.
„Hoffen wir, dass Sie ähnlich erfolgreich sind, Lupin", erwiderte Lucius ernsthaft.
Severus sah, wie Remus zusammenzuckte angesichts der formellen Anrede, doch er wandte sich sofort ab und verschwand im Maschinenraum. Lucius sah ihm mit verwirrtem Gesichtsausdruck nach.
„Er erinnert mich an irgendwen", sagte Lucius leise zu Snape. „An jemanden, den ich besser kannte. Ich habe nur keine Ahnung, an wen. Wann hatte ich jemals mit einem Lykantrophen zu tun? Die sind doch…keine Ahnung. Abschaum, oder? Sie gelten nicht viel bei euch?"
„Frag ihn nachher selber", gab Severus zurück. Merlin, er wollte besser nicht dabei sein.
„Miss Fellini?" Severus zog die Werkatze aus dem Raum, in dem Weasley und Lupin mit ihren Beschwörungen begonnen hatten, wobei Lupin zauberte und Bill beobachtete, mit einem magischen Abakus rechnete und Hilfestellungen gab.
„Könnten Sie sich um Bellatrix Lestranges kümmern?", bat Snape. „Ich sorge mich um Mr. Gray."
„Gawain weiß, was er tut", gab sie zurück. „Aber gehen Sie nur, ich halte diese Hexe in Schach und den beiden Arithmantikern den Rücken frei."
Snape nickte und wandte sich zum Gehen.
„Nimm mich mit", bat Lucius. „Ich sorge für optische Überlegenheit." Er lächelte und winkte mit Bellas Stab.
„Ich kann dich ohnehin nicht davon abhalten, den Ort zu wechseln", sagte Severus. „Aber halt dich hinter mir, Lucius. Nicht, dass Lupin mir am Ende den Kopf abbeißt."
Er rauschte vor Lucius den Gang entlang. Sie hatten den Treppenabsatz erreicht, als ihnen zuerst ein Patronus, ein schlanker Timberwolf, entgegenkam, dann bereits einer der Werwölfe. Neben ihm schwebten drei ohnmächtige Todesser, von denen bei einem ein Loch in der Kehle klaffte, das für eine heftige Konfrontation mit einem kräftigen Kiefer sprach – und für Tod statt Ohnmacht.
„Was ist unten los?" erkundigte sich Snape.
„Wir brauchen Verstärkung! MacClannahan ist verletzt, für ihn brauche ich einen Heiler. Die hier müssen in Obhut der Auroren. Unten sind noch Gray und Ferret, zusammen mit Moody und dem, den ihr Dolohov nennt. Er hat sich verschanzt, hinter einer Art Bühne."
„Der Thronsaal", rief Lucius aus und begann zu laufen.
„Oh Merlin!", fluchte Snape und jagte ihm nach. Doch Lucius war so schnell um die Ecke verschwunden, dass er ihn aus den Augen verlor. Und im Gegensatz zu Lucius konnte Severus hier im Hauptquartier nicht apparieren. Dennoch erreichte er über einen Quergang schnell den großen Saal, in dem der Dunkle Lord seine Versammlungen abzuhalten pflegte.
Lautlos huschte Severus zwischen den Säulen und Statuen der Dunklen Magischen Kreaturen entlang. Grünes und rotes Licht flackerte im rückwärtigen Bereich des Raums. Auf dem Gang lag ein Mann mit schwarzem Kampfanzug, das Gesicht am Boden. Er war tot, die Augen starrten blicklos in Severus' Richtung. Neben ihm lag Moody, völlig starr. Viel zu starr für einen Toten – vorsichtig löste Snape die Ganzkörperklammer, die den Ex-Auroren band. Er zog Moody mit einem ‚Accio' zu sich in die Deckung. Der alte Auror war ohne Bewusstsein, aber nicht gefährlich verletzt.
Severus ließ ihn im Schatten einer Thestralstatue zurück und arbeitete sich weiter vor in Richtung des Throns.
Dort lieferten sich Gawain Gray und Antonin Dolohov ein Duell auf Leben und Tod. Beide bluteten aus mehreren tiefen Wunden. Dolohov musste zunächst geglaubt haben, mit seinem Gegner wie gewohnt spielen zu können. Anders war die Verwendung des ‚Sectum sempra' nicht zu erklären. Doch Gray hatte mit gleicher Münze zurückgezahlt, wie Antonins schweißüberströmtes Gesicht und sein blutgetränkter Umhang verrieten.
