Vielen Dank an MsPsychoFairy und zaika.


Bondmate – Teil VI

Jim wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, als er vom Türbuzzer wieder geweckt wurde. Er blinzelte und hatte Mühe zu sich zu kommen. Er fühlte sich erschöpft und trotzdem irgendwie aufgekratzt und konnte sich im ersten Moment nicht ganz erklären, wieso.

Wach auf, T'hy'la. Jemand verlangt Zutritt zu deinem Quartier."

Und plötzlich war er wieder hellwach. Mit einem Schlag kam die Erinnerung an das zurück, was vor nur wenigen Minuten passiert war.

Spock und er hatten ihr Bond vervollkommnet.

Er konnte das Bond spüren und er spürte auch Spocks Präsenz in seinem Kopf, genauso klar, wie er eben dessen Stimme in seinem Geist gehört hatte und er konnte und wollte das glückliche Grinsen nicht unterdrücken, das sich in seinem Gesicht breit machen wollte.

Er hörte, wie der Türbuzzer noch einmal betätigt wurde.

Jim – wir sollten uns ankleiden. Und dann solltest du die Tür öffnen."

Du hast recht."

Er rappelte sich auf und schwang die Beine über den Rand des Bettes, dann stand er auf und bückte sich, um aus den Kleiderhaufen auf dem Boden seine Uniform herauszusuchen. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Spock es ihm gleich tat.

„Jim! Bist du da drin? Antworte gefälligst oder ich schwöre, dass ich die Tür aufbreche!"

Pilles Stimme war durch die verschlossene Tür gedämpft, trotzdem erkannte er sie sofort. Und er wusste, dass Pille seine Drohung wahrmachen würde – wenn er wahrscheinlich auch seinen Code benutzen würden statt Muskelkraft, um die Tür zu öffnen. Als CMO hatte er immerhin Zugang zu jedem Quartier in diesem Schiff.

„Einen Moment, Pille. Spock und ich sind noch nicht ganz – salonfähig."

Er konnte sich Pilles Gesicht bei seinen Worten lebhaft vorstellen – irgendetwas zwischen entsetzt und resigniert – und sein Grinsen wurde noch breiter. Schnell schloss er seine Hose, die er inzwischen angezogen hatte und streifte sich seine goldene Tunika über den Kopf. Dann fuhr er sich noch einmal durch die Haare und versuchte, die zerzauste Mähne zumindest ein bißchen zu bändigen, auch wenn er vermutete, dass er nur mäßigen Erfolg dabei haben würde. Ein Blick zu Spock zeigte ihm, dass dieser seine Uniform ebenfalls wieder angezogen hatte und zu seinem stillen Neid hatte Spock es geschafft, seine Haare so glattzustreichen, dass es beinahe so ordentlich wirkte wie immer.

Bereit?"

Positiv, Jim."

Er betätigte den Türöffner in der Erwartung, Pille vor der Tür vorzufinden, der seinen Gesundheitszustand überprüfen wollte und vielleicht noch den Botschafter, der ebenfalls nach dem Rechten sehen wollte.

Als sich die Tür öffnete, war er demnach doch einen Moment lang erstaunt.

Denn im Türrahmen standen nicht nur Pille und tatsächlich auch der Botschafter, sondern auch Spocks Vater und eine Vulkanierin, die ihm völlig unbekannt war. Die Frau war auch für vulkanische Standards nicht mehr jung. Sie hatte strenge Gesichtszüge und kluge aber kühle braune Augen. Die straff nach hinten gekämmten und auf ihrem Kopf zu einem festen Knoten zusammengebundenen schwarz-grauen Haare verstärkten ihr strenges Aussehen noch und selbst für eine Vulkanierin wirkte sie besonders unnahbar. Ihre Robe war dunkelblau und wertvoller als die, die der Botschafter oder Sarek trugen. Sie strahlte Autorität aus, die es gewohnt war, nicht hinterfragt zu werden und Jim fühlte sich von ihrem Blick sofort durchleuchtet.

Ist das T'Pau, Spock?"

Positiv, Jim."

Er wollte Spock gerade fragen, wie eine vulkanische Heilerin gemeinhin begrüßt wurde, um sich durch eine unangemessene Begrüßung nicht gleich ins Fettnäpfchen zu setzen, als T'Pau offensichtlich beschloss, die Situation in ihre eigenen Hände zu nehmen, denn ohne Umschweife oder ihn auch nur um Erlaubnis zu bitten, betrat sie sein Quartier und machte einige Schritte auf ihn und Spock zu.

Sie stellte sich vor Spock und richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn, musterte intensiv dessen Gesicht, während Spock nach außen hin reglos T'Paus Musterung über sich ergehen ließ und nickte schließlich.

„Ich erinnere mich gut an dich, Spock, Sohn des Sarek. Du hattest schon immer den Hang, dich in Schwierigkeiten zu bringen, warst rebellisch und konntest deine menschlichen Wurzeln nie vollständig überkommen. Es verwundert mich nicht, dich hier an Bord eines Föderationsraumschiffes und an der Seite eines Menschen wiederzusehen."

Er spürte, wie er ärgerlich wurde und war schon bereit Spock zu verteidigen, aber Spocks beruhigende Präsenz in seinem Geist hielt ihn davon ab.

Bleib ruhig, T'hy'la. T'Pau ist eine Frau von großem Einfluss und Autorität, die den vulkanischen Lehren und Traditionen äußerst verbunden ist. Es fällt ihr schwer, diesen Standpunkt zu verlassen und ihren Blickwinkel zu erweitern."

Aber das gibt ihr nicht das Recht dich zu beleidigen."

Nein. Trotzdem kann ich für mich selbst sprechen."

Und laut sagte Spock:

„Ich habe vor langer Zeit aufgehört, mein menschliches Erbe als Nachteil zu betrachten. Stattdessen habe ich inzwischen gelernt, mein menschliches Erbe anzunehmen."

