Kapitel 52:
„Ich will es einfach nicht glauben!", schimpfte Harry vor sich hin, während immer noch die Schülermengen um sie herum auf das Eichenportal zuströmten.
Ron und Hermine sahen ihn nervös an. Ron versuchte noch immer, seinem Zauberstab dazu zu überreden, Licht zu machen.
„Was auch immer du glaubst, Harry, wir sollten hier auch schnell verschwinden," sagte Hermine und schaute sich ständig um, in ihrer Stimme klang Angst mit.
„Du hast doch Nellie gehört," war Harry's Antwort, „vor dem Schloss sind Todesser!"
„Dann sollten wir die Schüler aufhalten und nicht tatenlos hier rum stehen," motzte Ginny hinter Harry und schob sich an ihm vorbei.
„Viel Spaß dabei," raunte Ron enttäuscht und steckte seinen Zauberstab schließlich weg.
„Draußen sind Lehrer," meinte Neville plötzlich, „die werden sich doch um alles kümmern, oder nicht?"
Ginny runzelte die Stirn, legte ihm aber beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Ich muss mir was ansehen," sagte Harry plötzlich und drehte sich um. Er schob sich gegen den Strom der Menge auf die Tür zur großen Halle zu. Die anderen folgten langsamer.
Schon an der Tür blieb Harry wie angewurzelt stehen. Er starrte in die weitläufige Halle, als würde er sie zum ersten Mal sehen. Als Ginny neben ihm stehen blieb, musste sie schwer schlucken. Es war nicht der vertraute Anblick, der sich ihr hier bot. Keine fröhlichen Kerzen schwebten mehr über den Tischen und die Decke spiegelte auch nicht mehr den Himmel draußen wider. Stattdessen zeigte der Teil der hohen Decke, der noch nicht eingestürzt war, stinknormale Deckenbalken. Die langen Haustische waren von den heftigen Beben verrückt oder teilweise umgekippt worden. Ein trauriger Anblick, der so gar nicht zu Hogwarts passen wollte. Die Magie, die diesen Saal zu etwas Besonderen gemacht hatte, fehlte und ließ ihn wie eine leere Hülle zurück.
„Reicht dir das als Beweis?", fragte Ginny leise und schlang einen Arm um Harry's Hüfte. Sanft zog sie ihn wieder in die Eingangshalle zurück. „Komm jetzt, wir müssen hier weg."
Harry bebte vor Wut. Es war sein Zuhause, das hier gerade zerstört wurde! Und es waren seine Freunde, die verletzt und vielleicht sogar von den Todessern getötet wurden. Er ballte die Fäuste und war bereit, jeden, der ihm oder den anderen zu nahe kam, mit eigenen Händen zu verprügeln, dass er nicht mehr wüsste, wo oben und unten war.
Doch bevor er dazu Gelegenheit bekam, tauchte plötzlich Remus bei ihnen auf.
„Harry, Ron, Hermine, wie gut, dass ich euch finde," keuchte er. „Wir brauchen eure Hilfe. Ihr müsst versuchen, euch nach Hogsmeade durchzuschlagen, jemand muss den Ordensmitgliedern bescheid geben, die dort positioniert sind."
„Was ist mit den anderen Lehrern?", fragte Hermine sofort.
„Die meisten versuchen draußen, die Schüler in Sicherheit zu bringen, einige sind tot." Remus ließ etwas den Kopf hängen. Er sah erschöpft aus. „Und wir können Mad-Eye nirgends finden."
„Wo könnte er denn sein?"
„Wir wissen es nicht, aber ich bin auf dem Weg zu seinem Büro. Vielleicht können wir über seinen Kamin einen Hilferuf ans Ministerium schicken."
„Was ist mit den Eulen?", fragte Harry.
„Sie sind alle weg," brummte Remus und sein Blick wurde wütend. „Auch die Geheimgänge helfen uns nicht mehr, sind alle zugeschüttet. Da wusste jemand sehr genau, was er zu tun hatte."
„Kannst du nicht einen Patronus schicken?," fragte Harry. „Schickt sich der Orden nicht so gegenseitig Nachrichten?"
„Schon," meinte Remus und knirschte mit den Zähnen. „Aber dafür brauchen wir unsere Magie. Ohne sie sind wir nur einfache Muggel und so gut wie wehrlos."
„Apropos Muggel," sagte Ron, „hast du Nellie gesehen?"