Inzwischen waren die beiden Zauberer längst dazu übergegangen, sich einen Todesfluch nach dem anderen auf den Hals zu hetzen. Angriff, Deckung, Feuern, Deckung. Nicht magisches Können, sondern Schnelligkeit, Reflexe und Zielvermögen würden diesen Kampf entscheiden. Dolohov war der beste Duellant, den Snape kannte, aber der Amerikaner hatte die Reflexe eines Werwolfs, und er war fünfzehn Jahre jünger. Taktisch klug trieb er den Todesser immer mehr in die Ecke. Er presste sich mit gezücktem Stab an eine der Säulen, huschte dann schnell zur nächsten, stets darauf bedacht, in Deckung zu bleiben. Dolohov tat es ihm auf der anderen Seite des Bogenganges gleich. Schließlich hatten sie das letzte Säulenpaar erreicht. Gawain steigerte die Frequenz seiner Salven, doch ohne Hilfe konnte er nicht näher an Dolohov herankommen, dessen Deckung nahezu perfekt war. Severus zögerte. Er war ein sicherer Duellant, doch für einen Gegner wie Antonin war er zu langsam.
Noch während dieser Überlegung bewies der Russe seine Klasse. Ein geschickt gezielter ‚Destructis' ließ die Säule über Gawain bersten. Der Amerikaner versuchte, den herabfallenden Gesteinsbrocken auszuweichen. Für einen Wimpernschlag nur war er gezwungen, seine Deckung aufzugeben. Severus sah Dolohov zielen. Snapes hastiger ‚Sectum Sempra' verfehlte den Arm des Todessers, ebenso wie der hinterher geschleuderte ‚Stupor'.
Der grüne Lichtstrahl aus Dolohovs Zauberstab raste auf Gawain zu. Er schlug ein, und grünliches Flackern erstrahlte. Severus hielt den Atem an. Als der grüne Nebel sich auf einen Wink Dolohovs verzog, war dort – nichts.
Nichts, sah man von einer feinen Sandschicht am Boden einmal ab. Im nächsten Augenblick taumelte Dolohov hinter seiner Säule hervor, den Stab gezogen. Er wirkte für einen Moment desorientiert, als habe er einen Schlag auf den Kopf bekommen. In eben dieser Sekunde tauchte aus dem Nichts eine Gestalt hinter ihm auf. Das helle Haar aufgelöst, ein fiebriges Leuchten in den grauen Augen.
Malfoy!
Lucius holte wieder aus. Doch Dolohov musste seinen Angriff erwartet haben, denn blitzschnell fing er sich ab und tauchte unter dem Faustschlag Malfoys hindurch.
„Das machst du nur einmal mit mir, Veela!", brüllte er. Grünes Licht flammte auf und hüllte Lucius ein. Im selben Augenblick schlug ein roter Blitz in Antonins Rücken ein. Der Russe verdrehte die Augen und sank zu Boden. Gawain stürzte hinter dem Thron des Dunklen Lords hervor und Seile schossen aus seinem Stab. Binnen Sekunden war Dolohov gefesselt. Severus hastete zu dem Ort, an dem Lucius in den Strahlen des Avada kedavras gestanden hatte. Doch dort war – nichts. Keine Leiche, dafür jedoch geschmolzenes Glas und einen Haufen toter Skorpione.
„Uarg", japste Gawain und schüttelte ein letztes, verirrtes Krabbeltier von seinem Ärmel. „Wusstest du, dass Veelamagie mit diesen Viechern einhergeht?"
„Wo ist er?", fragte Severus und sah sich ratlos um. „Der Fluch hat ihn erwischt. Grünes Licht. Das war ein Avada kedavra."
„Er ist fort", konstatierte Gawain. „Wenn der Todesfluch ihn erwischt hätte, müsste er doch hier liegen."
„Lucius?"
Eine besorgte Stimme drang zu ihnen herüber, und zwischen den Säulen tauchte ausgerechnet Lupins Gestalt auf.
„Oh, Merlin", seufzte Severus. Remus Lupin war so ziemlich die letzte Person, vom Dunklen Lord einmal abgesehen, die er jetzt gebrauchen konnte.
„Wo ist Lucius?" fragte der Werwolf noch mal.
Inzwischen hatte er sie erreicht.
„Was ist mit der Maschine?", erkundigte sich Gawain – eine Notmaßnahme, um Zeit zu gewinnen, so schien es Snape zumindest.
„Wir haben sie außer Kraft gesetzt. Bill kann wieder zaubern. Er verständigt den Orden und die Auroren", beantwortete Lupin die Frage. „Wo ist Lucius?", drängte er. „Severus?"
Gawain holte tief Luft. „Remus, hör mal…"
Lupin wirbelte herum und packte den Alpha des Rudels am Kragen. „Nein, Gawain! Kein ‚Remus, hör mal'. Wo ist Lucius?" Seine Augen sprühten Funken. Severus war dankbar, dass er nicht an Gawains Stelle stand.
Mit hilfloser Geste wies der Amerikaner erst auf Dolohov, dann auf die Sandschicht mit den Placken geschmolzenen Glases darin und den toten Spinnentieren. Remus lief mitten hinein und ließ sich auf die Knie sinken. Er vergrub die Hände in dem Sand.
„Lucius", flüsterte er. „Das kann doch nicht alles sein, was von dir bleibt?"
Gawain holte tief Luft und trat zu dem knienden Werwolf. Wider besseres Wissen legte er ihm eine Hand auf die Schulter. „Die Tatsache, dass er nicht hier liegt, sollte Anlass zu Hoffnung geben", sagte er matt.