In seinem Geist hörte er, wie Spock „Dank dir, T'hy'la" hinzufügte, bevor er für alle hörbar weitersprach.

„Und ich lerne gerade, meine menschlichen Herkunft gleichberechtigt neben meiner vulkanischen in mein Leben zu integrieren. Ich verstehe dies nicht als Nachteil, sondern als Vorteil. Es ist eine faszinierende und bisher äußerst lohnende Erfahrung."

Er sah Spock lächelnd an, der hoch aufgerichtet und stolz neben ihm stand und T'Pau in die Augen sah, ohne auch nur einen Moment lang zu straucheln. Er hatte das Gefühl, sich in diesem Moment noch einmal völlig neu in Spock zu verlieben.

Doch er hatte keine Zeit diesem Gedanken weiter nachzuhängen, denn in diesem Moment unterbrach T'Pau ihr Blickduell mit Spock und wandte ihm ihren forschenden Blick zu, während Ihre Worte nach wie vor Spock galten.

„Und ich vermute, dass dieser Mensch der Grund für deine neuen Einsichten und Bemühungen ist."

Und das war der Moment, in dem es ihm zu bunt wurde. Es war die eine Sache, dass T'Pau Spock beleidigt hatte, denn Spock hatte recht – er konnte sich selbst verteidigen. Aber von dieser steifen, kalten, glatten Vulkanierin behandelt zu werden, als sei er gar nicht da oder geistig nicht in der Lage, sich mit ihr auf einem Niveau zu unterhalten – das war dann doch zu viel des Guten.

„Mein Name ist James Tiberius Kirk. Ich bin Captain des Föderationsraumschiffes USS Enterprise, auf dem sie sich nebenbei bemerkt gerade aufhalten. Und ich habe eine gewisse Abneigung dagegen, wenn man über mich spricht, als wäre ich gar nicht da. Das finde ich ehrlich gesagt äußerst unhöflich."

Über ihre Verbindung konnte er Spocks amüsiertes Lächeln bei seinen Worten hören.

T'Paus Augen schienen noch eine Nuance kühler zu werden, als sie ihm nun ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte.

„Ich möchte Sie daran erinnern, Mr. Kirk, dass Sie und Spock es waren, die nach mir haben schicken lassen. Ich hätte nicht hierher kommen müssen. Aber ich folgte der Bitte Botschafter Sareks, der mich zusammen mit Botschafter Selek kontaktierte."

„Und wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie hier sind."

Er versuchte, jeglichen Sarkasmus aus seiner Stimme zu verbannen und war sich leidlich sicher, es geschafft zu haben.

Er sah, wie sich T'Pau wieder an Spock wandte.

„Dennoch muss ich zugeben, dass die Situation, die Botschafter Selek mir beschrieb, äußerst außergewöhnlich und damit auch äußerst faszinierend ist. Ein spontanes Bonding ist sehr selten und noch nie habe ich von einem solchen Bonding mit einer anderen Spezies gehört."

„Dies ist einer der Gründe, wieso ich ein solches Bond zuerst nicht in Betracht gezogen hatte."

T'Pau nickte.

„Ich wünsche eine Gedankenverschmelzung zu initiieren. Zum einen kann ich auf diese Weise die Entstehung und den status quo des Bandes am zuverlässigsten bestimmen und zum anderen kann ich nur auf diese Weise das Band entweder lösen oder stärken."

„Letzteres wird nicht mehr nötig sein."

Er hatte sich nicht mehr zurück halten können. Er verstand zwar, dass T'Pau offensichtlich einen Großteil der Unterhaltung mit Spock führen wollte, weil dieser nicht nur Vulkanier war, sondern die Dinge wahrscheinlich auch besser überblickte als er selbst. Aber vollkommen außen vor gelassen zu werden, konnte er dann doch nicht auf sich sitzen lassen. Immerhin ging es hierbei auch wesentlich um ihn selbst.

Und tatsächlich wandte sich T'Pau ihm wieder zu. Er konnte nicht in ihrem Gesicht lesen, da sie ihre Emotionen offenbar perfekt kontrollieren konnte, aber er stellte sich vor, dass irgendwo unter dieser emotionslosen Oberfläche Missbilligung brodelte. Irgendwie befriedigte ihn dieser Gedanke.

„Erklären Sie sich, Mr. Kirk."

„Spock und ich haben das Band schon stabilisiert. Wir sind uns eigentlich ziemlich sicher, dass es jetzt so ist, wie es sein muss. Es fühlt sich jedenfalls so an."

Er hörte jemanden scharf Luft holen – wahrscheinlich Pille – aber er wandte seinen,möglicherweise leicht herausfordernden, Blick nicht von T'Pau ab. Die Vulkanierin hob ihre Augenbrauen.

„Ich halte dies für äußerst unwahrscheinlich."

„Tatsächlich teile ich Mr. Kirks Auffassung, Heilerin. Allerdings sind meine Erfahrungen mit Bondings zugegebenermaßen äußerst gering, so dass ich es für logisch hielte, wenn du unser Bond überprüfen würdest, worum ich dich hiermit bitte."

Er registrierte, dass Spock sich ein wenig näher an ihn heran geschoben hatte und er war sich sicher, dass sie beide eine eindrucksvolle Front bieten mussten – Spock und er, aufrecht, furchtlos, Seite an Seite, eine Einheit äußerlich und innerlich. Und er liebte es. Genauso musste es sein. Genauso fühlte es sich richtig an. Genauso war es für Spock und ihn vorherbestimmt.

T'Pau wirkte noch immer skeptisch. Doch schien sie bereit, Spocks Bitte nachzukommen, denn sie trat noch einen Schritt näher auf diesen zu.