„Sie müsste draußen irgendwo sein. Aber wenn ich mir um einen Menschen gerade am wenigsten Sorgen mache, dann um Nellie."
„Gut," nickte Hermine, „dann schauen wir, dass wir den Orden benachrichtigen."
„In Ordnung, ich versuche zum Büro des Direktors durchzukommen."
„Ich komme mit," sagte Harry sofort.
„Bist du verrückt?", schrie Ginny auf. „Das Schloss stürzt ein, siehst du das nicht?"
„Wenn Remus denkt, dass er es schaffen kann, dann schaffe ich das auch," brummte Harry. „Und falls ihm irgendetwas passiert, dann kann ich ihm helfen."
„Aber…"
„Kein Aber. Wir haben keine Zeit zu verschwenden."
Remus sah Harry einen Moment lang skeptisch an, dann nickte er. Harry nahm kurz Ginny's Hand, küsste sie auf die Stirn und sah dann Hermine und Ron an.
„Passt auf euch auf! Wir sehen uns später!"
Doch Harrys Worte sagten mehr als das aus. Er bat seine Freunde mit einem stummen Blick auch auf Ginny aufzupassen.
Dann lief er hinter Remus her.
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Es war ein Drahtseilakt, durch das bebende, schwankende Schloss zu laufen, das immer mehr in sich zusammen stürzte. Die Treppen zu benutzen glich schon fast einer Kamikaze-Aktion, doch Remus und Harry ließen sich davon nicht abhalten. Sie kletterten über Mauerreste, sprangen über Löcher im Boden und benutzten, wo es noch ging, Abkürzungen und geheime Treppenaufgänge. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie endlich vor dem Wasserspeier standen, der zum Büro des Schulleiters führte.
„Und nun?", fragte Harry. „Funktionieren die Passwörter denn noch?"
„Probieren wie es aus," war Remus' knappe Antwort und sagte mit fester Stimme: „Mysteriumsabteilung."
Es tat sich gar nichts.
„Bist du sicher, dass es das richtige Passwort ist?"
„Natürlich. Moody hat es erst gestern Abend noch geändert. Mysteriumsabteilung!"
Immer noch keine Reaktion.
„Verdammt!" Remus schlug mit einer Faust gegen die Mauer neben dem Wasserspeier.
„Gibt es keinen anderen Zugang?", fragte Harry und sah sich um. Ein Dröhnen kam von unten und der Boden unter ihren Füßen schwankte.
„Nein."
Remus dachte angestrengt nach und tastete sich dabei an der Mauer entlang.
Ein erneutes Beben ließ ihn von der Wand zurückweichen, die keine Sekunde später in sich zusammen stürzte. Remus konnte sich nur mit einem gewagten Sprung nach hinten schützen. Harry zog ihn zusätzlich von den herabfallenden Steinen weg, so dass er stolperte.
Als der Staub sich gelegt hatte und Remus wieder auf den Füßen stand, sahen sie, dass der steinerne Wasserspeier umgestürzt und von Mauerresten begraben worden war. Hinter einem engen Spalt konnten sie einen Teil der Geheimtreppe erkennen, die sich sonst wie von selbst spiralförmig zu den Räumlichkeiten des Schulleiters nach oben gewunden hatte. Nun lag sie reglos da.
„Los, hilf mir," rief Harry, der sofort auf den Spalt zugesprungen war. Er wartete gar nicht erst, bis Remus ihm folgte, sondern fing direkt an, lose Steine zur Seite zu räumen, um den Durchlass zur Treppe zu verbreitern. Dass sie sich dabei die Hände aufschürften, bis sie blutete, kümmerte sie nicht.
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Nachdem Harry fort war, kämpften sich Hermine, Ginny und Ron durch die verängstigten Schülermengen nach draußen. Dort duckten sie sich sofort, als ihnen schon die ersten Flüche um die Ohren schwirrten.
„Ist denen jetzt jede Sicherung durchgebrannt?", schrie Ginny wütend.
„Das ist so feige! Wir können uns nicht einmal verteidigen!", unterstützte Hermine den Zorn ihrer Freundin, während sie sich immer noch auf Ron's Arm stützte.
Gebückt und immer wieder Schülern, ob tot oder lebendig, ausweichend, versuchten die Drei durch die Reihen der Todesser durch und nach Hogsmeade zu kommen. Neville war irgendwo zwischen der großen Halle und dem Eingangsportal zurück geblieben.