„Was ist passiert?", verlangte Remus zu wissen.
„Er hat meinen Arsch gerettet. Der Fluch raste auf mich zu, ein irres Summen, grünes Licht. Diesmal konnte ich nicht ausweichen. Plötzlich hat mich etwas weggerissen, ich hatte den Mund voll Sand, und wir sind hinter dem Thron dort auf den Boden geprallt. Er hat gesagt, ich soll mich bereithalten, um Dolohov zu erledigen, er würde ihn ablenken. Ich hab' versucht, ihn festzuhalten, aber er verschwand mir zwischen den Fingern." Wie zur Demonstration hielt Gawain ein Stück schwarzen Stoffs hoch.
„Das ist von dem Unhang, den er trug", sagte Severus. Nachdenklich betrachtete er die Glasplacken am Boden. „Der Fluch war stark genug, den Sand zu schmelzen. Lucius muss versucht haben, sich mittels seiner Veelakräfte in Sicherheit zu bringen. Da er nicht tot hier liegt…"
„Was?", brüllte Remus ihn an. „Was bedeutet es?"
„Bist du der Arithmantiker oder ich?", fauchte Snape zurück. Der Druck und die Belastung ließen sie alle durchdrehen. „Bücher. Such dir etwas über Magische Kreaturen und schlag unter ‚V' wie ‚Veela' nach. Oder frag' sie."
Er wies auf die blonde Frau, die eben zwischen den Säulen erschien.
„Bill? Wo ist Bill?" fragte die Hexe mit ängstlich geweiteten blauen Augen.
„Fleur." Gawain lief ihr entgegen. „Er ist nicht hier. Vermutlich habt ihr euch in den Gängen verpasst. Keine Sorge, er ist sicher okay. Bitte, kannst du uns helfen? Was bedeuten geschmolzener Sand und tote Skorpione?"
Er zeigte auf die Stelle, an der Lucius von Dolohovs Fluch getroffen worden war. Fleur schrie auf und schlug die Hände vors Gesicht. Sie sank an der Stelle auf die Knie und ihre Finger fuhren durch den feinen Sand und über das Glas. Ohne ein Zeichen von Ekel glitten sie auch über die toten Skorpione.
„Wir sind keine Menschen", sagte sie leise. „Wenn es für Veela Zeit wird, zu gehen, ist unser Weg nicht der eure. Malfoy war eigentlich nicht genug Veela, um unseren Weg zu gehen. Doch wenn große, dunkle Magie im Spiel ist, so wie ein Todesfluch, zerfließen die Grenzen zwischen den Welten."
Snape hatte genug gehört. Er sah die Tränen auf Lupins und Grays Gesichtern. Auch sie hatten verstanden. Sie würden Lucius Malfoy nicht wiedersehen.
Severus ballte die Faust über seinem Herzen. ‚Der Tod ist ein Weg, das Haus Slytherin zu ehren' – was für ein ultimativer Unsinn! Wut kochte in ihm hoch. Mit wallenden Roben rauschte er hinaus. Sie mussten diesem Wahnsinn endlich ein Ende bereiten! Ordensmitglieder begegneten ihm auf den Gängen, erste Auroren. Niemand stellte sich dem düsteren Tränkemeister in den Weg. Ohne aufgehalten zu werden, erreichte er den Ort, an dem Tanita Fellini Bellatrix' reglose Gestalt bewachte. Neben der Werkatze kauerte ein Todesser, die Hände mit magischen Seilen gebunden, die Maske achtlos neben sich am Boden. Ganz offensichtlich hatte Tanita leichtes Spiel mit ihm gehabt. Lange blonde Haare fielen ihm in einem peinlich ordentlichen Zopf weit über den Rücken. Sein graublauer, tränenverhangener Blick traf den Tränkemeister. Severus glitt neben ihm auf die Knie.
„Sie war die Letzte, die mir geblieben ist", flüsterte der junge Mann, in dessen Augen noch das Kind zu sehen war, das einst vor Severus im Tränkeunterricht gesessen hatte.
„Sie ist nicht tot. Und wir werden nicht zulassen, dass man sie in Askaban begräbt. Aber wenn wir das verhindern wollen, müssen wir schnell handeln. Komm, Draco."
Er zog den Jungen hoch.
„Miss Fellini, verhindern Sie, dass man die Gefangene fortbringt. Nur eine halbe Stunde. Bitte!"
Die Werkatze sah ihn aus schmalen Raubtieraugen an. „Also schön, Professor. Weil Sie's sind. Und nur solange, bis der Alpha andere Befehle für mich hat."
Severus nickte. Das musste eben reichen. Er packte Draco am Handgelenk. Sie mussten Dumbledore finden, bevor es hier von Ministeriumsleuten nur so wimmelte. Er war Zeit, eine alte Schuld einzufordern - und einen weiteren Raben auszusenden.
Fortsetzung folgt