„Um das Bond zu überprüfen muss ich eine Gedankenverschmelzung mit dir eingehen, Spock."

Bist du einverstanden, Jim?"

Ich mag den Gedanken, diese … Person in unseren Gedanken zu haben, nicht, Spock. Aber es wäre sicherlich besser, wenn sie unser Bond überprüft. Sollten wir uns getäuscht haben, könnte das schlimme Folgen nicht nur für uns sondern auch für das Schiff und die Crew haben. Also ja – ich bin einverstanden."

„Wir sind einverstanden, Heilerin."

Er hörte mit Genugtuung, wie Spock das Wörtchen ‚wir' ein wenig deutlicher betonte.

T'Pau ließ dies allerdings vollkommen unkommentiert. Stattdessen hob sie die Hand, legte ihre Finger an Spocks Psi-Punkte und schloss die Augen.

Er hatte keine Zeit, sich unwohl mit der Tatsache zu fühlen, dass eine andere Person gerade eine Gedankenverschmelzung mit Spock initiierte, er hatte auch keine Zeit für irrationale Eifersucht, weil er sich inzwischen so sehr daran gewöhnt hatte, dass Spocks Geist seiner war.

Denn schon im nächsten Moment spürte er T'Paus Anwesenheit in Spocks Geist und über das Bond auch in seinem.

Und sofort ging er auf Abwehrhaltung.

Eine andere Präsenz in Spocks und seinem Geist zu spüren, kam ihm vollkommen falsch vor – wie ein Störton in einer besonders schrillen Tonlage, die ihm durch und durch ging und das Bedürfnis in ihm weckte, sich die Ohren zuzuhalten. Genauso hätte er am liebsten T'Pau aus seinem und Spocks Geist ausgeschlossen, aber er kannte in diesem Fall das Pendant zum Ohrenzuhalten nicht. Außerdem wusste er, dass er T'Paus Anwesenheit in Spocks und seinem Geist dulden musste, wenn er wissen wollte, ob das Band tatsächlich stabil und vollkommen war. Also riss er sich zusammen und versuchte sich so gut wie möglich zu entspannen.

Trotzdem griff er instinktiv mit seinem Geist aus und suchte Spocks Präsenz. Er stellte sich vor, wie er an ihrem gemeinsamen Band zog, um Spock näher an sich heranzuziehen, um dessen beruhigende, sichere Präsenz noch deutlicher und näher zu spüren.

Ich bin hier, Jim. Und ich empfinde ebenso viel Unbehagen wie du. Versuche deine Gedanken zu kontrollieren. T'Pau wird deine und meine Privatsphäre achten und sich ausschließlich auf unser Bond konzentrieren."

Dann sollten wir ihr helfen so gut wir können, damit ihr die Gedankenverschmelzung so schnell wie möglich beenden könnt."

Einverstanden."

Und schon im nächsten Augenblick sah er ihr Band wieder vor sich – genauso, wie er es in Erinnerung hatte. Stark und stabil, golden, strahlend, mit einer Korona aus gleißendem Licht. Wieder konnte er bei diesem Anblick kaum fassen, wie schön ihr Band war und wie sehr er dieses Band und das, was es verkörperte, liebte.

Und dann hörte er T'Paus Stimme.

Ich habe bisher selten ein Band von solcher Perfektion gesehen."

Er brauchte einige Momente, um die Bedeutung von T'Paus Worten zu verstehen. Doch dann folgten auf Verwirrung Überraschung und Ungläubigkeit, bis er schließlich beinahe das Gefühl hatte, vor Stolz und Erleichterung platzen zu müssen. In etwas gedämpfterer Form konnte er spüren, dass es Spock ganz ähnlich ging, wie ihm selbst. Und doch gab es eine Emotion, die er bei Spock nicht spüren konnte, die bei ihm allerdings die Oberhand gewann – Genugtuung.

Sehen Sie, Heilerin – wir haben es Ihnen doch gesagt."

Er spürte Spocks Belustigung und musste selbst schmunzeln über diese beinahe kindische Erwiderung, aber sie tat ihm nicht leid. Seiner Meinung nach hatte T'Pau die volle Breitseite unlogischen menschlichen Verhaltens für ihre eigene Überheblichkeit verdient.

Spock dagegen hatte seine menschliche Seite vollkommen im Griff.

Gehe ich demnach korrekt in der Annahme, dass das Bond stabil ist und negative Auswirkungen auf Mr. Kirks und meine Physiologie und Psyche nicht mehr zu erwarten sind?"

Deine Annahme ist korrekt, Spock. Auch, wenn es sowohl erstaunlich als auch faszinierend ist, dass ihr das Band ohne meine Hilfe stabilisieren konntet."

Tatsächlich hat Mr. Kirk die Stabilisierung des Bandes initiiert."

Die Pause, die nach Spocks Worten – oder besser Gedanken – entstand, zeigte ihm T'Paus Überraschung, vielleicht auch Verwirrung und Ungläubigkeit fast ebenso gut, als wenn sie sie offen gezeigt hätte.

Und zum ersten Mal seit Initiierung der Gedankenverschmelzung sprach T'Pau ihn direkt an.

Wie haben Sie dies bewerkstelligt, Mr. Kirk?"

Ich habe meine Verbindung zu meinem Ende des Bandes hin geöffnet und meine ganzen Gefühle für Spock und unser Band hineinfließen lassen. Nachdem Spock dasselbe getan hat, hat sich das Band stabilisiert und die Form angenommen, die Sie hier sehen können."

Ich verstehe."

T'Pau wirkte nachdenklich.

Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, ihre Emotionen in das Band fließen zu lassen, Mr. Kirk?"

Auf diese Frage hatte er selbst noch keine richtige Antwort gefunden.

Ich weiß es nicht genau. Ich denk, ich habe mich da einfach auf mein Bauchgefühl verlassen und gehandelt. Es hatte sich in dem Moment richtig angefühlt."