Immer wieder, als sie schon dachten, die Todesser endlich hinter sich gelassen zu haben, wurden sie aufgehalten. Einmal versperrte ihnen ein schmächtiger Todesser den Weg, doch Ginny gab ihm nicht einmal die Gelegenheit, seinen Zauberstab richtig auszurichten, als sie ihm auch schon in den Magen trat und seinen Zauberstab zerbrach. Beim zweiten Mal stand ein hoch gewachsener Slytherin-Junge vor ihnen.
„Oh, sieh an, wen wir da haben!", sagte er aalglatt. „Wo habt ihr denn eure Galionsfigur gelassen?"
„Halt die Klappe!", sagte Ron nur und wollte Hermine schon weiterziehen, als der Junge ihn mit gehobenem Zauberstab aufhielt.
„Nicht so schnell," meinte er nur.
„Damit machst du uns keine Angst," knurrte Ron, „der funktioniert sowieso nicht mehr." Er deutete auf den Zauberstab.
„Denkst du wohl," grinste der Andere teuflisch und im nächsten Moment traf Hermine ein Blitz, der sie keuchend zusammen sacken ließ.
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Es war ganz offensichtlich, dass das Haus der Slytherins bei diesem Angriff eine ganz eigene Rolle zu spielen hatte.
Als Neville sich schließlich, eingezwängt zwischen einer Horde jammernder Zweitklässler, durch das Tor nach draußen gekämpft hatte, konnte er Marcus Flint erkennen, der sich einen Spaß daraus machte, einen dicken Jungen aus den unteren Klassen wie einen Flummi kopfüber immer über die Wiese dotzen zu lassen. Der Junge schien ohnmächtig oder schlimmeres, er rührte sich nicht mehr.
Dem ersten Drang, sich ganz klein und unauffällig zu machen, gab Neville noch nach und duckte sich hinter eine paar große Hufflepuff-Mädchen. Er kannte sie. Sie hatten ihm einmal geholfen, als er in der Bibliothek ein Regal umgeworfen hatte. Doch diese Deckung wurde ihm schnell wieder genommen. Neville konnte nicht erkennen, wer die Flüche aussprach, doch eine nach der anderen kippten die Mädchen um und blieben mit vor Angst weit aufgerissenen Augen leblos liegen.
Es war mehr als Wut, was Neville in diesem Moment ergriff, es war blanker Hass. Ohne weiter nachzudenken, stürzte er sich auf die erstbeste Gestalt, die einen erhobenen Zauberstab hielt. Er musste mehr Glück als Verstand haben, denn vor Überraschung konnte das plumpe Slytherin-Mädchen, das er erwischt hatte, nicht schnell genug reagieren und brach unter seinen Faustschlägen zusammen. Die Rechnung für diese überstürzte Aktion kam jedoch sofort. Ein grüner Lichtblitz traf Neville in die Seite und seine Fäuste, die schon für den nächsten Schlag erhoben waren, sanken schlaff herunter, während der Gryffindor mit dem Gesicht nach unten auf der Erde landete.
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Keine fünf Minuten später war der Spalt, an dem Remus und Harry gearbeitet hatten, groß genug, dass die beiden Männer sich hindurchzwängen konnten.
„Wenn das Ding noch mal einstürzt, sind wir am Arsch, das ist dir hoffentlich klar," brummte Harry.
„Dann beeilen wir uns wohl besser," antwortete Remus mit einem Grinsen.
Sie kletterten so schnell sie konnten die halb verschüttete Treppe nach oben, bis sie vor der schweren Holztür standen, die zu Moody's Büro führte. Remus klopfte, doch es kam keine Antwort.
Harry drückte die Klinke nach unten, die Tür ließ sich jedoch nicht öffnen.
„Hat er sie magisch verschlossen?", fragte er.
„Wahrscheinlich ist sie noch von gestern Abend verriegelt," überlegte Remus. „Verflixt."
Harry trommelte mit den Fäusten gegen das Holz.
„Professor Moody?!"
Es kam keine Antwort.
„Bist du sicher, dass er dort drin ist?"
„Er muss dort sein. Keiner der Lehrer hat ihn heute gesehen und ich bin mir sicher, bei all dem Chaos wäre er uns zu Hilfe gekommen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er die Schüler im Stich lässt oder fort geht, ohne jemandem etwas zu sagen."
Harry drehte sich im Kreis und suchte nach etwas, mit dem er die Tür aufbrechen könnte.
„Wenn nur Nellie jetzt hier wäre," murmelte er vor sich hin, „sie hätte sicher irgendetwas Schlaues in ihrem Rucksack, was uns hier helfen könnte."