Er meinte, einen Hauch Missbilligung zu spüren, der ihm von T'Pau entgegen wehte, dann war der Moment aber schon wieder vorbei.

Auch, wenn Ihre Erklärung keinerlei Logik beinhaltet, haben Sie doch das Richtige getan, was durchweg erstaunlich ist. Und ebenso erstaunlich ist das Bond als solches. Ich habe selten ein Bond gesehen, das stabiler war als dieses. Dies weist auf eine besonders hohe Kompatibilität zwischen euren beiden Geistern hin. Dies wiederum ist logisch, da nur unter dieser Voraussetzung ein spontanes Bonding einsetzen konnte. Möglicherweise war es darüber hinaus dein menschliches Erbe, Spock, das die spontane Bindung zu einem anderen Menschen möglich gemacht hat."

Was letztlich bedeutet, dass die Bindung, die zwischen Spock und mir besteht, durch und durch besonders ist."

Wieder konnte er Spocks Belustigung bei seiner unverblümten Erwiderung spüren, aber auch dessen Zuneigung und seine Zustimmung zum Inhalt seiner Worte. Was T'Pau dachte, wusste er dagegen nicht, da die alte Vulkanierin offensichtlich sehr geübt darin war, ihre Gedanken und Emotionen vor Spock und ihm auch im Rahmen einer Gedankenverschmelzung zu verbergen.

Zumindest ist dies die ungewöhnlichste Verbindung, die ich jemals untersucht habe. Dieser Einblick war höchst faszinierend."

Zu seiner Erleichterung spürte er, wie T'Pau sich mit diesen Worten aus Spocks Geist und damit auch aus seinem zurück zog.

Und dann öffnete er die Augen, die er irgendwann im Rahmen der Gedankenverschmelzung geschlossen haben musste und wusste, dass Spock und er wieder alleine waren. Er atmete einmal tief durch, was ihm zum dritten Mal Spocks Belustigung über ihr Band einbrachte, aber er warf Spock nur einen Seitenblick zu und grinste.

Dann sah er in die Runde. Pilles Gesicht zeigte einen besorgt-verwirrten Ausdruck, Sareks und T'Paus war vulkanisch-bewegungslos. Der ältere Spock zwinkerte ihm verschwörerisch zu.

Schließlich war es Pille, der in seiner medizinisch-freundschaftlich motivierten Ungeduld die entscheidende Frage stellte:

„Und?"

Er grinste Pille an.

„Es ist alles in Ordnung. Unser Bond ist stabil. So schnell werde ich nicht mehr in Ohnmacht fallen."

Offensichtlich schien Pille ihm nicht zu trauen, denn er sah direkt T'Pau an.

„Stimmt das?"

Leicht zuckte T'Paus Augenbraue nach oben und er hatte genug Erfahrung darin, Spocks Augenbraue zu lesen, um sich leidlich sicher zu sein, dass in dieser Geste Missbilligung lag. Offensichtlich war ihr Pilles unverblümte Anrede nicht respektvoll genug gewesen. Dennoch antwortete sie auf Pilles Frage, wenn auch möglicherweise noch ein wenig kühler als zuvor schon.

„Mr. Kirk ist korrekt. Das Bond zwischen Spock und Mr. Kirk ist vollkommen. Physische oder psychische Beeinträchtigungen der beiden Partizipanten werden zukünftig nicht mehr zu erwarten sein."

Pille schien sich mit dieser Antwort zufrieden zu geben, denn er steckte den medizinischen Scanner, den er die ganze Zeit über in der Hand gehalten hatte, in seinen Gürtel zurück.

T'Pau schien ihre Aufgabe ebenfalls als erledigt anzusehen, denn sie trat einige Schritte von Spock zurück und auf dessen älteres Ich zu.

„Ich ziehe es vor, umgehend nach New Vulcan zurück zu kehren. Ich bin vielbeschäftigt und meine Anwesenheit ist hier nicht länger von Nöten. Ich würde es begrüßen, wenn Sie mich zum Transporterraum begleiten würden, Botschafter Selek."

Der ältere Spock deutete ein Nicken an.

„Selbstverständlich."

Mit erhobenem Kopf schritt T'Pau zur Tür, die auf die Gänge der Enterprise hinausführte und betätigte den Türbuzzer. Erst im Türrahmen der geöffneten Tür drehte sie sich noch einmal um und hob die Hand zum vulkanischen Gruß, den Spock und Sarek erwiderten, während Pille und er ihr zunickten. Und schon im nächsten Moment hatte T'Pau sein Quartier verlassen. Spocks älteres Ich folgte ihr und Sekunden später hatte sich die Tür hinter beiden geschlossen.

Einen Moment herrschte Stille, bevor er zu niemandem im Besonderen sagte:

„Das war … interessant."

„In der Tat."

Er sah Spock von der Seite an und schenkte ihm ein schiefes Lächeln.

Ich schlage vor, du nimmst dir Zeit, endlich in Ruhe und unter vier Augen mit deinem Vater zu sprechen. Und ich sollte wohl Pille auch einige Dinge erklären."

Einverstanden, T'hy'la."

Aber bevor dein Vater zurück auf die Oberfläche beamt, würde ich gerne noch ein paar Worte mit ihm sprechen."

Ich werde dich rechtzeitig benachrichtigen."

Danke."

Ohne ein weiteres Wort trat Spock auf Sarek zu.

„Willkommen an Bord, Vater."

Sarek neigte leicht den Kopf.

„Ich danke dir, Spock."

„Ich schlage vor, dass wir mein Quartier aufsuchen, Vater. Dort können wir uns ungestört unterhalten."

„Dein Vorschlag ist akzeptabel."

Dann wandte sich Sarek ihm zu.