Remus grinste wieder, suchte dann aber auch mit. Er fand unter einem Steinhaufen ein Eisenteil. Harry hatte inzwischen einen schweren Steinbrocken in der Hand, mit dem er schon begonnen hatte, die Tür zu bearbeiten. Remus brach mit seiner Eisenstange die Klinke aus ihrer Halterung und stocherte zwischen Tür und Rahmen herum. Weitere fünf Minuten später gab die Tür schließlich nach. Remus und Harry ließen ihre Werkzeuge fallen und betraten den großen runden Raum. Das erste, was sie sahen, waren etliche Bücher, die verstreut auf dem Boden lagen. Doch sie waren nicht einfach nur bei den zahlreichen Beben aus den Regalen gefallen, sondern lagen zerfetzt und zerrissen umher. Es sah nach einem Kampf aus. Unwillkürlich nahm Harry seinen Zauberstab zur Hand. Als ihm einfiel, dass er ihn nicht benutzen konnte, steckte er ihn mit einem ärgerlichen Fluch wieder weg.
„Moody?"
Keine Antwort.
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Ron und Ginny schrieen auf, als Hermine zu Boden fiel. Ron beugte sich sofort besorgt über sie. Hermine war ohnmächtig, schien aber große Schmerzen zu haben. Ginny stürzte sich auf den Slytherin. Sie schlug auf ihn ein, dass er keine Chance hatte, noch mehr Flüche los zu werden. Nachdem Ron seinen ersten Schock überwunden hatte, wallte solche Wut in ihm auf, dass er aufsprang und ebenfalls mit geballten Fäusten auf den Mitschüler losging. Dass er keine Magie anwenden konnte, war ihm in diesem Moment schnurz egal. Die Weasley-Geschwister droschen so lange auf dem Slytherin ein, bis ein Paar Hände Ginny unsanft wegzerrten und ein Fluch Ron traf. Die Wucht war so groß, dass er einige Meter über die Wiese flog, ehe er liegen blieb und sich nicht mehr rührte.
Ginny wehrte sich nach Leibeskräften gegen die Hände, die sie hielten und ihr schmerzhaft ins Gesicht schlugen. Ein großer Todesser, dessen Gesicht hinter einer Maske verborgen lag, hatte sie gepackt. Er lachte schallend, während er es zu genießen schien, zu beobachten, wie das Mädchen sich wehrte. Ginny's Kräfte schwanden schnell, doch bevor sie ganz erlahmten, sah sie etwas, was ihr wieder neue Hoffnung gab.
Aus dem Dorf kamen Menschen gelaufen. Eine ganze Menge Menschen. Und sie hielten Zauberstäbe in den Händen. Und, was das Wichtigste war, sie trugen keine schwarzen Umhänge. Ganz im Gegenteil, ganz vorne konnte Ginny eine Frau mit hell orangenen Haaren erkennen.
Über ihnen schwebte eine große dunkle Wolke. Ginny kniff etwas die Augen zusammen, dann erkannte sie, dass es Eulen sein mussten.
Endlich griff der Orden in den ungleichen Kampf ein. Und er kam nicht alleine.
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Remus und Harry liefen um den Schreibtisch herum und über eine Treppe in den hinteren Teil des Büros. Dort fanden sie schließlich den Direktor.
Mad-Eye Moody lag neben einem alten Ohrensessel auf dem Boden, halb verdeckt von einem Haufen Steinen und Gebälk, das aus der Decke herunter gebrochen sein musste. Sein Holzbein fehlte und als sie ihn umdrehten sahen sie, dass auch das magische Auge nicht an seinem Platz war.
„Was ist mit ihm?", fragte Harry, den der Anblick der leeren Augenhöhle nervös machte.
„Es sieht so aus, als habe ihn jemand geschockt," antwortete Remus. „Und die ganzen Steine haben ihm noch den Rest gegeben. Aber ich glaube nicht, dass er ernsthaft verletzt ist. Hol mir bitte ein Glas Wasser, Harry, wenn du denn hier irgendwo noch eines finden solltest."
Harry lief los. Die Karaffe, die sonst immer auf dem Schreibtisch gestanden hatte, lag zerschmettert auf dem Boden. Doch Harry wusste, dass es in einer Ecke des Büros ein Waschbecken gab. Er fand es auch sehr schnell wieder, nachdem er ein paar Steine zur Seite geräumt hatte. Nur ein ganzes Glas konnte er nicht finden. Also riss er ein Stück von seinem T-Shirt ab, tränkte es mit Wasser und lief zurück zu Remus.