„Ich hoffe, zu einem späteren Zeitpunkt noch Gelegenheit zu finden, mich mit Ihnen zu unterhalten, Jim. Verstehen Sie bitte, dass ich zuerst mit meinem Sohn zu sprechen wünsche."

Er lächelte Spocks Vater an.

„Vollkommen verständlich, Botschafter. Ich werde zu Ihnen und Spock stoßen, bevor Sie auf die Planetenoberfläche zurückkehren. Spock wird mich benachrichtigen."

Sarek neigte noch einmal den Kopf in Zustimmung. Dann verabschiedete er sich mit einer vulkanischen Grußgeste von Pille. Und nur Augenblicke später hatten Spock und Sarek sein Quartier verlassen und er war mit Pille allein.

Einen Moment lang sahen Pille und er sich nur stumm an.

Dann seufzte Pille auf.

„Ich weiß nicht, wie es dir geht, Jim. Aber ich könnte einen Drink gebrauchen."


In seinem Quartier replizierte Spock für seinen Vater und sich selbst je eine Tasse vulkanischen Kräutertees. Dann setzte er sich seinem Vater an dem kleinen Tisch in der Ecke des Raumes gegenüber und stellte eine der Tassen vor diesem auf dem Tisch ab.

Einige Augenblicke lang schwiegen sie beide, während sie einen Schluck aus ihren Tassen nahmen. Dann jedoch stellte Sarek seine Tasse wieder ab und sah ihn an. Er kannte seinen Vater gut genug, um die Entschlossenheit und die stumme Aufforderung in dessen Blick zu erkennen.

„Es ist einiges passiert, seit ich Jim und dich als Gäste in meinem Haus aufgenommen habe. Und auch, wenn ich die Wahrscheinlichkeit dieses Ergebnisses durchaus als hoch eingeschätzt hatte, überrascht mich dennoch die Geschwindigkeit, in der sich die Dinge zwischen Jim und dir entwickelt haben."

Er konnte seine Überraschung nur schwer verbergen.

„Du hast damit gerechnet, dass Jim und ich eine romantische Beziehung eingehen? Auf welcher Grundlage basierte deine Vermutung?"

Sareks Augen musterten ihn mit undurchdringendem Blick.

„Ich war Botschafter auf der Erde und beinahe 30 Jahre mit einer Menschenfrau verheiratet, Spock. Ich wäre ein schlechter Beobachter und Ehemann gewesen, wenn ich in all dieser Zeit nichts über menschliches Verhalten gelernt hätte. Die Tatsache, dass Jim dich begleitet hat, um Zeit mir dir zu verbringen, war ein erstes Indiz. Die Art und Weise, wie er dich angesehen hat ein weiteres. Am deutlichsten war aber die Art, wie er von dir gesprochen hat, insbesondere als ich alleine mit Jim war, während du in der Küche tätig warst. Und du bist mein Sohn, Spock. Ich kenne dich seit deiner Geburt. Und ich kann in deinem Verhalten lesen. Ich wusste, dass du Jim zugetan warst. Was ich aber offensichtlich unterschätzt hatte, war das Ausmaß dessen, was euch tatsächlich zueinander hingezogen hat und inzwischen verbindet."

Die Worte seines Vaters überraschten ihn und machten ihn nachdenklich und er fragte sich, ob er seinen Vater und vor allem dessen Bereitschaft, sich mit ihm und seinen Emotionen auseinander zu setzen, nicht die ganze Zeit über unterschätzt hatte. Je offener er in der Vergangenheit mit seinem Vater gesprochen hatte, desto deutlich hatte sein Vater ihm gegenüber die vulkanische Beherrschtheit, die er immer nach außen trug, gelockert und ihm einen faszinierende Einblick in dessen Gefühlswelt offenbart. Offensichtlich hatten die Tatsache, dass sein Vater weite Strecken seines Lebens auf der Erde und damit unter Menschen verbracht hatte sowie das Leben, das er mit seiner Mutter geteilt hatte, auch bei seinem Vater seine Spuren hinterlassen, selbst, wenn sein Vater keine menschlichen Wurzeln hatte. Sein Vater schien Suraks Lehren seinem Leben nicht mehr in dieser Absolutheit zugrunde zu legen, wie er es früher getan hatte und wie es die meisten seines Volkes taten, sondern er schien sich – zumindest ihm gegenüber – ein geringes Maß an Emotion zu erlauben. Und wahrscheinlich – so dachte er – war dies sogar logisch. Denn seine Mutter, so klug und einfühlsam sie auch war – hätte nicht 30 Jahre an der Seite seines Vaters glücklich sein können, wenn sein Vater niemals zumindest ein Mindestmaß an Gefühl und Liebe gezeigt hätte. Und er fühlte sich geehrt durch das Vertrauen seines Vaters, ihm selbst nun Einblick zu gewähren und ihn teilhaben zu lassen an dieser Seite seines Vaters, die diesen auch verletzlich machte.

Als hätte sein Vater seine Gedanken gehört, fügte er hinzu:

„Du bist alles, was mir nach dem Tod deiner Mutter geblieben ist, Spock. Ich wünsche mir, Teil deines Lebens zu sein."

Die Worte seines Vaters berührten ihn tief in seinem Inneren und er wusste, dass dieses Gespräch die Weichen stellen würde für ein vollkommen neues Verständnis zwischen seinem Vater und ihm.

„Ich hege denselben Wunsch, Vater. Ich habe mich nicht früher an dich gewandt, weil ich dein Feingefühl nicht verletzen wollte. Ich wollte dich mit meinen Emotionen und Gedanken, die durchaus intimer Natur waren, nicht belasten. Ich sehe nun, dass dies falsch war. Ich hätte mehr Vertrauen in dich haben sollen. Bitte nimm meine Entschuldigung an und meine Versicherung, dass ich dies in Zukunft berücksichtigen werde."

„Eine Entschuldigung ist nicht nötig, Spock."

Er neigte den Kopf leicht nach rechts, um seinem Vater zu bedeuten, dass sie zu einem Konsens gelangt waren. Dann nahm er einen Schluck Tee aus seiner Tasse und beschloss, seinen Vorsatz, seinem Vater in Zukunft mehr zu vertrauen, gleich in die Tat umzusetzen.

„Jim ist T'hy'la, Vater."

Das Gesicht Sareks blieb regungslos, aber er nickte.

„Ich habe dies bereits vermutet. Auf andere Weise wäre ein spontanes Bonding zwischen Jim und dir auch nicht möglich gewesen. Die Tatsache, dass ihr in der Lage wart, das Bond selbst zu stärken und die Art und Weise, wie fasziniert T'Pau auf euer Bond reagierte, lässt mich außerdem schließen, dass eure Verbindung äußerst stark ist."

„Das ist sie."

Wieder schwiegen sie und nahmen einen Schluck Tee. Dann stellte er schließlich die Frage, die ihn bereits seit einer Weile beschäftigte und die er nun im Rahmen des neuen Verständnisses zwischen seinem Vater und ihm zu stellen wagte.

„Hat Mutter es jemals bereut, das Bond mit dir eingegangen zu sein?"

Sein Vater verstand offensichtlich den Gedanken hinter seiner Frage.

„Nein, Spock, sie hat es niemals bereut. Deine Mutter hat bewiesen, dass auch Menschen tief und aufrichtig lieben und sich der Person, die sie lieben, nicht nur mit ihrem Körper, sondern auch mit ihrem Geist hingeben können. Deine Mutter war in der Lage die Techniken zu erlernen, mit denen sie ihren Geist und die Verbindung beherrschen konnte. Auch wenn das Konzept eines Bondes für die Menschen fremd ist, hat deine Mutter bewiesen, dass der Geist eines Menschen trotzdem anpassungsfähig genug ist, um sich darauf einzulassen. Und es nicht als Belastung, sondern als Bereicherung zu empfinden."

Einen Moment hielt Sarek inne, dann fuhr er fort:

„Ich vermute, du bist dir Jims Gefühle und dessen Bereitschaft zu eurem Bond sicher gewesen, bevor ihr das Bond vervollkommnet habt."

Er nickte.

„Ja. Wäre ich mir nicht sicher gewesen, dass es Jims freier Wille war und seine Gefühle für mich stark genug, diese Herausforderung anzunehmen, hätte ich niemals zugelassen, dass wir unser Bond vervollkommnen."

Sein Vater sah ihn unverwandt an.

„Dann hast du jeden Grund und alle Rechtfertigung, Jim und eurer Verbindung zu vertrauen."

Noch immer überrascht über diese neue Art der Ehrlichkeit seines Vaters sah er diesen an und fühlte Dankbarkeit in sich aufsteigen.

Noch einige Momente länger hielten sie den Blick des anderen fest.

Dann senkten sie die Köpfe und nahmen einen weiteren Schluck Tee.


Er schwenkte den Whiskey in seinem Glas hin und er, den er Pille und sich selbst eingeschenkt hatte. Doch bis auf das leise, schwappende Geräusch dieser Bewegung war es in seinem Quartier vollkommen ruhig. Über sein Glas hinweg sah er Pille an, in dem es offensichtlich arbeitete, der aber den Kopf gesenkt hielt, so dass er nicht erkennen konnte, was dieser dachte.

Er hatte ursprünglich beschlossen zu warten, bis Pille den ersten Schritt machen würde das Gespräch zu eröffnen, aber langsam wurde er ungeduldig.

Gerade spielte er mit dem Gedanken, seinen ursprünglichen Plan in den Wind zu schießen und Pille zum Reden zu zwingen, als dieser schließlich auf und ihm direkt in die Augen sah.

„Nicht, dass es jetzt noch irgendeine Rolle spielen würde aber – hast du dir das gut überlegt? Vorher meine ich? Bevor ihr dieses Bond vervollkommnet habt? Hast du dich nicht nur aus einer Laune oder aus deinem Bauch heraus auf diese Sache eingelassen? Denn verdammt nochmal, Jim, dieses Bond bekommst du nie wieder los. Und den Kobold damit auch nicht mehr. Hast du dir das wirklich klar gemacht?"

Er hörte die Sorge aus den Worten seines besten Freundes heraus und musste lächeln.

„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Pille. Dieselben Fragen hat Spock mir auch gestellt und er wäre diese Verbindung nie mit mir eingegangen, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass ich genau weiß, was ich tue und es mit meiner ganzen Existenz will. Es war die richtige Entscheidung, Pille, und ich bin mir sicher. In meinem ganzen Leben war ich mir noch nie so sicher."

„Aber ihr seid gerade mal ein paar Tage zusammen. Alles ist frisch, alles ist toll, alles ist rosarot. Was macht dich so sicher, dass es in einem Jahr noch genauso sein wird? Oder in zehn? Oder in 50?"

„Es ist schwer zu beschreiben, Pille. Und alles, was ich sagen könnte, würde wirklich kitschig klingen. Aber im Grunde ist es so, wie du es selbst gesagt hast – im Grunde habe ich mein Leben lang nach Spock gesucht. Bei ihm bin ich einfach nur ich und es ist gut so, weil das der Grund ist, warum er mich liebt. Dieses Band zwischen uns ist das Wertvollste, was ich besitze. Ich hätte es niemals zerstören können. Alles, was ich tun wollte, war es zu schützen und zu stärken. Es gab für mich einfach keine Alternative. Und natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen, niemand kann das. Aber zum jetzigen Zeitpunkt bin ich mir so sicher, wie man sich nur sein kann, dass es immer so sein wird zwischen Spock und mir."