Auf dem Weg zurück fand er in einer Ecke Moody's Holzbein, nahm es etwas angewidert an sich und legte es neben den Ex-Auroren.
Während Remus sich um den Verletzten kümmerte, ging Harry auf den riesigen Kamin zu. Das Gefäß mit dem Flohpulver lag ebenfalls zertrümmert auf dem Boden, doch Harry bückte sich und fegte mit den Händen einen kleinen Haufen zusammen, den er aufhob und in die kalten Kohlen warf. Normalerweise wären jetzt smaragdgrüne Flammen aufgelodert, doch es tat sich nichts.
„Verfluchter Mist!"
Er lief zurück zu Remus und erzählte ihm von seinem glücklosen Versuch.
„Das dachte ich mir schon, aber es ist gut, dass du es trotzdem versucht hast, Harry. Es gehört Magie dazu, das Flohnetzwerk zu nutzen und davon ist in diesen Gemäuern leider Gottes nichts mehr übrig. Wir können nur hoffen, dass Ron, Neville, Hermine und Ginny es nach Hogsmeade schaffen."
„Sie werden es schaffen. Wie geht es ihm?"
„Er kommt zu sich."
Und tatsächlich regte sich Moody und schlug kurz darauf die Augen auf. Gerade in dem Moment, als der Kamin im Nebenraum in sich zusammenbrach und der Boden schwankte. Moody schreckte zusammen, setzte sich aber sofort aufrecht hin.
„Langsam," warnte Remus.
„Papperlapapp," brummte der Schulleiter. Er versuchte aufzustehen, bemerkte aber in diesem Moment, dass sein Holzbein fehlte, fand es aber direkt neben sich. Mit einem derben Fluch nahm es Moody und schraubte es wieder dort hin, wo es hingehörte.
„Was ist passiert, Moody?", fragte Remus.
„Verfluchte Todesser," spuckte Moody aus. „Haben mich mitten in der Nacht überfallen. Waren so viele, dass ich kaum eine Chance hatte. Haben das Büro magisch verriegelt. Wir müssen sofort Verstärkung holen! Sind die Mistkerle denn noch hier?"
„Sie stehen unten vor dem Schloss und fangen die Schüler ab," erklärte Remus und sah dabei so wütend aus, wie Harry ihn noch nie gesehen hatte.
„Aber was wollten die denn von Ihnen?", fragte Harry.
„Was weiß ich! Frag mich ohnehin, wie die hier rein gekommen sind!"
„Ich vermute mal, sie wollten dich ausschalten, damit du ihnen nicht ins Handwerk pfuschen kannst," meinte Remus und runzelte die Stirn. „Wäre ihnen auch fast gelungen."
„Remus, schick deinen Patronus ins Dorf, Tonks hat dort heute Wache. Ich informiere das Ministerium über den Kamin."
Remus und Harry sahen sich einen Augenblick lang sprachlos an.
„Was steht ihr da wie die Ölgötzen?", pflaumte Moody sie an. „Na los!"
„Verzeihung Professor," mischte Harry sich ein. „Erinnern Sie sich noch an das Notizbuch meines Vaters und den Todesfluch, der darin stand?"
„Was soll die Zeitverschwendung jetzt, Potter? Natürlich erinnere ich mich!"
„Nun, Voldemort hat anscheinend genau diesen Fluch auf das Schloss angewendet."
„Was soll das heißen? Remus, wovon spricht der Bursche?"
„Er will dir damit nur erklären, dass Zauberei hier nicht mehr funktioniert," sagte Remus tonlos. „Wir vermuten, dass Voldemort den Anullare Magia-Fluch tatsächlich ebenfalls kannte und ihn vor uns anwenden konnte. Wir können magisch keine Hilfe holen und können uns auch kaum verteidigen. Und draußen steht Voldemort, bringt wahllos die Schüler um und wartet wahrscheinlich nur darauf, dass Harry raus kommt."
Moody starrte Remus aus seinem gesunden Auge an. Es hatte ihm die Sprache verschlagen.
„Was ist mit den Geheimgängen? Den Eulen?"
„Die Gänge sind alle zugeschüttet und die Eulen fortgejagt."
„Na los, dann müssen wir diesen Feiglingen wohl nach guter alter Muggel-Art in den Hintern treten."