Pille hatte den Kopf wieder gesenkt und starrte in sein Glas, als könnte er darin den Stein des Weisen finden. Er gab Pille Zeit, seine Worte zu verarbeiten und nahm einen kräftigen Schluck, bevor er das Glas auf dem Tisch abstellte, an dem sie beide saßen.

Irgendwann hob Pille wieder den Kopf und sah ihn ernst an.

„Du bist glücklich?"

Der Satz war als Frage formuliert, klang aber eher nach einer Feststellung. Trotzdem nickte er.

„Ja."

Pille nickte – offensichtlich hatte er diese Antwort erwartet.

„Das ist für mich genug."

Er spürte, wie ihm plötzlich ganz leicht ums Herz wurde und erst in diesem Moment verstand er, wie wichtig ihm Pilles Verständnis und Akzeptanz gewesen waren. Sein Lächeln, mit dem er Pille ansah, war groß und ehrlich und erleichtert.

„Danke, Pille. Du bist ein echter Freund."

„Ja, ja, schon gut."

Pille nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. Dann schüttelte er den Kopf, während er ihn mit zusammengekniffenen Augen betrachtete.

„James T. Kirk ist unter der Haube. Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde."

Er musste lachen.

„Glaub mir, Pille – ich auch nicht. Aber jetzt, wo es soweit ist, ist es großartig."

Und dann beugte er sich noch immer breit grinsend und mit einem verschwörerischen Lächeln vor.

„Und wer weiß – wenn sich das mit Uhura und dir weiter so rasant entwickelt, bist du vielleicht der nächste."

Entsetzt verschluckte Pille sich an seinem Whiskey und musste husten. Freundschaftlich klopfte er seinem Freund auf die Schulter. Schließlich hob Pille wieder den Kopf, das Gesicht rot, die Augen tränenfeucht, was ihn aber nicht davon abhielt, ihn anzublitzen.

„Verdammt, Jim, tu das nie wieder."

Er setzte seine beste Unschuldsmiene auf.

„Ich weiß nicht, was du meinst, Pille. Ich habe doch nur gesagt, dass du und Uhura…"

„Ich habe gehört, was du gesagt hast und ich will nichts mehr darüber hören. Ich habe bereits eine Scheidung hinter mir. Das reicht mir bis an mein Lebensende. Und nur, weil du dich ohne Sinn und Verstand und doppelten Boden in dieses Bond-Ding mit deinem Spitzohr gestürzt hast, muss das nicht das neue Lebenskonzept für alle anderen sein."

Abwehrend aber noch immer grinsend hob er beide Hände.

„Schon gut. Ich hör ja schon auf."

„Das will ich dir auch geraten haben."

Er setzte schon zu einer Erwiderung an, doch in dem Moment hörte er plötzlich und unvermittelt Spocks Stimme in seinem Kopf.

Jim – mein Vater wünscht zurück auf die Oberfläche zu beamen."

Schon?"

Ja, mein Vater wird in etwa einer Stunde bei einer Sitzung des vulkanischen Rates erwartet. Er kann nicht länger bleiben."

Gut, Spock, ich habe verstanden. Ich treffe euch in zehn Minuten im Transporterraum."

Einverstanden."

„Jim?"

Er blinzelte und nahm erst in diesem Moment wieder Pille wahr, der ihn, leicht vornüber gebeugt, besorgt ansah.

„Alles in Ordnung?"

Er nickte.

„Ja. Und ich muss dich jetzt leider verlassen, Pille. Spock hat mir mitgeteilt, dass sein Vater gleich auf New Vulcan zurückbeamen wird und ich wollte noch ein paar Worte mit Sarek sprechen, bevor er geht."

Pille zog die Brauen hoch.

„Ihr habt miteinander gesprochen?"

„Ja, über unsere Verbindung. Das ist großartig, Pille. Ich kann ganze Gespräche mit Spock in unseren Köpfen führen, von überall."

„Das ist – irgendwie gruselig."

„Das meinst du nur. In Wirklichkeit ist es ganz und gar großartig."

Pille schien nicht überzeugt.

„Na, wenn du das sagst."

„Glaub es mir einfach."

Und dann stand er auf und machte scheuchende Bewegungen in Pilles Richtung.

„Und jetzt hoch mit dir. Ich muss zum Transporterraum. Und zwar schnell."

Und mit einem breiten Grinsen konnte er sich nicht verkneifen hinzuzufügen:

„Mein Schwiegerpapa wartet auf mich."

Und plötzlich hatte Pille es eilig aufzustehen.

„Spätestens jetzt ist gruselig gar kein Ausdruck mehr. Da geh ich doch lieber wieder zurück in meine Krankenstation."

Seine Antwort war ein Lachen und gemeinsam mit Pille verließ er sein Quartier. In unterschiedliche Richtungen gingen sie schließlich auseinander.


Als Jim den Transporterraum betrat, war er schon nicht mehr ganz so guter Laune. Und auch, wenn er es niemandem gegenüber wirklich zugegeben hätte, war er doch ein wenig nervös. Seine scherzhafte Bemerkung Pille gegenüber, dass er seinen Schwiegervater treffen würde, hatte ihm erst bewusst gemacht, dass das im Grunde tatsächlich der Fall war. Und er hatte keine Ahnung, wie Sarek dazu stand, dass Spock sich gebondet hatte und mit ihm – einem Menschen und einem Mann – noch dazu.

So, wie er Sarek kennen gelernt hatte, konnte er sich zwar nicht wirklich vorstellen, dass Sarek etwas gegen Spocks Wahl haben würde, aber was Vulkanier betraf – zumindest die reinblütigen – konnte man sich ja nie so ganz sicher sein.

Dabei ging es ihm weniger um sich selbst – er würde sicherlich auch damit leben können, wenn Sarek ihn nicht an Spocks Seite akzeptierte – aber er hoffte um Spocks willen, dass das Gespräch zwischen Vater und Sohn gut verlaufen war. Er wusste zwar, dass Spock sich jederzeit für ihn und gegen seinen Vater entscheiden würde. Aber er wollte nicht, dass Spock auf diese Weise auch sein anderes Elternteil verlor.

Doch kaum hatte er den Transporterraum betreten und Spock angesehen, der mit seinem Vater bereits auf ihn wartete, als er wusste, dass seine Bedenken zumindest in dieser Hinsicht unbegründet gewesen waren. Er kannte Spock gut genug, um dessen Stimmung in den kleinen Nuancen seiner Haltung, seiner Augen und der Stellung seiner Augenbrauen ablesen zu können. Und der Spock, den er hier sah, war vollkommen entspannt.

Trotzdem kontaktierte er Spock noch einmal vorsichtshalber durch das Band, während er auf Spock und Sarek zuging.

Lief das Gespräch mit deinem Vater gut, Spock?"

Keine Sorge, T'hy'la. Unser Gespräch verlief höchst zufriedenstellend."

Das heißt, er akzeptiert mich an deiner Seite?"

Positiv, Jim."

Und das machte es ihm deutlich einfacher, sich nun direkt an Sarek zu wenden, dem er inzwischen gegenüber stand.

„Botschafter…"

Doch noch bevor er den Satz hätte beenden können, hob Sarek die Hand und brachte ihn so zum Schweigen.

„Du bist der Bonding-Partner meines einzigen Sohnes, Jim, und damit Teil meiner Familie. Es ist nur angemessen, wenn du mich bei meinem Vornamen nennst."

Überrascht und auch ein wenig schockiert sah er den grauhaarigen Vulkanier an, sah kurz zu Spock, als ob er sich versichern wollte, dass er sich nicht verhört hatte, sah Spock kaum merklich nicken, während es um dessen Mundwinkel verräterisch zuckte und sah schließlich wieder Sarek an. Und dann – lächelte er.

„Wahrscheinlich ist es tatsächlich angemessen, meinen Schwiegervater beim Vornamen zu nennen."

Er konnte Spocks Belustigung über ihr Band spüren und er bildete sich ein, dass auch Sarek Mühe hatte, seine vulkanisch-undurchdringliche Miene beizubehalten. Doch dann wurde Jim wieder ernst und sah Sarek direkt an.

„Ich weiß nicht, inwiefern es für Vulkanier von Bedeutung ist, aber ich wollte Ihnen … dir noch sagen, dass ich weiß, wie wertvoll und besonders Spock ist und dass ich gut auf ihn aufpassen werde. Es ist mir absolut ernst mit Ihrem … deinen Sohn und ich werde ihn niemals enttäuschen."

Er spürte bei seinen Worten Spocks Liebe durch das Band und lächelte ihm zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf Sarek richtete, der ihm antwortete.

„Mein Sohn wäre diese Verbindung nicht eingegangen, wenn er sich nicht absolut sicher in dir gewesen wäre, Jim. Und ich sehe keinen Grund, seine Entscheidung und seine Wahl anzuzweifeln."

Dann schwieg Sarek einen Moment, bevor er mit etwas leiserer Stimme weitersprach:

„Und ich bin mir auch sicher, dass Amanda Spocks Wahl gut geheißen hätte. Ich weiß, dass sie dir mit großer Sympathie begegnet wäre. Sie hätte sich für euch beide gefreut."

Der plötzliche dicke Klos, den er im Hals spürte, machte es ihm beinahe unmöglich zu antworten und so bekam er nur ein heiseres „Danke" heraus. Er konnte Spocks Emotionen – Traurigkeit aber auch Dankbarkeit und Freude über Sareks Worte – klar und deutlich spüren und er wusste, was diese Worte Spock bedeuteten. Und sie bedeuteten auch ihm eine Menge.

Ich wünschte mir wirklich, ich hätte sie gekannt, Spock."

Du wirst sie kennenlernen. Ich werde dir von ihr erzählen. Und ich werde meine Erinnerungen mit dir teilen, wenn du das möchtest."

Das möchte ich."

Er sah, wie Sarek die Hand zum vulkanischen Gruß hob.

„Lebe lang und in Frieden, Jim. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder."

Dann wandte er sich an Spock.

„Lebe lang und in Frieden, mein Sohn."

„Lebe lang und in Frieden, Vater."

Er bemühte sich, Sareks Handhaltung zu imitieren.

„Ich hoffe auch, dass wir uns bald wiedersehen. Bis dahin leb wohl, Sarek."

Sarek nickte ihm und Spock noch einmal zu, dann betrat er die Transporterplattform. Spock selbst begab sich hinter die Kontrollen und nur Augenblicke später hatte sich Sarek vor ihren Augen aufgelöst.

Er wartete, bis Spock sich wieder an seine Seite gesellte, dann verließen sie zusammen den Transporterraum.

„Das war ein ereignisreicher Tag."

„In der Tat, Jim."

„Und was machen wir mit dem Rest des Tages?"

„Diese Frage ist einfach zu beantworten. Deine Anwesenheit wird auf der Brücke erwartet, meine im Maschinenraum."

„Und das ist also dein Verständnis von Flitterwochen?"

Spocks erhobene Augenbraue brachte ihn zum Lachen.

„Schon gut, Spock. Aber versprich mir, dass wir uns heute Abend sehen."

„Es gibt nichts, was mich davon abhalten könnte, dir am Abend Gesellschaft zu leisten."

„Das wollte ich hören."

Er ließ seine Fingerspitzen leicht über Spocks gleiten, dann lächelte er diesem noch einmal zu, bevor sich ihre Wege trennten. Auf dem ganzen Weg zur Brücke summte er vor sich hin. Und es war ihm vollkommen egal, wer ihn dabei hörte.